Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose! [Update: 27/12/2014]

Heute wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie: Neulich in Europa.

Über die aus europäischer Sicht unabdingbare Normierung von Eiskugelportionierern hatte ich 2013 schon einmal geschrieben.

Aber die Entwicklung überholt die philosophischen Überlegungen zuweilen. So ist das eben. Nun scheint sich die Europäische Union den altbewährten Toaster für eine neue Normierungsorgie auserkoren zu haben.

Künftig soll also nur noch der "Einschlitztoaster" für den Verkauf innerhalb der EU zugelassen sein. Und die Begründung klingt ja eigentlich recht plausibel, denn wie so oft wird - insbesondere in den nach wie vor immer mehr zunehmenden Singlehaushalten - nur ein Schlitz des klassischen Doppelschlitztoasters befüllt. Die Hälfte der eingesetzten Energie verpufft also völlig sinnlos in der Umgebungsluft. Ein Skandal ist das.

Indes scheint es mir, dass es den europäischen Bürokraten einfach an der Chuzpe fehlt, die Übel wirklich an der Wurzel zu erfassen. Und daher springe ich an dieser Stelle natürlich gerne in die Bresche.

Die Wurzel allen Übels ist nämlich weder die immer noch fehlende Normierung für Eiskugelportionierer, noch die Problematik des klassischen Doppelschlitztoasters. Nein, die wahre Wurzel der unermesslichen Energieverschwendung in Europa hört auf einen anderen Namen, und dieser lautet "Mehrfachsteckdose".

Es liegt doch auf der Hand, dass dieses elektrische Gerät die Mutter aller Verschwendung ist. Wie vielen Energieverschwendern wird durch Mehrfachsteckdosen nicht überhaupt erst der Zugang zum Stromnetz ermöglicht? Da gibt es sogar Mehrfachsteckdosen mit bis zu zehn (!) Stromentnahmestellen im Handel. Unglaublich und skandalös ist das. Ein offenes Scheunentor für den Untergang Europas.

Stellen Sie sich demgegenüber einmal folgendes "best-case" Szenario vor: An jeder Wandsteckdose (deren zulässige Anzahl in Abhängigkeit von der Grundfläche eines Raumes natürlich auch geregelt werden müsste) hängt nur noch ein Verbraucher. Das zwingt den Verbraucher zu energiebewussten Entscheidungen:

Bürolampe oder Kopierer? Haarfön oder Stereoanlage? Tiefkühltruhe oder Küchenquirl?

Hunderttausende sinnlose Stromverbraucher wären der sofortigen "kalten Abschaltung" unterworfen.

Das Modell könnte zudem auch erhebliche beschäftigungsfördernde Begleitwirkungen haben. Denn leider ist es ja teilweise so, dass zuweilen auch verschiedene Endgeräte Strom aus derselben Wandsteckdose benötigen. Das wäre - nach Massgabe der zu treffenden neuen Regelungen - ausschliesslich nur noch über das manuelle Umstecken der jeweiligen betroffenen Endgerätestecker erlaubt.

Dämmerts Ihnen schon? Richtig! Das schafft Arbeitsplätze! Der Umsteckgehilfe ist der Zukunftsberuf des kommenden Jahrzehnts. Die Ausbildung ist kurz und erfordert - ganz im Einklang mit allen aktuellen Bildungsstudien - keine besonderen Vorkenntnisse oder gar eine Grundbildung. Nicht einmal die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben ist erforderlich. Der manuelle Kraftaufwand hält sich in Grenzen und im Regelfall kann die Tätigkeit - was den Berufswünschen gerade vieler junger Menschen entgegen kommt - in Innenräumen ausgeübt werden. Arbeitgeber - und das könnten auch Sie in Ihrem Privathaushalt sein - würden ausserdem einen Beschäftigungsförderungszuschuss von der EU erhalten.

Am Horizont sehe ich bereits den Lichtschein eines paradiesischen Zustandes: Die seit Jahrzehnten von Politik und Wirtschaft herbei gesehnte Vollbeschäftigung rückt endlich in greifbare Nähe.

Und schliesslich kommen auch die Gerätehersteller nicht zu kurz. Mit etwas wohlwollender und wohldosierter geplanter Obsoleszenz wird der Verschleiss an den nunmehr manuell zu betätigenden Steckkontakten nicht unerheblich sein. Will sagen, diese müssen oft und zudem fachmännisch ausgetauscht werden.

Und jetzt bitte alle im Chor: "Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!"

(Plakate und Fähnchen für die Protestkundgebungen können im Fanshop bestellt werden).


[Update: 27/12/2014]: Der Tatort vom 26.12. hat - der ARD sei grosser Dank dafür - eine weitere schwerwiegende Regelungslücke der europäischen Rechtsordnung ans Tageslicht gebracht. Künftig werden Lichterketten mit Sollbruchstellen versehen werden müssen (wie es bereits heute bei Schlüsselbändern der Fall ist), um sie künftig nicht mehr als Mordwaffen verwenden zu können.


Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!
Der Grund für die ökologische und wirtschaftliche Misere: Mehrfachsteckdosen