Geplante Obsoleszenz, Teil 4: Töpfe mit Henkel innen, und so

Heute mal wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie zur geplanten Obsoleszenz. Diesmal von der gefährlicheren Sorte.

Es ist eine Sache, wenn die Kompaktkamera nach einer bestimmten Anzahl an Auslösungen geplant den Geist aufgibt. Als wir seinerzeit die statistischen Auffälligkeiten bei der Lebensdauer bestimmter Produkte aus dem fotografischen Umfeld erkannt hatten, sind wir erstmals auf das Thema aufmerksam geworden.

Die geplante Obsoleszenz begegnet uns im Alltag in vielfältigen Facetten und ist heutzutage omnipräsent. Ist ja irgendwie auch verständlich, denn Konsum und Wirtschaft müssen schliesslich am Laufen gehalten werden (Stichwort: Konsumismus).

Was aber, wenn sich das Phänomen in Bereichen zeigt, bei denen es zu ernsten, ja lebensbedrohlichen Gefahren führen kann? Und das ist nicht nur bei Herz-Lungen-Maschinen der Fall.

Was ist geschehen?

Vor einigen Tagen versammelte sich die Familie unerwartet und mehr oder weniger hungrig um den grossen Küchentisch. Ein Blick in den Kühlschrank führte zur Erkenntnis: Es gibt eine Suppe. Gesagt, getan.

Nach einigen Minuten köchelte eine Champignoncremesuppe beschaulich vor sich her. Der Einfachheit halber wollte ich den Suppentopf einfach in die Mitte des gedeckten Tisches stellen. Gar keine gute Idee. Denn als ich zu den Topflappen griff und den Topf vom Herd in Richtung Tisch transportierte gab es einen metallischen Knall und ich hatte den Topf mit einem Henkel in der rechten Hand, den anderen Henkel in der linken Hand und ungefähr zwei Liter Champignoncremesuppe flächendeckend um mich herum verteilt. Es grenzte an ein Wunder, dass niemand dabei eine grössere Portion abbekommen hat, denn die kochendheisse Suppe hätte zu gediegenen Verbrennungen führen können. Ich war stinksauer.

Abend grub ich in dem Ordner mit Kaufbelegen und tatsächlich: Die Quittung vom Kauf war noch vorhanden. Das Teil war ein Markentopf der preislichen Mittelklasse mit zwei Jahren Garantie (die Veröffentlichung des Herstellers behalte ich mir vor). Vor exakt zwei Jahren und drei Monaten gekauft.

Ich zeigte den Topf einem befreundeten Matallhandwerker, der nur kurz lächelte und mich sogleich auf die absolut mangelhafte Ausführung der Schweisstellen aufmerksam machte. Er meine sinngemäss es sei erstaunlich, dass die Henkel überhaupt so lange gehalten hätten. Es sei abzusehen gewesen, dass die Henkel nach einer bestimmbaren Anzahl von Nutzungen abbrechen würden.

Was soll ich sagen? Müssen wir künftig als Verbraucher - wenn wir denn solche von der „mündigen“ Sorte sein wollen - alle Produkte erst einmal fachmännisch auf Schwachstellen untersuchen lassen? Oder müssen (besser: sollen) wir jetzt alle Gegenstände und Geräte künftig einen Monat vor Ablauf der Garantiezeit einfach wegwerfen?

Beim Kochtopf geht es - im Gegensatz zum „elektronischen Spielzeug“ - immerhin um einen Gegenstand, dessen Versagen zu erheblichen Gesundheitsgefahren führen kann.

Bin etwas ratlos aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass da etwas gewaltig schief läuft.

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