Im Wandel der Zeit: Von den Kartoffelferien zu den Herbstferien

Nicht nur das Schulwesen, nein auch die Schulferien wandeln sich im Laufe der Zeit. So z. B. die Herbstferien („Höstlov“) in Schweden. Heutzutage liegen die Herbstferien in Schweden landesweit in der Kalenderwoche 44.

Die Herbstferien in Schweden haben aber einen bedeutenden geschichtlichen Hintergrund. Ursprünglich hatten sie den Namen „Kartoffelferien“ („Potatislov“, oder auch in der mehr dänischen Version in Südschweden „Pantoffellov“). Die Schulkinder in der guten alten Zeit sollten nämlich Freizeit haben, um mit ihren schlanken und flinken Fingern bei der Kartoffelernte mitzuhelfen. Die geschichtlichen Bezüge sind klar dokumentiert. So ist das Wort „Potatislov“ im Wörterbuch der Schwedischen Akademie seit der Ausgabe 1906 nachgewiesen. 

Wie sich die Zeiten doch gewandelt haben. Heutzutage verbringen die Kinder und Jugendlichen ihre Herbstferien mit dem Endprodukt (sprich Kartoffelchips) und einem Mobiltelefon auf der Couch um zu „chillen“.

Kartoffelernte? Da gibts bestimmt eine App für...

Und die echten Kartoffeln (diejenigen, aus denen die Kartoffelchips für die Couch gewonnen werden (hoffentlich jedenfalls)) werden heute entweder grossflächig mit der Erntemaschine oder von Saisonarbeitern der Erde entrissen. Schöne neue globalisierte Kinderwelt.  

Im Wandel der Zeit: Von den Kartoffelferien zu den Herbstferien
Kartoffelernte? Da gibts bestimmt eine App für...
- Danke an Frau Lapplandblog für die Inspiration zum Bild -

Die Abschaffung der Sommerzeit: Segen, Fluch oder blosse Wirtschaftsförderung?

Die Zeitumstellung ist für uns ein alter Bekannter, wurde sie doch z. B. in Deutschland bereits 1916 erstmals  eingeführt. Und so haben Generationen von Menschen artig schon in der Schule gelernt, dass die Sommerzeit dem Energiesparen im Allgemeinen dienen würde.

Über die "geklaute Stunde" im Frühjahr haben sich fast alle immer aufgeregt, über die "geschenkte Stunde" im Herbst haben wir uns gefreut. Für alle Landwirte und andere Menschen, die mit Tieren arbeiten, war die Zeitumstellung schon immer ein Horror. 

Nun soll die stromsparende Sommerzeit also wieder abgeschafft werden.

Und das sogar möglichst schnell, wenn es nach dem Willen des scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker geht. Na ja, nicht ganz. Nicht nur wegen Juncker allein. Immerhin hatten sich einige Millionen EU-Bürger im Rahmen einer Petition für die Abschaffung ausgesprochen. 

Zitat Juncker:  "Millionen haben geantwortet und sind der Auffassung, dass es so sein sollte, dass die Sommerzeit in Zukunft für alle Zeit gilt. So wird das auch kommen."

Beschlossen ist zwar noch nichts, aber gehen wir einmal davon aus, dass die Zeitumstellung kommen wird.

Schauen wir auf die Begründung, mit der die EU die Sommerzeit seinerzeit eingeführt hat.

Wikipedia belehrt uns: "Für alle anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft war die Integration und Harmonisierung des gemeinsamen Binnenmarktes die treibende Kraft bei der Wiedereinführung der Sommerzeit." 

Aha, es ging also allein um binnenwirtschaftliche Erwägungen. Nicht um Energiesparmassnahmen.

Denken wir nun den Punkt der binnenwirtschaftliche Erwägungen weiter.

Die Sommerzeit soll abgeschafft werden, weil die EU-Bürger es so wollen? Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Wäre es nicht viel plausibler, wenn auch bei der heutigen Abschaffung der Sommerzeit primär wirtschaftliche Erwägungen zugrunde lägen? Die nächste Rezession liegt schliesslich in der Luft und der Konsum muss angekurbelt werden.

Mein Szenario ist folgendes:

Jahrzehntelang mussten die Uhren in allen zeitgebundenen elektrischen und elektronischen Geräten immer wieder von Hand umgestellt werden. Das war nervig und gelang - möglichst komplizierten Interfaces und Menüführungen sei Dank - nicht immer. Wer bereits im vorgerückten Alter war, musste seine Kinder oder Enkel damit beauftragen.

So ca. 25 Jahre nach dem Beginn des Informationszeitalters haben das die Hersteller dann irgendwann auch einmal bemerkt und haben die automatische Sommerzeitumstellung in ihre geräteinterne Software implementiert.

Egal, ob Digitalkamera oder PKW - Alle halbwegs modernen und zeitgemässen zeitgebundenen elektrischen oder elektronischen Geräte  stellen sich seitdem automatisch auf Sommer- und Winterzeit um. Ach ja! Ein Lob auf die bequeme neue digitale Konsumwelt. Alles automatisch. 

Die automatische Zeitumstellung war auch nicht so schwierig, weil diese festen kalendergebundenen Regeln folgte.

So weit so gut.

Jetzt machen wir in der EU die Rolle rückwärts. Künftig soll es keine Sommerzeit mehr geben. Aber in all den in Umlauf befindlichen Geräten ist mittlerweile eine automatische Zeitumstellung mit eingebaut.

Google hat mir leider nicht wirklich dabei geholfen heraus zu finden, inwieweit die automatische Zeitumstellung überhaupt noch bei so manchem Gerät deaktiviert werden kann. Ein Faktencheck im eigenen Haushalt hat zu Tage geführt, dass sich die Automatik bei den meisten Geräten noch deaktivieren lässt. Diese Funktion war aber nicht immer sehr einfach zu finden. (Gut, dass wir hier nicht allen "das brauchst du - das willst du - das musst du heute noch kaufen" - Angeboten im Laufe der Jahre auf den Leim gegangen sind.

Ich stelle daher folgende Behauptung in den Raum:

Ein sehr grosser Teil der immer weniger technikgewandten Verbraucher wird nicht in der Lage sein, die automatische Sommerzeitumstellung in ihren zahlreichen zeitgebundenen Geräten zu deaktivieren und diese in der Folge dessen - voll funktionsfähig - schlichtweg in den Müll werfen um sich neue Geräte zu kaufen.

Wäre ja auch eine charmante Nebenwirkung der Sommerzeit-Abschaffung.

Der Konsum wird zunehmen. Der Rubel (besser: Euro) wird rollen. Ein schönes Fallbeispiel für eine externe "geplante Obsoleszenz" übrigens.

Wir zuvor schon gesagt: Ein Schelm wer Arges dabei denkt...

Sonnenuhr und Sommerzeit
Sonnenuhr: Zeitumstellung mit Spitzhacke und Betonmischer

Waldbrände: G und G - Aus aktuellem Anlass


Mein Freund der Baum, Alexandra, 1968


G und G

Es dauerte lange, bis die schwedische Situation mit den Waldbränden in den Weltmedien erschien.

Da war die Gesamtsituation schon in einem erheblich desolaten Zustand.

Tortengleich legte irgendwie irgendwer die Geschehnisse übereinander. Erst den Boden, danach ein Teil Füllung, wieder eine Tortenbodenschicht, darauf eine gute Sahnefüllung, die mit einem Tortendeckel versiegelt wurde.

Die meisterliche Hand dekorierte geduldig für den Augenschmaus.

In jedem Bericht erschien der Boden namens Klimawandel. Darauf setzte die Schicht "Glaube ich sofort" sich obenauf, das Ganze wurde von meist selbst ernannten Klimaexperten mit einem Argumentationsboden verschlossen, damit der Nächste, nämlich ein von den Bränden betroffener Einwohner, den die Regierung im Zuge der Brände zwangsevakuierte, die Sahneschicht darstellen konnte.

Klimawandel

Nein, diese Brände hier gehören nicht nur in die Schublade "lieber Erdenbürger, du bist schuld am Klimawandel", sondern es bedarf einer näheren Betrachtung.

Hier in Schweden ist im Wesentlichen eine der grössten und börsennotierte Firma für den Wald zuständig.

Im heutigen neuen Glauben "Kapitalismus" muss natürlich jede aus der Natur stammende Resource der Erde entrissen werden -
egal wie, egal wo und vor allem egal, was danach geschieht.

So ist es auch mit dem Wald.

Wo früher Mischwälder standen, versuchen heute kläglich wachsende Nadelbäume ihre kurze Lebensdauer zu überstehen.

Die Wälder sehen hier so aus, als ob jemand ein Bündel dünner Bleistifte in der Hand hält. Dürre Baumstämme, die mit irgendetwas Flauschigem an den Stämmen und Ästen verwuchert sind. Flechten nennt der Mensch diese Hängegebilde.

Dort, wo am Bleistift die Spitze sichtbar, hängen ein paar grüne Nadelzweige am Baum herab. Vor Jahren noch krabbelte und kroch, flatterte, surrte und brummte es noch zwischen grünen Blättern und satten Nadeln.

Heute?
Heute ist da nichts mehr.


Wer sich die Mühe macht in einem heutigen Waldstück nieder zu beugen um die oberste Schicht Boden weg zu kratzen, stellt fest, da krabbelt es nur noch, wenn überhaupt, spärlich. Summen und Brummen? Kriechen und hoppeln?

Fehlanzeige!

Der komplette Biorythmus und die mikrobiologische Welt im Waldboden ist weg!
Oder extrem stark dezimiert -

hervor gerufen durch Monokulturen. Dem Nadelgehölz!

Eine Jahrtausend alte und fein aufeinander abgestimmte Waldkultur, gleich einer zarten, zerbrechlichen Melodie, welche aus wohl ausgewählten Einzeltönen bestand, wurde durch das heftige Schlagzeuggewitter G und G aus dem Erdensaal hinaus geworfen.

G und G. Gier und Geld = Gewalt

Riesige Erntemaschinen brummen Jahr für Jahr durch das Orchester des Mischwaldes und hinterlassen leere Flächen. Auf diesen werden Billiglohnarbeiter gehetzt, damit sie im Eiltempo kleine Nadelpflänzchen aussetzen. Pflänzchen, die nicht höher als 30 Zentimeter messen, und die im Eilverfahren künstlich angezogen wurden. Schon mit braun-rötlichen Nadeln und dürren hohlen Stämmchen im Lebensgepäck ausgestattet, sollen sie schnell für harte Taler heran wachsen.

Es stellt sich die Frage, woher die Samen eigentlich stammen, denn an den Bleistiftspitzentannen sind keine Zapfen mehr sichtbar.

Weder im Frühjahr, noch im Herbst.

Vielleicht sind diverse Labors schon so weit, dass sie die nächsten Generationen im Reagenzglas heran züchten können.

Wissen wir es?

Dort, wo rein gar nichts mehr ist, wo der Mensch nicht mehr von Natur, sondern nur noch von Börsenkursen auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder sprechen, leben kann, da gibt es auch tief in der Erde keine gut gefüllten Grundwasserblasen mehr.

Degenerierte Bleistifte können nicht mehr einfach aus der Hand gelegt werden. Sie würden einfach auf dem harten Etwas aufprallen und ihre innere Miene, die uns das sichtbar machen von Buchstaben ermöglicht, brechen.

Das Eine kann nicht ohne das andere gesehen werden.
Es kommt auf das Gesamtpaket an.
Nur wer das weiss, schaut das, was nicht für das Auge gleich erkennbar.


Ein in der Grosstadt lebender Schlipsträger, der sekündlich auf den Bildschirm schauen muss, damit er die Börsenpreise seines Naturproduktes ja nicht verpasst, weiss nichts von dem allem.

Er will es nicht wissen, da er seine Prioritäten anders gelagert sehen will.

Kranke Bleistifte, die unsichtbar Hilfe schreiben,
geflüchtete und vernichtete Käfer und Würmer, Bakterien und Vögel sind in einer Jahresbilanz nicht zu berücksichtigen, da mit ihnen kein Umsatz erreicht werden kann.

Traurig steht er da. Der schwedische G und G - Wald.

Wenn es heute brennt, im Wald, ist das nicht nur aus Expertenmunde gepredigte der Klimawandel!

Es ist der freiwillige Suizid von Lebewesen, damit der Mensch an dem Ergebnis verzweifelt.
Ein Signal aus der Natur, damit Mensch endlich inne hält und erkennt, was es zu erkennen gilt!

Das ist das Bild des heutigen schwedischen Waldes!
Die letzte Wildnis Europas?!

Kannst du noch zu hören?

Karl der Käfer, Gänsehaut, 1983

Zuhören geht nicht? Nie gelernt?
Aber des Lesens sind wir doch schon noch mächtig, oder?

Oh, nein! Der Artikel hier ist noch nicht beendet!
Hier geht es weiter: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_K%C3%A4fer

Noch etwas zum Nachdenken:

Wie viel CO2 stösst nur ein Kampfjet oder nur ein einziger Panzer aus?
Wie viel Klimawandel verursacht eine Bombe, die auf unsere gemeinsame Erde abgeworfen wird und brennt?

Ach so, ja Entschuldigung. Alles nur eine Frage der Interessenlage.
Börsennotiert. Kapital. Wirtschaftswachstum. Und So.

Das alles am Sonntagmittag nur mal so angedacht.

Über die angeblich letzte Wildnis in Europa!

Ein Gastbeitrag von Frau Lapplandblog


Monokulturen - Kranker Wald in Schweden


"fdGO"? Für die MitleserInnen in Deutschland

Das Bundesverfassungsgericht hat im Urteil des Verbotsprozesses gegen die rechtsextremistische „Sozialistische Reichspartei“ (SRP) vom 23. Oktober 1952 die freiheitliche demokratische Grundordnung (fdGO) als eine Ordnung definiert, „die unter Ausschluss jeglicher Gewalt- und Willkürherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt.

Zu den grundlegenden Prinzipien dieser Ordnung sind mindestens zu rechnen: die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem dem Recht der Persönlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, die Volkssouveränität, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, die Unabhängigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit für alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsmäßige Bildung und Ausübung einer Opposition.“ (BVerfGE 2, 12 )

Was ist nur schief gelaufen?

fdgo_pflasterstein

Ich mag  diese Tage "zwischen den Uhren" nicht - Über Sinn und Unsinn der Zeitumstellung

Reine Energieverschwendung. An den Tagen der Zeitumstellung rennst Du den ganzen Tag, den Blick stets zur Uhr gewandt und im Kopf mit ständigen Umrechnungen beschäftigt, umher. 

Die innere Uhr der Tiere ist dem menschlichen Ritual im Geiste des Konsumismus (das war doch die eigentliche Begündung der sog. Sommerzeit wenn ich mich recht erinnere) schlicht egal. Der treue Vierbeiner steht pünktlich vor mir und wedelt mich an, denn nach seiner inneren Uhr ist es JETZT an der Zeit für einen Spaziergang. Er schert sich rein gar nicht darum, was denn auf unserem Ziffernblatt aktuell angezeigt wird. Und das Tier hat Recht.

Warum unterwerfen wir uns eigentlich diesem jährlichen Uhrzeitvorwärts-Uhrzeitrückwärts-Diktat? Zum besseren Verständnis der Hintergründe empfehle ich, den einschlägigen Artikel in der Wikipedia zu studieren und dann das Gehirn zu bemühen. Es ist nämlich eine düstere Geschichte mit der Winter-Sommerzeit oder Sommer-Winterzeit.

Zurück ins hier und jetzt:

An die Arbeit, denn es ist dringend an der Zeit eine hektische Runde zu allen Uhren im Haushalt zu drehen, die ohne automatische Zeitumstellung vor sich hin existieren, um sie manuell einzustellen. 

Der Wegweiser zur Sommerzeit
Der Wegweiser zur Sommerzeit

Das neue HEIF Bildformat in iOS 11 - die unbemerkte Revolution [UPDATE 2017-06-23]

Vor einigen Tagen (genau am 5. Juni) hat Apple auf der WWDC die Details zum kommenden iOS 11 öffentlich bekannt gegeben. IOS 11 soll im Herbst erscheinen und bringt allerlei Veränderungen und Verbesserungen „unter Haube“. Daneben wurde der Öffentlichkeit auch ein Detail vorgestellt, dass zu grossen Veränderungen im gesamten Bild- und Fotomarkt führen wird. Es geht um das neue Dateiformat für Fotos und Videos. Es hört auf den Namen HEIF (der enthaltene Video-Codec hat den Namen HEVC) und ist relativ neu.

Die scheinbar nebensächliche Änderung, die bislang auch noch kein besonderes mediales Echo gefunden hat, gibt Anlass zur Frage was uns das neue HEIF Format mittelfristig bescheren könnte.


Zuerst einige Fakten

HEIF steht für „High Efficiency Image File Format“ und wurde 2015 von der MPEG-Group präsentiert.

Die technischen Daten und- vor allem die erzielbare Kompressionsrate - sind solide. Die „coding performance“ liegt bei Bildern im Schnitt bei 2,39 wohingegen das altbewährte JPEG gerade mal 1.66 erzielt. Bei gleicher Qualität haben die im HEIF Format gespeicherten Bilder also im Schnitt nur 50-60% der Dateigrösse von vergleichbaren JPEGs. Die auf der offiziellen Homepage von HEIF verfügbaren Beispiele sind schlicht beeindruckend. Wir halten allerdings fest: HEIF ist - wie JPEG - kompressionsbedingt verlustbehaftet (dazu später mehr).

Technisch gibt es also nichts zu meckern; im Gegenteil. Die Probleme liegen an anderen Stellen.


Ein kleiner Ausblick in die Zukunft

Mit iOS 11 wird Apple das neue Format auf allen Geräten, die mindestens über einen A9 Prozessor verfügen, einführen. Im Klartext: Ab einem iPhone 7 wird HEIF künftig die Standardvorgabe sein. In der iOS11-Betaversion der nativen Photo-App kann diese Einstellung zwar auf „Kompatibel“ (d.h. JPEG) geändert werden, aber Hand aufs Herz: Nur wenige Anwender werden überhaupt so weit in die Voreinstellungen vordringen. Und damit wird eine Lawine in Gang gesetzt, die zu erdrutschartigen Veränderungen führen wird.


Wie wird Apples Strategie aussehen?

Wir kennen die bewährte Strategie von Apple. Es werden Fakten geschaffen. Was Apple für gut, richtig und zukunftsweisend hält, wird implementiert. Alte und bisherige Standards werden dabei gerne radikal „über den Haufen geworfen“. Und Rückzieher sind nicht vorgesehen. Wenn Apple also ein neues Bildformat einführt wird damit klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, dass das der künftige Standard sein wird. Punkt.

Natürlich wird es einen auf relativ kurze Zeit befristeten Übergang geben, in dem auch das alte JPEG Format noch unterstützt wird. Auf künftigen Gerätegenerationen wird es aber bald ausschliesslich noch HEIF geben und das gesamte Ökosystem von Apple wird binnen ca. drei bis fünf Jahren auf HEIF umgestellt. Ich gehe davon aus, dass Apple auch die Marktmacht hat, dem Markt einen Systemwandel in Sachen Bildformat aufzuzwingen. In einigen Jahren wird das HEIF Format alle digitalen Systeme und Plattformen als neuen Standard dominieren.

Wer bei JPEG bleiben möchte wäre dann mittelfristig darauf angewiesen, mit alten Geräten und alten iOS Versionen weiter zu arbeiten. Da Apple aber keine Sicherheitsupdates mehr für ältere iOS Versionen bereit stellt, wird ein zusätzlicher Zwang zum Upgrade auf neue Geräte- und Systemversionen ausgeübt. Diese unterstützen dann freilich bald nur noch das neue Format.

Nebenbei: Inwieweit das neue Bildformat von „alten Apps“ verarbeitet werden kann, ist derzeit noch offen. Da die meisten Apps die vom iOS bereit gestellten Bildformate lesen und schreiben können ist es gut denkbar, dass JPEGs über im Betriebssystem vorhandene Bibliotheken für eine Übergangszeit weiterhin geöffnet und gespeichert werden können. Wahrscheinlicher ist es, dass JPEG Bilder zwar geöffnet, dann aber nur im neuen Format wieder gespeichert werden können. Grössere Softwareschmieden werden ihre Apps zeitnah auf den nativen Support des neuen Formates umstellen; kleinere Softwareschmieden könnten damit grössere Schwierigkeiten haben (oder möglicherweise dann eben einfach keine Updates mehr zur Verfügung stellen).


Wie verhält es sich nun mit JPEG?

Das gute alte JPEG Format gibt es nun schon bereits seit 25 Jahren. Es hat sich als Standard durchgesetzt und wird von Computern, Betriebssystemen und Kameras im Prinzip aller Hersteller verwendet. Billionen von Bildern sind weltweit in diesem Format gespeichert und archiviert. Ich will hier bewusst nicht die Diskussion „RAW vs JPEG“ lostreten. In den Bilddatenbanken - gleich ob privat oder bei kommerziellen Anbietern - werden die Endergebnisse jedenfalls in aller Regel im JPEG Format gespeichert. Der Zeitraum innerhalb dessen sich JPEG als Standard etabliert hat entspricht ungefähr der Epoche der Digitalfotografie und des neuen „digitalen Zeitalters“. Fotoamateure wie Profis, die gesamte Archiv- und Stockfotowelt, beinahe alle Homepages im WWW, Grafiker, Designer, usw., sind auf JPEG „geeicht“.


JPEG als schützenswertes Kulturgut

Damit ist JPEG - ähnlich wie andere Kulturgüter - eigentlich bereits deswegen schützenswert, weil es beinahe die gesamte Bilderinnerung des bisherigen digitalen Zeitalters des letzten Vierteljahrhunderts enthält und darstellt (im eigentlichen Wortsinn). Um es deutlich zu machen: Wir reden hier über das digitale Bildgedächtnis der Epoche, in der wir die bewegendsten Veränderungen der Menschheitsgeschichte erlebt haben.

Findet nun ein Wechsel zu einem neuen Standardformat (HEIF) innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne statt, droht der Verlust eines erheblichen Teils unseres kulturellen Erbes sowie der Dokumentation der Neuzeit. Damit meine ich natürlich nicht Millionen von Katzenbildern auf Facebook, sondern Bilder, die einen Einblick in das wahre Leben zeigen. Der grösste Teil des digitalen Bildergedächtnisses wird derzeit im WWW publiziert. Wie lange künftige Browserversionen das bald veraltete JPEG Format noch unterstützen werden, steht in den Sternen.

Denn das Problem, dem wir bald begegnen könnten besteht darin, dass es keine Möglichkeit mehr geben könnte, JPEGs zu öffnen und zu bearbeiten. Die Situation könnte vergleichbar mit der älterer digitaler Datenträger werden. In meinen Schränken türmen sich - meist aus nostalgischen Anwandlungen - alte Disketten, Backupbänder, ZIP-Disks und vieles mehr. Zugegeben, alte Floppydisks geben wunderbare Kaffeetassenuntersetzer ab. Die auf ihnen enthaltenen Daten sind aber mit realistischem Aufwand nicht mehr wiederherstellbar. Könnte es sich mit Bildern im JPEG Format in einigen Jahren genauso verhalten?


Geplante Obsoleszenz?

Ein Wandel im Bildformat beinhaltet auch eine besonders perfide Form der geplanten Obsoleszenz, denn die Anwender, die den „Anschluss nicht verlieren wollen“, werden zum Umstieg auf neue Systeme gezwungen. Für ältere Systeme wird es bald keine Updates mehr geben, die eine Bearbeitung des neuen Formates ermöglichen. Spiegelbildlich wird es auf neuen Systemen immer schwerer werden, das alte JPEG Format zu bearbeiten. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass das alte „Format der digitalen Erinnerung“ - sprich JPEG - fest in allen künftigen Betriebssystemen „verdrahtet“ wird.

Eine kurze Recherche im Internet ergibt, dass es derzeit noch keine Desktop-Bildbearbeitungssoftware gibt, die das neue HEIF Format unterstützt. Die Nachrüstung dürfte für die meisten Plugin-basierten Systeme kein Problem sein. Aber die Hersteller werden das nur für die aktuellen Programmversionen anbieten, denn schliesslich sollen die Anwender ja zum Kauf von Upgrades animiert werden.

Sicher, es wird in der Umstellungsphase Batch-Conversion-Tools geben (vielleicht sogar eine automatische Umwandlung in der Cloud), mit denen eine Fülle von Bildern „in einem Rutsch“ in das neue Format konvertiert werden können.

Da dabei allerdings von einem verlustbehafteten Format in ein anderes verlustbehaftetes Format konvertiert wird, wird die Bildqualität in jedem Fall darunter leiden. Bestimmt wird es auch webbasierte Umwandlungstools geben, von denen ich allerdings aus prinzipiellen Gründen abraten würde (oder wollen Sie Ihr gesamtes Bildarchiv irgendwelchen dubiosen Seitenbetreibern zur Verfügung stellen?).


Bitte keine Missverständnisse

Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin kein Technikfeind oder ein Feind des Fortschritts an und für sich. Die reine Qualität des neuen Formates ist - soweit es sich aus den technischen Beschreibungen und den zur Verfügung gestellten Beispielen beurteilen lässt - beeindruckend. Der Gedanke, dass die vorhandenen Speicherkapazitäten mit doppelt so vielen Bildern gefüllt werden könnten, ist eine grosse Versuchung. Stromverbrauch und Umwelt würden auch einen Benefit haben.

Meine Kritik richtet sich vielmehr gegen die radikale Veränderung (oder gar Zerstörung) ganzer Ökosysteme im Bereich der Fotografie. Die fotografische Infrastruktur und der fotografische Workflow werden sich an vielen Punkten grundlegend ändern. Ich bin gespannt, wann die ersten Kamerahersteller das neue HEIF Format als Bildformat anbieten werden. Um das wieder in den Zusammenhang mit der geplanten Obsoleszenz zu stellen: Könnte es sein, dass bald Millionen funktionstüchtiger Kameras nur deswegen auf dem Elektronikschrott landen, weil sie kein „in-camera-HEIF“ anbieten?


Philosophischer Ausblick

Wehmütig denken wir an Omas „Fotokarton“ mit einer Fülle von Abzügen aus mehreren Jahrzehnten zurück. Vielleicht mag die bevorstehende Bildformatrevolution für mitdenkende Zeitgenossen ein Anlass sein, wieder mehr analog zu denken und zu fotografieren?


UPDATE 2017-06-23 - Das Problembewusstsein wächst

1. Auf Pyrolim.de ist ein sehr schöner Artikel zum Thema erschienen, der zum Nachdenken anregt.

2. Auch Kwerfeldein.de hat das Thema aufgegriffen und meinen Artikel als Gastbeitrag veröffentlicht.

3. Meine Nachfragen bei verschiedenen Softwareschmieden waren ernüchternd. Die allermeisten haben das Problem schlicht noch nicht auf dem Schirm, zeigten sich aber äusserst interessiert. In einer Antwort wurde darauf hingewiesen, dass HEIF ein "sehr kompliziertes" Format sei.

4. Auch juristisch kommen Zweifel am neuen Codec auf, denn es scheinen Patente im Spiel zu sein die bei einer kommerziellen Verwendung dazu führen können, dass Lizenzgebühren anfallen.

5. Lichtschein am Horizont: Die aktuelle Beta des GraphicConverter vom 2017-06-22 unterstützt HEIF ab Mac OS 10.13.


das_neue_heif_format
Screenshot von der offiziellen HEIF-Homepage
(hier im guten alten JPEG Format dargestellt und gespeichert)

Photojournalismus - quo vadis? Die Masken fallen!

Sonntagsreflexionen: Es schmerzt mich in der Seele zu sehen (und macht mich gleichzeitig geradezu aggressiv), welche Auswüchse im Photojournalismus zur Zeit sichtbar werden. Ich schreibe bewusst „sichtbar werden“, denn gegeben hat es sie vermutlich chon viel länger.

Die Seriosität, Objektivität und Ernsthaftigkeit sind verloren gegangen. Jetzt wird nach den Methoden des Marktes gearbeitet. Schummeln und Betrügen gehören genauso dazu, wie der eigentliche Skandal des aktuellen Souvid Detta Falles. Warum es geht, dazu mehr im ersten verlinkten Artikel, um den - meiner Meinung nach - noch viel schlimmeren Skandal geht es im zweiten Artikel.

Link 1: F**k Photojournalism: It’s Time for the Industry to Change Before It Dies

Link 2: Two Scorpions Crossing a Stream

Geplante Obsoleszenz, Teil 4: Töpfe mit Henkel innen, und so

Heute mal wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie zur geplanten Obsoleszenz. Diesmal von der gefährlicheren Sorte.

Es ist eine Sache, wenn die Kompaktkamera nach einer bestimmten Anzahl an Auslösungen geplant den Geist aufgibt. Als wir seinerzeit die statistischen Auffälligkeiten bei der Lebensdauer bestimmter Produkte aus dem fotografischen Umfeld erkannt hatten, sind wir erstmals auf das Thema aufmerksam geworden.

Die geplante Obsoleszenz begegnet uns im Alltag in vielfältigen Facetten und ist heutzutage omnipräsent. Ist ja irgendwie auch verständlich, denn Konsum und Wirtschaft müssen schliesslich am Laufen gehalten werden (Stichwort: Konsumismus).

Was aber, wenn sich das Phänomen in Bereichen zeigt, bei denen es zu ernsten, ja lebensbedrohlichen Gefahren führen kann? Und das ist nicht nur bei Herz-Lungen-Maschinen der Fall.

Was ist geschehen?

Vor einigen Tagen versammelte sich die Familie unerwartet und mehr oder weniger hungrig um den grossen Küchentisch. Ein Blick in den Kühlschrank führte zur Erkenntnis: Es gibt eine Suppe. Gesagt, getan.

Nach einigen Minuten köchelte eine Champignoncremesuppe beschaulich vor sich her. Der Einfachheit halber wollte ich den Suppentopf einfach in die Mitte des gedeckten Tisches stellen. Gar keine gute Idee. Denn als ich zu den Topflappen griff und den Topf vom Herd in Richtung Tisch transportierte gab es einen metallischen Knall und ich hatte den Topf mit einem Henkel in der rechten Hand, den anderen Henkel in der linken Hand und ungefähr zwei Liter Champignoncremesuppe flächendeckend um mich herum verteilt. Es grenzte an ein Wunder, dass niemand dabei eine grössere Portion abbekommen hat, denn die kochendheisse Suppe hätte zu gediegenen Verbrennungen führen können. Ich war stinksauer.

Abend grub ich in dem Ordner mit Kaufbelegen und tatsächlich: Die Quittung vom Kauf war noch vorhanden. Das Teil war ein Markentopf der preislichen Mittelklasse mit zwei Jahren Garantie (die Veröffentlichung des Herstellers behalte ich mir vor). Vor exakt zwei Jahren und drei Monaten gekauft.

Ich zeigte den Topf einem befreundeten Matallhandwerker, der nur kurz lächelte und mich sogleich auf die absolut mangelhafte Ausführung der Schweisstellen aufmerksam machte. Er meine sinngemäss es sei erstaunlich, dass die Henkel überhaupt so lange gehalten hätten. Es sei abzusehen gewesen, dass die Henkel nach einer bestimmbaren Anzahl von Nutzungen abbrechen würden.

Was soll ich sagen? Müssen wir künftig als Verbraucher - wenn wir denn solche von der „mündigen“ Sorte sein wollen - alle Produkte erst einmal fachmännisch auf Schwachstellen untersuchen lassen? Oder müssen (besser: sollen) wir jetzt alle Gegenstände und Geräte künftig einen Monat vor Ablauf der Garantiezeit einfach wegwerfen?

Beim Kochtopf geht es - im Gegensatz zum „elektronischen Spielzeug“ - immerhin um einen Gegenstand, dessen Versagen zu erheblichen Gesundheitsgefahren führen kann.

Bin etwas ratlos aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass da etwas gewaltig schief läuft.

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Angekündigte Obsoleszenz, Vergänglichkeit und der Kult des Konsumismus

Dem Thema der sog. „geplanten Obsoleszenz“ habe ich bereits zwei Artikel gewidmet: „Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht“ und „Geplante Obsoleszenz, Teil 2: Die kommende Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO)“.

Heute kann das Repertoire der geplanten Obsoleszenz um eine neue Spielart erweitert werden, die der „angekündigten Obsoleszenz“.

In Schweden gilt bekanntlich, dass alle Fahrzeuge auch bei Tag mit Licht fahren müssen. Zugelassen sind dabei das klassische Abblendlicht und das modernere „Tagfahrlicht“ (nicht zu verwechseln mit dem klassischen Standlicht).

Das ist eine feine Sache für die Hersteller von Ersatzglühbirnen, deren Lebensdauer schliesslich endlich ist. Das das Licht ständig eingeschaltet ist, verschleissen folglich auch die Glühlampen schneller. Die vergangenen Jahre ist mir aufgefallen, dass das Wechselintervall der Birnen subjektiv irgendwie immer kürzer geworden ist. Nachdem vergangene Woche wieder einmal eine H7-Lampe auszuwechseln war, habe ich mir die Verpackung derselben genauer unter die Lupe genommen.

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Dort ist die angekündigte Obsoleszenz sogar ganz deutlich aufgedruckt. Die Lebensdauer der neuen Birne eines namhaften Herstellers liegt - laut Beschreibung - bei ungefähr 500 Stunden. Das klingt nach viel, aber ein einfaches Rechenbeispiel bringt Licht ins Dunkel. Hier in Nordschweden sind lange Strecken zurück zu legen. Zwei bis vier Stunden Fahrzeit pro Tag sind an der Tagesordnung. Legen wir zwei Stunden zugrunde, so beträgt die Lebensdauer der Birne - basierend auf der Herstellerangabe - ungefähr 250 Tage. Kommen noch einige richtige Langstrecken hinzu, verkürzt sich die Lebensdauer in Tagen entsprechen.

Bereits eine schnelle Recherche lüftet den Schleier und führt zum sog. Phoebuskartell. Bekannt wurde das Kartell durch die Absprache zur Begrenzung der Lebensdauer von Glühlampen auf 1.000 Stunden. Es ist umstritten, ob es sich hierbei um eine legitime Normung oder eine illegitime Kartellabsprache handelte. Von Seiten der Beteiligten heisst es, dass Absprachen zur Lebensdauer von Glühbirnen heute nicht mehr existieren würden.

Ich habe also einfach einen alten Bekannten angerufen, der in der Branche tätig ist und mich nach den theoretischen Möglichkeiten erkundigt. Die Antwort hat mich in eine Art Schockstarre versetzt. Theoretisch wäre es nämlich kein Problem, Halogenbirnen für den Gebrauch im PKW mit einer Lebensdauer von 15.000 Stunden herzustellen (vergleichbare Birnen gibt es sogar auf dem Markt, z. B. für die Verwendung in Verkehrsampeln).

Aber was beklage ich mich. Geplante oder angekündigte Obsoleszenz sind doch bereits Schnee von gestern. Heutzutage haben Unternehmen solche technischen Regulierungen doch gar nicht mehr nötig. Es reicht völlig, wenn kurz nach dem Verkaufsstart eines Produktes etwas Neues auf den Markt geworfen wird. Die vor einem Jahr noch brandaktuelle Ware wird vom Konsumenten dann selbst freiwillig als überholt oder gar überflüssig eingestuft und durch die aktuelle Ware ersetzt. Die geplante Obsoleszenz wird so zur geplanten Vergänglichkeit der Ware. Die gesamte Elektronikbranche lebt davon, denn so gut wie kein Mensch braucht die ständig neuen Produktgenerationen. Ich nenne das den „Kult des Konsumismus“.

Das Problem dabei ist, dass mittlerweile unser gesamtes Wirtschaftssystem auf dieser Weltanschauung beruht.

Der Philosoph und Soziologe Zygmunt Bauman hat das ironisch zum Ausdruck gebracht. In seiner ethischen Richtschnur für das Konsumleben rät er, „es tunlichst zu vermeiden, dauerhaft zufrieden zu sein. Für eine Gesellschaft, die die Zufriedenheit der Kunden zu ihrem einigen Motiv und wichtigsten Ziel erklärt, ist ein wunschlos glücklicher Kunde weder ein Motiv noch das Ziel, sondern die furchteinflössendste aller Bedrohungen.“

Der Konsumismus ist also im Kern ein Kult der Unzufriedenheit, des Unglücks und der Undankbarkeit. Die Folgen sind Dauerstress, Selbstzweifel, Depressionen und Beziehungsprobleme.

In diesem Zusammenhang gewinnt auch der neue Begriff der „Stuffocation“ an Bedeutung. Das Kunstwort ist aus den Worten „stuff“ (Zeug) und „suffocate“ (ersticken) zusammen gesetzt: Der Mensch droht am gehorteten Zeug zu ersticken (die Alternative dazu ist die durch die „schmutzige“ Entsorgung der alten Produktgenerationen entstehende Umweltkatastrophe).

Der einzige Ausweg scheint mir ein bewusst einfacher Lebensstil, der sich auf das wirklich Notwendige beschränkt und mit einem klugen Umgang mit den begrenzten Ressourcen einher geht, zu sein. Gerade die Vorweihnachtszeit bietet sich an, darüber nachzudenken und Verzicht zu üben.

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Geplante Obsoleszenz, Teil 2: Die kommende Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO)

Frau Lapplandblog führt gerade - heftig schimpfend - eine schwierige Operation durch.

„Ich kann ja nur froh und dankbar sein, dass ich das damals noch in der Schule gelernt habe. Für so einen Mist musst du auch noch Geld ausgeben“.

Was war geschehen?

Der vor drei Monaten erworbene Hunderucksack hatte sich - nach ungefähr fünfmaligem Gebrauch in den Weiten Lapplands - buchstäblich in seine Einzelteile aufgelöst. Immerhin waren ca. 85% der Bestandteile desselben im Grünen noch auffindbar. In mühe- und liebevoller Kleinarbeit hat Frau Lapplandblog die Einzelteile wieder sorgsam zusammengepuzzelt und - unter Einfügung im Bestand vorhandener Ersatzteile - mit geübter Hand und festem Zwirn wieder zusammengefügt. Die Archäologen im nächsten Jahrtausend werden ihre helle Freude haben, wenn sie das Teil irgendwann einmal ausgraben sollten.

Stellt sich die Frage, warum so ein Mist mit der eingebauten „geplanten Obsoleszenz“ aktiv vermarktet und verkauft wird?

Das kann nur auf der kommenden Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO) beruhen. Aus üblicherweise bestens informierten und nicht genannt werden wollenden Insiderkreisen ist uns nämlich kürzlich folgendes zugetragen worden:

„Alle im Europäischen Binnenmarktes feil gehaltenen Produkte dürfen im Rahmen ihres konkreten Verwendungszwecks künftig nur noch höchstens 24 Monate gebrauchstauglich sein“.

Das haben die obersten Organe der EU in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank beschlossen. Das erklärte Ziel der Neuregelung sei die Ankurbelung des dahinsiechenden Binnenmarktes, denn es könne nicht angehen, dass hochqualitative Produkte gar ein ganzes Leben lang halten. Die vorgesehene zwingende begrenzte 24-monatige Gebrauchstauglichkeit muss durch die verwendeten Materialien, die Bauart und die Konstruktion sicher gestellt sein. Zuwiderhandlungen werden mit existenzbedrohenden Bussgeldern oder Zwangsinsolvenzen ("Marktbereinigung") bestraft werden.

Die Industrie übt schon seit geraumer Zeit für die kommende Neuregelung (was den meisten Leserinnen und Lesern aus eigenen Erfahrungen mit diversen Produkten bekannt sein dürfte; siehe die geschilderte Begebenheit am Anfang dieses Beitrages).

Beim Hören der Vorträge der diesjährigen Re-Publica bin ich auf einige besonders digitale Beispiele der geplanten Obsoleszenz gestossen, quasi als Ausblick, was wir in Zukunft zu erwarten haben. Allen voran die dem "Internet of Things" zugehörige Kaffeemaschinen, die über eine App auf dem Mobiltelefon gesteuert wird. Die App zur Kaffeemaschine wird so gebaut, dass sie nach dem nächsten Systemupdate auf dem Mobilgerät ihre Arbeit verweigert. Und dann wird die Entwicklung der App einfach eingestellt.

Resultat: Die High-Tech Kaffeemaschine wird zu Elektroschrott (denn wer will das technologische Highlight denn - wenn sich erst einmal daran gewöhnt wurde - als "altmodische" [sofern das überhaupt vorgesehen und möglich ist] Kaffeemaschine weiter benutzen?).

Bei höherwertigen Gütern, die aus Sicherheitsgründen nicht ab Werk "schlampig" gebaut werden können, können die kommenden Vorgaben der Europäischen Produktnachkaufverordnung (EPNVO) ganz einfach über einen eingebauten Betriebsstundenzähler erfüllt werden. Nach 24 Monaten erscheint dann im Display die Meldung „Die Lebensdauer ihres Produktes ist erreicht“

Besonders spassig stelle ich mir das bei Autos vor. Dort würde es dann heissen: „Nach den nächsten Abstellen des Motors wird sich das Auto nicht mehr starten lassen, weil die vorgesehene Produktlebensdauer erreicht ist. Eine automatischen Mitteilung an den nächstgelegenen Produktverschrotter und ihre finanzierende Bank wird gerade automatisch versendet. Danke, dass sie sich für ein Produkt aus unserem Hause entschieden hatten“.

Realisierbar ist das alles ganz einfach. Selbst die einfachsten und simpelsten technischen Geräte sind heute so elektronisiert, dass selbst Experten solche Systeme zur Begrenzung der Produktlebensdauer nicht mehr umgehen können. Ein Mechaniker aus der Autowerkstatt des Vertrauens hat mir gestern berichtet, dass viele Fehler bei neueren PKWs (lies: ab Baujahr 2002) nur noch durch Systsemupdates behoben werden können (zu denen freie Werkstätten natürlich keinen Zugang mehr haben). Ein schönes Beispiel dafür, dass die Vorschriften der kommenden Europäischen Produktnachkaufverordnung (EPNVO) ab dem Tag des Inkrafttretens auch bei älteren noch in Verkehr und Gebrauch befindlichen Geräten umgesetzt werden können, wenn es sich denn um digital gesteuerte Geräte handelt.

Konsequenterweise sollten dann auch alle nicht digital gesteuerten Geräte, d. h. Geräte, die nicht an das Internet of Things angeschlossen werden können, generell verboten werden. Wo kämen wir denn hin, wenn der Nachbar noch einen klassischen Rasenmäher in Betrieb hätte, mit dem er selbst durch den Garten rast? Undenkbar, welche Folgen das haben könnte.

Ich habe meiner Frau Lapplandblog versprochen nach einem qualitativ sehr hochwertigen Hunderucksack für unseren Hund Ausschau zu halten, bevor die EPNVO in Kraft tritt (und hoffentlich noch ganz analog).

2016 gekauft und erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der kommenden EPNVO
2016 gekauft und erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der kommenden EPNVO

Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose! [Update: 27/12/2014]

Heute wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie: Neulich in Europa.

Über die aus europäischer Sicht unabdingbare Normierung von Eiskugelportionierern hatte ich 2013 schon einmal geschrieben.

Aber die Entwicklung überholt die philosophischen Überlegungen zuweilen. So ist das eben. Nun scheint sich die Europäische Union den altbewährten Toaster für eine neue Normierungsorgie auserkoren zu haben.

Künftig soll also nur noch der "Einschlitztoaster" für den Verkauf innerhalb der EU zugelassen sein. Und die Begründung klingt ja eigentlich recht plausibel, denn wie so oft wird - insbesondere in den nach wie vor immer mehr zunehmenden Singlehaushalten - nur ein Schlitz des klassischen Doppelschlitztoasters befüllt. Die Hälfte der eingesetzten Energie verpufft also völlig sinnlos in der Umgebungsluft. Ein Skandal ist das.

Indes scheint es mir, dass es den europäischen Bürokraten einfach an der Chuzpe fehlt, die Übel wirklich an der Wurzel zu erfassen. Und daher springe ich an dieser Stelle natürlich gerne in die Bresche.

Die Wurzel allen Übels ist nämlich weder die immer noch fehlende Normierung für Eiskugelportionierer, noch die Problematik des klassischen Doppelschlitztoasters. Nein, die wahre Wurzel der unermesslichen Energieverschwendung in Europa hört auf einen anderen Namen, und dieser lautet "Mehrfachsteckdose".

Es liegt doch auf der Hand, dass dieses elektrische Gerät die Mutter aller Verschwendung ist. Wie vielen Energieverschwendern wird durch Mehrfachsteckdosen nicht überhaupt erst der Zugang zum Stromnetz ermöglicht? Da gibt es sogar Mehrfachsteckdosen mit bis zu zehn (!) Stromentnahmestellen im Handel. Unglaublich und skandalös ist das. Ein offenes Scheunentor für den Untergang Europas.

Stellen Sie sich demgegenüber einmal folgendes "best-case" Szenario vor: An jeder Wandsteckdose (deren zulässige Anzahl in Abhängigkeit von der Grundfläche eines Raumes natürlich auch geregelt werden müsste) hängt nur noch ein Verbraucher. Das zwingt den Verbraucher zu energiebewussten Entscheidungen:

Bürolampe oder Kopierer? Haarfön oder Stereoanlage? Tiefkühltruhe oder Küchenquirl?

Hunderttausende sinnlose Stromverbraucher wären der sofortigen "kalten Abschaltung" unterworfen.

Das Modell könnte zudem auch erhebliche beschäftigungsfördernde Begleitwirkungen haben. Denn leider ist es ja teilweise so, dass zuweilen auch verschiedene Endgeräte Strom aus derselben Wandsteckdose benötigen. Das wäre - nach Massgabe der zu treffenden neuen Regelungen - ausschliesslich nur noch über das manuelle Umstecken der jeweiligen betroffenen Endgerätestecker erlaubt.

Dämmerts Ihnen schon? Richtig! Das schafft Arbeitsplätze! Der Umsteckgehilfe ist der Zukunftsberuf des kommenden Jahrzehnts. Die Ausbildung ist kurz und erfordert - ganz im Einklang mit allen aktuellen Bildungsstudien - keine besonderen Vorkenntnisse oder gar eine Grundbildung. Nicht einmal die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben ist erforderlich. Der manuelle Kraftaufwand hält sich in Grenzen und im Regelfall kann die Tätigkeit - was den Berufswünschen gerade vieler junger Menschen entgegen kommt - in Innenräumen ausgeübt werden. Arbeitgeber - und das könnten auch Sie in Ihrem Privathaushalt sein - würden ausserdem einen Beschäftigungsförderungszuschuss von der EU erhalten.

Am Horizont sehe ich bereits den Lichtschein eines paradiesischen Zustandes: Die seit Jahrzehnten von Politik und Wirtschaft herbei gesehnte Vollbeschäftigung rückt endlich in greifbare Nähe.

Und schliesslich kommen auch die Gerätehersteller nicht zu kurz. Mit etwas wohlwollender und wohldosierter geplanter Obsoleszenz wird der Verschleiss an den nunmehr manuell zu betätigenden Steckkontakten nicht unerheblich sein. Will sagen, diese müssen oft und zudem fachmännisch ausgetauscht werden.

Und jetzt bitte alle im Chor: "Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!"

(Plakate und Fähnchen für die Protestkundgebungen können im Fanshop bestellt werden).


[Update: 27/12/2014]: Der Tatort vom 26.12. hat - der ARD sei grosser Dank dafür - eine weitere schwerwiegende Regelungslücke der europäischen Rechtsordnung ans Tageslicht gebracht. Künftig werden Lichterketten mit Sollbruchstellen versehen werden müssen (wie es bereits heute bei Schlüsselbändern der Fall ist), um sie künftig nicht mehr als Mordwaffen verwenden zu können.


Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!
Der Grund für die ökologische und wirtschaftliche Misere: Mehrfachsteckdosen

Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht.

Entrümpelung im Kompaktkamera-Archiv bei einem verspäteten Frühjahrsputz (in Lappland sind die Jahreszeiten bekanntlich nach hinten verschoben). Da lagen also 13 Kompaktkameras aus den letzten fünf Jahren vor uns auf dem Tisch. Nummer 14 (eine Canon IXUS 950IS) fehlt, weil wir sie im vergangenen Jahr separat verschrottet haben.

Zuerst das Rätsel: Zwei davon funktionieren noch einwandfrei. Die Preisfrage ist, welche?

Kompaktkameras haben es bei uns im Haushalt zugegebenermassen nicht leicht. Sie begleiten uns immer und überall hin (auch wenn die grosse Ausrüstung im Einsatz ist). Oft geht es bei Wind, Wetter und tiefsten Temperaturen auf abenteuerliche Touren. Ein realistischer Dauertest sozusagen. 

Also liebe Kamerahersteller: Wenn Ihr unter harten realistischen Einsatzbedingungen testen wollt, nehmt bitte Kontakt mit uns auf!

Zurück zum Thema: Der traurige Befund ist nun, dass 12 von 14 in den vergangenen fünf Jahren von uns eingesetzten Kompaktkameras überhaupt nicht mehr, oder nur noch mangelhaft funktionieren.  

Die Ausfallrate und die Ausfallzeitpunkte sind allerdings manchmal sehr merkwürdig. Manche Kameras verabschieden sich nach relativ kurzer Zeit mit merkwürdigen Fehlermeldungen. In den kleinen Gehäusen steckt jede Menge Elektronik und Ausreisser kann es bekanntlich immer einmal geben. Deswegen habe ich alle Modelle mit den jeweiligen Fehlern auch gegoogelt und bin bei fast allen fündig geworden.  

Generalisiert würde ich sagen: Je neuer die Kamera, desto kürzer die Lebensdauer. Und das macht natürlich stutzig, denn eigentlich sollten Elektronik und Mechanik immer besser und zuverlässiger werden.

Mich beschleicht der Verdacht, dass bei manchen Produkten die sogenannte "geplante Obsoleszenz" im Spiel sein könnte. Um was geht es dabei? 

Wikipedia definiert das so: "Gemeint ist ... ein Teil einer Produktstrategie, bei der schon während des Herstellungsprozesses bewusst Schwachstellen in das betreffende Produkt eingebaut, Lösungen mit absehbarer Haltbarkeit und/oder Rohstoffe von minderer Qualität eingesetzt werden, die dazu führen, dass das Produkt schneller schad- oder fehlerhaft wird und nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden kann."


So etwas scheint bei vielen Produkten - gerade in der Unterhaltungselektronik - heute üblich zu sein (und ist auch in verschiedenen Medien immer öfter nachzulesen), wie zum Beispiel hier.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann einfach zum Begriff "Geplante Obsoleszenz" sich im Netz auf die Suche machen und sich dann wundern. Allen, die tiefer in die Thematik einsteigen wollen, sei das Portal „MURKS? NEIN DANKE!“ empfohlen.

Wie sieht es konkret mit unseren Verschrottungskandidaten aus?

Eine Nikon L12 (gekauft 2007) hat das laut Suchergebnissen normale Stromversorgungsproblem. Neue Batterien oder Akkus? Beim Einschalten zeigt das Display "Akkukapazität erschöpft" und die Kamera schaltet sich wieder ab. Das gleiche Verhalten legt eine Pentax Optio WP an den Tag.

Eine Casio EX-V7 (die wir ansonsten sehr geschätzt haben) zeigt den laut Suchergebnissen sehr häufigen "Objektivfehler 2" und ist dadurch unbrauchbar.

Eine Sigma DP1 und eine Leica D-Lux 2 haben so grosse Staubpartikel im Objektiv, dass die Flecken praktisch nicht mehr zu retuschieren sind. Bereits beim Kauf waren jeweils mehrere winzige wie Sensorflecken aussehende Spots vorhanden. Mein Verdacht geht dahin, dass es sich um Abrieb aus der Objektivmechanik handelt.

Bei der Leica C-Lux 2 muss zur Ehrenrettung gesagt werden, dass sie einen schweren Sturz eingesteckt hat, bevor sich die äusseren Verschlusslamellen nicht mehr schlossen.

Relativ gut geschlagen haben sich die Canons: Die digitale Ur-IXUS (die immerhin 2,1 Megapixel liefert) funktioniert noch wie eh und je. Natürlich sind die Bilder im Prinzip für nichts mehr zu brauchen.

Eine Powershot A40 mochte nach einigen Jahren keine Energie mehr zu sich nehmen. Egal ob neue Akkus oder Batterien: Sie erwachte nicht mehr zum Leben.

Eine IXUS 950IS hat sich mit geschätzten 15.000 Auslösungen in drei Jahren tapfer geschlagen, bis die Objektivmechanik versagt hat.  

Viel schlechter hat eine IXUS 100IS abgeschnitten. Sie versagte bereits nach ca. 6 Monaten mit defekter Objektivmechanik.

Die Canon S95 funktioniert nach ca. 6 Monaten bislang noch einwandfrei.

Die beiden noch einwandfrei funktionierenden Modelle aus dem Konvolut kommen also beide aus dem Hause Canon.

Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht.

Geheimtipp: Den härtesten Belastungen sind die Kameras dann ausgesetzt, wenn sie in die Hände von Frau Lapplandblog geraten. Die Sterblichkeitsrate in diesem Falle ist statistisch deutlich erhöht. Frau Lapplandblog hat übrigens auch das schöne Kamera-Stilleben dekoriert.