Wir leben noch - Lappland im Griff der Kälte

Die tägliche Lektüre des Pressespiegels verrät uns, dass es Lappland in den vergangenen Tagen in die internationale Presse geschafft hat, denn wieder einmal richtiger Winter in Lappland.

Ich sitze im Auto und beim Blick auf die Temperaturanzeige im Armaturenbrett kommt mir plötzlich die Frage: Warum ist es da draussen eigentlich doppelt so kalt wie in unserer Gefriertruhe?

Unter minus 30 Grad C verändern sich Leben und Alltag. Auch wenn Du nur kurz nach draussen gehst, packst Du Dich in mehrere Schichten Kleider ein und siehst wie ein Michelinmännchen aus.

Wenn es schnell gehen muss gibt es Missgeschicke; ein alltägliches Beispiel: Du bist beim Geschirrspülen und der Hund will raus (oder kurze Zeit später wieder rein). Also mit den Nassen Händen schnell die Tür geöffnet. Schwerer Fehler, denn Du frierst sofort an der Türklinke an und das tut weh.

Alles wird schwerfällig. Auf die Technik ist kein Verlass mehr. Der sonst stets zuverlässige Handgriff an der Autotür bricht bei minus 38 Grad einfach ab, wenn Du die Tür öffnen möchtest. Das Auto gibt ächzende Geräusche von sich und schleppt sich nur noch äusserst widerwillig über die Strasse. Bremsen und Kupplung werden schwerfällig und das Schalten gleicht dem Rühren mit einem Kochlöffel in einem Mürbeteig.

Langsamheit ist das Gebot der Stunde. Auch bei maximalem Frostschutz (so um die minus 45 Grad) muss daran gedacht werden, dass der Windchill-Faktor dramatisch zuschlägt.

Wer bei unter minus 30 Grad auch nur etwas zu schnell fährt riskiert, seinen Kühler binnen Minuten in eine Eisblock zu verwandeln. Und im Zweifel gibt es an der Stelle, an welcher der Motor dann seinen Geist völlig aufgibt, keinen Mobilfunkempfang und die Notfalltasche mit den warmen Stiefeln, der Fellmütze und dem Winteroverall liegt in der heimischen Garage statt im Kofferraum...

Der Schwede und die Schwedin nehmen das alles recht gelassen. In Arvidsjaur sind bei minus 30 Grad noch einige Radfahrer unterwegs gewesen und viele Schulkinder sind - dick eingepackt - zu Fuss unterwegs zum Unterricht.

Der Temperaturunterschied ist gewaltig. Beim Betreten des Hauses liegt das Temperaturgefälle mitunter bei 50 bis 60 Grad. Die Brille beschlägt sofort eisig.

Die vergangenen zwei Wochen hat sich das Thermometer am unteren Ende der Skala befunden. Die Temperaturen schwankten zwischen minus 25 und minus 40 Grad und haben uns wieder vor manche Herausforderungen gestellt.

Die extreme arktische Kälte führt dazu, dass Du wesentliche Teile des Tages schlicht damit verbringst, Holz in den Ofen der Heizung zu schichten. Das hat aber auch seine guten Seiten: Viel Zeit zum Nachdenken im warmen Heizraum.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag ist das Thermometer im steilen Winkel dann binnen einiger Stunden endlich von minus 33 auf minus 7 gestiegen. Und mittlerweile rechnen alle veröffentlichten Wettermodelle mit einer milden Winterphase, jedenfalls soweit es die Temperaturen angeht. Zu schreibender Stunde sind die nächsten Tage zwischen minus 10 und 20 Grad zu erwarten. Es könnte in den nächsten Tagen allerdings wieder ordentlich schneien. Die bisherige Gesamtschneehöhe liegt bei 65-70 cm, was ungefähr die Hälfte des ansonsten saisonüblichen Wertes zu dieser Zeit ist.

Minus 36 Grad - Warum ist es da draussen eigentlich doppelt so kalt wie in unserer Gefriertruhe?
Warum ist es da draussen eigentlich doppelt so kalt wie in unserer Gefriertruhe?