Praxistipp - Worauf Sie achten sollten, wenn Sie Ihren Urlaub in Lappland buchen

Traumurlaub in Lappland? Da gibt es aber ein paar Sachen, an die Sie vor einer Buchung denken sollten!

Ich muss mir einfach mal mein Unverständnis und meine Schockstarre von der Seele schreiben. Das vor allem, um alle (potentiellen) Lapplandurlauber vor unseriösen Anbietern (die es leider mehr als genug gibt) zu warnen.

Die Woche war ich wieder einmal auf einer Tagung in einem Hotel in Norrbotten. Bei solchen Besuchen habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, alle vor Ort verfügbaren Broschüren und Infoflyer duchzusehen. Es gibt ja immer noch etwas dazu zu lernen. Was ich da allerdings gefunden habe, übertrifft wieder einmal alles Vorstellbare. Die langjährige Tätigkeit als Jurist und Unternehmensberater hat mich für manche Problemkreise überdeutlich sensibilisiert.

Worum es geht:

Ein kleiner Flyer (mit grausigem Layout und vielen Typofehlern) hat mir verraten: Wieder sind einige Mitteleuropäer in Lappland aufgeschlagen, um das grosse Geld zu verdienen; getragen von der Liebe zu Schlittenhunden und dem Lockruf des Geldes. Unsere interne Bezeichnung dieser Kategorie heisst "Touristische Wellenreiter“: Auf der Welle des Strebens nach dem grossen Geld reiten wollen und dann eine Menge verbrannter Erde hinterlassen. 

Der unscheinbare Flyer enthielt einen Link zu einer Homepage - und die hatte es in sich. Mal abgesehen davon, dass das Konzept schon rein betriebswirtschaftlich keine Chance hat, gibt es einige Aspekte, die besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Bereits das spontane Überfliegen der Homepage, lässt uns erschaudern. Da wird der Transfer vom Flughafen und zu verschiedenen fakultativen Aktivitäten ebenso angeboten, wie das Servieren von Mahlzeiten und allerlei alkoholhaltigen Getränken. All das ist in Schweden erlaubnispflichtig und kann mit saftigen Bussgeldern, einer sofortigen Geschäftsuntersagung (= Betriebsstillegung) und auch mit Gefängnis (-> Alkohol) geahndet werden. Nachdem in Schweden das Öffentlichkeitsprinzip gilt, hat die Recherche sogleich ergeben, dass keine (!) der erforderlichen Erlaubnisse tatsächlich vorliegen.

Dann wird in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zunächst einmal munter drauf los diskriminiert. Von den unwirksamen Haftungsfreizeichnungen (à la: Der Gast ist immer schuld - wir nie) abgesehen, sind Zahlungsbedingungen die Krönung, die dem auf EU-Recht basierenden Reiserecht diametral entgegengesetzt gegenüber stehen. Will sagen: Vorkasse lange im Vorhinein ohne jegliche Absicherung - der Gast trägt das Insolvenzrisiko.

Ein weiterer Punkt: Der besagte Anbieter hat auf seiner Homepage keine Anbieterkennzeichnung und keine schwedische Organisationsnummer angegeben. Lediglich der Name einer natürlichen Person findet sich und dazu eine Telefonnummer, die allerdings nicht schwedisch ist. Auch hier ergibt die schnelle Recherche, dass überhaupt noch kein schwedisches Gewerbe angemeldet worden ist. Das Gästebuch verrät uns aber, dass bereits einige Gäste aus den vergangenen Monaten positive Bewertungen abgegeben haben. Buchen wir diese Einträge zugunsten der Betreiber als im Marketinginteresse geschriebene Eigenkommentare, besteht aber dennoch das ganz erhebliche Risiko damit auch noch auf das Radar des schwedischen Finanzamtes zu kommen (was alles andere als amüsant werden dürfte).  

Oh und besonders schön ist es immer, wenn den geneigten Besuchern auch Hundepatenschaften für einen der vierzig (!) Huskies angeboten werden. Hier wird dann gleich ganz kräftig zugelangt, denn es dürfen mehrere Hundert Euro für ein Jahr pro Hund gezahlt werden. Mehrfachpatenschaften für ein- und denselben Hund werden natürlich auch nicht ausgeschlossen. Nebenbei sei noch angemerkt, dass Hundehaltung ab einer bestimmten Anzahl von Hunden bei der jeweiligen Landesverwaltung angemeldet werden muss. Gerade bei Schlittenhundefarmen werden in Nordschweden gerne und häufig unangemeldete Kontrollen durchgeführt, die dann wegen der häufig völlig unzureichender Haltungsbedingungen zum Tierhaltungsverbot führen können.

Warum dieser Blogeintrag? Um alle diejenigen zu warnen, die einen "Traumurlaub mit Schlittenhunden" o.ä. planen und/oder buchen wollen.

Bitte liebe Urlauber: Aufmerksam die Angebote studieren und erst einmal in Ruhe nachdenken. Stellen Sie an den Anbieter Fragen und studieren Sie dessen Antworten. Fragen Sie nach Referenzen, d.h. Gästen, die Sie befragen können. Wenn es sich um kleine und unbekannte Anbieter handeln sollte, dann befragen Sie bitte auch Google und ggf. die Sprechstunde des Verbraucherschutzes (u.a. auch wegen der AGB und der vom Anbieter angegebenen Zahlungsbedingungen). 

Und bitte denken Sie auch an die armen Schlittenhunde, die teilweise unter erbärmlichen Bedingungen gehalten werden (insbesondere im Sommer, denn da bringen die Hunde keinen Umsatz sondern nur Kosten mit sich).

Ein positiver Nachsatz: Es gibt auch einige seriöse und tadellose Anbieter. Die Kunst ist es, diese als solche auch zu identifizieren.

immer_wieder_geht_die_sonne_auf
„Und immer, immer wieder geht die Sonne auf -
über den Guten wie den Bösen“