Geplante Obsoleszenz, Teil 2: Die kommende Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO)

Frau Lapplandblog führt gerade - heftig schimpfend - eine schwierige Operation durch.

„Ich kann ja nur froh und dankbar sein, dass ich das damals noch in der Schule gelernt habe. Für so einen Mist musst du auch noch Geld ausgeben“.

Was war geschehen?

Der vor drei Monaten erworbene Hunderucksack hatte sich - nach ungefähr fünfmaligem Gebrauch in den Weiten Lapplands - buchstäblich in seine Einzelteile aufgelöst. Immerhin waren ca. 85% der Bestandteile desselben im Grünen noch auffindbar. In mühe- und liebevoller Kleinarbeit hat Frau Lapplandblog die Einzelteile wieder sorgsam zusammengepuzzelt und - unter Einfügung im Bestand vorhandener Ersatzteile - mit geübter Hand und festem Zwirn wieder zusammengefügt. Die Archäologen im nächsten Jahrtausend werden ihre helle Freude haben, wenn sie das Teil irgendwann einmal ausgraben sollten.

Stellt sich die Frage, warum so ein Mist mit der eingebauten „geplanten Obsoleszenz“ aktiv vermarktet und verkauft wird?

Das kann nur auf der kommenden Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO) beruhen. Aus üblicherweise bestens informierten und nicht genannt werden wollenden Insiderkreisen ist uns nämlich kürzlich folgendes zugetragen worden:

„Alle im Europäischen Binnenmarktes feil gehaltenen Produkte dürfen im Rahmen ihres konkreten Verwendungszwecks künftig nur noch höchstens 24 Monate gebrauchstauglich sein“.

Das haben die obersten Organe der EU in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank beschlossen. Das erklärte Ziel der Neuregelung sei die Ankurbelung des dahinsiechenden Binnenmarktes, denn es könne nicht angehen, dass hochqualitative Produkte gar ein ganzes Leben lang halten. Die vorgesehene zwingende begrenzte 24-monatige Gebrauchstauglichkeit muss durch die verwendeten Materialien, die Bauart und die Konstruktion sicher gestellt sein. Zuwiderhandlungen werden mit existenzbedrohenden Bussgeldern oder Zwangsinsolvenzen ("Marktbereinigung") bestraft werden.

Die Industrie übt schon seit geraumer Zeit für die kommende Neuregelung (was den meisten Leserinnen und Lesern aus eigenen Erfahrungen mit diversen Produkten bekannt sein dürfte; siehe die geschilderte Begebenheit am Anfang dieses Beitrages).

Beim Hören der Vorträge der diesjährigen Re-Publica bin ich auf einige besonders digitale Beispiele der geplanten Obsoleszenz gestossen, quasi als Ausblick, was wir in Zukunft zu erwarten haben. Allen voran die dem "Internet of Things" zugehörige Kaffeemaschinen, die über eine App auf dem Mobiltelefon gesteuert wird. Die App zur Kaffeemaschine wird so gebaut, dass sie nach dem nächsten Systemupdate auf dem Mobilgerät ihre Arbeit verweigert. Und dann wird die Entwicklung der App einfach eingestellt.

Resultat: Die High-Tech Kaffeemaschine wird zu Elektroschrott (denn wer will das technologische Highlight denn - wenn sich erst einmal daran gewöhnt wurde - als "altmodische" [sofern das überhaupt vorgesehen und möglich ist] Kaffeemaschine weiter benutzen?).

Bei höherwertigen Gütern, die aus Sicherheitsgründen nicht ab Werk "schlampig" gebaut werden können, können die kommenden Vorgaben der Europäischen Produktnachkaufverordnung (EPNVO) ganz einfach über einen eingebauten Betriebsstundenzähler erfüllt werden. Nach 24 Monaten erscheint dann im Display die Meldung „Die Lebensdauer ihres Produktes ist erreicht“

Besonders spassig stelle ich mir das bei Autos vor. Dort würde es dann heissen: „Nach den nächsten Abstellen des Motors wird sich das Auto nicht mehr starten lassen, weil die vorgesehene Produktlebensdauer erreicht ist. Eine automatischen Mitteilung an den nächstgelegenen Produktverschrotter und ihre finanzierende Bank wird gerade automatisch versendet. Danke, dass sie sich für ein Produkt aus unserem Hause entschieden hatten“.

Realisierbar ist das alles ganz einfach. Selbst die einfachsten und simpelsten technischen Geräte sind heute so elektronisiert, dass selbst Experten solche Systeme zur Begrenzung der Produktlebensdauer nicht mehr umgehen können. Ein Mechaniker aus der Autowerkstatt des Vertrauens hat mir gestern berichtet, dass viele Fehler bei neueren PKWs (lies: ab Baujahr 2002) nur noch durch Systsemupdates behoben werden können (zu denen freie Werkstätten natürlich keinen Zugang mehr haben). Ein schönes Beispiel dafür, dass die Vorschriften der kommenden Europäischen Produktnachkaufverordnung (EPNVO) ab dem Tag des Inkrafttretens auch bei älteren noch in Verkehr und Gebrauch befindlichen Geräten umgesetzt werden können, wenn es sich denn um digital gesteuerte Geräte handelt.

Konsequenterweise sollten dann auch alle nicht digital gesteuerten Geräte, d. h. Geräte, die nicht an das Internet of Things angeschlossen werden können, generell verboten werden. Wo kämen wir denn hin, wenn der Nachbar noch einen klassischen Rasenmäher in Betrieb hätte, mit dem er selbst durch den Garten rast? Undenkbar, welche Folgen das haben könnte.

Ich habe meiner Frau Lapplandblog versprochen nach einem qualitativ sehr hochwertigen Hunderucksack für unseren Hund Ausschau zu halten, bevor die EPNVO in Kraft tritt (und hoffentlich noch ganz analog).

2016 gekauft und erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der kommenden EPNVO
2016 gekauft und erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der kommenden EPNVO