Angekündigte Obsoleszenz, Vergänglichkeit und der Kult des Konsumismus

Dem Thema der sog. „geplanten Obsoleszenz“ habe ich bereits zwei Artikel gewidmet: „Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht“ und „Geplante Obsoleszenz, Teil 2: Die kommende Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO)“.

Heute kann das Repertoire der geplanten Obsoleszenz um eine neue Spielart erweitert werden, die der „angekündigten Obsoleszenz“.

In Schweden gilt bekanntlich, dass alle Fahrzeuge auch bei Tag mit Licht fahren müssen. Zugelassen sind dabei das klassische Abblendlicht und das modernere „Tagfahrlicht“ (nicht zu verwechseln mit dem klassischen Standlicht).

Das ist eine feine Sache für die Hersteller von Ersatzglühbirnen, deren Lebensdauer schliesslich endlich ist. Das das Licht ständig eingeschaltet ist, verschleissen folglich auch die Glühlampen schneller. Die vergangenen Jahre ist mir aufgefallen, dass das Wechselintervall der Birnen subjektiv irgendwie immer kürzer geworden ist. Nachdem vergangene Woche wieder einmal eine H7-Lampe auszuwechseln war, habe ich mir die Verpackung derselben genauer unter die Lupe genommen.

h7_lifetime


Dort ist die angekündigte Obsoleszenz sogar ganz deutlich aufgedruckt. Die Lebensdauer der neuen Birne eines namhaften Herstellers liegt - laut Beschreibung - bei ungefähr 500 Stunden. Das klingt nach viel, aber ein einfaches Rechenbeispiel bringt Licht ins Dunkel. Hier in Nordschweden sind lange Strecken zurück zu legen. Zwei bis vier Stunden Fahrzeit pro Tag sind an der Tagesordnung. Legen wir zwei Stunden zugrunde, so beträgt die Lebensdauer der Birne - basierend auf der Herstellerangabe - ungefähr 250 Tage. Kommen noch einige richtige Langstrecken hinzu, verkürzt sich die Lebensdauer in Tagen entsprechen.

Bereits eine schnelle Recherche lüftet den Schleier und führt zum sog. Phoebuskartell. Bekannt wurde das Kartell durch die Absprache zur Begrenzung der Lebensdauer von Glühlampen auf 1.000 Stunden. Es ist umstritten, ob es sich hierbei um eine legitime Normung oder eine illegitime Kartellabsprache handelte. Von Seiten der Beteiligten heisst es, dass Absprachen zur Lebensdauer von Glühbirnen heute nicht mehr existieren würden.

Ich habe also einfach einen alten Bekannten angerufen, der in der Branche tätig ist und mich nach den theoretischen Möglichkeiten erkundigt. Die Antwort hat mich in eine Art Schockstarre versetzt. Theoretisch wäre es nämlich kein Problem, Halogenbirnen für den Gebrauch im PKW mit einer Lebensdauer von 15.000 Stunden herzustellen (vergleichbare Birnen gibt es sogar auf dem Markt, z. B. für die Verwendung in Verkehrsampeln).

Aber was beklage ich mich. Geplante oder angekündigte Obsoleszenz sind doch bereits Schnee von gestern. Heutzutage haben Unternehmen solche technischen Regulierungen doch gar nicht mehr nötig. Es reicht völlig, wenn kurz nach dem Verkaufsstart eines Produktes etwas Neues auf den Markt geworfen wird. Die vor einem Jahr noch brandaktuelle Ware wird vom Konsumenten dann selbst freiwillig als überholt oder gar überflüssig eingestuft und durch die aktuelle Ware ersetzt. Die geplante Obsoleszenz wird so zur geplanten Vergänglichkeit der Ware. Die gesamte Elektronikbranche lebt davon, denn so gut wie kein Mensch braucht die ständig neuen Produktgenerationen. Ich nenne das den „Kult des Konsumismus“.

Das Problem dabei ist, dass mittlerweile unser gesamtes Wirtschaftssystem auf dieser Weltanschauung beruht.

Der Philosoph und Soziologe Zygmunt Bauman hat das ironisch zum Ausdruck gebracht. In seiner ethischen Richtschnur für das Konsumleben rät er, „es tunlichst zu vermeiden, dauerhaft zufrieden zu sein. Für eine Gesellschaft, die die Zufriedenheit der Kunden zu ihrem einigen Motiv und wichtigsten Ziel erklärt, ist ein wunschlos glücklicher Kunde weder ein Motiv noch das Ziel, sondern die furchteinflössendste aller Bedrohungen.“

Der Konsumismus ist also im Kern ein Kult der Unzufriedenheit, des Unglücks und der Undankbarkeit. Die Folgen sind Dauerstress, Selbstzweifel, Depressionen und Beziehungsprobleme.

In diesem Zusammenhang gewinnt auch der neue Begriff der „Stuffocation“ an Bedeutung. Das Kunstwort ist aus den Worten „stuff“ (Zeug) und „suffocate“ (ersticken) zusammen gesetzt: Der Mensch droht am gehorteten Zeug zu ersticken (die Alternative dazu ist die durch die „schmutzige“ Entsorgung der alten Produktgenerationen entstehende Umweltkatastrophe).

Der einzige Ausweg scheint mir ein bewusst einfacher Lebensstil, der sich auf das wirklich Notwendige beschränkt und mit einem klugen Umgang mit den begrenzten Ressourcen einher geht, zu sein. Gerade die Vorweihnachtszeit bietet sich an, darüber nachzudenken und Verzicht zu üben.

h7_obsoleszenz_mit_ansage


Comments

Über Künstler, Kunst und Skalierbarkeit [Nachtrag / Update 2016-11-13 und 2016-11-26]

Künstler erkennst du daran, dass sie etwas erschaffen das nicht skalierbar ist.

Henning Wüst, meinem lieben Freund Thomas S. gewidmet


Nachtrag / Update 2016-11-13:

Zu diesem Artikel kam - auf verschiedenen Kanälen - erstaunlich viel Feedback rein. Martin hat in den Kommentaren geschrieben und seinen Mut möchte ich „belohnen“ indem ich seine Frage hier hinein kopiere und zum Anlass nehme, das Thema noch etwas tiefer und breiter zu illustrieren.

Martin schrieb:

Hallo Henning,
inwiefern ist Kunst denn nicht skalierbar? Und klappt dann auch das konsequente Weiterdenken, wonach alles nicht Skalierbare zugleich Kunst wäre?
BG, Martin



Ausgangspunkt war meine Aussage: „Künstler erkennst du daran, dass sie etwas erschaffen das nicht skalierbar ist.“

Nähern wir uns dem Begriff der Skalierbarkeit. Ganz allgemein beschreibt beschreibt Skalierung eine Größenveränderung. Der Begriff wird von dem italienischen Wort „scalae“, was Treppe bedeutet, abgeleitet. Allgemein beschreibt Skalierung eine Größenveränderung. Im betriebswirtschaftlichen Sinne steht die Skalierbarkeit für eine spezielle Eigenschaft einer Geschäftsidee bzw. eines Geschäftsmodells. Die Definitionen des Begriffs ausserhalb der IT-Welt (wo er in einem rein technischen Sinne verwendet wird) sind nicht völlig einheitlich.
Im Kern geht es bei der Skalierbarkeit aber immer um die Expansionsfähigkeit eines Modells (oft eines Geschäftsmodells). Kann bei einem Geschäftsmodell z. B. der Umsatz signifikant gesteigert werden, ohne dass die Kosten überproportional mitwachsen, oder gar grössere Investitionen notwendig sind, dann ist es gut skalierbar. Die mittlerweile klassischen Beispiele aus der Betriebswirtschaft sind fast alle im Internethandel - insbesondere im Softwarevertrieb - zu finden.

Der Grundgedanke lässt sich aber ohne weiteres auch auf Bereiche ausserhalb der reinen Geschäftswelt übertragen.

Was bedeutet das für den Bereich der Kunst, insbesondere der Fotografie?


1. In der Fotografie spielt die Skalierbarkeit bereits bei der Auswahl der Fotomotive eine grosse Rolle. Skalierbar sind Allerweltsmotive. Oder etwas präziser formuliert: Alle Motive, die eine längere zeitliche Beständigkeit und Dauer haben. Der legendäre Half Dome im Yosemite Park zum Beispiel. Er ist zweifellos eine sehr hübsche Location. Aber eben eine der am meisten Fotografierten weltweit. Die Anzahl der möglichen Bilder vom Half Dome ist im Prinzip unbegrenzt. Das führt aber nicht dazu, dass irgendein künstlerischer „Return“ grösser würde. Das Gegenteil ist der Fall. Mit der Anzahl der Bilder sinkt der künstlerische „Return“ und die Masse der Bilder stechen künstlerisch nicht heraus. Anders mit nicht skalierbaren, vergänglichen Motiven, die es nur eine sehr kurze und begrenzte Zeit gibt.

Das stützt die von Martin als Frage aufgeworfene These, dass fehlende Skalierbarkeit ein Indiz für Kunst ist.


2. Das gilt übrigens ganz allgemein für alle Tätigkeiten. Nehmen wir einen begnadeten Frisör als Beispiel, der seinen Weg vom Lehrling über den Gesellen bis zum Meister absolviert hat. Die meisten Frisöre, die es so weit geschafft haben, bleiben auf dieser Stufe stehen. Ganz wenigen gelingt der Sprung über die nächste Klippe, d. h. zum Künstler. Worauf das genau beruht, ist eine andere Fragen. Die berühmten 10.000 Stunden von Malcolm Gladwell spielen bestimmt eine wichtige Rolle, aber auch andere Faktoren haben Einfluss. Der Künstler ist im Beispiel der einzelne Frisör selbst. Ganz praktisch am Beispiel des Frisörsalons heisst das: Da gibt es einen Menschen, einen Frisör, und der ist Künstler in seinem Fach. Alle die anderen Angestellten im Salon spiegeln nur seinen / ihren Abglanz und leben von seinem / ihrem Renommee. Da lässt sich auf der künstlerischen Seite nichts skalieren. Nimm den Künstler aus der Gleichung und der Salon bricht zusammen. Was auf der Kundenseite zieht ist die Möglichkeit zu eben diesem Salon zu gehen und sich so auch im Abglanz des Künstlers zu sonnen, ohne diesen oder diese dort aber auch nur jemals zu Gesicht bekommen zu haben.

Auch das stützt die von Martin als Frage aufgeworfene These, dass fehlende Skalierbarkeit ein Indiz für Kunst ist.

Nota bene: Das Beispiel des Frisörs ist ein geschäftliches Grunddilemma, das für alle Freiberufler gilt, einerlei ob Anwalt, Arzt, Dozent, usw.


3. Viele Medien in der Kunst sind als solche nicht skalierbar. Das ist eine der Erklärungen, warum viele Fotografen von der Renaissance der Analogfotografie so begeistert sind. Die fehlende (oder besser: systemimmanent begrenzte) Skalierbarkeit übt eine künstlerische Faszination aus. Denn sie rückt die Fotografie in die Ecke der Malerei. Ein gemaltes Bild ist ein Unikat. Ein Polaroidfoto ist ein Unikat. Das Negativ eines analogen Bildes ist ein Unikat, das zumindest in der Möglichkeit Abzüge zu erstellen so eingeschränkt ist, dass die Abzüge den Hauch der Nichtskalierbarkeit haben (deswegen auch die i. d. R. limitierte Anzahl an Abzügen).

Auch das stützt die von Martin als Frage aufgeworfene These, dass fehlende Skalierbarkeit ein Indiz für Kunst ist.

Für den Massenmarkt gibt es hier - analog zu dem oben als Beispiel angeführten Frisörsalon - den Abglanz des Künstlers in Form von Kunstdrucken und Reproduktionen. Aber selbst wenn diese qualitativ extrem hochwertig sind, so sind sie an und für sich eben eines nicht: Echte Kunst, denn die analoge Kunst ist eben nicht skalierbar.

So ist es mit dem Bildkünstler wie mit dem Frisörkünstler: Man kann eine eigene Welt um sie herum bauen um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, mit ihrem Abglanz in Kontakt zu kommen. Mehr aber eben auch nicht. Das macht auch den bezaubernden und beinahe unwiderstehlichen Charme der Kunstausstellung aus: Werden echte, d.h. nicht skalierbare Originale ausgestellt, ist die Ausstellung die einzige Möglichkeit dem Abglanz der Künstlers so nahe zu kommen, wie es eben geht.


4. Was uns zur finalen Frage führt: Wie sieht es mit der Digitalfotografie aus?

Was die Skalierbarkeit angeht, so sieht es ausgesprochen schlecht aus. Denn die Möglichkeit der unbegrenzten digitalen Kopierbarkeit des Endergebnisses stellt die künstlerische Natur per se in Frage. Warum gibt es viele Camera-Apps, die versuchen die Nichtskalierbarkeit nachzuahmen. Da muss geschüttelt werden, da ist das aufgenommene Bild erst nach Minuten oder gar Stunden, oder wenn ein virtueller Film vollgeknipst ist, sichtbar. Von manchen Apps wird auch der virtuelle „Kommissar Zufall“ in Form „zufällig“ hinein gerechneter Bildstörungen und Effekte bemüht. Alles vergeblich, denn selbst wenn man diesen „Krücken“ ihre Berechtigung im Erstellungsprozess zusprechen würde, so bleibt das digitale Endprodukt, das Bild, doch kopierbare Massenware (sprich im allerbesten Fall meisterhafte Gebrauchsfotografie aber keine Kunst).

Vielleicht müssen wir sogar den Schluss ziehen, dass die digitale Fotografie generell einfach bestenfalls nur meisterhaft, aber eben niemals wirklich künstlerisch sein kann?

Ich freue mich auf eine breitere Diskussion.


Nachtrag / Update 2016-11-26:

Eine Leserzuschrift, die mich sehr bewegt hat, möchte ich hier noch als Nachtrag anhängen. Don, seines Zeichens Pastor, schreibt mir (leicht gekürzt):

Du darfst die Vergänglichkeit als Kriterium nicht vergessen. Du hast das unter Punkt 1 schon angesprochen. Schliesslich geht es um eine ganz grunssätzliche Frage.

Die Bibel bringt das für mich am besten auf den Punkt. In Psalm 90 Vers 12 heisst es:

"Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."

Und genau darum geht es. Das der Vergänglichkeit unterworfen sein ist der Knackpunkt. Was machst Du, wenn Du Bilder machst? Du versucht, die Vergänglichkeit aufzuhalten. Den Augenblick "festzuhalten" und "einzufrieren". Das entspricht einem menschlichen Grundbedürfnis. Denn der Mensch weiss, dass er der Vergänglichkeit, d.h. dem Tod, anheim gegeben ist.

Warum werden Denkmäler errichtet, Potraits gemalt, Pyramiden gebaut und Familiendynastien gegründet? Um den Hauch der Unsterblichkeit zu erreichen. Um etwas zu schaffen, das über den Tod hinaus reicht. Um sich selbst, oder jemanden oder etwas, das man verehrt, zu "verewigen". Der Versuch ist aber von vornherein zum scheitern verurteilt, denn die Schöpfung und der Mensch sind der Vergänglichkeit unterworfen und da beisst keine Maus einen Faden ab. Die eigentliche Frage ist eine solche geistlicher Natur und härt auf den Namen "ewiges Leben". Und das gibt es nur bei Gott und nicht durch Denkmäler, Portraits, Dynastien oder Fotografien.


Eis - nicht skalierbare Kunst

Comments

Aufmerksamkeits-Defizit-Kultur

Aufmerksamkeits-Defizit-Kultur


Eine Betrachtung aus vier Perspektiven.

Kürzlich in einer schwedischen Metropole. Eine grosse Konferenz mit Vorträgen bekannter Redner. Mitten in einem der Hauptvorträge nehme ich plötzlich die im Bild gezeigte Situation wahr, die mich tief erschüttert und sehr nachdenklich gemacht hat.

In den Rängen sitzen ungefähr 600 Konferenzteilnehmer, die alle einen ziemlich hohen Preis für die Teilnahme gezahlt haben. Keine Kinder oder Teenager, sondern erwachsene Menschen, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden ihrer jeweiligen beruflichen Karriere stehen.

Perpektive 1:

Auf der Bühne steht ein in Schweden sehr bekannter Redner. Seine Rhetorik ist gut und er zeigt wirklich Einsatz. Zugegeben, das Thema ist auch für mich nicht wirklich „prickelnd“. Dafür kann der arme Mensch auf der Bühne aber nichts, denn die Themen waren vorgegeben und er hat das akzeptiert und zugesagt. Seine Verantwortung ist also, zu „liefern“. (Nota bene am Rande für alle Referenten: Wirklich nur Anfragen zu Themen annehmen die „Dein Ding“ sind, sonst sind Katastrophen und Frust vorprogrammiert).

Andererseits war die Agenda auch allen Konferenzteilnehmern bekannt und niemand war gezwungen worden, diesen Vortrag zu besuchen. Es ist ja ganz normal und üblich, sich diejenigen Vorträge aus dem Programm heraus zu suchen, für die man sich interessiert und die entstehende freie Zeit fürs Networking zu nutzen. Merke: Abseits von Vorträgen die man selbst als weniger interessant empfindet und deswegen auslässt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, auf Gleichgesinnte zu treffen. Perfekt, um neue Kontakte zu knüpfen.

Der Redner jedenfalls wird gerade dafür bestraft, dass er einen guten Vortrag zu einem Thema hält, das grössere Teile des Publikums schlicht nicht interessiert. Und das nur, weil die entsprechenden Teilnehmer die Agenda entweder gar nicht studiert haben, oder ihnen das Rückgrat fehlt, einem für sie uninteressanten Vortrag fern zu bleiben und die Zeit stattdessen für Sinnvolleres zu verwenden.

Von den oberen Rängen des Auditoriums scheinen hell die Schirme der Mobiltelefone, welche die Flucht aus der Realität in eine andere Welt ermöglichen. Besonders perfide ist es, dass das für den Redner von der gut ausgeleuchteten Bühne aus auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen ist. Der hart arbeitende und schwitzende Vortragende gibt alles in der Hoffnung, dass bei den Zuhörern etwas ankommt (oder gar hängen bleibt), während diese sich sinnloser Zeitverschwendung hingeben. Es wäre ehrlicher sich selbst und dem Redner gegenüber fairer, einfach still den Saal zu verlassen.

Perspektive 2:

Respekt und Aufmerksamkeit sind immer ein Geschenk. Ich meine, wir sollten grosszügig geben und schenken. Der gesellschaftliche Trend geht klar in die entgegen gesetzte Richtung und deswegen wird diese geschenkte Aufmerksamkeit immer seltener und wertvoller. Das gilt umso mehr, je mehr verfügbare Alternativen sich dem jeweiligen Publikum bieten. Das Pardoxe dabei ist, dass alle sich gerne beschenken lassen. Fast alle Menschen stehen gerne im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Aber nur sehr wenige Menschen schenken anderen gerne die so kostbare Aufmerksamkeit.

Dazu kommt noch: Aufmerksames, ja gar aktives Zuhören ist anstrengende Arbeit. Schwere Arbeit. Die meisten Menschen ziehen anstrengender Arbeit eine weniger anstrengende Alternative vor, wenn eine solche in Reichweite ist. Und das stets mit dem Internet verbundene „Fluchttelefon“ ist immer und überall dabei und stets zur Hand. Irgendwie pervers wenn man bedenkt, was die Kosten dieser Veranstaltung waren. Und noch perverser ist, dass sich im nachhinein fast alle Teilnehmer mit dem Umstand schmücken werden, dass sie diesem und jenen Redner zugehört haben.

Perspektive 3:

Wie würde ich mit dieser Situation umgehen? Bisweilen stehe ich selbst dort oben und präsentiere oder gebe eine „Keynote Speech“. Ich stelle mir vor, wie dieses konkrete Auditorium mit dem gegebenen Thema zu begeistern sein könnte. Ein herausforderndes Gedankenspiel, aber ich mag Herausforderungen. Sie sind der einzige Weg zum Wachstum. Und sie sind immer mit Arbeit und Schmerzen verbunden. Der Kollege auf dem Podium tut mir gerade aufrichtig leid.

Perspektive 4:

Ein einfacher Ausweg wäre es zu darauf abzustellen, dass früher sowieso alles besser war. Das Publikum hatte keine leicht verfügbaren Ablenkungsmöglichkeiten. Sicher, schon immer gab es die kleinen architektonischen Details und die Frisuren anderer Menschen als Objekte gelangweilter Betrachtung. Von der möglichen multimedialer Ablenkung „at your fingertips“ aber wagte noch vor einigen Jahren niemand auch nur zu träumen. Wenn ich heute einen Konferenzsaal zu bauen hätte, würde ich ihn vorsorglich mit geerdeter Kupferfolie auskleiden lassen, um jede Chance einer Internetverbindung über mobile Daten zunichte zu machen.

Im Ernst: Noch vor 10 Jahren habe ich Vorträge mit Folien auf dem Overhead-Projektor gehalten. Heute ist bereits allein der Gedanke, ohne multimediale Powerpoint-Präsentation auf die Bühne zu gehen, geradezu unanständig (obwohl sich alle Experten einig sind, dass eine textorientierte Standardpräsentation in 99% der Fälle völlig sinnlos und sogar kontraproduktiv ist). Was für eine verkehrte Welt.

Neulich sah ich in Stockholm einen Transporter eines Entsorgungsbetriebes mit einem Anhänger vor einem der grösseren und bekannteren Hotels. Mitarbeiter trugen gut und gerne 10 Overhead-Projektoren nach draussen und warfen diese zur Entsorgung auf den Hänger. Ein Stich ging mir durchs Herz.

Ich denke übrigens nicht, dass man jedem neuen Trend „blind“ folgen sollte (und schon gar nicht muss). Das gilt besonders für die technische Entwicklung. Bei jeder neuen „Welle“ an Technik (und insbesondere Präsentationstechnik), die auf uns zurollt, ist eine differenzierte Abwägung erforderlich. Aber das ist mit Arbeit verbunden (-> Denken / Nachdenken). Einfach in der Herde der Masse mit zu trotteln und jedem neuen technischen wie gesellschaftlichen Trend bereitwillig zu folgen und hinterher zu jagen ist viel einfacher, als erst einmal selbst das Gehirn zu benutzen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt: Manche Herdentiere merken wenigstens kurz vor dem Schlachthaus wohin die Reise geht. Leider ist es dann in aller Regel zu spät. Aber jedenfalls war es einfacher und bequemer Weg. Aber zurück zum Thema. Hand aufs Herz: Denken sie einmal über die Vorträge und Präsentationen nach, die ihnen „unter die Haut gegangen“ sind und die sie verändert haben. Die Chancen stehen gut, dass das Vorträge ohne jeglichen technischen Schnickschnack waren.


Schlussfolgerungen:

Für Teilnehmer - Auch auf Konferenzen vorher das Gehirn einschalten, die Agenda studieren und nachdenken, auch wenn es anstrengend ist. Schenken sie den Referenten, denen Sie zuhören, ihre Aufmerksamkeit. Es könnte sich auszahlen.

Für Referenten - Lasst uns unsere Zuhörer mit wichtigen Themen beschenken und um ihre Aufmerksamkeit kämpfen!

Irgendwie freue ich mich auf die nächste eigene Präsentation.

Comments

Schwedenurlauber aufgepasst: Diese Geldscheine sind ab 1. Juli 2016 nicht mehr gültig

Vielleicht haben Sie auch die nette Angewohnheit, das „Reisegeld“ aus anderen Ländern in einer Kaffeedose - oder anderswo - für den nächsten Urlaub aufzuheben. Wenn Sie regelmässig in Schweden Urlaub machen, sollten Sie Ihre gesparten schwedischen Kronen jetzt schleunigst einer Sichtung unterziehen.

Im Rahmen eines lang angelegten Umtauschprogrammes zum Austausch der schwedischen Banknoten und Münzen tritt bald die nächste Stufe in Kraft.

Seit 1. Oktober 2015 sind bereits die neuen Banknoten in der Stückelung zu 20, 50, 200 und 1000 Kronen im Umlauf. Die 200er sind übrigens gänzlich neu.

Die alten 20er, 50er und 1000er Scheine werden mit Ablauf des 30. Juni 2016 (d.h. ab 1. Juli 2016) ungültig.

Auf der Grafik der Schwedischen Reichsbank („Riksbanken“) können Sie unten links dis alten Scheine sehen, die ab 1. Juli nicht mehr gültig sind.

Schwedenurlauber aufgepasst: Diese Geldscheine sind ab 1. Juli 2016 nicht mehr gültig

In der zweiten Stufe ab dem 1. Oktober 2016 startet dann der Austausch der 100er, 500er und des Münzgeldes.

Was tun? Die Riksbanken tausche alte Scheine zeitlich unbegrenzt um, erhebt dafür aber eine Gebühr von 100 Kronen pro Umtausch. Also am besten gleich nach Lappland fahren und die alten Scheine noch vor dem 30. Juni ausgeben :)

Kleiner Extratipp am Rande: Bitte bringen Sie keine 1000-Kronen-Scheine in Ihrer Urlaubsreisekasse mit. 1000er sind praktisch nicht in Verwendung und wenn sie mit diesem Schein zahlen wollen, können Sie ungläubige Blicke ernten, denn der 1000er gibt in Schweden als klassischer „Geldwäscheschein“. In der Praxis sind die 500er die grösste Banknote, die in Verwendung ist.

Comments

Geplante Obsoleszenz, Teil 2: Die kommende Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO)

Frau Lapplandblog führt gerade - heftig schimpfend - eine schwierige Operation durch.

„Ich kann ja nur froh und dankbar sein, dass ich das damals noch in der Schule gelernt habe. Für so einen Mist musst du auch noch Geld ausgeben“.

Was war geschehen?

Der vor drei Monaten erworbene Hunderucksack hatte sich - nach ungefähr fünfmaligem Gebrauch in den Weiten Lapplands - buchstäblich in seine Einzelteile aufgelöst. Immerhin waren ca. 85% der Bestandteile desselben im Grünen noch auffindbar. In mühe- und liebevoller Kleinarbeit hat Frau Lapplandblog die Einzelteile wieder sorgsam zusammengepuzzelt und - unter Einfügung im Bestand vorhandener Ersatzteile - mit geübter Hand und festem Zwirn wieder zusammengefügt. Die Archäologen im nächsten Jahrtausend werden ihre helle Freude haben, wenn sie das Teil irgendwann einmal ausgraben sollten.

Stellt sich die Frage, warum so ein Mist mit der eingebauten „geplanten Obsoleszenz“ aktiv vermarktet und verkauft wird?

Das kann nur auf der kommenden Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO) beruhen. Aus üblicherweise bestens informierten und nicht genannt werden wollenden Insiderkreisen ist uns nämlich kürzlich folgendes zugetragen worden:

„Alle im Europäischen Binnenmarktes feil gehaltenen Produkte dürfen im Rahmen ihres konkreten Verwendungszwecks künftig nur noch höchstens 24 Monate gebrauchstauglich sein“.

Das haben die obersten Organe der EU in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank beschlossen. Das erklärte Ziel der Neuregelung sei die Ankurbelung des dahinsiechenden Binnenmarktes, denn es könne nicht angehen, dass hochqualitative Produkte gar ein ganzes Leben lang halten. Die vorgesehene zwingende begrenzte 24-monatige Gebrauchstauglichkeit muss durch die verwendeten Materialien, die Bauart und die Konstruktion sicher gestellt sein. Zuwiderhandlungen werden mit existenzbedrohenden Bussgeldern oder Zwangsinsolvenzen ("Marktbereinigung") bestraft werden.

Die Industrie übt schon seit geraumer Zeit für die kommende Neuregelung (was den meisten Leserinnen und Lesern aus eigenen Erfahrungen mit diversen Produkten bekannt sein dürfte; siehe die geschilderte Begebenheit am Anfang dieses Beitrages).

Beim Hören der Vorträge der diesjährigen Re-Publica bin ich auf einige besonders digitale Beispiele der geplanten Obsoleszenz gestossen, quasi als Ausblick, was wir in Zukunft zu erwarten haben. Allen voran die dem "Internet of Things" zugehörige Kaffeemaschinen, die über eine App auf dem Mobiltelefon gesteuert wird. Die App zur Kaffeemaschine wird so gebaut, dass sie nach dem nächsten Systemupdate auf dem Mobilgerät ihre Arbeit verweigert. Und dann wird die Entwicklung der App einfach eingestellt.

Resultat: Die High-Tech Kaffeemaschine wird zu Elektroschrott (denn wer will das technologische Highlight denn - wenn sich erst einmal daran gewöhnt wurde - als "altmodische" [sofern das überhaupt vorgesehen und möglich ist] Kaffeemaschine weiter benutzen?).

Bei höherwertigen Gütern, die aus Sicherheitsgründen nicht ab Werk "schlampig" gebaut werden können, können die kommenden Vorgaben der Europäischen Produktnachkaufverordnung (EPNVO) ganz einfach über einen eingebauten Betriebsstundenzähler erfüllt werden. Nach 24 Monaten erscheint dann im Display die Meldung „Die Lebensdauer ihres Produktes ist erreicht“

Besonders spassig stelle ich mir das bei Autos vor. Dort würde es dann heissen: „Nach den nächsten Abstellen des Motors wird sich das Auto nicht mehr starten lassen, weil die vorgesehene Produktlebensdauer erreicht ist. Eine automatischen Mitteilung an den nächstgelegenen Produktverschrotter und ihre finanzierende Bank wird gerade automatisch versendet. Danke, dass sie sich für ein Produkt aus unserem Hause entschieden hatten“.

Realisierbar ist das alles ganz einfach. Selbst die einfachsten und simpelsten technischen Geräte sind heute so elektronisiert, dass selbst Experten solche Systeme zur Begrenzung der Produktlebensdauer nicht mehr umgehen können. Ein Mechaniker aus der Autowerkstatt des Vertrauens hat mir gestern berichtet, dass viele Fehler bei neueren PKWs (lies: ab Baujahr 2002) nur noch durch Systsemupdates behoben werden können (zu denen freie Werkstätten natürlich keinen Zugang mehr haben). Ein schönes Beispiel dafür, dass die Vorschriften der kommenden Europäischen Produktnachkaufverordnung (EPNVO) ab dem Tag des Inkrafttretens auch bei älteren noch in Verkehr und Gebrauch befindlichen Geräten umgesetzt werden können, wenn es sich denn um digital gesteuerte Geräte handelt.

Konsequenterweise sollten dann auch alle nicht digital gesteuerten Geräte, d. h. Geräte, die nicht an das Internet of Things angeschlossen werden können, generell verboten werden. Wo kämen wir denn hin, wenn der Nachbar noch einen klassischen Rasenmäher in Betrieb hätte, mit dem er selbst durch den Garten rast? Undenkbar, welche Folgen das haben könnte.

Ich habe meiner Frau Lapplandblog versprochen nach einem qualitativ sehr hochwertigen Hunderucksack für unseren Hund Ausschau zu halten, bevor die EPNVO in Kraft tritt (und hoffentlich noch ganz analog).

2016 gekauft und erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der kommenden EPNVO
2016 gekauft und erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der kommenden EPNVO

Comments

Dringender Hilferuf an die EU: Normierung von Toilettenpapierrollenkernen erforderlich!

Aufmerksame Leser kennen die Rubrik „Europäisches“ schon. Hier geht es um die existentiellen Probleme der Menschheit und des täglichen Lebens, derer sich die EU in Form allgemeinverbindlicher Regelungen zur Erhaltung von Weltfrieden und Umwelt (sprich: Klima) unbedingt schleunigst annehmen sollte.

Während des dramatischen Kälteeinbruchs der vergangenen Tage in Lappland - das Thermometer sank bedenklich nahe an die Grenze von minus 40 C - habe ich wesentliche Teile des Tages damit verbracht, Holz in den Ofen zu stapeln. Aber um die jüngste Kälte soll es hier nur mittelbar gehen.

Jedenfalls: Manchmal ging der Ofen aus und ich musste ihn neu anfeuern. Dazu eignen sich alte Zeitungen ganz besonders, womit übrigens zugleich auch klar beweisen wäre, dass die Zukunft des klassischen Journalismus zumindest in kalten Regionen gesichert ist. Vielleicht freilich mit einem anderen Geschäftsmodell, denn die Zeitung von gestern brennt eben so gut, wie die von heute. Aber auch das ist wieder eine andere Diskussion, die zu einem späteren Zeitpunkt geführt werden kann.

Als ich also so mein Anfeuerpapier auf dem Holz verteilte, fiel mir eine grosse Tüte mit Toilettenpapierrollenkernen in die Hände. Sehr schön, denn die brennen sehr gut. Eines fiel mir aber auf: In Länge, Wandungsstärke und Durchmesser unterschieden sich die Toilettenpapierkernrollen. Sehr merkwürdig. Und während ich dann ans Zündeln ging und in die Flammen starrte, entfaltete sich die ganze Tragweite vor meinem geistigen Auge: Im Unterschied zur Grösse von Eiskugeln (über die wir hier schon ausführlich gesprochen hatten) ist die Erforderlichkeit allgemeiner europarechtlicher Vorschriften zu Toilettenpapierkernrollen äusserst akut. Schliesslich handelt es sich um einen Artikel des täglichen Bedarfs in der allgemeinen Bevölkerung.

Nach aktuellen Statistiken liegt der Durchschnitt an verbrauchtem Toilettenpapier in der EU bei satten 13 Kg (in Deutschland liegt er bezeichnenderweise sogar noch darüber: 15 Kg).

Können Sie sich vorstellen, über wie viele Toilettenpapierrollen wir also reden?

Rechnen wir doch einmal: Das durchschnittliche Gewicht einer Toilettenpapierrolle liegt bei 100 Gramm. Wir teilen 13 Kilo durch 100 Gramm und es ergeben sich 130 Toilettenpapierrollen pro Jahr und EU-Bürger. Die EU hat derzeit 508 Millionen Einwohner. Das ergibt 66040000000 (auf Deutsch ungefähr 66 Milliarden) Toilettenpapierrollen pro Jahr in der gesamten EU. Eine völlig unvorstellbare Menge. Sammeln Sie einmal 10 Toilettenpapierkernrollen und legen Sie diese vor sich auf den Tisch; und jetzt stellen Sie sich 66 Milliarden Stück davon vor.

Wie ich bereits erwähnt habe, unterscheiden sich die im Feldversuch untersuchten Toilettenpapierkernrollen in Länge, Wandungsstärke und Durchmesser (schwacher Trost: immerhin sind sie alle aus Recyclingspapier hergestellt).

Kurz und gut: Ein Fall von Intransparenz und Irreführung par excellence. Der Verbraucher muss geradezu getäuscht werden. Denn selbst wenn der Rollendurchmesser aussen gemessen derselbe ist, sagt das überhaupt nichts über die Menge an Papier auf der Rolle aus, wenn die Kerne unterschiedlich sind. Von den feinen Unterscheidungen zwischen ein-, zwei-, drei- und vierlagigem Papier wollen wir einmal ganz absehen. A propos: Wenn wir schon bei Neuregelungen sind, dann machen wir gleich das zweilagige Toilettenpapier zum Standard. Etwas Luxus wird dabei gegen Belange des Umweltschutzes abgewogen. Die Struktur für die Prägung und ein alternatives Muster legen wir auch gleich fest.

Hinzu kommt ein Weiteres: 66 Milliarden Toilettenpapierkernrollen schreien geradezu nach Wiederverwertung. Ein neues Recyclingsystem muss her. Da werden 66 Milliarden Stück eines wertvollen und recyclingfähigen Gebrauchsproduktes jährlich einfach weggeworfen. Ein unvorstellbarer Skandal.

Nebenbei gäbe es noch einen weiteren interessanten Aspekt der Gleichheit: Es soll doch tatsächlich EU-Länder gegen, in denen das Toilettenpapier (noch) nicht auf Rollen im Handel ist. Das ist gleich der nächste Skandal, der im Zuge einer umfassenden Regelung mit erledigt werden könnte.

Während meine Gedanken heisslaufen und ich mich mit Frau Lapplandblog darüber austausche - Sie holt übrigens zunächst das Fieberthermometer, was ich nicht ganz verstehe - wirft Sie den klugen Gedanken in den Ring, dass es ein Hygieneproblem geben könnte. Aber kein Problem, dass nicht durch eine saubere Normierung und juristische Regelungen gelöst werden könnte. Der EU-Einheits-Toilettenpapierrollenkern muss aus einem gewichtsarmen desinfizierbaren Recyclingplastik hergestellt werden, dass mindestens eine bestimmte Anzahl von Wiederverwertungs- sprich Desinfektionszyklen toleriert (Vorschlag: zehn).

Liebe Eu-Kommission, meine Vorschläge für eine neue EU-Rechtsverordnung zur Einführung und Vereinheitlichung von Toilettenpapierrollenkernen sind:

1. Regelungen zur Verbindlichkeit des Feilhaltens von Toilettenpapier auf Rollen.

2. Vorschriften zur EU-weiten Verbindlichkeit des zweilagigen Toilettenpapiers samt Regelungen über die zu verwendenden Papierarten. Ausnahmen für hochrangige Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens können vorgesehen werden.

3. Regelungen zu Länge, Wandungsstärke, Durchmesser und Gewicht der Toilettenpapierrollenkerne.

4. Regelungen zu den zulässigen Materialien der Toilettenpapierrollenkerne.

5. Vorschriften über die Einführung eines neuen europaweiten Recyclingsystemes; insbesondere zu den einzuhaltenden Desinfektions- und Hygienestandards.

Dieser Vorschlag ist übrigens alternativlos, wenn der Niedergang von Wirtschaft und Umwelt noch abgewendet werden soll.

Dringender Hilferuf an die EU: Normierung von Toilettenpapierrollenkernen erforderlich!
Der Stein des Anstosses und die Wurzel des Übels: Toilettenpapierrollenkerne

Comments

2015/2016 - Blick zurück nach vorn - Achtung: Philosophische Betrachtung!

Was ist gewesen? Das, was sein wird! Und was hat man gemacht? Das, was man machen wird! Und es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Prediger Kap. 1 Vers 9



Polare Stratosphärenwolken
Apokalyptisch anmutendes Szenario: Polare Stratosphärenwolken


Apokalyptisch anmutende Szenerie


Umgangssprachlich wird die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr gerne als die Zeit „zwischen den Jahren“ bezeichnet. Eine Zeit der Rück- und Vorschau. Das apokalyptisch anmutende Schauspiel polarer Stratosphärenwolken (auch unter dem Namen „Irisierende Wolken“ oder „Perlmuttwolken“ bekannt) hat gestern die passende Umrahmung für diese Betrachtung geliefert. 
 


Wendezeit - Warten auf den sechsten Kondratjew 

Auch bei wohlwollender Sichtweise offenbart die Rückschau auf 2015, dass die globale (und an sehr vielen Stellen auf der Welt ebenso die lokale) Situation - bildlich gesprochen - „richtig im Dreck“ steckt. 

Betrachten wir als Beispiel die wirtschaftliche Lage: Nach den diversen Krisen des vergangenen Jahrzehnts schleppt sich die Konjunktur auf dem letzten Loch pfeifend dahin. Hunderte Milliarden werden heute hierhin und morgen dorthin gepumpt, ohne dass sich eine tiefgreifende und nachhaltige Erholung abzeichnet. Es wäre dringend an der Zeit für einen neuen Innovationsschub; eine neue Basisinnovation wäre vonnöten, um der Wirtschaft wieder Schwung zu geben. In der Wirtschaftswissenschaft gibt es dazu das Modell der „langen Wellen“.

Einer der bekanntesten Forscher auf diesem Gebiet war der sowjetischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew (manchmal findet sich auch die Schreibweise „Kondratieff“). Nach ihm ist auch eines der Wellenmodelle benannt: Die Kondratjew-Zyklen. Sie beschreiben eine Theorie zur zyklischen Wirtschaftsentwicklung, die Theorie der Langen Wellen.

Nach Kondratjews Theorie dauern die langen Wellen zwischen 40 und 60 Jahren und bestehen aus einer länger andauernden Aufstiegsphase und einer kürzeren Abstiegsphase. Im statistischen Mittel wird der Tiefpunkt durchschnittlich nach 52 Jahren durchschritten.

Die fünfte Langwelle (auch kurz als „fünfter Kondratjew“ bezeichnet) hat in den 70er Jahren begonnen und hat den Schwerpunkt „Infomations- und Kommunikationstechnik“ (mit dem Internet als technische Speerspitze der Entwicklung). Der Stosskraft dieser Welle ist mittlerweile aber die Puste ausgegangen. Echte grundlegende Innovation gibt es nicht mehr. Detailverbesserungen sind noch an der Tagesordnung, aber Entwicklungen mit revolutionärer Innovationskraft? Fehlanzeige!

Die Talsohle am Ende dieses fünften Kandratjews dürfte demnach das sein, was wir seit einigen Jahren in Form von Krisen, die Schwarmbeben gleich über die Welt laufen, erleben. Wir dürfen also des sechsten Kondratjews harren.

Kurz: Es scheint eine Wendezeit zu sein, in der wir gerade leben.



Wo man auch hinsieht: Exponentielle Entwicklungen

Was die Sache nicht besser macht ist, dass wir an vielen Stellen von Gesellschaft und Wirtschaft ein anderes Phänomen deutlich erkennen können, das auf den Namen „exponentielle Entwicklung“ hört. Worum es dabei geht, beschreibt am besten die folgende Legende (verkürzt zitiert nach Wikpedia):

Der indische Herrscher Shihram tyrannisierte seine Untertanen und stürzte sein Land in Not und Elend. Dieser gewährte dem weisen Brahmanen Sissa einen freien Wunsch. Dieser wünschte sich Weizenkörner: Auf das erste Feld eines Schachbretts wollte er ein Korn, auf das zweite Feld das doppelte, also zwei, auf das dritte wiederum die doppelte Menge, also vier und so weiter. Der König lachte und war gleichzeitig erbost über die vermeintliche Bescheidenheit des Brahmanen.

Als sich der tyrannische Herrscher einige Tage später erkundigte, ob Sissa seine Belohnung in Empfang genommen habe, musste er hören, dass die Rechenmeister die Menge der Weizenkörner noch nicht berechnet hätten. Der Vorsteher der Kornkammer meldete nach mehreren Tagen ununterbrochener Arbeit, dass er diese Menge Getreidekörner im ganzen Reich nicht aufbringen könne. Auf allen Feldern eines Schachbretts zusammen wären es 2 hoch 64 oder 18.446.744.073.709.551.615 (≈ 18,45 Trillionen) Weizenkörner. Mehr Weizenkörner, als es auf der ganzen Welt gab und gibt...


Das tückische an exponentiellen Entwicklungen ist, dass sie am Anfang sehr einer linearen Entwicklung ähneln.

Die Entwicklungskurven sehen zunächst ganz ähnlich aus, bis die exponentielle Kurve - scheinbar plötzlich - abhebt und steil „gen Himmel geht“. Nach diesem Muster verlaufen fast alle schweren Krisen auf individueller (Beispiel: Vermehrung von Bakterien) wie auf globaler (Beispiel: Finanzkrisen) Ebene.

Die exponentiellen Krisenentwicklungen sind nun leider mit der Talsohle der Kondratjew-Zyklen untrennbar verbunden.


Zone Vier?

Professor Heijo Rieckmann hat einen weiteres Modell begründet, das zur Erklärung der derzeitigen Lage einen wichtigen Erklärungsansatz liefert.

Er versteht Veränderungen in der Dimension der beiden Begriffe Komplexität („complexity“) und Dynamik („dynamics“). Die beiden Faktoren hat er zu dem Begriff „Dynaxity“ verbunden, das die Kombination aus Dynamik und Komplexität beschreibt.

Rieckmann sieht vier Zonen der Dynaxity:  1. statisch, 2. dynamisch, 3. turbulent und 4. chaotisch. Von Zone zu Zone nimmt die Dynaxity, d.h. Komplexität der Umwelt und der für Entscheidungen massgeblichen Faktoren und die Dynamik, d.h. der Veränderungstakt in der Umwelt, zu. Zwischen Zone 3 und 4 hebt die Dynaxity exponentiell ab.

In der Zone 1 (statisch) herrschen weitgehend statischen Verhältnisse. Es gelten einfache Regeln und Strukturen. Menschen fühlen sich hier sehr wohl, denn alles hat seine feste Ordnung.

In der Zone 2 (dynamisch) herrschen beherrschbare Veränderungen, z. B. kontinuierliches Wachstum. Mit vielen Regeln und der Daten- und Faktenorientierung lässt sich diese Zone noch gut beherrschen. Die Umwelt wird aber bereits als störend empfunden. 

In der Zone 3 (turbulent) versagen die mechanistischen Ansätze, mit denen sich die beiden ersten Zonen noch beherrschen liessen. Das gesamte System erscheint plötzlich „lebendig“ und weist eine hohe Eigendynamik auf, die sich unter dem Druck externen Turbulenzen immer weiter verstärkt. Alles ist mit allem vernetzt. Rückkopplungsprozesse (die Lösung eines Problems erzeugt zahlreiche neue) kennzeichnen die Entscheidungsprozesse. 

In der Zone 4 (chaotisch) geht die Steuerbarkeit von Systemen schliesslich verloren. Jetzt herrschen extrem hohe Komplexität und Dynamik, die praktisch nicht mehr gesteuert werden können. Dieser Grad an Dynaxity findet sich z. B. bei Naturkatastrophen, Bürgerkriegen, aber auch psychotische Zustände von Menschen und Systemen.


Vorläufiges Fazit: Nimmt man das Wellenmodell (derzeitige Talsohle), die exponentielle Entwicklung (Kurve kurz vor dem Abheben) und einen Dynaxitygrad auf der Grenze zwischen drei und vier zusammen, dürfte das die derzeitige Situation der Welt recht gut beschreiben. 


Die Entschleunigung der Zeit

Worin kann die Lösung des scheinbar Unlösbaren liegen? Ich meine, sie kann nur auf der ganz individuellen Ebene gefunden werden. Entschleunigung ist angesagt. Nur so können wir uns die kleine Verschnaufpause schenken, deren Zeitgewinn vielleicht über Zukunft oder Nicht-Zukunft entscheidet.

Der österreichische Universitäts-Professor Peter Heintel hatte bereits 1990 eine charmante Idee, um dem Wahnsinn etwas entgegen zu setzen. Er gründete kurzerhand einen Verein zur Verzögerung der Zeit.

Nach der Satzung des Vereins verpflichten sich alle Mitglieder „innezuhalten und nachzudenken und zwar dort, wo blinder Aktionismus und partikuläre Interessen Scheinlösungen produzieren“.

Denn ein entscheidendes Problem der gegenwärtigen Zeit liegt in der Beschleunigung, d.h. dem Wunsch, möglichst viel in immer kürzerer Zeit immer schneller zu erreichen. Die Beschleunigung hat mittlerweile allerorten Einzug gehalten. Das ist nicht mehr menschlich, denn Lebewesen können nicht einfach gegen ihre Eigenzeit schneller funktionieren. Ein Blick in die Natur macht das anschaulich: Organische Wachtsumsprozesse brauchen ihre Zeit. Der Glaubenssatz des „schneller ist besser“ wurde aber erfolgreich in die Köpfe der Menschen implantiert.

Kurz: Nicht die Zeit, sondern das Tempo macht uns fertig.

Entschleunigung könnte der entscheidende Ansatz sein, der das Leben lebenswert erhält.

In diesem Sinne: Einen guten Start in das Jahr 2016!   

Comments

Konsumtempel in Umeå

Konsumtempel


In Umeå wurde kürzlich ein neuer Konsumtempel, der auf den Namen "Utopia" hört, eröffnet.
Der beinahe sakrale Charakter wird durch die Sicherheitsverklebung der neu angelieferten Türen tiefsinnig pointiert - „Happy Shopping“...

Comments

Teflon Menschen - "en passant" in Stockholm

Hat der Mensch des dritten Jahrtausends eine eingebaute Antihaft-Beschichtung? Eine Hülle, an der alles abprallt, was eigentlich Gefühle der Empathie wecken sollte? Können Menschen im einundzwanzigsten Jahrhundert überhaupt noch innerlich berührt werden?

Ich bin mir nicht mehr sicher. 

Die Tage war ich in Stockholm und nahm eine kleine Promenade auf dem Kungsgatan. An der Ecke Kungsgatan / Drottninggatan ist mir eine Strassenszene begegnet, die mich erschüttert hat.

Teflon Menschen -
Eilende Menschen im Strassenbild verdecken die Dramatik der Szene


Schweden wird seit einiger Zeit gerade von einer bislang unbekannten Welle erfasst:

Auf den Strassen sind seit einigen Monaten sehr viele Bettler zu sehen. Meist aus südeuropäischen Ländern stammend, versuchen diese Menschen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Im schwedischen Strassenbild ist das ungewohnt und es fällt mir schwer, mir das Betteln bei eisigen Temperaturen vorzustellen. Das Strassenbild hat sich nicht nur in den grösseren Städten in Südschweden verändert. Mittlerweile sind die Bettler auch in kleinen Orten in Nordschweden angekommen. Betteln vor einem Supermarkt bei minus 20 Grad ist keine angenehme Tätigkeit. Und die zu Beginn grosszügige Mildtätigkeit der einheimischen Bevölkerung scheint - meinen Beobachtungen nach - mehr und mehr zurück zu gehen. Ich möchte bewusst keine Pro und Contra Diskussion zum Geschäftsmodell des Bettelns führen. Für mich geht es vielmehr um einen Indikator dafür, wie sich die emotionale Rezeptivität der Menschen im Allgemeinen verändert hat.

Eine Seite ist die veränderte Wahrnehmung. Ich würde sagen, dass ca. 80% der Menschen im Strassenbild in Stockholm ein modernes Mobiltelefon benutzen, während sie sich eilends fortbewegen. Das führt natürlich dazu, dass diese Menschen die bettelnden Menschen am Strassenrand überhaupt nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Diejenigen, die es dennoch tun (oder sich gerade einmal nicht mit ihrem Mobiltelefon beschäftigen) weisen eine zunehmende Gefühlskälte auf. Die Gebewilligkeit ist nur noch äusserst gering. Ob das ein Sieg des vermeintlich Rationalen oder der Abgebrühtheit ist? Ich vermute letzteres. Der "Homo technicus", bzw. "Homo digitalicus" ist ein "Teflon-Mensch" geworden, an dem alles einfach abperlt, was nicht in das Muster des zum eigenen Vorteil Gereichenden passt.

Kurz und prägnant: Der Gedanke der Humanisierung des Lebens duch den technischen Fortschritt führt sich fortwährend selbst ad absurdum und der in die virtuelle Welt transzendierende Mensch verliert jeglichen Bezug zum eigentlich Menschlichen. 

Anders ist mir das Verhalten der Passanten, die ich über einen langen Zeitraum hinweg beobachtet habe, einfach nicht zu erklären.

Es möge der Kelch, der sich mehr und mehr abzeichnet, an uns vorüber gehen. 

Teflon Menschen -
Die erschütternde Szene des stundenlang knienden Bettlers
wird von den Vorbeieilenden kaum wahrgenommen


PS: Als ergänzende und weiterführende Lektüre empfehle ich den kürzlich im Guardian erschienenen Artikel "Why the modern world is bad for your brain".

Comments

Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose! [Update: 27/12/2014]

Heute wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie: Neulich in Europa.

Über die aus europäischer Sicht unabdingbare Normierung von Eiskugelportionierern hatte ich 2013 schon einmal geschrieben.

Aber die Entwicklung überholt die philosophischen Überlegungen zuweilen. So ist das eben. Nun scheint sich die Europäische Union den altbewährten Toaster für eine neue Normierungsorgie auserkoren zu haben.

Künftig soll also nur noch der "Einschlitztoaster" für den Verkauf innerhalb der EU zugelassen sein. Und die Begründung klingt ja eigentlich recht plausibel, denn wie so oft wird - insbesondere in den nach wie vor immer mehr zunehmenden Singlehaushalten - nur ein Schlitz des klassischen Doppelschlitztoasters befüllt. Die Hälfte der eingesetzten Energie verpufft also völlig sinnlos in der Umgebungsluft. Ein Skandal ist das.

Indes scheint es mir, dass es den europäischen Bürokraten einfach an der Chuzpe fehlt, die Übel wirklich an der Wurzel zu erfassen. Und daher springe ich an dieser Stelle natürlich gerne in die Bresche.

Die Wurzel allen Übels ist nämlich weder die immer noch fehlende Normierung für Eiskugelportionierer, noch die Problematik des klassischen Doppelschlitztoasters. Nein, die wahre Wurzel der unermesslichen Energieverschwendung in Europa hört auf einen anderen Namen, und dieser lautet "Mehrfachsteckdose".

Es liegt doch auf der Hand, dass dieses elektrische Gerät die Mutter aller Verschwendung ist. Wie vielen Energieverschwendern wird durch Mehrfachsteckdosen nicht überhaupt erst der Zugang zum Stromnetz ermöglicht? Da gibt es sogar Mehrfachsteckdosen mit bis zu zehn (!) Stromentnahmestellen im Handel. Unglaublich und skandalös ist das. Ein offenes Scheunentor für den Untergang Europas.

Stellen Sie sich demgegenüber einmal folgendes "best-case" Szenario vor: An jeder Wandsteckdose (deren zulässige Anzahl in Abhängigkeit von der Grundfläche eines Raumes natürlich auch geregelt werden müsste) hängt nur noch ein Verbraucher. Das zwingt den Verbraucher zu energiebewussten Entscheidungen:

Bürolampe oder Kopierer? Haarfön oder Stereoanlage? Tiefkühltruhe oder Küchenquirl?

Hunderttausende sinnlose Stromverbraucher wären der sofortigen "kalten Abschaltung" unterworfen.

Das Modell könnte zudem auch erhebliche beschäftigungsfördernde Begleitwirkungen haben. Denn leider ist es ja teilweise so, dass zuweilen auch verschiedene Endgeräte Strom aus derselben Wandsteckdose benötigen. Das wäre - nach Massgabe der zu treffenden neuen Regelungen - ausschliesslich nur noch über das manuelle Umstecken der jeweiligen betroffenen Endgerätestecker erlaubt.

Dämmerts Ihnen schon? Richtig! Das schafft Arbeitsplätze! Der Umsteckgehilfe ist der Zukunftsberuf des kommenden Jahrzehnts. Die Ausbildung ist kurz und erfordert - ganz im Einklang mit allen aktuellen Bildungsstudien - keine besonderen Vorkenntnisse oder gar eine Grundbildung. Nicht einmal die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben ist erforderlich. Der manuelle Kraftaufwand hält sich in Grenzen und im Regelfall kann die Tätigkeit - was den Berufswünschen gerade vieler junger Menschen entgegen kommt - in Innenräumen ausgeübt werden. Arbeitgeber - und das könnten auch Sie in Ihrem Privathaushalt sein - würden ausserdem einen Beschäftigungsförderungszuschuss von der EU erhalten.

Am Horizont sehe ich bereits den Lichtschein eines paradiesischen Zustandes: Die seit Jahrzehnten von Politik und Wirtschaft herbei gesehnte Vollbeschäftigung rückt endlich in greifbare Nähe.

Und schliesslich kommen auch die Gerätehersteller nicht zu kurz. Mit etwas wohlwollender und wohldosierter geplanter Obsoleszenz wird der Verschleiss an den nunmehr manuell zu betätigenden Steckkontakten nicht unerheblich sein. Will sagen, diese müssen oft und zudem fachmännisch ausgetauscht werden.

Und jetzt bitte alle im Chor: "Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!"

(Plakate und Fähnchen für die Protestkundgebungen können im Fanshop bestellt werden).


[Update: 27/12/2014]: Der Tatort vom 26.12. hat - der ARD sei grosser Dank dafür - eine weitere schwerwiegende Regelungslücke der europäischen Rechtsordnung ans Tageslicht gebracht. Künftig werden Lichterketten mit Sollbruchstellen versehen werden müssen (wie es bereits heute bei Schlüsselbändern der Fall ist), um sie künftig nicht mehr als Mordwaffen verwenden zu können.


Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!
Der Grund für die ökologische und wirtschaftliche Misere: Mehrfachsteckdosen

Comments

Hilfe, die roden meinen Wald ab (mit praktischen Tipps, was Sie in Schweden dagegen tun können)

Neulich in Lappland. Zu nachtschlafener Zeit klingelt das Mobiltelefon. Eine mir spontan nicht bekannte Nummer erscheint auf dem Display. Ich hebe ab und melde mich. Eine verzweifelt klingende Stimme am anderen Ende der Leitung ruft: "Hilfe - die roden gerade meinen Wald ab". Ich erhole mich erst einmal von meinem inneren Dialog, der ungefähr so lautete: "Warum rufen die alle immer mich an?". Aber ich bin ja gerne hilfsbereit und das wird alles seinen Grund haben. Also weiter im Text. Was war geschehen?

Im Laufe des Gespräches ergab sich etwas Klarheit. Der Anrufer betreibt in Norrbotten einen kleinen Tourismusbetrieb, der für seine traumhafte Lage in einem Wald bekannt ist (mittlerweile: war). Die bezaubernde Waldlage ist ein Alleinstellungsmerkmal. Ohne den Wald sinkt der Wert des Anwesens beträchtlich, denn dann ist der Platz für Naturliebhaber quasi wertlos. Das weitere Gespräch erhellte auch, dass es natürlich nicht um den "eigenen" Wald, sondern um den in fremdem Eigentum stehenden Wald rund um das Anwesen ging. Und das führt zu ganz wichtigen Fragen für alle, die hier oben ein Anwesen mit "traumhafter Waldrandlage" haben. Dieser Blogbeitrag soll etwas Licht ins Dunkel bringen.

Über die - für deutsche Verhältnisse - "grossräumige" Waldwirtschaft hatten wir schon einmal hier ("Kahlschlag - Forstwirtschaft in Lappland") und hier ("Holzwirtschaft am Polarkreis, Teil 2: Zu Besuch bei Setra") ausführlich berichtet.

Was aber kann getan werden, wenn die grossen Erntemaschinen plötzlich anrollen und der benachbarte Wald gleich einem Rasen gemäht wird?

Ist es erst einmal soweit gekommen, ist meistens nur noch wenig zu machen. Wer also "seinen" Wald bewahrt haben möchte, sollte sich in regelmässigen Abständen um einige Dinge kümmern. Aber erst einmal zu den Grundlagen.

Manche Waldgebiete sind in Schweden bereits gesetzlich vor einer Abholzung geschützt. Vier Typen von geschütztem Wald werden dabei unterschieden: Nationalparks, Naturreservate, Naturmonumente und Habitat-Schutz. Daneben gibt es noch sog. Natura 2000 Waldgebiete, die direkt durch europäische Vorschriften geschützt werden. Die vom jeweiligen Schutz erfassten Bestände werden vom Länsstyrelsen (d.h. der jeweiligen Landesverwaltung) verzeichnet und verwaltet. Für den Erhalt des benachbarten Waldes ist ein solcher Schutz gut. Allerdings darf in den Schutzbegieten in aller Regel nicht gebaut werden (und auch sonst sind mit dem Schutz verschiedenen Einschränkungen in der Nutzung verbunden).

Sie sollten sich also über den Gebietscharakter des (eigenen und anrainenden) Waldes erkundigen. Sie müssen dazu nicht direkt beim Länsstyrelsen nachfragen; die Bauämter auf den Gemeindeverwaltungen haben über ein EDV-System Zugriff auf die Karten mit den geschützten Gebieten.

Jede geplante Abholzung, die mehr als 0,5 Hektar betrifft, muss beim Skogsstyrelsen ("Waldwirtschaftsbehörde") mindestens sechs Wochen vor Beginn angezeigt werden. Der Wald muss ausserdem ein bestimmtes Alter erreicht haben, bevor eine Abholzung stattfinden darf. Für Nadelwald liegt dieses Alter i.d.R. zwischen 45 und 100 Jahren.

Ein schwedisches Gesetz aus dem Jahre 1993 schreibt vor, dass bei Abholzungen Umweltaspekte und die Produktionsziele gegeneinander abzuwägen sind. Auch "soziale Aspekte" sollen dabei berücksichtigt werden. In der Praxis hat das aber praktisch so gut wie keine Beschränkungen zur Folge. Meist werden die Produktionsziele höher gewichtet. Das auch deswegen, weil der Skogsstyrelsen einen Waldbesitzer entschädigen muss, wenn die Rodung nicht gestattet wird.


Einen interessanter Film über das schwedische "Waldmanagement" (englisch)


Weite Teile des Waldes sind im Besitz einiger weniger sehr grosser Gesellschaften. Glücklich schätzen darf sich, wer von Abholzungsplänen von Svea Skog oder der Norra Skogsägarna betroffen sein könnte. Beide Gesellschaften haben sich selbst verpflichtet, über die gesetzlichen Vorschriften hinaus, einen Anteil des Waldes zur Erhaltung der Natur zu schützen. Allerdings steht es dabei im Ermessen der jeweiligen Gesellschaft festzulegen, welche Gebiete dem freiwilligen Schutz unterfallen. Dankenswerterweise sind beide Gesellschaften aber auf einen guten Dialog mit den Anrainern aus. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, in der Planungsphase möglichst frühzeitig das Gespräch zu suchen. Die Norra skogsägarna sind zudem PEFC-certified. Das beinhaltet eine Verpflichtung zur sozialen Nachhaltigkeit.

Die Tipps und Empfehlungen für den Anrainer lauten also:

- Erkundigen Sie sich auf der Gemeinde oder beim Länsstyrelsen, ob die anrainenden Waldgebiete einem gesetzlichen Schutz unterstehen.

- Halten Sie Ausschau nach Markierungen, welche die Eingrenzung eines Abrodungsgebietes kennzeichnen. Entdecken Sie solche, ist höchste Eile geboten. Manchmal haben Sie noch Monate Zeit, manchmal aber auch nur Tage oder Stunden.

- Noch besser ist es, sich in regelmässigen Abständen (z. B. vierteljährlich) beim Skogsstyrelsen zu erkundigen, ob in der Nähe Ihres Anwesens grössere Abholzungen geplant sind.

- Falls Sie von einer geplanten Abholzung erfahren, suchen Sie umgehend den Dialog mit dem jeweiligen Waldeigentümer und legen Sie Ihre Position, d.h. warum Sie auf den Erhalt bestimmter Waldgebiete angewiesen sind (z. B. aus touristischen Gründen), dar.

Hilfe die roden meinen Wald ab
Nicht nur Biber und anderes Getier roden Wald...

Comments

Der "Kölapp" - des Schwedens liebster Zettel

Üblicherweise wird den Briten die beinahe unendliche Geduld nachgesagt. Nach einigen Jahren in Schweden bin ich allerdings davon überzeugt, dass das nicht stimmt. In Wahrheit übertreffen die Schweden die Briten bei weitem.

Provokativ formuliert: Schweden warten gerne. Und wie so vieles in Schweden ist auch das Warten sehr strukturiert und gut durchorganisiert.

Ich erinnere mich gut an eine Begebenheit vor etlichen Jahren. Erst einige Wochen in Schweden, ging ich als Kunde in ein Elektronikfachgeschäft. Artig erzogen stellte ich mich an der Schlange an, und nach einer Viertelstunde war ich an der Reihe. Die freundliche Verkäuferin blickte auf meine leeren Hände und fragte mich vorwurfsvoll nach meiner Nummer. Die Fragezeichen waren mir offenbar ins Gesicht geschrieben und sie nahm sich die Zeit, mich in das schwedische System des "Kölapp", des "Wartezettels" einzuweisen.

Und das funktioniert so: An viel frequentierten Orten, d.h. Geschäften oder Behörden mit grösserem Besucher- oder Kundenandrang gibt es in der Nähe des Eingangs einen Kasten mit einem grossen Knopf darauf. Heutzutage sind das meistens Thermodrucker. Auf Knopfdruck spuckt der Kasten einen kleinen Zettel aus, auf dem in grossen Lettern eine Zahl steht. Der Zettel enthält die eigene Nummer in der Warteschlange. Irgendwo über den Schaltern oder der Theke hängt dann eine Anzeigetafel (meistens mit roten LEDs), auf denen eine Nummer angezeigt wird. Nach jedem abgefertigten Kunden wird eine neue Nummer auf der Anzeigetafel sichtbar. So weiss man, wann man an der Reihe ist.

Das System hat verschiedene Vorteile: 

- Das Warten wird deutlich entspannter. Zwar bilden sich mancherorts noch Schlangen, aber in der Regel können die Kunden "frei" warten und dabei im Geschäft umhergehen. Das dürfte gut für den Umsatz sein, denn - je länger die Wartezeit - desto mehr Spontankäufe.

- Das System vermittelt dem Wartenden Sicherheit, denn der Kunde muss "seinen" Platz in der Warteschlange nicht hüten und verteidigen. Alles geht geruhsamer und entspannter zu. 

Natürlich macht die moderne Technik auch vor dem altbewährten Kölapp nicht Halt. Mittlerweile gibt es auch digitale "Warteschlangenlösungen". 

SMS-System: Das bereits zu Anfang des neuen Jahrtausends erprobte SMS-System beruht auf dem SMS-Dienst. Der Kunde schickt eine SMS an eine spezielle Nummer des Geschäftes oder der Behörde, die er besuchen möchte. Dann erhält er eine SMS mit seiner Wartenummer und der aktuellen Nummer in der Schlange zurück. Damit lässt sich bereits "auf Distanz" die Wartezeit abschätzen. Oft sind die digitalen Systeme auch so eingerichtet, dass eine weitere Erinnerungs-SMS gesendet wird, wenn nur noch fünf oder zehn Nummern vor der eigenen Nummer sind. 

Apps und cloudbasierte Lösungen: Mittlerweile gibt es aber auch ganz moderne Systeme (z. B. q-channel), die eigene Apps und Clouddienste nutzen. Das bietet für den Kunden den Vorteil, dass er die Warteschlange und den Fortschritt in Echtzeit verfolgen kann. Sehr modern, sehr charmant, aber für mich geht nichts über den kleinen Zettel mit der Nummer darauf.

Der
Ein klassischer Kölapp - hier ein Beispiel aus der Apotheke

Comments

Work-Life-Balance in Lappland und: Internetzugang im Norden

Die Aussicht ist malerisch. Das Wasser rauscht leise und eine sanfte Brise streicht über den Strand. Ich sitze an meinem für heute gewählten Arbeitsplatz mit meinem Laptop auf dem Schoss und dem Telefon in der Tasche. Eine kleine Bucht an einem See, weitab von der Zivilisation.

Der "Digital Lifestyle" macht es möglich. Und das lockt auch viele digitale Nomaden als Auswanderer an den Polarkreis in Schweden. 

Der Breitbandausbau in der Region ist - gemessen an der Bevölkerungsdichte - sehr gut. In unserem kleinen und beschaulichen Dorf haben wir z. B. 100 Mbit/s Glasfaseranbindung. Wer ausserhalb des mit Breitband erschlossenen Gebietes wohnt, kann auf Internet via Funk ausweichen (3G Geschwindigkeit, bester Anbieter: net1) oder über das Mobilfunknetz gehen. Die beste Netzabdeckung im Norden hat klar Telia (der Nachfolger des ehemaligen staatlichen Televerkets). 3G gibt es in den ländlichen Gebieten ausserhalb grösserer Ortschaften nicht flächendeckend, aber 2G Datenverbindung (EDGE) funktioniert überall. 

Was bedeutet das? Solange ich nicht bei der Arbeit auf grosse Datenvolumina via Internet zugreifen muss, ist mobiles Arbeiten auch in der Natur problemlos möglich (vorausgesetzt, die Akkus sind voll geladen und ein Auto Ladeadapter ist zur Sicherheit mit dabei).  

Und so habe ich den Tag über an einem neuen Buchmanuskript gearbeitet, zwischendrin einige Fische auf dem Feuer gebraten und nebenbei die Aussicht bei Wind und Wetter genossen. Geheimtipp: Das beruhigende Naturambiente ist auch für wichtige Telefonate paradiesisch.

Lappland: Arbeitsplatz in der Natur
Die Aussicht von meinem heutigen Arbeitsplatz


Comments

Triohålning und Bürolocher - Klippen bei der Unternehmensgründung in Schweden überwinden

Einleitung

Heute soll es um eine der vielen, kleinen Klippen bei der Unternehmensgründung in Schweden gehen. Eine Klippe, die durchaus auch einigen Unterhaltungswert mit sich bringt (und satirische Züge trägt). 

In der europäischen Unternehmens- und Wirtschaftswelt sollte doch alles auf Standards und Normen beruhen. Die Standardisierung schreitet voran, fehlende Standards können zum Handelshemmnis werden und sich als ziemlich störend erweisen. Darum soll es heute gehen.

Aufmerksame Leserinnen und Leser erinnern sich bestimmt noch an den Artikel  "Warum gibt es noch keine EU-Norm für die Grösse von Eiskugeln?"

Ein ganz ähnliches Problem gibt es auch im Bereich der schwedischen Büroheftung und Aktenablage.


Geschichte

Für diejenigen unter uns, die dem papierlosen Büro der Zukunft (sic!) zum Trotz, immer noch mit Papierkram zu tun haben, sind Aktenordner und Locher Alltagsgeräte. Den Aktenlocher (kurz: Locher) hat Friedrich Soennecken erfunden und 1886 dafür auch vom damaligen Kaiserlichen Patentamt ein Patent erhalten. Der Aktenordner stammt von Leitz.

Das Duo "Locher und Leitz" trat seinen Siegeszug durch Büros und Haushalte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts an. Gelocht und geheftet wurde natürlich in der ganzen Welt. Und da ergab sich das Problem der Standardisierung. Die Lochung musste vereinheitlicht werden, um dem Archivierungschaos - insbesondere bei länderübergreifender Korrspondenz und Aktenablage - Herr zu werden.


Problem

Hier fingen die Probleme an. Es gibt verschiedene Standards für die Aktenlochung. Nun leben wir ja in Europa und man sollte meinen, dass es einen europaweiten, einheitlichen Standard geben müsste. Im Prinzip ja. Aber eben nur im Prinzip.

Genau genommen ist das Problem noch viel schlimmer, denn es gibt ja einen - sogar internationalen - Standard für die Papierlochung im Büro. Dieser Standard hört auf den Namen ISO 838 und stammt in der aktuellen Version aus dem Jahre 1974. Wir alle wissen wie die Standard-Lochung aussieht, denn sie begleitet uns ein Leben lang durch den Alltag. Wer es ganz wisenschaftlich haben möchte, kann hier die Beschreibung des Standards bei der  International Organization for Standardization (Internationale Organisation für Normung) kurz "ISO" herunterladen.

Aber nicht alle Länder folgen dem internationalen Standard.

Auf europäischer Ebene folgen (fast) alle Länder diesem Standard. Fast alle Länder? Ja fast, denn das Königreich Schweden hat seinen eigenen Standard für die Lochung und für Aktenordner.


"Triohålning" (Triolochung) heisst das Zauberwort.

Und zur Triolochung gehört der Trioordner. Und um die Verwirrung noch gröser zu machen, besteht die Triolochung nicht etwas nur aus drei, sondern aus vier Löchern. Erfunden wurde das System 1899 von Andreas Tengwall in Helsingborg. Genau genommen wurde zuerst der Ordner und dann der zu ihm passende Locher erfunden. 

Der Clou am Trioordner ist, dass er - im Gegensatz zu den im Rest Europas gebräuchlichen Ordnern - an einer beliebigen Stelle flach aufgeklappt werden kann (jedenfalls, soweit er nicht "überladen" ist). Im aufgeklappten Ordner können dann - wenn auch etwas hakelig - die Blätter vorwärts und rückwärts - umgeblättert werden.

Die bittere Pille ist die Inkompatibilität zwischen der ISO 838 und der schwedischen Trio-Lochung. Locht man Blätter nach beiden Standards (und vom nordamerikanischen Dreilochsystem wollen wir gar nicht erst anfangen), wird der linke Papierrand ziemlich "dünn" und wenig haltbar.

Wer also sein Unternehmen nach Schweden verlagern möchte, sollte sich auf den Systemwechsel vorbereiten und keine grossen Bestände an leeren zentraleuropäischen Aktenordnern mitbringen.


Rückblick

Beim Schreiben dieser Zeilen denke ich mit etwas Wehmut an die Zeit meines Referendariates beim Landgericht Heidelberg zurück. Heidelberg liegt bekanntlich in Baden. Und in Baden gab es seinerzeit auch noch einen eigenen Standard für die Aktenheftung. Dieser hörte folgerichtig auf den Namen "badische Aktenheftung" und basierte auf zwei kleinen Löchern am oberen linken Papierrand (in der Bürovitrine hüte ich heute noch einen original badischen Aktenlocher). Die Heftung der Akte erfolgte über eine kleine Schnur, die durch die Löcher gefädelt und dann auf der Rückseite der Akte verknotet wurde. Die Kunst, die "richtigen" Knoten zu erlernen, war seinerzeit integraler Bestandteil der Juristenausbildung. Mein bürotechnischer Weitblick in Sachen Aktenlochung war also von frühen Zeiten her bereits geweitet. Vielleicht fiel mir deshalb die Adaption der schwedischen Triolochung nicht besonders schwer...


Ausblick

Der digitale Hoffnungsschimmer glimmt am Horizont und hört auf den Namen "papierloses Büro". Allerings scheint mir die Zukunft nicht ganz so rosig zu sein. Seit 15 Jahren verfolgt mich der Begriff. Aber mit jeder neuen Runde der neuen, papierlosen Welt, ist es immer nur noch mehr Papier geworden. Schade um all die Bäume, die sinnlos gefällt werden.

Sollten wir es aber eines Tages schaffen auf rein-digital umzustellen, wäre zumindest das Locher- und Aktenordner Normierungs Problem vom Tisch. Dafür hätten wir dann mindestens 100 neue (lies: unterschiedliche und inkompatible) Dateistandards am Bein :-)

Triohålning - schwedischer Triolocher - Bürolocher
Schwedischer Triolocher - stanzt vier Löcher nach schwedischem Standard

Triopärm - schwedischer Trioordner - Aktenordner
Schwedischer Trioordner - inkompatibel zum Rest der Welt

Comments