Im Fokus: Fotograf Michael Kirchner

Michael "Omori" Kirchner lebt als Fotograf in Heidelberg und bloggt im FOTOGRAFR - Magazin für Fotografie.

Mit Michael verbindet mich etwas ganz besonderes, ist er doch in Heidelberg beheimatet und tätig. In der Stadt, in der ich meine Jugend verbracht habe. Also „Bühne frei“ für Michael, der neben seinem Händchen für erstklassige Fotos auch noch eine weitere grosse Stärke hat: Er ist ein sehr sympathischer Mensch und es macht ausgesprochen Freude, mit ihm zusammen zu arbeiten!


- Michael Kirchner -


-> Michael, wie bist Du zur Fotografie gekommen?


Als ich mit der Fotografie angefangen habe, hat es mir sehr geholfen, mich mit anderen Interessierten auszutauschen. Feedback und Diskussionen in einer Fotogruppe sind durch keine Internet-Community zu ersetzen. Sowohl in meiner Heimatstadt Hildesheim, als auch in Heidelberg, wo ich jetzt wohne, habe ich mich durch die Teilnahme an solchen Gruppen nicht nur fotografisch weitentwickeln können, sondern habe auch gute Freunde gefunden. Und ich bin Fotografen wie dem Heidelberger Fotokünstler Johannes Kornfeld sehr dankbar, weil er mich in seinem Atelier in die Grundzüge der Studiofotografie eingeweiht hat.

-> Auf was bist Du spezialisiert?

Auf der einen Seite biete ich People- und Werbefotografie für Firmen an, auf der anderen Seite Beauty- und Aktfotografie für Privatpersonen. Das verbindende Element ist, dass bei mir eigentlich (fast) immer Personen vor der Kamera stehen.

Im Fokus: Fotograf Michael Kirchner
- copyright Michael Kirchner -


-> Fotografieren für Dich: Job, Handwerk, innerlicher Bezug?

Fotografieren ist eine Leidenschaft. Wobei es mir nicht so sehr um den technischen Aspekt dabei geht, sondern um die Arbeit mit Menschen. Ich finde es spannend, mit Leuten zu arbeiten, die vielleicht das erste mal vor der Kamera stehen und ein wenig nervös sind. Oder mitzuerleben, wie ein Newcomer-Model von Shooting zu Shooting sicherer wird und an Selbstvertrauen gewinnt.

-> Dein grösstes fotografisches Vorbild, und warum?

Große Vorbilder habe ich eigentlich nicht. Es sind eher einzelne Eigenschaften, die mich an bestimmten Fotografen beeindrucken. Bei Jim Rakete ist es zum Beispiel die Art, bescheiden und unspektakulär, trotzdem aber mit Leidenschaft und Hingabe an seiner Fotografie zu arbeiten.

-> Was war Dein bestes, was Dein schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?

Gute Erlebnisse gibt es glücklicherweise recht viele. Wenn zum Beispiel ein brasilianischer Fußballspieler über das ganze Gesicht strahlt, weil ich im Studio extra für ihn brasilianische Sambamusik besorgt habe. Oder wenn mir eine Kundin stolz berichtet, wie gut ihrem Freund die Beautyfotos gefallen, die sie in meinen Studio gemacht hat.

Ein richtig schlimmes Erlebnis steht mir erst noch bevor. Manchmal male ich mir aus, was passiert, wenn nach einem unwiederholbaren Shooting die Speicherkarte nicht mehr lesbar ist oder alle Fotos unscharf oder sonstwie technisch nicht in Ordnung sind. Bisher ist aber alles gut gegangen.


-> Wen oder was würdest Du gerne einmal fotografieren und warum?

Da gibt es eigentlich keine konkreten Wünsche. Oder ich kann auch sagen: Es ist ganz gut so, wie es jetzt läuft. Besonders viel Spaß macht mir ein Shooting immer, wenn der Mensch vor der Kamera mit derselben Begeisterung an ein Shooting herangeht wie ich. Wenn er eigene Ideen einbringt und die Arbeit vor der Kamera genießt. Mein Ziel ist, in Zukunft noch mehr mit Leuten zu arbeiten, die eine grofle Kamerapräsenz haben, also zum Beispiel mit Schauspielern oder Musikern.

Im Fokus: Fotograf Michael Kirchner
- copyright Michael Kirchner -


-> Eine ganz persönliche Frage, die bestimmt viele Leser interessiert: Wofür steht eigentlich „omori“?

Der Name "Omori" ist ein japanischer Eigenname, den ich vor über 10 Jahren bei einem Aufenthalt in Tokyo aufgeschnappt habe. Seit dieser Zeit verwende ich ihn als Pseudonym und als Name für mein Fotostudio. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Kunden und Fotografenkollegen eher an den Namen "Omori" erinnern als an meinen bürgerlichen Namen, vielleicht weil er so ungewöhnlich klingt.


-> Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie? Wohin geht die Reise?

Im Amateurbereich gibt es bereits heute ein Inflation von Fotos. Durch die technische Entwicklung bei den Mobiltelefonen ist eine Kamera immer und überall verfügbar. Viele der so entstehenden Fotos werden aber nie als Foto gedruckt und landen als Datenleiche auf irgendeiner Festplatte. Vielleicht ist die Unzufriedenheit mit dieser Situation der Grund dafür, dass viele Amateure zurück zu Fine Art Print oder der analogen Fotografie finden.

In der Berufsfotografie reicht es heute nicht mehr, wie vielleicht vor einigen Jahren noch, sich über die Technik definieren. Technik und Know How stehen heutzutage jedem interessierten Laien zur Verfügung. Was sich aber nicht so leicht erwerben lässt, sind Erfahrung, Kreativität und die Fähigkeit, Menschen vor der Kamera so zu führen, dass eindrucksvolle Fotos entstehen. Daher werden gute Fotografen (wie beispielsweise Jim Rakete) immer gefragt sein.


-> Dein Tipp für alle, die sich fotografisch weiter entwickeln wollen?

Nicht einfach losgehen, eine Kamera dabei haben und hoffen, dass einem das richtige Motiv schon über den Weg laufen wird. Sondern mit einer ganz klaren Idee und einem Konzept beginnen und dieses dann umsetzen.


Michael, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast!

(Die Interviewfragen stellten Henning Wüst und Petra Fuelbert)