Lappland - Der Winter, der (bislang) keiner war

Eigentlich sollte er längst eingeschneit sein. Unser Maschendrahtzaun. Zumindest war er das all die vergangenen Jahre um diese Zeit. Was also ist los?

Bei Lappland im Winter denken viele an wunderbare, tief verschneite Landschaften, lange Schlittenhundetouren oder Ausflüge mit dem Schneemobil. Das Bild enstspricht normalerweise auch der Realität. Nur diesen Winter ist - zumindest bislang -  irgendwie alles ganz anders.

Bereits der erste richtige Schneefall verspätete sich um mehrere Wochen. Und bis heute hat es nur wenig geschneit. Dafür fegten mehrfach ungewöhnlich starke Herbststürme über uns hinweg.

Auch die Temperaturen liegen in dieser Saison viel zu hoch. Im Dezember hatten wir mehrere Male über null Grad, sogar über Weihnachten. In der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtsfeiertag hat es z. B. mehrere Stunden lang am Stück geregnet. 

Wozu das in Sachen Schneedecke geführt hat, kann sich jeder Leser selbst vorstellen: Der Schnee fällt zusammen zu gefrorenem Schneematsch. Überall bilden sich Eisplatten. Die Strassen sind spiegelblank. Autofahren wird zum Abenteuer (Streusalz wird hier - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht gestreut, lediglich Sand und Split).

Das Attribut „schneesicher“ beginnt sich zu relativieren. Es ist übrigens ein Argument, das beim Verkauf von Häusern hier oben gerne und oft verwendet wird. Lassen Sie es sich im Zweifel besser ausdrücklich zusichern. Wer weiss? (Ergänzung: Tipps zum Hauskauf in Schweden und Lappland haben wir hier für Sie zusammen gestellt).

Rein persönlich sind wir über das wenige Schneeschaufeln bislang nicht unglücklich. Eher im Gegenteil.

Was wir aber von allen Kontakten aus dem Tourismus hören, ist: Für den Wintertourismus ist die Saison bislang schlicht eine Katastrophe. 

- Die meisten Skigebiete sind zwar schon in Betrieb (die Schneekanonen sind im Dauerbetrieb, denn es gibt noch viel zu wenig Naturschnee). Die Pisten aber sind bretthart. 

-Im Schlittenhundebereich sind die Trails - soweit überhaupt mangels Schnee schon vorhanden - zumeist ebenfalls noch nicht befahrbar. Der viel zu harte Untergrund wird zur akuten Gefahr für die Gesundheit der Hunde. Die Geschwindigkeiten werden schnell sehr hoch und das Abbremsen auf einem vereisten Trail birgt Risiken.

- Wegen der bisher viel zu hohen Temperaturen sind die Eisdecken auf Seen und Flüssen noch viel zu dünn. Eisangeln ist also ebenfalls noch weitestgehend Fehlanzeige. 

-Lediglich für alle, die zu Fuss durch Land und Flur streifen (aber wer macht das schon), ist die Schneelage derzeit verhalten positiv. Durch das Überfrieren sind im Moment abgelegene und im Sommer unzugängliche Stellen auf dem Schnee zu erreichen. Allerdings bitte mit den erforderlichen Vorsichtsmassnahmen.  

Fazit: Wir wollen hier nicht über die Gründe (Klimaveränderung?) spekulieren. Vielleicht lässt sich das ganze Geschehen auch philosophisch deuten. Der bislang ausgebliebene Winter ist wie eine weg genommene Illusion: Vielleicht ist ja alles ganz anders, als wir denken? Wer weiss?

Lappland - Der Winter, der (bislang) keiner war
Der besagte Maschendrahtzaun...