Nachlese zur Wahl 2018 in Schweden

Die Wahlen in Schweden am vergangenen Sonntag sind ja hinreichend auch durch die internationale Presse gegangen. Und um das Wahlergebnis (lies: Politik) soll es hier auch keinesfalls gehen. Vielmehr wollen wir einige typisch schwedische Details des Wahlverfahrens und seiner Durchführung hier pointieren.

Die schwedischen Wahlen und ihre Tücken. 2014 hatten wir uns aus Anlass der letzten Wahlrunde in Schweden schon einmal den schwedischen Wahlmysterien gewidmet und dabei auch den Punkt mit den Wahlzetteln beleuchtet den dieses Jahr (endlich) die Wahlbeobachter von der OSZE kritisiert haben.

Dieses Jahr haben uns aber weniger die Wahlzettel irritiert, als vielmehr die Wahlkuverts, in welche die Wahlzettel reinkommen. Aus düsterer Erinnerung vergangener deutscher Zeiten ist uns erinnerlich, dass die Wahlkuverts bei der Wahl im Wahllokal (im Gegensatz zur Briefwahl) so aufgebaut waren, dass die Lasche des Kuverts einfach eingeschlagen wird, bevor das Kuvert mit dem Wahlzettel in die Urne kommt (falls das bei Wahlen in Deutschland mittlerweile anders sein sollte, sind wir für einen Hinweis dankbar. Schöner Nebeneffekt dieser Lösung ist, dass die Kuverts - sofern sie noch ansehnlich aussehen - bei der jeweils nächsten Wahl wieder verwendet werden können.

Im „umweltfreundlichen“ Schweden läuft das anders. Hier müssen die Wahlkuverts zugeklebt werden. Das ist befremdlich, denn damit werden sie zum Wegwerfartikel. Zum anderen schmeckte die am vergangenen Sonntag verwendete Gummierung der Kuverts einfach nur eklig. Und in Ermangelung eines Briefbefeuchters in der Wahlkabine bleibt einem keine Alternative, als das Kuvert abzulecken.

Unser besonderes Augenmerk wurde auf die Wahlkuverts fokussiert, weil Frau Lapplandblog bei der Abgabe ihrer Kuverts - jeweils eines mit dem Wahlzettel für die Kommunalwahl, die Wahl zum Landsting und die Wahl zum Riksdagen - ermahnt wurde, die Kuverts doch bitte vollständig zu zu kleben und nicht nur die Mitte der Kuvertlasche feucht anzupunkten. Nun ist ein Wahllokal nicht der angemessene Platz, um Diskussionen mit den Wahlhelfern zu beginnen und deswegen haben wir es auch nicht getan. Aber ziemlich komisch ist das mit den zwingend vollständig zugeklebten Kuverts schon allzumal in Schweden, das sich gerne als so umweltfreundlich präsentiert.

Ein anderer erwähnenswerter Punkt war die Lokalität des Wahllokales. Weil die Gemeindehalle (Folkets Hus) gerade wegen Einsturzgefahr gesperrt ist, ist die Kommune auf ein Gemeindehaus ausgewichen. Bürgernahe Kirche ist eine lobenswerte Sache, aber der Weg zum Wahllokal im Keller des Gemeindehauses war mit Plakaten dekoriert, die mit Bibelzitaten gefüllt waren. In einem Gemeindehaus, in dem Jugendarbeit betrieben wird, ist auch das nicht ungewöhnlich. Aber für Wähler, die einem anderen (oder keinem) Glauben angehören, ist auch das ziemlich merkwürdig (zumal es wohl kein Problem gewesen wäre, die christlich gestalteten Plakate für den Wahltag abzuhängen).

Ein weiterer Punkt hat uns schliesslich köstlich erheitert. Am Kopfende des Wahllokales befand sich wie ein mittiger Blickfang eine Tür zu einem Vorratsraum. An dieser Tür prangte ein grosses Schild mit der Aufschrift (übersetzt): „Vorrat - der Zugang ist nur Leitern gestattet“. Ausser uns ist vermutlich niemandem der feine und tiefsinnige Humor des Schildtextes in Bezug zu Politikern aufgefallen :-)

Ansonsten verlief der Wahltag - wie nicht anders erwartet - ruhig und harmonisch. Die Wahllokale waren von 8.00 bis 20.00 Uhr geöffnet und ab 20.00 Uhr warteten grosse Teile der schwedischen Bevölkerung vor dem Fernseher oder vor dem Internet auf die ersten Ergebnisse. Aber bei der Publizierung der aktuellen Auszählungsergebnisse gab es dann eine peinliche Panne. Die komplette Homepage der schwedischen Wahlbehörde („Valmyndigheten“), auf der die aktuellen Auszählungsergebnisse publiziert werden, ist gegen 21 Uhr ausgefallen. Für eine knappe Stunde gab es dann erst einmal keine realen Auszählungsergebnisse, sondern nur die Ergebnisse der Prognoseinstitute.

Bilder zu diesem Blogintrag gibt es leider keine, weil das Fotografieren des Wahllokales in den „heiligen Hallen“ leider nicht gestattet war. Aber die Meldung zum Ausfall der Homepage der Wahlbehörde hängen wir gerne als Screenshot hier an.

Homepage der Wahlbehörde ausgefallen