Sonntagsgedanken zum 1. Advent 2010-11-28

Auf der Suche nach dem Sinn

Also wieder erster Advent. Advent kommt bekanntlich von “adventus” (lat.), was soviel wie “Ankunft” bedeutet. Wer weiss aber da draussen in der grossen weiten Welt eigentlich noch, worum es in der Adventszeit geht? Wer oder was soll denn wohin (an)kommen, und was hat es damit auf sich?

Bei der gestrigen Promenade durch eine nahegelegene Stadt haben wir einige “Ankünfte” gesehen und erlebt:

Angefangen von etlichen Kilowatt schrill und abstossend blinkender Lampen, Lichter und Lichterketten in den bizarresten Formen, die letzte Woche an ihren Plätzen “angekommen” sind, bis hin zu Menschen, die mit grossen Paketen und prallvollen Tüten wieder bei ihren geparkten Autos angekommen sind. Kurz und bündig: Ein Tanz ums hell erleuchtete Goldene Kalb in Form abstossenden Konsumrausches in voller Bandbreite.

Mir will es nicht in den Kopf und ich fasse es nicht. Das Klima fliegt uns gerade um die Ohren, der Euro vielleicht auch in nicht allzuweiter Ferne und in verschiedenen Gebieten der Erde stehen die Zeichen derzeit äusserst bedenklich auf Krieg. Aber egal. Hauptsache alles blinkt um uns herum, und unter dem Tannenbaum (der aus Klimaperspektive doch sinnvollerweise im Wald bleiben sollte) liegen möglichst viele heiss begehrte (eigentlich aber völlig unnötige) Konsumgüter. Wohin führt uns das in naher Zukunft?

Nein, ich schlage nicht in die allgemeine “alles Sch....” Kerbe. Mein Aufruf für die diesjährige Adventszeit lautet:

Bedenke Mensch, was du wirklich brauchst (“closed circle”). Alles darüber hinaus ist nämlich eigentlich überflüssig. Und plötzlich würde sich dann ein riesiger Haufen Probleme lösen, die in Wahrheit nur “Nicht-Probleme” sind (weil bereits als Problem völlig überflüssig). Ach ja, und darüber nachzudenken, für was die Adventszeit eigentlich gedacht war (s.o.) soll auch nicht schaden. Im Gegenteil. Andersherum formuliert: Vielleicht müssen wir für die schwelenden Krisenherde einfach nur dankbar sein. Denn Not lehrt bekanntlich beten.

Mene Mene Tekel Upharsin
Adventszeit 2010 - „Mene Mene Tekel Upharsin“?
„gezählt, gezählt, gewogen, für zu leicht befunden, zerteilt“
Daniel 5, 25f