Skandal wegen gefälschter Fotos in Schweden

Nun hat auch Schweden einen handfesten Skandal wegen gefälschter Fotos bei einem Fotowettbewerb. Der in Schweden tätige Naturfotogfraf Terje Hellesø hatte beim 20. Fotowettbewerb des schwedischen Naturvårdsverket (Amt für Natur- und Umweltschutz) mehrere mit Photoshop manipulierte Fotos eingereicht und dadurch den ersten Preis gewonnen.

Eine der gefälschten Aufnahmen des Preisträgers Terje Hellesjø
„Eine der gefälschten Aufnahmen des Preisträgers Terje Hellesjø“
Foto: Terje Hellesø / Naturvårdsverket 


Seit 20 Jahren veranstaltet das schwedische Naturvårdsverket (Amt für Natur- und Umweltschutz) einen Fotowettbwerb, bei dem die besten Naturaufnahmen prämiert werden. Der Wettbewerb ist in Schweden sehr populär und geniesst grosses mediales Interesse.

In der 2010er Wettbewerbsrunde gewann der in Schweden tätige Berufsfotograf Terje Hellesø (gebürtiger Norweger) mit einigen auf den ersten Blick spektakulären Aufnahmen. Der mit 15.000 SKR dotierte Preis war Hellesø  im Mai 2011 verliehen worden. Der Preisträger erhält zudem eine Ausstellung im Naturhistorischen Museum in Stockholm.

Nach der Preisverleihung kamen allerdings Zweifel auf. Gunnar Glöersen, Mitarbeiter beim schwedischen Jägerverbund (Jägareförbundet) wies im Blog des Jägerverbundes als erster darauf hin, dass der prämierte Fotograf unglaublich viele seltene Raumtiere in sehr kurzer Zeit in der freien Wildbahn fotografiert haben will.

Eine bekannte schwedische Fotoseite griff das Thema auf. Binnen kurzer Zeit kamen dort mehrere hundert Kommentare zusammen und die Aufnahmen des Preisträgers wurden von einer grossen fotografischen Öffentlichkeit kritisch unter die Lupe genommen. Es dauerte nicht lange bis entdeckt wurde, dass einige der Tiere aus den prämierten Aufnahmen als freigestellte Objekte in Bildbanken im Internet frei verfügbar waren. 

Schliesslich kommentierte auch Preisträger Hellesø den Vorgang. Er habe alle getäuscht (einschliesslich seiner eigenen Familie; dazu sogleich mehr) und bitte um Verzeihung.

Die Geschichte zieht nun Kreise in verschiedene Richtungen.

- Zum einen ist die fotografische Community in Schweden in einer Art Schockzustand. Dass ein schwedischer Fotograf ein solches Vorgehen an den Tag legen könnte, war bislang schlicht undenkbar.

- Das zeigt sich u.a. auch darin, dass in den Wettbewerbsstatuten keine Regelungen zu Täuschungsversuchen enthalten sind. Auch eine Regelung, die Wettbewerbsteilnehmer zur Vorlage von RAW-Dateien verpflichtet, ist nicht vorgesehen. Deswegen darf Hellesø die Auszeichnung erst einmal behalten, bis die Juristen des Naturvårdsverkets die Rechtslage geklärt haben. Nicht zuletzt durch die Mängel in den Statuten des Wettbewerbes ist der Ruf des bislang angesehenen Wettbewerbes nun nachhaltig beschädigt

- Tragisch ist auch die familiäre Seite. In einem Interview des schwedischen Rundfunks hat die Ehefrau des Preisträger, Malin Hellesø - ebenfalls Fotografin - angegeben, dass sie selbst auch getäuscht worden sei. Ihr sei die Täuschung erst bekannt geworden, als ihr Mann ihr dies einige Zeit nach der Preisverleihung gebeichtet habe. 

- Im Verband der schwedischen Naturfotografen läuft derzeit die Debatte über einen Ausschluss Hellesøs aus der Vereinigung. Der Verband hat nämlich klare Regelungen dazu, dass derartige Bildmanipulationen unzulässig und unethisch sind.

- Zu guter Letzt droht dem Preisträger nun schliesslich auch handfester juristischer Ärger: Gegen Hellesø wurde mittlerweile eine Strafanzeige wegen Betruges gestellt. Denn wegen der gefälschten Bilder wurde eine grössere Summe öffentlicher Mittel verschwendet, weil Experten im Auftrag der Naturschutzbehörde auf die Suche nach den fotografierten seltenen Tieren gegangen waren.