Im Interview bei Fabian Wüst vom Spiegelreflexkamera Portal

Manchmal hält das Leben schöne Überraschungen bereit. Ich wusste z. B. nicht, dass ich einen Namensvetter habe, der auch als Fotograf und Videoproduzent tätig ist. Umso mehr hat es mich gefreut, als mich vergangenen Woche eine Interviewanfrage von Fabian Wüst erreichte. Fabian betreibt u. a. auch das Spiegelreflexkamera Portal.

Im Interview geht es um Schweden, Kameratechnik und mein jüngstes Projekt "The city never sleeps".

Genug der Vorrede: Hier geht es zum Interview auf dem Spiegelreflexkamera Portal

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Im Fokus: Tierfotografin Kathrin Jung

Im Fokus: Tierfotografin Kathrin Jung

Es ist uns eine besondere Freude, heute die Fotografin Kathrin Jung als Gast im Interview zu haben. Kathrin Jung ist 39 Jahre jung und lebt mit einem Pferd, einem Hund, sechs Katern und Ihrem Mann, dem Webdesigner Robert Jung, in der Nähe von Berlin.

Ihre erklärte Passion gilt der Tierfotografie. Unserer Meinung nach gehört Sie zu den Besten auf diesem Gebiet. Deswegen ist es eine Ehre für uns, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen hat.

Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
„Kathrin Jung ist spezialisiert auf Tierfotografie“, Foto: Robert Jung


-> Kathrin, wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Als Kind habe ich meinem davon wenig begeisterten Vater die heilige Spiegelreflexkamera aus dem Schrank entwendet und angefangen ohne Ende draufzudrücken.

Meine Tiere waren schon immer meine Modelle und eine kleine Kamera hatte ich immer bei mir. Die Filme habe ich dann vom Taschengeld entwickeln lassen und mich immer irre auf die Fotos gefreut.

Erst 2006 gab es die ernste Wendung in Form einer Canon 20D und einem 70-200 2,8 L USM und ab sofort war kein 4-Beiner mehr vor mir sicher.


-> Auf was bist Du spezialisiert?


Hunde, Pferde und Katzen.

Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung


-> Warum (gerade und nur) Tiere?

Tiere gehören zu meinem Leben, sie geben so viel Liebe und Energie. Ein Tier mit seiner Ausstrahlung und Lebensfreude fotografisch festzuhalten ist das, was mich begeistert.

Das Herz muss hüpfen! Und meines hüpft eben bei Tieren - nicht bei Babys oder Architektur. Das ist wie es ist.



-> Fotografieren für Dich: Job, Handwerk, innerlicher Bezug?

Berufung.

Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung


-> Dein grösstes fotografisches Vorbild, und warum?

Ich habe kein Vorbild. Stattdessen habe ich einen hohen Anspruch an mich selbst. Ich bin Perfetktionistin und möchte immer alles zu 100%.

Location, Wetter, Licht, Model. Alles muss stimmen und genau vorbereitet sein.
Geht es los zum Shooting habe ich die fertigen Bilder im Kopf. Die Location und Hintergründe werden passend zur Farbe und Größe des Modells ausgesucht und während des Shootings durchaus mehrmals gewechselt und angepasst.

Das Modell soll Spaß haben und darf auf keinen Fall überfordert werden. Sicherheit steht immer an erster Stelle.

Ich habe ein ausgesprochen feines Gespür für Tiere und merke sofort, ob sich das Modell in der ungewohnten Shootingsituation wohl fühlt und konzentriert mitarbeitet, ob es Durst bekommt, oder eine Pause braucht. So entscheide ich immer im Sinne des Tieres wie das Shooting gestaltet wird und wie es für alle Beteiligten zu einem positiven Erlebnis wird.


-> Was war Dein bestes, was Dein schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?

Bestes Erlebnis...

Grundsätzlich sind die Tiere alle begeistert bei der Sache, auch die, die erst einmal 30 min zum "auftauen" brauchen. Sie stehen im Mittelpunkt, alle anwesenden Menschen kümmern sich nur um das Modell - dem somit alle Aufmerksamkeit und Energie zuteil wird.

Die Tiere genießen es, ich merke das und freue mich daran. Beim Shooting geben sie alles und danach schlafen sie meist sehr lange und sehr tief *lacht*.

Bemerkenswert war für mich das Shooting mit der 18-jährigen Dackeldame Cindy. Sie war komplett blind und taub. Das wusste selbst die Besitzerin nicht. Es stellte sich beim Shooting heraus.

Uns blieb nur die Motivation mit lecker riechenden Belohnungshappen an der Angel. Über zwei Stunden (mit Pausen) probierten wir die tiefergelegte Dackeldame dazu zu bewegen, die Ohren nett hochzunehmen oder auch mal langsam von A nach B zu laufen. Ich lag so flach es ging am Boden, sprang oft auf um mich dann gleich wieder hinzuwerfen, damit die kurzbeinige Cindy keinen Schritt umsonst tut.

Als wir dann das Shooting beendet hatten - Kamera im Auto - Verabschiedung, da legte Cindy plötzlich los. Sie rannte auf dem Parkplatz herum - fegte um die Ecken, wir standen fassungslos da und ich rannte nach der Kamera. Ich habe für die Besitzerin unbeschreiblich wichtige Aufnahmen machen können von Cindy, im Galopp mit einem Lächeln im Gesicht. Cindy ist 6 Monate später in den Hundehimmel gegangen und die Fotos haben für ihr Frauchen eine große Bedeutung.


Und das Schlimmste Erlebnis... hmmm - die Technik...

Ich hatte einen Shootingtermin bei einem Hundezüchter: Ein Wurf mit 8 Welpen - was bei der großen schweren Rasse sehr selten ist - sollte nebeneinander aufgereiht festgehalten werden, bevor sie schon am nächsten Tag zu den neuen Besitzern (auch ins Ausland) gegeben werden sollten. Daneben noch Actionaufnahmen und Portraits der Zuchttiere.

Die Ausrüstung ( 2 EOS 1D Mark III und 2 x 70-200 2,8 L USM) war wie immer top in Schuss und alle Einstellungen (AF-Punkt) hatte ich überprüft. Das Shooting lief prima. Alle hatten Spaß und die kleinen Welpen haben toll mitgemacht. Zu Hause stellte ich dann fest - dass die Mark III mit den Welpenbildern 20cm Frontfokus hatte! Ich kann mich an keine Erschütterung der Ausrüstung, wie z.B. ein Schlagloch erinnern, die dazu geführt haben könnte, dass sich der AF verstellt. Nun arbeite ich gern mit offener Blende und ziele sehr genau (angeboren *lacht*). Dass heißt, ich hatte kaum "danebengezielte" Bilder die nun vielleicht mit dem verstellten Frontfokus scharf gewesen wären. Tja, wie bringt man das dem Züchter bei: Shooting vorbei, die Welpen aus dem Haus und auf den Fotos sind statt der Hunde die Grashalme knackscharf.


Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung

-> Wen oder was würdest Du gerne einmal fotografieren und warum?

Da habe ich keine speziellen Wünsche. Jedes Tier hat eine Seele. Jedes Tier ist auf seine Art schön und einzigartig. Einen tollen Hengst mit zwei Meter langer Mähne bei Sonne am Strand in Spanien zu fotografieren - das ist keine Herausforderung.

Aber wenn es gelingt, das braune Pony mit Stehmähne auf der Koppel des ländlichen Reitvereins in Brandenburg dazu zu begeistern, seine schönsten Hopser vorzuführen und davon Aufnahmen zu machen, die der Besitzerin die Tränen in die Augen treiben, dann bin ich zufrieden.



-> Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie? Wohin geht die Reise?

Ich möchte mir keine Zeit nehmen, mir darüber Gedanken zu machen - das mag falsch sein - aber ich will es irgendwie auch gar nicht wissen...


Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung

-> Dein Tipp für alle, die sich fotografisch weiter entwickeln wollen?

Hinsehen. Zeit nehmen. Nicht knipsen, sondern mit Herz fotografieren.

Kathrin, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast und alles Gute für Dich, Deine Familie und Deine Fotografie!


(Die Interviewfragen stellten Henning Wüst und Petra Fuelbert)

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Im Fokus: Fotograf Michael Kirchner

Michael "Omori" Kirchner lebt als Fotograf in Heidelberg und bloggt im FOTOGRAFR - Magazin für Fotografie.

Mit Michael verbindet mich etwas ganz besonderes, ist er doch in Heidelberg beheimatet und tätig. In der Stadt, in der ich meine Jugend verbracht habe. Also „Bühne frei“ für Michael, der neben seinem Händchen für erstklassige Fotos auch noch eine weitere grosse Stärke hat: Er ist ein sehr sympathischer Mensch und es macht ausgesprochen Freude, mit ihm zusammen zu arbeiten!


- Michael Kirchner -


-> Michael, wie bist Du zur Fotografie gekommen?


Als ich mit der Fotografie angefangen habe, hat es mir sehr geholfen, mich mit anderen Interessierten auszutauschen. Feedback und Diskussionen in einer Fotogruppe sind durch keine Internet-Community zu ersetzen. Sowohl in meiner Heimatstadt Hildesheim, als auch in Heidelberg, wo ich jetzt wohne, habe ich mich durch die Teilnahme an solchen Gruppen nicht nur fotografisch weitentwickeln können, sondern habe auch gute Freunde gefunden. Und ich bin Fotografen wie dem Heidelberger Fotokünstler Johannes Kornfeld sehr dankbar, weil er mich in seinem Atelier in die Grundzüge der Studiofotografie eingeweiht hat.

-> Auf was bist Du spezialisiert?

Auf der einen Seite biete ich People- und Werbefotografie für Firmen an, auf der anderen Seite Beauty- und Aktfotografie für Privatpersonen. Das verbindende Element ist, dass bei mir eigentlich (fast) immer Personen vor der Kamera stehen.

Im Fokus: Fotograf Michael Kirchner
- copyright Michael Kirchner -


-> Fotografieren für Dich: Job, Handwerk, innerlicher Bezug?

Fotografieren ist eine Leidenschaft. Wobei es mir nicht so sehr um den technischen Aspekt dabei geht, sondern um die Arbeit mit Menschen. Ich finde es spannend, mit Leuten zu arbeiten, die vielleicht das erste mal vor der Kamera stehen und ein wenig nervös sind. Oder mitzuerleben, wie ein Newcomer-Model von Shooting zu Shooting sicherer wird und an Selbstvertrauen gewinnt.

-> Dein grösstes fotografisches Vorbild, und warum?

Große Vorbilder habe ich eigentlich nicht. Es sind eher einzelne Eigenschaften, die mich an bestimmten Fotografen beeindrucken. Bei Jim Rakete ist es zum Beispiel die Art, bescheiden und unspektakulär, trotzdem aber mit Leidenschaft und Hingabe an seiner Fotografie zu arbeiten.

-> Was war Dein bestes, was Dein schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?

Gute Erlebnisse gibt es glücklicherweise recht viele. Wenn zum Beispiel ein brasilianischer Fußballspieler über das ganze Gesicht strahlt, weil ich im Studio extra für ihn brasilianische Sambamusik besorgt habe. Oder wenn mir eine Kundin stolz berichtet, wie gut ihrem Freund die Beautyfotos gefallen, die sie in meinen Studio gemacht hat.

Ein richtig schlimmes Erlebnis steht mir erst noch bevor. Manchmal male ich mir aus, was passiert, wenn nach einem unwiederholbaren Shooting die Speicherkarte nicht mehr lesbar ist oder alle Fotos unscharf oder sonstwie technisch nicht in Ordnung sind. Bisher ist aber alles gut gegangen.


-> Wen oder was würdest Du gerne einmal fotografieren und warum?

Da gibt es eigentlich keine konkreten Wünsche. Oder ich kann auch sagen: Es ist ganz gut so, wie es jetzt läuft. Besonders viel Spaß macht mir ein Shooting immer, wenn der Mensch vor der Kamera mit derselben Begeisterung an ein Shooting herangeht wie ich. Wenn er eigene Ideen einbringt und die Arbeit vor der Kamera genießt. Mein Ziel ist, in Zukunft noch mehr mit Leuten zu arbeiten, die eine grofle Kamerapräsenz haben, also zum Beispiel mit Schauspielern oder Musikern.

Im Fokus: Fotograf Michael Kirchner
- copyright Michael Kirchner -


-> Eine ganz persönliche Frage, die bestimmt viele Leser interessiert: Wofür steht eigentlich „omori“?

Der Name "Omori" ist ein japanischer Eigenname, den ich vor über 10 Jahren bei einem Aufenthalt in Tokyo aufgeschnappt habe. Seit dieser Zeit verwende ich ihn als Pseudonym und als Name für mein Fotostudio. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Kunden und Fotografenkollegen eher an den Namen "Omori" erinnern als an meinen bürgerlichen Namen, vielleicht weil er so ungewöhnlich klingt.


-> Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie? Wohin geht die Reise?

Im Amateurbereich gibt es bereits heute ein Inflation von Fotos. Durch die technische Entwicklung bei den Mobiltelefonen ist eine Kamera immer und überall verfügbar. Viele der so entstehenden Fotos werden aber nie als Foto gedruckt und landen als Datenleiche auf irgendeiner Festplatte. Vielleicht ist die Unzufriedenheit mit dieser Situation der Grund dafür, dass viele Amateure zurück zu Fine Art Print oder der analogen Fotografie finden.

In der Berufsfotografie reicht es heute nicht mehr, wie vielleicht vor einigen Jahren noch, sich über die Technik definieren. Technik und Know How stehen heutzutage jedem interessierten Laien zur Verfügung. Was sich aber nicht so leicht erwerben lässt, sind Erfahrung, Kreativität und die Fähigkeit, Menschen vor der Kamera so zu führen, dass eindrucksvolle Fotos entstehen. Daher werden gute Fotografen (wie beispielsweise Jim Rakete) immer gefragt sein.


-> Dein Tipp für alle, die sich fotografisch weiter entwickeln wollen?

Nicht einfach losgehen, eine Kamera dabei haben und hoffen, dass einem das richtige Motiv schon über den Weg laufen wird. Sondern mit einer ganz klaren Idee und einem Konzept beginnen und dieses dann umsetzen.


Michael, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast!

(Die Interviewfragen stellten Henning Wüst und Petra Fuelbert)

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Im Fokus: Fotograf Klaus Schroff

Es ist wieder an der Zeit, einen Fotograf in unserer Rubrik „Im Fokus“ vorzustellen. In dieser Folge interviewen wir Klaus Schroff, der am schönen Bodensee sein Studio hat.

Klaus Schroff beschäftigt sich nun schon seit über 25 Jahren mit der Fotografie in den verschiedensten Bereichen. Seit über 10 Jahren liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit in der sensiblen Fotografie von und mit Menschen.

Das Zusammenspiel zwischen Akteur und dem Fotografen, sowie dessen Einfühlungsvermögen sind der Schlüssel zum Einfangen wichtiger und einmaliger Momente. Landschafts-, Detailaufnahmen und kreative Bildbearbeitungen mit durchaus unkonventionellen Sichtweisen komplettieren das breite Spektrum seiner Arbeit.

Ausstellungen:

2006 Gemeinschaftsausstellung mit anderen Fotografen über die Basilika in Rankweil (A)
2010 Einzelausstellung “Gesichter der Mettnau” in Radolfzell (D) mit Landschaftsimpressionen der Halbinsel Mettnau
2010 Einzelausstellung „Musik was my first Love“ in Konstanz (D) mit musikalischen Fotografien
2011 Einzelausstellung "Fotos mal anders" in Singen (D) mit kreativen Bildbearbeitungen

Wer durch das Interview und die Bilder neugierig wird, findet mehr Bilder und Informationen hier:

- Schroffe-Bilder
- Hochzeitsfotograf am Bodensee
- Klaus Schroff auf Facebook

Im Fokus: Fotograf Klaus Schroff
- Klaus Schroff -

-> Klaus, wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Über meinen Vater. Schon von klein auf habe ich meine Umwelt genau wie er mit der Kamera erkundet und dokumentiert. An der Faszination daran hat sich bis heute nicht geändert.

-> Auf was bist Du spezialisiert?

Auf die sensible Fotografie von und mit Menschen. Dieses Thema ist unglaublich vielschichtig. Jeder Mensch ist anders und möchte das natürlich auch auf dem Foto sein.
Es macht einfach Spass, sich dieser Herausforderung bei jedem Shooting zu stellen. Der "gute Draht" zwischen Akteur und Fotograf ist für mich dabei sehr wichtig für ein gutes Bild - sei es Hochzeit, Konzert oder Portrait. 


-> Fotografieren für Dich: Job, Handwerk, innerlicher Bezug?

Ein Job der handwerkliches Arbeiten und innerlichen Bezug erfordert. Fotografieren ist für mich der perfekte Mix zwischen Emotion, Aufregung, Adrenalin, Erholung und Entspannung. 

Fotograf Klaus Schroff
- copyright Klaus Schroff -


-> Dein grösstes fotografisches Vorbild, und warum?

Hmm, ich habe eigentlich gar kein spezielles Vorbild. Ich hatte noch nie das Bedürfnis, den Stil von einem anderen Fotografen zu kopieren, das Bild auf diese Art gibt es ja schon. Eine ander Sicht der Dinge gibt es geben nur aus einer anderen Sicht auf das Motiv. Ich schaue mir aber immer gerne Fotos an und nehme  so natürlich viele Inspirationen auf.

-> Was war Dein bestes, was Dein schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?

Das Beste ist jedesmal wenn der Kunde bei den Bildern lächelt und sagt: "ja, das bin ich".
Das Schlimmste ist versagende Technik.


-> Wen oder was würdest Du gerne einmal fotografieren und warum?

Eine Idee die schon lange in mir brodelt ist ein Buchprojekt mit geistig und körperlich behinderten Menschen bei ihrem Spass am und mit dem Leben. 

-> Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie? Wohin geht die Reise?

Prognosen sind immer etwas schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. :) 

Eigentlich sehe ich die Zukunft der Fotografie sehr entspannt. Die technische Entwicklung ist eher eine Konsumentwicklung. Höher, schneller, weiter. Es ist hip geworden, eine Kamera zu haben und noch hipper, sie gleich durch das Nachfolgemodell auszutauschen.

Trotz der unglaublichen Menge der Auslösungen jeden Tag hat sich die Menge der "guten" Fotos auf der Welt nicht wirklich signifikant erhöht.

Ein Fotograf konnte gestern ein gutes Bild machen, kann es heute und wird es morgen auch können. Fernab jedes Technikhypes und ganz egal mit was für einem Gerät. Außerdem merke ich bei meinen Kunden, dass der Wunsch nach Fotos, die auch im Kopf bleiben durch die große Menge der Knipsbilder eher größer statt kleiner wird - und das ist  ja eine wünschenswerte Entwicklung.


-> Dein Tipp für alle, die sich fotografisch weiter entwickeln wollen?

Mache das was Dir gefällt, stehe zu einer Arbeit, beschränke Dich auf das Wesentliche, näher ran. Eine neue Kamera macht keine besseren Bilder. Und natürlich üben, üben, üben.

Klaus, danke dass Du Dir die Zeit genommen hast!

(Die Interviewfragen stellten Henning Wüst und Petra Fuelbert)


Fotograf Klaus Schroff
- copyright Klaus Schroff -

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Im Fokus: Fotograf Michael Schilling

Es ist wieder an der Zeit für ein Fotografen-Portrait. Vor einiger Zeit lernten wir, u.a. via Facebook, Michael Schilling kennen und schätzen.

Michael Schilling (43) ist bundesweit als Portrait- und Hochzeitsfotograf tätig. Und Michael fotografiert nicht nur brilliant, sondern ist dazu noch ein äusserst netter, umgänglicher und sympathischer Mensch. Wenn wir nochmals heiraten würden, wäre Michael unser Hochzeitsfotograf.

Wer mehr über den Düsseldorfer Fotografen erfahren möchte, der kann sich per Facebook, Twitter oder XING informieren und mit ihm Kontakt aufnehmen. Telefonisch ist er unter +49 211 22 96 69 08 zu erreichen.



-> Michael, wie bist Du zur Fotografie gekommen?


Lassen wir mal aus, dass ich als Kind Feuerwehrmann werde wollte. (lacht). Als Jugendlicher wurde mir klar, dass mein berufliches Leben mit Medien zu tun haben soll. Und so schnupperte ich in verschiedene Berufe herein: Schülerpraktikum als Tontechniker, Reporter und Fotojournalist für eine Tageszeitung und Redakteur beim Hörfunk. Heute bin ich sehr froh, dass ich durch Praktika und freie Mitarbeit meinen Traumberuf finden durfte: die Fotografie.



-> Auf was bist Du spezialisiert?


Nun, ich arbeite zweigleisig, als Fotograf und als Fotojournalist. Beide Bereiche sollte man sauber voneinander trennen, denn im Journalismus dokumentiert man, während der Fotograf seiner Kreativität auch in der Nachbearbeitung freien Lauf lassen darf.

Am häufigsten werde ich als Hochzeitsfotograf gebucht. Ferner stehen Portrait- und Imagefotos z.B. für Firmenbroschüren oder zur Online-Verwendung auf dem Programm. Für Sportler und Künstler fertige ich Fotos für Autogrammkarten, CD-Cover und Pressematerial an.

Als Fotojournalist lichte ich Prominente für Zeitschriften und Pressebildagenturen ab. Das können Bilder für ein Homestory sein, aber auch von Filmpremieren, Preisverleihungen, Charity- und Galaveranstaltungen. Zu vielen Promis und deren Managern pflege ich ein freundschaftliches Verhältnis, so dass sie mich oftmals auch für Studioshootings anfragen.



Nena in concert © 2011 by Fotograf Michael Schilling
- Nena in concert © 2011 by Fotograf Michael Schilling -


-> Fotografieren für Dich: Job, Handwerk, innerlicher Bezug?

Ein Handwerk ist Fotografie sicherlich nur für die Handwerkskammern. Vielleicht mache ich auch etwas falsch und sollte beim Fotografieren einen Blaumann tragen. (lacht). Mit der Bezeichnung Job kann ich mich auch nicht so recht anfreunden. Für mich ist Fotografie eine Profession, eine Berufung. Das klingt vielleicht etwas hoch gegriffen, aber wenn man nicht aus Leidenschaft zur Kamera greift, dann wird man nur durchschnittlich bleiben.



-> Dein grösstes fotografisches Vorbild, und warum?


Auch wenn ich viele Leser an dieser Stelle enttäuschen werde, aber ich habe keine Vorbilder. Seien wir doch mal ganz ehrlich: Nach welchen Kriterien werden wir gebucht? Man präsentiert seine Mappe und wenn die Bilder dem Kunden gefallen, dann gibt es einen Auftrag. Dem Kunden müssen die Bilder gefallen, nicht unbedingt dem Fotografen oder einem Kunst-Professor.



-> Was war Dein bestes, was Dein schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?


Das schlimmste Erlebnis war für mich, als Mensch mit Höhenangst, in rund 15 Meter Höhe auf einem schmalen Brett stehen zu müssen, um ein Motiv aus der gewünschten Perspektive fotografieren zu können. Das hat sich auch ganz spontan vor Ort erst so ergeben, sonst hätte ich Zeit zur Vorbereitung gehabt und sicherlich eine andere Option gefunden.

Die besten Erlebnisse sind natürlich die Kunden, die ein wow über die Lippen bringen, wenn sie die Bilder sehen. Das sind auch jene, die einen an jeden Bekannten und Kollegen weiterempfehlen. Und das ist das beste Marketing, welches man betreiben kann.




-> Wen oder was würdest Du gerne einmal fotografieren und warum?


Die Toten Hosen. Auf der letzten Tournee stand ich fünf Mal in der ersten Reihe. Doch auch wer nur ein einziges Konzert der Hose gesehen hat, der wird deren Show nie vergessen. Erinnern wir uns nur mal an Rock am Ring: Campino klettert mit Gipsbein auf das Dach über der Bühne, stürzt beinahe ab, zündet oben ein bengalisches Feuer und während all dem, sing der Kerl auch noch weiter. Das ist der pure Wahnsinn! Auf einer Tournee im Graben stehen zu dürfen und die Show in Bilder festhalten zu dürfen, dies wäre mein größter Wunsch. Vielleicht lesen die Hosen das ja oder die Jungs von ihrem Lable JKP. (lacht).



-> Wir lesen gerne Deinen Status auf Facebook. Du hast oft ziemlichen Stress. Wie gehst Du damit um?


Stress kommt bei mir nur auf, wenn ich fotojournalistisch arbeite. Die Veranstaltungen finden meist alle abends statt und gehen inklusive Aftershow-Party nicht selten bis in die frühen Morgenstunden. Im Klartext bedeutet dies: Bereits während des Fotografierens eine
Bildauswahl treffen, diese zwischendurch beschriften und per UMTS auf den Server schicken. Da kann man bei größeren Veranstaltungen schon einmal ins Rotieren kommen, zumal man, auch wenn man gerade auf den Laptop blickt, kein Motiv verpassen sollte. Jeden Tag möchte ich mir diesen Stress nicht antun, aber im Großraum Köln finden ja auch nicht so viele hochwertigen Promi-Veranstaltungen statt.

Das Fotografieren von Hochzeiten oder die Arbeit im Studio sind da für mich der optimale Ausgleich.



Madlen Kaniuth © 2011 by Fotograf Michael Schilling
- Madlen Kaniuth © 2011 by Fotograf Michael Schilling -



-> Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie? Wohin geht die Reise?


Im Zeitschriften-Segment geht der Trend hin zum Bewegtbild, obwohl ich das nur für einen reinen Hype halte. Es ist etwas völlig neues, wenn man eine Zeitschrift aufschlägt und statt eines Fotos tatsächlich einen kurzen Videoclip zu sehen bekommt. Technisch ist das bereits
möglich, wohl aber noch zu kostenintensiv.

Mit jeder neueren Kamera kann man bereits in HD-Qualität Videos aufzeichnen. Es wurde ja sogar bereits mit einer DSLR eine komplette Folge der TV-Serie "Dr. House" gedreht. Nur mit Kamera und Stativ, also ohne spezielles Filmzubehör, sollte man allerdings nicht zu hohe Erwartungen an eigene Aufnahmen stellen.

Allerdings kann sich eine solche Funktion auch nachteilig auf Fotojournalisten auswirken, besonders auf Sportveranstaltungen. Während der Olympischen Spiele sollen nur Kameras ohne Videofunktionen zugelassen gewesen sein, da zum Filmen ja ganz andere Rechte benötigt werden. So etwas könnte natürlich jederzeit auch für die Fußball-Bundesliga gelten.

Digitale Spiegelreflexkameras werden in den nächsten Jahren mit einer völlig neuartigen Sensortechnologie auf den Markt kommen, die gar nicht mehr rauschen. Dadurch werden sich wiederum neue Möglichkeiten ergeben. Doch schauen wir nicht zu weit in die Zukunft, lassen uns nicht vom Megapixel-Wahn blenden und machen einfach das Beste, was mit
derzeitigem Equipment möglich ist.




-> Dein Tipp für alle, die sich fotografisch weiter entwickeln wollen?


Man muss mit offenen Augen durch die Welt gehen, oftmals die Wege verlassen und auch mal bereit sein, sich in den Matsch zu legen, um ein gutes Bild zu machen.

Fotografieren darf nichts mit Bequemlichkeit und Komfort zu tun haben. Im Mittelpunkt muss immer das Bild stehen. Bevor man ein Objekt fotografiert, sollte man mindestens einmal rund herum gegangen sein, um überhaupt beurteilen zu können, aus welcher Position aus einem Bild ein besonderes Bild werden könnte.

Wer unter schwierigen Verhältnissen, wie Blitzen bei Mischlicht, technisch perfekte Bilder schießen kann, der wird auch unter optimalen Bedingungen im Studio keine Probleme haben. RAW bietet die optimale Bildqualität, aber es ist keine Ausrede für schlampige Arbeit. "Das kann ich ja noch in Photoshop machen" - stimmt, aber nur zum Teil und
bei wenigen Bildern, da Zeit eben auch Geld ist.



Michael, danke dass Du Dir die Zeit genommen hast!

(Die Interviewfragen stellten Henning Wüst und Petra Fuelbert)


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Im Fokus: Phil Porter

Mit der neuen Serie “Im Fokus” stellen wir Ihnen hoffnungsvolle und begabte Fotografen vor. Fotografen und Bildkünstler, die noch (!) nicht im grossen öffentlichen Fokus stehen, das aber wahrscheinlich bald sein werden.

Und los geht es mit Phil Porter: Hinter dem Pseudonym Phil Porter verbirgt sich ein 22 Jahre alter deutscher Nachwuchskünster, der sich der Malerei und der Fotografie verschrieben hat. Er ist auch der Begründer der Bewegung “Avantgarde Noire”.


- „Phil Porter“ © 2010 by Phil Porter -

Uns interessiert natürlich besonders Phils Fotografie. Auf den ersten Blick wandelt er in den Spuren der klassischen Street Photography. Seine Bilder laden zum Verweilen ein und haben durchweg sehr starke Aussagekraft. 

Phils Homepage und sein Photoblog unter der Adresse http://www.phil-porter.de sind definitiv einen Blick wert und wir haben uns den Link bereits gleich nach der ersten Sichtung gebookmarkt.

Auf Facebook ist Phil zu finden unter http://www.facebook.com/avantgardenoire und auf Twitter unter http://www.twitter.com/PhilPorterDe.

Phil war auf Nachfrage freundlicherweise bereit, uns einige Fragen rund um seine Fotografie zu beantworten. 

-> Phil, wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Genau genommen gab es keinen Zeitpunkt an dem mir eine innere Stimme sagte: "Du sollst fotografieren, Phil." Ich hab immer schon Spaß an der Fotografie gehabt - Sei es nun analog oder digital. Doch richtig bewusst und nach den Maßstäben der eigenen ästhetischen Wahrnehmung zu arbeiten mach ich seit ungefähr 2 Jahren.

old fashioned tour by phil porter
- OLD FASHIONED TOUR -
© 2010 by Phil Porter


-> Warum nur schwarz/weiss?

Fotografien spiegeln immer die Vergangenheit wieder. Eine Momentaufnahme. Einmalig. Etwas vergängliches wird plötzlich unvergänglich. Ich halte schwarzweiß schlichtweg für das einzig richtige Stilmittel für meine Bilder, weil alles andere "Jetzt" ist. Doch ein Foto ist Vergangenheit. Ein weiterer Aspekt meiner Vorliebe für Schwarzweißfotografie ist die Abhebung vom Alltag. Wir werden heute überflutet von Farben. Wenn ich ein Foto als solches Begreifen möchte, muss es sich vom Bekannten radikal abheben. Und da wir in "Farbe sehen" ist Schwarzweiß das krasseste Gegenteil. Diese Bildsprache schafft Aufmerksamkeit und Ruhe in einem.

-> Was war Dein bestes, was Dein schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?

Hm. Auch hier gibt es eigentlich keinen eigentlichen Moment. Ich freue mich immer, wenn ich etwas zeigen kann, auf das man sonst nicht achtet. Die kleinen Freuden des Lebens. Die gibt es auch beim Menschen. Sobald ein Mensch ungestellt vor der Kamera agiert entsteht etwas magisches. Es vermittelt ein Gefühl wie "Ah, da ist ja noch jemand der auch so ist wie ich." Das schlimmste Erlebnis war für mich, als meine Kamera heruntergefallen ist. Aber sie tut's ja noch.

Freimarkt Bremen by Phil Porter
- FREIMARKT BREMEN -
© 2010 by Phil Porter


-> Wen oder was würdest Du gerne einmal fotografieren und warum?

Ich würde und werde sicherlich alsbald mit meiner Kamera und einem Rucksack ohne Plan 5 Tage durch Berlin gehen. Mal sehen wohin mich die Reise führt und was ich erlebe. Im kleinen Stil unternehme ich diese Reisen ins Ungewissen immer mal wieder - doch so richtig groß und über mehrere Tage hinweg: Das wär was!

-> Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie? Wohin geht die Reise?

Wohin? Jeder hat heute eine Kamera! Und in der Zukunft hat vielleicht jeder gleich hunderte davon: Eine im Rasierer, eine im Handy, eine im Laptop, eine im Fernseher. Zwei an der Tür. Zwölf auf dem Dach... Da sollte man mit bedacht wählen, wann man ein Foto knipst und warum man eigentlich fotografiert. Ich finde es unsäglich wenn auf Konzerten 10.000 Handykameras aktiv werden. Am Ende sieht man auf den wenigsten Handys Fotos, auf denen man auch was erkennen kann. Meistens bleiben sie dann in irgendeinem Ordner verschollen und belegen Speicherplatz. Das schlimme daran ist: Manche knipsen soviel, dass sie vom eigentlichen Konzert nichts mehr mitbekommen - und am Ende auch keine Erinnerung mehr haben, weil sie auf den Fotos nichts erkennen. ;)

Freimarkt Bremen by Phil Porter
- FREIMARKT BREMEN -
© 2010 by Phil Porter


-> Dein Tipp für alle, die sich fotografisch weiter entwickeln wollen?

Geht immer dort entlang, wo ihr nicht entlang gehen würdet. Ihr macht so nicht nur die schönsten Fotos sondern lernt auch das Leben richtig kennen.

Danke für das Interview und alles gute für Dich und Deine Kunst!

(Die Interviewfragen stellten Henning Wüst und Petra Fuelbert)



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