Die schwedische PostNord und Corona: Das Chaos hat einen Namen

Die schwedische Post (PostNord) hier wir ja schon öfters einmal hier im Blog.

In aller Kürze: PostNord ist eine Katastrophe.

Zum einen gehen massenhaft Sendungen verloren (bei Auslandssendungen insbesondere diejenigen, die nach Schweden transportiert werden) und auf dem Transport werden massenhaft Pakete geöffnet und ausgeraubt. Gerade die Sendungen aus dem Ausland sind bei den „Posträubern“ heiss beliebt. Wir hatten selbst schon viele Fälle verschwundener Sendungsinhalte (u.a. gestohlene Kameras und Objektivem Mobiltelefone und andere elektronische Geräte) zu beklagen.

Tipp: Pakete nach Schweden immer „wiedereintritsicher“ verpacken und rundherum (!) gut zutapen. Damit wird den - unter Zeitdruck stehenden - Räubern zumindest der schnelle Griff ins Paket unmöglich gemacht.

Zum anderen ist PostNord sehr gut darin, sich viel Zeit zu lassen mit der Zustellung. Die interne Transportlogistik muss ein ziemlicher Zustand sein. Sichtbar wird das, wenn man den Weg eines Paketes von A nach B über das Tracking verfolgt. Es ist nachvollziehbar, dass Pakete nicht den direkten Weg nehmen können, sondern über feste Routen und Paketzentren geschleust werden. Oft ist aber zu sehen, wie Pakete in mehreren Durchgängen auf und ab durch ganz Schweden geroutet werden. Irgendwann verliert sich dann die Spur und das Tracking liefert keine Ergebnisse mehr. Die Nerven von Absender und Empfänger liegen dann blank. Wenn man viel Glück hat, fällt einem Postmitarbeiter irgendwann durch Zufall ein verwaistes Paket auf und es kommt dann einige Wochen oder Monate später doch noch an. Leider ist das aber selten der Fall.

Man muss PostNord übrigens löblich zu Gute halten, dass sie zumindest medial scheinbar effektiv gegen die allgegenwärtigen Paketdiebstähle vorgeht. Auf dem YouTube Kanal von PostNord finden sich etliche Videos, in denen die heroische (aber leider erfolglose) Arbeit zur Aufklärung und Verhinderungen von Verbrechen gezeigt werden (z. B. Film 1, Film 2, Film 3).

Die Probleme mit PostNord sind nicht neu, sondern „alte Bekannte“.

Zum Hintergrund: Die heutige PostNord ist 2009 durch Zusammenschluss der schwedischen Posten mit der
dänischen Post Danmark zur Posten Norden, welche 2011 in Postnord (Eigenschreibweise PostNord) umbenannt wurde, entstanden.

Der schwedische Staat hält 60 % , der dänische Staat 40 Prozent der Anteile an der Aktiengesellschaft. Die Stimmrechte sind - zumindest theoretisch - im Verhältnis 50/50 zwischen den Eigentümern verteilt. In der Praxis hat die dänische Regierung aber immer wieder dezent darauf hingewiesen, dass sie die Mehrheitseigentümerin ist, insbesondere wenn es wieder einmal um Einsparungen und Rationalisierungen geht. Und mit der Privatisierung ist geschehen, was eben so im Rahmen von Privatisierungen ehemals staatseigener Dienste geschieht: Der Service wird schlechter, das Chaos grösser und die Preise steigen. Nichts Neues also, wenn da nicht die lästigen Kunden wären die erwarten würden, dass Briefe und Pakete unbeschadet und in der beworbenen Zeit ankommen. Bekannte und lästige Begleiterscheinungen von Privatisierungen eben und es ist ja nun leider nicht so, dass dieses Ergebnis ein völlig einmaliges und unerwartetes Phänomen wäre.

Was aber, wenn es in der Krise auf eine verlässliche Zustellung ankommt? Dann bekommt man die Quittung stehenden Fusses und genau so geschieht es gerade eben.

PostNord wird nämlich auch eingesetzt um Corona-Tests und Test-Kits zu transportieren und auszuliefern. In den Regionen Blekinge und Kronoberg sind 25% (!!!) der Corona-Testproben, die mit PostNord ins Labor geschickt worden sind, verspätet angekommen oder verschwunden. Nach Angaben der Regionen seien die Probleme „langwierig“ und man diskutiere „auf höchster Ebene“ mit PostNord um eine Lösung zu finden. PostNord bedauert die Verspätungen und weist den Vorwurf seit langer Zeit verspäteter Sendungen zurück (das haben Sie bei unseren diversen Beschwerden wegen verschwundener oder beschädigter und/oder gestohlener Sendungen auch immer formvollendet getan).

Schön jedenfalls, dass die Probleme von PostNord mit dem Kerngeschäft jetzt endlich mal in einer Krisensituation deutlich sichtbar zu Tage getreten sind. Ich bezweifle allerdings stark, dass sich etwas ändern wird, aber immerhin kann jetzt niemand mehr sagen, er hätte es nicht gewusst.

Geliefert wir bestellt.


Screenshot von der SVT-Meldung (Direktlink nicht möglich, weil Newsfeed):

postnord_katatsrophe_corona