Das neue HEIF Bildformat in iOS 11 - die unbemerkte Revolution [UPDATE 2017-06-23]

Vor einigen Tagen (genau am 5. Juni) hat Apple auf der WWDC die Details zum kommenden iOS 11 öffentlich bekannt gegeben. IOS 11 soll im Herbst erscheinen und bringt allerlei Veränderungen und Verbesserungen „unter Haube“. Daneben wurde der Öffentlichkeit auch ein Detail vorgestellt, dass zu grossen Veränderungen im gesamten Bild- und Fotomarkt führen wird. Es geht um das neue Dateiformat für Fotos und Videos. Es hört auf den Namen HEIF (der enthaltene Video-Codec hat den Namen HEVC) und ist relativ neu.

Die scheinbar nebensächliche Änderung, die bislang auch noch kein besonderes mediales Echo gefunden hat, gibt Anlass zur Frage was uns das neue HEIF Format mittelfristig bescheren könnte.


Zuerst einige Fakten

HEIF steht für „High Efficiency Image File Format“ und wurde 2015 von der MPEG-Group präsentiert.

Die technischen Daten und- vor allem die erzielbare Kompressionsrate - sind solide. Die „coding performance“ liegt bei Bildern im Schnitt bei 2,39 wohingegen das altbewährte JPEG gerade mal 1.66 erzielt. Bei gleicher Qualität haben die im HEIF Format gespeicherten Bilder also im Schnitt nur 50-60% der Dateigrösse von vergleichbaren JPEGs. Die auf der offiziellen Homepage von HEIF verfügbaren Beispiele sind schlicht beeindruckend. Wir halten allerdings fest: HEIF ist - wie JPEG - kompressionsbedingt verlustbehaftet (dazu später mehr).

Technisch gibt es also nichts zu meckern; im Gegenteil. Die Probleme liegen an anderen Stellen.


Ein kleiner Ausblick in die Zukunft

Mit iOS 11 wird Apple das neue Format auf allen Geräten, die mindestens über einen A9 Prozessor verfügen, einführen. Im Klartext: Ab einem iPhone 7 wird HEIF künftig die Standardvorgabe sein. In der iOS11-Betaversion der nativen Photo-App kann diese Einstellung zwar auf „Kompatibel“ (d.h. JPEG) geändert werden, aber Hand aufs Herz: Nur wenige Anwender werden überhaupt so weit in die Voreinstellungen vordringen. Und damit wird eine Lawine in Gang gesetzt, die zu erdrutschartigen Veränderungen führen wird.


Wie wird Apples Strategie aussehen?

Wir kennen die bewährte Strategie von Apple. Es werden Fakten geschaffen. Was Apple für gut, richtig und zukunftsweisend hält, wird implementiert. Alte und bisherige Standards werden dabei gerne radikal „über den Haufen geworfen“. Und Rückzieher sind nicht vorgesehen. Wenn Apple also ein neues Bildformat einführt wird damit klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, dass das der künftige Standard sein wird. Punkt.

Natürlich wird es einen auf relativ kurze Zeit befristeten Übergang geben, in dem auch das alte JPEG Format noch unterstützt wird. Auf künftigen Gerätegenerationen wird es aber bald ausschliesslich noch HEIF geben und das gesamte Ökosystem von Apple wird binnen ca. drei bis fünf Jahren auf HEIF umgestellt. Ich gehe davon aus, dass Apple auch die Marktmacht hat, dem Markt einen Systemwandel in Sachen Bildformat aufzuzwingen. In einigen Jahren wird das HEIF Format alle digitalen Systeme und Plattformen als neuen Standard dominieren.

Wer bei JPEG bleiben möchte wäre dann mittelfristig darauf angewiesen, mit alten Geräten und alten iOS Versionen weiter zu arbeiten. Da Apple aber keine Sicherheitsupdates mehr für ältere iOS Versionen bereit stellt, wird ein zusätzlicher Zwang zum Upgrade auf neue Geräte- und Systemversionen ausgeübt. Diese unterstützen dann freilich bald nur noch das neue Format.

Nebenbei: Inwieweit das neue Bildformat von „alten Apps“ verarbeitet werden kann, ist derzeit noch offen. Da die meisten Apps die vom iOS bereit gestellten Bildformate lesen und schreiben können ist es gut denkbar, dass JPEGs über im Betriebssystem vorhandene Bibliotheken für eine Übergangszeit weiterhin geöffnet und gespeichert werden können. Wahrscheinlicher ist es, dass JPEG Bilder zwar geöffnet, dann aber nur im neuen Format wieder gespeichert werden können. Grössere Softwareschmieden werden ihre Apps zeitnah auf den nativen Support des neuen Formates umstellen; kleinere Softwareschmieden könnten damit grössere Schwierigkeiten haben (oder möglicherweise dann eben einfach keine Updates mehr zur Verfügung stellen).


Wie verhält es sich nun mit JPEG?

Das gute alte JPEG Format gibt es nun schon bereits seit 25 Jahren. Es hat sich als Standard durchgesetzt und wird von Computern, Betriebssystemen und Kameras im Prinzip aller Hersteller verwendet. Billionen von Bildern sind weltweit in diesem Format gespeichert und archiviert. Ich will hier bewusst nicht die Diskussion „RAW vs JPEG“ lostreten. In den Bilddatenbanken - gleich ob privat oder bei kommerziellen Anbietern - werden die Endergebnisse jedenfalls in aller Regel im JPEG Format gespeichert. Der Zeitraum innerhalb dessen sich JPEG als Standard etabliert hat entspricht ungefähr der Epoche der Digitalfotografie und des neuen „digitalen Zeitalters“. Fotoamateure wie Profis, die gesamte Archiv- und Stockfotowelt, beinahe alle Homepages im WWW, Grafiker, Designer, usw., sind auf JPEG „geeicht“.


JPEG als schützenswertes Kulturgut

Damit ist JPEG - ähnlich wie andere Kulturgüter - eigentlich bereits deswegen schützenswert, weil es beinahe die gesamte Bilderinnerung des bisherigen digitalen Zeitalters des letzten Vierteljahrhunderts enthält und darstellt (im eigentlichen Wortsinn). Um es deutlich zu machen: Wir reden hier über das digitale Bildgedächtnis der Epoche, in der wir die bewegendsten Veränderungen der Menschheitsgeschichte erlebt haben.

Findet nun ein Wechsel zu einem neuen Standardformat (HEIF) innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne statt, droht der Verlust eines erheblichen Teils unseres kulturellen Erbes sowie der Dokumentation der Neuzeit. Damit meine ich natürlich nicht Millionen von Katzenbildern auf Facebook, sondern Bilder, die einen Einblick in das wahre Leben zeigen. Der grösste Teil des digitalen Bildergedächtnisses wird derzeit im WWW publiziert. Wie lange künftige Browserversionen das bald veraltete JPEG Format noch unterstützen werden, steht in den Sternen.

Denn das Problem, dem wir bald begegnen könnten besteht darin, dass es keine Möglichkeit mehr geben könnte, JPEGs zu öffnen und zu bearbeiten. Die Situation könnte vergleichbar mit der älterer digitaler Datenträger werden. In meinen Schränken türmen sich - meist aus nostalgischen Anwandlungen - alte Disketten, Backupbänder, ZIP-Disks und vieles mehr. Zugegeben, alte Floppydisks geben wunderbare Kaffeetassenuntersetzer ab. Die auf ihnen enthaltenen Daten sind aber mit realistischem Aufwand nicht mehr wiederherstellbar. Könnte es sich mit Bildern im JPEG Format in einigen Jahren genauso verhalten?


Geplante Obsoleszenz?

Ein Wandel im Bildformat beinhaltet auch eine besonders perfide Form der geplanten Obsoleszenz, denn die Anwender, die den „Anschluss nicht verlieren wollen“, werden zum Umstieg auf neue Systeme gezwungen. Für ältere Systeme wird es bald keine Updates mehr geben, die eine Bearbeitung des neuen Formates ermöglichen. Spiegelbildlich wird es auf neuen Systemen immer schwerer werden, das alte JPEG Format zu bearbeiten. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass das alte „Format der digitalen Erinnerung“ - sprich JPEG - fest in allen künftigen Betriebssystemen „verdrahtet“ wird.

Eine kurze Recherche im Internet ergibt, dass es derzeit noch keine Desktop-Bildbearbeitungssoftware gibt, die das neue HEIF Format unterstützt. Die Nachrüstung dürfte für die meisten Plugin-basierten Systeme kein Problem sein. Aber die Hersteller werden das nur für die aktuellen Programmversionen anbieten, denn schliesslich sollen die Anwender ja zum Kauf von Upgrades animiert werden.

Sicher, es wird in der Umstellungsphase Batch-Conversion-Tools geben (vielleicht sogar eine automatische Umwandlung in der Cloud), mit denen eine Fülle von Bildern „in einem Rutsch“ in das neue Format konvertiert werden können.

Da dabei allerdings von einem verlustbehafteten Format in ein anderes verlustbehaftetes Format konvertiert wird, wird die Bildqualität in jedem Fall darunter leiden. Bestimmt wird es auch webbasierte Umwandlungstools geben, von denen ich allerdings aus prinzipiellen Gründen abraten würde (oder wollen Sie Ihr gesamtes Bildarchiv irgendwelchen dubiosen Seitenbetreibern zur Verfügung stellen?).


Bitte keine Missverständnisse

Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin kein Technikfeind oder ein Feind des Fortschritts an und für sich. Die reine Qualität des neuen Formates ist - soweit es sich aus den technischen Beschreibungen und den zur Verfügung gestellten Beispielen beurteilen lässt - beeindruckend. Der Gedanke, dass die vorhandenen Speicherkapazitäten mit doppelt so vielen Bildern gefüllt werden könnten, ist eine grosse Versuchung. Stromverbrauch und Umwelt würden auch einen Benefit haben.

Meine Kritik richtet sich vielmehr gegen die radikale Veränderung (oder gar Zerstörung) ganzer Ökosysteme im Bereich der Fotografie. Die fotografische Infrastruktur und der fotografische Workflow werden sich an vielen Punkten grundlegend ändern. Ich bin gespannt, wann die ersten Kamerahersteller das neue HEIF Format als Bildformat anbieten werden. Um das wieder in den Zusammenhang mit der geplanten Obsoleszenz zu stellen: Könnte es sein, dass bald Millionen funktionstüchtiger Kameras nur deswegen auf dem Elektronikschrott landen, weil sie kein „in-camera-HEIF“ anbieten?


Philosophischer Ausblick

Wehmütig denken wir an Omas „Fotokarton“ mit einer Fülle von Abzügen aus mehreren Jahrzehnten zurück. Vielleicht mag die bevorstehende Bildformatrevolution für mitdenkende Zeitgenossen ein Anlass sein, wieder mehr analog zu denken und zu fotografieren?


UPDATE 2017-06-23 - Das Problembewusstsein wächst

1. Auf Pyrolim.de ist ein sehr schöner Artikel zum Thema erschienen, der zum Nachdenken anregt.

2. Auch Kwerfeldein.de hat das Thema aufgegriffen und meinen Artikel als Gastbeitrag veröffentlicht.

3. Meine Nachfragen bei verschiedenen Softwareschmieden waren ernüchternd. Die allermeisten haben das Problem schlicht noch nicht auf dem Schirm, zeigten sich aber äusserst interessiert. In einer Antwort wurde darauf hingewiesen, dass HEIF ein "sehr kompliziertes" Format sei.

4. Auch juristisch kommen Zweifel am neuen Codec auf, denn es scheinen Patente im Spiel zu sein die bei einer kommerziellen Verwendung dazu führen können, dass Lizenzgebühren anfallen.

5. Lichtschein am Horizont: Die aktuelle Beta des GraphicConverter vom 2017-06-22 unterstützt HEIF ab Mac OS 10.13.


das_neue_heif_format
Screenshot von der offiziellen HEIF-Homepage
(hier im guten alten JPEG Format dargestellt und gespeichert)

Praxistipp - Worauf Sie achten sollten, wenn Sie Ihren Urlaub in Lappland buchen

Traumurlaub in Lappland? Da gibt es aber ein paar Sachen, an die Sie vor einer Buchung denken sollten!

Ich muss mir einfach mal mein Unverständnis und meine Schockstarre von der Seele schreiben. Das vor allem, um alle (potentiellen) Lapplandurlauber vor unseriösen Anbietern (die es leider mehr als genug gibt) zu warnen.

Die Woche war ich wieder einmal auf einer Tagung in einem Hotel in Norrbotten. Bei solchen Besuchen habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, alle vor Ort verfügbaren Broschüren und Infoflyer duchzusehen. Es gibt ja immer noch etwas dazu zu lernen. Was ich da allerdings gefunden habe, übertrifft wieder einmal alles Vorstellbare. Die langjährige Tätigkeit als Jurist und Unternehmensberater hat mich für manche Problemkreise überdeutlich sensibilisiert.

Worum es geht:

Ein kleiner Flyer (mit grausigem Layout und vielen Typofehlern) hat mir verraten: Wieder sind einige Mitteleuropäer in Lappland aufgeschlagen, um das grosse Geld zu verdienen; getragen von der Liebe zu Schlittenhunden und dem Lockruf des Geldes. Unsere interne Bezeichnung dieser Kategorie heisst "Touristische Wellenreiter“: Auf der Welle des Strebens nach dem grossen Geld reiten wollen und dann eine Menge verbrannter Erde hinterlassen. 

Der unscheinbare Flyer enthielt einen Link zu einer Homepage - und die hatte es in sich. Mal abgesehen davon, dass das Konzept schon rein betriebswirtschaftlich keine Chance hat, gibt es einige Aspekte, die besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Bereits das spontane Überfliegen der Homepage, lässt uns erschaudern. Da wird der Transfer vom Flughafen und zu verschiedenen fakultativen Aktivitäten ebenso angeboten, wie das Servieren von Mahlzeiten und allerlei alkoholhaltigen Getränken. All das ist in Schweden erlaubnispflichtig und kann mit saftigen Bussgeldern, einer sofortigen Geschäftsuntersagung (= Betriebsstillegung) und auch mit Gefängnis (-> Alkohol) geahndet werden. Nachdem in Schweden das Öffentlichkeitsprinzip gilt, hat die Recherche sogleich ergeben, dass keine (!) der erforderlichen Erlaubnisse tatsächlich vorliegen.

Dann wird in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zunächst einmal munter drauf los diskriminiert. Von den unwirksamen Haftungsfreizeichnungen (à la: Der Gast ist immer schuld - wir nie) abgesehen, sind Zahlungsbedingungen die Krönung, die dem auf EU-Recht basierenden Reiserecht diametral entgegengesetzt gegenüber stehen. Will sagen: Vorkasse lange im Vorhinein ohne jegliche Absicherung - der Gast trägt das Insolvenzrisiko.

Ein weiterer Punkt: Der besagte Anbieter hat auf seiner Homepage keine Anbieterkennzeichnung und keine schwedische Organisationsnummer angegeben. Lediglich der Name einer natürlichen Person findet sich und dazu eine Telefonnummer, die allerdings nicht schwedisch ist. Auch hier ergibt die schnelle Recherche, dass überhaupt noch kein schwedisches Gewerbe angemeldet worden ist. Das Gästebuch verrät uns aber, dass bereits einige Gäste aus den vergangenen Monaten positive Bewertungen abgegeben haben. Buchen wir diese Einträge zugunsten der Betreiber als im Marketinginteresse geschriebene Eigenkommentare, besteht aber dennoch das ganz erhebliche Risiko damit auch noch auf das Radar des schwedischen Finanzamtes zu kommen (was alles andere als amüsant werden dürfte).  

Oh und besonders schön ist es immer, wenn den geneigten Besuchern auch Hundepatenschaften für einen der vierzig (!) Huskies angeboten werden. Hier wird dann gleich ganz kräftig zugelangt, denn es dürfen mehrere Hundert Euro für ein Jahr pro Hund gezahlt werden. Mehrfachpatenschaften für ein- und denselben Hund werden natürlich auch nicht ausgeschlossen. Nebenbei sei noch angemerkt, dass Hundehaltung ab einer bestimmten Anzahl von Hunden bei der jeweiligen Landesverwaltung angemeldet werden muss. Gerade bei Schlittenhundefarmen werden in Nordschweden gerne und häufig unangemeldete Kontrollen durchgeführt, die dann wegen der häufig völlig unzureichender Haltungsbedingungen zum Tierhaltungsverbot führen können.

Warum dieser Blogeintrag? Um alle diejenigen zu warnen, die einen "Traumurlaub mit Schlittenhunden" o.ä. planen und/oder buchen wollen.

Bitte liebe Urlauber: Aufmerksam die Angebote studieren und erst einmal in Ruhe nachdenken. Stellen Sie an den Anbieter Fragen und studieren Sie dessen Antworten. Fragen Sie nach Referenzen, d.h. Gästen, die Sie befragen können. Wenn es sich um kleine und unbekannte Anbieter handeln sollte, dann befragen Sie bitte auch Google und ggf. die Sprechstunde des Verbraucherschutzes (u.a. auch wegen der AGB und der vom Anbieter angegebenen Zahlungsbedingungen). 

Und bitte denken Sie auch an die armen Schlittenhunde, die teilweise unter erbärmlichen Bedingungen gehalten werden (insbesondere im Sommer, denn da bringen die Hunde keinen Umsatz sondern nur Kosten mit sich).

Ein positiver Nachsatz: Es gibt auch einige seriöse und tadellose Anbieter. Die Kunst ist es, diese als solche auch zu identifizieren.

immer_wieder_geht_die_sonne_auf
„Und immer, immer wieder geht die Sonne auf -
über den Guten wie den Bösen“


Zum schwedischen Nationalfeiertag ("Nationaldagen") 2017 - Das neue Schweden

Heute begeht Schweden wieder seinen Nationalfeiertag (den "Nationaldagen"). Eine passende Gelegenheit einen Blick darauf zu nehmen, was Schweden eigentlich ausmacht.

Heutzutage (d.h. seit den 80er Jahren) ist Schweden bekannt und berühmt für drei "Hauptwerte", die sich in internationalen Studien auch immer herausheben: Individualismus, Humanismus und Säkularismus gekoppelt mit einem grossen Vertrauen der Mitbürger in den Staat, die Politik und die staatliche Verwaltung.

Das schwedische Wirtschaftssystem, das eine Mischung aus Sozialismus und Marktwirtschaft ist und als das "schwedische Modell" bezeichnet wird (am Rande: seit geraumer Zeit driftet dieses Modell allerdings deutliche in Richtung Marktwirtschaft), hat seinen grossen Anteil an der inneren Einstellung der Bevölkerung.

Ein weiterer ganz wichtiger Aspekt bei der Betrachtung des „schwedischen Weges" ist der Umstand, dass Schweden seit nunmehr 203 Jahren im Frieden, d.h. frei von der aktiven Teilnahme an kriegerischen Auseinandersetzungen lebt. Damit steht Schweden übrigens an der statistischen Spitze, gefolgt von der Schweiz auf Platz zwei. Daraus leitet sich vermutlich auch her dass Schweden mit an der Weltspitze steht, was die Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten angeht.

Natürlich hat auch Schweden seine sehr grossen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Bis jetzt scheint es aber so zu sein, dass das Gemeinwesen damit (noch?) gut umzugehen weiss. Die nächsten Reichstagswahlen werden ein Wegweise sein, in welche Richtung sich die Zukunft in Schweden entwickeln könnte.

Hoffen und beten wir für eine künftige Zeit in Frieden!

Grattis, Sverige!

Meine Interpretation und Visualisierung des neuen jetzigen und des künftigen Schwedens sieht übrigens so aus:

Det nya Sverige 2017

Warum Instagram für Fotografen „tot“ ist

In der guten alten Zeit des Internets hatte alles noch so gut angefangen. Das war vor vielen Jahren, in der „guten alten Zeit“

Idealistische Menschen (meist vom Typ des „Weltveränderers“) entdeckten das WWW und sahen darin eine Chance, dem allgemeinen Bewusstseinswandel näher zu kommen. Es sei nur an das 1994 erschienene Buch „Cyberia“ von Duoglas Rushkoff erinnert (link zum PDF). 
Die Lektüre lohnt sich übrigens auch heute noch, denn plötzlich erscheinen die Anfänge des WWW in einem geradezu romantisch-verklärten Schein. Aber es kam, was kommen musste: Die Wirtschaft erkannte den ungeheuren Wert der Onlinewelt und übernahm diese in der Folge. Anfangs in kleinen Schritten, schliesslich mit Siebenmeilenstiefeln. 

Gary Vayerchuk - als exemplarischer Vertreter eines Marktwirtschaftlers - hat es in einem seiner Talks geradezu perfekt auf den Punkt gebracht:

„When I first saw the internet I suddenly realized, sh*t I can make money with this thing“.

Die sozialen Medien haben - auch wenn sie erst viel später als das WWW in die Gänge kamen - dieselbe Entwicklung durchgemacht. Zum Beginn ging es um echte soziale Netzwerke (im Stil von „power to the people“) und die Neuigkeitenströme waren chronologisch. Dann kamen immer mehr Werbeanzeigen ins Spiel und schliesslich wurden die Algorithmen „optimiert“, sodass dem User nur noch die Nachrichten präsentiert wurden von denen das System annahm, sie würden ihn interessieren und ihm gefallen. Quasi nebenbei wurden über die Jahre riesige Datenmengen über die User angehäuft, aus denen sich mittlerweile fast alles über das jeweilige Individuum ableiten lässt. Das Beste an diesem Geschäftsmodell ist, dass die User sich aller dieser Daten freiwillig und völlig kostenlos begeben haben. Je tiefer man in dieser Materie gräbt, desto schauderhafter wird es.

Nun soll es hier ja um Instagram und Fotografen gehen. Instagram begann als eine spektakuläre Foto-Sharing-Plattform, der allerdings das zündende Geschäftsmodell gefehlt hatte. Nach der Übernahme durch das beinahe allmächtige Facebook wurde das von dort bewährte Geschäftsmodell dann schnell implementiert und Instagram dadurch aus künstlerischer Perspektive ruiniert.

Mit den vielen Werbeeinblendungen könnte man ja noch leben. Schliesslich muss eine Plattform ja irgendwie auch Geld verdienen. Seit Instagram aber im vergangenen Jahr seinen Algorithmus für die Anzeige der Postings im Stil von Facebook „optimiert“ hat, ist die Plattform was gute Fotografie angeht schlichtweg „tot“. Ich will hier nicht in alle Details eintauchen, sondern stattdessen auf einen echten Augenöffner hinweisen, der gerade bei Petapixel erschienen ist: 

„Instagram Created a Monster: A No B.S. Guide to What’s Really Going On“.

Hier berichtet endlich mal ein Fotograf der selbst auf die dunkle Seite der Macht geraten war um sichtbar zu bleiben, offen und ehrlich mit welchen Tricks mittlerweile gearbeitet wird um auf der Instagram-Erfolgskurve zu klettern. Und natürlich geht es dabei auch darum eine Menge Geld zu investieren, um „sichtbar“ zu bleiben.

Was ist die Alternative? Wer fotografiert möchte damit (hoffentlich) etwas zum Ausdruck bringen und seine Bilder deswegen auch zeigen. Dabei sollte die eigene „Hoheit“ erhalten bleiben. Ich möchte selbst entscheiden, was ich wann und wie zeige und möchte auch die Möglichkeit haben, wieder zu löschen. Diese Chance habe ich mittlerweile praktisch nur noch auf einer eigenem Webpräsenz und auf dem eigenen Blog. Hier schlägt kein Algorithmus zu der bestimmt, wer was zu sehen bekommt. Und ich habe auch die Möglichkeit, so lange Texte zu schreiben wie ich möchte.

Zusammenfasung: Wer relevant bleiben möchte, sollte das - aus künstlerischer Perspektive - sinkende Schiff der sozialen Medien verlassen und stattdessen unbedingt eine eigene Webpräsenz haben. Ich bin übrigens gerade dabei, meine Präsenz in den meisten sozialen Medien abzuwickeln.


PS: Wer guten Input zum Nachdenken sucht, der sei in diesem Zusammenhang auf CJ Chilvers hingewiesen.

Analoger Neuigkeitenstrom - heute keine News
Analoger Neuigkeitenstrom - heute keine News


Photojournalismus - quo vadis? Die Masken fallen!

Sonntagsreflexionen: Es schmerzt mich in der Seele zu sehen (und macht mich gleichzeitig geradezu aggressiv), welche Auswüchse im Photojournalismus zur Zeit sichtbar werden. Ich schreibe bewusst „sichtbar werden“, denn gegeben hat es sie vermutlich chon viel länger.

Die Seriosität, Objektivität und Ernsthaftigkeit sind verloren gegangen. Jetzt wird nach den Methoden des Marktes gearbeitet. Schummeln und Betrügen gehören genauso dazu, wie der eigentliche Skandal des aktuellen Souvid Detta Falles. Warum es geht, dazu mehr im ersten verlinkten Artikel, um den - meiner Meinung nach - noch viel schlimmeren Skandal geht es im zweiten Artikel.

Link 1: F**k Photojournalism: It’s Time for the Industry to Change Before It Dies

Link 2: Two Scorpions Crossing a Stream

Neue Serie "Kitchen Sink" - Essenskultur und Kultur in Schweden

Als ich kurz vor Weihnachten in einer echt schwedischen Küche stand, wurde mein Blick geradezu magisch vom Spülbecken abgezogen. Mein Blick schweifte dorthin und dieser Augenblick war geradezu eine Offenbarung.

Was sagt ein Abfluss im Spülbecken über die Essenskultur und überhaupt über die Kultur eines ganzen Landes aus? Sehr viel! Drei Monate lang habe regelmässig diese schwedische Küche besucht. Dabei sind jede Menge Bilder entstanden.

Vor einigen Tagen habe ich nun mein neues Projekt "Kitchen Sink" abgeschlossen. Eine Serie in der es um die Essenskultur und generell die Kultur in Schweden aus der Perspektive eines Ausgusses im Küchenwaschbecken geht.

-> Zur Serie "Kitchen sink"



Eines der Bilder aus der neuen Serie „Kitchen Sink“

Frohe Ostern! / Happy Easter! / Glad Påsk!

Frohe Ostern! / Happy Easter! / Glad Påsk!


Mehr info? Want to know more? Vill du veta mer?

-> Johannes 20:1-18

(Please choose your language / Välj ditt språk i menyn som är märkt med flaggan)

Die Schweden und der Alkohol

Alkohol in Schweden - Balsam für die schwedische Seele?

Vorbemerkung: Dieser Artikel basiert auf allgemein zugänglichen Quellen, Statistiken sowie eigenen Wahrnehmungen aus den zurückliegenden zehn Jahren, in denen wir hier leben.  Wie bei allen empirischen und evidenzbasierten Aussagen kann kein Rückschluss auf einzelne Individuen gezogen werden. Es geht hier vielmehr um die Beschreibung des Zustandes der schwedischen Gesellschaft und die Tendenzen innerhalb derselben im Allgemeinen.

Das schwedische statistische Zentralbüro (SCB) hat kürzlich die Ergebnisse einer grossen Studie zum allgemeinen Gesundheitszustand der Einwohner Schwedens veröffentlicht. Die Studie wurde von 2013 bis 2016 in der Altersgruppe von 16 bis 84 Jahren durchgeführt. 

Ein Teil der Ergebnisse ist schockierend: 

Jeder fünfte Mann und jede achte Frau in Schweden sind Alkoholiker. In Västerbotten z. B. sind 14% der Männer und 12% der Frauen, in Norrbotten 18% der Männer und 12% der Frauen betroffen. Die meisten Alkoholiker gibt es - der Studie zufolge - in Stockholm und Uppsala.


I. Anlas genug, sich der Thematik hier einmal anzunehmen. Ausgangspunkt soll eine geschichtliche Betrachtung des Verhältnisses der Schweden zum Alkohol sein.

Probleme mit dem Alkohol gab es in Schweden bereits vor Jahrhunderten.

Nach langen und leidenschaftlichen Auseinandersetzungen um das Pro und Contra erfolgte im Jahre 1766 durch König Adolf Fredrik ein Erlass, nach dem alle Beschränkungen im Zusammenhang mit der Produktion und dem Konsum alkoholhaltiger Getränke aufgehoben wurden. 

Ein Ergebnis der königlichen Verfügung war, dass schlagartig beinahe alle schwedischen Haushalte mit der Herstellung alkoholhaltiger Getränke begannen. Die Folgen zeigten sich u. a. in der Landwirtschaft, denn grosse Mengen an Getreide und Kartoffeln, die eigentlich als Viehfutter  gedacht waren, flossen jetzt in die Produktion der hochprozentigen Getränke.

Schätzungen zufolge gab es zum Beginn des 18. Jahrhunderts in Schweden ungefähr 175.000 private Schnapsbrennereien.  

Staatliche Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. 

Fünfzig Jahre später entstand in der Stadt Falun, in Darlana gelegen, eine erste Beschränkung. Es wurde das erste Alkhoholmonopol gegründet und war ganz im Sinne der staatlichen Interessenlage.

Die Stadtverwaltung hatte nämlich beschlossen, dass der Alkoholverkauf in der Stadt reguliert werden und „verantwortungsvoll“ erfolgen sollte.

Auf Reichsebene wurde es dann 1860 illegal, alkoholhaltige Getränke an Personen unter 18 Jahren zu verkaufen und eine neue Herstellungsverordnung verbot die seit 1766 legale Heimbrennerei.

Ebenfalls im Jahre 1860 öffnete in Göteborg die erste staatlich zugelassene Bar, die den Namen „AB Göteborgssystemet“ hatte. Die Regelungen sahen vor, dass angetrunkenen Personen die Bedienung verweigert und gekaufte Spirituosen nicht mitgenommen werden durften, sondern an Ort und Stelle verkonsumiert werden mussten. 

Dieses System setzte sich auf breiter Front durch und bald war das gesamte Land mit solchen staatlich reglementierten Bars überzogen. Nachdem das Konzept sich so schnell durchgesetzt hatte wurde 1870 beschlossen, dass die Gewinne aus den Bars an den Staat zu fallen hatten.

Während des ersten Weltkrieges war Alkohol in Schweden strikt rationiert. 

Seit  Beginn des 19. Jahrhunderts gab es zudem eine neue sund tarke gesellschaftlichen Kraft: Die so genannte „Nüchternheitsbewegung“ („Nykterhetsrörelsen“). 

Zahlreiche Vereine, Gemeinden und andere Organisationen engagierten sich gegen die Trunksucht in Schweden. Dadurch entstand eine breite Front, die zu einer der stärksten Einflüsse in der zeitgenössischen Politik wurde.

Um die gesellschaftlichen und individuellen Probleme mit dem Alkohol von staatlicher Seite aus in den Griff zu bekommen, wurde - zunächst in einigen Landesteilen lokal ab dem Jahre 1914 und landesweit ab 1917 - das System der „Alkoholbezugsbücher“ („Motbokskontrollen“) eingeführt. Das nun neu geborene System hörte auf den Namen „Brattsystemet“, benannt nach einem der Erfinder, dem Arzt Ivan Bratt.

Die Idee war einfach, aber effektiv: 

Ein individuelles Bezugsheft berechtigte zum Einkauf alkoholischer Produkte. Jeder Einkauf wurde im Heft mit Datum, sowie Art und Anzahl der gekauften Produkte vermerkt. Nicht alle Schweden hatten Zugang zu einem solchen Bezugsheft. Wer unter 21 Jahren alt war, oder bereits bekanntermassen Alkoholprobleme hatte, blieb beim Einkauf aussen vor. 

Im gleichen Jahr, 1917, wurde auch das „Aktiebolaget Spritcentralen“ gegründet (umgangssprachlich als „Vin & Sprit“ bezeichnet), das ein staatliches Monopol auf den Verkauf aller alkoholhaltigen Getränke erhielt.

Der Kampf um den Alkohol und die Trunksucht in Schweden hatte dann seinen Höhepunkt im Jahre 1922. 

Es kam zu einer landesweiten Volksabstimmung mit der Frage, ob der Verkauf alkoholhaltiger Getränke in Schweden generell verboten werden sollte. Das Ergebnis war so knapp, wie man es sich nur vorstellen kann.

Von insgesamt 3.302.483 Wahlberechtigten nahmen 1.820.452 (d.h, 55,1 %) an der Abstimmung teil (mehr Personen, als an der Reichstagswahl 1921 teilgenommen hatten, nämlich nur 54,2 %). 

Das Wahlergebnis über das Verbot vom Verkauf des Alkohols lautete:  
925.097 Nein-Stimmen (51 %) und 889.132 Ja- Stimmen (49 %). Insgesamt 6.223 Stimmen waren aus formellen Gründen ungültig. 

Die Gegner eines generelles Verbotes konnten sich also nur um Haaresbreite nicht durchsetzen. Nach der Volksabstimmung beschloss der Reichstag somit kein generelles Verbot, setzte aber die äusserst restriktive Alkoholpolitik fort. 

Die Alkoholbezugsbücher blieben infolge der restriktiven Politik bis 1955 erhalten. Ebenfalls 1955 wurde das staatliche Alkoholmonopol auf das heute immer noch existierende „Systembolaget“ übertragen. 

Die Anforderungen an das Recht zum Kauf alkoholhaltiger Getränke wurden verändert und hinzu kam, dass der Verkauf nicht erfolgen durfte, wenn damit zu rechnen sei, dass der Käufer die gekauften Waren an Dritte weiterverkaufen oder weitergeben würde.

Die Abschaffung der Bezugsbücher zeigte dennoch spontanen Erfolg: 

Der Verkauf von alkoholhaltigen Getränken stieg bereits im ersten Jahr nach der Abschaffung um 25 %. Um diesem neuen Trend entgegen steuern zu können wurden kurze Zeit später Steuererhöhungen auf alkoholhaltige Getränke und eine Ausweispflicht beim Kauf eingeführt.

1969 wurde das Mindestalter für den Einkauf auf 20 Jahre gesenkt.

Das Systembolaget ist noch heute die exklusive Bezugsquelle für alkoholhaltige Getränke (mit Ausnahme des sog. „Leichtbiers“ („Lättöl“), das maximal 2,25 Volumenprozent Alkohol enthalten darf). Sogar die Öffnungszeiten des Systembolaget sind staatlich geregelt. 

Sonntags ist stets geschlossen und an Samstagen ist nur bis zwischen 13 und 15 Uhr geöffnet (je nach der Grösse der Filiale).

1979 wurden neue, verschärfte Regeln für die Werbung für alkoholhaltige Getränke erlassen. Werbeanzeigen durften ab diesem Zeitpunkt nur noch in besonderen Fachzeitschriften veröffentlicht werden.

1995 wurde Schweden Mitglied der EU. 

Im Zuge dessen wurden auch die Regeln um den Alkoholverkauf angepasst. Nach einer Entscheidung des EuGH durfte das Monopol des Systembolagets beibehalten werden. Der  Direktimport alkoholhaltiger Getränke aus anderen EU-Staaten ist seitdem aber zulässig, weil sonst die unmittelbar aus dem EU-Vertrag folgende Waren- und Dienstleistungsfreiheit beeinträchtigt würde. 

Dasselbe gilt nach Ablauf der siebenjährigen Übergangsfrist im Jahre 2002 auch für die private Einfuhr alkoholhaltiger Getränke aus anderen EU-Ländern.

Soweit der geschichtliche Hintergrund.


II. Nun zu Empirie und Statistik.

1. Die Begrenzungen in Sachen Alkohol gelten u. a. auch in der Apotheke und bei Koch- und Backwaren. Der Hustensaft in Schweden ist alkoholfrei (was die interessierten Fragen einiger schwedischen Besucher erklärt, ob wir denn „deutschen Hustensaft“ für sie hätten). Gleiches gilt für eingelegte Kirschen oder Backaromen.

2. Die Anonymen Alkoholiker gibt es natürlich auch in Schweden. Sie hören hier auf den Namen „Länkarna“ und machen eine durchweg grundsolide Arbeit. Leider wird das meist segensreiche Wirken nicht allerorts erkannt. In einer Kommune ganz in der Nähe wurde z. B. im vergangenen Jahr der subventionierte Mietvertrag der kommunalen Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft über das Vereinshaus der Länkarna mit der Begründung gekündigt, dass sich alle Betroffenen mit Alkoholproblemen doch einfach direkt an die Kommune wenden könnten. Unklar ist, an wen sie sich wenden sollen und welche Hilfe sie dort erhalten können. Von der Frage, dass die Betroffenen dann gleich kommunal aktenkundig sind einmal ganz abgesehen. So kann kein Vertrauen aufgebaut werden, dass die Grundlage jeder Veränderungsmöglichkeit ist.

3. Früher waren in Deutschland die „Butterfahrten“ populär. In Schweden geht es eher um „Alkoholfahrten“, will sagen: Günstige Städtereisen ins europäische Ausland erfreuen sich mit dem primären Ziel des preisgünstigen Alkoholkonsums äusserst grosser Beliebtheit. Drei Tage Berlin für 79 Euro (Busreise) sind an der Tagesordnung.

4. Das seit 1860 bestehende Verbot der Heimbrennerei wird noch heute systematisch unterlaufen. In vielen Dörfern weiss jeder Einwohner sehr genau, wer eine eigene Brennerei betreibt und unter der Hand Hochprozentiges feilhält.

5. Deutlich wird, dass Probleme mit dem Alkoholkonsum in Schweden seit Jahrhunderten bestehen. Die Erklärungsversuche, warum das so ist, sind mannigfaltig. Oft wird auf die langen Winter mit der ausgedehnten Dunkelheit verwiesen. Diese würden dazu führen, dass die Menschen eine Möglichkeit zur „Realitätsflucht“ benötigen würden. Ein Körnchen Wahrheit mag sich in dieser Theorie verbergen, aber andere Länder haben auch ihre spezifischen Probleme, die sie nicht systematisch „im Alkohol ertränken“. Zudem erhellt ein Blick auf die Landkarte, dass es die ausgeprägten Probleme mit der Dunkelheit eigentlich nur ab Sundsvall nordwärts geben dürfte.

Neue Studien zeigen zudem, dass der Alkoholkonsum in Schweden weiterhin stetig steigt (während er in vielen südeuropäischen Ländern sinkt).
Der Alkohol in Schweden ist also eine Art Mysterium. 

6. Eigene Ursachenforschungen und Befragungen in unserem Freundes- und Bekanntenkreis aus den zurückliegenden 10 Jahren ergeben ein interessantes Bild. 

Fast alle der befragten Schweden geben ein aufschlussreiches Trinkschema an: Getrunken wird meist in Gemeinschaft mit anderen. 

Das läuft so ab, dass bewusst ein Rahmen zum Trinken geschaffen und organisiert (Materialbeschaffung!) wird, innerhalb dessen dann in der Regel getrunken („gesoffen“ wäre wohl hier das treffendere Wort) wird bis zum sprichwörtlichen Abwinken. In der Gemeinschaft fällt die Hemmschwelle des ansonsten allgegenwärtigen gesellschaftlichen Tabus und wenn Schweden etwas tun, dann stets systematisch, wohl geordnet und bis zum bitteren Ende. 

Besonders problematisch ist es, dass das Durchschnittsalter dieser Trinkgelage statistisch gesehen fällt. Es ist heutzutage durchaus üblich, dass die Abgänger des Gymnasiums (Altersdurchschnitt: 16 Jahre) sich regelmässig ins Koma saufen -  und das gewiss nicht mit der Flasche aus dem Leichtbierregal!

Die Schweden und der Alkohol

Geplante Obsoleszenz, Teil 4: Töpfe mit Henkel innen, und so

Heute mal wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie zur geplanten Obsoleszenz. Diesmal von der gefährlicheren Sorte.

Es ist eine Sache, wenn die Kompaktkamera nach einer bestimmten Anzahl an Auslösungen geplant den Geist aufgibt. Als wir seinerzeit die statistischen Auffälligkeiten bei der Lebensdauer bestimmter Produkte aus dem fotografischen Umfeld erkannt hatten, sind wir erstmals auf das Thema aufmerksam geworden.

Die geplante Obsoleszenz begegnet uns im Alltag in vielfältigen Facetten und ist heutzutage omnipräsent. Ist ja irgendwie auch verständlich, denn Konsum und Wirtschaft müssen schliesslich am Laufen gehalten werden (Stichwort: Konsumismus).

Was aber, wenn sich das Phänomen in Bereichen zeigt, bei denen es zu ernsten, ja lebensbedrohlichen Gefahren führen kann? Und das ist nicht nur bei Herz-Lungen-Maschinen der Fall.

Was ist geschehen?

Vor einigen Tagen versammelte sich die Familie unerwartet und mehr oder weniger hungrig um den grossen Küchentisch. Ein Blick in den Kühlschrank führte zur Erkenntnis: Es gibt eine Suppe. Gesagt, getan.

Nach einigen Minuten köchelte eine Champignoncremesuppe beschaulich vor sich her. Der Einfachheit halber wollte ich den Suppentopf einfach in die Mitte des gedeckten Tisches stellen. Gar keine gute Idee. Denn als ich zu den Topflappen griff und den Topf vom Herd in Richtung Tisch transportierte gab es einen metallischen Knall und ich hatte den Topf mit einem Henkel in der rechten Hand, den anderen Henkel in der linken Hand und ungefähr zwei Liter Champignoncremesuppe flächendeckend um mich herum verteilt. Es grenzte an ein Wunder, dass niemand dabei eine grössere Portion abbekommen hat, denn die kochendheisse Suppe hätte zu gediegenen Verbrennungen führen können. Ich war stinksauer.

Abend grub ich in dem Ordner mit Kaufbelegen und tatsächlich: Die Quittung vom Kauf war noch vorhanden. Das Teil war ein Markentopf der preislichen Mittelklasse mit zwei Jahren Garantie (die Veröffentlichung des Herstellers behalte ich mir vor). Vor exakt zwei Jahren und drei Monaten gekauft.

Ich zeigte den Topf einem befreundeten Matallhandwerker, der nur kurz lächelte und mich sogleich auf die absolut mangelhafte Ausführung der Schweisstellen aufmerksam machte. Er meine sinngemäss es sei erstaunlich, dass die Henkel überhaupt so lange gehalten hätten. Es sei abzusehen gewesen, dass die Henkel nach einer bestimmbaren Anzahl von Nutzungen abbrechen würden.

Was soll ich sagen? Müssen wir künftig als Verbraucher - wenn wir denn solche von der „mündigen“ Sorte sein wollen - alle Produkte erst einmal fachmännisch auf Schwachstellen untersuchen lassen? Oder müssen (besser: sollen) wir jetzt alle Gegenstände und Geräte künftig einen Monat vor Ablauf der Garantiezeit einfach wegwerfen?

Beim Kochtopf geht es - im Gegensatz zum „elektronischen Spielzeug“ - immerhin um einen Gegenstand, dessen Versagen zu erheblichen Gesundheitsgefahren führen kann.

Bin etwas ratlos aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass da etwas gewaltig schief läuft.

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2017

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.


- Urheber umstritten

Deswegen belasse ich es vielleicht besser bei einem Rückblick auf das zurückliegende Jahr, als einen Ausblick auf das neue Jahr zu wagen.

Wie immer liegt der Fokus meines "Jahresendbeitrages" auf Schwedisch-Lappland um mich nicht in die Versuchung zu bringen, Gesellschaft und Politik im Allgemeinen zu kommentieren.

Nordschweden hat im alten Jahr unter deutlich grösserem Sparzwang gelitten, als in früheren Jahren. Spürbar wird was an mancherlei Stellen. Gespart wird z. B. am Unterhalt der öffentlichen Wege und der Schneeräumung. Auch die Wartezeiten im Gesundheitswesen sind weiter gestiegen. Von Angestellten im Gesundheitswesen und in der Altenpflege haben wir dieses Jahr katastrophale Berichte gehört. Ein Highlight in diesem Zusammenhang war die kollektive Eigenkündung fast aller Altenpflegerinnen in der Kommune Arjeplog. Genützt hat das freilich wenig, dort - wie auch in Skellefteå - stöhnen die Angestellten unter der Arbeitsbelastung. Neues Personal gibt es trotzdem nicht, denn in den öffentlichen Kassen ist Ebbe.


Zum Wetter: Der Winteranfang 2016 war völlig ungewöhnlich. Die vergangenen Wochen gab es immer wieder kürzere Perioden mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Resultat: Es liegt exrem wenig Schnee und fast alle Strassen sind mit einer soliden Eisdecke versehen, die durch den beständigen Wind (auch sehr ungewöhnlich) abgeschliffen und fein poliert wird. Das Autofahren ist zur echten Herausforderung geworden.


Zu den "lieben" Einwanderern: 2016 sind so viele Einwanderer aus europäischen Ländern (zumeist Deutsche) in der Region aufgeschlagen, wie schon lange nicht mehr. Dazu fällt mir spontan eine Anekdote aus Kindertagen ein:

Beim Betrachten des Verhaltens deutscher Mitbürger an italienischen Stränden meinte mein Vater oft trocken "Da hat die Exportkontrolle wieder versagt". Viel mehr habe ich zu diesem Thema auch nicht zu sagen.

Oder doch?

Ich hoffe und bete, dass die Neueinwanderer nicht noch viel mehr verbrannte Erde schaffen und zurücklassen, wie viele ihrer Vorgänger. Das Phänomen ist leider auch aus anderen Einwanderungsländern bekannt. In einem Forum habe ich kürzlich den Spruch gelesen:

"Hüte Dich vor Sturm und Wind, und Deutschen, die im Ausland sind!"  

Daher der Tipp: Von ehemaligen Landsleuten hält man hier am besten gebührenden Sicherheitsabstand. Traurig, aber wahr.


Der Tourismus: Die Zahlen steigen. Mässig, aber beständig. Sehr schade ist, welches Bild von Lappland - insbesondere bei den Paketreisen - vermittelt wird, denn Lappland ist mehr als nur ein angebliches Paradies für Schlittenhundetouren in der Winterzeit. In diesem Zusammenhang der Hinweis: Bei vielen (nicht allen) Anbietern von Schlittenhundetouren führen die Hunde ein jämmerliches und erbärmliches Dasein. Der Blick hinter die Kulissen sei dringend empfohlen.


Die schwedische Wirtschaft: Die politischen Pläne für die Grossregion Nord sind dieses Jahr (wieder einmal) gescheitert. Viele hatten sich davon eine Stärkung der Wirtschaft in Nordschweden erhofft. Nun wird es wohl wieder einige Jahre bis zum nächsten Anlauf dauern. Ich finde das Scheitern nicht so dramatisch, denn bei jeder Zentralisierung gehen Eigenständigkeit und Bürgernähe verloren. Die kürzlich angekündigte neue Schwerverkehrsabgabe wird dafür sorgen, dass die Wirtschaft im Norden leiden wird. Denn hier sind alle Wege geografisch bedingt weiter, als in Südschweden. Preissteigerungen werden die Folge sein.

A propos Preissteigerungen: Die Inflationsrate in Schweden hält sich unter zwei Prozent. Subjektiv wahrgenommen ist die kontinuierliche Preissteigerung bei Gütern des täglichen Bedarfs aber deutlich spürbar und liegt bei - im begrenzten Portfolio gemessenen Bereich - eher bei fünf Prozent. 


Bildung und Ausbildung:
Schweden klagt nach wie vor über die sich verschlechternden PISA-Resultate. Die Diskussionen darüber werden heiss geführt (und ich will mich in der Sache gar nicht dazu äussern), aber seriösen Einwanderern mit schulpflichtigen Kindern sei ausdrücklich geraten, sich im Vorfeld schlau zu machen, in welchen Kommunen die Bildung besser funktioniert. Was mir in diesem Zusammenhang besonders auffällt ist die zunehmende Zahl an Kindern und Jugendlichen in Schweden, die mit schwerem ADHD diagnostiziert werden.

Der in Schweden sehr populäre Genderismus hinterlässt übrigens auch im Schulwesen deutliche Spuren. Es ist mittlerweile ein Benachteiligungsmerkmal, wenn man das "falsche Geschlecht" hat: Die schulischen Leistungen von Jungen sind im Vergleich zu denen von Mädchen auf einem historischen Tiefstand (Tendenz: Weiter fallend).

Bei alledem kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir auf mittelfristige Sicht auf eine gesellschaftliche Katastrophe zusteuern. 

Nun sind wir gespannt, was uns 2017 bringen wird. Wir hoffen das Beste.

Allen Leserinnen und Lesern eine guten Start in das neue Jahr!

2017 - Ungewisse Zukunft
Ungewisse Zukunft

Fröhliche Weihnachten!

„Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die ward schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HERR kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“


Evangelium nach Lukas Kapitel 2 Verse 1 bis 20


Fröhliche Weihnachten!
Joyeux Noël!
Merry Christmas!
Feliz Navidad!
Buon Natale!
God Jul!


Fröhliche Weihnachten!


Angekündigte Obsoleszenz, Vergänglichkeit und der Kult des Konsumismus

Dem Thema der sog. „geplanten Obsoleszenz“ habe ich bereits zwei Artikel gewidmet: „Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht“ und „Geplante Obsoleszenz, Teil 2: Die kommende Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO)“.

Heute kann das Repertoire der geplanten Obsoleszenz um eine neue Spielart erweitert werden, die der „angekündigten Obsoleszenz“.

In Schweden gilt bekanntlich, dass alle Fahrzeuge auch bei Tag mit Licht fahren müssen. Zugelassen sind dabei das klassische Abblendlicht und das modernere „Tagfahrlicht“ (nicht zu verwechseln mit dem klassischen Standlicht).

Das ist eine feine Sache für die Hersteller von Ersatzglühbirnen, deren Lebensdauer schliesslich endlich ist. Das das Licht ständig eingeschaltet ist, verschleissen folglich auch die Glühlampen schneller. Die vergangenen Jahre ist mir aufgefallen, dass das Wechselintervall der Birnen subjektiv irgendwie immer kürzer geworden ist. Nachdem vergangene Woche wieder einmal eine H7-Lampe auszuwechseln war, habe ich mir die Verpackung derselben genauer unter die Lupe genommen.

h7_lifetime


Dort ist die angekündigte Obsoleszenz sogar ganz deutlich aufgedruckt. Die Lebensdauer der neuen Birne eines namhaften Herstellers liegt - laut Beschreibung - bei ungefähr 500 Stunden. Das klingt nach viel, aber ein einfaches Rechenbeispiel bringt Licht ins Dunkel. Hier in Nordschweden sind lange Strecken zurück zu legen. Zwei bis vier Stunden Fahrzeit pro Tag sind an der Tagesordnung. Legen wir zwei Stunden zugrunde, so beträgt die Lebensdauer der Birne - basierend auf der Herstellerangabe - ungefähr 250 Tage. Kommen noch einige richtige Langstrecken hinzu, verkürzt sich die Lebensdauer in Tagen entsprechen.

Bereits eine schnelle Recherche lüftet den Schleier und führt zum sog. Phoebuskartell. Bekannt wurde das Kartell durch die Absprache zur Begrenzung der Lebensdauer von Glühlampen auf 1.000 Stunden. Es ist umstritten, ob es sich hierbei um eine legitime Normung oder eine illegitime Kartellabsprache handelte. Von Seiten der Beteiligten heisst es, dass Absprachen zur Lebensdauer von Glühbirnen heute nicht mehr existieren würden.

Ich habe also einfach einen alten Bekannten angerufen, der in der Branche tätig ist und mich nach den theoretischen Möglichkeiten erkundigt. Die Antwort hat mich in eine Art Schockstarre versetzt. Theoretisch wäre es nämlich kein Problem, Halogenbirnen für den Gebrauch im PKW mit einer Lebensdauer von 15.000 Stunden herzustellen (vergleichbare Birnen gibt es sogar auf dem Markt, z. B. für die Verwendung in Verkehrsampeln).

Aber was beklage ich mich. Geplante oder angekündigte Obsoleszenz sind doch bereits Schnee von gestern. Heutzutage haben Unternehmen solche technischen Regulierungen doch gar nicht mehr nötig. Es reicht völlig, wenn kurz nach dem Verkaufsstart eines Produktes etwas Neues auf den Markt geworfen wird. Die vor einem Jahr noch brandaktuelle Ware wird vom Konsumenten dann selbst freiwillig als überholt oder gar überflüssig eingestuft und durch die aktuelle Ware ersetzt. Die geplante Obsoleszenz wird so zur geplanten Vergänglichkeit der Ware. Die gesamte Elektronikbranche lebt davon, denn so gut wie kein Mensch braucht die ständig neuen Produktgenerationen. Ich nenne das den „Kult des Konsumismus“.

Das Problem dabei ist, dass mittlerweile unser gesamtes Wirtschaftssystem auf dieser Weltanschauung beruht.

Der Philosoph und Soziologe Zygmunt Bauman hat das ironisch zum Ausdruck gebracht. In seiner ethischen Richtschnur für das Konsumleben rät er, „es tunlichst zu vermeiden, dauerhaft zufrieden zu sein. Für eine Gesellschaft, die die Zufriedenheit der Kunden zu ihrem einigen Motiv und wichtigsten Ziel erklärt, ist ein wunschlos glücklicher Kunde weder ein Motiv noch das Ziel, sondern die furchteinflössendste aller Bedrohungen.“

Der Konsumismus ist also im Kern ein Kult der Unzufriedenheit, des Unglücks und der Undankbarkeit. Die Folgen sind Dauerstress, Selbstzweifel, Depressionen und Beziehungsprobleme.

In diesem Zusammenhang gewinnt auch der neue Begriff der „Stuffocation“ an Bedeutung. Das Kunstwort ist aus den Worten „stuff“ (Zeug) und „suffocate“ (ersticken) zusammen gesetzt: Der Mensch droht am gehorteten Zeug zu ersticken (die Alternative dazu ist die durch die „schmutzige“ Entsorgung der alten Produktgenerationen entstehende Umweltkatastrophe).

Der einzige Ausweg scheint mir ein bewusst einfacher Lebensstil, der sich auf das wirklich Notwendige beschränkt und mit einem klugen Umgang mit den begrenzten Ressourcen einher geht, zu sein. Gerade die Vorweihnachtszeit bietet sich an, darüber nachzudenken und Verzicht zu üben.

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Zukunft im Spiegel (Future II)

Zukunft im Spiegel (Future II)
Fortsetzung von Teil 1

Über Künstler, Kunst und Skalierbarkeit [Nachtrag / Update 2016-11-13 und 2016-11-26]

Künstler erkennst du daran, dass sie etwas erschaffen das nicht skalierbar ist.

Henning Wüst, meinem lieben Freund Thomas S. gewidmet


Nachtrag / Update 2016-11-13:

Zu diesem Artikel kam - auf verschiedenen Kanälen - erstaunlich viel Feedback rein. Martin hat in den Kommentaren geschrieben und seinen Mut möchte ich „belohnen“ indem ich seine Frage hier hinein kopiere und zum Anlass nehme, das Thema noch etwas tiefer und breiter zu illustrieren.

Martin schrieb:

Hallo Henning,
inwiefern ist Kunst denn nicht skalierbar? Und klappt dann auch das konsequente Weiterdenken, wonach alles nicht Skalierbare zugleich Kunst wäre?
BG, Martin



Ausgangspunkt war meine Aussage: „Künstler erkennst du daran, dass sie etwas erschaffen das nicht skalierbar ist.“

Nähern wir uns dem Begriff der Skalierbarkeit. Ganz allgemein beschreibt beschreibt Skalierung eine Größenveränderung. Der Begriff wird von dem italienischen Wort „scalae“, was Treppe bedeutet, abgeleitet. Allgemein beschreibt Skalierung eine Größenveränderung. Im betriebswirtschaftlichen Sinne steht die Skalierbarkeit für eine spezielle Eigenschaft einer Geschäftsidee bzw. eines Geschäftsmodells. Die Definitionen des Begriffs ausserhalb der IT-Welt (wo er in einem rein technischen Sinne verwendet wird) sind nicht völlig einheitlich.
Im Kern geht es bei der Skalierbarkeit aber immer um die Expansionsfähigkeit eines Modells (oft eines Geschäftsmodells). Kann bei einem Geschäftsmodell z. B. der Umsatz signifikant gesteigert werden, ohne dass die Kosten überproportional mitwachsen, oder gar grössere Investitionen notwendig sind, dann ist es gut skalierbar. Die mittlerweile klassischen Beispiele aus der Betriebswirtschaft sind fast alle im Internethandel - insbesondere im Softwarevertrieb - zu finden.

Der Grundgedanke lässt sich aber ohne weiteres auch auf Bereiche ausserhalb der reinen Geschäftswelt übertragen.

Was bedeutet das für den Bereich der Kunst, insbesondere der Fotografie?


1. In der Fotografie spielt die Skalierbarkeit bereits bei der Auswahl der Fotomotive eine grosse Rolle. Skalierbar sind Allerweltsmotive. Oder etwas präziser formuliert: Alle Motive, die eine längere zeitliche Beständigkeit und Dauer haben. Der legendäre Half Dome im Yosemite Park zum Beispiel. Er ist zweifellos eine sehr hübsche Location. Aber eben eine der am meisten Fotografierten weltweit. Die Anzahl der möglichen Bilder vom Half Dome ist im Prinzip unbegrenzt. Das führt aber nicht dazu, dass irgendein künstlerischer „Return“ grösser würde. Das Gegenteil ist der Fall. Mit der Anzahl der Bilder sinkt der künstlerische „Return“ und die Masse der Bilder stechen künstlerisch nicht heraus. Anders mit nicht skalierbaren, vergänglichen Motiven, die es nur eine sehr kurze und begrenzte Zeit gibt.

Das stützt die von Martin als Frage aufgeworfene These, dass fehlende Skalierbarkeit ein Indiz für Kunst ist.


2. Das gilt übrigens ganz allgemein für alle Tätigkeiten. Nehmen wir einen begnadeten Frisör als Beispiel, der seinen Weg vom Lehrling über den Gesellen bis zum Meister absolviert hat. Die meisten Frisöre, die es so weit geschafft haben, bleiben auf dieser Stufe stehen. Ganz wenigen gelingt der Sprung über die nächste Klippe, d. h. zum Künstler. Worauf das genau beruht, ist eine andere Fragen. Die berühmten 10.000 Stunden von Malcolm Gladwell spielen bestimmt eine wichtige Rolle, aber auch andere Faktoren haben Einfluss. Der Künstler ist im Beispiel der einzelne Frisör selbst. Ganz praktisch am Beispiel des Frisörsalons heisst das: Da gibt es einen Menschen, einen Frisör, und der ist Künstler in seinem Fach. Alle die anderen Angestellten im Salon spiegeln nur seinen / ihren Abglanz und leben von seinem / ihrem Renommee. Da lässt sich auf der künstlerischen Seite nichts skalieren. Nimm den Künstler aus der Gleichung und der Salon bricht zusammen. Was auf der Kundenseite zieht ist die Möglichkeit zu eben diesem Salon zu gehen und sich so auch im Abglanz des Künstlers zu sonnen, ohne diesen oder diese dort aber auch nur jemals zu Gesicht bekommen zu haben.

Auch das stützt die von Martin als Frage aufgeworfene These, dass fehlende Skalierbarkeit ein Indiz für Kunst ist.

Nota bene: Das Beispiel des Frisörs ist ein geschäftliches Grunddilemma, das für alle Freiberufler gilt, einerlei ob Anwalt, Arzt, Dozent, usw.


3. Viele Medien in der Kunst sind als solche nicht skalierbar. Das ist eine der Erklärungen, warum viele Fotografen von der Renaissance der Analogfotografie so begeistert sind. Die fehlende (oder besser: systemimmanent begrenzte) Skalierbarkeit übt eine künstlerische Faszination aus. Denn sie rückt die Fotografie in die Ecke der Malerei. Ein gemaltes Bild ist ein Unikat. Ein Polaroidfoto ist ein Unikat. Das Negativ eines analogen Bildes ist ein Unikat, das zumindest in der Möglichkeit Abzüge zu erstellen so eingeschränkt ist, dass die Abzüge den Hauch der Nichtskalierbarkeit haben (deswegen auch die i. d. R. limitierte Anzahl an Abzügen).

Auch das stützt die von Martin als Frage aufgeworfene These, dass fehlende Skalierbarkeit ein Indiz für Kunst ist.

Für den Massenmarkt gibt es hier - analog zu dem oben als Beispiel angeführten Frisörsalon - den Abglanz des Künstlers in Form von Kunstdrucken und Reproduktionen. Aber selbst wenn diese qualitativ extrem hochwertig sind, so sind sie an und für sich eben eines nicht: Echte Kunst, denn die analoge Kunst ist eben nicht skalierbar.

So ist es mit dem Bildkünstler wie mit dem Frisörkünstler: Man kann eine eigene Welt um sie herum bauen um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, mit ihrem Abglanz in Kontakt zu kommen. Mehr aber eben auch nicht. Das macht auch den bezaubernden und beinahe unwiderstehlichen Charme der Kunstausstellung aus: Werden echte, d.h. nicht skalierbare Originale ausgestellt, ist die Ausstellung die einzige Möglichkeit dem Abglanz der Künstlers so nahe zu kommen, wie es eben geht.


4. Was uns zur finalen Frage führt: Wie sieht es mit der Digitalfotografie aus?

Was die Skalierbarkeit angeht, so sieht es ausgesprochen schlecht aus. Denn die Möglichkeit der unbegrenzten digitalen Kopierbarkeit des Endergebnisses stellt die künstlerische Natur per se in Frage. Warum gibt es viele Camera-Apps, die versuchen die Nichtskalierbarkeit nachzuahmen. Da muss geschüttelt werden, da ist das aufgenommene Bild erst nach Minuten oder gar Stunden, oder wenn ein virtueller Film vollgeknipst ist, sichtbar. Von manchen Apps wird auch der virtuelle „Kommissar Zufall“ in Form „zufällig“ hinein gerechneter Bildstörungen und Effekte bemüht. Alles vergeblich, denn selbst wenn man diesen „Krücken“ ihre Berechtigung im Erstellungsprozess zusprechen würde, so bleibt das digitale Endprodukt, das Bild, doch kopierbare Massenware (sprich im allerbesten Fall meisterhafte Gebrauchsfotografie aber keine Kunst).

Vielleicht müssen wir sogar den Schluss ziehen, dass die digitale Fotografie generell einfach bestenfalls nur meisterhaft, aber eben niemals wirklich künstlerisch sein kann?

Ich freue mich auf eine breitere Diskussion.


Nachtrag / Update 2016-11-26:

Eine Leserzuschrift, die mich sehr bewegt hat, möchte ich hier noch als Nachtrag anhängen. Don, seines Zeichens Pastor, schreibt mir (leicht gekürzt):

Du darfst die Vergänglichkeit als Kriterium nicht vergessen. Du hast das unter Punkt 1 schon angesprochen. Schliesslich geht es um eine ganz grunssätzliche Frage.

Die Bibel bringt das für mich am besten auf den Punkt. In Psalm 90 Vers 12 heisst es:

"Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."

Und genau darum geht es. Das der Vergänglichkeit unterworfen sein ist der Knackpunkt. Was machst Du, wenn Du Bilder machst? Du versucht, die Vergänglichkeit aufzuhalten. Den Augenblick "festzuhalten" und "einzufrieren". Das entspricht einem menschlichen Grundbedürfnis. Denn der Mensch weiss, dass er der Vergänglichkeit, d.h. dem Tod, anheim gegeben ist.

Warum werden Denkmäler errichtet, Potraits gemalt, Pyramiden gebaut und Familiendynastien gegründet? Um den Hauch der Unsterblichkeit zu erreichen. Um etwas zu schaffen, das über den Tod hinaus reicht. Um sich selbst, oder jemanden oder etwas, das man verehrt, zu "verewigen". Der Versuch ist aber von vornherein zum scheitern verurteilt, denn die Schöpfung und der Mensch sind der Vergänglichkeit unterworfen und da beisst keine Maus einen Faden ab. Die eigentliche Frage ist eine solche geistlicher Natur und härt auf den Namen "ewiges Leben". Und das gibt es nur bei Gott und nicht durch Denkmäler, Portraits, Dynastien oder Fotografien.


Eis - nicht skalierbare Kunst

There is power in the cross

There is power in the cross

Literarischer Nachttopf

Der literarische Nachttopf


Was kümmert es die stolze Eiche, wenn sich ein Borstenvieh dran wetzt?

Aus: Tadellöser & Wolff , Walter Kempowski, 1971

Aufmerksamkeits-Defizit-Kultur

Aufmerksamkeits-Defizit-Kultur


Eine Betrachtung aus vier Perspektiven.

Kürzlich in einer schwedischen Metropole. Eine grosse Konferenz mit Vorträgen bekannter Redner. Mitten in einem der Hauptvorträge nehme ich plötzlich die im Bild gezeigte Situation wahr, die mich tief erschüttert und sehr nachdenklich gemacht hat.

In den Rängen sitzen ungefähr 600 Konferenzteilnehmer, die alle einen ziemlich hohen Preis für die Teilnahme gezahlt haben. Keine Kinder oder Teenager, sondern erwachsene Menschen, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden ihrer jeweiligen beruflichen Karriere stehen.

Perpektive 1:

Auf der Bühne steht ein in Schweden sehr bekannter Redner. Seine Rhetorik ist gut und er zeigt wirklich Einsatz. Zugegeben, das Thema ist auch für mich nicht wirklich „prickelnd“. Dafür kann der arme Mensch auf der Bühne aber nichts, denn die Themen waren vorgegeben und er hat das akzeptiert und zugesagt. Seine Verantwortung ist also, zu „liefern“. (Nota bene am Rande für alle Referenten: Wirklich nur Anfragen zu Themen annehmen die „Dein Ding“ sind, sonst sind Katastrophen und Frust vorprogrammiert).

Andererseits war die Agenda auch allen Konferenzteilnehmern bekannt und niemand war gezwungen worden, diesen Vortrag zu besuchen. Es ist ja ganz normal und üblich, sich diejenigen Vorträge aus dem Programm heraus zu suchen, für die man sich interessiert und die entstehende freie Zeit fürs Networking zu nutzen. Merke: Abseits von Vorträgen die man selbst als weniger interessant empfindet und deswegen auslässt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, auf Gleichgesinnte zu treffen. Perfekt, um neue Kontakte zu knüpfen.

Der Redner jedenfalls wird gerade dafür bestraft, dass er einen guten Vortrag zu einem Thema hält, das grössere Teile des Publikums schlicht nicht interessiert. Und das nur, weil die entsprechenden Teilnehmer die Agenda entweder gar nicht studiert haben, oder ihnen das Rückgrat fehlt, einem für sie uninteressanten Vortrag fern zu bleiben und die Zeit stattdessen für Sinnvolleres zu verwenden.

Von den oberen Rängen des Auditoriums scheinen hell die Schirme der Mobiltelefone, welche die Flucht aus der Realität in eine andere Welt ermöglichen. Besonders perfide ist es, dass das für den Redner von der gut ausgeleuchteten Bühne aus auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen ist. Der hart arbeitende und schwitzende Vortragende gibt alles in der Hoffnung, dass bei den Zuhörern etwas ankommt (oder gar hängen bleibt), während diese sich sinnloser Zeitverschwendung hingeben. Es wäre ehrlicher sich selbst und dem Redner gegenüber fairer, einfach still den Saal zu verlassen.

Perspektive 2:

Respekt und Aufmerksamkeit sind immer ein Geschenk. Ich meine, wir sollten grosszügig geben und schenken. Der gesellschaftliche Trend geht klar in die entgegen gesetzte Richtung und deswegen wird diese geschenkte Aufmerksamkeit immer seltener und wertvoller. Das gilt umso mehr, je mehr verfügbare Alternativen sich dem jeweiligen Publikum bieten. Das Pardoxe dabei ist, dass alle sich gerne beschenken lassen. Fast alle Menschen stehen gerne im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Aber nur sehr wenige Menschen schenken anderen gerne die so kostbare Aufmerksamkeit.

Dazu kommt noch: Aufmerksames, ja gar aktives Zuhören ist anstrengende Arbeit. Schwere Arbeit. Die meisten Menschen ziehen anstrengender Arbeit eine weniger anstrengende Alternative vor, wenn eine solche in Reichweite ist. Und das stets mit dem Internet verbundene „Fluchttelefon“ ist immer und überall dabei und stets zur Hand. Irgendwie pervers wenn man bedenkt, was die Kosten dieser Veranstaltung waren. Und noch perverser ist, dass sich im nachhinein fast alle Teilnehmer mit dem Umstand schmücken werden, dass sie diesem und jenen Redner zugehört haben.

Perspektive 3:

Wie würde ich mit dieser Situation umgehen? Bisweilen stehe ich selbst dort oben und präsentiere oder gebe eine „Keynote Speech“. Ich stelle mir vor, wie dieses konkrete Auditorium mit dem gegebenen Thema zu begeistern sein könnte. Ein herausforderndes Gedankenspiel, aber ich mag Herausforderungen. Sie sind der einzige Weg zum Wachstum. Und sie sind immer mit Arbeit und Schmerzen verbunden. Der Kollege auf dem Podium tut mir gerade aufrichtig leid.

Perspektive 4:

Ein einfacher Ausweg wäre es zu darauf abzustellen, dass früher sowieso alles besser war. Das Publikum hatte keine leicht verfügbaren Ablenkungsmöglichkeiten. Sicher, schon immer gab es die kleinen architektonischen Details und die Frisuren anderer Menschen als Objekte gelangweilter Betrachtung. Von der möglichen multimedialer Ablenkung „at your fingertips“ aber wagte noch vor einigen Jahren niemand auch nur zu träumen. Wenn ich heute einen Konferenzsaal zu bauen hätte, würde ich ihn vorsorglich mit geerdeter Kupferfolie auskleiden lassen, um jede Chance einer Internetverbindung über mobile Daten zunichte zu machen.

Im Ernst: Noch vor 10 Jahren habe ich Vorträge mit Folien auf dem Overhead-Projektor gehalten. Heute ist bereits allein der Gedanke, ohne multimediale Powerpoint-Präsentation auf die Bühne zu gehen, geradezu unanständig (obwohl sich alle Experten einig sind, dass eine textorientierte Standardpräsentation in 99% der Fälle völlig sinnlos und sogar kontraproduktiv ist). Was für eine verkehrte Welt.

Neulich sah ich in Stockholm einen Transporter eines Entsorgungsbetriebes mit einem Anhänger vor einem der grösseren und bekannteren Hotels. Mitarbeiter trugen gut und gerne 10 Overhead-Projektoren nach draussen und warfen diese zur Entsorgung auf den Hänger. Ein Stich ging mir durchs Herz.

Ich denke übrigens nicht, dass man jedem neuen Trend „blind“ folgen sollte (und schon gar nicht muss). Das gilt besonders für die technische Entwicklung. Bei jeder neuen „Welle“ an Technik (und insbesondere Präsentationstechnik), die auf uns zurollt, ist eine differenzierte Abwägung erforderlich. Aber das ist mit Arbeit verbunden (-> Denken / Nachdenken). Einfach in der Herde der Masse mit zu trotteln und jedem neuen technischen wie gesellschaftlichen Trend bereitwillig zu folgen und hinterher zu jagen ist viel einfacher, als erst einmal selbst das Gehirn zu benutzen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt: Manche Herdentiere merken wenigstens kurz vor dem Schlachthaus wohin die Reise geht. Leider ist es dann in aller Regel zu spät. Aber jedenfalls war es einfacher und bequemer Weg. Aber zurück zum Thema. Hand aufs Herz: Denken sie einmal über die Vorträge und Präsentationen nach, die ihnen „unter die Haut gegangen“ sind und die sie verändert haben. Die Chancen stehen gut, dass das Vorträge ohne jeglichen technischen Schnickschnack waren.


Schlussfolgerungen:

Für Teilnehmer - Auch auf Konferenzen vorher das Gehirn einschalten, die Agenda studieren und nachdenken, auch wenn es anstrengend ist. Schenken sie den Referenten, denen Sie zuhören, ihre Aufmerksamkeit. Es könnte sich auszahlen.

Für Referenten - Lasst uns unsere Zuhörer mit wichtigen Themen beschenken und um ihre Aufmerksamkeit kämpfen!

Irgendwie freue ich mich auf die nächste eigene Präsentation.

Monotonie

Monotonie in der Südsee,
Melancholie bei dreißig Grad.
Monotonie unter Palmen,
Campari auf Tahiti, Bitter Lemon auf Hawaii.

- Ideal 1982 NDW (Neue Deutsche Welle) -


Nicht ganz so, aber ganz ähnlich.

Monotonie

About the future

What does the future look like? The answer to the question about the relation between technology and humanity is going to be very important within the next few years. While meditating about that topic a single quote became very important to me:

“Magic technologies corrupt. Exponential technology corrupts exponentially.”


Gerd Leonhard, Futurist

Barbed wire


Alter Zeitgenosse


William Shakespeare, König Heinrich IV, Zweiter Aufzug, Erste Szene
...
GADSHILL Ja wohl, ja wohl, die Gerichte haben sie selbst geschmiert. Wir stehlen, wie in einer Festung, schußfrei; wir haben das Rezept vom Farrnsamen, wir gehen unsichtbar umher.

...
GADSHILL She will, she will; justice hath liquored her. We steal as in a castle, cocksure; we have the receipt of fern-seed, we walk invisible.


alter_zeitgenosse

Disteln und Dornen

Stacheliges Unkraut.

Ein Ausdruck für die Plagerei des Menschen und die Mühsal des Lebens.

Das stete Ringen des Menschen um das tägliche Brot.

Zugleich ein Hinweis auf die Endlichkeit und Vergänglichkeit.

Das Bild der Distel wird oft gebraucht um die Wertlosigkeit einer Person anzudeuten.

Und Dornen wachsen oft an Orten heran, die der Verwüstung hingegeben wurden.

Disteln und Dornen

Das Bild wird klarer

Eine verschwommene Ahnung. Grau in grau. Sie verfolgt dich und nimmt dabei ganz langsam über die Jahre hinweg Formen an.

Die Szenerie ist gespenstisch und wirkt wie ein Bild im Vorbeifahren durch die beschlagenen Scheinen eines schon lange nicht mehr gereinigten Zugfensters, bei einer Reise durch die neblige Abenddämmerung.

Manchmal hasse ich es einfach, Recht zu haben.

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Gut und böse

liegen im realen Leben oft ganz dicht bei- oder nebeneinander.

Oft ist die Entscheidung einfach. Was übertrieben schön hervorstechen will, ist meistens die schlechtere Wahl. Im Unscheinbaren verbirgt sich der gute Kern. Doch die Gier nach dem Schönen verblendet Menschen gerne den Sinn. Und wenn dann noch Hunger und Verlangen hinzu kommen, ist schnell ein Unglück geschehen.

Deswegen prüfe erst Mensch, bevor du voreilige Beschlüsse fasst.

Doch sei gewahr: Manchmal kommt es auch ganz dick. Dann nämlich, wenn das vermeintlich Gute in Wahrheit auch böse, ungeniessbar oder sogar hochgiftig ist.

Gut und böse
“Gut und böse“

Kurze Durchsage zur Zukunft von Windows [Achtung: Satire]

In der FAZ hat Frau Lapplandblog beim sonntäglichen Frühstück gerade einen interessanten Artikel ausgegraben, der Auskunft über den neuen Fünfjahresplan von Microsoft gibt: „Microsoft wagt sich ins heikle Marihuanageschäft“

Dass die Kunden - zumindest die, bei denen noch ein Rest an so antiquierten Werten wie Privatsphäre und Datenschutz vorhanden sind - mit Windows 10 alles andere als zufrieden sind, ist allgemein bekannt. Sogar Microsoft hat das jetzt bemerkt und begonnen, seine Geschäftspolitik neu auszurichten. Der Artikel in der FAZ ist der deutliche Beweis für das Rebranding - ja sogar Total Business Reengineering - von Microsoft. Der Einstieg ins Drogengeschäft wird sich auch auf Windows 11 auswirken.

- Wie von Apple schon seit langen Jahren vorgemacht, wird Microsoft Windows 11 einen „richtigen“ Namen haben. Windows 11 wird „Dope“ heissen.

- Die in Windows 11 enthaltene Chatfunktion wird auf den Namen „Hasch-mich“ umgetauft werden.

- Den Startscreen beim Hochfahren wird die Botschaft „Kurbel mir einen“ zieren (genug Zeit dafür dürfte der Startvorgang allemal bieten).

- Ist das Betriebssystem mit irgend etwas beschäftigt, werden keine Sanduhren oder drehende Rädchen, sondern stattdessen die Botschaft „Stopf mich“ angezeigt.


Wie der Standardbildschirmhintergrund aussehen wird, muss ich nicht weiter ausführen. Nur soviel: Microsoft hat einen weltweiten Wettbewerb ausgeschrieben, mit dem das schönste und ansprechendste Blatt einer Cannabis sativa Pflanze gesucht wird. Dem Gewinner winken Ruhm, Ehre, Hausdurchsuchungen und eine Familienlizenz. Mit der Neuausrichtung will Microsoft vor allem ältere Nutzer ansprechen.

Symbolbild
Symbolbild

Das Jantelagen und die sozialistische Einheitssprunggrube

Manchmal ist ein einziges Bild, eine einzige Einstellung der Schlüssel zum Verständnis komplexer Geschehen und Handlungsabläufe. So geschehen bei einem abendlichen Spaziergang durch Malå diese Woche.

Zuerst aber etwas Hintergrund. Der Hintergrund besteht aus zwei Teilen, einem mehr soziologisch-psychologischen und einem regionalen Anteil.

In den skandinavischen Ländern gibt es ein kulturelles und soziologisches Kuriosum, das weitreichende Auswirkungen auf fast alle Bereiche der Gesellschaft hat. 

Das Phänomen hört auf den Namen „Jantelagen“ - „Das Gesetz von Jante“.

Es geht zurück auf einen Roman des dänischen Autors Aksel Sandemose. In „Ein Flüchtling kreuzt seine Spur“ beschreibt der Autor  Sandemose das kleingeistige Milieu einer fiktiven dänischen Kleinstadt namens „Jante“. Die ungeschriebenen Gesetze von Jante setzen alle Einwohner einem unglaublichen Druck zur Gleichmacherei und  Anpassung aus. 

In den skandinavischen Ländern wird dieses soziologische Horrorszenario erstaunlicherweise ambivalent betrachtet. Es sei positiv, dass die Begrenzung des Individualismus zu Ordnung und Struktur führten. Andererseits beinhalten die sozialen Normen eine Eingrenzung und Unterdrückung der individuellen Entfaltungsmöglichkeiten. 

Kurz: Das „Jantelagen“ ist die kodifizierte, typische „Selbstzügelung“, die auswärtige Besucher in Skandinavien sofort wahrnehmen (wenn sie denn nicht völlig abgestumpft sind). 

Das Gesetz von Jante besteht - wohl in Anlehnung an die biblischen Weisungen - aus folgenden 10 Geboten:

Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.
Du sollst nicht glauben, dass du uns ebenbürtig bist.
Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist als wir.
Du sollst dir nicht einbilden, dass du besser bist als wir.
Du sollst nicht glauben, dass du mehr weißt als wir.
Du sollst nicht glauben, dass du mehr wert bist als wir.
Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
Du sollst nicht über uns lachen.
Du sollst nicht glauben, dass sich irgendjemand um dich kümmert.
Du sollst nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.

Auch in Schweden ist das mehr als überdeutlich. Alle sind an der Oberfläche und nach aussen hin äusserst nett zueinander, auch wenn sie sich eigentlich lieber gegenseitig an die Gurgel gehen würden. Alle wirken nach aussen hin selbstlos und bescheiden. 

Der „Erfolg der Gemeinschaft und des Kollektivs“ stehen nach aussen hin im Vordergrund (weswegen in Schweden auch über Jahrzehnte sozialdemokratische [besser: sozialistische] Regierungen regiert haben). 

Das Jantelagen ist auch Grund für die mitunter verzweifelte Suche nach einem Konsens mit dem alle leben können (welcher dann aber inhaltlich in der Regel nichts mehr wert ist). Echte inhaltliche Werte, die Entscheidungsprozessen Richtung geben würden und könnten, sind sehr selten. Und wer solche Werte hat, traut sich nicht, diese zu äussern oder offen zu zeigen (sic).

Im Innern sind die Menschen in Schweden und den anderen skandinavischen Ländern aber genau so wie alle anderen menschlichen Lebewesen: 

Egoistisch und auf den eigenen Vorteil bedacht. 

Aber im „kuscheligen gesellschaftlichen Miteinander“ darf das eben nicht gezeigt werden. Aus psychologischer Sicht sind die Folgen klar: 

Resignation, ja Depression, Verlust des Selbstwertgefühls und im schlimmsten Fall zur ernsten Autoaggressionen machen sich im einzelnen Menschen breit und nehmen Raum ein. Es ist kein Wunder, dass Alkoholismus und andere Abhängigkeitsprobleme in den skandinavischen Ländern weite Verbreitung haben. 

Soweit der soziologisch-psychologische Hintergrund. 

Teil zwei der Hintergrundinformation ist regionaler und politischer Natur.

Bei einem Spaziergang durch Malå vergangene Woche standen Frau Lapplandblog und ich plötzlich wie elektrisiert vor einem Bauwerk. Ein Bauwerk, das auf einer Methode basiert, die beileibe nicht besonders ist und wahrscheinlich in allen europäischen Ländern vorkommt. Jedenfalls ist mir das hier zu schildernde Geschehnis aus verschiedenen kleineren und grösseren Gemeinden und Städten in Deutschland von den Grundlagen her nur zu gut vertraut. Das ist zwar schon einige lange Jahre her, aber in der Sache dürfte sich da nichts geändert haben.

Politische Parteien und Fraktionen sind stets auf Machterhalt bedacht (worum sollte es denn sonst auch in die Politik gehen?). Was bietet sich Besseres an, als den Bürgerinnen und Bürgern nette Geschenke zu machen um diese davon zu überzeugen, dass sie „richtig“ gewählt haben (uns das bitte auch zukünftig tun mögen)? 

Ein besonders attraktives Feld für diese Art von - nennen wir es einmal - Bestechung ist der sog. Breitensport. Gegen Ende einer Mandatsperiode und in zeitlicher Nähe zu Wahlterminen werden da gerne einmal, als Beispiel, neue Sportplätze gebaut. Dass es derer schon mehrere gibt, ist dabei völlig belanglos. Sportanlagen verkaufen sich in der öffentlichen Meinung immer gut und sind zudem über die Aspekte der Gesundheitsförderung und der Förderung des sozialen Zusammenhalts im Verein stets "trendy" zu rechtfertigen. 

Kratzt man etwas an der Oberfläche - ohne dem Ding gleich ganz auf den Grund zu gehen - wird noch ein weiterer sehr netter Nebeneffekt sichtbar. Auf den „alten“ Sportplätzen dürfen sich nach der Einweihung des Neubaus die „schlechteren“ Spieler (oder gar nicht dem Verein zugehörige Kinder und Jugendliche) vergnügen. 

Strukturen und Hierarchien werden modelliert und perpetuiert.

Zurück nach Malå und zur sozialistischen Einheitssprunggrube. 

In Malå regieren die Sozialdemokraten. Deswegen darf sich Malå auch mit dem schmucken Titel „arbetarkommun“ („Werktätigenkommun““) schmücken. Die letzten Wahlen waren heiss umkämpft (so heiss, wie es für schwedische Verhältnisse eben sein darf). Was lag da also näher, als nach der Wahl ein neues Sportfeld zu bauen und mit viel Pomp und Getöse einzuweihen (bislang gab es schliesslich nur zwei solche Plätze). Sogar für einen richtigen Kunstrasen (ob beheizt, ist uns unbekannt) hat die Finanzierung ausgereicht. 

Alles für den Breitensport, denn der ist wichtig bei den Sozialdemokraten in Malå. 

Eigenartigerweise fehlen Sitz- und Tribünenplätze rund um den Platz. Vielleicht wurde bei den Planungen ja erst gar nicht mit dem späteren Interesse der Allgemeinheit gerechnet? Oder ist das gar eine Folge des Jantelagen, denn den Sportlern soll doch keine Gelegenheit gegeben werden, sich etwa in ihrem Erfolg zu suhlen. 

Neben dem Kunstrasenplatz gibt es sogar eine kurze Aschenbahn (für eine Bahn, die rund um den Platz geht haben die baulichen Gegebenheiten und / oder das Geld nicht gereicht). Die Aschenbahn ist genau genommen keine Aschenbahn, ist doch auch sie mit Kunstbelag versehen. Und am Ende der Aschenbahn gibt es einen kleineren Abschnitt mit einer Sprunggrube für den Weitsprung. 

Ein eigentlich unwichtiges sportliches Detail. 

Wir sahen in die Grube, dann sahen Frau Lapplandblog und ich uns an, und dachten spontan dasselbe. Normalerweise entspricht die Tiefe der Spuren in der Sandgrube ziemlich genau einer Gaußschen Normalverteilung. 

Einige wenige Sportler springen nicht so weit, die Mehrheit der Springer landet in der Mitte und einige wenige zeigen eine herausragende Sprungleistung und landen ganz weit weg vom Begrenzungsbalken.

Nicht so in Malå. 

Allem Anschein nach sind fast 100% der Springer in exakt derselben Vertiefung gelandet. Die Kuhle glich an dieser Stelle mehr einem Krater. Kaum zu glauben, aber der Jantelagen schlägt auch im Sport voll durch. Deswegen haben wir die Sandgrube feierlich auf den Namen „sozialistische Einheitssprunggrube“ getauft. 

Oft sind es die scheinbar unbedeutenden Kleinigkeiten, welche die tiefen soziologischen und psychologischen Aspekte einer Gesellschaft zum Vorschein bringen.

Die „sozialistische Einheitssprunggrube“ in Malå
Die „sozialistische Einheitssprunggrube“ in Malå

Geplante Obsoleszenz, Teil 2: Die kommende Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO)

Frau Lapplandblog führt gerade - heftig schimpfend - eine schwierige Operation durch.

„Ich kann ja nur froh und dankbar sein, dass ich das damals noch in der Schule gelernt habe. Für so einen Mist musst du auch noch Geld ausgeben“.

Was war geschehen?

Der vor drei Monaten erworbene Hunderucksack hatte sich - nach ungefähr fünfmaligem Gebrauch in den Weiten Lapplands - buchstäblich in seine Einzelteile aufgelöst. Immerhin waren ca. 85% der Bestandteile desselben im Grünen noch auffindbar. In mühe- und liebevoller Kleinarbeit hat Frau Lapplandblog die Einzelteile wieder sorgsam zusammengepuzzelt und - unter Einfügung im Bestand vorhandener Ersatzteile - mit geübter Hand und festem Zwirn wieder zusammengefügt. Die Archäologen im nächsten Jahrtausend werden ihre helle Freude haben, wenn sie das Teil irgendwann einmal ausgraben sollten.

Stellt sich die Frage, warum so ein Mist mit der eingebauten „geplanten Obsoleszenz“ aktiv vermarktet und verkauft wird?

Das kann nur auf der kommenden Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO) beruhen. Aus üblicherweise bestens informierten und nicht genannt werden wollenden Insiderkreisen ist uns nämlich kürzlich folgendes zugetragen worden:

„Alle im Europäischen Binnenmarktes feil gehaltenen Produkte dürfen im Rahmen ihres konkreten Verwendungszwecks künftig nur noch höchstens 24 Monate gebrauchstauglich sein“.

Das haben die obersten Organe der EU in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank beschlossen. Das erklärte Ziel der Neuregelung sei die Ankurbelung des dahinsiechenden Binnenmarktes, denn es könne nicht angehen, dass hochqualitative Produkte gar ein ganzes Leben lang halten. Die vorgesehene zwingende begrenzte 24-monatige Gebrauchstauglichkeit muss durch die verwendeten Materialien, die Bauart und die Konstruktion sicher gestellt sein. Zuwiderhandlungen werden mit existenzbedrohenden Bussgeldern oder Zwangsinsolvenzen ("Marktbereinigung") bestraft werden.

Die Industrie übt schon seit geraumer Zeit für die kommende Neuregelung (was den meisten Leserinnen und Lesern aus eigenen Erfahrungen mit diversen Produkten bekannt sein dürfte; siehe die geschilderte Begebenheit am Anfang dieses Beitrages).

Beim Hören der Vorträge der diesjährigen Re-Publica bin ich auf einige besonders digitale Beispiele der geplanten Obsoleszenz gestossen, quasi als Ausblick, was wir in Zukunft zu erwarten haben. Allen voran die dem "Internet of Things" zugehörige Kaffeemaschinen, die über eine App auf dem Mobiltelefon gesteuert wird. Die App zur Kaffeemaschine wird so gebaut, dass sie nach dem nächsten Systemupdate auf dem Mobilgerät ihre Arbeit verweigert. Und dann wird die Entwicklung der App einfach eingestellt.

Resultat: Die High-Tech Kaffeemaschine wird zu Elektroschrott (denn wer will das technologische Highlight denn - wenn sich erst einmal daran gewöhnt wurde - als "altmodische" [sofern das überhaupt vorgesehen und möglich ist] Kaffeemaschine weiter benutzen?).

Bei höherwertigen Gütern, die aus Sicherheitsgründen nicht ab Werk "schlampig" gebaut werden können, können die kommenden Vorgaben der Europäischen Produktnachkaufverordnung (EPNVO) ganz einfach über einen eingebauten Betriebsstundenzähler erfüllt werden. Nach 24 Monaten erscheint dann im Display die Meldung „Die Lebensdauer ihres Produktes ist erreicht“

Besonders spassig stelle ich mir das bei Autos vor. Dort würde es dann heissen: „Nach den nächsten Abstellen des Motors wird sich das Auto nicht mehr starten lassen, weil die vorgesehene Produktlebensdauer erreicht ist. Eine automatischen Mitteilung an den nächstgelegenen Produktverschrotter und ihre finanzierende Bank wird gerade automatisch versendet. Danke, dass sie sich für ein Produkt aus unserem Hause entschieden hatten“.

Realisierbar ist das alles ganz einfach. Selbst die einfachsten und simpelsten technischen Geräte sind heute so elektronisiert, dass selbst Experten solche Systeme zur Begrenzung der Produktlebensdauer nicht mehr umgehen können. Ein Mechaniker aus der Autowerkstatt des Vertrauens hat mir gestern berichtet, dass viele Fehler bei neueren PKWs (lies: ab Baujahr 2002) nur noch durch Systsemupdates behoben werden können (zu denen freie Werkstätten natürlich keinen Zugang mehr haben). Ein schönes Beispiel dafür, dass die Vorschriften der kommenden Europäischen Produktnachkaufverordnung (EPNVO) ab dem Tag des Inkrafttretens auch bei älteren noch in Verkehr und Gebrauch befindlichen Geräten umgesetzt werden können, wenn es sich denn um digital gesteuerte Geräte handelt.

Konsequenterweise sollten dann auch alle nicht digital gesteuerten Geräte, d. h. Geräte, die nicht an das Internet of Things angeschlossen werden können, generell verboten werden. Wo kämen wir denn hin, wenn der Nachbar noch einen klassischen Rasenmäher in Betrieb hätte, mit dem er selbst durch den Garten rast? Undenkbar, welche Folgen das haben könnte.

Ich habe meiner Frau Lapplandblog versprochen nach einem qualitativ sehr hochwertigen Hunderucksack für unseren Hund Ausschau zu halten, bevor die EPNVO in Kraft tritt (und hoffentlich noch ganz analog).

2016 gekauft und erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der kommenden EPNVO
2016 gekauft und erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der kommenden EPNVO

Osterrituale in Lappland 2016

Kleine Zeitreise in die Vergangenheit: Ich erinnere mich gerne so um die 40 Jahre zurück. Oma hatte sich vor Ostern richtig viel Arbeit gemacht, und in der Woche vor Ostern schöne, flauschiges Moos von einer ganz bestimmten Wiese in der Nähe der alten Burg geholt. Damit hatte sie dann die Osternester für uns Kinder ausgelegt. Und beim obligatorischen Osterbesuch durften wir die Nester am Ostersonntag im Garten und rund um das Haus suchen. Selbstverständlich nach dem - ebenfalls obligatorischen - Kirchgang. Das ist lange her und die Zeiten haben sich geändert.

Zurück ins Heute. Schon 2011 hatten wir eine Serie über Ostern in Schweden gepostet (Teil 1, Teil 2, Teil 3).

Als ich am Gründonnerstag gegen Mittag  durch Arvidsjaur fuhr, hat mich die heutige österliche Realität erschreckend deutlich eingeholt.

Wie sieht es heute, 2016, mit Osterritualen in Lappland aus?

Eine Karawane aus hoch bepackten Autos mit grossen Anhängern wälzt sich aus allen Richtungen ins schwedische Fjäll. In den Autos sind Mann und Maus, will sagen, alle Familienmitglieder nebst Hund(en) dicht gedrängt zwischen grossen Reisetaschen und allerlei Wintersportausrüstung. Ich habe mir das Treiben eine längere Weile angesehen. Die Kinder tief versunken in ihre Mobiltelefone und Tablets, die Eltern (oder sagen wir - im Hinblick auf die vorherrschenden Familienstrukturen in Schweden - die mitreisenden erwachsenen Menschen) in tiefes Schweigen gehüllt. Der Reisestress steckt allen offensichtlich in den Knochen, denn schliesslich ist Hektik angesagt, um möglichst schnell ins begehrte schwedische Fjäll zu kommen.

Auf den Anhängern die vergötterten Statussymbole der norrländischen Einwohner: Schneemobile. Je neuer und PS-stärker, desto besser. Die Nordschweden sind völlig vernarrt in die nicht gerade umweltfreundlichen Monster. Ein Bekannter berichtete mir vergangene Woche ganz stolz er sei mit seinem besten Freund das Wochenende über 500 Km durch das Gebirge gegondelt und alle Knochen täten im weh (mein Mitgefühl hielt sich durchaus in Grenzen).

„Die moderne Osterliturgie: Schneemobile“
„Die moderne Osterliturgie: Schneemobile“

Ostern? Ostern in Nordschweden!

Eigentlich nur folgerichtig. So sieht das Resultat einer seit Jahrzehnten konsequent betriebenen Entkirchlichung einer Gesellschaft aus. Der Lackmustest beweist das. Die Kirchengemeinde der Svenskakyrkan (die ehemalige Staatskirche Schwedens) in Malå, die wegen akuten Mitgliederschwundes mit anderen Pfarreien zusammengelegt wurde, verzeichnet im Schnitt nicht mehr als eine Handvoll Gottesdienstbesucher. Tendenz abnehmend und Altersdurchschnitt zunehmend. Irgendetwas muss ja aber die innere Leere der Menschen füllen. Kein Wunder, dass die Rate an psychischen Erkrankungen hier in Nordschweden in die Höhe schiesst.

Die Lösung des Systems: der Konsum wird es schon richten.

Deswegen werden massenhaft Dinge angeschafft, die kein Mensch wirklich braucht, und die Schneemobile müssen immer vom Feinsten sein und immer mehr Pferdestärken haben. Das hilft aber nicht. Die Menschen fühlen sich in ihrem Inneren doch wie ein leerer Kringel, den sie zu füllen versuchen. Der - in der Regel kreditfinanzierte - Kauf- und Konsumrausch löst das Problem aber nicht (die gerne und schnell verschriebenen Pillen auch nicht).

Manche greifen auch auf altbekannte Bordmittel zurück. In vielen Kofferräumen, neben dem Stapeln Koffern und Taschen, habe ich das hier entdeckt.

Seelentröster vom Systembolaget, die doch nicht helfen...
Seelentröster vom Systembolaget, die doch nicht helfen...


Kein Wunder, dass der Alkoholverkauf in Schweden über die Kette des Systembolaget unter staatlicher Kontrolle reglementiert wird. Helfen tut das freilich auch nicht.

Ostern 2016 - Quo vadis, Schweden?

Ist vielleicht alles schon gesagt und geschrieben?

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“



Zugegeben, ich schreibe gerne. Und ich habe mein Herz schon etwas an das wunderbare Schwedisch-Lappland verloren. Das Blogschreiben hat sich im Laufe der Jahre zu einer liebgewonnenen Gewohnheit, ja zu einem guten Freund im Alltag entwickelt.

Seit 2007 schreiben wir hier rund um Lappland, über Wetter und Landschaft, Küche und Kochen, Mentalität und das Auswandern. Die Anzahl der Blogeinträge bewegt sich mittlerweile im grösseren vierstelligen Bereich. Neben allgemeinen Berichten über Menschen, Ereignisse und Events gibt es jede Menge Spezialtipps zu einzelnen Themen und Bereichen, angefangen von der richtigen Kleidung im Winter über Kochrezepte bis hin zu Tipps zum Immobilienkauf.

Manchmal „schlägt“ mich die Idee für einen neuen Blogbeitrag ganz spontan, manchmal ist sie das Ergebnis von eingehender Beobachtung und manchmal von ausgiebigem Nachdenken.

Im Moment stelle ich mir ganz ernsthaft die Frage, ob denn nach acht Jahren nicht eigentlich alles gesagt und geschrieben ist? Immer öfter stelle ich fest, dass wir zu Themen bereits etwas geschrieben haben. Und Wiederholungen sind ja bekanntlich nicht unbedingt die Krone der Weisheit.

Das Lapplandblog hat sich über die Jahre vom eigentlichen Blog mittlerweile zu einem ausgewachsenen Lappland-Wiki entwickelt. Mit Hilfe der Suchfunktion lässt sich zu fast allen Themen Wissenswertes und Informatives hervorlocken.


Kurz und gut: Es geht um die Zukunft dieses Blogs. Verschiedene Optionen liegen auf dem Tisch und ich habe mir eine Frist für die Entscheidung gesetzt.

Ich teile diese Gedanken und Überlegungen hier ganz offen und bitte um Feeback aus der Leserschaft:

Gibt es (noch) Themen und/oder Bereiche, die von besonderem Interesse sind? Habt Ihr konstruktiven Input?

Oder gibt es da draussen einen würdigen Nachfolger, der dieses Projekt übernehmen möchte?


-> Kontakt

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Leben im Jetzt oder in der Vergangenheit?

Classic Car / Oldtimer in den Wäldern Lapplands


In Lappland wird vielerorten von der „guten alten Zeit“ geschwärmt. Der Glanz vergangener Epochen scheint wie der letzte Abglanz der untergehenden Sonne am Horizont.

Vielleicht ist es ungerecht und falsch, dieses Phänomen in besonderer Weise auf Nordschweden zu beziehen, wenngleich es gewichtige Argumente dafür gibt.

Möglicherweise handelt es sich um eine allgemeine Entwicklung, aber uns fällt sie seit einigen Jahren rund um den Polarkreis ganz besonders auf.

Lappland ist ja ein wahres Paradies der Vergangenheit. Ein Beispiel: In den Wäldern finden sich Massen bildhübscher Oldtimer und die Forgotten Places sind reich gesät.

Das spiegelt sich in den Menschen, die hier leben, wider. In vielen Gesprächen erleben wird, dass Menschen, ja ganze Gruppen krampfhaft an Geschichten und Begebenheiten aus der „glorreichen, guten alten Zeit“ festhalten. Daran, wie gross und bedeutsam z. B. eine Siedlung in den 50er Jahren einstmals war, obwohl dort heute nur noch eine handvoll Menschen leben. Oder dass das Folkets Hus (Dorfgemeinschaftshaus, vergleichbar mit einer Stadthalle im Kleinformat) eines Ortes in den 60ern einmal der Veranstaltungsort grosser Tanzveran-
staltungen war, obwohl das Haus heute nur noch ein baufälliger Trümmerhaufen ist.

Viele Menschen hier - ab dem Mittelalter aufwärts - leben in der Vergangenheit und sind dort geistig und emotional stehen geblieben. Paradoxerweise werden die scheinbaren „Segnungen“ der modernen Technik gerne angenommen (meist in äusserst unguter Art und Weise, Stichwort z. B. Windkraft, aber das würde einen eigenen Blogartikel füllen). Dennoch gleichen aber der inneren Einstellung nach ganze Landstriche einem grossen Museum.

„History is more or less bunk“ hat Henry Ford bekanntlich gesagt. Und damit wollte er wohl zu einem Leben im Jetzt statt in der Vergangenheit aufrufen. Ein bemerkenswerter Gedanke. Keine Frage: Es ist wichtig, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen. Wir sind nicht gezwungen, die gleichen Fehler immer wieder machen zu müssen. Wo die Beschäftigung mit der Vergangenheit aber nur der Glorifizierung vergangener Zeiten dient, läuft psychologisch gewaltig etwas schief.

Leider leben die meisten Menschen bekanntlich entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Die allerwenigsten in der Gegenwart.

Wer in der Gegenwart lebt, ist präsent und hat Freude am Leben.

Wer demgegenüber in der Vergangenheit lebt, hat diese in aller Regel nicht aufgearbeitet und sucht in ihr das ihm Vertraute und Bekannte. Er hat Angst im Jetzt zu versagen und Angst davor, was ihn in der Zukunft erwarten könnte.

Hinzu kommt, dass der Schwede meisterhaft in der Kunst des „sopa under mattan“ (die Kunst des unter den Teppich kehrens) ist. Der Hügel wächst mit der Zeit, bis man irgendwann - absehbar - kräftig darüber stolpert.

Wer sich mit dem Thema akustisch und literarisch vertiefend befassen möchte, dem sei folgender Klassiker (hier eine Aufnahme von 1969) ans Herz gelegt:



Die Lyrics zum Song gibt es hier.

Besser könnte ich es nicht zusammenfassen...

Dringender Hilferuf an die EU: Normierung von Toilettenpapierrollenkernen erforderlich!

Aufmerksame Leser kennen die Rubrik „Europäisches“ schon. Hier geht es um die existentiellen Probleme der Menschheit und des täglichen Lebens, derer sich die EU in Form allgemeinverbindlicher Regelungen zur Erhaltung von Weltfrieden und Umwelt (sprich: Klima) unbedingt schleunigst annehmen sollte.

Während des dramatischen Kälteeinbruchs der vergangenen Tage in Lappland - das Thermometer sank bedenklich nahe an die Grenze von minus 40 C - habe ich wesentliche Teile des Tages damit verbracht, Holz in den Ofen zu stapeln. Aber um die jüngste Kälte soll es hier nur mittelbar gehen.

Jedenfalls: Manchmal ging der Ofen aus und ich musste ihn neu anfeuern. Dazu eignen sich alte Zeitungen ganz besonders, womit übrigens zugleich auch klar beweisen wäre, dass die Zukunft des klassischen Journalismus zumindest in kalten Regionen gesichert ist. Vielleicht freilich mit einem anderen Geschäftsmodell, denn die Zeitung von gestern brennt eben so gut, wie die von heute. Aber auch das ist wieder eine andere Diskussion, die zu einem späteren Zeitpunkt geführt werden kann.

Als ich also so mein Anfeuerpapier auf dem Holz verteilte, fiel mir eine grosse Tüte mit Toilettenpapierrollenkernen in die Hände. Sehr schön, denn die brennen sehr gut. Eines fiel mir aber auf: In Länge, Wandungsstärke und Durchmesser unterschieden sich die Toilettenpapierkernrollen. Sehr merkwürdig. Und während ich dann ans Zündeln ging und in die Flammen starrte, entfaltete sich die ganze Tragweite vor meinem geistigen Auge: Im Unterschied zur Grösse von Eiskugeln (über die wir hier schon ausführlich gesprochen hatten) ist die Erforderlichkeit allgemeiner europarechtlicher Vorschriften zu Toilettenpapierkernrollen äusserst akut. Schliesslich handelt es sich um einen Artikel des täglichen Bedarfs in der allgemeinen Bevölkerung.

Nach aktuellen Statistiken liegt der Durchschnitt an verbrauchtem Toilettenpapier in der EU bei satten 13 Kg (in Deutschland liegt er bezeichnenderweise sogar noch darüber: 15 Kg).

Können Sie sich vorstellen, über wie viele Toilettenpapierrollen wir also reden?

Rechnen wir doch einmal: Das durchschnittliche Gewicht einer Toilettenpapierrolle liegt bei 100 Gramm. Wir teilen 13 Kilo durch 100 Gramm und es ergeben sich 130 Toilettenpapierrollen pro Jahr und EU-Bürger. Die EU hat derzeit 508 Millionen Einwohner. Das ergibt 66040000000 (auf Deutsch ungefähr 66 Milliarden) Toilettenpapierrollen pro Jahr in der gesamten EU. Eine völlig unvorstellbare Menge. Sammeln Sie einmal 10 Toilettenpapierkernrollen und legen Sie diese vor sich auf den Tisch; und jetzt stellen Sie sich 66 Milliarden Stück davon vor.

Wie ich bereits erwähnt habe, unterscheiden sich die im Feldversuch untersuchten Toilettenpapierkernrollen in Länge, Wandungsstärke und Durchmesser (schwacher Trost: immerhin sind sie alle aus Recyclingspapier hergestellt).

Kurz und gut: Ein Fall von Intransparenz und Irreführung par excellence. Der Verbraucher muss geradezu getäuscht werden. Denn selbst wenn der Rollendurchmesser aussen gemessen derselbe ist, sagt das überhaupt nichts über die Menge an Papier auf der Rolle aus, wenn die Kerne unterschiedlich sind. Von den feinen Unterscheidungen zwischen ein-, zwei-, drei- und vierlagigem Papier wollen wir einmal ganz absehen. A propos: Wenn wir schon bei Neuregelungen sind, dann machen wir gleich das zweilagige Toilettenpapier zum Standard. Etwas Luxus wird dabei gegen Belange des Umweltschutzes abgewogen. Die Struktur für die Prägung und ein alternatives Muster legen wir auch gleich fest.

Hinzu kommt ein Weiteres: 66 Milliarden Toilettenpapierkernrollen schreien geradezu nach Wiederverwertung. Ein neues Recyclingsystem muss her. Da werden 66 Milliarden Stück eines wertvollen und recyclingfähigen Gebrauchsproduktes jährlich einfach weggeworfen. Ein unvorstellbarer Skandal.

Nebenbei gäbe es noch einen weiteren interessanten Aspekt der Gleichheit: Es soll doch tatsächlich EU-Länder gegen, in denen das Toilettenpapier (noch) nicht auf Rollen im Handel ist. Das ist gleich der nächste Skandal, der im Zuge einer umfassenden Regelung mit erledigt werden könnte.

Während meine Gedanken heisslaufen und ich mich mit Frau Lapplandblog darüber austausche - Sie holt übrigens zunächst das Fieberthermometer, was ich nicht ganz verstehe - wirft Sie den klugen Gedanken in den Ring, dass es ein Hygieneproblem geben könnte. Aber kein Problem, dass nicht durch eine saubere Normierung und juristische Regelungen gelöst werden könnte. Der EU-Einheits-Toilettenpapierrollenkern muss aus einem gewichtsarmen desinfizierbaren Recyclingplastik hergestellt werden, dass mindestens eine bestimmte Anzahl von Wiederverwertungs- sprich Desinfektionszyklen toleriert (Vorschlag: zehn).

Liebe Eu-Kommission, meine Vorschläge für eine neue EU-Rechtsverordnung zur Einführung und Vereinheitlichung von Toilettenpapierrollenkernen sind:

1. Regelungen zur Verbindlichkeit des Feilhaltens von Toilettenpapier auf Rollen.

2. Vorschriften zur EU-weiten Verbindlichkeit des zweilagigen Toilettenpapiers samt Regelungen über die zu verwendenden Papierarten. Ausnahmen für hochrangige Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens können vorgesehen werden.

3. Regelungen zu Länge, Wandungsstärke, Durchmesser und Gewicht der Toilettenpapierrollenkerne.

4. Regelungen zu den zulässigen Materialien der Toilettenpapierrollenkerne.

5. Vorschriften über die Einführung eines neuen europaweiten Recyclingsystemes; insbesondere zu den einzuhaltenden Desinfektions- und Hygienestandards.

Dieser Vorschlag ist übrigens alternativlos, wenn der Niedergang von Wirtschaft und Umwelt noch abgewendet werden soll.

Dringender Hilferuf an die EU: Normierung von Toilettenpapierrollenkernen erforderlich!
Der Stein des Anstosses und die Wurzel des Übels: Toilettenpapierrollenkerne

Klara Nordin: Septemberschuld - Der nächste Lappland-Krimi ist erschienen

Klara Nordin: Septemberschuld - Der nächste Lappland-Krimi ist erschienen


Die langen und kalten Winternächte um den Polarkreis in Lappland sind die geeignete Zeit, um in aller Ruhe Bücher zu lesen. Denn was gibt es schöneres, als bei klirrenden minus 30 Grad vor dem knisternden Ofen auf dem kuscheligen Sofa zu liegen, Beine und Füsse in eine Decke eingehüllt, eine schnurrende Katze auf den Oberschenkeln zu haben, und in die Welt eines Buches einzutauchen?

Welche Lektüre kann ich heute empfehlen?

Nach Ihrem Erstlingswerk "Totenleuchten" hat Klara Nordin vor drei Monaten "Septemberschuld", das zweite Werk Ihrer Reihe von Lappland-Krimis veröffentlicht.

Diesmal taucht Sie tief in die Welt der samischen Ursprungsbevölkerung ein. Das Buch beginnt mit einer sehr blutigen Leiche, die unter sehr mysteriösen Umständen ums Leben gekommen zu sein scheint. Ihrem in Totenleuchten begonnenen Leitthema, dass die Tatausführung einen Bezug zur Schlachtung von Rentieren hat, führt Sie gekonnt weiter. Mehr sei nicht verraten.

Auch in Septemberschuld ist Klaras Gabe, ganz unterschiedliche Handlungsstränge gekonnt zu verflechten, faszinierend. Viele Charaktere sind uns dabei bereits aus Totenleuchten bekannt. Ihre Personenbeschreibungen zeichnen Psychogramme der Beteiligten (und Unbeteiligten), die wiederum geradezu erschreckend zutreffende, tiefe Einblicke in die (nord-)schwedische Seele zeigen. Und die Handlung ist, wie sie bei einem richtig guten Krimi sein soll. Am Anfang undurchsichtig. Dann gibt es verschiedene Spuren, denen der Leser gedanklich folgt, und im letzten Viertel des Buches entfaltet sich eine ungeheure Geschichte (die eine der "Heiligen Kühe" der Wirtschaft in Nordschweden berührt). Mehr sei auch dazu nicht verraten. Nur so viel: Die Spannung hält von der ersten bis zur letzten Seite.

Ihre Hausaufgaben hat Klara Nordin auch dieses Mal wieder gelungen gemacht. Die detailreichen Schilderungen der Locations sind besser als jeder Reiseführer.

Prädikat: Auch Septemberschuld ist Pflichtlektüre für Krimiliebhaber, die Ihr Herz an Nordschweden verloren haben. Und auch alle anderen Krimibegeisterten kommen voll auf ihre Kosten.

Septemberschuld ist erschienen bei Kiepenheuer & Witsch und hat 336 Seiten. Das Buch kostet 9,99 Euro und ist auch als Ebook erhältlich. Bei Audible gibt es Septemberschuld auch als Hörbuch.

-> Mehr Infos und eine Bestellmöglichkeit gibt es auf der Homepage der Autorin: www.klaranordin.de

2015/2016 - Blick zurück nach vorn - Achtung: Philosophische Betrachtung!

Was ist gewesen? Das, was sein wird! Und was hat man gemacht? Das, was man machen wird! Und es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Prediger Kap. 1 Vers 9



Polare Stratosphärenwolken
Apokalyptisch anmutendes Szenario: Polare Stratosphärenwolken


Apokalyptisch anmutende Szenerie


Umgangssprachlich wird die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr gerne als die Zeit „zwischen den Jahren“ bezeichnet. Eine Zeit der Rück- und Vorschau. Das apokalyptisch anmutende Schauspiel polarer Stratosphärenwolken (auch unter dem Namen „Irisierende Wolken“ oder „Perlmuttwolken“ bekannt) hat gestern die passende Umrahmung für diese Betrachtung geliefert. 
 


Wendezeit - Warten auf den sechsten Kondratjew 

Auch bei wohlwollender Sichtweise offenbart die Rückschau auf 2015, dass die globale (und an sehr vielen Stellen auf der Welt ebenso die lokale) Situation - bildlich gesprochen - „richtig im Dreck“ steckt. 

Betrachten wir als Beispiel die wirtschaftliche Lage: Nach den diversen Krisen des vergangenen Jahrzehnts schleppt sich die Konjunktur auf dem letzten Loch pfeifend dahin. Hunderte Milliarden werden heute hierhin und morgen dorthin gepumpt, ohne dass sich eine tiefgreifende und nachhaltige Erholung abzeichnet. Es wäre dringend an der Zeit für einen neuen Innovationsschub; eine neue Basisinnovation wäre vonnöten, um der Wirtschaft wieder Schwung zu geben. In der Wirtschaftswissenschaft gibt es dazu das Modell der „langen Wellen“.

Einer der bekanntesten Forscher auf diesem Gebiet war der sowjetischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew (manchmal findet sich auch die Schreibweise „Kondratieff“). Nach ihm ist auch eines der Wellenmodelle benannt: Die Kondratjew-Zyklen. Sie beschreiben eine Theorie zur zyklischen Wirtschaftsentwicklung, die Theorie der Langen Wellen.

Nach Kondratjews Theorie dauern die langen Wellen zwischen 40 und 60 Jahren und bestehen aus einer länger andauernden Aufstiegsphase und einer kürzeren Abstiegsphase. Im statistischen Mittel wird der Tiefpunkt durchschnittlich nach 52 Jahren durchschritten.

Die fünfte Langwelle (auch kurz als „fünfter Kondratjew“ bezeichnet) hat in den 70er Jahren begonnen und hat den Schwerpunkt „Infomations- und Kommunikationstechnik“ (mit dem Internet als technische Speerspitze der Entwicklung). Der Stosskraft dieser Welle ist mittlerweile aber die Puste ausgegangen. Echte grundlegende Innovation gibt es nicht mehr. Detailverbesserungen sind noch an der Tagesordnung, aber Entwicklungen mit revolutionärer Innovationskraft? Fehlanzeige!

Die Talsohle am Ende dieses fünften Kandratjews dürfte demnach das sein, was wir seit einigen Jahren in Form von Krisen, die Schwarmbeben gleich über die Welt laufen, erleben. Wir dürfen also des sechsten Kondratjews harren.

Kurz: Es scheint eine Wendezeit zu sein, in der wir gerade leben.



Wo man auch hinsieht: Exponentielle Entwicklungen

Was die Sache nicht besser macht ist, dass wir an vielen Stellen von Gesellschaft und Wirtschaft ein anderes Phänomen deutlich erkennen können, das auf den Namen „exponentielle Entwicklung“ hört. Worum es dabei geht, beschreibt am besten die folgende Legende (verkürzt zitiert nach Wikpedia):

Der indische Herrscher Shihram tyrannisierte seine Untertanen und stürzte sein Land in Not und Elend. Dieser gewährte dem weisen Brahmanen Sissa einen freien Wunsch. Dieser wünschte sich Weizenkörner: Auf das erste Feld eines Schachbretts wollte er ein Korn, auf das zweite Feld das doppelte, also zwei, auf das dritte wiederum die doppelte Menge, also vier und so weiter. Der König lachte und war gleichzeitig erbost über die vermeintliche Bescheidenheit des Brahmanen.

Als sich der tyrannische Herrscher einige Tage später erkundigte, ob Sissa seine Belohnung in Empfang genommen habe, musste er hören, dass die Rechenmeister die Menge der Weizenkörner noch nicht berechnet hätten. Der Vorsteher der Kornkammer meldete nach mehreren Tagen ununterbrochener Arbeit, dass er diese Menge Getreidekörner im ganzen Reich nicht aufbringen könne. Auf allen Feldern eines Schachbretts zusammen wären es 2 hoch 64 oder 18.446.744.073.709.551.615 (≈ 18,45 Trillionen) Weizenkörner. Mehr Weizenkörner, als es auf der ganzen Welt gab und gibt...


Das tückische an exponentiellen Entwicklungen ist, dass sie am Anfang sehr einer linearen Entwicklung ähneln.

Die Entwicklungskurven sehen zunächst ganz ähnlich aus, bis die exponentielle Kurve - scheinbar plötzlich - abhebt und steil „gen Himmel geht“. Nach diesem Muster verlaufen fast alle schweren Krisen auf individueller (Beispiel: Vermehrung von Bakterien) wie auf globaler (Beispiel: Finanzkrisen) Ebene.

Die exponentiellen Krisenentwicklungen sind nun leider mit der Talsohle der Kondratjew-Zyklen untrennbar verbunden.


Zone Vier?

Professor Heijo Rieckmann hat einen weiteres Modell begründet, das zur Erklärung der derzeitigen Lage einen wichtigen Erklärungsansatz liefert.

Er versteht Veränderungen in der Dimension der beiden Begriffe Komplexität („complexity“) und Dynamik („dynamics“). Die beiden Faktoren hat er zu dem Begriff „Dynaxity“ verbunden, das die Kombination aus Dynamik und Komplexität beschreibt.

Rieckmann sieht vier Zonen der Dynaxity:  1. statisch, 2. dynamisch, 3. turbulent und 4. chaotisch. Von Zone zu Zone nimmt die Dynaxity, d.h. Komplexität der Umwelt und der für Entscheidungen massgeblichen Faktoren und die Dynamik, d.h. der Veränderungstakt in der Umwelt, zu. Zwischen Zone 3 und 4 hebt die Dynaxity exponentiell ab.

In der Zone 1 (statisch) herrschen weitgehend statischen Verhältnisse. Es gelten einfache Regeln und Strukturen. Menschen fühlen sich hier sehr wohl, denn alles hat seine feste Ordnung.

In der Zone 2 (dynamisch) herrschen beherrschbare Veränderungen, z. B. kontinuierliches Wachstum. Mit vielen Regeln und der Daten- und Faktenorientierung lässt sich diese Zone noch gut beherrschen. Die Umwelt wird aber bereits als störend empfunden. 

In der Zone 3 (turbulent) versagen die mechanistischen Ansätze, mit denen sich die beiden ersten Zonen noch beherrschen liessen. Das gesamte System erscheint plötzlich „lebendig“ und weist eine hohe Eigendynamik auf, die sich unter dem Druck externen Turbulenzen immer weiter verstärkt. Alles ist mit allem vernetzt. Rückkopplungsprozesse (die Lösung eines Problems erzeugt zahlreiche neue) kennzeichnen die Entscheidungsprozesse. 

In der Zone 4 (chaotisch) geht die Steuerbarkeit von Systemen schliesslich verloren. Jetzt herrschen extrem hohe Komplexität und Dynamik, die praktisch nicht mehr gesteuert werden können. Dieser Grad an Dynaxity findet sich z. B. bei Naturkatastrophen, Bürgerkriegen, aber auch psychotische Zustände von Menschen und Systemen.


Vorläufiges Fazit: Nimmt man das Wellenmodell (derzeitige Talsohle), die exponentielle Entwicklung (Kurve kurz vor dem Abheben) und einen Dynaxitygrad auf der Grenze zwischen drei und vier zusammen, dürfte das die derzeitige Situation der Welt recht gut beschreiben. 


Die Entschleunigung der Zeit

Worin kann die Lösung des scheinbar Unlösbaren liegen? Ich meine, sie kann nur auf der ganz individuellen Ebene gefunden werden. Entschleunigung ist angesagt. Nur so können wir uns die kleine Verschnaufpause schenken, deren Zeitgewinn vielleicht über Zukunft oder Nicht-Zukunft entscheidet.

Der österreichische Universitäts-Professor Peter Heintel hatte bereits 1990 eine charmante Idee, um dem Wahnsinn etwas entgegen zu setzen. Er gründete kurzerhand einen Verein zur Verzögerung der Zeit.

Nach der Satzung des Vereins verpflichten sich alle Mitglieder „innezuhalten und nachzudenken und zwar dort, wo blinder Aktionismus und partikuläre Interessen Scheinlösungen produzieren“.

Denn ein entscheidendes Problem der gegenwärtigen Zeit liegt in der Beschleunigung, d.h. dem Wunsch, möglichst viel in immer kürzerer Zeit immer schneller zu erreichen. Die Beschleunigung hat mittlerweile allerorten Einzug gehalten. Das ist nicht mehr menschlich, denn Lebewesen können nicht einfach gegen ihre Eigenzeit schneller funktionieren. Ein Blick in die Natur macht das anschaulich: Organische Wachtsumsprozesse brauchen ihre Zeit. Der Glaubenssatz des „schneller ist besser“ wurde aber erfolgreich in die Köpfe der Menschen implantiert.

Kurz: Nicht die Zeit, sondern das Tempo macht uns fertig.

Entschleunigung könnte der entscheidende Ansatz sein, der das Leben lebenswert erhält.

In diesem Sinne: Einen guten Start in das Jahr 2016!   

Gänsehaut, der kalte Krieg und die Zukunft

Eine Reise in die Vergangenheit: Auf einer Fahrt in Richtung Finnland vor einigen Tagen hatte uns eine kurze Pause abseits der E4 wieder einmal eine Gänsehaut beschert. Nur einige Kilometer von der E4 entfernt, auf der sich im Sommer Scharen von Touristen bewegen, sind wir auf einen idyllischen Platz gestossen. Ein kleiner Waldspaziergang hat uns jedoch abrupt in die Abgründe vergangener Realitäten geführt. 

In den heissen Zeiten des kalten Krieges (nach Lehrbuch die Zeit von 1947 bis 1989) war Schweden von den westlichen Bündnispartnern als eines der Hauptaufmarschgebiete (zutreffender wäre wohl der Begriff „Schlachtfelder“) eines möglichen Ost-West-Konfliktes, sprich einer Invasion aus dem Osten, ausersehen worden (und das obwohl Schweden zu keiner Zeit Mitglied der NATO war). Das Wettrüsten in unvorstellbarem Ausmass hatte seine Spuren auch in Schweden hinterlassen.

Unser kleiner Waldspaziergang führte uns somit mitten in ein Feld aus Panzersperren und Bunkeranlagen, die uns eine Gefühl von Gänsehaut beschert haben. Den Überresten geheimer Flugfelder sind wir im Inland schon häufiger begegnet, aber so grossflächige und massive Verteidigungsanlagen waren sogar für uns neu. 

Unsere journalistische Ader erwachte und wir begannen, uns im nächsten Dorf bei Anwohnern etwas näher über die jüngere Geschichte zu erkundigen. Bereitwillig wurde uns von grossen und weitläufigen Bunkeranlagen mit meterdicken Betonwänden und Armierungseisen in Unterarmstärke berichtet, die auch direkten Angriffen mit Kernwaffen standhalten sollten. Die meisten Anlagen sind seit dreissig Jahren verwaist, die Eingänge wurden verschlossen. Einige Objekte aber werden von Vereinen gepflegt und können besichtigt werden.

Die Stimmung an diesen Orten ist eigenartig. Die Natur hat sich ihren Teil zurückgeholt und Rentiere weiden zwischen tonnenschweren Betonklötzen; Kraniche ziehen friedlich ihre Bahnen am Himmel. Die Anmutung von Chaos und Zerstörung scheint aber dennoch atmosphärisch konserviert und bedrückt die Stimmung des Besuchers.

Der rüstige Rentner, mit dem wir uns angeregt unterhalten haben, war in Gesprächslaune. Nennen wir ihn Lars. 

Lars zeichnete in groben Zügen das grosse Bild der vergangenen Zeiten.

Bekanntlich hatte Schweden in den 70er-Jahren geradezu aberwitzig hohe Steuersätze durch die Kombination von Ertrags- und Substanzsteuern. Der schwedenkundige Leser erinnert sich an populäre Beispiele wie Astrid Lindgren oder ABBA. Die zu zahlende Steuerlast hatte dazu geführt, dass die Steuern und Abgaben mehr als 100 Prozent der Einnahmen ausmachten. Normalerweise wird das als Teil der wirtschaftlichen Blütezeit Schwedens in den Nachkriegsjahren bis zum Ende der 70-er Jahre gesehen und in diesem Kontext bewertet: Der Lebensstandard und das Wohlfahrtssystem waren europaweit legendär, was die sprudelnden Steuereinnahmen verschlang. 

Lars war kritischer und zeichnete ein anderes Bild. „Was meinst Du“, fragte er, „wo ein Grossteil der ganzen Steuermillarden hin gegangen sind?“. Und er berichtete uns von den geheimen Grossbaustellen unvorstellbaren Ausmasses. „Das hat alles unglaublich viel Geld gekostet, und seit dreissig Jahren gammelt alles vor sich hin“, fuhr er fort, um uns dann zu belehren, „dass Schweden zu dieser Zeit an der Weltspitze mit den Pro-Kopf-Rüstungsausgaben gelegen hatte“. Wir fragten nicht nach, woher er die gute Kenntnis der Zusammenhänge besitzt.  

Er rundete seinen kleinen Vortrag ab: „Die in Schweden sehr schwere Finanz- und Bankenkrise der späten 80-er und frühen 90-er Jahre hatte dann das Geld versiegen lassen, und die Entspannung zwischen Ost und West gegen Ende der 80-er Jahre hatte das alles hier obsolet werden lassen. Die Ruinen bleiben uns als Erinnerung erhalten.“  

Wir packten zusammen und setzten unsere Reise gen Finnland fort. Die Gedanken kreisten nun Kilometer für Kilometer um die eindrücklichen Bilder und die Berichte von Lars.

Uns verbindet die Hoffnung, dass die Ruinen weiter verfallen und die Zeiten des kalten Krieges gezählt sind.

Möge Schweden weitere 200 Jahre in Frieden leben. 

Panzersperren: Die Natur erobert sich das Gebiet zurück
Panzersperren: Die Natur erobert sich das Gebiet zurück


Diese tonnenschweren Kolosse wären im Ernstfall <br />mit einem Handgriff auf die Strasse zu rollen gewesen.
Diese tonnenschweren Kolosse wären im Ernstfall
mit einem Handgriff auf die Strasse zu rollen gewesen.


Aus aktuellem Anlass: Zum Lokführerstreik aus juristischer Sicht

Heute wieder einmal "off topic". Manchmal packt mich meine juristische Vergangenheit. Zehn Jahre als Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht gehen eben doch nicht ganz spurlos an einem vorbei. Der folgende Beitrag soll - mit der gebotenen Distanz - eine allgemein verständliche Erklärung geben, was da gerade geschieht und wie das Geschehen juristisch zu werten ist.

Ich höre und lese die allgemeine Berichterstattung in deutschen Medien über den Streik der Lokführergewerkschaft GDL. Ich lese, wie Politiker nun gesetzliche Einschränkungen des Streikrechts und ein Gesetz zur Zwangsschlichtung von Auseinandersetzungen zwischen Tarifvertragsparteien fordern. Aha. Sind die wirklich juristisch so unbeleckt, oder steckt da böser Wille dahinter?

Der Reihe nach. Das Arbeitskampfrecht in Deutschland ist gesetzlich nicht geregelt. Alle praktischen Regelungen sind durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des Bundesarbeitsgerichts (BAG) entstanden. Und die gesamte Rechtsprechung fusst unmittelbar und direkt in Artikel 9 Abs 3 des Grundgesetzes (GG). Der hat - soweit hier von Interesse - folgenden Wortlaut:

„Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen, Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig.“

Gewerkschaften auf der einen Seite und Arbeitgeber und Arbeitgebervereinigungen auf der anderen Seite haben also unmittelbar vom Grundgesetz vorgegebene Rechte. Artikel 9 GG ist ein sog. unbeschränktes Grundrecht. Das bedeutet: gesetzliche Einschränkungen dieses Grundrechts sind nicht möglich, wenn sie nicht direkt im GG vorgesehen sind. Im GG selbst sind aber nur Einschränkungen für den Kriegsfall vorgesehen (aus nachvollziehbaren Gründen). Da wir uns aber - Gott sei Dank - nicht im Kriegsfall befinden, sind Einschränkungen der Rechte aus Art. 9 GG nicht möglich.

Nun regiert in Deutschland ja gerade eine grosse Koalition. Könnte da nicht möglicherweise direkt das Grundgesetz geändert werden? Nein, denn Art. 79 Abs. 3 GG bestimmt:

„Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“

Die Grundrechte der Art. 1 und 20 können also nicht "berührt" werden. Damit wird aber auch Art. 9 geschützt. Denn auch die übrigen Grundrechte werden als „Derivat der Menschenwürde“ in Art. 1 GG definiert und geniessen dadurch einen abgeleiteten Ewigkeitsschutz. Art. 9 ist ausserdem für eine demokratische Regierungsform unerlässlich und damit ebenfalls über das Demokratieprinzip in Art. 20 geschützt. Hinzu kommt, dass sich Art. 1 Abs. 3 GG, der von der Ewigkeitsgarantie erfasst wird, zu Grundrechten „als unmittelbar geltendes Recht“ bekennt. Das bedeutet, dass es überhaupt Grundrechte geben muss. Damit sind der Aufhebung von Grundrechten durch Verfassungsänderung enge Grenzen gezogen.


Was folgt nun aus Art. 9 Abs. 3 im Hinblick auf das Streikrecht?

Das BVerfG und das BAG sehen in Art. 9 Abs. 3 u. a. die "kollektive Koalitionsbetätigungsfreiheit". Auf Deutsch: Gewerkschaften und Arbeitgeber und Arbeitgeberverbände haben die Möglichkeit Ihre Positionen und Rechte mit den Mitteln des Arbeitskampfes durchzusetzen.

Auf Gewerkschaftsseite ist dieses Kampfmittel der Streik. Ein ordnungsgemässer Streik setzt folgendes voraus:

- Er muss von einer Gewerkschaft "getragen", d.h. veranlasst werden und es muss einen ordnungsgemässen Streikbeschluss geben.

- Er muss die "Ultima ratio", d.h. das äusserste Mittel sein. Zuvor muss also versucht werden zu verhandeln.

- Er darf nur Ziele verfolgen, die auch durch einen Tarifvertrag geregelt werden können. Ein Streik zur Durchsetzung rein politischer Ziele wäre also z. B. unzulässig.

- Er darf die in einem bestehenden Tarifvertrag geregelte Friedenspflicht nicht verletzen. Solange also ein Tarifvertrag gilt, der eine bestimmte Frage regelt, darf die Gewerkschaft bezüglich dieses Regelungsgegenstandes nicht zum Streik aufrufen.

- Der Streik muss verhältnismässig sein, darf also keine Schäden anrichten, die völlig ausser Verhältnis zum erstrebten Ziel sind. Ein Streik, der zu einer Gefährdung des Gemeinwohls führt, wäre also unzulässig. Die Hürde ist hier allerdings sehr hoch. Es gab schon wochenlange Streiks der Müllabfuhr und einen einjährigen Streik in der Metallindustrie, die von der Rechtsprechung geduldet wurden.

Beim Lokführerstreik kommt noch ein Treppenwitz der Geschichte hinzu. Früher einmal waren die Bahnbediensteten Beamte. Die durften nicht streiken. Aber die Bahn musste ja unbedingt privatisiert werden, um sich "dem Markt" und "dem Wettbewerb" zu stellen. Dann gelten aber auch die Gesetze, die für Unternehmen im nichtstaatlichen Bereich gelten. Es darf also - abgesehen von den noch vorhandenen Beamten im Altbestand - gestreikt werden.

Wo liegt also das Problem?

Ich habe volles Verständnis für alle Reisenden und als ehemaliger Vielbahnfahrer hätte ich mich persönlich höchstwahrscheinlich auch masslos geärgert. Keine Frage. Aber hier üben Gewerkschaften und ihre Mitglieder Grundrechte aus. Und als Folge des Streiks verlieren die streikenden Arbeitnehmer schliesslich auch ihre Vergütungsansprüche, denn der Streik führt dazu, dass die betroffenen Arbeitsverhältnisse "suspendiert", d.h. auf Eis gelegt werden.

Alle, die jetzt nach gesetzlichen Einschränkungen rufen tun das entweder aus gnadenloser juristischer Unwissenheit (hoffentlich), oder weil sie die "FDGO", die freiheitliche demokratische Grundordnung abschaffen wollen. Macht Euch das bitte mal bewusst, Leute!

A propos: Art. 20 Abs. 4 GG besagt:

„Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

So, das musste jetzt mal raus. Zurück zur Tagesordnung.

Im Wandel der Zeit: Kundgebungen zum 1. Mai in Nordschweden

Disclaimer: Eigentlich sind Berichte über Politik hier im Blog ein Tabuthema. Ausnahmsweise breche ich heute aus aktuellem Anlass aber bewusst mit diesem Grundsatz.

Als ich im vergangenen Jahr für eine schwedische Tageszeitung unterwegs war, um die örtlichen Feiern zum 1. Mai zu fotografieren, ahnte ich nicht, dass dieses Bildmaterial einmal historisch werden würde. Die Zeitung hatte auf mehreren Doppelseiten eine Zusammenstellung aller Kundgebungen in fast ganz Västerbotten gedruckt, darunter auch mein Bericht und meine Bilder aus Malå.

Heute wirkt das wie aus einer längst vergangenen Zeit. Die schwedische "Arbeiterbewegung" scheint in den letzten Atemzügen zu liegen. Im Inland von Västerbotten wurden die Kundgebungen dieses Jahr im vorhinein eingestellt mangels Beteiligung, so z. B. in Malå, Dorotea und Åsele (Quelle 1, Quelle 2).

Warum die Menschen nicht mehr auf die Strasse gehen wollen, bleibt unklar. Vielleicht fühlen sich alle hinreichend wohl. Vielleicht ist es auch einfach nur die Bequemlichkeit. Um die schwedische Sozialdemokratie - die derzeit immerhin den Statsminister stellt - scheint es derzeit jedenfalls nicht gut bestellt. Die sozialdemokratischen Vorzeigepolitiker waren natürlich bei den Kundgebungen in den grösseren Städten vertreten. Im Inland zeichnet sich aber ein unguter Trend ab. So wurden in der Nacht zum 1. Mai z. B. in Norsjö neun Fahrzeuge durch Vandalismus beschädigt. In diesem Ausmass ist das hier in der Umgebung ein bislang unbekanntes Phänomen.

Es ist schwer in Worte zu fassen und ich enthalte mich bewusst jeglichen Kommentares, aber in Nordschweden liegt eine Veränderung der politischen Landschaft in der Luft. Wie das aussehen wird und - wichtiger - wohin das führen wird, wird sich zeigen.

Hier jedenfalls - aus den Tiefen des Archives und wie aus einer längst vergangenen Zeit - einige Bilder (Outtakes) aus der Reportage vom 1. Mai 2014 in Malå.

Symbolisch schon vor dem Beginn der Kundgebung:<br />Eine Böe wirft die roten Fahnen um...
Symbolisch schon vor dem Beginn der Kundgebung:
Eine Böe wirft die roten Fahnen um...


Starrednerin in Malå war 2014 Veronica Lindholm -<br />heute sitzt sie als Abgeordnete im Reichstag
Starrednerin in Malå war 2014 Veronica Lindholm -
heute sitzt sie als Abgeordnete im Reichstag



Aber weder Veronica noch Würstchen „für umme“ halfen...
Aber weder Veronica noch Würstchen „für umme“ halfen...


Die Schar der Versammelten war 2014 recht überschaubar...
...Die Schar der Versammelten war 2014 recht überschaubar...

Die Wurzel allen Übels?
Ungefähr zur gleichen Zeit entstanden: Die Wurzel allen Übels?

Winterausklang

Alltagsgeschichten aus Lappland. Auf dem grossen Scheunendach schmilz die gewaltige Eisplatte langsam vor sich hin und hat sich in ein Gebilde verwandelt, dass einem überdimensionalen XXL „Bahlsenkeks“ ähnelt. Gute 30 cm dick ist die Eisplatte nun noch. Der Frühling allerdings scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein, bei Tagestemperaturen von derzeit Plus fünf bis sieben Grad.

Der“Bahlsenkeks“ aus Schnee und Eis auf dem Dach
Der“Bahlsenkeks“ aus Schnee und Eis auf dem Dach


In den Nächten herrschen freilich noch Minusgrade und die endgültige Winter-Entwarnung gibt es unter dem Polarkreis bislang noch nicht. In der vergangenen Woche hat es z. B. mal eben und über Nacht 15 cm geschneit. Und so führte mich die morgendliche Autofahrt ganz plötzlich wieder durch einen gediegenen Schneesturm. Gut, dass wir hier oben in Lappland die Spikereifen bis Anfang Mai aufgezogen haben (eigentlich müssen die Reifen am 15. April runter, es sei denn... mehr dazu hier)

Die Fahrt im Schneesturm jedenfalls brachte mich auf philosophische, geradezu existentielle Gedanken.

Vor mir fuhr ein grosser LKW, der hoch mit Stämmen beladen war. An Überholen war nicht zu denken. Und so ging es mit ca. 50 Km/h im gemütlich warmen Auto durchs Schneegestöber. Der LKW Fahrer aber war höflich (oder er lebte mit einer anderen inneren Uhr): Immer wieder blinkte er mit seinem rechten Blinker um mir zu signalisieren, dass ich jetzt überholen könnte.

Bei gefühlter „Sicht null“ habe ich das natürlich nicht gemacht. Andere Autofahrer hinter mir waren waghalsiger, verliessen sich auf die Signale und wagten das nicht ungefährliche Manöver. Ich wurde immer nachdenklicher.

Warum vertrauen erwachsene Menschen Ihr Leben einem Ihnen unbekannten LKW-Fahrer an, um auf ein Blinkerzeichen hin in den tobenden Schneesturm ein - potentiell lebensgefährliches - Überholmanöver zu wagen?

Sie haben offensichtlich nur das eigene Ziel vor Augen, dem Sie bereit sind, alles andere - sogar Ihr eigenes und das Leben anderer Menschen - unterzuordnen. Egoismus pur. Das Leben anderer Menschen spielt dabei keine Rolle mehr.

Am Ziel angekommen ergab sich mit einigen Schweden ein Gespräch über die längere Autofahrt. Und einer von Ihnen berichtete dann auch über einen Unfall mit tödlichem Ausgang im vergangenen Jahr, dem genau so eine Situation zu Grunde lag.

Es wird Zeit, dass die elektronisch gesteuerten, selbstfahrenden Autos kommen, damit das endlich ein Ende hat.

Und wenn sich die computergesteuerten selbstfahrenden Automobile durchgesetzt haben, die Anzahl der Verkehrstoten sich auf Null reduziert hat, dann wird die mobile Gesellschaft andere Betätigungen finden, bei denen sie sich und andere sinnlos gefährden kann. Doch eines wird bleiben:

Mit dem Sensemann kann nicht verhandelt werden!

Winterausklang in Lappland 2015
Winterausklang in Lappland 2015

Ostern

Ostern heisst: Licht am Ende des Tunnels

Ostern heisst: Licht am Ende des Tunnels
- Stockholm Kungsholmen -

Karfreitag

Ewiges Licht - Karfreitag 2015

Vertrauen in die Dunkelheit
- Ewiges Licht in der Flughafenkapelle Stockholm-Arlanda -

Konsumtempel in Umeå

Konsumtempel


In Umeå wurde kürzlich ein neuer Konsumtempel, der auf den Namen "Utopia" hört, eröffnet.
Der beinahe sakrale Charakter wird durch die Sicherheitsverklebung der neu angelieferten Türen tiefsinnig pointiert - „Happy Shopping“...

Foto-Futter: Gabi Ben-Avraham

Das Foto-Futter heute zum Thema Inspiration.

Gabi Ben-Avraham (Gabi steht für Gavriel) stammt aus Tel Aviv und betreibt die Fotografie als Ausgleich für die Seele. Im "normalen" Berufsleben ist er für eine IT-Firma tätig. Nach einer über zwanzigjährigen Pause har er vor zwei Jahren wieder angefangen zu fotografieren, nachdem er eine Digitalkamera geschenkt bekam. Die Geschichte klingt unspektakulär, aber seine Bilder sind alles andere als das.

Beeindruckende und inspirierende Bilder im zeitgemäss fortgeschriebenen Stil der alten Street-Photography Meister. Besonders gefallen uns seine in schwarz-weiss gehaltenen Serien. Er gibt mit seinen Bildern tiefe Einblicke in das tägliche Leben in Tel Aviv, die zum Verweilen einladen.

Auch alle, die in Sachen Reportage und Fotojournalismus unterwegs sind, können hier etwas lernen. Prädikat: sehr empfehlenswert!

Unbedingt reinschauen und geniessen: Gabi Ben-Avraham

Foto-Futter: Gabi Ben-Avraham


PS: ...und wenn sogar Frau Lapplandblog begeistert ist, dann will das etwas heissen...

Teflon Menschen - "en passant" in Stockholm

Hat der Mensch des dritten Jahrtausends eine eingebaute Antihaft-Beschichtung? Eine Hülle, an der alles abprallt, was eigentlich Gefühle der Empathie wecken sollte? Können Menschen im einundzwanzigsten Jahrhundert überhaupt noch innerlich berührt werden?

Ich bin mir nicht mehr sicher. 

Die Tage war ich in Stockholm und nahm eine kleine Promenade auf dem Kungsgatan. An der Ecke Kungsgatan / Drottninggatan ist mir eine Strassenszene begegnet, die mich erschüttert hat.

Teflon Menschen -
Eilende Menschen im Strassenbild verdecken die Dramatik der Szene


Schweden wird seit einiger Zeit gerade von einer bislang unbekannten Welle erfasst:

Auf den Strassen sind seit einigen Monaten sehr viele Bettler zu sehen. Meist aus südeuropäischen Ländern stammend, versuchen diese Menschen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Im schwedischen Strassenbild ist das ungewohnt und es fällt mir schwer, mir das Betteln bei eisigen Temperaturen vorzustellen. Das Strassenbild hat sich nicht nur in den grösseren Städten in Südschweden verändert. Mittlerweile sind die Bettler auch in kleinen Orten in Nordschweden angekommen. Betteln vor einem Supermarkt bei minus 20 Grad ist keine angenehme Tätigkeit. Und die zu Beginn grosszügige Mildtätigkeit der einheimischen Bevölkerung scheint - meinen Beobachtungen nach - mehr und mehr zurück zu gehen. Ich möchte bewusst keine Pro und Contra Diskussion zum Geschäftsmodell des Bettelns führen. Für mich geht es vielmehr um einen Indikator dafür, wie sich die emotionale Rezeptivität der Menschen im Allgemeinen verändert hat.

Eine Seite ist die veränderte Wahrnehmung. Ich würde sagen, dass ca. 80% der Menschen im Strassenbild in Stockholm ein modernes Mobiltelefon benutzen, während sie sich eilends fortbewegen. Das führt natürlich dazu, dass diese Menschen die bettelnden Menschen am Strassenrand überhaupt nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Diejenigen, die es dennoch tun (oder sich gerade einmal nicht mit ihrem Mobiltelefon beschäftigen) weisen eine zunehmende Gefühlskälte auf. Die Gebewilligkeit ist nur noch äusserst gering. Ob das ein Sieg des vermeintlich Rationalen oder der Abgebrühtheit ist? Ich vermute letzteres. Der "Homo technicus", bzw. "Homo digitalicus" ist ein "Teflon-Mensch" geworden, an dem alles einfach abperlt, was nicht in das Muster des zum eigenen Vorteil Gereichenden passt.

Kurz und prägnant: Der Gedanke der Humanisierung des Lebens duch den technischen Fortschritt führt sich fortwährend selbst ad absurdum und der in die virtuelle Welt transzendierende Mensch verliert jeglichen Bezug zum eigentlich Menschlichen. 

Anders ist mir das Verhalten der Passanten, die ich über einen langen Zeitraum hinweg beobachtet habe, einfach nicht zu erklären.

Es möge der Kelch, der sich mehr und mehr abzeichnet, an uns vorüber gehen. 

Teflon Menschen -
Die erschütternde Szene des stundenlang knienden Bettlers
wird von den Vorbeieilenden kaum wahrgenommen


PS: Als ergänzende und weiterführende Lektüre empfehle ich den kürzlich im Guardian erschienenen Artikel "Why the modern world is bad for your brain".

2015 - Ausblick

Gute Vorsätze?

Einige philosophische Gedanken und Überlegungen zum Einstieg. Die Angst vor der Veränderung ist eine Grundeigenschaft aller menschlichen Wesen. Fragt sich nur warum? Ist sie nicht einfach nur die Angst vor dem Verlust von Kontrolle in einem anderem Gewand? Das Gewohnte meinen wir kontrollieren zu können; freilich mehr oder minder gut. Das jedenfalls scheint es zu sein, was uns unser Unterbewusstsein beständig einzuflüstern versucht. Unter anderem deswegen klappt es auch so selten mit den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel...


2014 -> 2015

Am 31. Dezember 2013 hatten wir angekündigt, dass wir 2014 ein Jahr der Auszeit vom privaten Bloggen nehmen. Ganz durchgehalten haben wir es nicht. Aber zusammen genommen sind es keine zwei Handvoll Blogeinträge im Laufe des Jahres 2014 geworden. Es hat gut getan die Kupplung etwas schleifen zu lassen.


Wie wird es nun 2015 aussehen?

Social Media Sabbatical

Wir werden eine einjährige Auszeit von sozialen Medien nehmen, damit wir uns auf unsere kreativen Projekte konzentrieren können. Neue Blogeinträge und wichtige Neuigkeiten werden wir zwar weiterhin über Facebook, Twitter und Google+ in Umlauf bringen, allerdings werden wir uns darüber hinaus nicht engagieren oder kommentieren. Eine Ausnahme wird es allerdings geben: Auf Instagram gibt es weiterhin den fotografischen "Beifang" aus Lappland.

Wer mit uns in Verbindung treten möchte, nutze bitte die gute alte Email oder rufe einfach an.

#IYL2015 - International Year of Light 2015


#IYL2015 - International Year of Light 2015

Was uns zum Projekt für 2015 führt, dem "International Year of Light".

Bei diesem geht es - unter Federführung der UNESCO - darum, einem breiten Publikum die Errungenschaften der Wissenschaft in Sachen Licht und deren Bedeutung für die Menschheit näher zu bringen (weitere Infos: Wikipedia).

Selbstverständlich gibt es im Rahmen des International Year of Light auch einen Bereich, der sich "Art & Culture", also der Kunst und der Kultur widmet. Und da sind wir mittendrin im Thema: Fotografie ist schliesslich die Ausdrucksform für alle durch das Licht geschaffenen Formen und Farbenspiele.

Wir werden daher hier im Blog einen Schwerpunkt mit Beiträgen aus der Perspektive des "#IYL2015" setzen. Es wird spannend werden. Gastautoren und Gastbeiträge zum Thema sind übrigens auch gerne willkommen.

Allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in das Jahr 2015!

Der Weihnachtsmann packt zusammen und tritt die Heimreise an
Der Weihnachtsmann packt für dieses Jahr zusammen
und tritt seine wohlverdiente Heimreise an

Bitte: Brot statt Böller

Eine Bitte an alle, die sich gerade mit dem Gedanken beschäftigen, was sie denn zum Silvesterfeuerwerk einkaufen sollen:

Lasst es bitte ganz einfach sein und investiert statt dessen in etwas Sinnvolles.

Das aus zwei Gründen:

1. Feuerwerke sind extrem ungesund für Mensch und Tier. Wer Haustiere hat, kann das ohne weiteres selbst beurteilen. Tragische Unfälle gehen Jahr für Jahr durch die Medien. In Österreich erleiden z. B. rund 1000 Menschen Jahr für Jahr schwere Hörschäden durch Silvesterböller.

Neue Studien belegen ausserdem ganz erhebliche Partilkelemissionen bei Feuerwerken.


Kurz gesagt: Feuerwerke sind zwar in den Augen mancher Betrachter schön anzusehen, aber eine große Belastung für Gesundheit und die Umwelt. Die Nebenwirkungen in Form von Gesundheitsgefährdungen, Umweltbelastung und Sicherheitsgefährdungen sind erheblich.




2. Mit dem Silvesterfeuerwerk wird - im wahrsten Sinne des Wortes - jede Menge Geld völlig sinnlos "verpufft". Die letzte belastbare Zahl stammt aus dem Jahr 2011; sie dürfte aber seitdem nicht gesunken sein.

Nach Informationen des Verbandes der pyrotechnischen Industrie werden Silvester 2011 rund 113 Millionen Euro für Knallkörper und Raketen ausgegeben.


Dieses Geld kann viel sinnvoller verwendet werden, z. B. so.

Also, liebe Leserinnen und Leser: Tut Euch und anderen etwas Gutes und verzichtet auf das Feuerwerk. Tut statt dessen lieber etwas Gutes und Sinnvolles! Danke!

Weihnachten und ein Rückblick auf das Jahr 2014

Das Jahr neigt sich wieder seinem Ende zu. Zeit für einen Rückblick.

Wetter

Der Winter hat sich von Oktober bis kurz vor Weihnachten recht lustlos dahin geschleppt. Bislang liegt - im Jahresvergleich - noch sehr wenig Schnee (so um die 40 cm) und die Temperaturen haben sich moderat gehalten. Pünktlich zu Weihnachten aber ist das Thermometer nach unten gestürzt und hat am Heiligen Abend die minus 30 touchiert. So soll es auch die kommenden Tage noch bleiben.
Im Gegensatz zu vielen mitteleuropäischen Wintersportgebieten darf Lappland aber dennoch bis auf weiteres als „schneesicher“ bezeichnet werden. Die amtliche Definition von „schneesicher“ lautet schliesslich:

„Standorte werden als schneesicher bezeichnet, wenn zwischen dem 16. Dezember und dem 15. April an mindestens 100 Tagen eine Schneedecke von mindestens 30 cm (Ski alpin) oder 15 cm (Ski nordisch) liegt.“

Das ist in unseren Regionen locker der Fall.


Weihnachten - Heiligabend

Wie üblich ist es zu Weihnachten sehr ruhig in Lappland. Ein Spaziergang durch die geradezu mystische Stille am Heiligabend ist Balsam für die Seele. Stundenlang war kein Auto auf den Strassen zu erspähen, bis gegen 20 Uhr kurzzeitig hektischer Verkehr einsetzte. „Familienwechsel“, oder besser gesagt „Wechsel der sozialen Wohngemeinschaft“ ist der Grund dafür. Bei den recht offenen Beziehungsverhältnissen in Schweden, bei denen mehrere „Särkullbarn“, d.h. Kinder, die nicht aus der aktuellen Lebensabschnittspartnerschaft entstammen die Regel sind, müssen eben viele Besuche gemacht werden, um alle Geschenke erfolgreich auszutauschen. Nicht gerade umweltfreundlich und offenbar sehr stressig, wie an der Durchschnittsgeschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer abzulesen war. Die hiesige Polizei hat für den Weihnachtsabend sogar eigens eine Warnung wegen der zur Zeit auf Wanderung in Richtung der wärmeren Küste befindlichen Elche heraus gegeben. Weihnachtsstress auf schwedisch. A propos: „Särkullbarn“ heisst übrigens - direkt übersetzt - „Kinder aus einem besonderen Wurf“. Man darf sich wundern.


Arktischer Winter und arktische Sonne

Habe ich eigentlich schon hinreichend über den arktischen Winter geschwärmt? Ich sage nur: Das Farbenspiel. Rot verwandelt sich in einen kühl-zarten Rosaton und das tiefe Himmelblau wird zu einem eisig-frostigen Stahlblau. Farbextreme, die im Auge des Betrachters äusserst gefällig sind. Und erst die Landschaft: Vom Wind kilometerlang glatt gezogene Schneeflächen, die von nur einigen Sträuchern und Bäumen unterbrochen sind. Ein wahrer Traum, ganz nach meinem Geschmack, und ein Paradies für Landschaftsfotografen. Für alle Nachahmer sei an dieser Stelle zur Sicherheit nochmals auf den einschlägigen Blogbeitrag „Im Griff der Kälte - Fünf Listen mit Tipps für Leben, Arbeit und Fotografie im Winter“ verwiesen.


Stichwort Auswandern

Der Boom ist ungebrochen. Nach wie vor wandern sehr viele Deutsche nach Nordschweden aus. Vielleicht denkt ja auch der ein oder andere Leser, oder die ein oder andere Leserin über die ruhigeren Tage am Jahresende darüber nach. Ein kleiner Hinweis sei daher an dieser Stelle erlaubt. Es gibt ein weises schwedisches Sprichwort das besagt: Jobs wachsen nicht auf den Bäumen. Als Grundregel gilt das umso mehr, je weiter nördlich man aufzuschlagen gedenkt. Leider haben wir im Laufe auch dieses Jahres wieder viel zu viele Auswanderergeschichten hören müssen, die letztlich an der Schaffung einer Einnahmequelle gescheitert sind. Also liebe potentielle Auswanderer: Plant und recherchiert gut (und lasst Euch am besten auch qualifiziert beraten), damit Euch eine Auswanderungskatastrophe erspart bleibt.

Soweit ein kleiner, weihnachtlicher Rückblick auf 2014. Den Ausblick auf das Jahr 2015 mit einem spannenden Langzeitprojekt gibt es in einigen Tagen.

Arktischer Winter in Lappland
Arktischer Winter - ein Traum für Fotografen
(Hinweis: Bild „out of cam“)

Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose! [Update: 27/12/2014]

Heute wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie: Neulich in Europa.

Über die aus europäischer Sicht unabdingbare Normierung von Eiskugelportionierern hatte ich 2013 schon einmal geschrieben.

Aber die Entwicklung überholt die philosophischen Überlegungen zuweilen. So ist das eben. Nun scheint sich die Europäische Union den altbewährten Toaster für eine neue Normierungsorgie auserkoren zu haben.

Künftig soll also nur noch der "Einschlitztoaster" für den Verkauf innerhalb der EU zugelassen sein. Und die Begründung klingt ja eigentlich recht plausibel, denn wie so oft wird - insbesondere in den nach wie vor immer mehr zunehmenden Singlehaushalten - nur ein Schlitz des klassischen Doppelschlitztoasters befüllt. Die Hälfte der eingesetzten Energie verpufft also völlig sinnlos in der Umgebungsluft. Ein Skandal ist das.

Indes scheint es mir, dass es den europäischen Bürokraten einfach an der Chuzpe fehlt, die Übel wirklich an der Wurzel zu erfassen. Und daher springe ich an dieser Stelle natürlich gerne in die Bresche.

Die Wurzel allen Übels ist nämlich weder die immer noch fehlende Normierung für Eiskugelportionierer, noch die Problematik des klassischen Doppelschlitztoasters. Nein, die wahre Wurzel der unermesslichen Energieverschwendung in Europa hört auf einen anderen Namen, und dieser lautet "Mehrfachsteckdose".

Es liegt doch auf der Hand, dass dieses elektrische Gerät die Mutter aller Verschwendung ist. Wie vielen Energieverschwendern wird durch Mehrfachsteckdosen nicht überhaupt erst der Zugang zum Stromnetz ermöglicht? Da gibt es sogar Mehrfachsteckdosen mit bis zu zehn (!) Stromentnahmestellen im Handel. Unglaublich und skandalös ist das. Ein offenes Scheunentor für den Untergang Europas.

Stellen Sie sich demgegenüber einmal folgendes "best-case" Szenario vor: An jeder Wandsteckdose (deren zulässige Anzahl in Abhängigkeit von der Grundfläche eines Raumes natürlich auch geregelt werden müsste) hängt nur noch ein Verbraucher. Das zwingt den Verbraucher zu energiebewussten Entscheidungen:

Bürolampe oder Kopierer? Haarfön oder Stereoanlage? Tiefkühltruhe oder Küchenquirl?

Hunderttausende sinnlose Stromverbraucher wären der sofortigen "kalten Abschaltung" unterworfen.

Das Modell könnte zudem auch erhebliche beschäftigungsfördernde Begleitwirkungen haben. Denn leider ist es ja teilweise so, dass zuweilen auch verschiedene Endgeräte Strom aus derselben Wandsteckdose benötigen. Das wäre - nach Massgabe der zu treffenden neuen Regelungen - ausschliesslich nur noch über das manuelle Umstecken der jeweiligen betroffenen Endgerätestecker erlaubt.

Dämmerts Ihnen schon? Richtig! Das schafft Arbeitsplätze! Der Umsteckgehilfe ist der Zukunftsberuf des kommenden Jahrzehnts. Die Ausbildung ist kurz und erfordert - ganz im Einklang mit allen aktuellen Bildungsstudien - keine besonderen Vorkenntnisse oder gar eine Grundbildung. Nicht einmal die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben ist erforderlich. Der manuelle Kraftaufwand hält sich in Grenzen und im Regelfall kann die Tätigkeit - was den Berufswünschen gerade vieler junger Menschen entgegen kommt - in Innenräumen ausgeübt werden. Arbeitgeber - und das könnten auch Sie in Ihrem Privathaushalt sein - würden ausserdem einen Beschäftigungsförderungszuschuss von der EU erhalten.

Am Horizont sehe ich bereits den Lichtschein eines paradiesischen Zustandes: Die seit Jahrzehnten von Politik und Wirtschaft herbei gesehnte Vollbeschäftigung rückt endlich in greifbare Nähe.

Und schliesslich kommen auch die Gerätehersteller nicht zu kurz. Mit etwas wohlwollender und wohldosierter geplanter Obsoleszenz wird der Verschleiss an den nunmehr manuell zu betätigenden Steckkontakten nicht unerheblich sein. Will sagen, diese müssen oft und zudem fachmännisch ausgetauscht werden.

Und jetzt bitte alle im Chor: "Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!"

(Plakate und Fähnchen für die Protestkundgebungen können im Fanshop bestellt werden).


[Update: 27/12/2014]: Der Tatort vom 26.12. hat - der ARD sei grosser Dank dafür - eine weitere schwerwiegende Regelungslücke der europäischen Rechtsordnung ans Tageslicht gebracht. Künftig werden Lichterketten mit Sollbruchstellen versehen werden müssen (wie es bereits heute bei Schlüsselbändern der Fall ist), um sie künftig nicht mehr als Mordwaffen verwenden zu können.


Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!
Der Grund für die ökologische und wirtschaftliche Misere: Mehrfachsteckdosen

Statement zum "Ice Bucket Challenge"

Auch auf die Gefahr hin, mich jetzt richtig unbeliebt zu machen und ihr darüber abkübeln müsst: das, was ich über den "Ice Bucket Challenge" denke, muss mal raus!

Durch das Internet und insbesondere durch die sozialen Medien verbreitet sich dieser "Ice Bucket Challenge" derzeit wie ein Virus.

Worum geht es?

Ich zitiere aus Wikipedia:

"Die ALS Ice Bucket Challenge (deutsch: Eiskübelherausforderung) ist eine Kampagne, die darin besteht, sich einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf zu gießen und hiernach drei oder mehrere Personen zu nominieren, die dann 24 Stunden Zeit haben, es einem gleichzutun.

Will man dies nicht, soll man 100 US-Dollar, beziehungsweise 100 Euro, an die ALS Association spenden. Die Challenge soll auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen und Spendengelder für deren Erforschung und Bekämpfung generieren."

Und jetzt mache ich mich - wie schon gesagt - richtig unbeliebt:

Bei dieser Aktion geht es um das Spendensammeln und nicht um egozentrische Selbstinszenierungen. Natürlich steht es den Mitmachern frei, ob sie spenden oder kübeln wollen - doch viele scheinen den Fun bei solch einer Aktion vorzuziehen. Ohne darüber nachzudenken, was der tiefere Sinn des Aufrufes war!

Den Küblern scheint die Krankheit, die übrigens jeden treffen kann, egal zu sein und hoffentlich seid Ihr irgendwann nicht selbst in der Lage, dass Ihr auf Unterstützung von anderen angewiesen seid.

Wenn Ihr also etwas Sinnvolles tun wollt, dann filmt, wie Ihr Schecks und Onlineüberweisungen ausfüllt und absendet.

Wer von den Teilnehmern hat denn tatsächlich an die ALSA gespendet, und wieviel?

Besucht die Internetseite der Organisation ALSA, sucht dort den "Donate" Button und spendet!

Und noch was: Der "Ice Bucket Challenge" verschwendet Wasser, während anderswo in der Welt Menschen verdursten.

Verdursten ist übrigens der Tod durch mangelnde Flüssigkeitsaufnahme! Daher finde das abscheulich, wie verschwenderisch für den Sekundenspass mit Wasser umgegangen wird.

Auch gab es schon Kritik von dem Schauspieler Steve-O, der kritisierte, dass viele der Prominenten zwar spendeten, selbst aber vergessen würden, auf die Krankheit aufmerksam zu machen und Fans ebenfalls um Spenden zu bitten. Das eigentliche Anliegen der Aktion würde somit verfehlt. Nur wenige Prominente u. a. Charlie Sheen, Bill Gates und Sabrina Mockenhaupt hätten in ihren Videos überhaupt auf die Krankheit aufmerksam gemacht (Quelle: Wikipedia).

Ahmt lieber Charlie Sheen oder Conchita nach, anstatt sinnlos wertvolles Wasser zu verschwenden:

Charlie Sheen entleerte statt des erwarteten Eiswassers mehrere Geldscheine im angeblichen Wert von 10.000 US-$ über seinen Kopf und gab an, dass er diese spenden wolle. Er forderte die von ihm Nominierten auf, das gleiche zu tun, da das Geld mehr helfe als Eis. Conchita Wurst spendete unter dem Motto "Donate twice instead of ice" den doppelten Betrag, anstatt sich das Eiswasser überzuschütten.

Denn im Grunde geht es darum: Amyotrophe Lateralsklerose.

Ein weiteres positive Beispiel zum Abschluss:

Sir Patrick Steward ist - soweit mir bekannt - bislang der Einzige, der es "richtig" gemacht hat. Und Humor hat er auch noch.


Und nun könnt Ihr gerne über meinen Beitrag so richtig abkübeln oder Ihr kopiert und verteilt mein Statement und vor allem: spendet!

Triohålning und Bürolocher - Klippen bei der Unternehmensgründung in Schweden überwinden

Einleitung

Heute soll es um eine der vielen, kleinen Klippen bei der Unternehmensgründung in Schweden gehen. Eine Klippe, die durchaus auch einigen Unterhaltungswert mit sich bringt (und satirische Züge trägt). 

In der europäischen Unternehmens- und Wirtschaftswelt sollte doch alles auf Standards und Normen beruhen. Die Standardisierung schreitet voran, fehlende Standards können zum Handelshemmnis werden und sich als ziemlich störend erweisen. Darum soll es heute gehen.

Aufmerksame Leserinnen und Leser erinnern sich bestimmt noch an den Artikel  "Warum gibt es noch keine EU-Norm für die Grösse von Eiskugeln?"

Ein ganz ähnliches Problem gibt es auch im Bereich der schwedischen Büroheftung und Aktenablage.


Geschichte

Für diejenigen unter uns, die dem papierlosen Büro der Zukunft (sic!) zum Trotz, immer noch mit Papierkram zu tun haben, sind Aktenordner und Locher Alltagsgeräte. Den Aktenlocher (kurz: Locher) hat Friedrich Soennecken erfunden und 1886 dafür auch vom damaligen Kaiserlichen Patentamt ein Patent erhalten. Der Aktenordner stammt von Leitz.

Das Duo "Locher und Leitz" trat seinen Siegeszug durch Büros und Haushalte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts an. Gelocht und geheftet wurde natürlich in der ganzen Welt. Und da ergab sich das Problem der Standardisierung. Die Lochung musste vereinheitlicht werden, um dem Archivierungschaos - insbesondere bei länderübergreifender Korrspondenz und Aktenablage - Herr zu werden.


Problem

Hier fingen die Probleme an. Es gibt verschiedene Standards für die Aktenlochung. Nun leben wir ja in Europa und man sollte meinen, dass es einen europaweiten, einheitlichen Standard geben müsste. Im Prinzip ja. Aber eben nur im Prinzip.

Genau genommen ist das Problem noch viel schlimmer, denn es gibt ja einen - sogar internationalen - Standard für die Papierlochung im Büro. Dieser Standard hört auf den Namen ISO 838 und stammt in der aktuellen Version aus dem Jahre 1974. Wir alle wissen wie die Standard-Lochung aussieht, denn sie begleitet uns ein Leben lang durch den Alltag. Wer es ganz wisenschaftlich haben möchte, kann hier die Beschreibung des Standards bei der  International Organization for Standardization (Internationale Organisation für Normung) kurz "ISO" herunterladen.

Aber nicht alle Länder folgen dem internationalen Standard.

Auf europäischer Ebene folgen (fast) alle Länder diesem Standard. Fast alle Länder? Ja fast, denn das Königreich Schweden hat seinen eigenen Standard für die Lochung und für Aktenordner.


"Triohålning" (Triolochung) heisst das Zauberwort.

Und zur Triolochung gehört der Trioordner. Und um die Verwirrung noch gröser zu machen, besteht die Triolochung nicht etwas nur aus drei, sondern aus vier Löchern. Erfunden wurde das System 1899 von Andreas Tengwall in Helsingborg. Genau genommen wurde zuerst der Ordner und dann der zu ihm passende Locher erfunden. 

Der Clou am Trioordner ist, dass er - im Gegensatz zu den im Rest Europas gebräuchlichen Ordnern - an einer beliebigen Stelle flach aufgeklappt werden kann (jedenfalls, soweit er nicht "überladen" ist). Im aufgeklappten Ordner können dann - wenn auch etwas hakelig - die Blätter vorwärts und rückwärts - umgeblättert werden.

Die bittere Pille ist die Inkompatibilität zwischen der ISO 838 und der schwedischen Trio-Lochung. Locht man Blätter nach beiden Standards (und vom nordamerikanischen Dreilochsystem wollen wir gar nicht erst anfangen), wird der linke Papierrand ziemlich "dünn" und wenig haltbar.

Wer also sein Unternehmen nach Schweden verlagern möchte, sollte sich auf den Systemwechsel vorbereiten und keine grossen Bestände an leeren zentraleuropäischen Aktenordnern mitbringen.


Rückblick

Beim Schreiben dieser Zeilen denke ich mit etwas Wehmut an die Zeit meines Referendariates beim Landgericht Heidelberg zurück. Heidelberg liegt bekanntlich in Baden. Und in Baden gab es seinerzeit auch noch einen eigenen Standard für die Aktenheftung. Dieser hörte folgerichtig auf den Namen "badische Aktenheftung" und basierte auf zwei kleinen Löchern am oberen linken Papierrand (in der Bürovitrine hüte ich heute noch einen original badischen Aktenlocher). Die Heftung der Akte erfolgte über eine kleine Schnur, die durch die Löcher gefädelt und dann auf der Rückseite der Akte verknotet wurde. Die Kunst, die "richtigen" Knoten zu erlernen, war seinerzeit integraler Bestandteil der Juristenausbildung. Mein bürotechnischer Weitblick in Sachen Aktenlochung war also von frühen Zeiten her bereits geweitet. Vielleicht fiel mir deshalb die Adaption der schwedischen Triolochung nicht besonders schwer...


Ausblick

Der digitale Hoffnungsschimmer glimmt am Horizont und hört auf den Namen "papierloses Büro". Allerings scheint mir die Zukunft nicht ganz so rosig zu sein. Seit 15 Jahren verfolgt mich der Begriff. Aber mit jeder neuen Runde der neuen, papierlosen Welt, ist es immer nur noch mehr Papier geworden. Schade um all die Bäume, die sinnlos gefällt werden.

Sollten wir es aber eines Tages schaffen auf rein-digital umzustellen, wäre zumindest das Locher- und Aktenordner Normierungs Problem vom Tisch. Dafür hätten wir dann mindestens 100 neue (lies: unterschiedliche und inkompatible) Dateistandards am Bein :-)

Triohålning - schwedischer Triolocher - Bürolocher
Schwedischer Triolocher - stanzt vier Löcher nach schwedischem Standard

Triopärm - schwedischer Trioordner - Aktenordner
Schwedischer Trioordner - inkompatibel zum Rest der Welt

7 +  2014

Lapplandblog 7 +  2014


Liebe Leserinnen und Leser,

unser Blog geht dieser Tage in sein siebtes Jahr. Irgendwie erstaunlich. Was hält denn heutzutage noch sieben Jahre?

Nun haben wir über eine Million Bilder im Archiv; die Motive von "A" wie "Angelrute" bis "Z" wie "Zauberhafte Orchideen". Alle diese Aufnahmen sind hier in Schwedisch-Lappland - wo wir wohnen und andere Urlaub machen :) - entstanden.

Unzählbare Kilometer liegen hinter uns. Manche Bilder lassen uns noch immer schmunzeln - andere versetzen uns immer noch in blankes Entsetzen - wenn wir an die Entstehung der Aufnahmen denken.

Bei unserer Arbeit durften wir viele Menschen kennen lernen, denen wir ansonsten wahrscheinlich nie begegnet wären.

Euch, liebe Leserinnen und Leser des "originalen Lapplandblogs", haben wir all die Jahre und durch alle Jahreszeiten hindurch auf unsere Rundreisen und Entdeckungstouren mitgenommen. Wir hoffen, dass viel Wertvolles und Interessantes für Euch dabei war.

"Alles hat seine Zeit" heisst es so schön.  2014 werden wir ein Jahr Auszeit vom privaten Bloggen im Lapplandblog nehmen, die Ruhe geniessen, neue Kraft schöpfen und - vor allem - neue ungewöhnliche Ideen ausbrüten. Natürlich werden wir weiterhin in Sachen Bilder und Reportagen unterwegs sein.

Danke für Eure Zeit und Aufmerksamkeit!

Wir wünschen Euch ein wunderbares 2014!

Henning & Petra

PS: Einblicke in den Alltag als Fotograf in Nordschweden gibt es hier in Englisch.

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Short english version: This year our blog had it's 7th birthday. Seven years are a long time - especially in those days. So here is the news: We're taking a year off.

As of jan 1st 2014 we are going underground. We won't be blogging here for a whole year. In case you’re curios: You can find insights into a photographers life around the arctic-circle here on the English blog.

We won't be spending all day every day attached to a computer. So if you want to contact us please write us an email or call us.

Henning & Petra

PS: To avoid any misunderstanding - Of course we will continue to make photographs and are in business!


Lapplandblog 7 +  2014 (english)

Mikael Andersson

Er bewegt sich souverän auf der Bühne und versteht es, seine Zuhörer durch seinen fesselnden und zugleich unterhaltsamen Vortrag in seinen Bann zu ziehen. Vergangenen Montag hatte Malå einen besonderen Stargast: Mikael Andersson.
 
Mikael Andersson ist eine Ausnahmeerscheinung. Leider. Er wurde 1962 geboren. Ohne Arme und Beine. Die Ärzte gaben ihm zunächst keine Überlebenschance und seine eigenen Eltern mussten erst jahrelang um das Recht kämpfen, ihren Sohn nach Hause holen zu dürfen.

Heute meistert er seinen Alltag selbstständig und ohne fremde Hilfe. Auch auf seinen Vortragstourneen reist er ohne Assistent durch die skandinavischen Länder. Das fasziniert und zieht die Aufmerksamkeit nach sich. Doch Michaels Vorlesungen beinhalten viel mehr als seine – fesselnde und spannende – Lebensgeschichte. Frau Lapplandblog hatte vor einiger Zeit bereits eine sechsteilige Doku über Mikael gepostet  (Schwedisch mit englischen Untertiteln). Unbedingt ansehen!

Mikael Andersson in Malå, Oktober 2013
Mikael Andersson bei seiner Vorlesung in Malå

Der Tag, an dem das Festnetz verschwand - Arktischer Sommer in Lappland 2013

"Ist Anja zuhause?" - "Kann ich bitte Markus sprechen?". Ja, so war es in der guten alten Zeit. Jeder Haushalt hatte sein Telefon, das von der ganzen Familie genutzt und untereinander geteilt wurde. Wer erinnert sich nicht noch an die Telefonbelagerung durch haushaltsangehörige Teenager. Und das Familientelefon stand immer an einem zentralen Platz. Heimliche Telefonate waren fast unmöglich.
 
Doch damit ist jetzt Schluss. In weiten Teilen von Väster- und Norrbotten jedenfalls. Dort werden gerade die oberirdischen Telefonleitungen des guten alten Festnetzes abgebaut. Auf lange Sicht soll in den nächsten Jahren ganz Schweden von der Abrüstung betroffen sein. Insgesamt eine Million Telefonleitungsmasten sollen in den nächsten acht Jahren in ganz Schweden werden abgebaut.
 
Der Hintergrund liegt in einer deutlichen Veränderung. Nach der Statistik des schwedischen Post- und Telestyrelsens haben heutzutage 97% aller Schweden ein Mobiltelefon. Nur noch 76% der Haushalte haben einen Festnetzanschluss (Tendenz stark sinkend). In Haushalten, in denen nur Personen unter 25 Jahren leben, sind es sogar nur noch 65 Prozent. Ausserdem haben Umfragen ergeben, dass 31 Prozent der Befragten sich ein Leben ohne festen Telefonanschluss vorstellen.
 
So werden in naher Zukunft in einem ersten Schritt 50.000 Haushalte in 200 Kommunen ihr Festnetz verlieren. Heute zog sich der Abrisstrupp auch durch unser kleines Dorf. Gemischte Gefühle bei den Zuschauern. Schliesslich funktionieren Mobiltelefone nur, wenn das Stromnetz funktioniert. Das alte Festnetz hat auch bei Stromausfällen - die im Winter hier durchaus häufiger vorkommen - noch funktioniert. Viele Menschen sorgen sich, dass Notrufe in Zukunft nicht mehr möglich sind. Nutzer des SOS-Alarmsystemes - meist ältere oder behinderte Menschen - stehen vor noch grösseren Fragezeichen.

 
Noch gen Himmel zeigend, liegt es nun am Boden:
Das Festnetz im Inland von Västerbotten


Review: Guy Kawasaki - APE How to Publish a Book

Guy Kawasaki vorzustellen gleicht nun wirklich dem Eulen nach Athen tragen. Ich verfolge seinen Werdegang seit seinen frühen Tagen bei Apple als seinerzeit erster offizieller „Mac Evangelist“. Im Laufe seiner Karriere hat er sich zu einem der weltweit führenden Experten und Berater in Sachen Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung entwickelt. Auch zu den neuen Medien hat er ein sehr aufgeschlossenes Verhältnis. Er ist u.a. einer der führenden Protagonisten von Google+ und sein Buch „What the Plus!“ war einer der ersten (und besten!) Wegweiser für die neue Plattform.

Heute soll es um Guys neuestes Buch „APE – How to Publish a Book“ gehen.

Aber erst einmal die Frage: Warum überhaupt ein Review  zu einem Buch über das Schreiben und Publizieren von Büchern? Geht es hier im Blog nicht hauptsächlich um Lappland und Fotografie? Schon, aber in der Welt des und der Kreativen spielen Bücher – einerlei ob in Papierform oder als Ebook – nach wie vor eine sehr grosse und oft unterschätzte Rolle. Um eine „Botschaft“ oder ein kreatives Werk zu verbreiten, sind Bücher geradezu ein Muss.

Meistens läuft das so: Der Gedanke an ein Buch ist schnell gefasst und auch das passende Thema ist meist vorhanden. Die Tücke aber liegt darin, ein Buchprojekt mit allen seinen Phasen wirklich „durch zu ziehen“. Die harte Arbeit will getan werden und viele Klippen warten entlang des Weges.

Ich schreibe aus eigener Erfahrung. In meiner früheren juristischen Laufbahn habe ich mehrere Bücher zu verschiedenen Themen aus dem Arbeits- und Antidiskriminierungsrecht verfasst, die mich – im Verlauf der Produktionsprozesses -  jedesmal beinahe in die Verzweiflung getrieben haben. Ein guter Ratgeber auf dem Weg wäre Gold wert gewesen. Und genau in diese Lücke springt APE.

Hinzu kommt noch ein Weiteres: Die Welt der Bücherproduktion hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Die Macht der Verlage ist gebrochen. Jedermann kann seine eigenen Werke heutzutage selbst verlegen und vertreiben. Genau an diese Gruppe richtet sich APE mit dem Vorsatz, Licht in den Dschungel des Prozesses vom Schreiben bis zum Publizieren eines Buches zu bringen.

Damit wären wir auch gleich bei der Bedeutung des Titels APE angelangt. Das Akronym steht für Author, Publisher und Entrepreneur, jene drei Rollen, die der Selbstautor und Selbstpublizist inne haben wird.

Der Gliederung nach A, P und E folgt auch der Aufbau des Buches. Die Kapitel 1 bis 7 sind der Rolle als Autor gewidmet, die Kapitel 8 bis 21 der Rolle als Herausgeber und die Kapitel 22 bis 29 schliesslich der Rolle als Entrepreneur. Das Buch ist dabei kein Leichtgewicht: Es umfasst 324 Seiten.

Im ersten Abschnitt (Autor) geht es in erster Linie um die revolutionäre Entwicklung in den Bereichen Ebooks und Eigenverlag. Der Leser versteht, was dieser Paradigmenwechsel für Auswirkungen hat und wie dieser die schreibende Selbstverwirklichung gleich einem Inkubator fördern kann.  

Aus eigener Erfahrung als Fachautor kann ich die Ausführungen, Hinweise und vielen praktischen Tipps durchweg nur unterstreichen. Guy wirft nicht mit „Allgemeinplätzen“ um sich, sondern gibt in einem prägnanten und knappen Stil konkrete Ratschläge und „To-Do‘s“. Das ist wohltuend, weil echter „Know-How-Transfer“ in Reinform.
Sehr nüchtern – hier kommt Guys Hintergrund als Investor deutlich zum Vorschein – widmet er sich dabei auch dem Thema „Wie finanziere ich mein Buchprojekt“.  Auch hier konkrete Tipps und Fakten.  

Was mir im ersten Abschnitt passim besonders gut gefällt: Der durchgängige Gedanke des „Mach Deine Arbeit“. Der Wunsch ein Buch zu schreiben ist schnell gefasst. Es schreibt sich aber nicht von alleine. Ein Buch auf den Weg zu bringen, ist schlicht harte und kontinuierliche Arbeit (die eine intrinsische Motivation erfordert).

Im zweiten Abschnitt geht es um die Rolle als Herausgeber. Hier wird der Weg vom Manuskript zum fertigen Produkt Buch beschrieben. Das beinhaltet die Korrekturen, das Layout, das Cover und vieles mehr; auch die Frage in welcher Form (Papier oder Ebook) das Werk publiziert werden soll.  Besonders interessant – weil andernorts oft unbeachtet – ist die Frage der Preisfindung. Schliesslich widmet sich Guy auch der Zweitverwertung als Hörbuch und Übersetzungen in andere Sprachen.

Der dritte Abschnitt hat einen „beonderen Kick“.  Hier geht es darum, das Werk „an den Mann“ und „an die Frau“ zu bringen. Guy spielt souverän auf der Klaviatur seiner Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich Marketing, was die Lektüre zum echten Genuss macht (und viele Einsichten bietet). Vom „Personal Branding“ bis hin zu ganz praktischen Fragen, wie z. B. der Erstellung eines guten Social-Media-Profiles werden alle relevanten Bereiche abgedeckt.

Alles in allem ist das Buch ein äusserst gelungener Wurf. Besonderes Schmankerl sind übrigens auch zahlreichen (knapp über 400) weiterführenden Links zu ergänzenden Informationen, Artikeln und Checklisten.

Zusammenfassung: Ich  kann das Buch allen, die ein eigenes Buch schreiben, herausgeben und vermarkten wollen nur wärmstens ans Herz legen. Was hätte ich mir gewünscht einen solch kompetenten und umfassenden Ratgeber vor einigen Jahren bereits gelesen zu haben.  

Review: Guy Kawasaki - APE How to Publish a Book

Warum gibt es noch keine EU-Norm für die Grösse von Eiskugeln?

Zugegebenermassen schon etwas Off-Topic hier. Aber wir haben ja in Lappland im Moment hier – im Gegensatz zu Mitteleuropa – schönstes Sommerwetter. Das führt zu erhöhtem Eiskonsum. Böse Zungen behaupten natürlich, das führe auch zu den sog. „Sommerlochthemen“, was ich hiermit aber energisch bestreite.

Der erhöhte sommerliche Eiskonsum hat mich jedenfalls zu einer sehr grundlegenden Frage geführt. Wir kennen alle die „Portionseiskugeln“, die beim offenen Verkauf von Eis zur Anwendung gelangen. Stand ich also vor der Entscheidung, in einem gut sortierten Haushaltswarengeschäft einen neuen Eiskugelportionierer zu erwerben.

Was mich dabei äusserst verwirrte, waren die unterschiedlichen Grössen. Hallo? Gibt es da keine Normen? Meine Rückfrage bei der freundlichen Verkäuferin löste zunächst sichtbare Irritationen aus. Ich war wohl der erste Kunde, der just diese Frage stellte. Gut und schön. Ich habe mich schliesslich für ein mittelgrosses, relativ preisgünstiges Modell entschieden.

Die Frage aber blieb: Wie sieht es in diesem Bereich mit der Normierung aus?

Betrachten wir die Frage einmal aus einer grösseren Perspektive. Bekanntlich gibt es ja für fasst alles europäische Regelungen. Die Freiheit des Waren- und Dienstleistungsverkehrs steht schliesslich auf dem Spiel.

Stellen Sie sich einmal vor, Max Muster – tätig im europaweiten Im- und Export - würde auf Sizilien eine (gefüllte) Eistüte kaufen, sich sogleich in ein Flugzeug setzen, in Berlin landen, und ebendiese Eistüte dann in Berlin als „Direktimport aus Italien“ verkaufen wollen. Im Beispiel unterstellen wir natürlich, dass die von den Brüsseler Bürokraten geforderte Kühlkette dabei nahtlos eingehalten wird. Sie finden dieses Beispiel recht hypothetisch? Finde ich gar nicht, denn sehr viele der Problemstellungen, die EU-Regelungen zugrunde liegen, bewegen sich auf ungefähr demselben Niveau.

Weiter im Text also. Nehmen wir weiter an, die Eiskugeln in Sizilien wären im Durchschnitt signifikant grösser, als die in Berlin - schon hätten wir ein ernstes und schwerwiegendes Problem. Voilà. Da ist es: das Regelungsbedürfnis. Wir dürfen den armen Max Muster und seine Branchenkollegen doch nicht einfach im Regen stehen lassen. Und denken wir auch an den Verbraucherschutz! Soll der Verbraucher denn nicht darauf vertrauen dürfen, das, was sich Eiskugel nennt, auch eine anständige europäische Eiskugel ist? Ich finde schon.
Wirklichkeitsfremd sagen Sie? Dann lesen Sie mal die Verordnung (EG) Nr. 2257/94 der EG-Kommission, welche die Eigenschaften und Klassifizierungen eingeführter Bananen rechtlich verbindlich beschreibt. Bananen, die dieser Norm entsprechen werden ja auch als Eurobananen bezeichnet. Warum bitte schön dann keine „Euroeiskugeln“? Gleiches Recht für alle Lebensmittel (und den Verbraucher)!

Besonderes Regelungsbedürfnis besteht hinsichtlich der Grösse, des Gewichts und der spezifischen Dichte der Substanz. Ist Ihnen noch nie aufgefallen, welche eklatanten Unterschiede hier bestehen? Futtern Sie sich nur einmal durch einige Eisdielen in Ihrer Umgebung. Ihnen werden die Augen aufgehen. Und nun denken Sie sich die europäische Dimension hinzu. Ich sehe vor meinem geistigen Auge bereits eine Heerschar von speziellen Eiskugelkontrolleuren durch die Lande ziehen. Wie viele Arbeitsplätze dadurch geschaffen werden könnten… (noch ein ganz klares Argument für eine entsprechende Regelung).

Dazu kommt ein weiteres: Bestimmt ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass Grösse und Gewicht der einzelnen Kugeln bei ein- und derselben Eisdiele nicht unerheblich davon abhängen, mit welchem „Schwung“ der Verkäufer, bzw. die Verkäuferin ans Werk geht. Können Grösse und Gewicht der kalten Kugeln denn tatsächlich von der Laune der portionierenden Person abhängen? Nicht hinnehmbar finde ich. Hier muss unbedingt eine Ausbildung mit Zertifikat eingeführt werden. „Diplomierter Eiskugelportionierer“ wäre mein Vorschlag. Alternativ wären allenfalls elektronisch gesteuerte Eisportionierungsroboter, für die freilich eine eigene EU-Norm einzuführen wären.

Überhaupt die Grösse. Eiskugeln sind im Lebensmittelrecht der EU irgendwie systemfremd. Oder können Sie sich Inhaltsangaben je 100 Gramm oder je Kilogramm am kleinen Schildchen unterhalb des jeweiligen Eisangebotes vorstellen? Reichlich wirklichkeitsfremd. Geht also gar nicht.

Ein neues System für die Inhaltsangaben bei „individual portionierten tiefgekühlten Kleinsüsswaren“ muss geschaffen werden.

Sie erinnern sich an unser Beispiel mit Sizilien und Berlin? Da stellt sich natürlich noch eine andere Frage. Die der Sorten. Um den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr zu gewährleisten (und natürlich für die Verbraucher) muss die sortenmässige Vergleichbarkeit von Eiskugeln hergestellt werden. Will sagen: Europaweit einheitliche Geschmacksrichtungen. So ungefähr 8-10 an der Zahl. Mehr darf nicht sein. Wo kämen wir denn auch hin, wenn sich einzelne Eisdielen (und/oder EisverkäuferInnen) Wettbewerbsvorteile durch eigene Kreativität verschaffen könnten?
Eine Frage mit viel weitreichenderen Folgen stellt sich im Zusammenhang mit der Volksgesundheit. Eis wird bekanntlich typischerweise in der wärmeren Jahreszeit verkauft. Die Keime freuen sich dann geradezu darauf, sich endlich vermehren zu dürfen. Warum dürfen also offen portionierte Eiskugeln überhaupt noch verkauft werden? Ich würde einen „Closed-Ice-Process“ vorschlagen. Der sieht ungefähr so aus: Kunde bestellt Eis. Verkäufer portioniert im Reinraum unter Schutzatmosphäre jede Kugel, die anschliessend in einen kleinen Plastikbeutel abgepackt werden muss. Das gleiche Procedere gilt auch für die Waffeln. Auf alle Verpackungseinheiten müssen folgerichtig Verpackungsdatum und Zeit unveränderbar aufgedruckt werden. Der Kunde erhält seine Bestellung auf einem Tablett und darf nun die einzelnen Bestandteile auspacken und in eigener Verantwortung zusammenfügen. So muss das sein!

Wenn Sie mich jetzt als Ex-Anwalt fragen würden, wie man diese Regelungen denn vielleicht möglicherweise umgehen könnte erhalten Sie folgende Antwort:
Haben Sie schon mal über Eiswürfel statt Eiskugeln nachgedacht?

Ich jedenfalls esse jetzt mein Schokoladeneis weiter. Schönen Tag noch.

Eiskugelportionierer - Warum gibt es noch keine EU-Norm für die Grösse von Eiskugeln?
Der Stein des Anstosses: Ein Eiskugelportionierer


Was Fotografen über die neue Google Bildersuche wissen müssen

Was Fotografen über die neue Google Bildersuche wissen müssen
 
Ein Gastbeitrag von Michael Schilling. Michael Schilling ist bundesweit als Portrait- und Hochzeitsfotograf tätig.
 
Man stelle sich vor, man könne auf Google nicht nur suchen, sondern die Artikel auch direkt lesen, ohne Google verlassen zu müssen. Was wie aus einem Science-Fiction-Film klingt, wird mit der neuen Google Bildersuche bittere Realität und hat erhebliche Nachteile für Fotografen.
 
In der Google Bildersuche werden zu einem Suchbegriff zunächst Miniaturbilder (Thumbnails) angezeigt. Klingt man auf eines der Suchergebnisse, so wurde bisher die Webseite, in der das Bild eingebunden ist, geladen sowie rechts weitere Informationen über das Bild angezeigt.

Die alte Google Bildersuche


Das war eine Lösung, die beiden – Google und den Betreibern von Webseiten – einen Nutzen brachte. Google durfte die Miniaturbilder anzeigen und brachte den Betreibern Besucher auf deren Webseiten.
 


Von der Suchmaschine zur weltgrößten Bildergalerie

 

Die neue Google Bildersuche


Damit ist in der neuen GoogleBildersuche Schluss. Google will nun einen anderen Weg gehen und die Inhalte direkt und in voller Größe anzeigen. Ein Besuch der eigentlichen Webseite wird dadurch überflüssig. Die Folgen sind dramatisch.
 

Besucherrückgang von durchschnittlich 60 Prozent

 Besucherrückgang bei der neuen Google Bildersuche


Ein Besucherrückgang von 60 Prozent könnte bedeuten, dass sich etliche Webseiten nicht länger finanzieren lassen. Blogger investieren oftmals mehrere Stunden damit für ihren Artikel zu recherchieren, ihn zu bebildern und in Worte zu fassen. Weniger Werbeeinnahmen bedeuten dann, dass qualitativ hochwertiger Content nicht mehr erstellt werden kann, da der Blogger weniger Zeit in seinen Content investieren kann. Doch gerade dies, nämlich hochwertigen Content, wünscht sich Google in seinen Suchergebnissen.
 
Fotografen müssen davon ausgehen, dass weniger potentielle Kunden den Weg auf ihre Webseite finden. Das bedeutet weniger Auftragsarbeiten und weniger verkaufte Nutzungsrechte.

 
Googles leere Versprechungen
 
Laut Google soll dem Webseiten-Betreiber weniger Übertragungskosten (Traffic) entstehen, jedoch mehr Besucher als zuvor auf deren Webseiten bringen. Beide Aussagen sind an Ironie nicht zu übertreffen. Google speichert die großen Bilder nicht sondern bindet sie per Hotlink vom Server des Betreibers ein. Mit jeder Darstellung des großen Bildes entsteht Traffic, und zwar beim Betreiber der Webseite, ohne dass er einen Gegenwert in Form eines Besuchers erhält.

 
Urheberrechte und Google
 
Google nimmt sich das Recht heraus, Urheberrechte zu missachten. Jeder andere, der so agiert würde eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und eine Schadenersatzforderung wegen Verstoßes gegen das Urheberrechterhalten.
 
Offensichtlich ist den Google-Juristen aber klar, auf welch dünnem Eis sie sich bewegen, wenn diese Art der Bildersuche in einem Land eingeführt wird.

 
Yahoo mit ähnlicher Bildersuche juristisch gestoppt
 
Diese Erfahrung musste die Yahoo! Deutschland GmbH bereits machen. Der Fotografenverband Freelens warf Yahoo die massive Verletzung von Urheberrechten vor und forderte zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auf. Innerhalb weniger Tage musste Yahoo in Deutschland von der neuen Bildersuche auf die alte Version umstellen.

 
Das Prinzip Bildersuche
 
Würde man die Vorgehensweise der neuen Bildersuche auf die Websuche anwenden, so sähe das Szenario wie folgt aus: Google würde zu einem Suchbegriff, wie bisher die Ergebnisse anzeigen. Nach einem Klick auf eines dieser Ergebnisse würde sich jedoch nicht die eigentliche Webseite öffnen, auf der der Suchende den vollständigen Artikel lesen könnte. Stattdessen würde Google den vollständigen Artikel anzeigen oder ihn per Sprachausgabe vorlesen lassen. Welchen Grund sollte ein Suchender dann noch haben, die eigentliche Webseite aufzurufen?

 
Unterschriftensammlung gegen die neue Google Bildersuche

 Verteidige dein Bild

 
-->> Mitmachen: Bis Ende März sammelt der Düsseldorfer Werbe- und Hochzeitsfotograf Michael Schilling Unterschriften gegendie neue Google Bildersuche. Bereits über 1.700 Betreiber von Webseiten, darunter viele Fotografen, haben die Petition bereits unterzeichnet.
 

Ergänzung: Und weil es im Zusammenhang sehr gut passt, sei zum Thema "Contenthoheit" ergänzend noch auf einen aktuellen Blogartikel von Olaf Bathke verwiesen.
 

Eternity

Das Leben ist ein Augenblick zwischen zwei Ewigkeiten

Das Leben ist ein Augenblick zwischen zwei Ewigkeiten
Thérèse von Lisieux



Die längste Schneemobilkarawane der Welt - Weltrekordversuch in Malå / Lappland

Weltrekorde sind eine feine Sache. Aber es gibt schon ziemlich viele. In Malå - einem "Mekka" für Schneemobile, Schneemobilfahrer und Schneemobilliebhaber in Lappland haben sich das Orga-Team des Winterfestivals und der Schneemobilclub am vergangenen Wochenende der Aufgabe gestellt, einen neuen Weltrekord aufzustellen: Die längste Schneemobilkarawane der Welt. Kein einfaches Unterfangen. Die Messlatte ist vermutlich - das ist noch nicht abschliessend geklärt - ein Weltrekord aus dem Jahre 2004. Am 21.02.2004 hatten sich in Roseau, Minnesota, USA insgesamt 820 Schneemobile zu einer "Parade" versammelt.
 
Im Inland von Västerbotten sind die Voraussetzungen diesen Rekord zu knacken eigentlich nicht schlecht. Hat Västerbotten doch die höchste Schneemobildichte pro Einwohner in ganz Schweden. Nach den Daten des schwedischen statistischen Zentralbüros kommen z. B. in Malå auf 100 Einwohner 26 Schneemobile. Den schwedenweiten Rekord hält übrigens das benachbarte Storuman mit 50 Schneemobilen pro 100 Einwohner.
 
Zurück zu Malå. Bei 3.160 Einwohnern in der Verwaltungskommune sollten eigentlich 821 Schneemobile vohanden sein. Mit einigen Schneemobilen aus den benachbarten Kommunen standen die Chancen nicht schlecht einen neuen Rekord aufzustellen. Zumal die Definition der "Karawane" im Zusammenhang mit dem bereits bei Guiness verzeichneten Rekord unklar zu sein scheint.
 
So wurde also ein grosser Aufruf über lokale Medien verbreitet und alle Skoterfahrer aus der Gegend wurden zur Teilnahme am Rekordversuch eingeladen. Ein grosses Spektakel, das auch jede Menge Schaulustige angelockt hat und zugleich eine schöne Schau von Oldtimern und High-Tech-Fahrzeugen. Die Route ging vom Startplatz an der Eishalle über den Skihang auf den Gipfel des Tjamstanberges und dann wieder den Hang hinunter. Am Fussende des Hanges hat sich die Schneemobilmeute dann im Pulk versammelt. Der Start war um 16 Uhr, verzögerte sich aber wegen vieler Nachkömmlinge etwas. Schliesslich mussten alle Teilnehmer und alle teilnehmenden Schneemobile ordnungsgemäss registriert werden.
 
Die schlussendliche Zahl lag bei 254 Schneemobilen. Ob das einen Weltrekord ergibt, wird sich noch zeigen müssen. Bei Guiness eingereicht sind die Daten jedenfalls und ein interessantes Spektakel war das Ereignis allemal.
 
Wir waren vor Ort und haben für Sie eine Galerie und einen Film erstellt. Viel Spass!
 
-> Zur Fotostrecke: Die längste Schneemobilkarawane der Welt - Weltrekordversuch in Malå
 
-> Till bildspelet: Världsrekordförsök i Malå - Världens längsta skoterkaravan



 



Entkirchlichung in Schweden - Ein Zustandsbericht am Beispiel Kristineberg

Ein verhangener, grauer Wintertag. Irgendwie angemessen und passend zum heutigen "Highligt" des Tages. Es geht um den Abriss einer Kirche.
 
Kristineberg ist der Ort des Geschehens. Bloglesern dürfte der Name bekannt vorkommen. Beheimatet Kristineberg doch einen der touristischen Magneten in unserer Gegend: Die in einem Bergwerk in fast einhundert Metern Tiefe gelegene unterirdische Kirche.
 
Die "Untergrundkirche" geht auf eine Begebenheit zurück, die sich im Jahre 1946 ereignet hat. Nach einer Sprengung zeigte sich damals in einer Tiefe von 107 Metern eine über 2 Meter hohe Christusgestalt an einer der Grubenwände. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde von dem Ereignis und Menschenmassen wagten den seinerzeit sehr beschwerlichen Abstieg, um das Bildnis sehen zu können. Unweit der damaligen Fundstelle wurde 1990 eine unterirdische ökumenische Kapelle in einem ehemaligen Werkstattraum des Bergwerkes eingerichtet. Die Kapelle kann noch heute besucht werden.
 
Doch damit nicht genug. Interessanterweise gibt es zu diesem Ereignis eine überlieferte lokale Prophezeiung in der es heisst, dass sich Christus in Kristineberg mehrere Male zeigen werde.
 
Das geschah u.a. 1968. In diesem Jahr wurde beim Umbau eines Geschäftslokales in Kristineberg eine Marmorplatte gefunden, auf der dieselbe Gestalt, wie sie seinerzeit in der Grube zu sehen war, deutlich zu erkennen ist. 
 
Alles in allem dürfte zu erwarten gewesen sein, dass die Gegend um Kristineberg von einer besonderen Frömmigkeit geprägt ist. In der Praxis hat nun aber ein landesweiter schwedischer Trend auf besonders drastische Weise gerade in Kristineberg seine Auswirkungen gezeigt. Nachdem die Bevölkerung (Stichwort: Urbanisierung) in Kristineberg von einst noch knapp eintausend Einwohnern im Jahre 1960 auf nur noch gut zweihundertfünfzig im Jahre 2010 zurück gegangen ist, ist der Kirchenbesuch im Gleichklang mit der negativen Bevölkerungsentwicklung eingebrochen. Die Kirche aber für eine blosse handvoll Gottesdienstbesucher zu heizen, war für die Kirchengemeinde wirtschaftlich schlicht nicht mehr tragbar.
 
Und so kam es zu einem in Västerbotten bislang einmaligen Beschluss: Nach 56 Dienstjahren wurde der Abriss der Kirche beschlossen. Vergangenen Dienstag war es schliesslich soweit und binnen eines Tages war, wo einst die Kirche stand, nur noch blanker Erdboden zu sehen. Lediglich der separat stehende kleine hölzerne Glockenturm steht - wie ein Mahnmal - noch an alter Stelle. Die Stimmung war gespenstisch. Zu Beginn der Abrissarbeiten hatte sich eine grössere Menge an schaulustigen Zuschauern versammelt. Am späteren Nachmittag war in düsterer und geradezu bedrohlicher Atmosphäre nur noch der Abrissbagger am Werk. Zu dieser Zeit entstand auch die gezeigte Aufnahme. Sie ist symbolisch. Symbolisch für einen Trend: Die Entkirchlichung der schwedischen Gesellschaft.
 

Abriss der Kirche in Kristineberg Västerbotten Lycksele kommun
13.02.2013 - Abriss der Kirche in Kristineberg

 

Polaroid memories - Once upon a time

Ein zeitiger Frühjahrsputz. Ein- und Ausräumen. Kartons umräumen. Die in der Abstellkammer immer beiseite geschobenen Kisten. Umzugskartons, um genau zu sein. Kennen Sie auch, oder?
 
Jedenfalls, dieses Mal geht es den Pappmonstern an den Kragen. Löblich, oder? Der Einsatz wird belohnt, denn da findet sich eine ältere Schachtel mit Polaroids. Willkommener Anlass für eine Kaffeepause mit Bilderschau.

Ein Polaroid sticht heraus. Nach kurzer Gedankenakrobatik klärt sich, dass es sich um eine Aufnahme aus dem Jahr 1980 handeln muss. Sie zeigt - die damals schon sehr betagte - Grossmutter, die fasziniert ein Polaroid in der Hand hält. Dasselbige entwickelte sich gerade vor ihren Augen, und so etwas hatte sie weder zuvor gesehen, noch in ihren kühnsten Träumen erwartet. Das war der berühmte "Polaroid-Effekt" in der Praxis. Heute werden den nur noch wenige kennen. Damals war das der letzte Schrei. Auf der Rückseite ist das Polaroid übrigens beschriftet mit "Geknipst + schon fertig?".
 
Bei der zweiten Tasse Kaffee beginnen die Gedanken philosophisch umher zu streifen. Diese Polaroids. Als "schnelle Unikate" waren sie so unverschämt künstlerisch. Die Geschwindigkeit ist uns erhalten geblieben (siehe) aber die Tangibilität ist verloren gegangen.

Jammerschade, denn Papierbilder sind anfassbar und vermitteln dadurch ein Erlebnis und einen - künstlerischen und/oder monetären - Wert in sich. Das können Instagram & Co eben nicht. Erst recht nicht die "Likes" (wie immer sie auf den verschiedenen Plattformen auch heissen mögen).

Wäre übrigens noch eine Geschäftsidee: "Bestelle einen Abzug, auf dem alle deine Likes zu einem bestimmten Foto zu sehen sind. Das Format des Abzuges wird an die Anzahl der Likes angepasst. Wir drucken bis zu 13 x 30000 cm, was max. 1 Million Likes entspricht. Im Abo gibt es 15% Rabatt."
 
Setzen. Leichte Verbeugung genügt.
 
Ach Oma. Hättest Du gedacht, dass es einmal so weit kommen würde?

Polaroid memories - Once upon a time

 
 

Fröhliche Weihnachten

Geseende Kerfees! - Gëzuar Krishlindjet! - Gozhqq Keshmish! - I'D Miilad Said! Nabidà! - Shenoraavor Nor Dari! - Bones Navidaes! - Mbung Mbung Krismie! - Shuvo Baro Din! - Vasel Koleda! - Mi wisim yufala eerywan one gutfala Krismas! - Nedeleg laouen! - Bogem h n mh m! - Danistayohihv! - Hoesenestotse! - Glædelig Jul! - Fröhliche Weihnachten! - Jutdlime pivdluarit! - Gajan Kristnaskon! - Rõõmsaid Jõulupühi! - Gledhilig jól - Hyvää Joulua! - Zalig Kerstfeest! - Joyeux Noël! - Bon Nadâl! - Noflike Krystdagen! - Gilotsavt Krist'es Shobas! - Kala Christougenna! - Barka da Kirsimatikuma! - Mele Kalikimaka! - Mo'adim Lesimkha! - Okresmesa ombwa! - Shubh Naya Baras!m - Vrolijk Kerstfeest! - Selamat Hari Natal! - Nollaig Shona Dhuit! - Merry Christmas! - Sugeng Natal! - Ojenyunyat Sungwiyadeson homungradon nagwutut! - Shinnen omedeto! - Gute Vaynakhtn! - Seng Dan Fai Lok! - Bon nadal! - Noeli Nziza! - Isangle Krismen! - Bon Natale! - Appi Krismes! - Sretan Bozic! - Seva piroz sahibe! - Bon Nadel! - Buon Natale! -Wanikiya tonpi wowiyuskin! - Prieci'gus Ziemsve'tkus! - Linksmu Kaledu! - Amazalibwa Agesanyu! - Schéi Krëschtdeeg! - Selamat Hari Natal! - Nixtieklek Milied tajjeb! - Salama' Natal! - Kung His Hsin Nien! - Nollick ghennal! - Streken Bozhik! - Kia orana e kia manuia rava! - God Jul! - Festusu Natale! - Ungil Kurismas! - Esimano olyaKalunga gwokombandambanda! - Krist Yesu Ko Shuva Janma Utsav Ko Upalaxhma Hardik Shuva! - Wesolych Swiat! - Boas Festas! - Mata-Ki-Te-Rangi! - Sumaj kausay kachun Navidad ch'sisipi! - Bella Festas daz Nadal! - Craciun fericit! - Bachtalo krecunu Thaj! - Bonu nadale! - Pozdrevlyayu s prazdnikom Rozhdestva! - Buorit Juovllat! - Nollaig chridheil! - I'Taamomohkatoyiiksistsikomi! - Schöni Wienacht - Sretam Bozic! - Bon Natali! - Vesele Vianoce! - Vesele bozicne praznike! - Feliz Navidad! - Krismas Njema Na Heri! - Maligayang Pasko! - Ia ora i te Noera! - Suksan Wan Christmas! - Prejeme Vam Vesele Vanoce! - Veseloho Vam Rizdva! - Nadolig LLawen! - Kellemes Karacsonyiunnepeket! - Chuc Mung Giang Sinh! - Quyanalghii Kuusma! - Winshuyu sa Svyatkami! - Sinifesela Ukhisimusi Omuhle!

Weihnachtsgruss 2012
Weihnachtsbild 2012

22.12. - Wir leben noch und was ist sonst so geschehen?

Die gute Nachricht zuerst: Den 21.12. haben wir - aus Gesamtweltperspektive gesehen - mit Anstand gemeistert. Will sagen: es gibt uns noch. Ist doch schon mal was.
 
Passiert ist trotzdem etwas. Witzigerweise gerade um das vielbeschworene Datum herum. Instagram hat den Selbstmord geprobt. Und jede Menge Vertrauen verspielt. Und User verloren. Vor allem ernsthafte Amatuer- und Profifotografen.
 
Eigentlich wollte ich ja eine Linkliste zum Thema hier einstellen. Nachdem dann innerhalb eines Tages bereits mehr als 40 lesenswerte Links beisammen waren, war die Menge einfach zu gross. Die Geschichte dürfte sich mittlerweile ohnehin flächendeckend herum gesprochen haben. Und nun ist Instagram gerade dabei, auf Raten zurück zu rudern.
 
Was mich eigentlich stört ist nicht die Tatsache, dass - für den User kostenfreie Soziale Medien - ein Geschäftsmodell entwickeln müssen, wenn sie überleben wollen. Seit ich 2009 "Free: The Future of a Radical Price" von Chris Anderson gelesen habe, war mir das System von Facebook & Co endgültig klar. Und Hand aufs Herz: als User wissen wir, dass unsere Daten die Handelsware sind, mit der die Gewinne gemacht werden. Denkende Anwender überlegen daher, was sie von sich preisgeben. Insofern eine Art "faires Geschäft".
 
Was mich stört ist die dreiste 180-Grad-Wende, die sich nach der Übernahme von Instagram durch Facebook vollzogen hat. Als Facebook vor wenigen Monaten den Milliarden-Deal der Instagram-Übernahme bekanntgab, lautete das Statement von Mark Zuckerberg: Auch unter dem Dach des weltgrößten Online-Netzwerks soll sich nichts ändern.
 
Aha. Die Halbwertszeit dieser Aussage war durchaus begrenzt. Einige Monate später bereits wurde die Umstellung auf die neuen "terms of service" bekannt gegeben, denen zufolge sich Instagram Veröffentlichungs- und Verwertungsrechte an allen hochgeladenen Bildern sichern wollte (alle juristischen Fragen und Zweifel zur Zulässigkeit blende ich der Einfachheit halber hier aus).
 
Jedenfalls: Für mich - und viele andere User weltweit - war und ist das eine wesentliche Änderung. Eine ziemlich wesentliche sogar. Wir wissen, wie die Geschichte weiter geht. Grosse Proteste zwingen Instagram jetzt dazu, zurück zu rudern. Das ist gut. Im Kern aber bleibt der Vertrauensverlust. Ich nenne das unehrlich und unseriös.
 
Vielleicht gab es gute wirtschaftliche Gründe für den Schwenk. Ein Geschäftsmodell für Instagram zu entwickeln ist nicht ganz trivial. Aber bitte nicht durch den Verstoss gegen gegebene Zusagen.
 
Deswegen habe ich meinen Account dort nun auf Eis gelegt und ein eigenes Moblog (mobiles Fotoblog) gestartet mit Einblicken in das Alltagsleben eines Fotografen am Polarkreis.
 
Meine Bitte: bookmarken und täglich dort vorbeischauen :) Danke.

Perspektive 22.12.2012 - Es geht weiter!
Perspektive 22.12.2012 - Es geht weiter!

Vorschau mit Vorbehalt

Vor dem Weltuntergang?
 
Er ist in aller Munde und derzeit in vielen Medien nachzulesen: Der Maya-Kalender. Und nach einer Auslegungsvariante desselben steht das Ende der Welt sozusagen "vor der Tür". Konkret soll es um den 21.12 gehen. Und bis dahin sind es ja nur noch ein paar Tage. Was den Blogautor wiederum vor Herausforderungen stellt: Soll ich jetzt noch viele neue Artikel schreiben? Denn wenn die Welt in ein paar Tagen untergeht wäre die Mühe vergeblich.
 
Arbeitsthese: Ich schreibe auf jeden einen Artikel für den Fall, dass die Welt nicht untergeht. Für den alternativen Fall bereite ich keinen Artikel vor. Wer sollte ihn denn dann auch lesen? Fragen über Fragen. Als Blogger hat man es eben nicht leicht...
 
(Klarstellung fürs Protokoll und um Missverständnissen vorzubeugen: Nein, ich glaube nicht an das Maya-Kalender-Gedöns!)
 
Jetzt aber im Ernst: Vorschau (unter dem Vorbehalt, dass die Welt nicht untergeht :)
 
Die angekündigte ruhigere Zeit hier im Blog habe ich für eine Anzahl Reviews genutzt. Bücher und Software stehen ganz oben auf der Liste. Einige Artikel werden hier erscheinen; andere werden als Gastbeiträge auf anderen Blogs veröffentlicht werden. Als kleinen "Appetithappen" lass ich schon mal raus, dass sich in Sachen RAW-Konverter etwas richtig Grosses getan hat. Etwas, das in Sachen Bildqualität vielen Fotografen grosse Freude bereiten dürfte. Damit aber genug der Andeutung.
 
Und sonst?
 
Der Winter hat in Lappland nun mit allen seinen "Segnungen" Einzug gehalten. Kälte, Wind und Schnee sind vollzählig vertreten. Für alle, bei denen der Winter auch bereits vollumfänglich angekommen ist, ein Bild unter dem Titel "Etwas Warmes braucht der Mensch".
 
Einen guten Start in die Woche allerseits!

Lagerfeuer: Etwas Warmes braucht der Mensch
Etwas Warmes braucht der Mensch - besonders im Winter

 
 

Malå in Trauer (Aus aktuellem Anlass gibt es heute kein sonntägliches Foto-Futter)

Das ansonsten sehr beschauliche und ruhige Malå mit seinen ca. 2.000 Einwohner im Kernort (Västerbotten, Schwedisch-Lappland) ist zu trauriger Berühmheit gelangt:
 
Am Samstagabend ereignete sich ein dramatisches Unglück. Aus bislang ungeklärten Gründen kam ein PKW in der Ortsmitte von der Fahrbahn ab und raste in eine Fussgängergruppe auf dem Gehsteig. Sechs Personen - darunter fünf Kinder und Teenager - wurden schwer verletzt; einer der Verletzten, ein 13-jähriger Junge, ist später seinen Verletzungen erlegen. Die Rettungsdienste und die Polizei der Region waren an der Kapazitätsgrenze. Rettungshubschrauber aus Lycksele und Östersund waren vor Ort.
 
Malå trauert.

Unsere Gedanken sind bei allen Verletzten und allen Angehörigen. Viel Kraft in diesen schweren Stunden.

Malå in Trauer / Malå i sorg
Der Unfallort am Tag nach dem Geschehen:
Grosse Anteilnahme und Bestürzung

Inspiration

Sicher, ein Besuch auf der Photokina wäre bestimmt interessant gewesen. Mir persönlich hat die Berichterstattung von Thom Hogan aber vollauf gereicht.

Und wenn ich dieses Zitat von Thom lese

„Short answer: we care more about our gear than images.This message was repeated many times throughout the show. I rarely saw people step up and study the ubiquitous images“



dann bin ich froh nicht gefahren zu sein :)

Was zum eigentlichen Thema dieses Eintrages führt: Inspiration.

Ich weiss, es ist schon viel darüber geschrieben worden und das Thema Inspiration steht (ebenso wie die „Kreativität“) in der Gefahr, etwas abgenutzt zu werden. Aber dennoch. Meine ganz persönlichen Gedanken und Erfahrungen.

Ich finde Inspiration häufig in der Einsamkeit, draussen in der Natur:

Einer der letzten schönen Herbsttage mit (knappen) Plusgraden. Einige letzte Mücken ziehen verzweifelt ihre Runden. Zu schwach schon, um noch zu stechen.

Fallendes Laub wird von faszinierenden Spinnenfäden begleitet, die auf der Suche nach Beute durch den Wind gleiten.

Tiefgrünes Moos am Rande eines Moores lädt Dich zum Verweilen ein.

Wasser in allen Formen ist besonders anziehend. Es schärft den Blick und reinigt die Seele; lädt zur Kontemplation ein.

Vielleicht findest Du eine Wiese. Beim Hindurchschreiten kannst Du die Form der sich unter Deinen Füssen bewegenden Grashalme beobachten und wenn Du eine Pause machen möchtest, dann leg Dich der Länge nach bäuchlings ins Gras und betrachte die Welt aus dieser Perspektive durch einen grünen Vorhang.

Die Gedanken beginnen zu kreisen. Existentielles vermengt sich mit Profanem. Die Ruhe zieht Dich in ihren Bann. Nur einige Tierlaute sind hier und da zu hören. Aber sie stören nicht, denn sie sind ein Teil der Kulisse.

Und dann stellen sich die wirklich wichtigen Fragen: Warum mache ich überhaupt Bilder?


Natiur - Quelle der Inspiration
„Tankstelle für Inspiration“

Colors of Sapmi – Ein persönliches Projekt über faszinierende Farben

Die wunderbaren Farben der samischen Trachten haben mich schon immer fasziniert. So ist über die vergangenen Monate ein Projekt entstanden.

-> Auf meinem englischsprachigen Blog gibt es die Details und eine Bildergalerie dazu.

Colors of Sapmi – Ein persönliches Projekt über faszinierende Farben
„Colors of Sapmi“

Forgotten places and lost families: Ein persönliches Projekt über die Urbanisierung in Schweden

Auf meinem englischsprachigen Blog habe ich gerade ein persönliches Projekt vorgestellt, dass mich die letzten Monate sehr beschäftigt hat.

Es geht um die seit mehr als 100 Jahren fortschreitende Urbanisierung in Schweden (insbesondere Nordschweden, bzw. Lappland). 

Die Landflucht hat ihre Spuren hinterlassen: Massen verlassener Häuser und Gehöfte. Oft sehen diese so aus, als hätten die früheren Bewohner ihre alte Heimat "Hals über Kopf" verlassen (müssen?). Manchmal stehen die jahrzehntealten Marmeladengläser noch im Schrank, oder der Tisch ist noch gedeckt. Gespenstisch und zugleich unglaublich faszinierend. 

-> Mehr Details (auf Englisch) und eine Galerie mit einigen Bildern gibt es hier.

Die ganze Bilderserie wird demnächst als Teil einer Wanderausstellung unterwegs sein. Sobald ich die genauen Daten dazu habe, gibt es hier ein Update.

Forgotten places and lost families: Ein persönliches Projekt über die Urbanisierung in Schweden
„Forgotten places and lost families“


Retro-Vintage-Hype

Ein Artikel, der kürzlich auf Jörg M. Colbergs Seite "Conscientious" erschienen ist, hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Es geht um ein Phänomen; eigentlich sogar um eine existentielle Frage in der Fotografie (und der Kunst ganz generell): Gibt es eine Entwicklung in der Fotografie als Kunst? Gibt es generell "neue" kreative Entwicklungen? Manches spricht dagegen.

Ich gehöre zu einer Generation, die noch mit echten Polaroidbildern aufgewachsen ist. Gerne denke ich zurück an die alte Polaroidkamera, die meine Tante in den 70er Jahren hatte. Wir Kinder durften zusehen, wie die Kamera (meistens jedenfalls, denn manche Filme haben "geklemmt") die Bilder ausspuckte und sich langsam die Details und Konturen abzeichneten. "Nicht anfassen und nicht pusten" lauteten die ermahnenden Worte. Nur das behutsam leichte Hin- und Herwedeln des Fotos war in dieser kritischen Phase erlaubt. Und wer eines der begehrten Bilder mitnehmen durfte wurde stets ermahnt, das Bild nicht aus seinem weissen Rahmen auszuschneiden wegen "der giftigen Chemikalienrückstände", die im Rahmen seien. Denke ich heute an den damaligen Polaroidstil wärmen mir diese Erinnerungen immer noch das Herz. (Echtes) Polaroid war (ist) die exemplarische Verkörperung der analogen Fotografie.

Nun gibt es in der digitalen Fotowelt seit geraumer Zeit einen Retro-Vintage-Hype. Apps bieten den Retrostil an und verschiedene Photoshop-Aktionen versprechen ein Ergebnis, das dem Original nahe kommen soll.

Die Krone der Bildbearbeitung im Polaroid-Stil ist das kleine Programm "Polaroid" (für Mac und PC), das den Entwicklungsvorgang sogar zeitlich nachbildet.

Vollständig echtes "Analog-Feel-Retro" sozusagen (Moment bitte; ich muss noch Schutzhelm, Handschuhe und den gepolsterter Overall anziehen, bevor ich weiter schreibe).

Beim Frühstück entspann sich gestern jedenfalls eine längere Diskussion über die Frage des "Retro-Vintage-Hype". Gibt es überhaupt so etwas wie "Retro". Leben wir nicht ständig im Gewohnten? Die Essenz der Diskussion:

1. Retro steht für Stabilität. Rein technisch müsste Retro eigentlich sogar für "analog" stehen. Wenn da nicht, ja, wenn da nicht die Bequemlichkeit wäre. Und die zunehmende Beschleunigung. "Dynaxity" nennt sich dieses Phänomen (das von dem 2008 verstorbenen Prof. Dr. Heijo Rieckmann ausführlich beschrieben wurde). Dynaxity ist ein Kunstwort aus den Bestandteilen "Dynamik" und "Komplexität". Beides nimmt stetig zu. Exponentiell, wie es den Anschein hat. Retro und Vintage wecken die Erinnerung und stillen die Sehnsucht nach der "guten alten Zeit", in der alles noch schöner, langsamer und überhaupt: besser, war.

Denn psychologisch gehören der Wunsch nach Sicherheit, Geborgenheit und Stabilität zu den menschlichen essentiellen Grundbedürfnissen. Je unstetiger, unsicherer und unwirtlicher das Umfeld wird, desto grösser die Sehnsucht und das Streben.

2. Kunsthistorisch - und hier ist Frau Lapplandblog sehr gut bewandert - ist es generell fraglich, inwieweit es kreative Neuerungen überhaupt noch gibt. Mit zunehmender philosophischer Sättigung schlägt die Gier nach dem Bestehenden, nach dem was "auf dem Silbertablett serviert wird" zu. Es ist schlicht viel einfacher und bequemer zu konsumieren oder allenfalls zu kopieren, als zu erschaffen.

3. Interessant ist allerdings, dass Bilder im Retro-Vintage-Style auch Teenager und Twens ansprechen. Eine Generation, die diese Bilder im analogen Stil eigentlich nicht mehr kennen dürfte. Zwei Erklärungsansätze bieten sich an:

- Gerade Bilder im Polaroid-Look basieren oft auf Schlichtheit. Häufig einfache, aber effektive Kompositionen. Diese Bilder sind oft gut und leicht verständlich und lesbar. Etwas, das eine Generation, die in einer extrem schnelllebigen Zeit aufgewachsen ist und lebt, per se ansprechen dürfte.

- Die Generation der Teens und Twens giert nach Neuem. Viele der heutigen Teens und Twens gehören der "Vollsättigungs-"Generation an. Immer mehr, immer schneller - so die Lebensdevise. Neue Trends werden gerne konsumiert (auch wenn es sich dabei eigentlich um Retro-Vintage handelt). Schliesslich schlummern auch (und vielleicht gerade) in den Seelen der Teens und Twens die oben schon erwähnten Wünsche und Sehnsüchte. Vielleicht bringen Retro-Vintage Bilder auch diese Seite zum Schwingen.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus alledem ziehen?

Mir geht es nicht darum, über Trends und Entwicklungen den Stab zu brechen.

Und - Hand aufs Herz - : Ganz persönlich mag ich den Retro-Vintage-Look auch ganz gerne leiden. Schauen wir mal, wie sich der Trend weiter entwickelt.

Eine ganz andere Sache ist die Frage nach dem Einsatz von Apps, die den Retro-Vintage-Look produzieren, für Reportageeinsätze. Das gehört in einem anderen Blogartikel.

Space-Invaders meet Polaroid
„Doppelter Vintage-Retro: Space-Invaders meet Polaroid“

Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht.

Entrümpelung im Kompaktkamera-Archiv bei einem verspäteten Frühjahrsputz (in Lappland sind die Jahreszeiten bekanntlich nach hinten verschoben). Da lagen also 13 Kompaktkameras aus den letzten fünf Jahren vor uns auf dem Tisch. Nummer 14 (eine Canon IXUS 950IS) fehlt, weil wir sie im vergangenen Jahr separat verschrottet haben.

Zuerst das Rätsel: Zwei davon funktionieren noch einwandfrei. Die Preisfrage ist, welche?

Kompaktkameras haben es bei uns im Haushalt zugegebenermassen nicht leicht. Sie begleiten uns immer und überall hin (auch wenn die grosse Ausrüstung im Einsatz ist). Oft geht es bei Wind, Wetter und tiefsten Temperaturen auf abenteuerliche Touren. Ein realistischer Dauertest sozusagen. 

Also liebe Kamerahersteller: Wenn Ihr unter harten realistischen Einsatzbedingungen testen wollt, nehmt bitte Kontakt mit uns auf!

Zurück zum Thema: Der traurige Befund ist nun, dass 12 von 14 in den vergangenen fünf Jahren von uns eingesetzten Kompaktkameras überhaupt nicht mehr, oder nur noch mangelhaft funktionieren.  

Die Ausfallrate und die Ausfallzeitpunkte sind allerdings manchmal sehr merkwürdig. Manche Kameras verabschieden sich nach relativ kurzer Zeit mit merkwürdigen Fehlermeldungen. In den kleinen Gehäusen steckt jede Menge Elektronik und Ausreisser kann es bekanntlich immer einmal geben. Deswegen habe ich alle Modelle mit den jeweiligen Fehlern auch gegoogelt und bin bei fast allen fündig geworden.  

Generalisiert würde ich sagen: Je neuer die Kamera, desto kürzer die Lebensdauer. Und das macht natürlich stutzig, denn eigentlich sollten Elektronik und Mechanik immer besser und zuverlässiger werden.

Mich beschleicht der Verdacht, dass bei manchen Produkten die sogenannte "geplante Obsoleszenz" im Spiel sein könnte. Um was geht es dabei? 

Wikipedia definiert das so: "Gemeint ist ... ein Teil einer Produktstrategie, bei der schon während des Herstellungsprozesses bewusst Schwachstellen in das betreffende Produkt eingebaut, Lösungen mit absehbarer Haltbarkeit und/oder Rohstoffe von minderer Qualität eingesetzt werden, die dazu führen, dass das Produkt schneller schad- oder fehlerhaft wird und nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden kann."


So etwas scheint bei vielen Produkten - gerade in der Unterhaltungselektronik - heute üblich zu sein (und ist auch in verschiedenen Medien immer öfter nachzulesen), wie zum Beispiel hier.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann einfach zum Begriff "Geplante Obsoleszenz" sich im Netz auf die Suche machen und sich dann wundern. Allen, die tiefer in die Thematik einsteigen wollen, sei das Portal „MURKS? NEIN DANKE!“ empfohlen.

Wie sieht es konkret mit unseren Verschrottungskandidaten aus?

Eine Nikon L12 (gekauft 2007) hat das laut Suchergebnissen normale Stromversorgungsproblem. Neue Batterien oder Akkus? Beim Einschalten zeigt das Display "Akkukapazität erschöpft" und die Kamera schaltet sich wieder ab. Das gleiche Verhalten legt eine Pentax Optio WP an den Tag.

Eine Casio EX-V7 (die wir ansonsten sehr geschätzt haben) zeigt den laut Suchergebnissen sehr häufigen "Objektivfehler 2" und ist dadurch unbrauchbar.

Eine Sigma DP1 und eine Leica D-Lux 2 haben so grosse Staubpartikel im Objektiv, dass die Flecken praktisch nicht mehr zu retuschieren sind. Bereits beim Kauf waren jeweils mehrere winzige wie Sensorflecken aussehende Spots vorhanden. Mein Verdacht geht dahin, dass es sich um Abrieb aus der Objektivmechanik handelt.

Bei der Leica C-Lux 2 muss zur Ehrenrettung gesagt werden, dass sie einen schweren Sturz eingesteckt hat, bevor sich die äusseren Verschlusslamellen nicht mehr schlossen.

Relativ gut geschlagen haben sich die Canons: Die digitale Ur-IXUS (die immerhin 2,1 Megapixel liefert) funktioniert noch wie eh und je. Natürlich sind die Bilder im Prinzip für nichts mehr zu brauchen.

Eine Powershot A40 mochte nach einigen Jahren keine Energie mehr zu sich nehmen. Egal ob neue Akkus oder Batterien: Sie erwachte nicht mehr zum Leben.

Eine IXUS 950IS hat sich mit geschätzten 15.000 Auslösungen in drei Jahren tapfer geschlagen, bis die Objektivmechanik versagt hat.  

Viel schlechter hat eine IXUS 100IS abgeschnitten. Sie versagte bereits nach ca. 6 Monaten mit defekter Objektivmechanik.

Die Canon S95 funktioniert nach ca. 6 Monaten bislang noch einwandfrei.

Die beiden noch einwandfrei funktionierenden Modelle aus dem Konvolut kommen also beide aus dem Hause Canon.

Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht.

Geheimtipp: Den härtesten Belastungen sind die Kameras dann ausgesetzt, wenn sie in die Hände von Frau Lapplandblog geraten. Die Sterblichkeitsrate in diesem Falle ist statistisch deutlich erhöht. Frau Lapplandblog hat übrigens auch das schöne Kamera-Stilleben dekoriert. 





Smartphones - Geliebt, gehasst, genutzt...

Im Artikel über meine Trendforschung in Stockholm hatte ich unter der Überschrift "Der Trend zur mobilen Fotografie" auch einen Absatz über Smartphones geschrieben (wörtlich schrieb ich über "iPhones und Androiden"). Auf meine kritischen Ausführungen hin habe ich auf verschiedenen Kanälen erstaunlich viel Feedback bekommen. Anlass genug, das Thema nochmals zu vertiefen.

Keine Sorge, ich führe die Grundsatzdiskussion zur Erforderlichkeit von Equipment (Stichwort: "Wer macht jetzt eigentlich die Fotos, der Fotograf oder die Kamera") jetzt nicht zum zehntausendstenmal. Und die tatsächliche Qualität der Bilder aus dem Smartphone ist von kompetenteren Stellen nun auch schon so oft untersucht worden, dass es langweilig wird.

Mir geht es zuerst mehr um die psychologischen Komponenten, die da z. B. wären: 

- Die Versuchung, einfach noch mehr zu knipsen, weil es mit dem allgegenwärtigen Smartphone ja noch einfacher ist;
- der Spagat zwischen dem "immer erreichbar und online sein" (Stichwort: Gleich auf Facebook & Co mit den Bildern) und der bizarrerweise daraus folgenden (!) kommunikativen Vereinsamung im nahen Umfeld;
- was einher geht, mit immer oberflächlicheren Beziehungen im Allgemeinen.
- usw, usf.

Was steckt dahinter? Die "Verführung durch die Technik". Für viele sind die technischen Errungenschaften letztlich eine Art von Droge. Und Drogen führen zu Abhängigkeiten. Deswegen auch der "immer mehr haben will"-Reflex. Nichts anderes als schlicht eine Abhängigkeit. Und genau das führt dann - meines Erachtens nach - auch zu den geschilderten negativen Auswirkungen.

Der Ausweg? Innere Distanz. Mache Dich frei: Ein Werkzeug ist ein Werkzeug. Nicht mehr. Nicht weniger. Selbstverständlich darf ich mich an einem guten Werkzeug freuen. Aber es bleibt ein Werkzeug. Das geschaffene Werk, d.h. das Bild, zählt. 

Und da sind wir plötzlich wieder mittendrin in der Diskussion über das Equipment. Das richtige Werkzeug für den richtigen Zweck. Und in der Tat sind Smartphones manchmal ein sehr geeignetes fotografisches Arbeitsmittel. Unauffällig und unverfänglich. Manchmal sind sie aber einfach auch fehl am Platz. Und bitte dran denken: Sie sind Werkzeuge und sollen nicht zur Droge werden.

Als Nachtrag und Zusatz hier Frau Lapplandblogs Kommentar zum Thema, nach einer eingehenden Diskussion auf dem heimischen Sofa: "Die Technik kann sich so schnell und hoch entwickeln, wie sie will; die Entwicklung des Menschen ist konnte leider nicht mit Schritt halten".

Selbstportrait mit dem iPhone in Stockholm
„Geliebt, gehasstm genutzt - Selbstportrait mit dem iPhone“

A propos: Aufgenommen im Schaufenster einer sehr bekannten Goldschmiede in Stockholm. Mit „grosser Kamera“ wäre ich hier wahrscheinlich unangenehm aufgefallen, arbeiten doch die Goldschmiede im Hintergrund an wertvollen Schmuckstücken.


Trendforschung und ein persönliches Aha-Erlebnis

Fotografische Trendforschung und ein persönliches Aha-Erlebnis

Eine Bestandsaufnahme, Fragen und Schlussfolgerungen

Ich bin schwerpunktmässig in Sachen Tourismus-, Reportage- und Travel-Fotografie in Lappland tätig. Die Tourismusbranche ist sehr kurzlebig und ständig auf der Suche nach neuen Ideen und Konzepten. Immer besser, immer schöner und - vor allem - immer spektakulärer muss es sein. Up-to-date zu sein, ist also ein "Muss". Dazu ist Stockholm mein ganz persönlicher Tourismus-Barometer. Deswegen bin ich üblicherweise mehrere Male im Jahr dort um Kontakte zu pflegen, und aktuelle Trends und Entwicklungen zu verfolgen.

So war diese Woche wieder einmal Stockholm angesagt. Den touristischen Teil lasse ich hier einmal weg, aber die aktuellen Fototrends waren überdeutlich.

Vorab ein Disclaimer: Die Fakten, die ich nun schildere, sind meine eigene Wahrnehmung und die Prozentsätze sind mit Strichlisten an verschiedenen touristischen Brennpunkten in Stockholm von mir ermittelt worden. Ich nehme nicht in Anspruch, dass es sich um hundertprozentig repräsentative und statistisch belastbare Ziffern handelt, doch die Trends sind sehr deutlich und die Schlussfolgerungen mehr als naheliegend. Jetzt aber Butter bei die Fische.

Der klassische Tourist hat immer eine Kamera dabei. Ich rechne dabei mit (mindestens) einer Kamera "pro Familie". Familie kann sein ein (verheiratetes oder unverheiratetes) Paar oder eine grössere Familie mit Kindern.

Noch im vergangenen Jahr hat es sich überwiegend um Kompaktkameras aller möglicher Marken gehandelt. Dieses Jahr ist der Trend zu "grösseren Kameras" evident. Meine aktuelle Zählung in Stockholm diese Woche hat folgende Werte ergeben:

- ca. 50% der Kameras waren DSLRs;
- ca. 10% der Kameras waren spiegellose Systemkameras;
- ca. 40% der Kameras waren Kompaktkameras.

Von den DSLRs waren

- ca. 70% Einsteigergehäuse;
- ca. 20% "Prosumer"-Gehäuse;
- ca. 10% Profigehäuse.

Übrigens: Immerhin eine gute alte Analogkamera wurde gesichtet :)

Auch das touristische Fotoverhalten hat sich verändert. Früher, d.h. als noch mehr Touristen mit Kompaktkameras unterwegs waren, wurde weniger fotografiert (von den analogen Zeiten, als Filme noch richtig Geld gekostet haben, reden wir jetzt gar nicht). Die Nutzer von DSLRs und spiegellosen Kameras "knipsen" deutlich mehr. Selbst bei "einfachen Szenen", wie z. B. der Wachparade vor dem Königspalast hat sich die Szenerie - will sagen: das Kameragewitter - angehört, als ob ein Superstar über den Roten Teppich gehen würde. Mir wurde geradezu schummerig. Schwer zu sagen, wie viele zigtausend Bilder von Touristen während der Saison in Stockholm täglich geknipst werden. Das anfallende Datenvolumen ist unvorstellbar.

Zum Spass habe ich in Foto- und Elektronikgeschäften vor Ort nachgefragt und dort die Bestätigung erhalten: Nach Aussagen der Verkäufer hat sich der Verkauf von Speicherkarten an Touristen im Laufe der letzten Jahre vervielfacht.

Ich kann mir beim besten Willen partout nicht vorstellen, dass alle diese Millionen Bilder katalogisiert, archiviert oder gar ausgedruckt werden (an zeitintensive Nachbearbeitung will ich erst gar nicht denken).

Auch die Betrachtbarkeit "auf der Kamera" unterscheidet sich bei DSLRs und spiegellosen Systemkameras von der bei Kompaktkameras: Letztere werden gerne einmal herumgereicht, um die Bilder vom letzten Urlaub oder der besuchten Hochzeit herum zu zeigen. Bei einer grösseren und sperrigeren Kamera dürfte das nicht ohne weiteres so der Fall sein.

Anders herum gesagt: Es wird nicht mehr "gesehen", "wahrgenommen" und "erlebt", sondern schlicht "drauflosgeknipst". Der unbewusste Hintergedanke dabei ist wohl "Hauptsache geknipst", denn dann kann ja alles später noch "in Ruhe" betrachtet werden.

"Es kostet ja nichts, lieber einige Bilder zu viel zu machen", wie ein deutscher Tourist mir auf meine Nachfrage zu seinem Fotoverhalten wörtlich sagte.

Dazu kommt dann noch der Trend der mobilen Fotografie. Smartphones sind allgegenwärtig. Ohne Strichliste gezählt, wandeln in Stockholm ca. 50% der Menschen (Touristen wie Einheimische) mit einem iPhone umher; ca. 35% mit einem Androiden. Einige wenige (bedauernswerte) Menschen scheinen bislang (noch?) nicht im Besitz dieser technischen Errungenschaft zu sein.

Die Wortwahl "wandeln" ist übrigens mit Absicht gewählt. Früher einmal gingen Menschen umher und haben um sich geschaut. Manchmal haben sich sogar spontane Unterhaltungen ergeben. Heutzutage ist das nicht mehr der Fall. Die Mehrzahl der Menschen geht über das Smartphone gebeugt umher. Da werden Emails und SMS geschrieben, oder die lieben Tierchen im virtuellen "Pet Shop" gepflegt und gefüttert. ES IST NICHT AUSZUHALTEN! (oder vielleicht werde ich auch nur alt...).

Ja, und geknipst wird mit den Smartphones natürlich auch. In rauhen Mengen und im Snapshot-Party-Stil (und die Bilder landen in der überwiegenden Mehrzahl höchstwahrscheinlich direkt auf Facebook & Co.)

Hand aufs Herz: Ich bekenne mich auch schuldig, knipse ich doch auch ab und an mit dem iPhone. Ja, ich habe auch schon iPhone-Aufnahmen an Kunden verkauft und die Kunden waren sogar sehr zufrieden. Denn das Mobiltelefon ist fast immer zur Hand und bei Reportagen oft deutlich unverfänglicher als eine grössere Kamera. Denn wer hat schon etwas gegen ein Bild mit einem Mobiltelefon einzuwenden? Aber zurück zum Thema.

Was folgt aus alle dem?

- Weite Teile der klassischen Tourismusfotografie sind "tot". Vieles von dem, was vor 20 Jahren noch im "Merian" zu sehen war, gibt es heutzutage zehntausendfach auf Festplatten. Das haut keinen mehr vom Sockel.

- Die kreative Tourismusfotografie boomt nach wie vor. Denn Reiseanbieter, Agenturen und all die anderen Kunden im Bereich Tourismus wollen (jetzt erst recht) ihre Destinationen "bezaubernd" fotografiert wissen. Auf eine Art und Weise, die sich von den Knipsebildern der Touristen selbst deutlich abhebt. Schlüssige Konzepte und Storytelling stehen hoch im Kurs.

- Die klassischen "Hotel-", "Flugzeugaussteige-" und "Partyfotografen" werden überleben. Denn sie bieten Papierbilder an. Und die haben einen unschlagbaren Vorteil gegenüber den virtuellen Snapshots für Facebook. Tangibilität schlägt, denn Papierbilder sind anfassbar und vermitteln dadurch einen Wert in sich (in dieser Fallgruppe meistens völlig unabhängig von der fotografischen Qualität).

- Schliesslich, und auch wenn es mittlerweile schon beinahe "ausgeleiert" klingt:

Anders sein ist definitiv besser, als nur den allgegenwärtigen Mainstream perfektionieren zu wollen. Letzteres sieht sich grosser Konkurrenz ausgesetzt. Ersteres ist unnachahmlich, wenn es authentisch geschieht.


Mein Aha-Erlebnis dazu war ein Graffiti, das ich am letzten Tag in Stockholm auf dem Weg zu einem Termin im Vorbeigehen aus dem Augenwinkel entdeckt habe. Irgendein Sprayer hatte auf einer Baustellenwand den Satz "FIND YOUR OWN WAY" verewigt. Weil gerade in Eile, habe ich auf dem Absatz kehrt gemacht und zum iPhone gegriffen. Später habe ich realisiert, dass das quasi die Bestätigung der Antwort auf meine Fragen und Überlegungen war.

Die Sprayerei mit dem tiefen Wahrheitsgehalt hat mir übrigens so gut gefallen, dass ich das Bild auch gerade zum Startbild auf meiner Homepage erhoben habe :-)

Find your own way
„Writing on the wall - Graffiti aus Stockholm“

15. Mai 2012 - A day in the World - Expressions of Humankind

Der 15. Mai ist ein fotografisch bedeutsamer Tag, soll heute doch ein weltweiter fotografischer "Snapshot" des universalen Geschehens aufgenommen werden. Nicht weniger als eine Scheibe "Digitales Weltkulturerbe" soll in einer weltumspannenden Kollaboration heute entstehen. 

Das Projekt "A day in the World - Expressions of Humankind" wird von einer schwedischen Stiftung getragen. 

Bereits 2003 hatte Jeppe Wikström, "Masterbrain" hinter der Stiftung, zu einem schwedenweiten Projekt unter dem Titel "Ein Tag in Schweden" aufgerufen, bei dem 3.000 Fotografen teilgenommen haben. Dieses Jahr liegt die Messlatte bedeutend höher, sind doch alle Menschgen weltweit aufgerufen, ihr Leben, ihre Arbeit und ihr Umfeld am 15. Mai zu dokumentieren.

Für alle, die sich an diesem weltumspannenden Projekt beteiligen wollen: Auf der Homepage der Stiftung ist erklärt, wo und wie die Fotos hochgeladen werden können.

Mein Beitrag: Ein Bild aus Lappland "Dornige Wege aus dem Dunkel ins Licht".

A day in the world - May 15th in Swedish-Lapland
„A day in the world - May 15th in Swedish-Lapland“

Panta rhei - Diamond of ice

Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln.
Platons Zusammenfassung der Flusslehre Heraklits

Plötzlich ereilen mich Erinnerungen als grauer Vorzeit. Während ich im Schnee liege und mich langsam meiner Entdeckung nähere. Griechischunterricht. Die Flusslehre Heraklits. 

Dieser wunderschöne Diamant aus Eis fliesst. Und vielleicht ist er Dir, lieber Leser, auch schon einmal begegnet. Ganz profan vielleicht. Beim Händewaschen. In Form einiger Wassertropfen. Panta rhei.

Panta rhei - Diamond of ice

Foto-Futter: Ragnar Axelsson

Heute im Foto-Futter wieder ein besonderer fotografischer Leckerbissen: Es geht um den isländischen Fotografen Ragnar Axelsson ("RAX"). 

Als ich ihn und sein Portfolio entdeckt habe, hat es mir schlicht den Atem verschlagen. Und das kommt nicht so häufig vor.

Ragnar arbeitet seit 1976 hauptberuflich als Fotograf bei der grössten isländischen Tageszeitung "Morgunbladid" ("Morgenblatt"). Als Reporter hat er beinahe alles fotografiert, was sich in den letzten 30 Jahren in Island abgespielt hat. 

Noch viel spannender aber sind seine persönlichen Projekte, die auf seiner eigenen Homepage zu finden sind. 

Seine grosse Leidenschaft gilt den arktischen Regionen. Über Jahre hinweg hat er die aussterbende Kultur der Inuit auf Grönland, Baffin Island und in Canada dokumentiert (meist übrigens analog und schwarz/weiss). Die Reportagen sind atemberaubend und berührend. So trägt Ragnars jüngstes Projekt auch den Titel "Last Days of the Arctic" ("Die letzten Tage der Arktis"). Aus dem Projekt sind ein Buch und ein Film entstanden. Der dokumentarische Film war 2011 auf Arte zu sehen, ist dort aber nicht mehr in der Mediathek enthalten.

Daher ein besonderes Schmankerl an dieser Stelle: Im schwedischen Fernsehen lief der Film vor einigen Tagen (Englische Version mit schwedischen Untertiteln). Wer sich an den schwedischen Untertiteln nicht stört, kann die Doku "Last Days of the Artic" bis zum 13. Mai hier bei SVT online ansehen.

Eine kürzere Fassung die nur aus Bildern besteht, ist hier auf YouTube zu sehen. 

Grosse mediale Aufmerksamkeit hatte auch sein Projekt "Faces of the North" ("Gesichter des Nordens") mit dem gleichnamigen Buch, das 2004 erschienen ist.

Die Liste von Ragnars Veröffentlichungen, Awards und Ausstellungen ist lang. Und sie sind allesamt hochverdient.

Nettes Detail am Rande: Ragnar ist übrigens "nebenbei" auch ausgebildeter Privatpilot, was ihm in seiner Arbeit sehr zustatten kommt.

Foto-Futter: Der isländische Fotograf Ragnar Axelsson
„Blick auf die Homepage von Ragnar Axelsson“

Der Fotograf und die Kunst des Wartens: Kairos - der "Decisive Moment" in der Zeit

Der Fotograf und die Kunst des Wartens: Kairos - der "Decisive Moment" in der Zeit

Ein Plädoyer

Alles kommt zu dem, der warten kann...

- Chilenisches Sprichwort -

Mit zunehmendem Alter stellt sich Geduld ein. Wie habe ich es in jungen Jahren gehasst, diesen Satz  zu hören. Mittlerweile hat mich ein Stück der Weisheit wohl selbst erwischt: Vergangene Woche habe ich ein Bild aufgenommen, auf das ich geschlagene vier Jahre gewartet habe. Ein guter Anlass, einige Gedanken über die Kunst des Wartens in der Fotografie aufzuschreiben.


Lange genug warten können, ist das Geheimnis jeden Erfolges...
Nicht zu lange warten, das andere...

- Rainer Haak -

Ich höre innerlich schon das "Ja, aber...". Und um es zu Beginn schon klar und deutlich zu sagen: Das Warten ist - zumindest in der Fotografie -  nicht immer eine Tugend. Manchmal zählen Schnelligkeit und Intuition. Etwa bei Reportagen über Unglücksfälle. In der überwiegenden Zahl der Fälle aber, zahlt sich das Warten aus.

Führen wir also keine Scheindiskussionen um den heissen Brei, sondern kommen wir zur Sache. Das eigentlich schockierende in Sachen Warten liegt für mich darin, dass es in Diskussionen und Workshops häufig gar nicht vorkommt. Fotografen sind bekanntlich viel lieber technikverliebt und lesen gerne Rezensionen über die neuesten technischen Errungenschaften. Der mehr "philosophische" Teil des Handwerks und der Kunst ist viel weniger beliebt.


Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.

- Leo N. Tolstoi -

Dann gibt es da auch noch die gelegentlich geäusserte Ansicht, man solle vorsorglich immer mal auf den Auslöser drücken (habe ich sinngemäss so kürzlich beim allseits bekannten und hass-geliebten Ken gelesen). Aus Sorge um das gute Motiv. Denn schliesslich sei es ja durchaus möglich, dass das perfekte Motiv verschwindet oder sich unwiederbringlich verändert, bevor das Licht und die Umstände stimmig und passend sind.

So eine Phase habe ich auch durchlaufen, und die hausinterne Bildbank mit allerlei unterdurchschnittlichen Bildern gefüttert. Beim Scouting, der Suche nach guten Motiven, hat das seine Berechtigung. Woanders indes nicht. Vom Motiv des bereits erwähnten "4-Jahres-Bildes" hatte ich so etwa 50 verschiedenen Variationen aus 4 Jahren auf der Festplatte. Das hat mir geholfen, die innere Visualisierung der idealen Bedingungen zu verfeinern. Nachdem aber die endgültige Version im Kasten war, ist der Ordner mit den Scouting-Bildern in den Papierkorb und ins Daten-Nirvana gewandert.

Ich höre den Einwand: Was wäre geschehen, wenn die bezaubernde kleine Scheune in der Zwischenzeit abgebrannt wäre? Klare Ansage: Pech gehabt. In diesem Falle wären die Scouting-Bilder ebenfalls in den Papierkorb gewandert. Hätte mich das frustriert? Ganz gewiss, aber das ist ein Teil des Lebens. Was uns zum wichtigsten Punkt führt.


Alles Warten ist Warten auf den Tod.
- Franz Werfel -

Worin liegt eigentlich die Kraft des Wartens? Ich denke, Franz Werfel bringt es in seinem Zitat auf den Punkt. Im Lichte des Wartens, enthüllt sich die Bedeutung des zum Bild werdenden Motives. Denn erst in der existenzialistischen Spannung auf ein Ende oder das Ende hin, beginnen Menschen und Dinge ihr wahres Sein zu offenbaren.


Am Schluss ist das Leben nur eine Summe aus wenigen Stunden, auf die man zulebte. Sie sind; alles andere ist nur ein langes Warten gewesen.
- Erhart Kästner -

Im Altgriechischen gibt es zwei Begriffe für die Zeit: "Chronos" und "Kairos". "Chronos" ist der Begriff für die permanent vergehende Zeit (daher der Begriff der Chronologie). "Kairos" hingegen meint den "richtigen Zeitpunkt".

Die Frucht des Wartens liegt demnach im Kairos, dem Zeitpunkt, in dem alles "perfekt zusammen läuft".

Fotografisch gesprochen: Der Kairos ist  der "Decisive Moment" der Zeit, die Gunst der Stunde, der besondere, entscheidende und kritische Augenblick.

Und danach streben wir, oder?  Auch wenn es dauert.

Der Fotograf und die Kunst des Wartens: Kairos - der
„Fenster mit Aussicht - Die Kunst des Wartens“

Perspektive: Krise oder Chance?

Manchmal „schlägt“ mich ein Motiv geradezu. So wie hier. Eine Schneekugel. Mitten auf dem Weg. Und genau da wollte ich doch weiter gehen. Scheinbar ein Hindernis.

Oft wird in diesem Zusammenhang auf die Chinesische Weisheit abgestellt, denn im Chinesischen soll es für Krise und Chance angeblich dasselbe Schriftzeichen geben. Das stimmt zwar nicht,  aber der Sinn der Aussage stimmt trotzdem:

Die meisten Krisen beinhalten tatsächlich oft eine Chance.

Manchmal ist es eine Frage der Perspektive, manchmal eine Frage der Herangehensweise. Ich bin an dieser Stelle jedenfalls einfach weiter gegangen. Auf dem Weg zu neuen Motiven.

Allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in die neue Woche
mit vielen neuen Chancen!


Perspektive: Krise oder Chance?
„Perspektive: Krise oder Chance?“

There's an open door - waiting for you

Für Benjamin und alle anderen Trauernden

Am Nullpunkt. Auf dem Friedhof.
Neu anfangen. Neu orientieren. Vielleicht auswandern?

Eine Tür steht Dir offen.
Gibt Dir den Blick frei auf ein Paradies am Horizont.

Doch bedenke:
Im Sommer ist es unerreichbar.

Der Weg dorthin ist nur unter den schwierigsten Bedingungen möglich.

Die Kälte beschert Dir das Eis, das Dir den Weg über den See ermöglicht.
Der Wind ebnet Dir die Schneeverwehungen, damit Du klare Sicht behälst
und Dein Ziel nicht aus den Augen verlierst.
Der Schnee lädt Dich ein, ein Iglu zur Rast auf der Reise zu bauen.

Siehst Du die Schwierigkeiten, oder die Chance?
Bist Du bereit durch die Tür zu gehen, die sich Dir geöffnet hat?

There's an open door - waiting for you - Friedhof in Sorsele
„There's an open door - waiting for you“
Beifang aus dem Graveyard-Projekt
Alter Friedhof Sorsele


Endstation Friedhof - Ein Hauch von Ewigkeit

Endstation Friedhof. Ein Einblick in ein persönliches Fotoprojekt.

Bei minus 25 Grad und auf einem tief verschneiten Friedhof, auf dem seit Wochen keine Besucher mehr waren, stellt sich eine sehr eigentümliche Atmosphäre ein. Aber der Reihe nach.

Ich gehöre vermutlich zur letzten Generation, bei der eine Kirche - will sagen: ein Kirchengebäude - zu den Eckpunkten des Lebens gehörte. Die meisten Angehörigen meiner Altersgruppe dürften im Säuglingsalter in einer Kirche getauft worden sein. Das andere Ende des irdischen Daseins wurde durch die Aussegnung oder Aufbahrung - ebenfalls in einem Kirchengebäude - markiert. Die letzte Station vor dem Friedhof. Womit wir beim Thema wären.

Was hat ein Kirchengebäude mit dem Friedhof zu tun? Da die formelle Trennung von Kirche und Staat im Schweden erst zum Jahreswechsel 1999/2000 vollzogen wurde, befinden sich die alten Friedhöfe in Schweden praktisch immer im direkten Anschluss an eine Kirche.

Im Rahmen eines persönlichen Projektes bin ich in letzter Zeit viel über eisige und tief verschneite Friedhöfe Lapplands gestapft, um das Spannungsfeld zwischen Endlichkeit und Ewigkeit einzufangen. Die Endauswahl der Bilder für die Ausstellung ist noch nicht defintiv. Ich möchte aber dennoch hier eine kleine Auswahl zeigen.

-> Zur Galerie "Endstation Friedhof - Ein Hauch von Ewigkeit"

-> To the gallery "Ultimate destination graveyard - A touch of Eternity"



Endstation Friedhof - Ein Hauch von Ewigkeit
„Endlichkeit und Ewigkeit - Endstation Friedhof“

2012 naht

2012 naht ... - Eine kurze Unterbrechung unseres Winterschlafes am Polarkreis mit Rückblick, Ausblick, Änderungen und Neuigkeiten

Nun schreiben wir also bald 2012. Viel wird gemunkelt über dieses Jahr. Wir bleiben aber mit beiden Beinen auf dem Boden und starten in das neue Jahr mit einigen Weiterentwicklungen.

Relaunch 2012

Zum Jahreswechsel haben wir unsere Fotografie-Homepage komplett neu designed und dort auch einen separaten Fotografie-Blog aufgelegt. Dazu gleich mehr.

Auch hier im Lapplandblog hat sich etwas verändert beim Design und den Inhalten. Vor allem geht es uns um Vereinfachung und Reduktion, sodass Lesbarkeit und Verständlichkeit immer weiter optimiert werden.

Spannungsfeld Fotografie und Lappland

Hier im Lapplandblog haben wir bislang immer mit der Spannung zwischen rein fotografischen und auf Lappland bezogenen Beiträgen gelebt. Um auch dies weiter zu vereinfachen, gibt es jetzt den separaten Fotografie-Blog. Dort bloggen wir ab 2012 auf Englisch.

Aber keine Sorge: Natürlich geht es auch hier im Lapplandblog weiter. Hier bleibt es bei Deutsch und gelegentlichem Schwedisch. Natürlich gibt es auch hier weiterhin viele Bilder und auch das ein oder andere fotografische Thema. Allerdings mehr mit Bezug zu Auswandern, Urlaub, Tourismus, Reisen und - natürlich - dem Schwerpunkt Schwedisch-Lappland.

Experiment soziale Medien

2011 war für uns ein offensiv experimentelles Jahr in Sachen soziale Medien. Stammlesern wird auffallen, dass die Buttons zu Google+Facebook und Twitter mit dem Relaunch wieder aus der Seitenleiste verschwunden sind.

Warum? Wir haben im vergangenen Jahr viel experimentiert, Vorträge zum Thema soziale Medien gehalten und Artikel dazu geschrieben. Rein persönlich haben uns die derzeit verfügbaren Plattformen aber schlichtweg (noch) nicht richtig "begeistert" (wobei Google+ auf dem richtigen Weg zu sein scheint). 

Aber: Zu viel Zeit geht bei der Beschäftigung mit den virtuellen Welten verloren. Und Hand aufs Herz: Nur wenige neue Beziehungen mit echtem Tiefgang sind hinzu gekommen. Natürlich sind wir auch weiterhin auf den bisherigen Plattformen aktiv. Nur gehen wir das ab 2012 viel entspannter und mit viel geringerer Priorität an. Wer Kontakt zu uns aufnehmen möchte, tut das am besten via Mail oder Telefon :-)

Was hat sich sonst so getan?

- Malå durfte seine Ambulanzstation behalten. Die Proteste, die wir über einen längeren Zeitraum fotografisch begleitet haben, haben schliesslich Erfolg gezeitigt. 

- Der weitere Ausbau der Windkraft in Västerbotten wird aus der Bevölkerung zunehmend kritisch gesehen. Auch hier bilden sich Bürgerinitiativen und erste Proteste beginnen.

- Die Einwanderer strömen nach wie vor ungebremst hierher. Leider erleben wir immer wieder schlimme Tragödien. Viele beginnen beim Hauskauf. Hier haben sich teilweise regelrechte Mondpreise etabliert Aus aktuellem Anlass möchten wir deswegen nochmals auf unsere Tipps zum Immobilienkauf in Lappland hinweisen. Unsere Tipps helfen hoffentlich, einige Katastrophen und menschliche Tragödien zu verhindern.

Und jetzt allen Leserinnen und Lesern einen guten Start
in das neue und spannende Jahr 2012!


Irisierende Wolken Photometeore in Lappland
„Apokalyptischer Touch“


Behind the scenes: Passend zum Jahreswechsel 2011/2012 ein Bild mit "apokalyptischem Touch". Ein Naturschauspiel, das den arktischen Winter auszeichnet: Irisierende Wolken (Photometeore). Ein farbenfrohes Spektakel, das in Verbindung mit dem Sonnenuntergang und verhangenem Himmel endzeitliche Gefühle hervorrufen kann. Die Uferlinie ist übrigens absichtlich nach rechts abschüssig. Eine Reminiszenz an die brodelnde Wirtschaftskrise. Nebenbei: Sehr romantisch war der Anblick ebenfalls. 
 

KW 50, Jahresrückblick und Winterschlaf

KW 50, Jahresrückblick und Winterschlaf

Warnung: Dieser Blogpost ist länger, umfangreicher und nachdenklicher als gewöhnlich.

Jahresrückblick
Ein offenes Geheimnis: Mit zunehmendem Alter beschleunigt sich die Zeitwahrnehmung überproportional schnell. Einfach gesagt: Es scheint, als würde die Zeit immer schneller vergehen. Als mir das meine Oma vor 30 Jahren sagte, habe ich noch darüber gelacht. Heute weiss ich, dass sie Recht hatte.

2011 können wir also demnächst ad acta legen. Es war ein bewegtes und sehr angefülltes Jahr. Jedenfalls für uns. Mehr und mehr Aufträge von Zeitungen und Magazinen - in aller Regel Reportagen - flatterten ins Haus. Darunter fast nur herausfordernde, spannende Themen und Aufgabenstellungen. Viele Hochs und Tiefs des Lebens haben wir gesehen und fotografiert. Und es hat viel Spass und Freude gemacht. Und vielleicht ist es uns ja auch gelungen mit zu helfen, die Welt ein klein wenig besser und schöner mit zu gestalten.

Die Schattenseite ist, dass im zweiten Halbjahr sogar die persönlichen Projekte beinahe zum Erliegen kamen. Das soll sich aber 2012 wieder ändern.


Lappland

Der Blick durch das Fenster offenbart trübes, nebliges und verschneites Wetter. Richtig "dicke Suppe" da draussen. Die Skoterfahrer und Schlittenhundler freuen sich, denn nun fängt ihre Saison (endlich) an.

Von Weihnachtsstimmung ist allerdings - abgesehen von der Masse an Prospekten im Briefkasten - derzeit noch nichts zu spüren.

Fotografie
A propos Dunkelheit sei ein kleiner technischer Schlenker gestattet. Derzeit ist Lappland wieder einer der besten Plätze, um die High-ISO Qualität von Kameras zu testen. Besonders bei quirligen Reportagen ist das Limit hier schnell erreicht.

High-ISO führt uns übrigens nahtlos zu den Weihnachtsgeschenken, die wir hier im Haushalt bereits vor einigen Jahren abgeschafft haben. Gleiches gilt für den Weihnachtsbaum, den wir lieber in der Natur betrachten. Wenn aber, ja wenn wir aber einen Weihnachtsbaum hätten, könnte ich mir dieses Jahr sehr gut eine Fuji X10 unter demselben liegend vorstellen. Ich schwärme ja selten für Technik, aber seit ich vor einigen Tagen etwas mit einer X10 experimentieren konnte, bin ich begeistert. Eine kompakte, robuste "Immer-Dabei" und mit bezaubernden High-ISO Fähigkeiten, die reportagetauglich zu sein scheint. Sollte uns zufällig jemand aus der Leserschaft eine Freunde zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel machen wollen...

Winterschlaf - "Drei Wochen ohne"
Drei Wochen, d.h. bis zum 6. Januar gehen wir jetzt wieder in den Winterschlaf. Das betrifft nicht nur das Blog, sondern umfasst auch die Abstinenz in den sozialen Medien. "Drei Wochen ohne" lautet das Motto. Es ist wieder an der Zeit, den inneren Kompass neu einzunorden. Wer uns in dieser Zeit erreichen will, möge bitte zum Telefon oder zur Email greifen.

Meinungsumfrage
Vom "neu Einnorden" der Dinge im Leben haben wir eben schon gesprochen. Feedback hilft da weiter.

Was denken Sie / denkt Ihr? Was wünschen Sie sich hier / wünscht Ihr Euch hier?

Wir freuen uns über Kommentare und Wünsche für die wir immer ein offenes Ohr haben. Einfach einen Kommentar hinterlassen, oder eine Mail senden.

Frohe Weihnachten und einen guten Start in das Neue Jahr!

Und nun wünschen wir allen Leserinnen und Lesern

“Frohe Weihnachten und einen guten Start in das Neue Jahr!”



Stranded II - Gestrandet II

Lappland ist bekanntlich wasser- und seenreich. Verlassene Boote in entlegenen Seen üben eine besondere Faszination auf mich aus. Manche sehen noch beinahe brauchbar aus, andere sind kaum noch zu identifizieren.

Die Symbolik ist stark: Das "Gestrandet sein".

Eine Fortsetzung zu diesem früheren Blogeintrag zum Thema aus dem Juli.

Gestrandet und doch voller Hoffnung


Gestrandet.

Auch gestrandete Boote können Zeichen der Hoffnung setzen.

Angekommen. Aus Altem wächst Neues. 

Unerwartet.

Grün ist die Farbe der Hoffnung und der Zuversicht.

Als ein Zeichen des "Angekommenseins" schlägt Dein Boot plötzlich Wurzeln. 

Doch bricht es gleichzeitig Brücken ab. 

Einem Samenkorn gleich wird das Boot als Nährboden verzehrt. 

Ahoi ade.

Wie wird die Ernte werden?

Fredagsmys

Der Freitagabend ist in Schweden geradezu "heilig". Er ist der Familie und guten Freunden gewidmet.
Seit einigen Jahren hat sich ein modernes Ritual herausgebildet: Die
Fredagsmys

Fredagsmys?


"Fredag" steht für Freitag und "mysa" bedeutet "es gemütlich haben". 

Freitags legt sich ab ca. 18 Uhr eine ausgeprägte Ruhe über Schweden. Das Verkehrsaufkommen geht deutlich zurück und auf den Strassen wird es still. Die Häuser sind erleuchtet. Schweden macht es sich kollektiv gemütlich.  
Die Fredagsmys schlägt wieder zu. Am späten Freitagnachmittag klingt die Arbeitswoche aus und die Familie oder gute Freunde sammeln sich, um den Beginn des Wochenendes zu zelebrieren. Das Ritual ist eingebettet in gutes Essen (oft Fertiggerichte), Süssigkeiten, Knabbereien und (oft alkoholische) Getränke. Auch der Fernseher (bzw. DVD-Player) spielt eine grosse Rolle. 

Sogar Forscher haben die Fredagsmys schon unter die Lupe genommen und dabei heraus gefunden, dass das Phänomen zum Ausklang der Arbeitswoche stresslindernd wirkt. 

Die Wirtschaft freut sich. Viele Fertiggerichte und allerlei ungesunde Dinge werden speziell mit der Eignung für den "besonderen" Freitagabend beworben. Und im Systembolaget, der staatlichen Kette, die zum Verkauf von alkoholischen Getränken befugt ist, herrscht am Freitag ab ca. 12 Uhr Hochbetrieb.

Auch in den sozialen Medien spiegelt sich die Fredagsmys deutlich wieder. Die Statusmeldungen werden entspannter und handeln dann um Essen, Getränke und Filmempfehlungen. Es gibt sogar eigens eine Fanpage auf Facebook "Vi som älskar Fredagsmys" ("Wir, die wie die Fredagsmys lieben").

Hier haben bereits knapp 350.000 Menschen auf "Gefällt mir!" geklickt. Das entspricht in etwas 2% der schwedischen Bevölkerung. Interessant ist eine Umfrage, die auf der Facebook-Seite unter den Fans durchgeführt wurde. Bei der Frage, was  die Fredagsmys für den Einzelnen bedeutet, steht an erster Stelle die Entspannung, gefolgt von Gemeinschaft / Gesellschaft und dem guten Abendessen.

Zu guter Letzt noch ein Tipp für alle Aus- und Einwanderer: Besuchen Sie NIEMALS ungefragt und/oder ohne ausdrückliche Einladung "echte" Schweden an einem Freitag nach der Mittagszeit. Das wird als ungehöriger Eingriff in die Familie aufgefasst. 

Skandal wegen gefälschter Fotos in Schweden

Nun hat auch Schweden einen handfesten Skandal wegen gefälschter Fotos bei einem Fotowettbewerb. Der in Schweden tätige Naturfotogfraf Terje Hellesø hatte beim 20. Fotowettbewerb des schwedischen Naturvårdsverket (Amt für Natur- und Umweltschutz) mehrere mit Photoshop manipulierte Fotos eingereicht und dadurch den ersten Preis gewonnen.

Eine der gefälschten Aufnahmen des Preisträgers Terje Hellesjø
„Eine der gefälschten Aufnahmen des Preisträgers Terje Hellesjø“
Foto: Terje Hellesø / Naturvårdsverket 


Seit 20 Jahren veranstaltet das schwedische Naturvårdsverket (Amt für Natur- und Umweltschutz) einen Fotowettbwerb, bei dem die besten Naturaufnahmen prämiert werden. Der Wettbewerb ist in Schweden sehr populär und geniesst grosses mediales Interesse.

In der 2010er Wettbewerbsrunde gewann der in Schweden tätige Berufsfotograf Terje Hellesø (gebürtiger Norweger) mit einigen auf den ersten Blick spektakulären Aufnahmen. Der mit 15.000 SKR dotierte Preis war Hellesø  im Mai 2011 verliehen worden. Der Preisträger erhält zudem eine Ausstellung im Naturhistorischen Museum in Stockholm.

Nach der Preisverleihung kamen allerdings Zweifel auf. Gunnar Glöersen, Mitarbeiter beim schwedischen Jägerverbund (Jägareförbundet) wies im Blog des Jägerverbundes als erster darauf hin, dass der prämierte Fotograf unglaublich viele seltene Raumtiere in sehr kurzer Zeit in der freien Wildbahn fotografiert haben will.

Eine bekannte schwedische Fotoseite griff das Thema auf. Binnen kurzer Zeit kamen dort mehrere hundert Kommentare zusammen und die Aufnahmen des Preisträgers wurden von einer grossen fotografischen Öffentlichkeit kritisch unter die Lupe genommen. Es dauerte nicht lange bis entdeckt wurde, dass einige der Tiere aus den prämierten Aufnahmen als freigestellte Objekte in Bildbanken im Internet frei verfügbar waren. 

Schliesslich kommentierte auch Preisträger Hellesø den Vorgang. Er habe alle getäuscht (einschliesslich seiner eigenen Familie; dazu sogleich mehr) und bitte um Verzeihung.

Die Geschichte zieht nun Kreise in verschiedene Richtungen.

- Zum einen ist die fotografische Community in Schweden in einer Art Schockzustand. Dass ein schwedischer Fotograf ein solches Vorgehen an den Tag legen könnte, war bislang schlicht undenkbar.

- Das zeigt sich u.a. auch darin, dass in den Wettbewerbsstatuten keine Regelungen zu Täuschungsversuchen enthalten sind. Auch eine Regelung, die Wettbewerbsteilnehmer zur Vorlage von RAW-Dateien verpflichtet, ist nicht vorgesehen. Deswegen darf Hellesø die Auszeichnung erst einmal behalten, bis die Juristen des Naturvårdsverkets die Rechtslage geklärt haben. Nicht zuletzt durch die Mängel in den Statuten des Wettbewerbes ist der Ruf des bislang angesehenen Wettbewerbes nun nachhaltig beschädigt

- Tragisch ist auch die familiäre Seite. In einem Interview des schwedischen Rundfunks hat die Ehefrau des Preisträger, Malin Hellesø - ebenfalls Fotografin - angegeben, dass sie selbst auch getäuscht worden sei. Ihr sei die Täuschung erst bekannt geworden, als ihr Mann ihr dies einige Zeit nach der Preisverleihung gebeichtet habe. 

- Im Verband der schwedischen Naturfotografen läuft derzeit die Debatte über einen Ausschluss Hellesøs aus der Vereinigung. Der Verband hat nämlich klare Regelungen dazu, dass derartige Bildmanipulationen unzulässig und unethisch sind.

- Zu guter Letzt droht dem Preisträger nun schliesslich auch handfester juristischer Ärger: Gegen Hellesø wurde mittlerweile eine Strafanzeige wegen Betruges gestellt. Denn wegen der gefälschten Bilder wurde eine grössere Summe öffentlicher Mittel verschwendet, weil Experten im Auftrag der Naturschutzbehörde auf die Suche nach den fotografierten seltenen Tieren gegangen waren. 

Drei Gedanken zum 1. September

Richtig klassische Glühbirnen - Geschätzt aus den 50-er Jahren
„Richtig klassische Glühbirnen“


Drei Gedanken zum 1. September


Ein denkwürdiges Datum. Aus verschiedenen Gründen.

Ad 1: Good-Bye Lightball, Good-Bye Heatball...

Eine weitere Ära geht zu Ende: Am 1. September geht das von der EU verfügte Aus für "klassische" Glühbirnen in die nächste und vorletzte Runde. Denn nun dürfen Glühbirnen ab 60 Watt innerhalb der EU weder hergestellt noch in diese importiert werden. Nur die vorhandenen Lagerbestände dürfen noch abverkauft werden. 

Merkwürdigerweise fällt das übrigens zeitlich mit drastischen Preiserhöhungen bei den Energiesparlampen zusammen. 

Nachdem auch das alternative "Heatball-Konzept" zu scheitern scheint sei allen Liebhabern klassischer Glühbirnen ein Urlaub in Lappland ans Herz gelegt. In den hiesigen Elektrofachmärken, Geschäften und Supermärkten befinden sich nach subjektivem Empfinden noch Lagerbestände, die einige Jahre weit reichen dürften. Und wer Glück hat, kann auch richtig alte Raritäten auf dem Speicher oder auf dem Flohmarkt (Loppis) ergattern.


Fliegenpilz in Lappland
„Herbstbote: Fliegenpilz“


Ad 2: Jahreszeiten - Der Zeiger rückt weiter

Der 1. September markiert in Nordschweden klassischerweise den ersten meteorologischen Herbsttag. Die meteorologische Definition dafür lautet: "Der Herbst ist in einem bestimmten Gebiet angekommen, wenn die Tagesmitteltemperatur an fünf aufeinander folgenden Tagen unter 10 Grad C liegt."

Das Schwedische Meteorologische Institut (vergleichbar mit dem amtlichen Wetterdienst) hat dazu eine täglich aktualisierte Karte, auf der die Ausbreitung des Herbstes visualisiert ist. So wie es aussieht, ist er zumindest bei uns bereits gelandet.


Ad 3: Zuletzt noch eine spannende fotografische Neuigkeit

Heute hat Fuji offiziell die kleine Schwester der bereits jetzt geradezu legendären X100 vorgestellt. Sie hört auf den Namen X10, bietet einen 2/3-Zoll Sensor, ein 28-105 mm Zoom (KB-Äquivalent) mit ordentlicher Lichtstärke und einen optischen Sucher.

Die Pressemeldung klingt sehr gut und macht sehr neugierig. Liebe Leute bei Fuji: Schickt doch mal eine X10 zum Test rüber! 

"Ernst aber nicht hoffnungslos" contra "Hoffnungslos aber (noch) nicht ernst"?


„Ernst aber nicht hoffnungslos“
contra
„Hoffnungslos aber (noch) nicht ernst“

Behind the scenes: Einen ausführlichen Nachrichten-Podcast auf dem MP3-Player lauschend durchquerte ich irgendwo in Lappland eine stillgelegte Kiesgrube in der allerlei Schrott herumlag.  An den Börsen sieht es unüberschaubar aus, höre ich. Plötzlich zieht es mich zu einem Motiv, das ich - zunächst mehr unterbewusst - identifiziere. Eine Kurve. Das potentielle Gegenstück dazu hatte ich vor knapp einem Jahr in Göteborg fotografiert. Nur zeigte dieses (noch) in die andere Richtung.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Umwelt, oder einen Touristen

Naturreservat Lappland?
„Naturreservat Lappland?“


Behind the scenes:
Lappland wird gerne als “die letzte Wildnis Europas” beschrieben und beworben. Und in weiten Teilen stimmt das auch noch. Trotzdem sind auch hier leider Missstände zu beklagen. Und das auch noch ausgerechnet aus der “Öko-Ecke”. Konkret geht es um den Ausbau der Windkraft, die derzeit hier (wie lange noch?) hoch im Trend liegt. 

Um ganz deutlich zu sein: Im Vergleich zur Atomkraft sind mir Windkraftwerke immer noch hundertmal lieber. Keine Diskussion. 

Dass aber ausgerechnet in landschaftlich sehr schönen Gegenden mit erhaltungswürdiger Flora und Fauna die Windparks aus dem Boden schiessen, ist sehr bedauerlich.

Kürzlich hat es es ein Besucher kurz und bündig auf den Punkt gebracht: “Die Windkraft-Regionen in Lappland sind für mich als Besucher und Tourist gestorben. Hierher komme ich sicher nicht wieder.”

Umso mehr schade, als die unschönen “Stahlspargel mit Flügeln” für die nächsten 25-35 Jahre festbetoniert sind. So werden ganze Landstriche touristisch unbrauchbar gemacht. Aber es kommt noch schlimmer.

Einige Biologen und Naturkundler, die in den vergangenen Wochen hier zu Besuch waren, und für die wir in einigen Dokumentationsprojekten gearbeitet haben, zeigten sich sehr bestürzt über die immense Naturzerstörung. Kilometerlange Wege werden gezogen. Für die Hochspannungsleitungen entstehen breite Schneisen, die nicht nur hässlich sind, sondern Lebensräume seltener Arten zerschneiden und zerstören. 

Ganz zu schweigen von den Auswirkungen der permanenten Lärmentwicklung (gerade auch im tieffrequenten Bereich), den Lichtreflexen und dem Elektrosmog.

Leider gilt es auch hier, der Realität und den Fakten ins Auge zu sehen. Auch wenn es für manche unbequem sein mag. Die mittel- und langfristigen Auswirkungen werden ihre Spuren hinterlassen. Frage sich nur, zu was das führen wird.


„Zerstörte Natur“

Gestrandet

Gestrandet
„Gestrandet“


Behind the scenes:
Viele brachen auf zu neuen Ufern. Einwandern, Auswandern, Einstiege, Aufstiege und Umstiege. Manche erklommen sogar die Leiter. Die der Hierarchie, der Karriere, des Erfolges. Oben angekommen, sahen sie das Schild: “Hier ist das Ende der Leiter”. 

Wiederum auf zu neuen Ufern. Einwandern, Auswandern, Einstiege, Aufstiege und Umstiege.

Nur wenige haben ihr Ziel erreicht. Nur diejenigen, die ihr Ziel tief innen in ihrem Herzen auch kannten.

Die anderen.

Sind gestrandet.

Irgendwo. An einem Ufer.

Und als sie nochmals zu neuen Ufern aufbrechen wollten, bemerkten sie es. Ihr Boot war brüchig geworden.

Gestrandet.

Zur Dichotomie von E und U in der Fotografie, oder: Schande über uns

Zur Dichotomie von E und U in der Fotografie, oder: Schande über uns
„Dichotomie von E und U - Regeln brechen, aber welche?“


Behind the scenes:
Heute ein emotional-nestbeschmutzender Beitrag. Ein aktueller Podcast mit David DuChemin hat mich sehr nachdenklich gemacht. Es geht um Kreativität, Vision und Expression (Ausdruck) als Fokuspunkte der Fotografie. Wobei die Perspektive eigentlich viel weiter ist. Es geht um Grundfragen der Kunst. Welcher Kontrast zu den “üblichen” Diskussionen in vielen Fotoblogs und Fotoforen, bei denen es gebetsmühlenartig immer wieder nur um Technik (“Gear”) geht. Aber die Technik ist nur ein Mittel zum Zweck. Mehr nicht.

Haben Sie etwa schon einmal ein Diskussion zwischen Schriftstellern über Schreibmaschinen oder PC-Schreibprogramme gesehen oder gehört? Bei Fotografen liegt leider die Wahrscheinlichkeit für solche - zu 99 Prozent unsinnigen und überflüssigen -Diskussionen deutlich höher. Schande über uns.

Über Kunst und die Ausdrucksformen der Kunst sollten wir diskutieren; darüber, warum ein Bild den Betrachter bewegt. Nicht darüber, ob es mit einem iPhone oder einer D3X aufgenommen worden ist.

Ein Blick über den Tellerrand schadet bekanntlich nicht. In dem Werk “Zur Dichotomisierung von hoher und niederer Literatur” (Hrsg. Büger/Bürger/Schulte-Sasse) habe ich mich kürzlich über den Unterschied von “E” (wie: ernsthaft) und “U” (wie: unterhaltsam) belesen und dabei folgenden Leitsatz ausgegraben:

“Die Trennung von ernsthaft und unterhaltsam wird in der Regel über die Frage geregelt, ob sich ein Werk die Regeln selbst setzt oder ob es Ihnen folgt.” 

Wie sieht das heutzutage in der Fotografie aus der Perspektive von Kreativität, Vision und Expression aus? Unterscheiden wir auch - bewusst oder unbewusst - zwischen E und U? Darf - oder muss gar - der Künstler (lies: Fotograf) nicht die Regeln brechen? Oder scheitert das nicht oft bereits daran, dass viel zu viele Fotografen zwar alles über technische Details, aber wenig über Gestaltung, Komposition und fotografische Regeln gelernt haben, deswegen aber nie zum regelbrechenden Meister ihrer Kunst werden können? Schande über uns.


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Berufsbild Kameradisplaydesinfektor - Über Golgafrincham, Kameradisplays, Mobiltelefone und EHEC

Um die Displays von Digitalkameras ranken manche Mysterien. Ich spreche heute ausnahmsweise einmal nicht von der fotografischen Seite, sondern von den ausgehenden Gesundheitsrisiken. Mindestens zwei Risiken wären hier zu nennen:

- Der chronisch deformierte Nasenrücken. Er entsteht, wenn der Fotograf die Kamera zu fest an das Gesicht drückt. Die Nasenspitze wird dabei i.d.R. fest an das rückseitige LCD-Display gedrückt. Das hinterlässt nicht nur unschöne Spuren auf dem Display - dazu sogleich mehr - sondern setzt den Nasenrücken einem beständigen Druck aus. Mit der Zeit kann das zu einer chronischen Nasenspitzenverformung (Deformation) führen. Ist es erst einmal soweit gekommen, kann Abhilfe meist nur noch auf schönheitschirurgischem Wege gefunden werden. Dem Vernehmen nach laufen vor den Verwaltungsgerichten bereits erste Verfahren auf Anerkennung als Berufskrankheit. Aber dieses Phänomen betrachten wir in einem späteren Blogeintrag. 

- Heute geht es um die zweite, derzeit viel aktuellere Problematik: Die Keimansammlung und deren Übertragung. Ausser Frage, dass die ständig den Umwelteinflüssen ausgesetzte Nasenspitze ein Reservoir für Keime und Erreger aller Art ist. Von Keimen, die sich im Fotografen selbst vermehren und über das Ausatmen verbreitet werden (von Niesanfällen bei einem Schnupfen möchte ich hier gar nicht erst sprechen) einmal ganz abgesehen. Zwar haben sich einige Hersteller der Produktion von Kameradisplayschutzfolien verschrieben, um die Problematik des Nasenabdrucks auf dem Display zu umgehen. Letztlich ist das aber Kosmetik, denn weder wird der Nasenrücken-Deformations-Syndrom, noch der Keimreservoir-Problematik dadurch effektiv entgegen gewirkt. 
Ich sehe hier nicht unerhebliche Gesundheitsrisiken, die den Beruf des Fotografen über kurz oder lang in das Aus befördern können.

Wissenschaftliche Forschungen haben schon vor mehreren Jahren die Übertragungsproblematik durch Elektrogeräte untersucht. So berichtete der Spiegel bereits im August 2006 unter der Überschrift “Schmutzige Handys” über das Übertragungsrisiko durch Keimansammlungen auf Mobiltelefonen.

Die Onlinepublikation Technology Review hat das Thema im Februar 2007 aufgegriffen, Computertatstaturen unter die Lupe genommen und ist zu demselben alarmierenden Ergebnis gekommen. 

Originalzitat aus dem Artikel in der Technology Review: “Als der Mikrobiologe Dr. Charles Gerba von der Universität von Arizona vor zwei Jahren verschiedene Lebensbereiche untersuchte, zeigte sich, dass an Computerarbeitsplätzen im Schnitt 400 mal mehr Keime finden sind als auf einer Klobrille. Das schmutzigste Objekt auf einem Schreibtisch ist das Telefon mit knapp 4000 Mikroben pro Quadratzentimeter. Die Tastatur liegt bei etwas über 500 krabbelnden Keimen pro Quadratzentimeter (gefolgt von Maus, Faxgerät und Kopierer).”.

Telefoninterviews mit Infektionsschutzärzten bestätigten die Vermutung: Kameradispplays stehen im Verdacht eine erhebliche und ernstzunehmende Quelle für die Übertragung mitunter gefährlicher Krankheitserreger zu sein. Die Problematik wird besonders brisant durch den Umstand, dass Profi-Fotografen oft zu Assignments kreuz und quer durch die Welt jetten und damit die Verbreitung von Erregern begünstigen.

Auswege aus der sich anbahnenden Krise?

Fotografen müssen gesetzlich verpflichtet werden, Ihre Kameradisplays in regelmässigen Abständen zu desinfizieren. Bei Landschaftsfotografen mindestens täglich, bei Portrait- und People-Fotografen zwingend nach jedem Shooting. Die ordnungsgemässe Durchführung der Desinfektionen ist durch ein Kameradisplaydesinfektionslogbuch nachzuweisen (dieses ist autorisierten Personen auf Verlangen zur Kontrolle vorzulegen). Eine Kontrollbehörde ist einzurichten. Ausserdem müsste gesetzlich eine Pflichtschulung “Grundregeln der Hygiene beim Umgang mit elektronischen Digitalkameras” zur Berufsausübungsvoraussetzung gemacht werden.

Das ist keineswegs so trist und düster, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Denn hier bahnt sich ein neues und zukunftsträchtiges Berufsbild an, nämlich das eines Kameradisplaydesinfektors. Künftig werden am Set nicht nur Assistenten, Stylisten und Visagisten, sondern auch Kameradisplaydesinfektoren zum gewohnten Bild gehören.

Am wichtigtsan aber bleibt “Don´t panic”! :)



Übrigens:  Der internationale Towel-Day hat sich gerade wieder einmal gejährt und das Motto des Tages - “Don´t panic” - scheint wieder einmal aktuell wie selten. 

Und der Kameradisplaydesinfektor ist selbstverständlich ein ehrenvoller Nachfahre des Telephondesinfizierers. Kleine Nachhilfestunde für die jüngeren Leser, die Douglas Adams wahrscheinlich nicht mehr gelesen haben (zu meiner Zeit war das allgemeinbildende Pflichtlektüre):

Der Telephondesinfizierer ist ein fiktiver Beruf aus Douglas Adams Film “Per Anhalter durch die Galaxis”.

Telephondesinfizierer desinfizieren Telefone und verhindern damit Seuchen, die durch Ohrmuscheln nicht desinfizierter Telefone übertragen werden.

Der Hintergrund der Geschichte ist folgender: Auf dem Planeten Golgafrincham wurde der Beruf des Telephondesinfizierers von der angeblichen Bevölkerungsgruppe der Idioten durchgeführt, die auf diesem Planeten angeblich ein Drittel der Bevölkerung ausgemacht haben soll. Die Telephondesinfizierer haben ausserdem gleichzeitig weitere unsinnige Berufe, wie z.B. des des Versicherungsvertreters, ausgeübt. Die Telephondesinfizierer des Planeten Golgafrincham wurden deswegen im Raumschiff Arche B ausgesetzt und strandeten dann vor Urzeiten auf der prähistorischen Erde .

Die Unsinnigkeit des Berufsfeldes des Telephondesinfizierers wird allerdings dadurch in Frage gestellt, dass die Einwohner von Golgafrincham an einer Seuche ausstarben, die durch ein nicht desinfiziertes Telefon verursacht worden sei. 

Have a nice day and „Don´t panic!“ :)

Das Handwerkszeug des Kameradisplaydesinfektors (natürlich mit Handtuch)
„Das Handwerkszeug des Kameradisplaydesinfektors (natürlich mit Handtuch)“



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Climate change - We have survived the winter, or: summer, soon...

Climate change - We have survived the winter, or: summer, soon...
„We have survived the winter“


Behind the scenes: Klimawandel, Vulkanausbrüche, Aschewolken, und vieles mehr füllt die Klimadiskussion rund um die Erderwärmung (Wiki-Svenska, Wiki-Deutsch). Ich bin kein Wissenschaftler, sondern nähere mich dem Problem pragmatisch-beobachtend. 

Aus dieser Perspektive war dieser Winter in Lappland ausgeprägt kalt. Und auch im Mai liegen die Temperaturen noch deutlich unter den Werten der beiden vergangenen Jahre. Im Wald und am Wegesrand finden sich noch immer einige kleine Schneenester.

Aber was ist schon ein Vergleichsmasstab von 2 Jahren im Kontext von globaler Erderwärmung? 2007 hatten wir Rekordwärme. Seitdem kühlt der Mikrozyklus in Lappland ab. Aber die Natur- und Tierwelt scheren sich anscheinend ohnehin nicht so viel um die kurzfristigen Rhythmen.

Ein Blick in die Tierwelt ist aufschlussreich. Dieses Jahr ist wieder ein Jahr der Nager und Kleintiere. Mäuse und Ratteninvasion auf den Feldern und um das Haus herum. Damit dürfte es nächstes Jahr wieder ein Jahr der Greifvögel werden. 

Zum Bild: Ich liebe es, der Entfaltung der Farnpflanzen zu zusehen. Sie haben die grosse Kälte des Winters überlebt und entfalten sich der Sonne entgegen. Und irgendwie haben sie eine “kollektive Klimaintelligenz” entwickelt, denn Wikipedia lehrt uns:

“Im Erdzeitalter Karbon vor etwa 400 Millionen Jahren bildeten Farne (in grösserer Form als heute, meist Baumfarne genannt) zusammen mit Schachtelhalmen und Bärlapppflanzen riesige Wälder und schufen somit die Basis für die heutigen Steinkohle-Vorkommen. Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem unteren Devon. Sie sind somit wahrscheinlich älter als die Samenpflanzen, die erstmals im oberen Devon auftraten.”

Was Klimaveränderungen angeht, scheinen uns diese einfachen, aber sehr bezaubernden Pflänzchen einiges voraus zu haben.


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Wohnungsnot?

Wohnungsnot?
„Wohnungsnot?“


Behind the scenes: Wohnungsnot?

Viele Inlandskommunen in Lappland befinden sich derzeit “auf dem absteigenden Ast” wie es so schön heisst.

Junge Menschen ziehen - spätestens zur Gymnasialausbildung - in die Städte. Und meistens bleiben Sie dann auch nach dem Abschluss der Ausbildung dort.

Die Bevölkerung hier altert. Häuser stehen zuerst leer und verfallen dann häufig (wenn sie denn nicht malerisch belegen sind und dann von den Familien als Sommerhäuser (“Sommarstuga”) weiter genutzt werden).

Der Wohnungsbau kommt vielerorts zu Erliegen. Warum sollen auch neue Wohnungen gebaut werden, wenn alle Statistiken darauf hindeuten, dass die Bevölkerung dramatisch schwindet.

Diese Fakten mögen bitte auch alle, die sich mit dem Gedanken ans Auswandern nach Lappland beschäftigen, auf dem Schirm behalten. Führt der Bevölkerungsschwund doch auch zum schleichenden Abbau der allgemeinen Grundversorgung in vielen Bereichen.

Im Rahmen eines Auftrages war ich in der vergangenen Woche in Vännäs und konnte mir dort ein Bild des Ernstes der Lage verschaffen.

Dennoch: Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt. Eine schöne Symbolik im Bild and ich auf der Rückseite der Schule in Vännas. Hier gibt es offenbar ein Wohnungs-Überangebot. Allerdings nur für Vögel.


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Lugn och ro! / Ruhe und Gelassenheit!

Lugn och ro! / Ruhe und Gelassenheit!
„Lugn och ro! Ruhe und Gelassenheit!“


Behind the scenes: Urlaubsreif? Gestresst? Willkommen!


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Frohe Ostern! / Glad Påsk! / Happy Easter!

Frohe Ostern! / Glad Påsk! / Happy Easter!


Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern

"Frohe Ostern! / Glad Påsk! / Happy Easter!“





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Ostern in Schweden - Gestern und heute - Teil 3

Und hier der dritte Teil: Ostern im Zeichen der Sommarstuga und des Schneeskoters.

Wer nicht ohnehin währende der Osterwoche (“Påsklov”) Urlaub genommen hat, endet die Arbeitswoche jedenfalls üblicherweise am Gründonnerstag gegen 12 Uhr. Auch die meisten öffentlichen Einrichtungen schliessen um diese Zeit. Was geschieht dann?

Spätestens jetzt bepacken alle ihre Autos, lasten den Skoter auf den Anhänger und brausen gen Stuga. Vergangenes jahr waren wir selbst am Gründonnerstag in Richtung Fjäll unterwegs (Route von Soresle nach Tärnaby) und konnten die Invasion, die da Richtung Fjäll rollte, kaum fassen. Intensives Verkehrsaufkommen ist hier ja recht selten. Die Autolawine, die wir da zu sehen bekommen haben, war aber geradezu unglaublich.

Nebenbei: Die im Winter hier in Nordschweden praktisch unentbehrlichen Spikesreifen dürfen bis zum 15. April gefahren werden. Eine Ausnahme gilt allerdings, wenn auch danach noch mit “Winterlage” zu rechnen ist. Deswegen verbleiben die Winterreifen mit den Spikes meist auf den Autos, wenn es über Ostern ins Fjäll geht. Denn dort herrschen noch richtig winterliche Verhältnisse. Gewechselt werden die Reifen dann nach der Rückkehr aus dem Osterurlaub.

Zurück zu den kulinarischen Besonderheiten: Am Ostersamstag wird normalerweise ein besonderes Essen gekocht. Ei und Hering sind dabei oft die bestimmenden Bestandteile (wobei es sehr grosse regionale Unterschiede gibt). Stark im Kommen ist auch der “Påskskinka”, ein grosser Kochschinken, der zu Weihnachten - baugleich - als “Julskinka” verspeist wird.

Die Ostereier werden - wie auch in Deutschland üblich - in verschiedenen Farben bemalt und die Kinder bekommen die Ostereier ebenfalls am Ostersamstag. Natürlich gibt es auch viele Süssigkeiten. Sehr häufig sind grosse Ostereier aus Pappe, die mit allerlei Süssigkeiten gefüllt sind. 

Beinahe zu allen Festen im Jahreskreis gibt es ein bestimmtes Getränk in Schweden. Zu Ostern ist das der “Påskmust”. Der Påskmust ist eine Limonade, die geschmacklich zwischen Malzbier und Cola mit säuerlichem Einschlag anzusiedeln ist. Durchaus Geschmackssache. Ganz ähnlich ist übrigens das Pendant zu Weihnachten (“Julmust”).

Påskmust
„Speziell zu Ostern: Påskmust“ - License picture / Buy print





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Ostern in Schweden - Gestern und heute - Teil 2

Und weiter geht es mit Teil 2:

Im ersten Teil hatte ich bereits auf die fortgeschrittene Säkularisierung hingewiesen. Das zeigt sich z.B. darin, dass es in Schweden keine Regelungen zum Ladenschluss gibt. Die Geschäfte haben an an allen Tagen des Jahres geöffnet (wenn es auch an manchen Feiertagen kürzere Öffnungszeiten gibt). Am Karfreitag noch ein Stück Butter einkaufen? Kein Problem. Vor einigen Jahren noch waren z.B. am Karfreitag alle Geschäfte geschlossenen und es herrschte Tanz- und Kinoverbot. Ich habe letztes Jahr einmal eine kleine Rundfahrt unternommen, um die Anzahl der Gottesdienstbesucher zu Ostern herauszufinden. Nicht mehr als eine handvoll (buchstäblich!) Menschen.

Die “Påsklov”, d.h. die “stille Woche” vor Ostern ist schulfrei. In dieser Woche ist der Schnee breits kräftig am schmelzen und meistens herrscht bereits kräftiger Sonnenschein. So wird denn diese Woche auch häufig für den Ausklang der Skisaison genützt. Und für viele Schweden ist die Påsklov mit dem ersten Urlaub in der “Sommarstuga”, dem kleinen Haus auf dem Lande verbunden. Die Stugas stehen den harten Winter über meist einsam und verlassen. Zu Ostern ist es nun an der Zeit dort nach dem Rechten zu sehen und alles für den langen Sommeraufenthalt dort vorzubereiten. Überhaupt ist die - meist spartanisch bescheiden eingerichtete - dafür aber oft traumhaft gelegene Sommarstuga das Zentrum des schwedischen Familienlebens ab der Schneeschmelze. 

An Ostern stehen in Schweden heutzutage also das Erwachen der Natur und der Frühling im Mittelpunkt.

Morgen gehts weiter mit Teil 3.

Påskris - Ostern in Schweden - Gestern und heute - Teil 2
„Ostern in Schweden heute: Påskris und Skihang“ - License picture / Buy print





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Ostern in Schweden - Gestern und heute - Teil 1

Diese Woche möchte ich mit einer dreiteiligen Serie die schwedischen Osterbräuche etwas unter die Lupe nehmen.

Schweden ist eigentlich ein sehr traditionsbewusstes Land. Allerdings ist auch hier vieles im Wandel. Ostern ist ja nun eigentlich ein christliches Fest. In Schweden ist es im Rahmen der fortschreitenden Säkularisierung über die zurückliegenden Jahre allerdings zu einem wichtigen “weltlichen” Fest geworden.

Die Zurückgezogenheit im Familienkreis ist in Schweden äusserst wichtig. Deswegen wird auch Ostern (“Påsk”) ruhig und im Familienkreis verbracht. 

Der klassische Osterbrauch besteht aus einem Osterschmuck in Form von Birkenzweigen mit bunten “Federbüscheln” (“Påskris”, was soviel wie “Osterreisig” bedeutet). Am Gründonnerstag (“Kärtorsdag”) oder am Ostersamstag ziehen häufig noch die Mädchen und Jungen mit Kopftüchern und mit langen Röcken als Osterweiber verkleidet ("Påskäringar") von Haus zu Haus. Die Wangen sind rot bemalt und mit sich haben sie eine Kaffekanne in die sie Süssigkeiten oder Geld sammeln.

Ein weiterer klassischer Brauch stammt vermutlich aus dem Jahre 1880. Viele Schweden schicken sich gegenseitig sog. hergestellte Osterbriefe. Die selbst geschriebenen Briefe werden meist anonym versandt. Hier oben in Lappland ist das allerdings weniger üblich.

Auch in Schweden steht Ostern ganz im Zeichen des Ostereis. Die bestimmende Osterfarbe ist dabei gelb - wohl in Anlehnung an den Frühling und die Osterküken. Denn in Schweden bringen die Osterküken und nicht der Osterhase die Ostereier.  

Morgen gehts weiter mit Teil 2.

In Schweden bringt das Osterküken die Ostereier
„In Schweden bringt das Osterküken die Ostereier“ - License picture / Buy print





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Ostern im Anmarsch I / Påsken närmar sig I

Ostern im Anmarsch I / Påsken närmar sig I
„Ostern im Anmarsch I / Påsken närmar sig I“ - License picture / Buy print





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Tears

Tears
„Tears“ - License picture / Buy print





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Victory!

Victory!
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Winter-Rainbow

Winter-Rainbow
„Winter-Rainbow“ - License picture / Buy print


Behind the scenes: Japan und die Folgen kreisen um und über uns. Es ist schwer (klassische rhetorische Untertreibung, richtigerweise: unmöglich), einfach mit dem „Business as usual“ weiter zu machen.
Dieser Regenbogen bei noch immer ordentlicher Kälte in Lappland hat mich in diesem Zusammenhang sehr nachdenklich gemacht und mich an einen Satz erinnert, den ich die Tage irgendwo gelesen habe:
„Man kann sich nicht für den Himmel vorbereiten, wenn mann schon im Grab liegt“.




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Japan



Our prayers, hearts and thoughts

are with all the people in Japan.




Information-sources - We ask all our readers to stay updated:


->
CNN-livestream (ENG)


-> Spiegel-Online Liveticker (GER/DEU)


-> n-tv News (GER/DEU)


Twitter-Hashtags: 

-> #jpquake 

-> #japanquake

-> #fukushima





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23. Februar: Zeit für die schwedischen Leseratten - Dags för årets stora bokrea

Heute wieder ein Beitrag aus der Rubrik Kultur. Es ist wieder an der Zeit für die Woche des “bokrea”. Hinter dem Begriff verbirgt sich die jährliche Bücherwoche, eine Art “Bücher-Ausverkauf”. Dieses Jahr startet der grosse Ausverkauf heute, d.h. am 23. Februar 2011.

Buchhandlungen im ganzen Land verkaufen ab dem heutigen Tag Bücher zu herabgesetzten Preisen. Von besonders beliebten Büchern werden sogar spezielle Auflagen für den jährlichen Ausverkauf gedruckt. In der Vergangenheit war der Bücherausverkauf für den Buchhandel sogar wichtiger als das Weihnachtsgeschäft. Das hat sich in den vergangenen Jahren aber ungefähr ausgeglichen.

In den grösseren Städten gibt es einen so grossen Zulauf am Starttag des Ausverkaufes, dass manche Buchhandlungen bereits um Mitternacht öffnen. 

Spezielle Verkaufskanäle für Bücher gibt es in Schweden nicht mehr. Früher durften Bücher nämlich nur exclusiv über Buchhandlungen verkauft werden. Heute nutzen auch viele Einzelhandelsgeschäfte und Warenhäuser die Gelegenheit und bieten zu dieser Woche verbilligte Bücher an.

Etwas Ordnung gibt es aber im System. So bestimmt die schwedische Buchhändlervereinigung (Svenska Bokhandlarföreningen (SBF)) z. B. jährlich das Startdatum für den Ausverkauf. Das von der SBF 2009 eingeführte Verbot, Bücher für Kunden auf den Ausverkauf vorzubestellen, wurde 2010 wieder aufgehoben.

Historisch gibt es den Bücherausverkauf in Schweden seit den 20er Jahren. Damals nutzten die Verlage die Gelegenheit, ihre Restbestände abzuverkaufen. Nachdem das Interesse am Bücherausvefrkauf in den 70ern stark gesunken war, erfreut er sich seit den 80ern wieder gesteigerter Beliebtheit und die Umsätze nehmen seitdem wieder Jahr für Jahr zu.

23. Februar: Zeit für die schwedischen Leseratten - Dags för årets stora bokrea
„Dags för årets stora bokrea - auch in Malå“




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The Kill Switch...

The Kill Switch...
„The Kill Switch“ - License picture / Buy print


Behind the scenes: Während ich am vergangenen Samstag also mit vielen Fragen beladen heimwärts (will sagen: zurück zum Auto) stapfte kreuzte etwas meinen Weg, das meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Der “Kill-Switch”. Es gibt ihn also tatsächlich schon. Und damit ihn niemand findet, ist er gut versteckt (und ich werde natürlich nicht verraten, wo ich ihn aufgestöbert habe). Er steht da. Einsam und alleine. Weitab jeder Zivilisation. Und wirkt eigentlich ziemlich verlassen.

Im Ernst: Das Motiv hat mich auch sehr nachdenklich gestimmt. Der Begriff “Notschalter” wird synonym neben den Begriff “Kill switch” gestellt. Eigentlich völlig falsch. “Kill” bedeutet bekanntlich “töten”. Im Zusammanhang mit der “Not” aus dem “Notschalter” gibt das also so eine Art “Tötung-in-Notwehr-Schalter” für das Internet. Die Sache hat dann nur einen Haken: Kill heisst töten und tot ist tot. Entweder ist den Erfindern des Begriffes bei der überschwenglichen Wortschöpfung der Gaul durch gegangen. Oder? Gute Frage.



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900 Tonnen Stahlbeton...

900 Tonnen Stahlbeton in Lappland
„900 Tonnen Stahlbeton - mitten in der Natur“


Behind the scenes: Wunderbares Februarwetter in Lappland am vergangenen Samstag. Zwischen minus 15 und minus 20 Grad. Wind gerade noch erträglich. Hatte mich entschlossen, einige entlegenere Baustellen für künftige Windkraftwerke zu besuchen und vielleicht auch zu fotografieren. Der Fussmarsch war nach Karte so ca. 15-17 Km. Natürlich mit einem treuen Vierbeiner als Begleitung. Die Wanderung war traumhaft schön, obwohl ziemlich anstrengend. Denn es ging erst einmal so ca. 5 Km nur bergauf, teilweise durch Tiefschnee.

Oben angekommen, waren die Baustellen dann auch ganz aufschlussreich. Das lässt mich immer wieder sehr nachdenklich werden. Neunhundert (900) Tonnen Stahlbeton umfasst ein (!) Fundament für ein Windrad. Meistens werden ganze Schwärme zwischen 10 und 40 Stück errichtet. Gebuddelt und betoniert wird auch im tiefsten Winter. Damit der Beton abbindet wird eine riesige Plane über die Baustelle gezogen. Rundherum stehen 5-7 grosse Notstromaggregate. An jedem ist ein gigantisches Gebläse angeschlossen, das den Beton bewindet. Gespenstische Installation. Ziemlich laut. Autark zudem, denn kein Mensch war weit und breit zu sehen. Die Aggregate mahlen eintönig und lärmend vor sich hin. Was ich mich frage betrifft die Gesamt-Energiebilanz. Hat da mal jemand nachgerechnet, wieviel Energie im gesamten Prozess von Erschliessung, über die Wegarbeiten, Sprengarbeiten, Grabungsarbeiten, usw. usw. bis hin zu mobilen Betonwerken, da eigentlich aufgewendet wird? Wie “öko-logisch” ist das eigentlich wirklich?

Mit vielen Fragen beladen habe ich mich schliesslich wieder auf den Heimweg gemacht. Mit einem schönen Umweg über eine Route, von der aus kein Windkraftwerk zu sehen ist. Nur ein Stückchen unberührte Natur.



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Freedom

Freedom
„Freedom“ - License picture / Buy print




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The waiting room at the gate to eternity

The waiting room at the gate to eternity
„The waiting room at the gate to eternity“

Drei Lichtlein - Wir feiern Jubiläum

Drei Lichtlein - Wir feiern Jubiläum

Drei Lichtlein - Wir feiern Jubiläum
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Prolog: Männer sind bekanntlich nicht sonderlich gut im Memorieren wichtiger Daten (Geburtstage, Hochzeitstage und derer mehr). Ich schulde Frau Lapplandblog daher grossen Dank, dass sie mich an unser Jubiläum erinnert hat!

Nun aber zum freudigen Anlass: Dürfen drei Lichter nach dem vierten Advent brennen? Im Regelfall nicht. Hier aber ja. Denn wir feiern ein Jubiläum: Drei Jahre gibt es nun das Lapplandblog. Was klein begann, hat sich gemausert. Und heute stehen wir unter dem Motto “About Life • About Photography • About Lapland”.

An allererster Stelle danken wir aber allen unseren wunderbaren Leserinnen und Lesern hier!

Die Kommunikation mit Euch, ganz gleich ob per Mail, in den Kommentaren, auf Facebook oder auf Twitter ist unschätzbar wertvoll und wichtig für uns.

Danke für alles Feedback.

Danke für alle Unterstützung.

Danke für alle Kommentare.

Danke für jedes Weitersagen und für jede Verlinkung.

Danke!

Unser Weihnachtsgeschenk 2010 / Our christmas gift for you 2010 / Vår julklapp 2010

Und hier ist das Weihnachtsgeschenk für alle unsere werten Leserinnen und Leser:

Ein Kalender für 2011 mit schönen Bildern aus Lappland. Download hier (PDF - 9.1 MB). Einfach selbst ausdrucken oder ab in den Copyshop.  Am schönsten mit Spiralbindung. 


And here comes the christmas gift for all our dear readers:

A beautiful calendar for 2011 which lovely pictures from Lapland. Donload here (PDF - 9.1 MB). Just print out by yourself or get it printed at a print shop. Best with spiral binding. 


Nu finns det vår julklapp igen för alla våra kära läsare:

En kalender för 2011 med snygga foton från Lappland. Download här (PDF - 9,1 MB). Det är bara att skriva ut den (själv eller på tryckeriet). Bäst med spiral binding. 

Unser Weihnachtsgeschenk 2010 / Our christmas gift for you 2010 / Vår julklapp 2010
„Unser Weihnachtsgeschenk 2010 / Our christmas gift for you 2010 / Vår julklapp 2010“


Licht und Schatten / Ljus och skugga

Licht und Schatten / Ljus och skugga
„Licht und Schatten / Ljus och skugga“ - You can license this picture


Das Leben besteht aus Licht und Schatten. Aber das Licht ist stärker.

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Livet består av ljus och skugga. Men ljuset är starkare.


Solstickan

Solstickan
„Solstickan“ - You can license this picture


Am eisigen Strassenrand. Eine achtlos weggeworfene Schachtel Solstickan.

Das Motiv bringt eine Saite in mir zum Schwingen und erinnert mich an das 1845 geschriebene Märchen von Hans Christian Andersen “Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern” (“Den lille Pige med Svovlstikkerne”).

Was wirst Du heute tun, um das Elend auf der Welt zu mildern? Gerne in die Kommentare mit Deinem Beitrag!

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Vid vägkanten. Oaktsamt bortkastad. En ask. Solstickan står på den.

Motivet väcker nånting i mig och påminner mig om sagan "Flickan med svavelstickorna" som  Hans Christian Andersen skrev 1845. Läs gärna  Solveig Faringers svensk översättning (PDF-fil) av sagan (som ursprungligen skrevs på Danska).  

Min tanke efter du har läst sagan: vad kommer du att göra för att förbättra elendet som finns på jorden? Skriv gärna en kommentar och berätta vad du tycker.


Sonntagsgedanken zum 1. Advent 2010-11-28

Auf der Suche nach dem Sinn

Also wieder erster Advent. Advent kommt bekanntlich von “adventus” (lat.), was soviel wie “Ankunft” bedeutet. Wer weiss aber da draussen in der grossen weiten Welt eigentlich noch, worum es in der Adventszeit geht? Wer oder was soll denn wohin (an)kommen, und was hat es damit auf sich?

Bei der gestrigen Promenade durch eine nahegelegene Stadt haben wir einige “Ankünfte” gesehen und erlebt:

Angefangen von etlichen Kilowatt schrill und abstossend blinkender Lampen, Lichter und Lichterketten in den bizarresten Formen, die letzte Woche an ihren Plätzen “angekommen” sind, bis hin zu Menschen, die mit grossen Paketen und prallvollen Tüten wieder bei ihren geparkten Autos angekommen sind. Kurz und bündig: Ein Tanz ums hell erleuchtete Goldene Kalb in Form abstossenden Konsumrausches in voller Bandbreite.

Mir will es nicht in den Kopf und ich fasse es nicht. Das Klima fliegt uns gerade um die Ohren, der Euro vielleicht auch in nicht allzuweiter Ferne und in verschiedenen Gebieten der Erde stehen die Zeichen derzeit äusserst bedenklich auf Krieg. Aber egal. Hauptsache alles blinkt um uns herum, und unter dem Tannenbaum (der aus Klimaperspektive doch sinnvollerweise im Wald bleiben sollte) liegen möglichst viele heiss begehrte (eigentlich aber völlig unnötige) Konsumgüter. Wohin führt uns das in naher Zukunft?

Nein, ich schlage nicht in die allgemeine “alles Sch....” Kerbe. Mein Aufruf für die diesjährige Adventszeit lautet:

Bedenke Mensch, was du wirklich brauchst (“closed circle”). Alles darüber hinaus ist nämlich eigentlich überflüssig. Und plötzlich würde sich dann ein riesiger Haufen Probleme lösen, die in Wahrheit nur “Nicht-Probleme” sind (weil bereits als Problem völlig überflüssig). Ach ja, und darüber nachzudenken, für was die Adventszeit eigentlich gedacht war (s.o.) soll auch nicht schaden. Im Gegenteil. Andersherum formuliert: Vielleicht müssen wir für die schwelenden Krisenherde einfach nur dankbar sein. Denn Not lehrt bekanntlich beten.

Mene Mene Tekel Upharsin
Adventszeit 2010 - „Mene Mene Tekel Upharsin“?
„gezählt, gezählt, gewogen, für zu leicht befunden, zerteilt“
Daniel 5, 25f

Photos as Web Content von Jakob Nielsen: “Must read” für Fotografen, Webdesigner und Bildkäufer

Vor einigen Tagen hat Jakob Nielsen auf seinem Blog (“Alertbox”) eine Studie vorgestellt, die alle Fotografen, Webdesigner und Bildkäufer kennen sollten.

Zuerst ein paar Worte über Jakob Nielsen. Er ist eine der führenden Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Benutzerfreundlichkeit und bekannt für seine - oft strenge - Kritik an populären Webseiten. Er bemängelt z. B. regelmässig verspielte Details wie Animationen, Flash und überflüssige Grafiken.  Seine Website, dort insbesondere seine “Alertbox”, ist eine wichtige Quelle rund um das Thema Usability im WWW.

Am 1. November hat Nielsen dort die Zusammenfassung einer aktuellen Studie zum Thema “Photos as Web Content” veröffentlicht. Bei der Studie wurde das Nutzerverhalten auf Websites mit Hilde des sog. “eyetracking” untersucht.

Die Studie hat es in sich, wie bereits die Kurzzusammenfassung verrät:

“Webseiten-Besucher achten sehr auf Fotos und andere Bilder, die relevante Information enthalten. Sie ignorieren aber nichtssagende Bilder, die eine Seite nur als Füller “aufpeppen” sollen.”

Einige ausgewählte Details aus dem Inhalt:

-> Viele Bilder werden von den Besuchern völlig ignoriert. Das betrifft insbesondere die üblichen “feel-good”-Bilder, die nur zur Dekoration und Ausschmückung („Füller“) dienen. 

-> Bilder die Personen zeigen werden hingegen eingehend betrachtet und visuell “untersucht”. Eine wichtige Einschränkung gibt es dabei allerdings: Das gilt nur für “reale” und “echte” Fotos von Personen, die mit dem Inhalt der Seite auch etwas zu tun haben. Nichtssagende Personenbilder aus dem Stock-Fundus werden beinahe augenblicklich als solche erkannt und “aussortiert”.

Also: Finger weg von Stock-Fotos in diesem Zusammenhang. Diese sind ohnehin meistens nur reine “Füller”. Solche Füller sollten unbedingt weg gelassen werden. Stattdessen lieber in reale Fotos investieren. Es zahlt sich aus.

-> Sehr wichtig ist auch ein ansprechendes Bild der Person, die hinter einer Website steckt.

-> Produktfotos sind natürlich wichtig. Sie enthalten relevanten Inhalt. Sehr gerne werden von den Besuchern auch relevante (will sagen für eine Produktentscheidung wichtige) Produktdetails betrachtet. 

-> Optionen zur vergrösserten Ansicht von Bildern werden ebenfalls gerne gesehen. Wichtig ist, dass die vergrösserte Ansicht mindestens doppelt so gross wie die Vorschau sein sollte. Die Vorschaubilder sollten auf der Seite “nicht in den Weg geraten”, also nicht zu gross sein.

Zusammenfassung: Die Studie weist klar auf den Kerngedanken der Usability-Forschung hin: Keep it simple. Alles was unnötig ist, soll weg gelassen werden.
Fotos mit relevanten Inhalten, d.h. Fotos, die Informationen enthalten, sind wichtig und werden gerne betrachtet. Das gilt auch für reale Personenfotos. Nichtssagende (Stock-) Fotos zur reinen Ausschmückung werden abgelehnt.

Fazit / Empfehlung: Individuelle und professionelle Bilder, gleich ob People, Produkt oder Reportage, sind immer eine gute und wertvolle Investition, die sich auszahlt!



What is freedom about?

What is freedom about?
- You can license this picture -

Canon ./. Nikon

Wer hier mitliest kennt meine Meinung: Technik spielt im Regelfall eine ziemlich untergeordnete Rolle, wenn es um gute Fotos geht. Insbesondere markentechnische "Glaubenskriege" mag ich überhaupt nicht (vielleicht mal von Leica abgesehen, *räusper*). Genau zu dieser Frage hatte ich kürzlich ein hochinteressantes Erlebnis:

Vergangene Woche war ich - rein privat - auf einem gesellschaftlich-kulturellen Event. Bunt gemischtes Publikum. Empfang mit anschliessendem Konzert. Haben uns wirklich wohl gefühlt. Einige Freunde, einige Bekannte unter den Gästen. Kurz nach der Eröffnung der Veranstaltung kommt jemand völlig ausser Atem zu mir gehetzt. "Du kannst das doch. Wir haben ein riesiges Problem. Unser PR-Fotograf ist gerade kollabiert. Tu mir den Gefallen und mach mal. Wir brauchen unbedingt die Aufnahmen vom Empfang der Stargäste". Und drückte mir eine Canon 1D Mark irgendwas mit einem fetten Blitz darauf in die Hand. Und entschwand, während die ersten Stargäste in Richtung Eingang schwebten. Was tun? Kurze Schrecksekunde. Kurzes, tiefes Durchatmen. Da ich die Kamera ja nun schon in der Hand hatte, gab es eigentlich keine Alternative. Bloss als eingefleischter Nikon-Shooter war jetzt keine Zeit mehr, sich gross mit etwas vertraut zu machen. Also auf "Alles Automatik" - das habe ich binnen einer Minute hinbekommen :) - und ran an die Bouletten. Ungewohnt mit der Canon. Unerwartet an diesem Abend. Aber die spannenden 15 Minuten gingen vorüber, bis ich die Rolle wieder zum "normalen Teilnehmer" tauschen konnte. Die Cam hat einer der Organisatoren wieder in Empfang genommen. Der eigentlich gebuchte Fotografenkollege befand sich in der Zwischenzeit mit der Ambulanz auf dem Weg in Richtung Krankenhaus. 

Reflektion 1: Sei allzeit bereit :)

Reflektion 2: Technik ist nicht wirklich wichtig. Wichtig aber ist, die eingesetzte Technik im Schlaf zu kennen und zu beherrschen. Ist mir deutlich bewusst geworden als ich mir überlegte, wie ich auf die Schnelle bei der Canon meine bevorzugten Einstellungen fürs manuelle Blitzen einstelle. Selbst wenn mir das binnen einer Minute gelungen wäre hätte ich nicht gewusst, wie sich die Cam dann verhalten hätte.

Ende der Geschichte: Die Organisatoren waren nicht nur hocherfreut und dankbar, auch die "Alles Automatik" Bilder sind ganz gut gelungen und waren brauchbar. (Und ich wurde spontan gebeten, doch eine Rechnung zu schreiben, wovon ich allerdings abgesehen habe).

Renovierungsbedürftig? - Tipps zum Immobilienkauf in Schweden / Lappland

Heute einige Worte und Tipps zu einem Thema, das mich seit längerer Zeit beschäftigt. In den zurückliegenden Jahren haben haben wir viele Auswanderer kennen gelernt, die sich in Schweden (insbesondere hier in Lappland) niedergelassen haben. Beinahe alle haben eine Immobilie hier erworben. Sehr viele haben dabei - aus verschiedenen Gründen - heftige Bauchlandungen erlebt. Gerade in der vergangenen Woche habe ich wieder eine so haarsträubende Geschichte gehört, dass ich nun ein paar Zeilen zum Thema schreibe (und mir damit bestimmt nicht nur Freunde mache - aber es muss gesagt und geschrieben werden). Weitere Infos und Tipps zum Auswandern mit Plan gibt es übrigens in unserem Anfang 2011 erscheinenden Buch „Auswandern mit Plan“.

Worauf sollten Sie also achten, beim Immobilienkauf in Schweden (insb. Norrland / Lappland):

1. Nehmen Sie sich Zeit. Treffen Sie NIEMALS impulsive Schnellentscheidungen! 

2. Recherchieren Sie ausführlich über Ihr Zielgebiet und tragen Sie so viele Informationen wie möglich zusammen. Im Web finden Sie eine beinahe unendliche Informationsfülle. 

Bewerten Sie alle Informationen nüchtern: Eine "bezaubernde Alleinlage im Wald" kann bei minus 25 Grad im tiefsten Winter zum Horrortrip werden, wenn Sie Ihren Weg dorthin selbst räumen müssen. Denken Sie an alle Aspekte und auch daran, dass Sie einmal älter werden könnten.

3. Planen Sie eine Reise in Ihr Zielgebiet und besichtigen Sie alle Objekte selbst. Setzen Sie sich niemals selbst unter Druck! Denken Sie bitte an die unterschiedlichen Jahreszeiten. Bei einer Schneehöhe von eineinhalb Metern sieht alles ganz anders aus, als im Sommer.

Soweit Sie der Sprache nicht hinreichend mächtig sind, nehmen Sie eine(n) einheimischen Sprachkundigen mit. Das sollte kein Beauftragter oder Mitarbeiter eines Maklerbüros sein. 

Fragen Sie dann vor Ort intensiv bei ortsansässigen Organisationen und Einheimischen nach. Ansprechpartner können z.B. sein: Die Gemeindeverwaltung (kommune) und ortsansässige Handwerker. Auch die ortsansässigen Banken sind wichtige Ansprechpartner und haben meist sehr gute Informationen und eine gute Übersicht über den lokalen Immobilienmarkt. Vergessen Sie nicht, die (potentiellen neuen) Nachbarn zu fragen. Die wissen nämlich in aller Regel interessante Details. Vergessen Sie auch nicht, sich nach der grossflächigen Planung zu erkundigen (z.B. die Frage, ob in der Nachbarschaft ein Windpark entstehen soll, oder ob Mineralrechte vergeben wurden (Grubenausbau), usw.).

Und bitte vergessen Sie - besonders, wenn Sie von Nicht-Schweden kaufen - nicht zu fragen, warum das Objekt verkauft wird.

4. Lassen Sie Ihr Traumhaus von einem ortsansässigen Fachmann begutachten. Gerade im Inland sind die Häuser völlig anders als in Kerneuropa gebaut. Oft stammen die Häuser aus einer Zeit, in der es noch keine richtigen Bauvorschriften gab. Es handelt sich in der Regel um Holzhäuser. Diese sind mit häufig von Problemen geplagt und mit Mängeln behaftet, die in Kerneuropa in dieser Form unbekannt sind (z.B. häufig ausgeprägte Schimmelprobleme ("Mögel"), die zu Gesundheitsgefährdungen und erheblichem Beseitigungsaufwand führen). Über ortsansässige Bausachverständige kann Ihnen meistens das Bauamt auf der jeweiligen Gemeinde einen Tipp geben. Auch Banken sind hier wieder gute Informationsquellen. Beachten Sie das nicht, kann der Traum sehr schnell zum Albtraum werden. 

5. Vergleichen Sie die Preise mit denen auf dem innerschwedischen Markt. Makler, die auf Auswanderer spezialisiert sind, vermitteln oft Objekte zu völlig überhöhten Preisen. Mehrfach habe ich von 5 bis 10-fach überhöhten Preisen gehört.

Für Ihre Marktrecherchen bieten sich die innerschwedischen Plattformen an. Die wichtigsten Links zur Immobiliensuche auf dem schwedischen Markt sind:

www.blocket.se und www.hemnet.se

6. Der Immobilienkauf geht einfach und schlicht vonstatten. Es gibt keine zwingende notarielle Beurkundung. Es genügt eine Vereinbarung auf dem sprichwörtlichen "Butterbrotpapier". Seien Sie bitte auch hier sehr zurückhaltend und vorsichtig. Wenn Sie sprachlich nicht verstehen, was Sie unterschreiben, dann unterschreiben Sie bitte nicht. Holen Sie Expertenrat ein. Auch hier sind die ortsansässigen Banken oft eine wertvolle Hilfe. Über die Bank bekommen Sie z.B. schnell und unkompliziert Grundbuchauskünfte und Hinweise zu eventuellen Belastungen.

7. Zu guter Letzt: Wir wünschen Ihnen für Ihr Auswanderungs- oder Immobilienprojekt von Herzen alles Gute. Planen Sie, denken Sie und handeln Sie bitte wohlüberlegt!

Nachtrag: Einen weiteren Tipp zu Schneelast und Dachlawinen finden Sie hier.

Renovierungsbedürftig / In need of some repair
- Renovierungsbedürftig? / In need of some repair? - 

Sonntagsgedanken: Was macht ein gutes Foto aus?

In der zurückliegenden Woche bin ich erstaunlicherweise gleich mehrere Male in der angeregten Diskussion gelandet, was denn ein gutes Foto ausmacht.

Ich denke, wir müssen trennen:

- Bei kommerziellen Fotos ist das „relativ einfach“: Das Bild ist gut, wenn es den Kunden begeistert und den intendierten Zweck optimal erfüllt.

- Aber bei künstlerischen Fotos? Eine herausfordernde und sehr subjektive Sache. Meine Arbeitsdefinition, was denn ein gutes Bild ausmacht ist folgende:

Ein Foto ist für mich gut, wenn das Bild den Betrachter zum innerlichen und/oder äusserlichen Verweilen einlädt, und den Betrachter berührt oder verändert.

Das kann verschiedene Bereiche des Verweilens, der Berührung und der Veränderung betreffen:

- Die Augen, d.h. im Bild zu bleiben und es zu erforschen oder schlicht den angenehmen oder unangenehmen Eindruck zu geniessen.

- Den Geist, d.h. sich mit der Aussage zu beschäftigen.

- Die Seele, d.h. die vermittelte Botschaft aufzusaugen.

Und noch mehr...

Je mehr Bereiche (“Sinne”) angesprochen werden, um so eindrücklicher und besser ist das Bild. 

Diskussion gefragt: Was meinst Du dazu? Was macht für Dich ein gutes Bild aus?

PS: In diesem Beitrag ist bewusst kein Foto :)



Treehotel in Harads / Lappland

Schon seit einiger Zeit stand ein Besuch im Treehotel in Harads auf unserer Wunschliste ziemlich weit oben. Das Treehotel ist Lapplands derzeit wohl innovativste Idee in Sachen Tourismus. Anfang der Woche war es nun endlich so weit.

So kann ein Hotelzimmer aussehen - Meisterwerke in Planung, Design, Baukunst und Umweltverträglichkeit:

Treehotel in Harads Lappland The Cabin


Der Besuch hat uns so begeistert und inspiriert, dass eine ausführliche Foto-Reportage entstanden ist.

-> Hier gehts zur ausführlichen Reportage: Treehotel

-> To the reportage: Treehotel

-> Till reportaget: Treehotel


Treehotel in Harads Lappland The Microcube
- Der „Microcube“ ist mittlerweile bereits legendär
und lockt zahlreiche Besucher an -


You Can't Direct the Wind but You Can Adjust the Sails

You Can't Direct the Wind but You Can Adjust the Sails

Trinity

Trinity

Behind the scenes: A crushed rock seemed very symbolic for me. What do you think about it?


Stream of life / Strom des Lebens

Stream of life


Behind the scenes: Found this one on a long walk through the leftovers of an abandoned mine around sunset time. What struck me was the symbolic language of the scene: The constant stream of life is filling your mind and your soul. Will you use the power and wisdom given to you to be a blessing for other people and the world?

Wishing you a contemplative and reflective weekend!


Entdeckt auf einem langen Rundgang durch die Überreste einer verlassenen Grube zum Sonnenuntergang. Was mich getroffen hat war die Symbolik. Der konstante Strom des Lebens füllt deinen Geist und deine Seele. Wirst du die Kraft und Weisheit, die dir gegeben sind anwenden, um ein Segen für andere Menschen und die Welt zu sein?

Wünsche ein nachdenkliches und besinnliches Wochenende!


Sonntagsgedanken / Sunday thoughts - expression is the goal, not perfection

Just read one one of the amazingly inspiring ebooks of David DuChemin and was reminded of a story that happened in my early days.

As you can read from my vita i started shooting at the age of 6 and did the first commercial jobs for local newspapers at the age of 17. Though my creative career began to change its way slightly when i started playing bass-guitar in a rock band at the age of 15.

It really have been been “cool days” travelling around in Germany as the youngest member of a known band together with my 3 fellow musicians and the crew (all of them at least 10 years older than me).

Why did i chose the bass guitar? I had been playing acoustic guitar for some years and thought i’ll switch to those bass guitars, since they only had 4 strings (and of course my first bass guitar had been a Fender Precision). Guessed it would be easier with 2 strings less. Anyway i trained hard - regularily at least 2 hours the day - and the sucess came quite fast. So after 2 years with the bass guitar i decided to buy one of the newer 5-string ones. I was burning for the change and worked a lot in the meager free time to save the money for the investment.

The moment i had the money saved i had the chance to talk with a very well known bass guitar player i admired at the Frankfurt music fair and told him about my plans to switch to 5-string and asked for his advice. He - beeing about 55 that time and - as said - a very well known musician whom had really been very, very, very good at his craft (and wise, though i didn’t realise that at that time) told me something that really shocked me.

He said to me “young man, why should you switch to a 5-string guitar? Learn to play your 4-string.”

Guess i don’t need to tell you about my reaction. I turned around and went away. Bye, bye. And of course one week later i bought a 5-string. Needless to say that my - no longer admired - advisor (i won’t disclose his name) was playing 4-string only.

Anyway, life went on and i had to struggle with a lot of new problems i was confronted with playing 5-string now. So many problems actually that i gave away the chance to change the band (since i had been asked of a really well known band to join them, but thats another story). Long story short end: Finally i gave up playing in bands several years later and focused again on photography (which is much better for the ears).

What does the story have to do with photography? As said i was reminded of it as i read one of the ebooks of David DuChemin. One of his key sentences hits me every time i’m reading: Stop bying gear. Develop your vision. Same thing as with 4-string vs. 5-string (or even 6-strings that came out shortly after i finished my career as a musician). 4-strings are more than enough to express yourself through your music. Same thing with cameras, lenses, flashlights and so on.

So with this writing i want to encourage you. In most cases it’s really not about more or new gear (did i hear someone saying “new toys”?). No it’s about expanding and expressing your vision through creativity.

Have a nice weekend everybody!

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Habe gerade eines der unglaublich inspirienden Ebooks von David Du Chemin gelesen und wurde an eine Geschichte aus meinen frühen Tagen erinnert.

Wie aus meinem Lebenslauf ersichtlich, habe ich mit 6 angefangen zu fotografieren und die ersten kommerziellen Aufträge für Lokalzeitungen mit 17 gemacht. Allerdings begann sich meine kreative Laufbahn leicht zu verändern, als ich mit 15 angefangen hatte, Bass in einer Rockband zu spielen.

Das waren “coole Tage”, als das jüngste Mitglied einer bekannten Band mit meinen 3 Mitmusikern und der Crew (alle mindestens gut 10 Jahre älter als ich) durch Deutschland zu touren.

Warum hatte ich mich für Bass entschieden? Ich hatte einige Jahre Akustikgitarre gespielt und dachte an den Umstieg auf Bass, weil diese nur 4 Seiten haben (und natürlich war mein erster Bass ein Fender Precision). Dachte, es wäre einfacher mit 2 Saiten weniger. Jedenfalls habe ich viel geübt - normalerweise mindestens 2 Stunden am Tag - und der Erfolg kam schnell. Nach 2 Jahren habe ich dann entschieden, einen der neuen 5-saitigen Bässe zu kaufen. Ich brannte für den Wechsel und arbeitete viel in der spärlichen Freizeit, um das Geld für die Investition zusammen zu bekommen.

Als ich endlich das Geld zusammen hatte, ergab sich die Chance auf der Frankfurter Musikmesse mit einem damals sehr bekannten Bassisten ins Gespräch zu kommen und ihm von meinen Unstiegsplänen zu berichten und nach seinem Rat zu fragen. Er war damals um die 55, ein sehr bekannter und sehr, sehr, sehr guter Musiker (und sehr weise, auch wenn ich das damals nicht erkannt habe). Er sagte mir etwas, was mich damals wirklich schockiert hat:

“Junger Mann, warum willt Du auf einen 5-Saiter wechseln? Lerne auf dem 4-Saiter zu spielen.”

Wahrscheinlich muss ich von meiner Reaktion nicht berichten. Ich wandte mich ab und ging weg. Bye, bye. Und natürlich habe ich eine Woche später einen 5-Saiter gekauft. Überflüssig zu erwähnen, dass der - nun nicht mehr bewunderte - Ratgeber (seinen Namen verrate ich nicht) nur 4-Saiter spielte.

Das Leben ging weiter und ich sah mich mit vielen neuen Problemen mit dem neuen 5-Saiter konfrontiert. So vielen Problemen, dass ich darüber die Chance vergeben habe, die Band zu wechseln (denn ich war von einer wirklich sehr bekannten Band gefragt worden, mitzumachen. Aber das ist eine andere Geschichte.). Langer Rede kurzer Sinn: Schliesslich habe ich den Bass einige Jahre später aufgegeben und mich auf Fotografie fokussiert (was auch für die Ohren viel besser ist).

Was hat diese Geschichte mit Fotografie zu tun? Als ich eines der Ebooks von David DuChemin las, wurde ich an die Geschichte erinnert. Einer seiner Kernsätze trifft mich jedes Mal wenn ich ihn lese: Hör auf neue Ausrüstung zu kaufen. Entwickle Deine Vision. Dieselbe Sache wie 4-Saiter contra 5-Saiter (oder gar 6-Saiter, die kurz nachdem ich meine Musikerkarriere beendet hatte auf den Markt kamen). 4-Saiter sind mehr als genug um sich selbst durch seine Musik auszudrücken. Dasselbe gilt für Kameras, Objektive, Blitze, usw.

Ich möchte Dich damit ermutigen. In den meisten Fällen geht es überhaupt nicht um mehr oder neue Ausrüstung (hat da jemand gar “neues Spielzeug” gesagt?). Nein, es geht darum, Deine Vision durch Kreativität zu erweitern und auszudrücken.

Ein schönes Wochenende!

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Mehr Informationen zu den sagenhaften ebooks von David DuChemin gibt es übrigens hier:

Click here to visit Craft And Vision by David DuChemin.


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Sommer in Lappland XXIV - Forgotten places

Forgotten places

Behind the scenes: Auf meinen Streifzügen durch das sommerliche Lappland habe ich viele interessante und faszinierende Stellen neu entdeckt. Besonders faszinierend ist für mich oft der Charme mancher Grossprojekte, an denen der Zahn der Zeit zu nagen beginnt. Hier an einem grossen Staudamm eingefangen.

Die herausragenden Enden des Armierungs-Baustahls stehen wie eine Reihe vergessener Spazierstöcke an dieser schwer zugänglichen Stelle.

So, als ob vor Jahrzehnten eine hastig aufbrechende Reisegruppe, die hier Rast gemacht hatte um den Ausblick über die gestaute Wasserfläche zu geniessen, ihre Spazierstöcke vergessen hatte.

Allen Leserinnen und Lesern ein schönes und inspirierendes Wochenende!


Und sollte es mal wieder regnen: Mein Linktipp fürs Wochenende ist David DuChemin.

Eine Reise durch den Sommer in Lappland / A journey through the summer in Lapland

Viele Blogs gehen über den Sommer in Urlaub. Wir nicht. Wir dachten uns, unsere Leserinnen und Leser auf eine fotografische Reise durch den Sommer in Lappland mitzunehmen. Die nächsten Wochen - bis Ende August - gibt es hier Postings unter dem Titel “Sommer in Lappland”. Viel Spass!


A lot of blogs are taking a summer break. We are different. We thought it might be nice for our readers to join us on a photographic journey through the summer in Swedish-Lapland. Within the next weeks - until the end of august - there will be postings titled “Sommer in Lapland” to give you insights about Lapland in the summer season. Enjoy!


UNESCO Weltkulturerbe in Lappland: Gammelstads kyrkstad in Luleå

Am Montag hatte ich die grosse Ehre an einer exclusiven Führung durch die Gammelstads kyrkstad in Luleå unter der Leitung des weltbekannten Historikers Kjell Lundholm teilzunehmen. Ein Besuch in der Kyrkstad ist meiner Meinung nach ein “Muss” für alle Urlauber, die hoch in den Norden Schwedens reisen. Zudem ein idealer nördlicher Endpunkt einer Schwedenrundfahrt.

Der Begriff Kyrkstad lässt sich am besten mit “Kirchdorf” übersetzen. Insgesamt 71 alte Kirchdörfer dieser Art gibt es, von denen allerdings nur wenige in gutem Zustand erhalten sind. Die Geschichte der Kirchdörfer beginnt im 16. Jahrhundert. Sie wurden für die Bevölkerung geschaffen, die - für damalige Verhältnisse - weit entfernt von den Kirchen wohnten. Denn der regelmässige Kirchgang war damals “staatsbürgerliche Pflicht”. Bis zu 32 „Kirchen-Pflichtbesuche“ pro Jahr konnten sich ergeben. An- und Abreise am selben Tag waren aber aufgrund der weiten Wege undenkbar, und nahmen oft mehrere Tage in Anspruch. Daher wurden kleine Hütten als Übernachtungsmöglichkeiten gebaut. In der kyrkstad in Luleå entstanden so über 400 Hütten (“kyrkstugor”). Die Hütten sind netzförmig um die zentrale Kirche herum gebaut.

Gammelstads kyrkstad in Luleå
- Von überall aus gut sichtbar: Die zentrale Kirche -

Die Hütten werden auch heute noch von traditionsbewussten Menschen genutzt. Die Nutzung geschieht übrigens aufgrund einer abenteuerlichen rechtlichen Konstruktion. Eigentum kann nur an den Hütten selbst - als “fliegende Gebäude” - erworben werden. Grund und Boden gehören nach wie vor der Kirche. Um die Hütten aber auch tatsächlich nutzen zu dürfen, bedarf es zusätzlich einer besonderen Erlaubnis des königlichen Beauftragten. Die Eigentümer und Nutzer müssen sich dabei an viele Vorschriften halten. Die Nutzung ist u.a. nur von Freitag bis Montag, aber nicht in der Zeit von Montag bis Freitag gestattet. Ausserdem gibt es in den kleinen Hütten keinen Strom (da habe ich allerdings einige Ausnahmen gesehen), kein fliessendes Wasser und keine Toiletten. Sanitätsräume befinden sich in Form von Gemeinschaftsanlagen auf dem Gelände.

Gammelstads kyrkstad in Luleå
- Der Turm der alten Kirche -

Zentral in der kyrkstad liegt die alte Kirche. Ein relativ schlichter Bau, errichtet aus risiegen Steinen. Eingeweiht wurde sie im Jahre1492 und war damals noch katholisch. Die Hüttenbauten um die Kirche herum entstanden allerdings erst nach der Reformation, nachdem das Königshaus den evangelischen Glauben und auch die Kirchenpflicht eingeführt hatte.


- Detail an der Kirche -


Besonders interessant und erfreulich ist der Umstand, dass das Kirchendorf Gammelstad mit zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Schweden hat lediglich 14 Objekte zu verzeichnen, die zum Weltkulturerbe gehören (Stand: 2010). Neben der Gammelstads kyrkstad gehören dazu:

Der Marinehafen von Karlskrona, Das Stora Alvaret - Agrarlandschaft von Süd-Öland, Die Hansestadt Visby auf der Insel Gotland, Die Radiostation Grimeton in Varberg, Die Felszeichnungen von Tanum, Der Skogskyrkogården bei Stockholm, Die Wikingersiedlungen Birka und Hovgården, Das Schloss Drottningholm , Die Eisenhütte Engelsberg bei Fagersta, Der Kopparberget - Großer Kupferberg in Falun , Die Höga Kusten , Laponia in Lappland und der Struve-Bogen in Norrbotten.


- Nebengebäude der Kirche -


Noch ein Wort zu Kjell Lundholm. Der Historiker, der im Laufe seiner Karriere u.a. Leiter des Norrbotten-Museums war, hat rund 25 kulturhistorische Bücher und über 300 Fachartikel verfasst. Seine souveränen Geschichtskenntnisse in beinahe allen denkbaren Bereichen sind überaus beeindruckend. Das Wissen sprudelt bei ihm sozusagen aus jeder Pore. Und äusserst unterhaltsam waren Vortrag und Führung noch dazu. Sollten sie des Schwedischen mächtig sein und sich Ihnen eine Gelegenheit zu einer Führung oder einem Vortrag von Kjell bieten: Nutzen Sie diese einmalige Chance!

Nicht durchs Raster fallen...



Neue Serie: Auswandern, aber bitte richtig

Seit mehreren Jahren beschäftigen wir uns mit dem Phänomen der Auswanderung in allen seinen Facetten. Für die meisten Fälle ist Auswanderung übrigens schlicht das falsche Wort. Innerhalb der Europäischen Union (EU) wäre Umzug das treffendere Wort. Denn von z.B. Deutschland oder Österreich nach Schweden zieht man eher lediglich um. Wir bleiben hier trotzdem beim Begriff Auswandern, weil er in diesem Zusammenhang besser eingeführt ist. Bitte aber im Hinterkopf behalten, dass innerhalb der EU das Wort Umzug treffender ist.

Zurück zum Thema. Es scheint (leider?!) einen Bedarf nach analytischen Artikeln zum Thema zu geben. Wir haben mit sehr vielen Auswanderern gesprochen und uns viele persönliche (Weg-)Geschichten angehört. Manche sehr erfreulich, andere leider - wenn auch oft aus nachvollziehbaren Gründen - äusserst unerfreulich.

Deswegen haben wir uns zu einer kleinen Serie unter dem Titel “Richtig Auswandern” mit einigen provokativen aber hilfreichen Thesen entschlossen, die das Thema aus ungewohnten Perspektiven betrachten angehen.

Keine Angst: Es geht nicht um die Selbstverständlichkeiten, für die es bereits massenweise hochwertige Literatur in Form von Büchern und Anleitungen gibt. Dass sich potentielle Auswanderer gehörig mit den organisatorischen und rechtlichen “Basics” vertraut machen, setzen wir einfach mal voraus. Obwohl auch hier leider Zweifel angebracht sind. Ein Blick in einschlägige Foren zur Frage, wie und wo eine Personnennummer in Schweden beantragt wird, weckt Schwindelgefühle ob des Unsinns der teilweise verzapft wird. Das Unverständnis wird umso grösser, als es - wie gesagt - zu den grundlegenden Fragen für beinahe alle Auswanderungsländer dieser Erde mittlerweile hochwertige Literatur gibt.

Nein, hier soll und wird es um die Dinge gehen, die mehr grundlegend und “sophisticated” sind. Wir haben die Serie so designed, dass wir einen Beitrag pro Woche dazu posten werden. Denn eigentlich geht es hier im Blog ja viel mehr um Kunst und Fotografie.

Am wichtigsten ist es, dass Sie vor Ihrer Auswanderung strukturiert und strageisch vorgehen. Erstellen Sie Ihren persönlichen Auswanderungsplan. Genau so, wie Sie für eine Geschäftsgründung einen Businessplan erstellen würden. Einen wunderbaren Beitrag von Seth Godin zur Frage, was ein Businessplan eigentlich enthalten sollte finden Sie übrigens hier (Englisch).

So, das war der “Pilotbeitrag”. Richtig einsteigen werden wir mit These 1 in einigen Tagen. Stay tuned!


"Tiefenmotive" - Was ist Kunst in der Fotografie? Ein Gastbeitrag von Petra Fuelbert

Was ist Kunst in der Fotografie? Ein Gastbeitrag von Petra Fuelbert

Die Vorgeschichte: Ein Beitrag im illuminateblog vom 14. Mai unter dem Titel “Gesellschaften für Bewunderung auf Gegenseitigkeit” und die aktuellen Diskussionen in der Fotoblogwelt um die “100-er Liste” bei Janasworld, haben in den letzten Tagen im Hause Lapplandblog zu umfassenden Diskussionen und Gesprächen geführt. Und letztlich sind wir auf den Trichter gekommen, dass es eben um Kunst geht oder um Nicht-Kunst. Bloss: Was ist Kunst in der Fotografie eigentlich?

Dazu nun heute ein Gastbeitrag von Petra Fuelbert.

Petra - auch “Frau Lapplandblog” genannt - ist in einer eigenen Art von Kunst, der mahlemiutischen, tätig. Neben dem Malen fotografiert Sie auch recht viel. Mehr von ihr gibt es auf ihrem Blog zu sehen und zu lesen.

Nun aber zum Gastbeitrag:

Was ist Kunst in der Fotografie?

Menschen fotografieren, so wie es
ihrem Charakter,
ihrer Sozialisierung, und
ihren bislang im Leben gesammelten Erfahrungen entspricht.

Weil die meisten Menschen die Dimension des linearen Denkens nicht durchbrochen haben oder durchbrechen können, benötigen sie das Wissen über Technik mit dessen Hilfe sie versuchen, in die nächsthöhere menschliche Entwicklungsdimension vorzudringen. Denn aus der menschlichen Entwicklung folgt die handwerkliche Entwicklung und aus dieser die Künstlerische. Kurz: Vom Azubi hin zum Gesellen, zum Meister und dann Schlussendlich innerhalb des Handwerkes zur künstlerischen Gestaltun. Leider bleiben die allermeisten Menschen irgendwo auf dem Weg für den Rest ihres Lebens stehen.

Der Mainstream suggeriert uns allen ständig, wir bräuchten alles mögliche an (neuer) Technik. Dadurch werden die Emotionen gehemmt, was geradezu ein Verbrechen am fotografierenden Menschen ist. Schlimmer noch: Propagiert durch - oft selbsternannten “Gurus” - folgen Menschenströme dieser selbstzerstörerischen Masche.

Folgt Mensch dem Mainstream, wird die Technik, also die Fototechnik, zu einer “Krücke”. Diese behindert viel eher, als sie hilfreich ist. Weil die Menschen das nicht erkennen (können oder wollen?), entwickeln sie sich nicht weiter. Ein Heer von technikvernarrten Kopisten entsteht. Es entstehen Bilder mit “Motivtiefe”, statt echte “Tiefenmotive”.

Kunst aber sind mit Emotionen beladene “Motive”.



Flow of life / Lebenslinien

The flow of life:
Das Leben fliesst,
lass es nicht zerrinnen!


Allen Leserinnen und Lesern
ein geruhsames und nachdenkliches Wochenende
und einen guten Start in die neueWoche!


the flow of life / lebenslinien

Frohe Ostern! / Glad Påsk! / Happy Easter!

Auch dieses Jahr begleitet uns zu Ostern wieder ein Motiv mit dem "roten Ei". Warum wird eigentlich das rot gefärbte Ei als österliches Symbol verwendet?

Das geht auf eine alte Legende zurück. Die Erzählung berichtet von einem Gespräch der Maria Magdalena mit dem römischen Kaiser Tiberius.
Sie gab ihm ein Ei und rief: „Christus ist auferstanden!“
Der Kaiser zweifelte daran, dass ein Sterblicher von den Toten auferstehen kann.
Darauf sagte Maria Magdalena: „Es ist genau so unmöglich, als wenn dieses weisse Ei jetzt rot würde!“
Im nächsten Augenblick wurde das Ei rot.

In diesem Sinne allen Leserinnen und Lesern "Frohe Ostern"!

Frohe Ostern! / Glad Påsk! / Happy Easter!

Filmrezension - Shooting Beauty - everyone deserves a shot - Ein Film über Authentizität und Fotografie

Shooting Beauty - everyone deserves a shot - Ein Film über Authentizität und Fotografie

Eine Rezension von Petra Fülbert und Henning Wüst


Heute wieder eine Rezension. Es geht um den von Courtney Brent und George Kachadorian produzierten Film “Shooting Beauty - everyone deserves a shot”. Ein “Independent-Movie” über Authentizität und Fotografie, der leider im europäischen Raum noch nahezu unbekannt ist.



Du denkst, Dir fehlen die Voraussetzungen, um gute Bilder zu machen? 

Du machst Dir Sorgen über die von Dir eingesetzte Technik und meinst, Du brauchst unbedingt noch diese oder jene Kamera oder dieses oder jenes Obketiv, um gute Bilder machen zu können? 

Du hast vielleicht Sorgen. Aber: Dir kann geholfen werden!

Bekanntlich gibt es keine Zufälle. Trotzdem sind wir vor etwas 3 Monaten durch einen “glücklichen Zufall” auf den Film “Shooting Beauty - everyone deserves a shot” gestossen. Der Film, der unserer Meinung das Wesen und den Spirit der Fotografie am Besten auf den Punkt bringt. Ein echtes Juwel. Mannigfaltige Horizonterweiterung in verschiedener zusätzlicher Hinsicht gibt es gleich noch mit dazu.  Shooting Beauty ist übrigens kein Film nach Drehbuch, sondern schildert über mehrere Jahre hinweg den Verlauf eines tatsächlichen Projektes. 

Courtney Brent ist als Fotografin in Bosten tätig und stammt aus einer Familie, in der sich alles ums Mode-Business dreht. Sie fotografiert Mode und “schöne Menschen” in allen modischen Lebenslagen. Bei einem Shooting wird sie auf “diese Menschen in ihren Rollstühlen” aufmerksam. Sie geht diesen Menschen nach und stösst auf ein Zentrum für Menschen cerebral bedingten Behinderungen und wird eingeladen, auch dort zu fotografieren. Sie überwindet sich und sagt zu. Was sie dort sieht und erlebt, lässt sie dann nicht mehr los. Die Bilder verfolgen sie und sie wird mit ihren eigenen, dort gemachten Aufnahmen tief unzufrieden. Plötzlich kommt ihr dann der Gedanke, die Rollen zu tauschen. Diese Menschen sollen selbst in die Rolle des Fotografen schlüpfen, und die Kamera “in die Hand nehmen”. Sie stösst auf Zustimmung. 

Courtney kauft also eine Menge Kameras ein - alles analoge Kameras übrigens - und beginnt, die Kameras handicapgerecht für jeden ihrer neuen Kolleginnen und Kollegen umzubauen. Das Projekt wird gleich zum Beginn recht kompliziert. Abenteuerliche Umbauten enstehen, z. B. für Tony, der nur mit seiner Zungenspitze den Auslöser betätigen kann. Das Interesse, ja die Begeisterung der neuen Fotografinnen und Fotografen ist beeindruckend.  Sie “fangen Feuer” für die neue Herausforderung und das Abenteuer Fotografie. Und so werden die Zuschauer mit in die ungewohnte Normalität von Menschen mit Handicaps hereingenommen. Der Gedanke, ihre Welt fotografisch festzuhalten und sich dadurch auszudrücken, greift wie ein Virus um sich. Courtney erhält immer mehr Anfragen nach Kameras.

Der Film schildert über 4 Jahre hinweg die Reise Courtneys in und mit einem Projekt, dessen Ende sie sich sicher nicht im vorhinein hat vorstellen können. Sie lernt eine neue “Normalität” und ungeahnte künstlerische Begabungen kennen und schätzen. 

Nachdem die langen technischen Vorbereitungen und Anpassungen abgeschlossen sind, und alle den Umgang mit ihrer individuellen fotografischen Lösung kennen und beherrschen, folgt schliesslich die fotografische Aufgabe:

“Tell me about your life in one roll of film. Give me a day in your life”.

Die Kamera folgt den einzelnen Fotografinnen und Fotografen auf deren “Höhenniveau” auf Rollstuhlebene. Beeindruckende Einblicke. Insbesondere die Reaktionen der vermeintlich “normalen” Menschen darauf, dass ihnen ein mehrfachbehinderter Mensch im Elektrorollstuhl mit Kamera über den Weg fährt und sie fotograiert, sind schlicht unglaublich. 

Der Film ist dabei erfrischend ehrlich. Courtney berichtet auch von ihren Zweifeln. Würde dieses Projekt jemals etwas werden können? Gleichzeitig werden die kleinen und grossen Probleme des Alltags authentisch geschildert. Die Palette reicht vom versehentlich geöffneten Kamera-Back (analog!), bis hin zum tiefsten Liebeskummer.

Der Film nimmt uns anhand verschiedener Einzelcharaktere an die Hand und führt uns durch den Projektverlauf. Da ist Tony, der bei seiner Geburt einen schweren Sauerstoffmangel erlitt. Tony ist deswegen gelähmt, aber ein hochintelligenter Kopf.

E.J. muss seine Kamera wegen seiner Mehrfachbehinderung mit dem Mund auslösen. Gleichzeitig ist er aber mit seinem Elektrorollstuhl geradzu ein Kamikaze-Fahrer, der sich wagemutig in den fliessenden Strassenverkehr einreiht, weil die Fortbewegung auf den Bürgersteigen für ihn zu beschwerlich und zu langsam ist.

Cheryl ist eine junge Frau, die nicht sprechen kann. Ihre Umgebung glaubte deswegen lange Zeit, dass sie gehörlos sei. Aber in Cheryl verbergen sich ein sehr aufgeweckter Kopf mit brillianten Gedanken und eine Seele mit tiefsten Emotionen. 

Eine Truppe verkannter Genies! Im Umgang mit ihnen erkennt Courtney - eigentlich der Fotoprofi - ihre eigenen Begrenzungen. Sie ist kein Psychologe, keine Ärztin. Nein, sie ist Fotografin und wird im Laufe der Zeit zur Freundin.

Die erste grosse Runde wird gezeigt, in der die bisher enstandenen Aufnahmen kritisiert und bewertet werden sollen. Mit beeindruckender Geduld, Empathie und einer grossen Schachtel mit Abzügen geht Courtney durch die Runde. Die Einhelligkeit der Bewertungen ist frappierend. Die Fotos sprechen Bände. Ungewohnte und faszinierende Perspektiven. Viele davon sind auf den ersten Blick als Kunst auszumachen.

Tony schildert uns, wie er mit einer seiner Aufnahmen die Reaktion der Gesellschaft auf einen Menschen mit Handicaps im Rollstuhl erzählt. Das ist ihm mit Bravour gelungen. Das Spektrum der Aufnahmen ist weit gestreut. Einige der Fotografinnen und Fotografen fotografieren die Menschen in ihrer Umgebung. Andere haben sich auf Selbstportraits spezialisiert, wieder andere auf Stilleben.

Die Geschichte von Tom ist eine besondere. Eine, die unter die Haut geht. Er ist zunächst völlig ablehnend. Ihm eine Kamera zu geben sei reine Filmverschwendung, sagt er. Tom, der u.a. eine extreme Wirbelsäulenverkrümmung hat, infolge derer er nur auf dem Bauch liegen kann, wurde von seiner Geburt bis zu seinem 18. Lebensjahr von seinen Eltern im Obergeschoss des Hauses quasi eingesperrt. Erst mit 18 Jahren kam er das erste Mal ins Freie und dann gleich in eine Pflegefamilie. Er ist ein Einzelgänger, der mit seinem Spezialrollstuhl in dem er auf dem Bauch liegend fahren kann, unterwegs ist.

Als er sich dann schliesslich doch fürs Fotografieren interessiert, beginnt er zu lächeln. Das erste Mal in seinem Leben. Er wurde von einem Menschen mit einem Handicap zu einem Menschen mit einer Kamera. Die Kamera gab ihm einen Wert. Er engagiert sich nun voll. Der Film zeigt ihn in der Dunkelkammer beim Erstellen von Abzügen. 

Courtney geht das Wagnis ein und begibt sich auf die Suche nach einer Galerie die bereit ist, die Fotografien auszustellen. Zunächst erntet sie nur Absagen mit dem Standardkommentar “wer wolle sich denn das schon ansehen”. Trotzdem kämpft sie weiter.

Ein Schwenk zu Chris und Kerri, die am Anfang einer sich anbahnenden Beziehung stehen. Völlig andere Werte als in der vermeintlich “normalen Welt” werden sichtbar . Trotzdem gehen sie wieder auseinander. Höhen und Tiefen des Lebens. Authentisch, hautnah und in den Kontext des Fotoprojektes eingebettet. 

Courtneys Ringen um eine Galerie geht weiter und der Jubel ist riesig, als sie schliesslich die Zusage einer renommierten Galerie, des Cambridge Multicultural Art Centers erhält. Nun geht es an die Ausstellungsvorbereitungen, bei denen Courtney tatkräftig von ihren College-Studentinnen unterstützt wird. Die Medien beginnen sich für das Projekt zu interessieren. Beiträge im TV und in Zeitungen erscheinen.

Mitten in die Vorbereitungen zur Ausstellung hinein ein Anruf. Tom wurde mit einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Er ist bewusstlos und wird beatmet. Nach 2 Monaten stirbt er, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben. Höhen und Tiefen des Lebens. Der Film zeigt die authentischste Beerdigungsfeier, die ich je gesehen habe. 

Tom hat uns gezeigt, was man aus seinem Leben machen kann. Unabhängig von allen  Umständen und Voraussetzungen.

Schliesslich naht der grosse Tag der Ausstellungseröffnung. Vier Jahre sind seit dem Beginn des Projektes verstrichen. Die Ausstellung ist Tom gewidmet. 

Adrenalin. Letzte Vorbereitungen. Tony wird vor der Eröffnung interviewt. Sein Statement: “The biggest thing is to start the conversation”. 

Es ist Showtime. 18 Uhr, Eröffnung. Doch gähnende Leere. Keine Besucher. Die Zweifel beginnen an Courtney zu nagen. Vielleicht interessiert sich ja doch niemand dafür? Aber nach einer langen und bangen Stunde des Wartens füllen sich die Ausstellungsräume, bis sie schliesslich überfüllt sind. Presse, Funk und Fernsehen sind präsent. Die Besucher sind bewegt und begeistert von den Aufnahmen und deren Präsentation. Und selbstverständlich sind auch die Fotografinnen und Fotografen anwesend. 

Der Tenor lautet: “We did it!”

Der Streifen hat übrigens über dem Ozean mittlerweile schon jede Menge Preise erhalten. Ein kleiner Auszug:

AUDIENCE AWARD- Best Film of the Festival- Woods Hole Film Fest
AUDIENCE AWARD- Best Documentary- IFFBoston
AUDIENCE AWARD- Best Feature Film- Phoenix Film Festival
AUDIENCE AWARD- Top Rated Documentary- Maine Int'l Film Festival
AUDIENCE AWARD- Newburyport Documentary Film Festival 2009
AUDIENCE AWARD- Top Documentary 2009 Moondance Film Festival
BEST DOCUMENTARY- New Hampshire Film Festival 2009
BEST of the FEST- Encore Screening- Rhode Island Film Festival 2009
ENCORE SCREENING- Sidewalk Film Festival 2009
MOST INSPIRATIONAL DOCUMENTARY- Atlanta DocuFest 2009
WORLD PREMIERE- Full Frame Film Festival April 2009

Im Abspann schildert der Film schliesslich auch noch die nächsten 2 Jahre. Eines der Pärchen hat geheiratet und wurde wieder geschieden. Courtney hat Nachwuchs bekommen. Und Tony ist Profi geworden und tourt mit Ausstellungen seiner Werke durch die Lande. 

Fazit: Anschauen! Wir haben mit gelacht. Wir haben mit geweint. Wir haben mit getrauert. Wir haben mit gebangt. Wir haben mit gefiebert. Dieser Film stellt alles, was wir bislang über Fotografie gesehen haben, absolut in den Schatten. Fotografie ist grenzenlos. 
   

Mehr Infos gibt es hier:

-> Offizielle Homepage zum Film

-> Trailer zum Film

-> Gruppe auf Facebook zum Film

Rezension - Dr. Martina Mettner: "Wie man ein grossartiger Fotograf wird - Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft"

Rezension - Dr. Martina Mettner: „Wie man ein grossartiger Fotograf wird - Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft“
von Petra Fuelbert (Knipserfrau und auch sonst kreativ) und Henning Wüst (Knipser)

Prolog von Petra Fuelbert

“Oh, ein Päckchen! Ist das für mich?”

Er kam die Tür hinein. In seinen Arm schmiegte sich ein Päckchen. Die Hunde begrüssten ihn und er hatte seine Mühe bis an den Tisch zu gelangen. Sicherlich dachten auch sie, er hätte ihnen etwas mitgebracht.

“Kannst du öffnen, ist ein Buch drin. Für eine Rezension.”

Das “aha” dachte ich mir. Wieder keine Post für mich. Neben Papiergekruschel erzählte er mir von seinem Tag und hielt etwas Rötliches in der Hand und blätterte ein kleines Buch durch, dessen Seiten im Eiltempo Schatten an die Wand warfen. 

Da lag es nun. Auf seinem Arbeitstisch. Unter einem Briefkuvert.
Ein Tag. Zwei, drei Tage. Still lag es da und lugte rötlich in den Raum hervor.
Ich schielte tagsüber oft zu dem wartenden Büchlein hin. Nichts deutete auf den Inhalt hin. 
Meist verrät der Umschlag dir, was die innen beschriebenen Blätter beherbergen. Hier? Nichts. 
Da lag es nun. Das geheimnisvolle Rötliche. 

Mein Inneres überschlug sich beinahe und am vierten Abend platzte ich: “Um was handelt es sich denn?”
”Was?”
”Naja, dein neues Buch. Das da. Um was geht es da im Buch?”
”Um Fotografie.”

Um Fotografie. Klar. Nicht um Reisen, nicht ums Auswandern, keine Kochrezepte, nein. Natürlich, es geht ums Knipsen. Dieses Mal in rötlich. Unverständnis machte sich in mir breit. Ein Buch über Fotografie hat doch immer Bilder auf dem Umschlag oder wenigstens einen Apparat, da der Käufer von Beginn an mit dem Inhalt konfrontiert werden muss. Kaufanreize auslösen, las ich da mal irgendwo. Hatte etwas mit Kaufpsychologie zu tun.

Ich räumte den Tisch ab und meine Zeigefingerspitze berührte den rötlichen Umschlag. Ich stutzte und mein Hirn stolperte: “Fotografie?” Ein güldener Schriftzug bestätigte die Aussage. ”Wie man ein grossartiger Fotograf wird” stand da zu lesen. Tatsache. Es scheint sich um Fotografie zu handeln.

Ausgelöst durch die erste Berührung mit dem Umschlag umfasste meine Hand das Büchlein fast ehrfürchtig und hielt es in die Höhe. Geschmeidiger Umschlag, dezent, fast zärtlich legte
sich das Rötliche in meine Hand. 

Normal fasse ich nur selten Bücher an, doch ich ertappte mich dabei, wie ich es still durchgeblättert und mir die Bilder angeschaut habe. Kleine Textabschnitte und gut leserlicher Schrifttype. Die Überschriften klar gestaltet. 

“Das ist der Knüller! Absolut perfektes Geschenk für jemanden. Egal ob jung oder alt. Unauffällig, absolut ästhetisch.”
“Findest du?”
“Ja!”


- Behind the scenes - Bei der Lektüre zur Rezension -
- This shot by
Petra Fuelbert -


Epilog von Henning Wüst

Da liegt es vor mir. Bereits dreifach gelesen. Es fühlt sich gut an. “Das Buch ist ein dreidimensionaler Gegenstand” kommt mir in den Sinn. Ein Zitat, auf das ich vor etlichen Jahren in einer Ausgabe der Typographischen Monatsblätter erstmals gestossen bin. Und diesem Buch merkt man an, dass jemand am Werk war, der um dieses Zitat wusste. Bereits das reine Buch spricht alle Sinne an. Es fühlt sich gut an mit dem textilbelegten, flexiblen Einband und den kräftigen, hochwertigen Seiten. Rein optisch im echten Hasselblad-Feeling, denn das Werk ist beinahe quadratisch. Macht Lust und Laune.

Ich lasse mir den Titel  “Wie man ein grossartiger Fotograf wird - Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft” nochmals auf der Zunge zergehen bevor mich dann die Neugier in das Buch hinein treibt.

Das Vorwort verstärkt den Appetit auf den Inhalt noch weiter. Es macht aber zugleich auch deutlich, dass das Buch herausfordernd und wegweisend sein will. Es geht nicht um das “wie soll ich dies und jenes fotografieren”, sondern um den Weg zur “fotografischen Selbstverwirklichung” im wahrsten Sinne des Wortes. Und das setzt voraus, auch hier ist die Autorin sehr deutlich, dass es da ganz individuell überhaupt etwas zu verwirklichen gibt.

Vom Vorwort verwöhnt geht es nun zur Sache. Und da gefällt mir der Einstieg ins das erste Kapitel auf Anhieb nicht ganz so gut. Plötzlich tauchen da etliche Fachbegriffe auf, die den unbedarften Leser vielleicht abschrecken. Ich bin mir nicht sicher, ob der Anfang des ersten Kapitels gleichsam einen “Filter” darstellen soll. Vielleicht soll auch nur die leider allgegenwärtige Technikorientierung pointiert werden. Beides wäre indes ein lobenswert guter Ansatz. Im zweiten Kapitel verdeutlicht die Autorin dies auch sogleich nochmals: Wer sich für Technik begeistert und auch gerne in diese verliebt ist, möge Kameratechniker - also Handwerker - werden, aber nicht Fotograf - also Künstler.

Über den Mythos der Kommerzialisierung und den Einfluss der Neuen Medien gelangt die Autorin dann zu einer unerwarteten Grenzziehung. Die Zeit der uns bekannten und vertrauten Fotografie des 20. Jahrhunderts ist vorüber. Ein neuer Gesamtansatz ist gefragt. Sie verdeutlicht das plausibel. Einfach gesagt: Es ist eigentlich bereits (beinahe) alles fotografiert. Das schönste Einzelmotiv wird heutzutage kaum mehr weltbewegende Begeisterungsstürme hervorrufen. Zudem ist der klassische Fotojournalismus verbraucht und die Zeiten der echten Street-Photography sind bereits aus rein rechtlichen Gründen passé, usw. 

Überhaupt und generell findet die Autorin oft recht deutliche Worte um Misstände, sie sich aus ihrer Sicht eingeschlichen haben, beim Namen zu nennen. Gut möglich, dass die Leser das Buch gelegentlich getroffen aus der Hand legen. Aber so ist das nun einmal mit herausfordernden Werken. Und das ist gut so. Gibt es doch auch willkommene Gelegenheit und Zeit zur Eigenreflektion.  

Dr. Mettner beleuchtet ihren wegweisenden Gesamtansatz im Folgenden vertiefend in verschiedenen Exkursen, die - parallel laufend - zur fotografischen Projektorientierung hin weisen. Das Zauberwort der Zukunft wird nach Ansicht der Autorin “Fotoprojekt” heissen. Weg vom Einzelbild - so pittoresk das Motiv auch sein mag - hin zum Zusammenhang, der etwas aussagt und damit das eigentlich Fotografische entfaltet. In Neudeutsch geht das in die Richtung des “Storytelling” mit Bildern. Dazu ermutigt die Autorin im zweiten Teil des Buches mit verschiedenen eigenen Beispielsprojekten, die sie ausführlich vorstellt. 

Der Ansatz ist gut, wenn nicht gar bestechend. Note bene am Rande: Auch die “Ausstellungstauglichkeit” fotografischer Werke ist heutzutage praktisch nur noch über den Projektansatz realisierbar. Der schöne Nebeneffekt liegt darin, dass sich hier die natürlich Neugier, die Interessen und Neigungen des Künstlers, sprich Fotografen, mit seiner Fotografie verbinden lassen. So können Gesamtkunstwerke “aus einem Guss” entstehen, die etwas aussagen und den Betrachter ansprechen können. Ein solches Projekt kann einen kleineren zeitlichen und inhaltlichen Rahmen abdecken oder auch einen mehrmonatigen oder gar mehrjährigen Zeitraum mit einem korrespondierend umfassenderen Thema umfassen.

Mir gefallen der Ansatz und der Weg, den Frau Dr. Mettner aufzeigt. Ich habe mich ab dem zweiten Kapitel wie der “Fisch im Wasser” in der Materie gefühlt. Wahrscheinlich liegt das darin, dass ich selbst meistens in den Kategorien von projektorientierten Reportagen denke und arbeite.

Allen fotografisch interessierten Menschen, die weg von den technischen Aspekten und hin zum “Spirit” in der Fotografie vordringen wollen, kann ich das Buch als “must read” nur wärmstens empfehlen und ans Herz legen.  

-> Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit hier auf der Homepage der Autorin


Ein Projekt und ein Film die fotografisch unter die Haut gehen

Motiv und Perspektive. Wiederholen: Motiv und Perspektive. Wiederholen: Motiv und Perspektive.

Im Schwesterblog bin ich auf ein Projekt und einen Film gestossen, das/der unter die Haut gehen.

Stellen Sie sich vor: Ein Zoo. Rollentausch. Die begafften Tiere werden plötzlich die Wächter. Und die Wächter sperren wir jetzt ein und „begaffen“ sie.

Harte Worte. Ich weiss. Aber das waren meine ehrlichen Gedanken, als ich das Projekt und den Film „Shooting Beauty“ gesehen habe: Menschen mit Handicap fotografieren selbst und in Eigenregie.

Darunter schockierende Fotos die u.a. zeigen, wie der Fotograf/die Fotografin „begafft“ werden.

Darunter auch jede Menge wunderschöne Fotos aus ungewohnten und ungeahnten Perspektiven. Bewegend. Unbedingt auch den Trailer zum Film ansehen!

Anschauen und vorbeischauen. Wiederholen: Anschauen und vorbeischauen. Wiederholen: Anschauen und vorbeischauen.



Die 6 Trends der Fotografie 2010 / The 6 photography trends for 2010

Im Moment wird auf vielen Seiten und in vielen Blogs einiges zu den Trends in der Fotografie geschrieben. Manches sehr plausibel, anderes eher fraglich. Wie ein roter Faden zieht sich aber ein Impuls hindurch: Die Fotografie scheint im Moment an einem, oder mehreren Wendepunkten zu stehen. Wohin also wird die Reise 2010 gehen?

1 - Zurück zum Motiv!

Die Resultate werden wieder zählen. Der ganze technische Krimskrams und das technische Brimborium werden in den Hintergrund geraten. Der Trend hat bereits 2009 begonnen. Stichworte: iPhone-Photography, Minox-Photography, usw. Rein technisch betrachtet sehr unvollkommene Ansätze, aber das Ergebnis zählt. Zurück zum Motiv!


2 - Allzeit bereit und immer dabei!

Der erste Trend verbindet sich mit einem weiteren Erscheinung. 2010 werden wir einfach keine Lust mehr haben, Massen von Ausrüstung mit uns herum zu schleppen. Keine Massen von Glas mehr. Kein sperriges Gehäuse, das uns die Halswirbel verdreht. Wir werden einen Boom bei echten Kompaktkameras sehen. Das Motiv zählt. Es will “gefangen” werden. Mit welcher Technik und wievielen Kilogramm Ausrüstung es “erlegt” wurde, wird weniger und weniger interessieren. Allzeit bereit und immer dabei lautet das Motto!


3 - Weniger ist mehr!

Wovon leben gute Motive und gute Kompositionen? In den allermeisten Fällen von Einfachheit und Reduktion. Schlicht- und Einfachheit, das heisst, das Wesentliche auf den Punkt zu bringen. Reduktion ist der Schlüssel dazu. Wir werden 2010 einen Trend zur Reduktion erleben. Weniger ist mehr!


4 - Kopie, Original und Inspiration

Ein altes Sprichwort sagt: “Alle Menschen werden als Original geboren. Leider sterben die meisten als schlechte Kopie”. Das gilt auch für die Fotografie. Wir werden einen Trend zur Authentizität erleben. Sei Du selbst! Sich von anderen Künstlern inspirieren zu lassen ist absolut in Ordnung. Als lebende Kopie zu enden wird unattraktiv werden.


5 - Gefühle zeigen

Menschen leben von und aus Gefühlen. Wir sind lebende, gefühlsbetonte und gefühlsgeleitete Individuen. In unserer von Leistung geprägten Gesellschaft ignorieren wir das gerne. Leider auch in der Fotografie. Das wird uns mehr bewusst werden und wir werden einen Trend zu mehr Gefühl(en) in der Fotografie erleben.


6 - Schwarz/Weiss-Renaissance

Alle bisherigen Trends weisen in die Richtung Schwarz/Weiss. Wir werden 2010 eine Renaissance der Schwarz/Weiss Fotografie erleben: Motivbetont, Einfach, Künstlerisch, Gefühlsbetont.


- Die Essenz

Alle Trends für 2010 laufen auf die Essenz hinaus: Fotografie ist Kunst. Wir werden eine grosse Bewusstseinsveränderung hin zu künstlerischer Fotografie und eine Rückbesinnung auf die Künste erleben.

Was ist Deine Meinung?

Die 6 Trends der Fotografie 2010 / The 6 photography trends for 2010
„Trendy“ 2010?

Für welche Geschenke verschleudern Sie dieses Weihnachten Ihr Geld?

Weihnachten steht vor der Tür und die „Konsumrauschwelle“ rollt. Aber mal ganz ehrlich und Hand aufs Herz: Haben Sie und Ihre Lieben eigentlich nicht schon alles?

Warum nicht einmal die beschenken, die es wirklich nötig haben?

Mein Vorschlag: Spenden Sie dieses Jahr etwas für das Projekt LifeStraw. Damit helfen Sie Kindern und Familien zu überleben.

-> Mehr Infos dazu und Links gibts im Schwesterblog.

Für welche Geschenke verschleudern Sie dieses Weihnachten Ihr Geld?

Eisbrecher?

Auf dünnem Eis.

Auf Glatteis?

Laufen über Overflows.

Balancieren auf der Kante?

Das Eis kann brechen.

Oder halten.

Eisbrecher.


Eisbrecher

Treffer.

Früher, in der Schule, da haben wir unter der Schulbank oft „Schiffe versenken“ gespielt. Daran musste ich irgendwie denken, als ich diese bemitleidenswerte Pylone entdeckt habe. „Treffer“ hiess das früher beim Schiffe versenken...

Treffer.
(Entdeckt vor der Statoil-Tankstelle in Malå.
Übrigens wieder mit der 5-Euro- Knipse vom Flohmarkt)

Saying of the day...

Woran erkennt man gute Originale?

Daran, dass sie kopiert werden!

Bootsplanken

Geprägt von Wetter und Wind. Von den Widrigkeiten auf See und Fluss. Gealtert. An manchen Stellen gar arg mitgenommen. Und dennoch ein tragfähiger Grund: Bootsplanken. Doch wer denkt schon an die Planken, wenn er mit im Boot sitzt?

Bootsplanken

Blackout

Nach zwei anstrengenden Tagen in Luleå heute ein bedenkenswertes Fundstück:

Blackout

Sucht / Addiction / Mani

Wieder ein Einblick „hinter die Kulissen“ meiner Arbeit: Seit mehreren Jahren setze ich einen Teil meiner Zeit für gemeinnützige Projekte ein. Gerade haben wir wieder ein faszinierendes und zugleich erschreckendes Projekt abgeschlossen und die Bilder sind nun auf dem Weg zum „Auftraggeber“ (eine gemeinnützige Selbsthilfeorganisation).

Es ging um eine Kampagne gegen Suchtgefahren (verschiedene Formen stofflicher Abhängigkeit). Ich habe einige Jugendliche über einige Wochen hinweg immer wieder begleitet und die „Spuren“ verschiedenen Suchtverhaltens in dieser Gruppe dokumentiert. Die Schwarz-Weiss Aufnahmen finden nun in einem Buch und einer Broschüre Anwendung.

Es war eine sehr spannende und bewegende Arbeit, die mir manch neue Einblicke gegeben hat. Eine sehr erschreckende Erkenntnis aus dem Projekt war, dass stoffliche Abhängigkeiten viel verbreiteter sind, als es mir bislang bewusst war. Und nicht nur das. Wo es in Familien - oder allgemein sozialen Strukturen - stofflich Abhängige gibt, gibt es in der Regel auch die heimlichen „Unterstützer“ dieser Sucht, die sog. Mitabhängigen (Co-Abhängigen (wer sich mehr fürs Thema interessiert, wird hier fündig)). Ein sehr, sehr ernstes Thema. Mit meinem „Auftraggeber“ bin ich gerade im Gespräch, ob wir nicht noch eine weitere Fotoserie über diese Menschen für eine weitere Publikation auflegen sollten.

Rein fotografisch habe ich mich durchgängig für schwarz/weiss entschieden, um die jeweilige Bildaussage „auf den Punkt zu bringen“.

Hier ein Beispiel: „The morning after“.

Sucht / Addiction / Mani

Der grösste Käsehobel der Welt / The worlds biggest cheese slicer / Världens störrsta osthyvel

Zum Sonntag wieder eine der Attraktionen Norrlands: Der grösste Käsehobel der Welt.

Dieser steht an der E4 in Ånäset. Sieben Meter hoch und eine ganze Tonne schwer, symbolisiert er den Beginn des “Ostriket”, des “Käsereiches”.

Dieses “Reich des Käses” geht auf Eleonora Lindström zurück, die etwa 1870 in Burträsk den heutzutage nicht mehr weg zu denkenden Västerbottensost kreiert hat.

Der Västerbottensost (“Västerbottenkäse”) ist eine kulinarische Köstlichkeit, die mittlerweile weltweit bekannt und beliebt ist. Die Herstellung geschieht nach nach alten Rezepten und Verfahren nach wie vor in der Gegend um Burträsk.

Im Ostriket haben sich die Erzeugerbetriebe und die beteiligten Kommunen zusammengeschlossen, um Besuchern einen Einblick in die Welt des Västerbottenkäses zu geben. Dazu gehören z.B. das Ostens-Hus (“Haus des Käses”) in Burträsk, das Ostens-Lager (“Käselager”) in Ånäset und viele weitere interessante Besuchs- und Ausflugsziele, die eine Reise wert sind. Weitere Informationen dazu auf der Homepage des Ostriket: www.ostriket.net.

Der grösste Käsehobel der Welt / The worlds biggest cheese slicer /  Världens störrsta osthyvel

Saying of the day

„Wenn du die Welt verändern willst, dann fang zuerst bei dir selbst an.“

Reportage: Kungligt besök i Ratan / Königlicher Besuch in Ratan

Gedenkfeierlichkeiten in Ratan

Wieder ein sehr besondereres Ereignis in Västerbotten: Im Rahmen des Märkesåret 1809 (Gedenkjahr 1809) feiert Schweden in diesem Jahr 200 Jahre Frieden auf schwedischen Grund. Ein besonderer Anlass zum Gedenken und Feiern.

Am gestrigen Tage fand im Rahmen des Märkesåret 1809 eine feierliche Gedenkveranstaltung in Ratan (Robertsfors kommun) statt. An dieser Stelle gab es im sog. Finnischen Krieg vor 200 Jahren die letzten Kampfhandlungen auf schwedischem Hoheitsgebiet.

Zur Gedenkfeier waren auch die Königliche Familie (König Karl XVI Gustaf, Königin Silvia und Kronprinzessin Victoria) zugegen.

Eine sehr schöne Gelegenheit, denn die Königliche Familie ist nicht so häufig hier in Västerbotten zu Besuch. Wir waren also natürlich vor Ort und wollen unseren Lesern einen Eindruck über die Festveranstaltung (nebst einiger Nahaufnahmen der Königlichen Familie) geben.

Einer der besonderen Höhepunkte war die Einweihung einer taktilen Karte des Gedenkplatzes in Ratan durch Königin Silvia. Diese über 400 kg schwere Karte aus gegossenem Material, ermöglicht es auch sehgeschädigten Menschen, sich einen Eindruck des Gedenkplatzes zu verschaffen. Die Königin erinnerte in ihrer Ansprache an das Braille-Jahr 2009.

Das Medieninteresse war gross und auf den für Presse und Fotografen reservierten Gebieten herrschte sehr grosser Andrang. Wir haben uns deswegen aufgeteilt und verschiedene Themenbereiche abgedeckt. Morgen folgt zusätzlich eine sehr interessante Reportage, die Einblicke in die Arbeit von Pressefotografen, Filmern und Journalisten gibt.

Seine königliche Hoheit König Carl Gustaf von Schweden in Ratan


-> Hier gehts zur Galerie: Kungligt besök i Ratan / Königlicher Besuch in Ratan 18.9.2009

-> Klick här så kommer du till bildspelet: Kungligt besök i Ratan / Königlicher Besuch in Ratan 18.9.2009

Ihre königliche Hoheit Königin Silvia von Schweden und Kronprinzessin Victoria in Ratan

Licht am Ende des Tunnels...

Ein Motiv - im Vorbeigehen entdeckt - mit viel Symbolik. Auf den ersten Blick einfach ein „schwarzes Loch“. Halt. Bei näherem Hinsehen, beim Einlassen auf die dunkle Röhre, nach einigen gewagten Schritten auf dem dunklen Weg, scheint plötzlich das Licht am Ende des Tunnels in Form einer rettenden Leiter ans Tageslicht. Denken Sie dran.

Licht am Ende des Tunnels...

Einsicht / Insight / Insyn

This is how art works: „Your artwork reflects how you feel.“

- author unknown -

Auf dem Boden / På golvet

Nachdem das Wetter in Lappland am heutigen Montag reine Kapriolen schlägt mit lokalem Starkregen und Sturmwind, poste ich heute zwei Bilder vom gestrigen Tage. Gestern hat sich der Sommer hier nämlich von seiner besten Seite gezeigt. Warm, aber nicht zu warm. Windig, aber nicht zu windig. „Lagom“ eben - wie der Schwede sagt.

Nebenbei: Lagom ist ein Wort, das in dieser Form und mit diesem Bedeutungsgehalt wohl in keiner anderen Sprache existiert. Das Wort ist sehr mit der ausgeglichenen und ruhigen schwedischen Mentalität verbunden und kann in etwa mit „gerade richtig“ übersetzt werden. Nicht zu warm und nicht zu kalt eben :)

Zurück zum Thema: Das Wetter lud dazu ein, den Spaziergang mit einer Ruhepause auf dem Boden zu verbinden und den wunderbaren Ausblick nach oben zu geniessen. Ich liebe dieses Wetter und freie Zeit am Sonntag.

Wenn Sie etwas mitgeniessen wollen, versenken Sie sich einfach in diese Aufnahme:

Blick zum Himmel in Lappland

Umweg? / Omväg?

Gestern lief mir - weit draussen in der wunderbaren Natur Lapplands - dieses Motiv über den Weg. Hat mich sehr angsprochen. Wieder so ein Bild mit sehr starker Symbolkraft. „Umwege“ des Lebens. Gerade hätte es sein sollen. Aber trotz des verschlungenen Umweges hat es dieser Baum geschafft, wieder den richtigen Weg zu finden. Ein alter Freund aus Deutschland pflegte immer zu sagen: „Gott schreibt auf krummen Linien gerade“. Stimmt.

Verschlungener Baum in Lappland

Vilda blommornas dagen / Der Tag der Wildblumen

Die Svenska Botoniska Föreningen (SBF, der schwedische Botanikverein) hat für den heutigen 14. Juni wieder den jährlichen „Tag der Wildblumen“ („Vilda blommornas dag“) ausgerufen.

2009 wird zudem des 100-jährigen Jubiläums der Umsorge für die Natur gedacht, die auf einen Beschluss des schwedischen Reichstages von 1909 zurück geht. Das ganze Jahr 2009 wird deshalb auch als „Jahr der Natur“ gefeiert. Mehr Informationen hier auf der Website der Svenska Botaniska Föreningen.

Wildblumen in Lappland

6:e juni - Nationaldagen - Svenska flaggans dag / 6. Juni - Nationaltag - Tag der Schwedischen Flagge

Schweden begeht am heutigen 6. Juni wieder seinen Nationaltag (auch: Tag der Schwedischen Flagge genannt). Der 6. Juni ist seit 2005 ein allgemeinener Feiertag in Schweden.

Das Grundsymbol der Schwedischen Flagge ist das gelbe oder goldene Kreuz. Über dieses sagt eine Anweisung des Königs Johan III aus dem Jahre 1569: “das güldene oder gelbe Kreuz wurde seit Alters her im Schwedischen Reichswappen gebraucht”. Deswegen soll es “für alle Zeit in Fahnen, Flaggen und Wimpeln geführt werden”. Im Zeichen des Kreuzes solle das Land regiert werden und erblühen und das Kreuz in der Schwedischen Nationalflagge solle etwas darüber aussagen, wer wir sind, sowohl historisch als auch heute.

Zur Feier des Tages habe ich heute eine künstlerische Abstraktion aus den Farben der Flagge gewagt: Das Originalbild war ein mit zwei blauen Luftballons geschmückter Kinderroller, den ich bei den Feierlichkeiten in Malå heute entdeckt habe.

6. Juni - Nationaltag - Tag der Schwedischen Flagge


Wochenendbild / Att fundera på...



Skärvor / Scherben

Skärvor Scherben

Guds ögat? / Das Auge Gottes?

Auge Gottes

25:e mars: Våffeldagen

Am 25. März wird in Schweden traditionell der sog. „Våffeldag“ („Waffeltag“) gefeiert. Er markiert den Schluss des Winters und den Beginn des Frühlings. Im ganzen Land treffen sich die Menschen und essen gemeinsam Waffeln (in der Regel mit leckerer Schlagsahne).

Den 25:e mars firas „Våffeldagen“ i Sverige då man träffas och äter våfflor gemensamt. Våffeldagen markerar slutet på vintern och början på varen.



Was vielleicht viele Leser nicht wissen: Die Feier des Våffeldagen (Waffeltages) am 25. März geht auf den katholischen Feiertag der „Mariä Verkündigung“ zurück. Seit den 80er Jahren wird dieser Feiertag unter dem Namen „Verkündigung des Herrn“ begangen. Er beruht auf der Schilderung im Evangelium nach Lukas Kapitel 1 Verse 30 bis 32.

Vad som många läsare kanske inte vet är att våffeldagen beror på den katolska Marie bebådelsedagen. Den grundar på Lukasevengeliet 1:30-32.

Letzte Tankstelle vor dem Polarkreis :) / Last filling station before the polar circle :)

Letzte Tankstelle vor dem Polarkreis in Lappland

Trettondedag jul / Hl. Drei Könige

Heilige Drei Könige in Schweden und Lappland
(Symbolisch: Die Hl. Drei Könige in Lappland)

Sind denn Weihnachten und die Weihnachtszeit jetzt vorbei? Kommt drauf an, wo man wohnt :) In Schweden beginnt jetzt nämlich ein sehr interessanter Teil der Weihnachtszeit.

Heute wird - auch in Schweden - der Trettondedag jul, d.h. der dreizehnte Tag nach Weihnachten gefeiert. In den meisten Ländern ist die Weihnachtszeit damit beendet. In Schweden, Finnland und Teilen von Norwegen geht es aber mit Weihnachten noch eine Woche weiter.

Die Weihnachtszeit in Schweden geht nämlich noch bis zum Tjugondedag Knut, d.h. dem zwanzigsten Tag nach Weihnachten, weiter. Die geschichtliche Erklärung geht dahin, dass die frühe Kirche in dieser Region mit einem Fest der Wikinger konkurrieren wollte, und daher die Weihnachtszeit ausgedehnt hat. Eine andere Erklärung geht dahin, dass der Namenstag von Knut im 16. Jahrhundert vom 7. Januar auf den 13. Januar verlegt wurde und damit auch die Weihnachtszeit ausgedehnt wurde.

In jedem Fall warten alle Kinder sehnsüchtig auf diese Zeit, denn nun beginnt des julgransplundring („Weihnachtsbaumplündrung“).

Der Weihnachtsbaum wird “geplündert”: Das bedeutet, die Kindet dürfen sich nun die am Weihnachtsbaum aufgehängten Süssigkeiten vom Baum “pflücken”. Zudem nutzen viele Vereine - so auch am 11. Januar hier in Malå in Folkets hus - das julgransplunding als willkommene Gelegenheit sich zu treffen, und gemeinsam die Weihnachtszeit abzuschliessen.

Der letzte Tanz um den Weihnachtsbaum folgt der alten Weise:

Nu är glada julen slut, slut, slut,
julegranen bäres ut, ut, ut.
Men till nästa år igen,
kommer han vår gamle vän.
För det har han lovat.

Und dann ist es an der Zeit den - mittlerweile in der Regel sichtlich gealterten - Weihnachtsbaum “aus dem Haus zu werfen” (wenn auch nicht ganz so theatralisch wie in der bekannten Fernsehwerbung eines bekannten Möbelhauses).

Gott nytt år! / Ein gutes neues Jahr!

Wir wünschen allen Lesern ein gutes neues Jahr!

Vi önskar alla läsare gott nytt år!

Symbol Anfang und Ende
(Meditatives zum Jahresbeginn: Anfang und Ende)

Heute nochmals: Irisierende Wolken

Die Woche der Photometeore: Heute nochmals wunderbare irisierende Wolken. Ein echtes Naturschauspiel.


Irisierende Wolken Photometeore
(Någonstans ute)

Photometeore: Ein tief beeindruckendes Naturschauspiel

Heute war hier ein tief beeindruckendes Naturschauspiel zu sehen, dass ich in dieser Schönheit bislang noch nicht gesehen habe: Irisierende Wolken (Photometeore) in Formvollendung. Vielleicht poste ich später noch ein paar mehr Aufnahmen. Ich habe noch einige weitere schöne Details einfangen können :)

Irisierende Wolken Photometeore

Bereits auf der Fahrt gen Heimat hat sich das Schauspiel angebahnt.

Irisierende Wolken Photometeore

Um dann zur Formvollendung zu gelangen.

Irisierende Wolken Photometeore

Detailansicht.

God Jul! / Fohe Weihnacht!

24. Dezember 2008: Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern des Lapplandblogs frohe Weihnacht 2008!

24:e december 2008: Vi önskar alla läsare God Jul!



Geseende Kerfees! - Gëzuar Krishlindjet! - Gozhqq Keshmish! - I'D Miilad Said! Nabidà! - Shenoraavor Nor Dari! - Bones Navidaes! - Mbung Mbung Krismie! - Shuvo Baro Din! - Vasel Koleda! - Mi wisim yufala eerywan one gutfala Krismas! - Nedeleg laouen! - Bogem h n mh m! - Danistayohihv! - Hoesenestotse! - Glædelig Jul! - Fröhliche Weihnachten! - Merry Christmas! - Jutdlime pivdluarit! - Gajan Kristnaskon! - Rõõmsaid Jõulupühi! - Gledhilig jól - Hyvää Joulua! - Zalig Kerstfeest! - Joyeux Noël! - Bon Nadâl! - Noflike Krystdagen! - Gilotsavt Krist'es Shobas! - Kala Christougenna! - Barka da Kirsimatikuma! - Mele Kalikimaka! - Mo'adim Lesimkha! - Okresmesa ombwa! - Shubh Naya Baras!m - Vrolijk Kerstfeest! - Selamat Hari Natal! - Nollaig Shona Dhuit! - Buon Natale! - Sugeng Natal! - Ojenyunyat Sungwiyadeson homungradon nagwutut! - Shinnen omedeto! - Gute Vaynakhtn! - Seng Dan Fai Lok! - Bon nadal! - Noeli Nziza! - Isangle Krismen! - Bon Natale! - Appi Krismes! - Sretan Bozic! - Seva piroz sahibe! - Bon Nadel! - Wanikiya tonpi wowiyuskin! - Prieci'gus Ziemsve'tkus! - Linksmu Kaledu! - Amazalibwa Agesanyu! - Schéi Krëschtdeeg! - Selamat Hari Natal! - Nixtieklek Milied tajjeb! - Salama' Natal! - Kung His Hsin Nien! - Nollick ghennal! - Streken Bozhik! - Kia orana e kia manuia rava! - God Jul! - Festusu Natale! - Ungil Kurismas! - Esimano olyaKalunga gwokombandambanda! - Krist Yesu Ko Shuva Janma Utsav Ko Upalaxhma Hardik Shuva! - Wesolych Swiat! - Boas Festas! - Mata-Ki-Te-Rangi! - Sumaj kausay kachun Navidad ch'sisipi! - Bella Festas daz Nadal! - Craciun fericit! - Bachtalo krecunu Thaj! - Bonu nadale! - Pozdrevlyayu s prazdnikom Rozhdestva! - Buorit Juovllat! - Nollaig chridheil! - I'Taamomohkatoyiiksistsikomi! - God Jul! - Schöni Wienacht - Sretam Bozic! - Bon Natali! - Vesele Vianoce! - Vesele bozicne praznike! - Feliz Navidad! -
Krismas Njema Na Heri! - Maligayang Pasko! - Ia ora i te Noera! - Suksan Wan Christmas! - Prejeme Vam Vesele Vanoce! - Veseloho Vam Rizdva! - Nadolig LLawen! - Kellemes Karacsonyiunnepeket! - Chuc Mung Giang Sinh! - Quyanalghii Kuusma! - Winshuyu sa Svyatkami! - Sinifesela Ukhisimusi Omuhle!

Jul närmar sig / Weihnachten naht

Speziell für R., E. und M. Wir wünschen Euch alles Liebe.

Beleuchtete Weihnachtsgeschenke

4. Advent 2008

Kerzen zum vierten 4. Advent

Tomten är överallt - Der Weihnachtsmann ist überall

Var egentligen litet förvånad när jag har upptäckt det här motivet. Men vi lära oss: tomten finns det överallt :)

War eigentlich etwas verwundert, als ich das Motiv entdeckt habe. Aber wir lernen: Den Weihnachtsmann findet man überall :)

Toilettenpapier Klopapier mit Weihnachtsmann

Nikolaustag / Nikolausdagen

Nikolaus in Umeå
„Nikolaus bei der Arbeit“ / „Nikolaus på jobbet“
(Upptäckt i Umeå)

Ohne Worte / Utan ord

Regenbogen in Lappland

On the move...



Rotlös / Entwurzelt


(Upptäckt någonstans ute)

Gestrandet / Strandat

Gestrandetes Boot in Lappland
(Upptäckt någonstans ute)

Ett ljus på vägen / Ein Licht auf dem Weg


Der Herr sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen,
der Herr sei neben dir,
um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen,
der Herr sei hinter dir,
um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen,
der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen,
wenn du fällst und dich aus der Schlinge zu ziehen,
der Herr sei in dir,
um dich zu trösten, wenn du traurig bist,
der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen,
wenn andere über dich herfallen,
der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

Altirischer Segenswunsch

(Von einer ganz besonderen Blogleserin - Danke!)



Gedanken / Tankar


Das Heute ist ein Stück unserer Ewigkeit.

Gebunden oder frei?


Mein Vater sagte oft: Wer sich nicht bewegt, spürt seine Ketten nicht.
Ist mir spontan bei diesem wunderschönen Motiv eingefallen.

På vägen i Lappland / Auf dem Weg in Lappland

Schuh in Lappland
(Upptäckt mellan Springliden och Lainejaur /
entdeckt zwischen Springliden und Lainejaur)

6:e juni - Nationaldagen - Svenska flaggans dag / 6. Juni - Nationaltag - Tag der Schwedischen Flagge


6:e juni - Nationaldagen - Svenska flaggans dag

År 1983 blev svenska flaggans dag officiell nationaldag och från och med år 2005 är dagen även helgdag.

Grundsymbolen i den svanska flaggan är det gula eller gyllene korset. Om detta säger en instruktion från Johan III 1569 att “det förgyllda eller gula korset har av ålder varir brukas i Sveriges rikes vapen”. Därför skulle det “alltid föras uti fanor, fänikor och flaggor”. I korsets tecken skulle landet regeras och blomstra, och korsets plats i nationalsymbolen säger något om vilka vi är, både historiskt och nutid.

6. Juni - Nationaltag - Tag der Schwedischen Flagge

Im Jahre 1983 wurd der Tag der Schwedischen Flagge zum Nationaltag und im Jahre 2005 auch zum allgemeinen Feiertag.

Das Grundsymbol der Schwedischen Flagge ist das gelbe oder goldene Kreuz. Über dieses sagt eine Anweisung des Königs Johan III aus dem Jahre 1569: “das güldene oder gelbe Kreuz wurde seit Alters her im Schwedischen Reichswappen gebraucht”. Deswegen soll es “für alle Zeit in Fahnen, Flaggen und Wimpeln geführt werden”. Im Zeichen des Kreuzes solle das Land regiert werden und erblühen und das Kreuz in der Schwedischen Nationalflagge solle etwas darüber aussagen, wer wir sind, sowohl historisch als auch heute. 

Idag är det Samernas Nationaldagen

Idag är det högtidsdag i Sápmi. Den samiska flaggan hissas på hel stång och nationaldagen firas på många olika sätt.

Läs mer...

Heute ist der Samische Nationaltag.

Weitere Informationen...

Gedanken aus Lappland zum Ausklang des Wochenendes

Man opfert Zeit und Kraft,
zu werken und zu raffen.
Doch wer nur viel geschafft,
hat der auch viel geschaffen?

Besinnliches zum Nachdenken

Sobald ein Weg eine Gabelung hat, ist er kein Weg mehr.

23.12. - Drottningens Födelsetag

Wir gratulieren Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden zum heutigen Geburtstag.

10 December 2007: Nobeldagen 2007

Idag är det Nobeldagen och det är ganska viktigt. Alfred Nobel - född 1833 i Stockholm - interesserade sig för sprängämnen och det var under ett sådant experiment med nitroglycerin som ett helt laboratorium explorade. Men Alfred gav inte upp. 1866 uppfann han dynamiten och öppnade dynamitfabriker i många länder. 1895 skrev han i sitt testament att hans förmögenhet skulle användas till ett pris "till dem som under det gånga året gjort mänskligheten den största nytta inom fysikens, kemins, medicinens, litteraturens och fredens områden". Året därpa, den 10 december 1896 dog han.

Läs mer på Hemsidan från Nobelstiftelsen.

Astrid Lindgren und das Mädchen mit den roten Zöpfen...

Am Mittwoch gilt es, einer sehr berühmten Schwedin zu gedenken: Astrid Lindgren. Die weltberühmte Kinderbuchautorin wurde am 14. November 1907 auf Näs bei Vimmerby geboren und würde am Mittwoch ihren 100. Geburtstag feiern. Leider ist Astrid Lindgren am 28. Januar 2002 in Stockholm verstorben.
Zu den bekanntesten Werken von Astrid Lindgren gehört sicher Pippi Langstrumpf. Das Werkverzeichnis ist aber noch viel umfassender.
Weitere Informationen
hier bei Wikipedia.
Zum 100. Geburtstag ein berühmtes Zitat aus Pippi Langstrumpf:
Wenn der Himmel von außen schon so schön ist, wie schön muß er dann erst von innen sein!