Meine Entscheidung im Fotografr-Foto-Dreikampf Runde 3: "Mein bester Foto-Tipp"

Michael "Omori" Kirchner, Herausgeber von "Fotografr", hatte mich gefragt, ob ich auch in der dritten Runde des Foto-Dreikampfes als Juror zur Verfügung stehe. So kam ich nun nochmals zu der grossen Ehre, Mitglied der Jury sein zu dürfen.
 
In der dritten Runde des Foto-Dreikampfes ging es um die Aufgabe, den besten Foto-Tipp zu geben. Die Thematik war ansonsten recht frei gehalten. Lediglich ein Zusammenhang mit der Fotografie im weitesten Sinne war gefordert.
 
Die Kriterien für die Bewertung waren:
 
- Wie originell ist der Beitrag?
- Ist der Text verständlich und unterhaltsam?
- Ist der Betrag inhaltlich korrekt?
- Wie informativ ist der Inhalt?
 
Die dritte Runde war mit knapp 120 Einsendungen sehr spannend und ich muss zugeben, dass die Auswahl wieder alles andere als einfach war (und ich eigentlich gerne 5 Sieger gekürt hätte :).
 
Mit in der Jury waren die geschätzten Kollegen Stefan Groenveld, Torsten Mühlbacher, Hendrik Roggemann, Ralf Nöhmer, Manuel Mauer, Sven Wickenkamp, Manfred "Zoomyboy" Huszar, und Stefan Neuweger.
 
Nun zu meiner Auswahl. Oft sind es die einfachen Tipps, die am besten sind (und das sind zugleich oft die am schwersten zu befolgenden...).

Voran stellen möchte ich aber eine Honourable Mention. Patrick Opierzynski hat in den Beiträgen zum Wettbewerb eine Geschichte berichtet, die "ans Herz geht". Kein Tipp im engeren Sinne - ausser vielleicht der, dass man immer eine geladene Sofortbildkamera dabei haben sollte. Die Geschichte ist aber so eindrücklich, dass ich sie an den Anfang stellen möchte (und ich hoffe, dass Patrick gegen das lange Zitat seines Beitrages keine Einwendungen hat - falls ja bitte kurze Rückmeldung):
 
"Was ist mein bester Foto-Tipp? Ich glaube diese Frage lässt sich nicht wirklich einfach beantworten, da die Fotografie an sich so unglaublich vielschichtig und abwechslungsreich ist, dass es nicht möglich ist, für eine ganz bestimmte Situation einen ganz bestimmten Tipp zu geben. Da sich jede Foto-Situation von einer anderen unterscheidet.
 
Trotzdem möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, die sich im weitesten Sinne um die Entstehung
dieses Fotos rankt:
 
Im Rahmen meines „Radio Nowhere“-Projektes war ich mal wieder mit meinem alten Grundig Radio und meiner Digitalkamera unterwegs. Als „Location“ hatte ich mir den Dattel-Hamm-Kanal ausgesucht. Neben meiner DSLR trug ich auch noch eine alte Polaroid-Kamera in meiner Tasche herum ... So lief ich also mit meinen zwei Kameras und einem alten Radio durch die Gegend, als mir ein älterer Herr auf dem Fahrrad entgegen kam. Wir grüßten uns, er fuhr weiter und ich ging ebenso meines Wegs. Als es plötzlich hinter mir klingelte sah ich, dass der Herr umgedreht hatte und wieder auf mich zukam.
 
„Sind Sie Fotograf?“, fragte er mich interessiert und ich antwortete, dass die Fotografie mein Hobby sei und ich momentan dabei wäre einige Ideen um zu setzten. Während wir ein wenig plauderten zeigte er plötzlich auf die drei große Kühltürme, die unweit von uns aus der grünen Landschaft ragten und erzählte mir, dass er dort über 50 Jahre beschäftigt gewesen sei. „Bis vor einem Jahr, da kam dann die Rente“. Da er so viele Erinnerungen mit diesem Platz verbinde, würde er mindestens einmal die Woche mit dem Fahrrad an seiner ehemaligen Arbeitsstätten vorbeifahren. Es sei ihm unheimlich schwer gefallen, sich von all dem zu trennen.
 
„Über 40 Jahre dort drüben“, er zeigte auf die drei Türme, „und ich hab kein Foto mit diesen drei Riesen drauf. Aber mit diesen komischen digitalen Dingern ist datt ja immer so ’ne Sache“, er deutete auf meine DSLR, “ da bringt mir datt Foto ja nüscht, wenn ich keinen Computer hab‘.“
 
Der Groschen war in diesem Moment noch nicht bei mir gefallen – erst als er sich verabschiedete, mir einen schönen Tag und alles Gute wünschte, schoss mir durch den Kopf, dass ich in meiner Kameratasche noch die alte Polaroid-Kamera versteckt hatte. Ich rief den Mann zurück und bat ihn, sich und sein Fahrrad mit den drei Türmen im Hintergrund zu positionieren, in Richtung Kamera zu schauen und einmal „CHEEEESE“ zu sagen. Ein wenig verwundert leistete er meinem Wunsch Folge und grinste umso breiter, als er erkannte, dass ich eine Sofort-Bild-Kamera in den Händen hielt und deren Auslöser drückte.
„Datt ist ja doll – Die gibt’s auch noch?!“, sagte er als wir nebeneinanderstanden und ich mit dem Polaroid wedelte. Langsam erschienen der Mann und sein Fahrrad – vor seinem ehemaligen Arbeitsplatz.
 
Ich gab ihm sein Foto, wünschte ihm einen schönen Tag und alles Gute. „Danke, danke, vielen Dank“, sagte er und eine Träne kullerte ihm über seine Wange. „Danke, danke“, rief er mir hinterher.
 
Ein kleines Foto, aus einer uralten Kamera – fernab von Megapixeln, Zoom und hochvergüteten Linsen – aber ein Bild, das einen Menschen unheimlich glücklich gemacht hat. Für mich ein wunderbarer Moment…
 
Und ob dies nun ein wirklich Tipp war weiß ich nicht – Doch vielleicht sagt es etwas Allgemeines darüber aus, was Fotografie in uns auslösen kann, auch wenn es sich nur um ein kleines Bild aus einer Sofort-Bild-Kamera handelt. Und genau das ist es, was einem bewusst werden sollte, wenn man durch den Sucher in die Welt hinaus schaut – Fotos sind Emotionen. Und mit dieser Erkenntnis, lassen sich wunderbarste Fotos machen."

Text im kursiven Zitat von Patrick Opierzynski
 
Nun meine drei Tipp-Favoriten, wobei die Reihenfolge der Nennung keine Wertung darstellt:
 

Nummer 1: „Rechenschaft ablegen - mit dem fotografischen Jahrbuch“ von Christian Ahrens
 

Nummer 2: Habt keine angst euch dreckig zu machen! von Marco Bergner
 
Marco schreibt: "Habt keine angst euch dreckig zu machen! Für ein gutes Foto lohnt es sich auch durch den Dreck zu kriechen..."
 

Nummer 3: „Kameraeinstellungen überprüfen“ von Conny Hilker