Blogsterben - Das Aussterben der Fotoblogs

In den zurückliegenden zwei Wochen wurden wieder zwei Fotoblogs von Weltklasse zu Grabe getragen:

Das Blog von Ming Thein (für immer) und das Blog von Kirk Tuck (bis auf weiteres).

Etwas Wehmut ergreift mich schon, wenn sich zwei weitere der fotografischen Schwergewichte abmelden.

Nichtssagende, beständig nachplappernde und nur am reinen Produktmarketing ausgerichtete Fotoblogs gibts es nach wie vor mehr als genug. Nur die Anzahl derer, die wirklich etwas von Gewicht mitzuteilen haben, wird immer kleiner und lässt sich mittlerweile schon an zwei Händen abzählen.

Vielleicht liegt es daran, dass das Format des Blogs sich in Zeiten der „Internet-Schnellimbisse“ (sprich: sozialer Medien) überholt hat. Wer ist noch willens (und in der Lage) längere Texte zu lesen, mitzudenken und Gelesenes ohne selbst errichtete Vorurteile auch zu durchdenken?

Kurz: Die „Instant-Kultur“ ist erfolgreich dabei, die Kultur als solche zu vernichten.

Einfach ablesbar ist das an den Zugriffszahlen eines Blogs. Mit wem man auch spricht, bei allen seriösen Bloggern alten Schlages sind die Zugriffszahlen im konstanten Sinkflug. Selbst haben wir Google-Analytics mit dem Inkrafttreten der DSGVO ganz von der Seite verbannt und es interessiert uns nicht mehr, wie viele Zugriffe wir haben. Andere Blogger, die auch Werbeeinnahmen zur Finanzierung ihres Aufwandes erzielen wollen, trifft ein Einbrechen der Besucherzahlen mitunter hart.

Nein, das soll kein Klagen sein, vielleicht aber eine Art Abgesang.

Was mir bei vielen Bloggern, die ihre Blogs schlafen legen (oder sterben lassen) auffällt, ist der Satz, dass es „nichts mehr zu Bloggen gebe“. Vieles von dem, was es noch zu bloggen gäbe, darf man nicht mehr bloggen, denn bloggt man über brisante Themen wird man in eine bestimmte politische Ecke gepeitscht, so dass die Leserschaft schon aus Angst an dem betroffenen Blog „vorbei liest“ und ihn nicht mehr aufruft.

Gerade in der Fotografie sind die Themen ausgelutscht, es sei der Streit von Tiefenschärfe versus Schärfentiefe, oder was es da noch so alles gab in der Vergangenheit.

Einfaches googeln liefert hunderte von Resultaten für alle gängigen Probleme und Streitfragen. Wir brauchen also nicht wirklich noch ein Tutorial zur BlaBlaBla-Frage.

Und wer trotzdem noch ein Tutorial veröffentlichen möchte, der tut das mittlerweile in einem leicht verdaulichen Format auf YouTube (und verliert damit auch gleich noch die Kontrolle über den eigenen Content). Die Kunst des Lesens scheint ja nicht mehr so verbreitet zu sein (Stichwort: Kulturabwicklung). Die Entwicklung erinnert etwas an die biblische „Schrift an der Wand“ (Die Bibel, Buch Daniel, Kapitel 5, wer es nachlesen möchte).

Ganz ehrlich gesagt, empfinde ich das auch mehr und mehr bezogen auf die Themen dieses Blogs. Deswegen hat sich die Häufigkeit von Postings hier auch verringert. Wir bloggen nur noch, wenn es wirklich etwas gibt, das uns am Herzen liegt (Qualität statt Quantität und ein Nischenblog für Kenner und Geniesser). Für die Standardthemen gibt es die Suchfunktion, denn alles, was wirklich wichtig ist, gibt es hier (oder anderswo) schon.

Wir sind auch nicht die unbezahlten Animateure für einsame Surfer, die sich im Netz Spass holen wollen und wir lassen uns, sofern wir kritische Artikel veröffentlichen, nicht in eine bestimmte politische Ecke schieben (Stichwort: Liebe zur Wahrheit).

Alte Wahrheit bewahrheitet sich auch hier wieder einmal: Alles hat seine Zeit.

Und nein, noch liegt das originale Lapplandblog nicht auf der Bahre.

Auch Vergänglichkeit kann
Auch Vergänglichkeit kann schön sein