Smartphones - Geliebt, gehasst, genutzt...

Im Artikel über meine Trendforschung in Stockholm hatte ich unter der Überschrift "Der Trend zur mobilen Fotografie" auch einen Absatz über Smartphones geschrieben (wörtlich schrieb ich über "iPhones und Androiden"). Auf meine kritischen Ausführungen hin habe ich auf verschiedenen Kanälen erstaunlich viel Feedback bekommen. Anlass genug, das Thema nochmals zu vertiefen.

Keine Sorge, ich führe die Grundsatzdiskussion zur Erforderlichkeit von Equipment (Stichwort: "Wer macht jetzt eigentlich die Fotos, der Fotograf oder die Kamera") jetzt nicht zum zehntausendstenmal. Und die tatsächliche Qualität der Bilder aus dem Smartphone ist von kompetenteren Stellen nun auch schon so oft untersucht worden, dass es langweilig wird.

Mir geht es zuerst mehr um die psychologischen Komponenten, die da z. B. wären: 

- Die Versuchung, einfach noch mehr zu knipsen, weil es mit dem allgegenwärtigen Smartphone ja noch einfacher ist;
- der Spagat zwischen dem "immer erreichbar und online sein" (Stichwort: Gleich auf Facebook & Co mit den Bildern) und der bizarrerweise daraus folgenden (!) kommunikativen Vereinsamung im nahen Umfeld;
- was einher geht, mit immer oberflächlicheren Beziehungen im Allgemeinen.
- usw, usf.

Was steckt dahinter? Die "Verführung durch die Technik". Für viele sind die technischen Errungenschaften letztlich eine Art von Droge. Und Drogen führen zu Abhängigkeiten. Deswegen auch der "immer mehr haben will"-Reflex. Nichts anderes als schlicht eine Abhängigkeit. Und genau das führt dann - meines Erachtens nach - auch zu den geschilderten negativen Auswirkungen.

Der Ausweg? Innere Distanz. Mache Dich frei: Ein Werkzeug ist ein Werkzeug. Nicht mehr. Nicht weniger. Selbstverständlich darf ich mich an einem guten Werkzeug freuen. Aber es bleibt ein Werkzeug. Das geschaffene Werk, d.h. das Bild, zählt. 

Und da sind wir plötzlich wieder mittendrin in der Diskussion über das Equipment. Das richtige Werkzeug für den richtigen Zweck. Und in der Tat sind Smartphones manchmal ein sehr geeignetes fotografisches Arbeitsmittel. Unauffällig und unverfänglich. Manchmal sind sie aber einfach auch fehl am Platz. Und bitte dran denken: Sie sind Werkzeuge und sollen nicht zur Droge werden.

Als Nachtrag und Zusatz hier Frau Lapplandblogs Kommentar zum Thema, nach einer eingehenden Diskussion auf dem heimischen Sofa: "Die Technik kann sich so schnell und hoch entwickeln, wie sie will; die Entwicklung des Menschen ist konnte leider nicht mit Schritt halten".

Selbstportrait mit dem iPhone in Stockholm
„Geliebt, gehasstm genutzt - Selbstportrait mit dem iPhone“

A propos: Aufgenommen im Schaufenster einer sehr bekannten Goldschmiede in Stockholm. Mit „grosser Kamera“ wäre ich hier wahrscheinlich unangenehm aufgefallen, arbeiten doch die Goldschmiede im Hintergrund an wertvollen Schmuckstücken.