Zeitreise im Kino - Reportagerückblick auf den Sommer, Teil 1

Der Hintergrund: Eine Attraktion mit spannender Geschichte steht irgendwo in einem kleinen Wald in der Nähe von Adak. Ein beschaulicher und ruhiger Ort in Nordschweden mit noch 180 Einwohnern, zwischen Malå und Slagnäs belegen.

Im Jahre 1921 wurde bei Wegarbeiten in der Umgebung des Ortes ein merkwürdig glänzender Stein gefunden. Die Analysen ergaben einen hohen Gehalt an Kupfer und Zink. Bereits einige Jahre später wurde mit dem Tagebau begonnen, und 1942 nahmen insgesamt vier Gruben den Betrieb auf.

Ein eigener Ort mit Schule, Bibliothek, Geschäften und sogar einer eigenen Feuerwehr entstand rund um das Abbaugebiet im Wald. Er hiess „Adakgruvan“. Menschenmassen wurden von den Arbeitsplätzen angezogen und der Ort erlebte seine Blüte.

Ein schlauer Kopf auf der Durchreise entdeckte, was dem Ort noch fehlte: Ein Kino. Und so wurde 1943 zwischen dem heutigen Adak und dem damaligen Adakgruvan ein Kino erbaut. Es wurde auch für Hochzeiten und Feiern genutzt. 1965 schlug dann der Zahn der Zeit zu: Das Fernsehen hatte seine Verbreitung gefunden. Damit ging es für die Kinos immer schlechter. Und so schloss der Kinobesitzer sprichwörtlich die Tür hinter sich zu. Das Gebäude mit aller seiner Einrichtung verfiel in einen Dornröschenschlaf. Auch der um die Grube entstandene Ort verschwand nach einem tragischen Grossbrand im Jahre 1978. Der Abbau wurde eingestellt. Heute sind dort nur noch Wald und Wiesen zu sehen. Nur noch wenige Spuren deuten heute auf die Geschichte hin.

Das verlassene Kino im Wald jedoch erwachte wieder zu neuem Leben, als es Anfang der 90er Jahre wieder entdeckt wurde. Ein Förderverein wurde gebildet, der sich der Renovierung verschrieb und 1993 wurde das Kino im Originalzustand unter dem Namen „Sagabiografen“ wieder eröffnet.  Seitdem findet dort jährlich ein sommerliches Filmfestival statt, das unter Kennern sehr beliebt ist. Ein echter Geheimtipp.

Die Reportage: Für eine schwedische Tageszeitung war die Berichterstattung vom 31. Sagabiografen Filmfestival angesagt. Vieles wurde über das Festival schon geschrieben, viele Bilder schon gemacht. Hausaufgaben machen war also angesagt, um eine gute Story zu finden.

Einer mein Aufhänger für die Reportage war die im Winter erfolgte Installation moderner Digitaltechnik mit allen ihren Folgen. Im kleinen Vorführraum des Kinosaales – ungefähr so dunkel wie ein Kohlenkeller bei Nacht und nur durch mutiges Klettern über eine Aussentreppe aus Holz erreichbar – steht seit einem halben Jahr neben dem Originalprojektor aus dem Jahre 1934 eine digitale Vorführanlage.

Eine bizarre Zeitreise auf kleinstem Raum. Moderne Filme sind praktisch nur noch in digitalem Format vom Filmverleih zu beziehen. Deswegen war die technische Aufrüstung nur eine Frage der Zeit. Alte Filmrollen sind aber dennoch hin und wieder im Einsatz. Die Unterschiede sind beachtlich: Moderne Filme im Digitalformat haben ca. 200 GB und kommen auf portablen Festplatten daher. Im Gegensatz dazu bestehen klassische Kinofilme aus bis zu 8 grossen Filmrollen. Dass Filme bei der Vorführung reissen, kommt häufig vor.

Dann dürfen die Zuschauer eine ausserordentliche Pause geniessen, während der Vorführer im Technikraum den Film leimen darf. Keine leichte Aufgabe. Auch das nahtlose Wechseln zwischen den Rollen ist eine Kunst für sich. Es gibt in ganz Schweden nur noch eine Handvoll Spezialisten, die sich darauf verstehen. Gleich mehrere davon gibt es in Adak.

David Abramsson und die digitale Technik bei Sagabiografen in Adak
Der Aufmacher zur Story: David Abramsson und die technische Zeitreise


David Abramsson (20) ist einer der Vorführspezialisten, der in Adak im Ehrenamt das Festival mit ermöglicht. Er wirkt etwas menschenscheu und verlegen. Aber zwischen antikem Projektor und moderner Digitaltechnik blüht er sichtlich auf, und erzählt von den Höhen und Tiefen des Daseins in der „Dunkelkammer“ hinter dem Kino. Er ist angespannt vor der Premiere für die neue Technik. Filmvorführer sind spezielle Menschen.

Und dann gab es da noch die besonderen Einweihungsgäste. Aber das ist der Stoff für den nächsten Blogartikel.