Im Fokus: Tierfotografin Kathrin Jung

Im Fokus: Tierfotografin Kathrin Jung

Es ist uns eine besondere Freude, heute die Fotografin Kathrin Jung als Gast im Interview zu haben. Kathrin Jung ist 39 Jahre jung und lebt mit einem Pferd, einem Hund, sechs Katern und Ihrem Mann, dem Webdesigner Robert Jung, in der Nähe von Berlin.

Ihre erklärte Passion gilt der Tierfotografie. Unserer Meinung nach gehört Sie zu den Besten auf diesem Gebiet. Deswegen ist es eine Ehre für uns, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen hat.

Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
„Kathrin Jung ist spezialisiert auf Tierfotografie“, Foto: Robert Jung


-> Kathrin, wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Als Kind habe ich meinem davon wenig begeisterten Vater die heilige Spiegelreflexkamera aus dem Schrank entwendet und angefangen ohne Ende draufzudrücken.

Meine Tiere waren schon immer meine Modelle und eine kleine Kamera hatte ich immer bei mir. Die Filme habe ich dann vom Taschengeld entwickeln lassen und mich immer irre auf die Fotos gefreut.

Erst 2006 gab es die ernste Wendung in Form einer Canon 20D und einem 70-200 2,8 L USM und ab sofort war kein 4-Beiner mehr vor mir sicher.


-> Auf was bist Du spezialisiert?


Hunde, Pferde und Katzen.

Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung


-> Warum (gerade und nur) Tiere?

Tiere gehören zu meinem Leben, sie geben so viel Liebe und Energie. Ein Tier mit seiner Ausstrahlung und Lebensfreude fotografisch festzuhalten ist das, was mich begeistert.

Das Herz muss hüpfen! Und meines hüpft eben bei Tieren - nicht bei Babys oder Architektur. Das ist wie es ist.



-> Fotografieren für Dich: Job, Handwerk, innerlicher Bezug?

Berufung.

Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung


-> Dein grösstes fotografisches Vorbild, und warum?

Ich habe kein Vorbild. Stattdessen habe ich einen hohen Anspruch an mich selbst. Ich bin Perfetktionistin und möchte immer alles zu 100%.

Location, Wetter, Licht, Model. Alles muss stimmen und genau vorbereitet sein.
Geht es los zum Shooting habe ich die fertigen Bilder im Kopf. Die Location und Hintergründe werden passend zur Farbe und Größe des Modells ausgesucht und während des Shootings durchaus mehrmals gewechselt und angepasst.

Das Modell soll Spaß haben und darf auf keinen Fall überfordert werden. Sicherheit steht immer an erster Stelle.

Ich habe ein ausgesprochen feines Gespür für Tiere und merke sofort, ob sich das Modell in der ungewohnten Shootingsituation wohl fühlt und konzentriert mitarbeitet, ob es Durst bekommt, oder eine Pause braucht. So entscheide ich immer im Sinne des Tieres wie das Shooting gestaltet wird und wie es für alle Beteiligten zu einem positiven Erlebnis wird.


-> Was war Dein bestes, was Dein schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?

Bestes Erlebnis...

Grundsätzlich sind die Tiere alle begeistert bei der Sache, auch die, die erst einmal 30 min zum "auftauen" brauchen. Sie stehen im Mittelpunkt, alle anwesenden Menschen kümmern sich nur um das Modell - dem somit alle Aufmerksamkeit und Energie zuteil wird.

Die Tiere genießen es, ich merke das und freue mich daran. Beim Shooting geben sie alles und danach schlafen sie meist sehr lange und sehr tief *lacht*.

Bemerkenswert war für mich das Shooting mit der 18-jährigen Dackeldame Cindy. Sie war komplett blind und taub. Das wusste selbst die Besitzerin nicht. Es stellte sich beim Shooting heraus.

Uns blieb nur die Motivation mit lecker riechenden Belohnungshappen an der Angel. Über zwei Stunden (mit Pausen) probierten wir die tiefergelegte Dackeldame dazu zu bewegen, die Ohren nett hochzunehmen oder auch mal langsam von A nach B zu laufen. Ich lag so flach es ging am Boden, sprang oft auf um mich dann gleich wieder hinzuwerfen, damit die kurzbeinige Cindy keinen Schritt umsonst tut.

Als wir dann das Shooting beendet hatten - Kamera im Auto - Verabschiedung, da legte Cindy plötzlich los. Sie rannte auf dem Parkplatz herum - fegte um die Ecken, wir standen fassungslos da und ich rannte nach der Kamera. Ich habe für die Besitzerin unbeschreiblich wichtige Aufnahmen machen können von Cindy, im Galopp mit einem Lächeln im Gesicht. Cindy ist 6 Monate später in den Hundehimmel gegangen und die Fotos haben für ihr Frauchen eine große Bedeutung.


Und das Schlimmste Erlebnis... hmmm - die Technik...

Ich hatte einen Shootingtermin bei einem Hundezüchter: Ein Wurf mit 8 Welpen - was bei der großen schweren Rasse sehr selten ist - sollte nebeneinander aufgereiht festgehalten werden, bevor sie schon am nächsten Tag zu den neuen Besitzern (auch ins Ausland) gegeben werden sollten. Daneben noch Actionaufnahmen und Portraits der Zuchttiere.

Die Ausrüstung ( 2 EOS 1D Mark III und 2 x 70-200 2,8 L USM) war wie immer top in Schuss und alle Einstellungen (AF-Punkt) hatte ich überprüft. Das Shooting lief prima. Alle hatten Spaß und die kleinen Welpen haben toll mitgemacht. Zu Hause stellte ich dann fest - dass die Mark III mit den Welpenbildern 20cm Frontfokus hatte! Ich kann mich an keine Erschütterung der Ausrüstung, wie z.B. ein Schlagloch erinnern, die dazu geführt haben könnte, dass sich der AF verstellt. Nun arbeite ich gern mit offener Blende und ziele sehr genau (angeboren *lacht*). Dass heißt, ich hatte kaum "danebengezielte" Bilder die nun vielleicht mit dem verstellten Frontfokus scharf gewesen wären. Tja, wie bringt man das dem Züchter bei: Shooting vorbei, die Welpen aus dem Haus und auf den Fotos sind statt der Hunde die Grashalme knackscharf.


Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung

-> Wen oder was würdest Du gerne einmal fotografieren und warum?

Da habe ich keine speziellen Wünsche. Jedes Tier hat eine Seele. Jedes Tier ist auf seine Art schön und einzigartig. Einen tollen Hengst mit zwei Meter langer Mähne bei Sonne am Strand in Spanien zu fotografieren - das ist keine Herausforderung.

Aber wenn es gelingt, das braune Pony mit Stehmähne auf der Koppel des ländlichen Reitvereins in Brandenburg dazu zu begeistern, seine schönsten Hopser vorzuführen und davon Aufnahmen zu machen, die der Besitzerin die Tränen in die Augen treiben, dann bin ich zufrieden.



-> Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie? Wohin geht die Reise?

Ich möchte mir keine Zeit nehmen, mir darüber Gedanken zu machen - das mag falsch sein - aber ich will es irgendwie auch gar nicht wissen...


Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung

-> Dein Tipp für alle, die sich fotografisch weiter entwickeln wollen?

Hinsehen. Zeit nehmen. Nicht knipsen, sondern mit Herz fotografieren.

Kathrin, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast und alles Gute für Dich, Deine Familie und Deine Fotografie!


(Die Interviewfragen stellten Henning Wüst und Petra Fuelbert)