Karfreitag in Schweden auf dem Lande

Rewind: Karfreitag in Deutschland vor 40 Jahren. Totenstille überall, im Radio nur gedämpfte und meist klassische Musik und natürlich waren am Karfreitag alle Locations mit Publikumsverkehr geschlossen und alle Geschäfte sowieso. Insbesondere für uns Kinder und Jugendliche war das ätzend. Ein tödlich langweiliger Tag, an dem „die Gesellschaft“ dir aber auch gar nichts gegönnt hat (sprich: so gut wie alles was auch nur im Ansatz hätte Freunde machen können, war nicht erlaubt). Wir haben dagegen still (besser gesagt: abartig laut) protestiert und oft eine Bandprobe auf den Gründonnerstagabend angesetzt (die sich dann in der Regel bis zum Frühstück auf dem nahen Autohof am Karfreitagmorgen hingezogen hat)...

Fast forward: Da gehe ich also im Jahre 2018 am Karfreitagabend mit dem Wuffel eine Runde durch unser kleines Dorf in Lappland. Menschenleer und wie ausgestorben erscheint alles. Kein einziges Fahrzeug fährt auf der Strasse und das schon seit Stunden. Einerseits perfekt für einen schönen Abendspaziergang; andererseits eine beklemmende Erinnerung daran, wie es damals in der Jugend war. Mit dem kleinen Unterschied allerdings, dass Schweden sich über Ostern kollektiv in den Sommarstugas aufhält und dort sowohl den Snöskoter wie auch das Lagerfeuer bemüht. Ostern ist ausgelassene Familienzeit und Party-time in Schweden. An keinem Wochenende des Jahres wird mehr mit dem Schneemobil gefahren, als just über Ostern.

Und am Gründonnerstag hatte ich den Fehler begangen, einkaufen zu gehen. Hätte ich mal besser vorher nachgedacht. Der Gründonnerstag ist einer der umsatzstärksten Tage des ganzen Jahres im Lebensmittelhandel. An diesem einzigen Tag wird mehr verkauft, als in der gesamten Woche vor Weihnachten. Ausnahmezustand sozusagen, als ob der Russe morgen vor der Tür stehen würde.

Und ich frage mich immer wieder: wer von all den Menschen weiss eigentlich noch, warum wir eigentlich Ostern feiern?

In diesem Sinne ein besinnliches Osterwochenende.

Ostern in Schweden auf dem Lande