"Snömögel" - Allergiegefahr bei der Schneeschmelze

Der Schnee schmilzt endlich und viele Menschen sind verschnupft. Überall wird geniesst und die Nasen laufen. Woran liegt das?

Eigentlich ist die Schneeschmelze ein Moment des Glücks. Nach der langen Wintersaison wird die Schönheit der vom Schnee monatelang verzauberten Landschaft endlich wieder sichtbar. Doch das Winterende birgt auch einen unschönen Nebeneffekt, die vielen Allergikern schwer zu schaffen macht (weltweit übrigens).

"Snömögel" heisst das Phänomen auf Schwedisch, dessen wissenschaftlicher Name "Microdochium Nivale" ist. Es handelt sich um einen Schimmelpilzbefall, der von einem Pliz aus der Gattung Fusarium verursacht wird (Link Wikipedia Schwedisch, Link Wikipedia Deutsch).

Wie sind wir auf die Themtatik aufmerksam geworden?

Eine schwedische Bekannte hat kürzlich berichtet, dass ihre Kinder beim Allergietest waren. Dort war die Sprache auch auf den Snömögel als mögliche Allergieursache gekommen.

Fusarien leben vor allem im Boden oder auf und in Pflanzen. Besonders gut gedeiht der schädliche Schimmelpilz wenn sich der Boden unter dem Schnee erwärmt und das Klima unter der verbleibenden Schneedecke feucht-warm wird. Nachvollziehbarerweise ist das Risiko in Nordschweden besonders gross, denn hier schaltet das Klima binnen kürzester Zeit von Winter auf Sommer um. Die Schneeschmelze ist schnell und i. d. R. von hohen Temperaturen begleitet. Ein wahrhaftes Paradies für Schimmelpilze, die sich - kleiner Tipp für potentielle Immobilienkäufer in Lappland - übrigens auch gerne in Häusern einnisten (und nur äusserst schwer wieder los zu werden sind). Bei etwa zwei bis acht Grad fühlt sich unser Schädling besonders wohl.

Das allergieauslösende Nebenprodukl des Schneeschimmels sind Mytotoxine. Und die haben es in sich. Für Menschen bestehen gesundheitliche Risiken bis zum Nierenversagen bei entsprechend hohen Konzentrationen. Besonders bei Patienten mit ohnehin angeschlagenem Immunsystem können verschieden Fusarien allerdings auch ernsthafte Fusariosen auslösen. Problematisch sind dabei oft allergische Reaktionen wie Sinusitis und Pneumonie. Die Therapie erfolgt symptomatisch und am besten ist es, befallene Flächen während der Schneeschmelze zu meiden. Sind die Temperaturen nach zwei bis drei Wochen dann auf Sommerwärme gestiegen, ist die Gefahr gebannt. Millionen von Pilzsporen sind auf den befallenen Flächen aber stets präsent und warten nur auf die nächste Schneeschmelze.

Wenn Sie unter dem schmelzenden Schnee also einen grau-braunen Boden sehen, wo in der Saison zuvor noch grünes Gras war ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Sie eine Winterschimmelpilzzucht vor sich haben. Nach dem Lehrbuch wachsen die vom Pilze befallenen Regionen kreisartig. Ein vollflächiger Befall ist aber leider auch nicht unüblich.

Was tun?

In Wissenschaft und Forschung wird das Thema derzeit noch stiefmütterlich behandelt. Im Handel sind verschiedene "chemische Keulen" erhältlich, deren Nebenwirkungen aber dem Mytotoxin des Schimmels alle Ehre machen dürften. In experimentellen Testreihen wird auch versucht, dem Schimmelpilzbefall durch Bakterien Herr zu werden. Aussagekräftige Studienergebnisse dazu sind noch nicht publiziert.

Der Snömögel hat auch beträchtliche wirtschaftliche Auswirkungen. Viele Golfplatzbetreiber - und Golfplätze gibt in in Lappland recht viele - klagen jedes Jahr über verdorbenes "Green".

Snömögel, Fusarium, Microdochium Nivale
Was legt die Schneeschmelze frei? Oft ist der „Snömögel“ mit im Spiel...