22.12. - Wir leben noch und was ist sonst so geschehen?

Die gute Nachricht zuerst: Den 21.12. haben wir - aus Gesamtweltperspektive gesehen - mit Anstand gemeistert. Will sagen: es gibt uns noch. Ist doch schon mal was.
 
Passiert ist trotzdem etwas. Witzigerweise gerade um das vielbeschworene Datum herum. Instagram hat den Selbstmord geprobt. Und jede Menge Vertrauen verspielt. Und User verloren. Vor allem ernsthafte Amatuer- und Profifotografen.
 
Eigentlich wollte ich ja eine Linkliste zum Thema hier einstellen. Nachdem dann innerhalb eines Tages bereits mehr als 40 lesenswerte Links beisammen waren, war die Menge einfach zu gross. Die Geschichte dürfte sich mittlerweile ohnehin flächendeckend herum gesprochen haben. Und nun ist Instagram gerade dabei, auf Raten zurück zu rudern.
 
Was mich eigentlich stört ist nicht die Tatsache, dass - für den User kostenfreie Soziale Medien - ein Geschäftsmodell entwickeln müssen, wenn sie überleben wollen. Seit ich 2009 "Free: The Future of a Radical Price" von Chris Anderson gelesen habe, war mir das System von Facebook & Co endgültig klar. Und Hand aufs Herz: als User wissen wir, dass unsere Daten die Handelsware sind, mit der die Gewinne gemacht werden. Denkende Anwender überlegen daher, was sie von sich preisgeben. Insofern eine Art "faires Geschäft".
 
Was mich stört ist die dreiste 180-Grad-Wende, die sich nach der Übernahme von Instagram durch Facebook vollzogen hat. Als Facebook vor wenigen Monaten den Milliarden-Deal der Instagram-Übernahme bekanntgab, lautete das Statement von Mark Zuckerberg: Auch unter dem Dach des weltgrößten Online-Netzwerks soll sich nichts ändern.
 
Aha. Die Halbwertszeit dieser Aussage war durchaus begrenzt. Einige Monate später bereits wurde die Umstellung auf die neuen "terms of service" bekannt gegeben, denen zufolge sich Instagram Veröffentlichungs- und Verwertungsrechte an allen hochgeladenen Bildern sichern wollte (alle juristischen Fragen und Zweifel zur Zulässigkeit blende ich der Einfachheit halber hier aus).
 
Jedenfalls: Für mich - und viele andere User weltweit - war und ist das eine wesentliche Änderung. Eine ziemlich wesentliche sogar. Wir wissen, wie die Geschichte weiter geht. Grosse Proteste zwingen Instagram jetzt dazu, zurück zu rudern. Das ist gut. Im Kern aber bleibt der Vertrauensverlust. Ich nenne das unehrlich und unseriös.
 
Vielleicht gab es gute wirtschaftliche Gründe für den Schwenk. Ein Geschäftsmodell für Instagram zu entwickeln ist nicht ganz trivial. Aber bitte nicht durch den Verstoss gegen gegebene Zusagen.
 
Deswegen habe ich meinen Account dort nun auf Eis gelegt und ein eigenes Moblog (mobiles Fotoblog) gestartet mit Einblicken in das Alltagsleben eines Fotografen am Polarkreis.
 
Meine Bitte: bookmarken und täglich dort vorbeischauen :) Danke.

Perspektive 22.12.2012 - Es geht weiter!
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