Was Fotografen über die neue Google Bildersuche wissen müssen

Was Fotografen über die neue Google Bildersuche wissen müssen
 
Ein Gastbeitrag von Michael Schilling.
 
Man stelle sich vor, man könne auf Google nicht nur suchen, sondern die Artikel auch direkt lesen, ohne Google verlassen zu müssen. Was wie aus einem Science-Fiction-Film klingt, wird mit der neuen Google Bildersuche bittere Realität und hat erhebliche Nachteile für Fotografen.
 
In der Google Bildersuche werden zu einem Suchbegriff zunächst Miniaturbilder (Thumbnails) angezeigt. Klingt man auf eines der Suchergebnisse, so wurde bisher die Webseite, in der das Bild eingebunden ist, geladen sowie rechts weitere Informationen über das Bild angezeigt.

Die alte Google Bildersuche


Das war eine Lösung, die beiden – Google und den Betreibern von Webseiten – einen Nutzen brachte. Google durfte die Miniaturbilder anzeigen und brachte den Betreibern Besucher auf deren Webseiten.
 


Von der Suchmaschine zur weltgrößten Bildergalerie

 

Die neue Google Bildersuche


Damit ist in der neuen Google Bildersuche Schluss. Google will nun einen anderen Weg gehen und die Inhalte direkt und in voller Größe anzeigen. Ein Besuch der eigentlichen Webseite wird dadurch überflüssig. Die Folgen sind dramatisch.
 

Besucherrückgang von durchschnittlich 60 Prozent

 Besucherrückgang bei der neuen Google Bildersuche


Ein Besucherrückgang von 60 Prozent könnte bedeuten, dass sich etliche Webseiten nicht länger finanzieren lassen. Blogger investieren oftmals mehrere Stunden damit für ihren Artikel zu recherchieren, ihn zu bebildern und in Worte zu fassen. Weniger Werbeeinnahmen bedeuten dann, dass qualitativ hochwertiger Content nicht mehr erstellt werden kann, da der Blogger weniger Zeit in seinen Content investieren kann. Doch gerade dies, nämlich hochwertigen Content, wünscht sich Google in seinen Suchergebnissen.
 
Fotografen müssen davon ausgehen, dass weniger potentielle Kunden den Weg auf ihre Webseite finden. Das bedeutet weniger Auftragsarbeiten und weniger verkaufte Nutzungsrechte.

 
Googles leere Versprechungen
 
Laut Google soll dem Webseiten-Betreiber weniger Übertragungskosten (Traffic) entstehen, jedoch mehr Besucher als zuvor auf deren Webseiten bringen. Beide Aussagen sind an Ironie nicht zu übertreffen. Google speichert die großen Bilder nicht sondern bindet sie per Hotlink vom Server des Betreibers ein. Mit jeder Darstellung des großen Bildes entsteht Traffic, und zwar beim Betreiber der Webseite, ohne dass er einen Gegenwert in Form eines Besuchers erhält.

 
Urheberrechte und Google
 
Google nimmt sich das Recht heraus, Urheberrechte zu missachten. Jeder andere, der so agiert würde eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und eine Schadenersatzforderung wegen Verstoßes gegen das Urheberrechterhalten.
 
Offensichtlich ist den Google-Juristen aber klar, auf welch dünnem Eis sie sich bewegen, wenn diese Art der Bildersuche in einem Land eingeführt wird.

 
Yahoo mit ähnlicher Bildersuche juristisch gestoppt
 
Diese Erfahrung musste die Yahoo! Deutschland GmbH bereits machen. Der Fotografenverband Freelens warf Yahoo die massive Verletzung von Urheberrechten vor und forderte zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auf. Innerhalb weniger Tage musste Yahoo in Deutschland von der neuen Bildersuche auf die alte Version umstellen.

 
Das Prinzip Bildersuche
 
Würde man die Vorgehensweise der neuen Bildersuche auf die Websuche anwenden, so sähe das Szenario wie folgt aus: Google würde zu einem Suchbegriff, wie bisher die Ergebnisse anzeigen. Nach einem Klick auf eines dieser Ergebnisse würde sich jedoch nicht die eigentliche Webseite öffnen, auf der der Suchende den vollständigen Artikel lesen könnte. Stattdessen würde Google den vollständigen Artikel anzeigen oder ihn per Sprachausgabe vorlesen lassen. Welchen Grund sollte ein Suchender dann noch haben, die eigentliche Webseite aufzurufen?

 
Unterschriftensammlung gegen die neue Google Bildersuche

 Verteidige dein Bild

 
-->> Mitmachen: Bis Ende März sammelt Michael Schilling Unterschriften gegendie neue Google Bildersuche. Bereits über 1.700 Betreiber von Webseiten, darunter viele Fotografen, haben die Petition bereits unterzeichnet.
 

Ergänzung: Und weil es im Zusammenhang sehr gut passt, sei zum Thema "Contenthoheit" ergänzend noch auf einen aktuellen Blogartikel von Olaf Bathke verwiesen.