Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven zu Besuch in Arvidsjaur

Während sich in Hamburg am vergangenen Wochenende turbulente Szenen rund um den G20-Gipfel abgespielt haben, war das politische Leben in Schweden deutlich beschaulicher.

Disclaimer: In diesem Artikel geht es nicht nicht um Politik, sondern um die Dokumentation aktuellen Zeitgeschehens.

Im Rahmen einer Sommertournee durch das Inland hat der schwedische Regierungschef („Statsminister“) Stefan Löfven am 7. Juli Arvidsjaur besucht. Die gesamte Tournee stand unter der Überschrift „soziale Sicherheit“ und der Besuch in Arvidsjaur unter dem Motto „gleiche Altenpflege für alle“ und „Kompetenzsicherung in Kleinstädten“. Auf dem Programm standen Besuche in lokalen Altenheimen und eine Rede in der Stadtmitte. Das hat ganz gut gepasst, denn an dem besagten Wochenende fand in Arvidsjaur gleichzeitig ein Stadtfest statt. Das bot wohl einen guten Anlass auf ein grösseres Publikum zu hoffen.

Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, denn der Regierungschef ist in unseren nördlichen Breiten eher selten zu sehen. Auch die schwedische Aussenministerin („Utrikesminister“) Margot Wallström war als „Überraschungsgast“ mit dabei denn sie stammt aus Kåge, das ganz in der Nähe liegt und wo sie gerade einen Sommerurlaub verbrachte.

Wir haben das Event fotografisch begleitet und teilen hier eine Auswahl an Bildern.

-> Zur Bilderstrecke „Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven zu Besuch in Arvidsjaur“

Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven zu Besuch in Arvidsjaur
Stefan Löfven auf dem Weg zur Rede

Kleine Portraitkunde: Die Augen müssen scharf sein

Man sagt, die Augen sind der Spiegel der Seele. Üblicherweise sind es die Augen, die wirklich an einem Portrait faszinieren. Deshalb ist es wichtig, dass die Augen fokussiert und scharf sind. Ganz gleich, welches Geschöpf sich vor Deiner Linse befindet.


Wichtig beim Portrait: Die Augen müssen scharf sein
Wichtig beim Portrait: Die Augen müssen scharf sein

On the streets of Arvidsjaur, der Kungsleden und ein starkes Team

Neulich in Arvidsjaur.

Ein schneller Einkauf zur Mittagszeit. Da springt mir schon aus dem Auto heraus ein flauschiger weisser Schneeball ins Auge, sprich ein Samojede. Ein schöner Anblick. Auf dem Weg vom Parkplatz zum ICA (Supermarkt) führt mich der Weg an Hund und Herrchen vorbei und ich beginne ein lockeres Gespräch. Das sichtlich zusammengeschweisste Team aus Hund und Halter kommt gerade von Ammarnäs zurück. Dort liegt der südlichste Teil des Kungsleden.

Der Kungsleden ist eine der wohl bekanntesten Wanderrouten der Welt und führt über 450 Kilometer von Hemavan nach Abisko. Das Problem unseres Teams war nur, dass auf dem Kungsleden vor zwei Wochen noch ein guter Meter Schnee lag, was das Aus für den Beginn der geplanten Tour bedeutet hat. Also mussten Sie zuerst einmal zurück zu Bekannten nach Piteå um dort einige Wochen abzuwarten, bis der Kungsleden schneefrei ist. Alle Reisen selbstverständlich mit dem Bus.

Als ich mich nach dem Ziel der geplanten Wanderung erkundigte, kam ich des Pudels Kern (falsche Metapher, ich weiss) langsam näher. Es gehe darum zu entspannen und in aller Ruhe einige neue Songs zu schreiben. Langsam dämmerte es mir, um wen es sich bei dem Gesprächspartner handelte. Sagen wir es so: Ein schwedischer Musiker und Nachwuchssongwriter, der wohl eine grosse Zukunft vor sich hat. Mehr verrate ich nicht; der geneigte Leser mag selbst recherchieren :)

Besonders fasziniert hat mich an der Begegnung die innige Beziehung von Mensch und Hund. Ein eingespieltes Team, in dem sich beide aufeinander verlassen können.

Dass mir der Hund das Liebste sei, sagst du, o Mensch, sei Sünde? Der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.


Franz von Assisi


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Ein starkes Team

Midsommar und so

„Gut gebrüllt, Löwe!“


Shakespeare, Ein Sommernachtstraum, 1. Szene des 5. Akts

Über Midsommar („Mittsommer“, „Fest zur Sommersonnenwende“) haben wir hier im Blog schon verschiedentlich berichtet (z. B. hier und hier).

Die Sommersonnenwende nach dem Sonnenjahr war dieses Jahr am 21. Juni, 6 Uhr 24.

Hier in Schweden wird Midsommar kalendarisch an dem Freitag („Midsommarafton“) und Samstag („Midsommardagen“), die in den Zeitraum vom 19. bis 25. Juni fallen, begangen.

Heute ist es dann also wieder einmal soweit. Die Städte und Dörfer sind wie ausgestorben. Schweden ist kollektiv in den Sommerstugas oder mit dem Wohnwagen unterwegs um - meist sehr feucht-fröhlich, zu feiern.

Es ist bezeichnend, dass das schwedische Systembolaget seinen umsatzstärksten Tag am Donnerstag vor dem Midsommarafton hat. Nach aktuellen Daten kaufen 1,2 Millionen Schweden an diesem Tag alkoholhaltige Getränke für die Mittsommerfeiern ein. Der Anteil an Hochprozentigem am Umsatz ist an diesem Tag ebenfalls am grössten. Die Statistik für 2016 spricht von satten 150.000 Litern (Quelle: svt nyheter vom 22. Juni 2017)

Dieses Jahr gibt es mit Midsommar aber ein kleines Poblem. Es hört auf den Namen „Wetter“. In der zurückliegenden Woche sanken die Nachttemperaturen in Norrland auf knapp über dem Gefrierpunkt. Heute am Midsommarafton war das Wetter noch erträglich (bewölkt, 13 Grad). Am Samstag und am Sonntag sollen die Tageshöchsttemperaturen aber nur um die 8-10 Grad liegen und es soll den ganzen Tag über wie aus Kübeln schütten. Nicht gerade das Beste Wetter für Sommarstuga und Campingwagen. Viele werden deshalb versuchen, das Wochenende mit besonders viel Hochprozentigem zu bewältigen.

Aber wie wir schon immer gesagt haben: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung und Ausrüstung.

Für den echten Hardcore-Outdoorler spielt das Wetter daher keine Rolle und er grillt auch bei Starkregen, dann eben mit dem Regenschirm :-)

Midsommar 2017 - Grillen mit Regenschirm
Midsommar 2017 - Grillen mit Regenschirm


Das neue HEIF Bildformat in iOS 11 - die unbemerkte Revolution [UPDATE 2017-06-23]

Vor einigen Tagen (genau am 5. Juni) hat Apple auf der WWDC die Details zum kommenden iOS 11 öffentlich bekannt gegeben. IOS 11 soll im Herbst erscheinen und bringt allerlei Veränderungen und Verbesserungen „unter Haube“. Daneben wurde der Öffentlichkeit auch ein Detail vorgestellt, dass zu grossen Veränderungen im gesamten Bild- und Fotomarkt führen wird. Es geht um das neue Dateiformat für Fotos und Videos. Es hört auf den Namen HEIF (der enthaltene Video-Codec hat den Namen HEVC) und ist relativ neu.

Die scheinbar nebensächliche Änderung, die bislang auch noch kein besonderes mediales Echo gefunden hat, gibt Anlass zur Frage was uns das neue HEIF Format mittelfristig bescheren könnte.


Zuerst einige Fakten

HEIF steht für „High Efficiency Image File Format“ und wurde 2015 von der MPEG-Group präsentiert.

Die technischen Daten und- vor allem die erzielbare Kompressionsrate - sind solide. Die „coding performance“ liegt bei Bildern im Schnitt bei 2,39 wohingegen das altbewährte JPEG gerade mal 1.66 erzielt. Bei gleicher Qualität haben die im HEIF Format gespeicherten Bilder also im Schnitt nur 50-60% der Dateigrösse von vergleichbaren JPEGs. Die auf der offiziellen Homepage von HEIF verfügbaren Beispiele sind schlicht beeindruckend. Wir halten allerdings fest: HEIF ist - wie JPEG - kompressionsbedingt verlustbehaftet (dazu später mehr).

Technisch gibt es also nichts zu meckern; im Gegenteil. Die Probleme liegen an anderen Stellen.


Ein kleiner Ausblick in die Zukunft

Mit iOS 11 wird Apple das neue Format auf allen Geräten, die mindestens über einen A9 Prozessor verfügen, einführen. Im Klartext: Ab einem iPhone 7 wird HEIF künftig die Standardvorgabe sein. In der iOS11-Betaversion der nativen Photo-App kann diese Einstellung zwar auf „Kompatibel“ (d.h. JPEG) geändert werden, aber Hand aufs Herz: Nur wenige Anwender werden überhaupt so weit in die Voreinstellungen vordringen. Und damit wird eine Lawine in Gang gesetzt, die zu erdrutschartigen Veränderungen führen wird.


Wie wird Apples Strategie aussehen?

Wir kennen die bewährte Strategie von Apple. Es werden Fakten geschaffen. Was Apple für gut, richtig und zukunftsweisend hält, wird implementiert. Alte und bisherige Standards werden dabei gerne radikal „über den Haufen geworfen“. Und Rückzieher sind nicht vorgesehen. Wenn Apple also ein neues Bildformat einführt wird damit klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, dass das der künftige Standard sein wird. Punkt.

Natürlich wird es einen auf relativ kurze Zeit befristeten Übergang geben, in dem auch das alte JPEG Format noch unterstützt wird. Auf künftigen Gerätegenerationen wird es aber bald ausschliesslich noch HEIF geben und das gesamte Ökosystem von Apple wird binnen ca. drei bis fünf Jahren auf HEIF umgestellt. Ich gehe davon aus, dass Apple auch die Marktmacht hat, dem Markt einen Systemwandel in Sachen Bildformat aufzuzwingen. In einigen Jahren wird das HEIF Format alle digitalen Systeme und Plattformen als neuen Standard dominieren.

Wer bei JPEG bleiben möchte wäre dann mittelfristig darauf angewiesen, mit alten Geräten und alten iOS Versionen weiter zu arbeiten. Da Apple aber keine Sicherheitsupdates mehr für ältere iOS Versionen bereit stellt, wird ein zusätzlicher Zwang zum Upgrade auf neue Geräte- und Systemversionen ausgeübt. Diese unterstützen dann freilich bald nur noch das neue Format.

Nebenbei: Inwieweit das neue Bildformat von „alten Apps“ verarbeitet werden kann, ist derzeit noch offen. Da die meisten Apps die vom iOS bereit gestellten Bildformate lesen und schreiben können ist es gut denkbar, dass JPEGs über im Betriebssystem vorhandene Bibliotheken für eine Übergangszeit weiterhin geöffnet und gespeichert werden können. Wahrscheinlicher ist es, dass JPEG Bilder zwar geöffnet, dann aber nur im neuen Format wieder gespeichert werden können. Grössere Softwareschmieden werden ihre Apps zeitnah auf den nativen Support des neuen Formates umstellen; kleinere Softwareschmieden könnten damit grössere Schwierigkeiten haben (oder möglicherweise dann eben einfach keine Updates mehr zur Verfügung stellen).


Wie verhält es sich nun mit JPEG?

Das gute alte JPEG Format gibt es nun schon bereits seit 25 Jahren. Es hat sich als Standard durchgesetzt und wird von Computern, Betriebssystemen und Kameras im Prinzip aller Hersteller verwendet. Billionen von Bildern sind weltweit in diesem Format gespeichert und archiviert. Ich will hier bewusst nicht die Diskussion „RAW vs JPEG“ lostreten. In den Bilddatenbanken - gleich ob privat oder bei kommerziellen Anbietern - werden die Endergebnisse jedenfalls in aller Regel im JPEG Format gespeichert. Der Zeitraum innerhalb dessen sich JPEG als Standard etabliert hat entspricht ungefähr der Epoche der Digitalfotografie und des neuen „digitalen Zeitalters“. Fotoamateure wie Profis, die gesamte Archiv- und Stockfotowelt, beinahe alle Homepages im WWW, Grafiker, Designer, usw., sind auf JPEG „geeicht“.


JPEG als schützenswertes Kulturgut

Damit ist JPEG - ähnlich wie andere Kulturgüter - eigentlich bereits deswegen schützenswert, weil es beinahe die gesamte Bilderinnerung des bisherigen digitalen Zeitalters des letzten Vierteljahrhunderts enthält und darstellt (im eigentlichen Wortsinn). Um es deutlich zu machen: Wir reden hier über das digitale Bildgedächtnis der Epoche, in der wir die bewegendsten Veränderungen der Menschheitsgeschichte erlebt haben.

Findet nun ein Wechsel zu einem neuen Standardformat (HEIF) innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne statt, droht der Verlust eines erheblichen Teils unseres kulturellen Erbes sowie der Dokumentation der Neuzeit. Damit meine ich natürlich nicht Millionen von Katzenbildern auf Facebook, sondern Bilder, die einen Einblick in das wahre Leben zeigen. Der grösste Teil des digitalen Bildergedächtnisses wird derzeit im WWW publiziert. Wie lange künftige Browserversionen das bald veraltete JPEG Format noch unterstützen werden, steht in den Sternen.

Denn das Problem, dem wir bald begegnen könnten besteht darin, dass es keine Möglichkeit mehr geben könnte, JPEGs zu öffnen und zu bearbeiten. Die Situation könnte vergleichbar mit der älterer digitaler Datenträger werden. In meinen Schränken türmen sich - meist aus nostalgischen Anwandlungen - alte Disketten, Backupbänder, ZIP-Disks und vieles mehr. Zugegeben, alte Floppydisks geben wunderbare Kaffeetassenuntersetzer ab. Die auf ihnen enthaltenen Daten sind aber mit realistischem Aufwand nicht mehr wiederherstellbar. Könnte es sich mit Bildern im JPEG Format in einigen Jahren genauso verhalten?


Geplante Obsoleszenz?

Ein Wandel im Bildformat beinhaltet auch eine besonders perfide Form der geplanten Obsoleszenz, denn die Anwender, die den „Anschluss nicht verlieren wollen“, werden zum Umstieg auf neue Systeme gezwungen. Für ältere Systeme wird es bald keine Updates mehr geben, die eine Bearbeitung des neuen Formates ermöglichen. Spiegelbildlich wird es auf neuen Systemen immer schwerer werden, das alte JPEG Format zu bearbeiten. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass das alte „Format der digitalen Erinnerung“ - sprich JPEG - fest in allen künftigen Betriebssystemen „verdrahtet“ wird.

Eine kurze Recherche im Internet ergibt, dass es derzeit noch keine Desktop-Bildbearbeitungssoftware gibt, die das neue HEIF Format unterstützt. Die Nachrüstung dürfte für die meisten Plugin-basierten Systeme kein Problem sein. Aber die Hersteller werden das nur für die aktuellen Programmversionen anbieten, denn schliesslich sollen die Anwender ja zum Kauf von Upgrades animiert werden.

Sicher, es wird in der Umstellungsphase Batch-Conversion-Tools geben (vielleicht sogar eine automatische Umwandlung in der Cloud), mit denen eine Fülle von Bildern „in einem Rutsch“ in das neue Format konvertiert werden können.

Da dabei allerdings von einem verlustbehafteten Format in ein anderes verlustbehaftetes Format konvertiert wird, wird die Bildqualität in jedem Fall darunter leiden. Bestimmt wird es auch webbasierte Umwandlungstools geben, von denen ich allerdings aus prinzipiellen Gründen abraten würde (oder wollen Sie Ihr gesamtes Bildarchiv irgendwelchen dubiosen Seitenbetreibern zur Verfügung stellen?).


Bitte keine Missverständnisse

Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin kein Technikfeind oder ein Feind des Fortschritts an und für sich. Die reine Qualität des neuen Formates ist - soweit es sich aus den technischen Beschreibungen und den zur Verfügung gestellten Beispielen beurteilen lässt - beeindruckend. Der Gedanke, dass die vorhandenen Speicherkapazitäten mit doppelt so vielen Bildern gefüllt werden könnten, ist eine grosse Versuchung. Stromverbrauch und Umwelt würden auch einen Benefit haben.

Meine Kritik richtet sich vielmehr gegen die radikale Veränderung (oder gar Zerstörung) ganzer Ökosysteme im Bereich der Fotografie. Die fotografische Infrastruktur und der fotografische Workflow werden sich an vielen Punkten grundlegend ändern. Ich bin gespannt, wann die ersten Kamerahersteller das neue HEIF Format als Bildformat anbieten werden. Um das wieder in den Zusammenhang mit der geplanten Obsoleszenz zu stellen: Könnte es sein, dass bald Millionen funktionstüchtiger Kameras nur deswegen auf dem Elektronikschrott landen, weil sie kein „in-camera-HEIF“ anbieten?


Philosophischer Ausblick

Wehmütig denken wir an Omas „Fotokarton“ mit einer Fülle von Abzügen aus mehreren Jahrzehnten zurück. Vielleicht mag die bevorstehende Bildformatrevolution für mitdenkende Zeitgenossen ein Anlass sein, wieder mehr analog zu denken und zu fotografieren?


UPDATE 2017-06-23 - Das Problembewusstsein wächst

1. Auf Pyrolim.de ist ein sehr schöner Artikel zum Thema erschienen, der zum Nachdenken anregt.

2. Auch Kwerfeldein.de hat das Thema aufgegriffen und meinen Artikel als Gastbeitrag veröffentlicht.

3. Meine Nachfragen bei verschiedenen Softwareschmieden waren ernüchternd. Die allermeisten haben das Problem schlicht noch nicht auf dem Schirm, zeigten sich aber äusserst interessiert. In einer Antwort wurde darauf hingewiesen, dass HEIF ein "sehr kompliziertes" Format sei.

4. Auch juristisch kommen Zweifel am neuen Codec auf, denn es scheinen Patente im Spiel zu sein die bei einer kommerziellen Verwendung dazu führen können, dass Lizenzgebühren anfallen.

5. Lichtschein am Horizont: Die aktuelle Beta des GraphicConverter vom 2017-06-22 unterstützt HEIF ab Mac OS 10.13.


das_neue_heif_format
Screenshot von der offiziellen HEIF-Homepage
(hier im guten alten JPEG Format dargestellt und gespeichert)

Praxistipp - Worauf Sie achten sollten, wenn Sie Ihren Urlaub in Lappland buchen

Traumurlaub in Lappland? Da gibt es aber ein paar Sachen, an die Sie vor einer Buchung denken sollten!

Ich muss mir einfach mal mein Unverständnis und meine Schockstarre von der Seele schreiben. Das vor allem, um alle (potentiellen) Lapplandurlauber vor unseriösen Anbietern (die es leider mehr als genug gibt) zu warnen.

Die Woche war ich wieder einmal auf einer Tagung in einem Hotel in Norrbotten. Bei solchen Besuchen habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, alle vor Ort verfügbaren Broschüren und Infoflyer duchzusehen. Es gibt ja immer noch etwas dazu zu lernen. Was ich da allerdings gefunden habe, übertrifft wieder einmal alles Vorstellbare. Die langjährige Tätigkeit als Jurist und Unternehmensberater hat mich für manche Problemkreise überdeutlich sensibilisiert.

Worum es geht:

Ein kleiner Flyer (mit grausigem Layout und vielen Typofehlern) hat mir verraten: Wieder sind einige Mitteleuropäer in Lappland aufgeschlagen, um das grosse Geld zu verdienen; getragen von der Liebe zu Schlittenhunden und dem Lockruf des Geldes. Unsere interne Bezeichnung dieser Kategorie heisst "Touristische Wellenreiter“: Auf der Welle des Strebens nach dem grossen Geld reiten wollen und dann eine Menge verbrannter Erde hinterlassen. 

Der unscheinbare Flyer enthielt einen Link zu einer Homepage - und die hatte es in sich. Mal abgesehen davon, dass das Konzept schon rein betriebswirtschaftlich keine Chance hat, gibt es einige Aspekte, die besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Bereits das spontane Überfliegen der Homepage, lässt uns erschaudern. Da wird der Transfer vom Flughafen und zu verschiedenen fakultativen Aktivitäten ebenso angeboten, wie das Servieren von Mahlzeiten und allerlei alkoholhaltigen Getränken. All das ist in Schweden erlaubnispflichtig und kann mit saftigen Bussgeldern, einer sofortigen Geschäftsuntersagung (= Betriebsstillegung) und auch mit Gefängnis (-> Alkohol) geahndet werden. Nachdem in Schweden das Öffentlichkeitsprinzip gilt, hat die Recherche sogleich ergeben, dass keine (!) der erforderlichen Erlaubnisse tatsächlich vorliegen.

Dann wird in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zunächst einmal munter drauf los diskriminiert. Von den unwirksamen Haftungsfreizeichnungen (à la: Der Gast ist immer schuld - wir nie) abgesehen, sind Zahlungsbedingungen die Krönung, die dem auf EU-Recht basierenden Reiserecht diametral entgegengesetzt gegenüber stehen. Will sagen: Vorkasse lange im Vorhinein ohne jegliche Absicherung - der Gast trägt das Insolvenzrisiko.

Ein weiterer Punkt: Der besagte Anbieter hat auf seiner Homepage keine Anbieterkennzeichnung und keine schwedische Organisationsnummer angegeben. Lediglich der Name einer natürlichen Person findet sich und dazu eine Telefonnummer, die allerdings nicht schwedisch ist. Auch hier ergibt die schnelle Recherche, dass überhaupt noch kein schwedisches Gewerbe angemeldet worden ist. Das Gästebuch verrät uns aber, dass bereits einige Gäste aus den vergangenen Monaten positive Bewertungen abgegeben haben. Buchen wir diese Einträge zugunsten der Betreiber als im Marketinginteresse geschriebene Eigenkommentare, besteht aber dennoch das ganz erhebliche Risiko damit auch noch auf das Radar des schwedischen Finanzamtes zu kommen (was alles andere als amüsant werden dürfte).  

Oh und besonders schön ist es immer, wenn den geneigten Besuchern auch Hundepatenschaften für einen der vierzig (!) Huskies angeboten werden. Hier wird dann gleich ganz kräftig zugelangt, denn es dürfen mehrere Hundert Euro für ein Jahr pro Hund gezahlt werden. Mehrfachpatenschaften für ein- und denselben Hund werden natürlich auch nicht ausgeschlossen. Nebenbei sei noch angemerkt, dass Hundehaltung ab einer bestimmten Anzahl von Hunden bei der jeweiligen Landesverwaltung angemeldet werden muss. Gerade bei Schlittenhundefarmen werden in Nordschweden gerne und häufig unangemeldete Kontrollen durchgeführt, die dann wegen der häufig völlig unzureichender Haltungsbedingungen zum Tierhaltungsverbot führen können.

Warum dieser Blogeintrag? Um alle diejenigen zu warnen, die einen "Traumurlaub mit Schlittenhunden" o.ä. planen und/oder buchen wollen.

Bitte liebe Urlauber: Aufmerksam die Angebote studieren und erst einmal in Ruhe nachdenken. Stellen Sie an den Anbieter Fragen und studieren Sie dessen Antworten. Fragen Sie nach Referenzen, d.h. Gästen, die Sie befragen können. Wenn es sich um kleine und unbekannte Anbieter handeln sollte, dann befragen Sie bitte auch Google und ggf. die Sprechstunde des Verbraucherschutzes (u.a. auch wegen der AGB und der vom Anbieter angegebenen Zahlungsbedingungen). 

Und bitte denken Sie auch an die armen Schlittenhunde, die teilweise unter erbärmlichen Bedingungen gehalten werden (insbesondere im Sommer, denn da bringen die Hunde keinen Umsatz sondern nur Kosten mit sich).

Ein positiver Nachsatz: Es gibt auch einige seriöse und tadellose Anbieter. Die Kunst ist es, diese als solche auch zu identifizieren.

immer_wieder_geht_die_sonne_auf
„Und immer, immer wieder geht die Sonne auf -
über den Guten wie den Bösen“


Zum schwedischen Nationalfeiertag ("Nationaldagen") 2017 - Das neue Schweden

Heute begeht Schweden wieder seinen Nationalfeiertag (den "Nationaldagen"). Eine passende Gelegenheit einen Blick darauf zu nehmen, was Schweden eigentlich ausmacht.

Heutzutage (d.h. seit den 80er Jahren) ist Schweden bekannt und berühmt für drei "Hauptwerte", die sich in internationalen Studien auch immer herausheben: Individualismus, Humanismus und Säkularismus gekoppelt mit einem grossen Vertrauen der Mitbürger in den Staat, die Politik und die staatliche Verwaltung.

Das schwedische Wirtschaftssystem, das eine Mischung aus Sozialismus und Marktwirtschaft ist und als das "schwedische Modell" bezeichnet wird (am Rande: seit geraumer Zeit driftet dieses Modell allerdings deutliche in Richtung Marktwirtschaft), hat seinen grossen Anteil an der inneren Einstellung der Bevölkerung.

Ein weiterer ganz wichtiger Aspekt bei der Betrachtung des „schwedischen Weges" ist der Umstand, dass Schweden seit nunmehr 203 Jahren im Frieden, d.h. frei von der aktiven Teilnahme an kriegerischen Auseinandersetzungen lebt. Damit steht Schweden übrigens an der statistischen Spitze, gefolgt von der Schweiz auf Platz zwei. Daraus leitet sich vermutlich auch her dass Schweden mit an der Weltspitze steht, was die Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten angeht.

Natürlich hat auch Schweden seine sehr grossen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Bis jetzt scheint es aber so zu sein, dass das Gemeinwesen damit (noch?) gut umzugehen weiss. Die nächsten Reichstagswahlen werden ein Wegweise sein, in welche Richtung sich die Zukunft in Schweden entwickeln könnte.

Hoffen und beten wir für eine künftige Zeit in Frieden!

Grattis, Sverige!

Meine Interpretation und Visualisierung des neuen jetzigen und des künftigen Schwedens sieht übrigens so aus:

Det nya Sverige 2017

Warum Instagram für Fotografen „tot“ ist

In der guten alten Zeit des Internets hatte alles noch so gut angefangen. Das war vor vielen Jahren, in der „guten alten Zeit“

Idealistische Menschen (meist vom Typ des „Weltveränderers“) entdeckten das WWW und sahen darin eine Chance, dem allgemeinen Bewusstseinswandel näher zu kommen. Es sei nur an das 1994 erschienene Buch „Cyberia“ von Duoglas Rushkoff erinnert (link zum PDF). 
Die Lektüre lohnt sich übrigens auch heute noch, denn plötzlich erscheinen die Anfänge des WWW in einem geradezu romantisch-verklärten Schein. Aber es kam, was kommen musste: Die Wirtschaft erkannte den ungeheuren Wert der Onlinewelt und übernahm diese in der Folge. Anfangs in kleinen Schritten, schliesslich mit Siebenmeilenstiefeln. 

Gary Vayerchuk - als exemplarischer Vertreter eines Marktwirtschaftlers - hat es in einem seiner Talks geradezu perfekt auf den Punkt gebracht:

„When I first saw the internet I suddenly realized, sh*t I can make money with this thing“.

Die sozialen Medien haben - auch wenn sie erst viel später als das WWW in die Gänge kamen - dieselbe Entwicklung durchgemacht. Zum Beginn ging es um echte soziale Netzwerke (im Stil von „power to the people“) und die Neuigkeitenströme waren chronologisch. Dann kamen immer mehr Werbeanzeigen ins Spiel und schliesslich wurden die Algorithmen „optimiert“, sodass dem User nur noch die Nachrichten präsentiert wurden von denen das System annahm, sie würden ihn interessieren und ihm gefallen. Quasi nebenbei wurden über die Jahre riesige Datenmengen über die User angehäuft, aus denen sich mittlerweile fast alles über das jeweilige Individuum ableiten lässt. Das Beste an diesem Geschäftsmodell ist, dass die User sich aller dieser Daten freiwillig und völlig kostenlos begeben haben. Je tiefer man in dieser Materie gräbt, desto schauderhafter wird es.

Nun soll es hier ja um Instagram und Fotografen gehen. Instagram begann als eine spektakuläre Foto-Sharing-Plattform, der allerdings das zündende Geschäftsmodell gefehlt hatte. Nach der Übernahme durch das beinahe allmächtige Facebook wurde das von dort bewährte Geschäftsmodell dann schnell implementiert und Instagram dadurch aus künstlerischer Perspektive ruiniert.

Mit den vielen Werbeeinblendungen könnte man ja noch leben. Schliesslich muss eine Plattform ja irgendwie auch Geld verdienen. Seit Instagram aber im vergangenen Jahr seinen Algorithmus für die Anzeige der Postings im Stil von Facebook „optimiert“ hat, ist die Plattform was gute Fotografie angeht schlichtweg „tot“. Ich will hier nicht in alle Details eintauchen, sondern stattdessen auf einen echten Augenöffner hinweisen, der gerade bei Petapixel erschienen ist: 

„Instagram Created a Monster: A No B.S. Guide to What’s Really Going On“.

Hier berichtet endlich mal ein Fotograf der selbst auf die dunkle Seite der Macht geraten war um sichtbar zu bleiben, offen und ehrlich mit welchen Tricks mittlerweile gearbeitet wird um auf der Instagram-Erfolgskurve zu klettern. Und natürlich geht es dabei auch darum eine Menge Geld zu investieren, um „sichtbar“ zu bleiben.

Was ist die Alternative? Wer fotografiert möchte damit (hoffentlich) etwas zum Ausdruck bringen und seine Bilder deswegen auch zeigen. Dabei sollte die eigene „Hoheit“ erhalten bleiben. Ich möchte selbst entscheiden, was ich wann und wie zeige und möchte auch die Möglichkeit haben, wieder zu löschen. Diese Chance habe ich mittlerweile praktisch nur noch auf einer eigenem Webpräsenz und auf dem eigenen Blog. Hier schlägt kein Algorithmus zu der bestimmt, wer was zu sehen bekommt. Und ich habe auch die Möglichkeit, so lange Texte zu schreiben wie ich möchte.

Zusammenfasung: Wer relevant bleiben möchte, sollte das - aus künstlerischer Perspektive - sinkende Schiff der sozialen Medien verlassen und stattdessen unbedingt eine eigene Webpräsenz haben. Ich bin übrigens gerade dabei, meine Präsenz in den meisten sozialen Medien abzuwickeln.


PS: Wer guten Input zum Nachdenken sucht, der sei in diesem Zusammenhang auf CJ Chilvers hingewiesen.

Analoger Neuigkeitenstrom - heute keine News
Analoger Neuigkeitenstrom - heute keine News


Was fürs Herz - Frühsommer in Lappland

Das Geräusch ist wahrscheinlich allen Leserinnen und Lesern bekannt, aber dennoch nur sehr schwer zu beschreiben. Ist es schmatzend, quartschend oder quietschend? Selbst das sich selbst gerne als allwissend postulierende Internet gibt mir dieses Mal keine wirklich verwertbare Antwort.


Worum geht es?

Der tauende Schnee ist an vielen Stellen in Lappland mittlerweile praktisch verschwunden. Das weckt das unbändige Verlangen endlich wieder raus in die Natur zu wandern und jetzt ist der richtige Zeitpunkt sich an abgelegene und landschaftlich reizvolle Plätze in der Nähe von Gewässern zu begeben, denn die an solchen Stellen demnächst allgegenwärtigen Stechmücken haben ihre Arbeit noch nicht aufgenommen.

Die praktischen Probleme liegen an anderer Stelle: Der Weg zu entlegenen Seen führt oft durch Sumpfgebiete und die Sümpfe sind durch die Schneeschmelze gut mit Wasser gefüllt. Das führt zu dem charakteristischen, eingangs beschriebenen Geräusch beim Laufen. Einige Meter vor dem Ufer wechseln sich dann Wasserlöcher mit festen Schollen ab. Der Mensch wird nun zum Hüpfenden - von Inselchen zu Inselchen. Waren die Schuhe noch nicht vom begehbaren Sumpf nass, so weichen sie spätestens jetzt völlig durch, insbesondere wenn ein Fehltritt oder Ausrutscher treffsicher in ein Wasserloch führen (Achtung: Unfallgefahr - die Löcher sind mitunter ziemlich tief - wer richtig Pech hat, kann stecken bleiben).

Kurze Reflexion an dieser Stelle: Nach langen Jahren in der Natur in Lappland muss ich leider konstatieren, dass es keine wirklich guten Schuhe mehr gibt. Egal wie edel und teuer - wasserdicht ist Fehlanzeige. Liebe Schuhhersteller: Falls ihr hier mitlesen solltet, entwickelt und produziert doch bitte mal einen richtig guten Outdoorschuh! Dürft ihr dann auch gerne gleich zum Testen schicken.

Am Ufer angelangt folgt sogleich die Entschädigung: Traumhafter Ausblick. Bitte aufpassen, denn Sumpfuferlinien sind rutschig und enden abrupt. Mancher Besucher hat da schon ein unfreiwilliges Bad genommen. Das versaut den ganzen Tag, denn bei Sumpfufern geht es meistens gleich richtig ins tiefe Gewässer. Und da alleine wieder raus zu kommen ist gar nicht so einfach (von einer einmal durchspülten Kameraausrüstung mal ganz zu schweigen).

Wer aber alles geschafft hat, wird in der Regel für die Strapazen durch bezaubernde Ausblicke fürstlich entschädigt!

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Eigentlich reiner Kitsch: „Was fürs Herz nach dem langen Winter“

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Wer es gerne etwas seriöser mag: Hier in schwarz/weiss

Ready for takeoff - arctic summer 2017

Lange Zeit war er völlig regungslos verharrt. Eine gefühlte Ewigkeit. Er stand unbeweglich auf einer kleinen Eisscholle. Ich fragte mich, was er wohl dachte oder beobachtete. Es wird sein Geheimnis bleiben. Nach einigen Minuten des gemeinsamen Ausharrens geschah es plötzlich und in Sekundenbruchteilen: Er plusterte sein Gefieder, breitete seine mächtigen Flügel aus und erhob sich mit ausladenden Flügelschlägen gen Himmel. Mir schoss es durch den Kopf: Ein Sinnbild für den Winter in Lappland. Danke, Kranich.



takeoff_summer_2017_lapland


Lappland im Mai: In den Flüssen treiben die Eisschollen und die etwas mehr abgelegen Buchten haben (Stand: 20. Mai) noch eine geschlossene Eisdecke. Die ist mitunter (Nicht ausprobieren - Lebensgefahr!) noch tragfähig.

Obwohl Eis und Schnee noch eindrucksvoll die Landschaft prägen, ist dieses Wochenende der Startschuss für den Sommer gefallen („Sommer - ready for takeoff“). Die Nachttemperaturen sind über dem Gefrierpunkt angelangt und die letzten beiden Tage hat das Thermometer einen Höhenflug hingelegt (in der direkten Abendsonne ist es auf 25 Grad geklettert). Für die kommenden Tage sind noch höhere Temperaturen angesagt.

Kurt und gut: Der Schalter ist wieder umgelegt und es wird - wie immer von heute auf morgen - Sommer. Sogar die ersten Insekten (lies: Mücken) schwirren bereits umher, und auf den Strassen mehren sich die Wohnmobile und Wohnanhänger. Die Anzahl der ausländischen Autokennzeichen hält sich noch in Grenzen, aber auch das wird sich in ein bis zwei Wochen ändern (der Sommerurlaub in Lappland ist bislang eher noch ein Insidertipp).

PS: Mit dem Start in den Sommer ist es auch an der Zeit für den obligatorischen Rückblick auf den arktischen Winter 2016/2017, der in den nächsten Tagen als Bilderstrecke veröffentlicht wird.

Photojournalismus - quo vadis? Die Masken fallen!

Sonntagsreflexionen: Es schmerzt mich in der Seele zu sehen (und macht mich gleichzeitig geradezu aggressiv), welche Auswüchse im Photojournalismus zur Zeit sichtbar werden. Ich schreibe bewusst „sichtbar werden“, denn gegeben hat es sie vermutlich chon viel länger.

Die Seriosität, Objektivität und Ernsthaftigkeit sind verloren gegangen. Jetzt wird nach den Methoden des Marktes gearbeitet. Schummeln und Betrügen gehören genauso dazu, wie der eigentliche Skandal des aktuellen Souvid Detta Falles. Warum es geht, dazu mehr im ersten verlinkten Artikel, um den - meiner Meinung nach - noch viel schlimmeren Skandal geht es im zweiten Artikel.

Link 1: F**k Photojournalism: It’s Time for the Industry to Change Before It Dies

Link 2: Two Scorpions Crossing a Stream

Aktuelle Reisewarnung für Lappland

Heute eine wichtige Mitteilung für alle hier eventuell mitlesenden Zugvögel:

Zur Zeit empfehlen wir allen Zugvögeln, die sich bereits auf dem Flug Richtung Lappland befinden oder einen Abflug in den nächsten Tagen planen dringend, Zwischenstopps in südlicheren und wärmeren Gefilden einzulegen, bzw. einzuplanen.

Warum das? Es ist im Moment für die Jahreszeit viel zu kalt. Plötzliche Schneestürme ziehen über das Land. Nachts sinkt das Thermometer auf minus 10 Grad. Der meteorologische Sommer lässt wohl noch länger auf sich warten, nachdem noch nicht einmal der meteorologische Frühling im ganzen Land angekommen ist.

Das SMHI hat vor einigen Tagen über die kältesten Mainächte seit mindestens 35 Jahren berichtet und sogar auf Öland ist Schneefall zu vermelden..

Die tagesaktuelle Jahreszeitenkarte des SMHI spricht eine deutliche Sprache: Frühling wird es, sobald die Tagesmitteltemperatur an mindestens sieben aufeinanderfolgenden Tagen über null Grad lag (dunkelgrün auf der verlinkten Karte). Grosse Teile von Väster- und Norrbotten befinden sich demnach noch immer im tiefen Winter (Stand: 09.05.2017) und vom Frühling (sowohl meteorologisch als auch rein praktisch) ist dieses Jahr bislang noch nichts zu spüren. Das wiegt umso schwerer, als das statistische Mittel des Sommeranfangs im Inland von Väster- und Norrbotten eigentlich um den 15. Juni herum liegt (Quelle).

Deswegen, liebe Zugvögel, fliegt bitte mit etwas beschaulicherem Tempo, um Euch das Frieren zu ersparen.

Eines der ersten Kranichpärchen im Mai 2017
„Infinity XIX“ - Eines der ersten Kranichpärchen im Mai 2017

Wenn in Lappland die Rasenmäher auftauen ist der Sommer nicht mehr fern [Update 2017-05-14]

Heute geht es um ein sicheres Zeichen, dass der Sommer am Polarkreis nicht mehr allzu weiter Ferne ist.

In der Eile nach dem ersten - wie üblich viel zu frühen und unerwarteten - Schneefall war er einfach am Rande eines grossen Rasenstücks vergessen worden: Der Rasenmäher, der den Sommer über treu seinen Dienst getan hatte.

Nachdem der Schnee am tauen ist erinnere ich mich und mache mich mit den Schneeschuhen auf die Suche. Irgendwo dort musste er sein.

Vorsichtig bewege ich mich über die geschlossene Schneedecke, die nicht mehr ganz stabil ist. Etwa ein Meter Schnee liegt derzeit noch auf den freien Flächen.

Ich nähere mich meinem Ziel und tatsächlich: Der Rasenmäher steht noch am vermuteten Platz und der Bügel ist sogar bereits wieder sichtbar.

Ich freue mich. Ein gutes Zeichen. Bald ist es wieder Sommer und ich stelle schon mal das Ölkännchen bereit, um dem treuen Helfer eine Inspektion angedeihen lassen zu können.

Ein gutes Zeichen: Die Rasenmäher tauen auf in Lappland.
Ein gutes Zeichen: Die Rasenmäher tauen auf in Lappland.

Update 2017-05-14

Trotz des nach wie vor viel zu kalten Wetters gibt es Hoffnung. Der Rasenmäher ist weiter aufgetaut und zum Vergleich gibt es ein Bild das gestern (13. Mai), also gut zwei Wochen nach dem ersten Bild aufgenommen worden ist.

rasenmaher_update_150514
Und so sieht es zwei Wochen später (2017-05-14) aus

Neue Serie "Kitchen Sink" - Essenskultur und Kultur in Schweden

Als ich kurz vor Weihnachten in einer echt schwedischen Küche stand, wurde mein Blick geradezu magisch vom Spülbecken abgezogen. Mein Blick schweifte dorthin und dieser Augenblick war geradezu eine Offenbarung.

Was sagt ein Abfluss im Spülbecken über die Essenskultur und überhaupt über die Kultur eines ganzen Landes aus? Sehr viel! Drei Monate lang habe regelmässig diese schwedische Küche besucht. Dabei sind jede Menge Bilder entstanden.

Vor einigen Tagen habe ich nun mein neues Projekt "Kitchen Sink" abgeschlossen. Eine Serie in der es um die Essenskultur und generell die Kultur in Schweden aus der Perspektive eines Ausgusses im Küchenwaschbecken geht.

-> Zur Serie "Kitchen sink"



Eines der Bilder aus der neuen Serie „Kitchen Sink“

Frohe Ostern! / Happy Easter! / Glad Påsk!

Frohe Ostern! / Happy Easter! / Glad Påsk!


Mehr info? Want to know more? Vill du veta mer?

-> Johannes 20:1-18

(Please choose your language / Välj ditt språk i menyn som är märkt med flaggan)

Das Schwedische Meteorologische und Hydrologische Institut - Der schwedische Wetterdienst (kurz: SMHI)

Das liebe Wetter steht häufig im Zentrum der Aufmerksamkeit und der Wetterbericht ist oft die Grundlage für Planungen aller Art. Anlass genug, einen Blick auf aktuelle Entwicklungen beim Schwedischen Wetterdienst zu werfen.

Ein geflügeltes Wort in Schweden lautet ungefähr so:

"Der norwegische Wetterdienst weiss vorher, wie das Wetter wird; der schwedische Wetterdienst weiss dann nachher, wie das Wetter gewesen war."

Das Schwedische Meteorologische und Hydrologische Institut (kurz: SMHI) ist eine staatliche Behörde, die dem schwedischen Umwelt- und Energieministerium unterstellt ist. Die Aufgabe des SMHI ist es, Prognosen für Wetter, Wind, Wasser sowie Klima und Umwelt zu erstellen. Die Arbeit ruht auf drei Säulen: Meteorologie, Hydrologie und Ozeanografie. Der Sitz der 1945 gebildeten Behörde war zu Beginn in Stockholm; seit 1975 ist sie in Norrköping angesiedelt.

Schweden ist in insgesamt 19 Distrikte aufgeteilt, für die Prognosen sowie aktuelle Unwetter- und Brandrisikowarnungen erstellt werden. 

Wie alle schwedischen Behörden erhält auch das SMHI von der Regierung - jeweils zum Jahreswechsel - einen sog. "Regleringsbrev" in dem der Auftrag der Regierung an die Behörde - unter Zugrundelegung der Vorgaben des jeweiligen Haushaltsplanes ("Statsbudget") - jährlich aktualisiert wird. 

Im aktuellen Regleringsbrev hatte die Regierung nun ein Einsehen in der Frage der Vorhersagegenauigkeit des SMHI (Quelle: DN vom 21.03.2017). 

In den vergangenen Jahren war die Vorgabe der Regierung an das SMHI wie folgt formuliert:

"Die Prognosen des SMHI sollen eine Vorhersagegenauigkeit von mindestens 85 Prozent aufweisen." 

Das Problem: In den zurückliegenden 10 Jahren hat das SMHI diese Vorhersagegenauigkeit leider nie erreichen könnn. Man ist zwar ziemlich nahe an die Vorgaben heran gekommen (will sagen: 83 Prozent), hat die Vorgaben aber letztlich nie erfüllen können.

Besonders bei den Unwetterwarnungen lag das SMHI sogar im Schnitt mit 29% daneben. Und all das obwohl das SMHI in den zurückliegenden Jahren in grossem Masse in die IT-Infrastruktur investiert hat, um die Prognosen detaillierter und zuverlässiger zu machen. Dennoch waren diese Massnahmen nicht vom erhofften Erfolg gekrönt.

Nun birgt gerade das Wetter mannigfaltige Risiken, die eine Vorhersage nicht einfach machen. Daher herrscht jetzt grosse Erleichterung beim SMHI, dass die Regierung ihre Vorgaben für das Jahr 2017 wie folgt verallgemeinert und umformuliert hat:

"Die Wetterprognosen des SMHI sollen eine gute Grundlage für die Entscheidungen der Allgemeinheit und der Beteiligten am gesellschaftlichen Leben bieten, und gleichzeitig eine langfristige Verbesserung der Vorhersagegenauigkeit beinhalten."

Die offizielle Begründung für die Veränderung ist übrigens, dass es gar nicht klar sei, ob eine Zuverlässigkeit von 85% überhaupt eine hinreichende Zuverlässigkeit ist. Das mag zu Überlegungen motivieren, ob es dann nicht besser gewesen wäre, die Vorgabe stattdessen auf 90% zu erhöhen. Nicht so in Schweden.

In der Praxis heisst das, dass die Prognosen nun mit noch mehr Vorsicht zu geniessen sind.

PS: Der weitaus treffsicherere norwegische Wetterdienst ist hier zu finden :)

Regen, Schnee oder Sonnenschein? Lass das nicht des SMHI Sorge sein :D
Regen, Schnee oder Sonnenschein? Lass das nicht des SMHIs Sorge sein :D

Die Schweden und der Alkohol

Alkohol in Schweden - Balsam für die schwedische Seele?

Vorbemerkung: Dieser Artikel basiert auf allgemein zugänglichen Quellen, Statistiken sowie eigenen Wahrnehmungen aus den zurückliegenden zehn Jahren, in denen wir hier leben.  Wie bei allen empirischen und evidenzbasierten Aussagen kann kein Rückschluss auf einzelne Individuen gezogen werden. Es geht hier vielmehr um die Beschreibung des Zustandes der schwedischen Gesellschaft und die Tendenzen innerhalb derselben im Allgemeinen.

Das schwedische statistische Zentralbüro (SCB) hat kürzlich die Ergebnisse einer grossen Studie zum allgemeinen Gesundheitszustand der Einwohner Schwedens veröffentlicht. Die Studie wurde von 2013 bis 2016 in der Altersgruppe von 16 bis 84 Jahren durchgeführt. 

Ein Teil der Ergebnisse ist schockierend: 

Jeder fünfte Mann und jede achte Frau in Schweden sind Alkoholiker. In Västerbotten z. B. sind 14% der Männer und 12% der Frauen, in Norrbotten 18% der Männer und 12% der Frauen betroffen. Die meisten Alkoholiker gibt es - der Studie zufolge - in Stockholm und Uppsala.


I. Anlas genug, sich der Thematik hier einmal anzunehmen. Ausgangspunkt soll eine geschichtliche Betrachtung des Verhältnisses der Schweden zum Alkohol sein.

Probleme mit dem Alkohol gab es in Schweden bereits vor Jahrhunderten.

Nach langen und leidenschaftlichen Auseinandersetzungen um das Pro und Contra erfolgte im Jahre 1766 durch König Adolf Fredrik ein Erlass, nach dem alle Beschränkungen im Zusammenhang mit der Produktion und dem Konsum alkoholhaltiger Getränke aufgehoben wurden. 

Ein Ergebnis der königlichen Verfügung war, dass schlagartig beinahe alle schwedischen Haushalte mit der Herstellung alkoholhaltiger Getränke begannen. Die Folgen zeigten sich u. a. in der Landwirtschaft, denn grosse Mengen an Getreide und Kartoffeln, die eigentlich als Viehfutter  gedacht waren, flossen jetzt in die Produktion der hochprozentigen Getränke.

Schätzungen zufolge gab es zum Beginn des 18. Jahrhunderts in Schweden ungefähr 175.000 private Schnapsbrennereien.  

Staatliche Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. 

Fünfzig Jahre später entstand in der Stadt Falun, in Darlana gelegen, eine erste Beschränkung. Es wurde das erste Alkhoholmonopol gegründet und war ganz im Sinne der staatlichen Interessenlage.

Die Stadtverwaltung hatte nämlich beschlossen, dass der Alkoholverkauf in der Stadt reguliert werden und „verantwortungsvoll“ erfolgen sollte.

Auf Reichsebene wurde es dann 1860 illegal, alkoholhaltige Getränke an Personen unter 18 Jahren zu verkaufen und eine neue Herstellungsverordnung verbot die seit 1766 legale Heimbrennerei.

Ebenfalls im Jahre 1860 öffnete in Göteborg die erste staatlich zugelassene Bar, die den Namen „AB Göteborgssystemet“ hatte. Die Regelungen sahen vor, dass angetrunkenen Personen die Bedienung verweigert und gekaufte Spirituosen nicht mitgenommen werden durften, sondern an Ort und Stelle verkonsumiert werden mussten. 

Dieses System setzte sich auf breiter Front durch und bald war das gesamte Land mit solchen staatlich reglementierten Bars überzogen. Nachdem das Konzept sich so schnell durchgesetzt hatte wurde 1870 beschlossen, dass die Gewinne aus den Bars an den Staat zu fallen hatten.

Während des ersten Weltkrieges war Alkohol in Schweden strikt rationiert. 

Seit  Beginn des 19. Jahrhunderts gab es zudem eine neue sund tarke gesellschaftlichen Kraft: Die so genannte „Nüchternheitsbewegung“ („Nykterhetsrörelsen“). 

Zahlreiche Vereine, Gemeinden und andere Organisationen engagierten sich gegen die Trunksucht in Schweden. Dadurch entstand eine breite Front, die zu einer der stärksten Einflüsse in der zeitgenössischen Politik wurde.

Um die gesellschaftlichen und individuellen Probleme mit dem Alkohol von staatlicher Seite aus in den Griff zu bekommen, wurde - zunächst in einigen Landesteilen lokal ab dem Jahre 1914 und landesweit ab 1917 - das System der „Alkoholbezugsbücher“ („Motbokskontrollen“) eingeführt. Das nun neu geborene System hörte auf den Namen „Brattsystemet“, benannt nach einem der Erfinder, dem Arzt Ivan Bratt.

Die Idee war einfach, aber effektiv: 

Ein individuelles Bezugsheft berechtigte zum Einkauf alkoholischer Produkte. Jeder Einkauf wurde im Heft mit Datum, sowie Art und Anzahl der gekauften Produkte vermerkt. Nicht alle Schweden hatten Zugang zu einem solchen Bezugsheft. Wer unter 21 Jahren alt war, oder bereits bekanntermassen Alkoholprobleme hatte, blieb beim Einkauf aussen vor. 

Im gleichen Jahr, 1917, wurde auch das „Aktiebolaget Spritcentralen“ gegründet (umgangssprachlich als „Vin & Sprit“ bezeichnet), das ein staatliches Monopol auf den Verkauf aller alkoholhaltigen Getränke erhielt.

Der Kampf um den Alkohol und die Trunksucht in Schweden hatte dann seinen Höhepunkt im Jahre 1922. 

Es kam zu einer landesweiten Volksabstimmung mit der Frage, ob der Verkauf alkoholhaltiger Getränke in Schweden generell verboten werden sollte. Das Ergebnis war so knapp, wie man es sich nur vorstellen kann.

Von insgesamt 3.302.483 Wahlberechtigten nahmen 1.820.452 (d.h, 55,1 %) an der Abstimmung teil (mehr Personen, als an der Reichstagswahl 1921 teilgenommen hatten, nämlich nur 54,2 %). 

Das Wahlergebnis über das Verbot vom Verkauf des Alkohols lautete:  
925.097 Nein-Stimmen (51 %) und 889.132 Ja- Stimmen (49 %). Insgesamt 6.223 Stimmen waren aus formellen Gründen ungültig. 

Die Gegner eines generelles Verbotes konnten sich also nur um Haaresbreite nicht durchsetzen. Nach der Volksabstimmung beschloss der Reichstag somit kein generelles Verbot, setzte aber die äusserst restriktive Alkoholpolitik fort. 

Die Alkoholbezugsbücher blieben infolge der restriktiven Politik bis 1955 erhalten. Ebenfalls 1955 wurde das staatliche Alkoholmonopol auf das heute immer noch existierende „Systembolaget“ übertragen. 

Die Anforderungen an das Recht zum Kauf alkoholhaltiger Getränke wurden verändert und hinzu kam, dass der Verkauf nicht erfolgen durfte, wenn damit zu rechnen sei, dass der Käufer die gekauften Waren an Dritte weiterverkaufen oder weitergeben würde.

Die Abschaffung der Bezugsbücher zeigte dennoch spontanen Erfolg: 

Der Verkauf von alkoholhaltigen Getränken stieg bereits im ersten Jahr nach der Abschaffung um 25 %. Um diesem neuen Trend entgegen steuern zu können wurden kurze Zeit später Steuererhöhungen auf alkoholhaltige Getränke und eine Ausweispflicht beim Kauf eingeführt.

1969 wurde das Mindestalter für den Einkauf auf 20 Jahre gesenkt.

Das Systembolaget ist noch heute die exklusive Bezugsquelle für alkoholhaltige Getränke (mit Ausnahme des sog. „Leichtbiers“ („Lättöl“), das maximal 2,25 Volumenprozent Alkohol enthalten darf). Sogar die Öffnungszeiten des Systembolaget sind staatlich geregelt. 

Sonntags ist stets geschlossen und an Samstagen ist nur bis zwischen 13 und 15 Uhr geöffnet (je nach der Grösse der Filiale).

1979 wurden neue, verschärfte Regeln für die Werbung für alkoholhaltige Getränke erlassen. Werbeanzeigen durften ab diesem Zeitpunkt nur noch in besonderen Fachzeitschriften veröffentlicht werden.

1995 wurde Schweden Mitglied der EU. 

Im Zuge dessen wurden auch die Regeln um den Alkoholverkauf angepasst. Nach einer Entscheidung des EuGH durfte das Monopol des Systembolagets beibehalten werden. Der  Direktimport alkoholhaltiger Getränke aus anderen EU-Staaten ist seitdem aber zulässig, weil sonst die unmittelbar aus dem EU-Vertrag folgende Waren- und Dienstleistungsfreiheit beeinträchtigt würde. 

Dasselbe gilt nach Ablauf der siebenjährigen Übergangsfrist im Jahre 2002 auch für die private Einfuhr alkoholhaltiger Getränke aus anderen EU-Ländern.

Soweit der geschichtliche Hintergrund.


II. Nun zu Empirie und Statistik.

1. Die Begrenzungen in Sachen Alkohol gelten u. a. auch in der Apotheke und bei Koch- und Backwaren. Der Hustensaft in Schweden ist alkoholfrei (was die interessierten Fragen einiger schwedischen Besucher erklärt, ob wir denn „deutschen Hustensaft“ für sie hätten). Gleiches gilt für eingelegte Kirschen oder Backaromen.

2. Die Anonymen Alkoholiker gibt es natürlich auch in Schweden. Sie hören hier auf den Namen „Länkarna“ und machen eine durchweg grundsolide Arbeit. Leider wird das meist segensreiche Wirken nicht allerorts erkannt. In einer Kommune ganz in der Nähe wurde z. B. im vergangenen Jahr der subventionierte Mietvertrag der kommunalen Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft über das Vereinshaus der Länkarna mit der Begründung gekündigt, dass sich alle Betroffenen mit Alkoholproblemen doch einfach direkt an die Kommune wenden könnten. Unklar ist, an wen sie sich wenden sollen und welche Hilfe sie dort erhalten können. Von der Frage, dass die Betroffenen dann gleich kommunal aktenkundig sind einmal ganz abgesehen. So kann kein Vertrauen aufgebaut werden, dass die Grundlage jeder Veränderungsmöglichkeit ist.

3. Früher waren in Deutschland die „Butterfahrten“ populär. In Schweden geht es eher um „Alkoholfahrten“, will sagen: Günstige Städtereisen ins europäische Ausland erfreuen sich mit dem primären Ziel des preisgünstigen Alkoholkonsums äusserst grosser Beliebtheit. Drei Tage Berlin für 79 Euro (Busreise) sind an der Tagesordnung.

4. Das seit 1860 bestehende Verbot der Heimbrennerei wird noch heute systematisch unterlaufen. In vielen Dörfern weiss jeder Einwohner sehr genau, wer eine eigene Brennerei betreibt und unter der Hand Hochprozentiges feilhält.

5. Deutlich wird, dass Probleme mit dem Alkoholkonsum in Schweden seit Jahrhunderten bestehen. Die Erklärungsversuche, warum das so ist, sind mannigfaltig. Oft wird auf die langen Winter mit der ausgedehnten Dunkelheit verwiesen. Diese würden dazu führen, dass die Menschen eine Möglichkeit zur „Realitätsflucht“ benötigen würden. Ein Körnchen Wahrheit mag sich in dieser Theorie verbergen, aber andere Länder haben auch ihre spezifischen Probleme, die sie nicht systematisch „im Alkohol ertränken“. Zudem erhellt ein Blick auf die Landkarte, dass es die ausgeprägten Probleme mit der Dunkelheit eigentlich nur ab Sundsvall nordwärts geben dürfte.

Neue Studien zeigen zudem, dass der Alkoholkonsum in Schweden weiterhin stetig steigt (während er in vielen südeuropäischen Ländern sinkt).
Der Alkohol in Schweden ist also eine Art Mysterium. 

6. Eigene Ursachenforschungen und Befragungen in unserem Freundes- und Bekanntenkreis aus den zurückliegenden 10 Jahren ergeben ein interessantes Bild. 

Fast alle der befragten Schweden geben ein aufschlussreiches Trinkschema an: Getrunken wird meist in Gemeinschaft mit anderen. 

Das läuft so ab, dass bewusst ein Rahmen zum Trinken geschaffen und organisiert (Materialbeschaffung!) wird, innerhalb dessen dann in der Regel getrunken („gesoffen“ wäre wohl hier das treffendere Wort) wird bis zum sprichwörtlichen Abwinken. In der Gemeinschaft fällt die Hemmschwelle des ansonsten allgegenwärtigen gesellschaftlichen Tabus und wenn Schweden etwas tun, dann stets systematisch, wohl geordnet und bis zum bitteren Ende. 

Besonders problematisch ist es, dass das Durchschnittsalter dieser Trinkgelage statistisch gesehen fällt. Es ist heutzutage durchaus üblich, dass die Abgänger des Gymnasiums (Altersdurchschnitt: 16 Jahre) sich regelmässig ins Koma saufen -  und das gewiss nicht mit der Flasche aus dem Leichtbierregal!

Die Schweden und der Alkohol

Geplante Obsoleszenz, Teil 4: Töpfe mit Henkel innen, und so

Heute mal wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie zur geplanten Obsoleszenz. Diesmal von der gefährlicheren Sorte.

Es ist eine Sache, wenn die Kompaktkamera nach einer bestimmten Anzahl an Auslösungen geplant den Geist aufgibt. Als wir seinerzeit die statistischen Auffälligkeiten bei der Lebensdauer bestimmter Produkte aus dem fotografischen Umfeld erkannt hatten, sind wir erstmals auf das Thema aufmerksam geworden.

Die geplante Obsoleszenz begegnet uns im Alltag in vielfältigen Facetten und ist heutzutage omnipräsent. Ist ja irgendwie auch verständlich, denn Konsum und Wirtschaft müssen schliesslich am Laufen gehalten werden (Stichwort: Konsumismus).

Was aber, wenn sich das Phänomen in Bereichen zeigt, bei denen es zu ernsten, ja lebensbedrohlichen Gefahren führen kann? Und das ist nicht nur bei Herz-Lungen-Maschinen der Fall.

Was ist geschehen?

Vor einigen Tagen versammelte sich die Familie unerwartet und mehr oder weniger hungrig um den grossen Küchentisch. Ein Blick in den Kühlschrank führte zur Erkenntnis: Es gibt eine Suppe. Gesagt, getan.

Nach einigen Minuten köchelte eine Champignoncremesuppe beschaulich vor sich her. Der Einfachheit halber wollte ich den Suppentopf einfach in die Mitte des gedeckten Tisches stellen. Gar keine gute Idee. Denn als ich zu den Topflappen griff und den Topf vom Herd in Richtung Tisch transportierte gab es einen metallischen Knall und ich hatte den Topf mit einem Henkel in der rechten Hand, den anderen Henkel in der linken Hand und ungefähr zwei Liter Champignoncremesuppe flächendeckend um mich herum verteilt. Es grenzte an ein Wunder, dass niemand dabei eine grössere Portion abbekommen hat, denn die kochendheisse Suppe hätte zu gediegenen Verbrennungen führen können. Ich war stinksauer.

Abend grub ich in dem Ordner mit Kaufbelegen und tatsächlich: Die Quittung vom Kauf war noch vorhanden. Das Teil war ein Markentopf der preislichen Mittelklasse mit zwei Jahren Garantie (die Veröffentlichung des Herstellers behalte ich mir vor). Vor exakt zwei Jahren und drei Monaten gekauft.

Ich zeigte den Topf einem befreundeten Matallhandwerker, der nur kurz lächelte und mich sogleich auf die absolut mangelhafte Ausführung der Schweisstellen aufmerksam machte. Er meine sinngemäss es sei erstaunlich, dass die Henkel überhaupt so lange gehalten hätten. Es sei abzusehen gewesen, dass die Henkel nach einer bestimmbaren Anzahl von Nutzungen abbrechen würden.

Was soll ich sagen? Müssen wir künftig als Verbraucher - wenn wir denn solche von der „mündigen“ Sorte sein wollen - alle Produkte erst einmal fachmännisch auf Schwachstellen untersuchen lassen? Oder müssen (besser: sollen) wir jetzt alle Gegenstände und Geräte künftig einen Monat vor Ablauf der Garantiezeit einfach wegwerfen?

Beim Kochtopf geht es - im Gegensatz zum „elektronischen Spielzeug“ - immerhin um einen Gegenstand, dessen Versagen zu erheblichen Gesundheitsgefahren führen kann.

Bin etwas ratlos aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass da etwas gewaltig schief läuft.

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In eigener Sache: DANKE!

Ein Jubiläum in Lappland. Ist das ein Grund zum Feiern oder zum Trauern? Gute Frage. Jedenfalls haben wir gefeiert, denn "Mann" gönnt sich ja sonst nur wenig. Ein herzliches Dankeschön an die beste Ehefrau der Welt und an alle Gäste (ganz besonders an einen guten Freund der Familie).

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DANKE, DANKE, DANKE

Ich wusste, dass Ihr die Besten seid! Wir haben ein beschämend grosses Echo auf den Aufruf erhalten und viele (!!!) Kugelschreiber sind beim Empfänger gelandet und werden demnächst noch bei ihm landen. Ein riesengrosses Dankeschön an alle, die sich gemeldet und beigetragen haben. Ihr habt die Welt - zumindest die Welt eines kleinen Jungen - besser gemacht. DANKE!

Aufruf: Bunte Kugelschreiber mit Werbeaufrduck gesucht

Heute brauchen wir die Hilfe aller Leserinnen und Leser. Vergangene Woche sind wir auf eine Kleinanzeige auf der schwedischen Plattform "Blocket" aufmerksam geworden.

Bildschirmfoto 2017-01-04 um 16.39.10


Dort bittet die Mutter eines 10-jährigen autistischen Jungen um Mithilfe.

Ihr Sohn hat nämlich ein Spezialinteresse: Er sammelt Kugelschreiber, am besten bunt und mit Werbeaufdruck. Seine Kugelschreibersammlung ist wohlsortiert und ist sein "Ein und Alles". Die Mutter sucht nun händeringend nach weiteren Kugelschreibern.

Deswegen unser Aufruf: Wer überflüssige Werbekugelschreiber in seinem Bestand hat (müssen nicht mehr funktionieren!), möge bitte per Mail Kontakt mit uns aufnehmen. Wir vermitteln dann den Kontakt. 

Danke schön!


kugelschreiber_01_2016

2017

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.


- Urheber umstritten

Deswegen belasse ich es vielleicht besser bei einem Rückblick auf das zurückliegende Jahr, als einen Ausblick auf das neue Jahr zu wagen.

Wie immer liegt der Fokus meines "Jahresendbeitrages" auf Schwedisch-Lappland um mich nicht in die Versuchung zu bringen, Gesellschaft und Politik im Allgemeinen zu kommentieren.

Nordschweden hat im alten Jahr unter deutlich grösserem Sparzwang gelitten, als in früheren Jahren. Spürbar wird was an mancherlei Stellen. Gespart wird z. B. am Unterhalt der öffentlichen Wege und der Schneeräumung. Auch die Wartezeiten im Gesundheitswesen sind weiter gestiegen. Von Angestellten im Gesundheitswesen und in der Altenpflege haben wir dieses Jahr katastrophale Berichte gehört. Ein Highlight in diesem Zusammenhang war die kollektive Eigenkündung fast aller Altenpflegerinnen in der Kommune Arjeplog. Genützt hat das freilich wenig, dort - wie auch in Skellefteå - stöhnen die Angestellten unter der Arbeitsbelastung. Neues Personal gibt es trotzdem nicht, denn in den öffentlichen Kassen ist Ebbe.


Zum Wetter: Der Winteranfang 2016 war völlig ungewöhnlich. Die vergangenen Wochen gab es immer wieder kürzere Perioden mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Resultat: Es liegt exrem wenig Schnee und fast alle Strassen sind mit einer soliden Eisdecke versehen, die durch den beständigen Wind (auch sehr ungewöhnlich) abgeschliffen und fein poliert wird. Das Autofahren ist zur echten Herausforderung geworden.


Zu den "lieben" Einwanderern: 2016 sind so viele Einwanderer aus europäischen Ländern (zumeist Deutsche) in der Region aufgeschlagen, wie schon lange nicht mehr. Dazu fällt mir spontan eine Anekdote aus Kindertagen ein:

Beim Betrachten des Verhaltens deutscher Mitbürger an italienischen Stränden meinte mein Vater oft trocken "Da hat die Exportkontrolle wieder versagt". Viel mehr habe ich zu diesem Thema auch nicht zu sagen.

Oder doch?

Ich hoffe und bete, dass die Neueinwanderer nicht noch viel mehr verbrannte Erde schaffen und zurücklassen, wie viele ihrer Vorgänger. Das Phänomen ist leider auch aus anderen Einwanderungsländern bekannt. In einem Forum habe ich kürzlich den Spruch gelesen:

"Hüte Dich vor Sturm und Wind, und Deutschen, die im Ausland sind!"  

Daher der Tipp: Von ehemaligen Landsleuten hält man hier am besten gebührenden Sicherheitsabstand. Traurig, aber wahr.


Der Tourismus: Die Zahlen steigen. Mässig, aber beständig. Sehr schade ist, welches Bild von Lappland - insbesondere bei den Paketreisen - vermittelt wird, denn Lappland ist mehr als nur ein angebliches Paradies für Schlittenhundetouren in der Winterzeit. In diesem Zusammenhang der Hinweis: Bei vielen (nicht allen) Anbietern von Schlittenhundetouren führen die Hunde ein jämmerliches und erbärmliches Dasein. Der Blick hinter die Kulissen sei dringend empfohlen.


Die schwedische Wirtschaft: Die politischen Pläne für die Grossregion Nord sind dieses Jahr (wieder einmal) gescheitert. Viele hatten sich davon eine Stärkung der Wirtschaft in Nordschweden erhofft. Nun wird es wohl wieder einige Jahre bis zum nächsten Anlauf dauern. Ich finde das Scheitern nicht so dramatisch, denn bei jeder Zentralisierung gehen Eigenständigkeit und Bürgernähe verloren. Die kürzlich angekündigte neue Schwerverkehrsabgabe wird dafür sorgen, dass die Wirtschaft im Norden leiden wird. Denn hier sind alle Wege geografisch bedingt weiter, als in Südschweden. Preissteigerungen werden die Folge sein.

A propos Preissteigerungen: Die Inflationsrate in Schweden hält sich unter zwei Prozent. Subjektiv wahrgenommen ist die kontinuierliche Preissteigerung bei Gütern des täglichen Bedarfs aber deutlich spürbar und liegt bei - im begrenzten Portfolio gemessenen Bereich - eher bei fünf Prozent. 


Bildung und Ausbildung:
Schweden klagt nach wie vor über die sich verschlechternden PISA-Resultate. Die Diskussionen darüber werden heiss geführt (und ich will mich in der Sache gar nicht dazu äussern), aber seriösen Einwanderern mit schulpflichtigen Kindern sei ausdrücklich geraten, sich im Vorfeld schlau zu machen, in welchen Kommunen die Bildung besser funktioniert. Was mir in diesem Zusammenhang besonders auffällt ist die zunehmende Zahl an Kindern und Jugendlichen in Schweden, die mit schwerem ADHD diagnostiziert werden.

Der in Schweden sehr populäre Genderismus hinterlässt übrigens auch im Schulwesen deutliche Spuren. Es ist mittlerweile ein Benachteiligungsmerkmal, wenn man das "falsche Geschlecht" hat: Die schulischen Leistungen von Jungen sind im Vergleich zu denen von Mädchen auf einem historischen Tiefstand (Tendenz: Weiter fallend).

Bei alledem kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir auf mittelfristige Sicht auf eine gesellschaftliche Katastrophe zusteuern. 

Nun sind wir gespannt, was uns 2017 bringen wird. Wir hoffen das Beste.

Allen Leserinnen und Lesern eine guten Start in das neue Jahr!

2017 - Ungewisse Zukunft
Ungewisse Zukunft

Fröhliche Weihnachten!

„Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die ward schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HERR kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“


Evangelium nach Lukas Kapitel 2 Verse 1 bis 20


Fröhliche Weihnachten!
Joyeux Noël!
Merry Christmas!
Feliz Navidad!
Buon Natale!
God Jul!


Fröhliche Weihnachten!


Winter-Minimalismus in Lappland - Dez. 2016

In Sachen Fotografie tendiere ich immer mehr zum "Keep it simple" und zum Minimalismus. Der Winteranfang in Lappland bietet dafür ungeahnte Möglichkeiten. Nichts ist schöner als zu beobachten, wie die wachsende Schneedecke die Landschaft nivelliert und zunehmend "vereinfacht". Besonders reizvoll wird es, wenn nur noch einige Spitzen aus der Schneedecke herausragen.

Dann ist erst einmal Schwerstarbeit angesagt: Mit hohen Winterstiefeln, oder besser gleich mit den Schneeschuhen geht es in die freie Naur auf der Suche nach würdigen Motiven. Und die sind dann meistens an unzugänglichen und unbequemen Stellen zu finden, oder wollen aus schwer erreichbaren Perspektiven betrachtet werden. Nach einigen Stunden schliesslich sind dann Fotograf und Kamera durchnässt, aber glücklich (was die Frage aufwirft, ob eine Kamera glücklich sein kann, aber egal?). Aber die erhoffte Serie ist im Kasten. Und das alles sogar ohne lästiges Stativ.

-> Zur Bilderstrecke: Winter-Minimalismus 2016 in Lappland

Winter-Minimalismus in Lappland - Dez. 2016

Angekündigte Obsoleszenz, Vergänglichkeit und der Kult des Konsumismus

Dem Thema der sog. „geplanten Obsoleszenz“ habe ich bereits zwei Artikel gewidmet: „Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht“ und „Geplante Obsoleszenz, Teil 2: Die kommende Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO)“.

Heute kann das Repertoire der geplanten Obsoleszenz um eine neue Spielart erweitert werden, die der „angekündigten Obsoleszenz“.

In Schweden gilt bekanntlich, dass alle Fahrzeuge auch bei Tag mit Licht fahren müssen. Zugelassen sind dabei das klassische Abblendlicht und das modernere „Tagfahrlicht“ (nicht zu verwechseln mit dem klassischen Standlicht).

Das ist eine feine Sache für die Hersteller von Ersatzglühbirnen, deren Lebensdauer schliesslich endlich ist. Das das Licht ständig eingeschaltet ist, verschleissen folglich auch die Glühlampen schneller. Die vergangenen Jahre ist mir aufgefallen, dass das Wechselintervall der Birnen subjektiv irgendwie immer kürzer geworden ist. Nachdem vergangene Woche wieder einmal eine H7-Lampe auszuwechseln war, habe ich mir die Verpackung derselben genauer unter die Lupe genommen.

h7_lifetime


Dort ist die angekündigte Obsoleszenz sogar ganz deutlich aufgedruckt. Die Lebensdauer der neuen Birne eines namhaften Herstellers liegt - laut Beschreibung - bei ungefähr 500 Stunden. Das klingt nach viel, aber ein einfaches Rechenbeispiel bringt Licht ins Dunkel. Hier in Nordschweden sind lange Strecken zurück zu legen. Zwei bis vier Stunden Fahrzeit pro Tag sind an der Tagesordnung. Legen wir zwei Stunden zugrunde, so beträgt die Lebensdauer der Birne - basierend auf der Herstellerangabe - ungefähr 250 Tage. Kommen noch einige richtige Langstrecken hinzu, verkürzt sich die Lebensdauer in Tagen entsprechen.

Bereits eine schnelle Recherche lüftet den Schleier und führt zum sog. Phoebuskartell. Bekannt wurde das Kartell durch die Absprache zur Begrenzung der Lebensdauer von Glühlampen auf 1.000 Stunden. Es ist umstritten, ob es sich hierbei um eine legitime Normung oder eine illegitime Kartellabsprache handelte. Von Seiten der Beteiligten heisst es, dass Absprachen zur Lebensdauer von Glühbirnen heute nicht mehr existieren würden.

Ich habe also einfach einen alten Bekannten angerufen, der in der Branche tätig ist und mich nach den theoretischen Möglichkeiten erkundigt. Die Antwort hat mich in eine Art Schockstarre versetzt. Theoretisch wäre es nämlich kein Problem, Halogenbirnen für den Gebrauch im PKW mit einer Lebensdauer von 15.000 Stunden herzustellen (vergleichbare Birnen gibt es sogar auf dem Markt, z. B. für die Verwendung in Verkehrsampeln).

Aber was beklage ich mich. Geplante oder angekündigte Obsoleszenz sind doch bereits Schnee von gestern. Heutzutage haben Unternehmen solche technischen Regulierungen doch gar nicht mehr nötig. Es reicht völlig, wenn kurz nach dem Verkaufsstart eines Produktes etwas Neues auf den Markt geworfen wird. Die vor einem Jahr noch brandaktuelle Ware wird vom Konsumenten dann selbst freiwillig als überholt oder gar überflüssig eingestuft und durch die aktuelle Ware ersetzt. Die geplante Obsoleszenz wird so zur geplanten Vergänglichkeit der Ware. Die gesamte Elektronikbranche lebt davon, denn so gut wie kein Mensch braucht die ständig neuen Produktgenerationen. Ich nenne das den „Kult des Konsumismus“.

Das Problem dabei ist, dass mittlerweile unser gesamtes Wirtschaftssystem auf dieser Weltanschauung beruht.

Der Philosoph und Soziologe Zygmunt Bauman hat das ironisch zum Ausdruck gebracht. In seiner ethischen Richtschnur für das Konsumleben rät er, „es tunlichst zu vermeiden, dauerhaft zufrieden zu sein. Für eine Gesellschaft, die die Zufriedenheit der Kunden zu ihrem einigen Motiv und wichtigsten Ziel erklärt, ist ein wunschlos glücklicher Kunde weder ein Motiv noch das Ziel, sondern die furchteinflössendste aller Bedrohungen.“

Der Konsumismus ist also im Kern ein Kult der Unzufriedenheit, des Unglücks und der Undankbarkeit. Die Folgen sind Dauerstress, Selbstzweifel, Depressionen und Beziehungsprobleme.

In diesem Zusammenhang gewinnt auch der neue Begriff der „Stuffocation“ an Bedeutung. Das Kunstwort ist aus den Worten „stuff“ (Zeug) und „suffocate“ (ersticken) zusammen gesetzt: Der Mensch droht am gehorteten Zeug zu ersticken (die Alternative dazu ist die durch die „schmutzige“ Entsorgung der alten Produktgenerationen entstehende Umweltkatastrophe).

Der einzige Ausweg scheint mir ein bewusst einfacher Lebensstil, der sich auf das wirklich Notwendige beschränkt und mit einem klugen Umgang mit den begrenzten Ressourcen einher geht, zu sein. Gerade die Vorweihnachtszeit bietet sich an, darüber nachzudenken und Verzicht zu üben.

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Lappland - Das liebe Wetter - Der liebe Winter

Heute wieder einmal - wegen der vielen Fragen, die uns dazu erreicht haben - ein Update zum Wetter. Wie sieht es aus dem Winteranfang in Lappland 2016?

Kurz gesagt: Es schneit und schneit. Im Langzeitvergleich ist der Winteranfang untypisch, denn es gibt viel zu viel Niederschlag (sprich: Schnee). Bislang gab es erst eine kurze richtige Kälteperiode (einige Tage bei minus 10 bis 20 Grad C). Ansonsten dümpeln die Temperaturen um den Gefrierpunkt herum, was die perfekte Voraussetzung für Schneefall von der übelsten Sorte ist: Richtig nasser und schwerer Schnee.

Das "Snöskottning" (schwedisch für Schneeräumen) wird dadurch zur echten Knochenarbeit. Die grossen Flächen lassen sich zwar mit der Schneefräse (Gott sei Dank für diese Erfindung!) räumen, der schwere Schnee macht aber auch das zur Schwerstarbeit. Und die kleinen Wege, die Ecken und die Kanten werden ohnehin - wie immer - von Hand geräumt.

Um es mit den Worten von Frau Lapplandbog zu sagen: Andere gehen ins Bodybuilding - wir räumen Schnee :)

Die Langzeit-Wetterprognosen (z. B. von The Weather Company) verheissen derzeit auch nichts Gutes. Dezember und Februar sollen kälter und schneereicher werden, als es dem statistischen Durchschnitt entspricht. Lediglich der Januar soll etwas wärmer als normal werden.

In Zentimetern gemessen liegen derzeit (Stand: 26.11.2016) im Inland von Västerbotten ca. 35-40 cm Schnee. Das ist ungefähr das Doppelte des Langzeit-Durschnitts.

Die ungewöhnlich starken Schneefälle haben bereits mehrfach zu erheblichen Infrastrukturproblemen (Verkehrschaos und Stromausfälle) geführt. Wir werden sehen, wie es weitergeht.

Tipp: Alle Norrlandurlauber seien ermahnt, gute Nerven und viel Zeit mitzubringen und auf Unvorhergesehenes vorbereitet zu sein.

Ich verweise auf unsere fünfteilige Beitragsserie zu den "Wintervorbereitungen in Lappland", die hier zu finden ist.


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Lappland - Schön anzusehen, aber beschwerlich: Grosse Mengen Schnee

Zukunft im Spiegel (Future II)

Zukunft im Spiegel (Future II)
Fortsetzung von Teil 1

Über Künstler, Kunst und Skalierbarkeit [Nachtrag / Update 2016-11-13 und 2016-11-26]

Künstler erkennst du daran, dass sie etwas erschaffen das nicht skalierbar ist.

Henning Wüst, meinem lieben Freund Thomas S. gewidmet


Nachtrag / Update 2016-11-13:

Zu diesem Artikel kam - auf verschiedenen Kanälen - erstaunlich viel Feedback rein. Martin hat in den Kommentaren geschrieben und seinen Mut möchte ich „belohnen“ indem ich seine Frage hier hinein kopiere und zum Anlass nehme, das Thema noch etwas tiefer und breiter zu illustrieren.

Martin schrieb:

Hallo Henning,
inwiefern ist Kunst denn nicht skalierbar? Und klappt dann auch das konsequente Weiterdenken, wonach alles nicht Skalierbare zugleich Kunst wäre?
BG, Martin



Ausgangspunkt war meine Aussage: „Künstler erkennst du daran, dass sie etwas erschaffen das nicht skalierbar ist.“

Nähern wir uns dem Begriff der Skalierbarkeit. Ganz allgemein beschreibt beschreibt Skalierung eine Größenveränderung. Der Begriff wird von dem italienischen Wort „scalae“, was Treppe bedeutet, abgeleitet. Allgemein beschreibt Skalierung eine Größenveränderung. Im betriebswirtschaftlichen Sinne steht die Skalierbarkeit für eine spezielle Eigenschaft einer Geschäftsidee bzw. eines Geschäftsmodells. Die Definitionen des Begriffs ausserhalb der IT-Welt (wo er in einem rein technischen Sinne verwendet wird) sind nicht völlig einheitlich.
Im Kern geht es bei der Skalierbarkeit aber immer um die Expansionsfähigkeit eines Modells (oft eines Geschäftsmodells). Kann bei einem Geschäftsmodell z. B. der Umsatz signifikant gesteigert werden, ohne dass die Kosten überproportional mitwachsen, oder gar grössere Investitionen notwendig sind, dann ist es gut skalierbar. Die mittlerweile klassischen Beispiele aus der Betriebswirtschaft sind fast alle im Internethandel - insbesondere im Softwarevertrieb - zu finden.

Der Grundgedanke lässt sich aber ohne weiteres auch auf Bereiche ausserhalb der reinen Geschäftswelt übertragen.

Was bedeutet das für den Bereich der Kunst, insbesondere der Fotografie?


1. In der Fotografie spielt die Skalierbarkeit bereits bei der Auswahl der Fotomotive eine grosse Rolle. Skalierbar sind Allerweltsmotive. Oder etwas präziser formuliert: Alle Motive, die eine längere zeitliche Beständigkeit und Dauer haben. Der legendäre Half Dome im Yosemite Park zum Beispiel. Er ist zweifellos eine sehr hübsche Location. Aber eben eine der am meisten Fotografierten weltweit. Die Anzahl der möglichen Bilder vom Half Dome ist im Prinzip unbegrenzt. Das führt aber nicht dazu, dass irgendein künstlerischer „Return“ grösser würde. Das Gegenteil ist der Fall. Mit der Anzahl der Bilder sinkt der künstlerische „Return“ und die Masse der Bilder stechen künstlerisch nicht heraus. Anders mit nicht skalierbaren, vergänglichen Motiven, die es nur eine sehr kurze und begrenzte Zeit gibt.

Das stützt die von Martin als Frage aufgeworfene These, dass fehlende Skalierbarkeit ein Indiz für Kunst ist.


2. Das gilt übrigens ganz allgemein für alle Tätigkeiten. Nehmen wir einen begnadeten Frisör als Beispiel, der seinen Weg vom Lehrling über den Gesellen bis zum Meister absolviert hat. Die meisten Frisöre, die es so weit geschafft haben, bleiben auf dieser Stufe stehen. Ganz wenigen gelingt der Sprung über die nächste Klippe, d. h. zum Künstler. Worauf das genau beruht, ist eine andere Fragen. Die berühmten 10.000 Stunden von Malcolm Gladwell spielen bestimmt eine wichtige Rolle, aber auch andere Faktoren haben Einfluss. Der Künstler ist im Beispiel der einzelne Frisör selbst. Ganz praktisch am Beispiel des Frisörsalons heisst das: Da gibt es einen Menschen, einen Frisör, und der ist Künstler in seinem Fach. Alle die anderen Angestellten im Salon spiegeln nur seinen / ihren Abglanz und leben von seinem / ihrem Renommee. Da lässt sich auf der künstlerischen Seite nichts skalieren. Nimm den Künstler aus der Gleichung und der Salon bricht zusammen. Was auf der Kundenseite zieht ist die Möglichkeit zu eben diesem Salon zu gehen und sich so auch im Abglanz des Künstlers zu sonnen, ohne diesen oder diese dort aber auch nur jemals zu Gesicht bekommen zu haben.

Auch das stützt die von Martin als Frage aufgeworfene These, dass fehlende Skalierbarkeit ein Indiz für Kunst ist.

Nota bene: Das Beispiel des Frisörs ist ein geschäftliches Grunddilemma, das für alle Freiberufler gilt, einerlei ob Anwalt, Arzt, Dozent, usw.


3. Viele Medien in der Kunst sind als solche nicht skalierbar. Das ist eine der Erklärungen, warum viele Fotografen von der Renaissance der Analogfotografie so begeistert sind. Die fehlende (oder besser: systemimmanent begrenzte) Skalierbarkeit übt eine künstlerische Faszination aus. Denn sie rückt die Fotografie in die Ecke der Malerei. Ein gemaltes Bild ist ein Unikat. Ein Polaroidfoto ist ein Unikat. Das Negativ eines analogen Bildes ist ein Unikat, das zumindest in der Möglichkeit Abzüge zu erstellen so eingeschränkt ist, dass die Abzüge den Hauch der Nichtskalierbarkeit haben (deswegen auch die i. d. R. limitierte Anzahl an Abzügen).

Auch das stützt die von Martin als Frage aufgeworfene These, dass fehlende Skalierbarkeit ein Indiz für Kunst ist.

Für den Massenmarkt gibt es hier - analog zu dem oben als Beispiel angeführten Frisörsalon - den Abglanz des Künstlers in Form von Kunstdrucken und Reproduktionen. Aber selbst wenn diese qualitativ extrem hochwertig sind, so sind sie an und für sich eben eines nicht: Echte Kunst, denn die analoge Kunst ist eben nicht skalierbar.

So ist es mit dem Bildkünstler wie mit dem Frisörkünstler: Man kann eine eigene Welt um sie herum bauen um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, mit ihrem Abglanz in Kontakt zu kommen. Mehr aber eben auch nicht. Das macht auch den bezaubernden und beinahe unwiderstehlichen Charme der Kunstausstellung aus: Werden echte, d.h. nicht skalierbare Originale ausgestellt, ist die Ausstellung die einzige Möglichkeit dem Abglanz der Künstlers so nahe zu kommen, wie es eben geht.


4. Was uns zur finalen Frage führt: Wie sieht es mit der Digitalfotografie aus?

Was die Skalierbarkeit angeht, so sieht es ausgesprochen schlecht aus. Denn die Möglichkeit der unbegrenzten digitalen Kopierbarkeit des Endergebnisses stellt die künstlerische Natur per se in Frage. Warum gibt es viele Camera-Apps, die versuchen die Nichtskalierbarkeit nachzuahmen. Da muss geschüttelt werden, da ist das aufgenommene Bild erst nach Minuten oder gar Stunden, oder wenn ein virtueller Film vollgeknipst ist, sichtbar. Von manchen Apps wird auch der virtuelle „Kommissar Zufall“ in Form „zufällig“ hinein gerechneter Bildstörungen und Effekte bemüht. Alles vergeblich, denn selbst wenn man diesen „Krücken“ ihre Berechtigung im Erstellungsprozess zusprechen würde, so bleibt das digitale Endprodukt, das Bild, doch kopierbare Massenware (sprich im allerbesten Fall meisterhafte Gebrauchsfotografie aber keine Kunst).

Vielleicht müssen wir sogar den Schluss ziehen, dass die digitale Fotografie generell einfach bestenfalls nur meisterhaft, aber eben niemals wirklich künstlerisch sein kann?

Ich freue mich auf eine breitere Diskussion.


Nachtrag / Update 2016-11-26:

Eine Leserzuschrift, die mich sehr bewegt hat, möchte ich hier noch als Nachtrag anhängen. Don, seines Zeichens Pastor, schreibt mir (leicht gekürzt):

Du darfst die Vergänglichkeit als Kriterium nicht vergessen. Du hast das unter Punkt 1 schon angesprochen. Schliesslich geht es um eine ganz grunssätzliche Frage.

Die Bibel bringt das für mich am besten auf den Punkt. In Psalm 90 Vers 12 heisst es:

"Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."

Und genau darum geht es. Das der Vergänglichkeit unterworfen sein ist der Knackpunkt. Was machst Du, wenn Du Bilder machst? Du versucht, die Vergänglichkeit aufzuhalten. Den Augenblick "festzuhalten" und "einzufrieren". Das entspricht einem menschlichen Grundbedürfnis. Denn der Mensch weiss, dass er der Vergänglichkeit, d.h. dem Tod, anheim gegeben ist.

Warum werden Denkmäler errichtet, Potraits gemalt, Pyramiden gebaut und Familiendynastien gegründet? Um den Hauch der Unsterblichkeit zu erreichen. Um etwas zu schaffen, das über den Tod hinaus reicht. Um sich selbst, oder jemanden oder etwas, das man verehrt, zu "verewigen". Der Versuch ist aber von vornherein zum scheitern verurteilt, denn die Schöpfung und der Mensch sind der Vergänglichkeit unterworfen und da beisst keine Maus einen Faden ab. Die eigentliche Frage ist eine solche geistlicher Natur und härt auf den Namen "ewiges Leben". Und das gibt es nur bei Gott und nicht durch Denkmäler, Portraits, Dynastien oder Fotografien.


Eis - nicht skalierbare Kunst

There is power in the cross

There is power in the cross

Om främlingsvänlighet - Ett boktips för mina svenska läsare

Idag blir det en artkel på svenska med ett boktips för alla mina svenska läsare (som förmodligen inte förstår fullt ut när jag skriver på tyska).

Jag vill börja med en liten berättelse. Häromdagen har jag haft ett samtal med en svensk där jag möttes av så mycket främlingsfientlighet och okunskap om sin egen kultur att jag helt enkelt blev chockerad. Denna upplevelse gjorde mig väldigt fundersam. Visst är jag invandrare men att bli behandlad med respekt är nog ändå det minsta man får kräva när man prata med vuxna människor.

Hur ser det ut med invandrings- och integrationsfrågan i Sverige idag?

Ett bra svar kan man hitta i en bok som jag vill varmt rekommendera till alla mina läsare: "Garpar, gipskatter och svartskallar - Invandrarna som byggde Sverige" (Anders Johnsson, 2010). Boken är ett riktigt stalltips om man vill förstå hur det svenska samhället har vuxit fram och varför det ser ut som det ser ut idag.

Tänkte citera några meningar som blev en nyckel för mig.

"Det är framför allt fyra faktorer som har bidragit till invandrarnas betydelse:
Kompetens, kontakter, kapital och kreativitet".


"Människor som bryter upp från sitt hemland är genomsnittlig sett mer initiativkraftiga än de som hela livet bor kvar där de har fötts. Insikten, att internationella migranter representerar ett positivt urval av befolkningen vad gäller företagsamhet och initiativkraft, påverkade bland annat den politiska debatten om den omfattande svenska emigrationen till USA i slutet av 1800-talet."

"Det är också uppenbart att regioner där befolkningen har haft mycket låg inrikes och utrikes rörlighet ofta präglas av konservatism och inskränkthet som inte är gynnsam för ekonomisk, kulturell eller annan samhällsutveckling".

Boken kan verkligen bara rekommenderas till alla som vill utvidga sitt perspektiv och som vill lära sig någonting om hur integrationen fungerar.

Garpar, gipskatter och svartskallar - Invandrarna som byggde Sverige, Anders Johnsson, SNI Förlag 2010 (Länken går till Adlibris)

Garpar, gipskatter och svartskallar - Invandrarna som byggde Sverige


Literarischer Nachttopf

Der literarische Nachttopf


Was kümmert es die stolze Eiche, wenn sich ein Borstenvieh dran wetzt?

Aus: Tadellöser & Wolff , Walter Kempowski, 1971

Aufmerksamkeits-Defizit-Kultur

Aufmerksamkeits-Defizit-Kultur


Eine Betrachtung aus vier Perspektiven.

Kürzlich in einer schwedischen Metropole. Eine grosse Konferenz mit Vorträgen bekannter Redner. Mitten in einem der Hauptvorträge nehme ich plötzlich die im Bild gezeigte Situation wahr, die mich tief erschüttert und sehr nachdenklich gemacht hat.

In den Rängen sitzen ungefähr 600 Konferenzteilnehmer, die alle einen ziemlich hohen Preis für die Teilnahme gezahlt haben. Keine Kinder oder Teenager, sondern erwachsene Menschen, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden ihrer jeweiligen beruflichen Karriere stehen.

Perpektive 1:

Auf der Bühne steht ein in Schweden sehr bekannter Redner. Seine Rhetorik ist gut und er zeigt wirklich Einsatz. Zugegeben, das Thema ist auch für mich nicht wirklich „prickelnd“. Dafür kann der arme Mensch auf der Bühne aber nichts, denn die Themen waren vorgegeben und er hat das akzeptiert und zugesagt. Seine Verantwortung ist also, zu „liefern“. (Nota bene am Rande für alle Referenten: Wirklich nur Anfragen zu Themen annehmen die „Dein Ding“ sind, sonst sind Katastrophen und Frust vorprogrammiert).

Andererseits war die Agenda auch allen Konferenzteilnehmern bekannt und niemand war gezwungen worden, diesen Vortrag zu besuchen. Es ist ja ganz normal und üblich, sich diejenigen Vorträge aus dem Programm heraus zu suchen, für die man sich interessiert und die entstehende freie Zeit fürs Networking zu nutzen. Merke: Abseits von Vorträgen die man selbst als weniger interessant empfindet und deswegen auslässt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, auf Gleichgesinnte zu treffen. Perfekt, um neue Kontakte zu knüpfen.

Der Redner jedenfalls wird gerade dafür bestraft, dass er einen guten Vortrag zu einem Thema hält, das grössere Teile des Publikums schlicht nicht interessiert. Und das nur, weil die entsprechenden Teilnehmer die Agenda entweder gar nicht studiert haben, oder ihnen das Rückgrat fehlt, einem für sie uninteressanten Vortrag fern zu bleiben und die Zeit stattdessen für Sinnvolleres zu verwenden.

Von den oberen Rängen des Auditoriums scheinen hell die Schirme der Mobiltelefone, welche die Flucht aus der Realität in eine andere Welt ermöglichen. Besonders perfide ist es, dass das für den Redner von der gut ausgeleuchteten Bühne aus auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen ist. Der hart arbeitende und schwitzende Vortragende gibt alles in der Hoffnung, dass bei den Zuhörern etwas ankommt (oder gar hängen bleibt), während diese sich sinnloser Zeitverschwendung hingeben. Es wäre ehrlicher sich selbst und dem Redner gegenüber fairer, einfach still den Saal zu verlassen.

Perspektive 2:

Respekt und Aufmerksamkeit sind immer ein Geschenk. Ich meine, wir sollten grosszügig geben und schenken. Der gesellschaftliche Trend geht klar in die entgegen gesetzte Richtung und deswegen wird diese geschenkte Aufmerksamkeit immer seltener und wertvoller. Das gilt umso mehr, je mehr verfügbare Alternativen sich dem jeweiligen Publikum bieten. Das Pardoxe dabei ist, dass alle sich gerne beschenken lassen. Fast alle Menschen stehen gerne im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Aber nur sehr wenige Menschen schenken anderen gerne die so kostbare Aufmerksamkeit.

Dazu kommt noch: Aufmerksames, ja gar aktives Zuhören ist anstrengende Arbeit. Schwere Arbeit. Die meisten Menschen ziehen anstrengender Arbeit eine weniger anstrengende Alternative vor, wenn eine solche in Reichweite ist. Und das stets mit dem Internet verbundene „Fluchttelefon“ ist immer und überall dabei und stets zur Hand. Irgendwie pervers wenn man bedenkt, was die Kosten dieser Veranstaltung waren. Und noch perverser ist, dass sich im nachhinein fast alle Teilnehmer mit dem Umstand schmücken werden, dass sie diesem und jenen Redner zugehört haben.

Perspektive 3:

Wie würde ich mit dieser Situation umgehen? Bisweilen stehe ich selbst dort oben und präsentiere oder gebe eine „Keynote Speech“. Ich stelle mir vor, wie dieses konkrete Auditorium mit dem gegebenen Thema zu begeistern sein könnte. Ein herausforderndes Gedankenspiel, aber ich mag Herausforderungen. Sie sind der einzige Weg zum Wachstum. Und sie sind immer mit Arbeit und Schmerzen verbunden. Der Kollege auf dem Podium tut mir gerade aufrichtig leid.

Perspektive 4:

Ein einfacher Ausweg wäre es zu darauf abzustellen, dass früher sowieso alles besser war. Das Publikum hatte keine leicht verfügbaren Ablenkungsmöglichkeiten. Sicher, schon immer gab es die kleinen architektonischen Details und die Frisuren anderer Menschen als Objekte gelangweilter Betrachtung. Von der möglichen multimedialer Ablenkung „at your fingertips“ aber wagte noch vor einigen Jahren niemand auch nur zu träumen. Wenn ich heute einen Konferenzsaal zu bauen hätte, würde ich ihn vorsorglich mit geerdeter Kupferfolie auskleiden lassen, um jede Chance einer Internetverbindung über mobile Daten zunichte zu machen.

Im Ernst: Noch vor 10 Jahren habe ich Vorträge mit Folien auf dem Overhead-Projektor gehalten. Heute ist bereits allein der Gedanke, ohne multimediale Powerpoint-Präsentation auf die Bühne zu gehen, geradezu unanständig (obwohl sich alle Experten einig sind, dass eine textorientierte Standardpräsentation in 99% der Fälle völlig sinnlos und sogar kontraproduktiv ist). Was für eine verkehrte Welt.

Neulich sah ich in Stockholm einen Transporter eines Entsorgungsbetriebes mit einem Anhänger vor einem der grösseren und bekannteren Hotels. Mitarbeiter trugen gut und gerne 10 Overhead-Projektoren nach draussen und warfen diese zur Entsorgung auf den Hänger. Ein Stich ging mir durchs Herz.

Ich denke übrigens nicht, dass man jedem neuen Trend „blind“ folgen sollte (und schon gar nicht muss). Das gilt besonders für die technische Entwicklung. Bei jeder neuen „Welle“ an Technik (und insbesondere Präsentationstechnik), die auf uns zurollt, ist eine differenzierte Abwägung erforderlich. Aber das ist mit Arbeit verbunden (-> Denken / Nachdenken). Einfach in der Herde der Masse mit zu trotteln und jedem neuen technischen wie gesellschaftlichen Trend bereitwillig zu folgen und hinterher zu jagen ist viel einfacher, als erst einmal selbst das Gehirn zu benutzen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt: Manche Herdentiere merken wenigstens kurz vor dem Schlachthaus wohin die Reise geht. Leider ist es dann in aller Regel zu spät. Aber jedenfalls war es einfacher und bequemer Weg. Aber zurück zum Thema. Hand aufs Herz: Denken sie einmal über die Vorträge und Präsentationen nach, die ihnen „unter die Haut gegangen“ sind und die sie verändert haben. Die Chancen stehen gut, dass das Vorträge ohne jeglichen technischen Schnickschnack waren.


Schlussfolgerungen:

Für Teilnehmer - Auch auf Konferenzen vorher das Gehirn einschalten, die Agenda studieren und nachdenken, auch wenn es anstrengend ist. Schenken sie den Referenten, denen Sie zuhören, ihre Aufmerksamkeit. Es könnte sich auszahlen.

Für Referenten - Lasst uns unsere Zuhörer mit wichtigen Themen beschenken und um ihre Aufmerksamkeit kämpfen!

Irgendwie freue ich mich auf die nächste eigene Präsentation.

Monotonie

Monotonie in der Südsee,
Melancholie bei dreißig Grad.
Monotonie unter Palmen,
Campari auf Tahiti, Bitter Lemon auf Hawaii.

- Ideal 1982 NDW (Neue Deutsche Welle) -


Nicht ganz so, aber ganz ähnlich.

Monotonie

About the future

What does the future look like? The answer to the question about the relation between technology and humanity is going to be very important within the next few years. While meditating about that topic a single quote became very important to me:

“Magic technologies corrupt. Exponential technology corrupts exponentially.”


Gerd Leonhard, Futurist

Barbed wire


Alter Zeitgenosse


William Shakespeare, König Heinrich IV, Zweiter Aufzug, Erste Szene
...
GADSHILL Ja wohl, ja wohl, die Gerichte haben sie selbst geschmiert. Wir stehlen, wie in einer Festung, schußfrei; wir haben das Rezept vom Farrnsamen, wir gehen unsichtbar umher.

...
GADSHILL She will, she will; justice hath liquored her. We steal as in a castle, cocksure; we have the receipt of fern-seed, we walk invisible.


alter_zeitgenosse

Disteln und Dornen

Stacheliges Unkraut.

Ein Ausdruck für die Plagerei des Menschen und die Mühsal des Lebens.

Das stete Ringen des Menschen um das tägliche Brot.

Zugleich ein Hinweis auf die Endlichkeit und Vergänglichkeit.

Das Bild der Distel wird oft gebraucht um die Wertlosigkeit einer Person anzudeuten.

Und Dornen wachsen oft an Orten heran, die der Verwüstung hingegeben wurden.

Disteln und Dornen

Das Bild wird klarer

Eine verschwommene Ahnung. Grau in grau. Sie verfolgt dich und nimmt dabei ganz langsam über die Jahre hinweg Formen an.

Die Szenerie ist gespenstisch und wirkt wie ein Bild im Vorbeifahren durch die beschlagenen Scheinen eines schon lange nicht mehr gereinigten Zugfensters, bei einer Reise durch die neblige Abenddämmerung.

Manchmal hasse ich es einfach, Recht zu haben.

dazed_and_confused

Du weisst, dass du in Schweden bist

wenn sogar die einfachsten Spülbürsten aus dem Supermarkt einen deutlichen und grossen Hinweis auf den Produktdesigner tragen. Schön anzusehen, aber viel zu weiche Borsten hat das Ding.

Spülbürste Design Lotta Horn
“Design Lotta Horn“

Gut und böse

liegen im realen Leben oft ganz dicht bei- oder nebeneinander.

Oft ist die Entscheidung einfach. Was übertrieben schön hervorstechen will, ist meistens die schlechtere Wahl. Im Unscheinbaren verbirgt sich der gute Kern. Doch die Gier nach dem Schönen verblendet Menschen gerne den Sinn. Und wenn dann noch Hunger und Verlangen hinzu kommen, ist schnell ein Unglück geschehen.

Deswegen prüfe erst Mensch, bevor du voreilige Beschlüsse fasst.

Doch sei gewahr: Manchmal kommt es auch ganz dick. Dann nämlich, wenn das vermeintlich Gute in Wahrheit auch böse, ungeniessbar oder sogar hochgiftig ist.

Gut und böse
“Gut und böse“

Sommersonnenwende in Lappland - Im Land der langen Schatten

Ab heute werden die Tage wieder kürzer in Lappland. Vergangene Nacht (d.h. vom 20.6. auf den 21.6.) war die Sommersonnenwende („solstitium“): Die Sonne hatte ihren Höchststand über dem Horizont eingenommen.

Praktisch heisst das, dass es in der Region um den Polarkreis und nordwärts rund um die Uhr Tageslicht gibt.

Obwohl die langen Sommerferien in Schweden um den 10 Juni herum begonnen haben (es gibt regionale Abweichungen zwischen einzelnen Bundesländern und Kommunen) und der „richtige“ Sommer jetzt begonnen haben sollte, zeigt sich das Wetter diese Woche leider nicht von seiner besten Seite. Es ist verregnet, schwül und gleichzeitig zu kalt für diese Zeit des Jahres. Was aber (noch) nicht ist, kann ja noch kommen.

Zurück zur Sommersonnenwende. Am Samstag (23.6.) ist kalendarisch „Midsommar“ („Mittsommerfest“), was von den Schweden ausgiebig gefeiert wird. Auch wenn viele offizielle Feiern dieses Jahr buchstäblich ins Wasser fallen werden, tut das der schwedischen Feierlaune keinen Abbruch. Das eigentlich zutiefst heidnische Fest wird dann eben im Haus gefeiert denn es reicht ja, wenn der Grill im Freien steht.

Alle Theorie ist grau. Wie sehen die sog. „Weissen Nächte“ in der Praxis aus? Da das Wetter diese Woche verhangen und nicht besonders fotogen ist zeige ich hier ein Bild, das vor zwei Wochen gegen Mitternacht entstanden ist (ein hier eher seltenes Selfie übrigens). Mein Schatten auf dem Bild ist zwar recht lang (deswegen wird Lappland auch als „Land der langen Schatten“ bezeichne), aber taghell war es.

Lappland - im Land der langen Schatten

Kurze Durchsage zur Zukunft von Windows [Achtung: Satire]

In der FAZ hat Frau Lapplandblog beim sonntäglichen Frühstück gerade einen interessanten Artikel ausgegraben, der Auskunft über den neuen Fünfjahresplan von Microsoft gibt: „Microsoft wagt sich ins heikle Marihuanageschäft“

Dass die Kunden - zumindest die, bei denen noch ein Rest an so antiquierten Werten wie Privatsphäre und Datenschutz vorhanden sind - mit Windows 10 alles andere als zufrieden sind, ist allgemein bekannt. Sogar Microsoft hat das jetzt bemerkt und begonnen, seine Geschäftspolitik neu auszurichten. Der Artikel in der FAZ ist der deutliche Beweis für das Rebranding - ja sogar Total Business Reengineering - von Microsoft. Der Einstieg ins Drogengeschäft wird sich auch auf Windows 11 auswirken.

- Wie von Apple schon seit langen Jahren vorgemacht, wird Microsoft Windows 11 einen „richtigen“ Namen haben. Windows 11 wird „Dope“ heissen.

- Die in Windows 11 enthaltene Chatfunktion wird auf den Namen „Hasch-mich“ umgetauft werden.

- Den Startscreen beim Hochfahren wird die Botschaft „Kurbel mir einen“ zieren (genug Zeit dafür dürfte der Startvorgang allemal bieten).

- Ist das Betriebssystem mit irgend etwas beschäftigt, werden keine Sanduhren oder drehende Rädchen, sondern stattdessen die Botschaft „Stopf mich“ angezeigt.


Wie der Standardbildschirmhintergrund aussehen wird, muss ich nicht weiter ausführen. Nur soviel: Microsoft hat einen weltweiten Wettbewerb ausgeschrieben, mit dem das schönste und ansprechendste Blatt einer Cannabis sativa Pflanze gesucht wird. Dem Gewinner winken Ruhm, Ehre, Hausdurchsuchungen und eine Familienlizenz. Mit der Neuausrichtung will Microsoft vor allem ältere Nutzer ansprechen.

Symbolbild
Symbolbild

Das Jantelagen und die sozialistische Einheitssprunggrube

Manchmal ist ein einziges Bild, eine einzige Einstellung der Schlüssel zum Verständnis komplexer Geschehen und Handlungsabläufe. So geschehen bei einem abendlichen Spaziergang durch Malå diese Woche.

Zuerst aber etwas Hintergrund. Der Hintergrund besteht aus zwei Teilen, einem mehr soziologisch-psychologischen und einem regionalen Anteil.

In den skandinavischen Ländern gibt es ein kulturelles und soziologisches Kuriosum, das weitreichende Auswirkungen auf fast alle Bereiche der Gesellschaft hat. 

Das Phänomen hört auf den Namen „Jantelagen“ - „Das Gesetz von Jante“.

Es geht zurück auf einen Roman des dänischen Autors Aksel Sandemose. In „Ein Flüchtling kreuzt seine Spur“ beschreibt der Autor  Sandemose das kleingeistige Milieu einer fiktiven dänischen Kleinstadt namens „Jante“. Die ungeschriebenen Gesetze von Jante setzen alle Einwohner einem unglaublichen Druck zur Gleichmacherei und  Anpassung aus. 

In den skandinavischen Ländern wird dieses soziologische Horrorszenario erstaunlicherweise ambivalent betrachtet. Es sei positiv, dass die Begrenzung des Individualismus zu Ordnung und Struktur führten. Andererseits beinhalten die sozialen Normen eine Eingrenzung und Unterdrückung der individuellen Entfaltungsmöglichkeiten. 

Kurz: Das „Jantelagen“ ist die kodifizierte, typische „Selbstzügelung“, die auswärtige Besucher in Skandinavien sofort wahrnehmen (wenn sie denn nicht völlig abgestumpft sind). 

Das Gesetz von Jante besteht - wohl in Anlehnung an die biblischen Weisungen - aus folgenden 10 Geboten:

Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.
Du sollst nicht glauben, dass du uns ebenbürtig bist.
Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist als wir.
Du sollst dir nicht einbilden, dass du besser bist als wir.
Du sollst nicht glauben, dass du mehr weißt als wir.
Du sollst nicht glauben, dass du mehr wert bist als wir.
Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
Du sollst nicht über uns lachen.
Du sollst nicht glauben, dass sich irgendjemand um dich kümmert.
Du sollst nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.

Auch in Schweden ist das mehr als überdeutlich. Alle sind an der Oberfläche und nach aussen hin äusserst nett zueinander, auch wenn sie sich eigentlich lieber gegenseitig an die Gurgel gehen würden. Alle wirken nach aussen hin selbstlos und bescheiden. 

Der „Erfolg der Gemeinschaft und des Kollektivs“ stehen nach aussen hin im Vordergrund (weswegen in Schweden auch über Jahrzehnte sozialdemokratische [besser: sozialistische] Regierungen regiert haben). 

Das Jantelagen ist auch Grund für die mitunter verzweifelte Suche nach einem Konsens mit dem alle leben können (welcher dann aber inhaltlich in der Regel nichts mehr wert ist). Echte inhaltliche Werte, die Entscheidungsprozessen Richtung geben würden und könnten, sind sehr selten. Und wer solche Werte hat, traut sich nicht, diese zu äussern oder offen zu zeigen (sic).

Im Innern sind die Menschen in Schweden und den anderen skandinavischen Ländern aber genau so wie alle anderen menschlichen Lebewesen: 

Egoistisch und auf den eigenen Vorteil bedacht. 

Aber im „kuscheligen gesellschaftlichen Miteinander“ darf das eben nicht gezeigt werden. Aus psychologischer Sicht sind die Folgen klar: 

Resignation, ja Depression, Verlust des Selbstwertgefühls und im schlimmsten Fall zur ernsten Autoaggressionen machen sich im einzelnen Menschen breit und nehmen Raum ein. Es ist kein Wunder, dass Alkoholismus und andere Abhängigkeitsprobleme in den skandinavischen Ländern weite Verbreitung haben. 

Soweit der soziologisch-psychologische Hintergrund. 

Teil zwei der Hintergrundinformation ist regionaler und politischer Natur.

Bei einem Spaziergang durch Malå vergangene Woche standen Frau Lapplandblog und ich plötzlich wie elektrisiert vor einem Bauwerk. Ein Bauwerk, das auf einer Methode basiert, die beileibe nicht besonders ist und wahrscheinlich in allen europäischen Ländern vorkommt. Jedenfalls ist mir das hier zu schildernde Geschehnis aus verschiedenen kleineren und grösseren Gemeinden und Städten in Deutschland von den Grundlagen her nur zu gut vertraut. Das ist zwar schon einige lange Jahre her, aber in der Sache dürfte sich da nichts geändert haben.

Politische Parteien und Fraktionen sind stets auf Machterhalt bedacht (worum sollte es denn sonst auch in die Politik gehen?). Was bietet sich Besseres an, als den Bürgerinnen und Bürgern nette Geschenke zu machen um diese davon zu überzeugen, dass sie „richtig“ gewählt haben (uns das bitte auch zukünftig tun mögen)? 

Ein besonders attraktives Feld für diese Art von - nennen wir es einmal - Bestechung ist der sog. Breitensport. Gegen Ende einer Mandatsperiode und in zeitlicher Nähe zu Wahlterminen werden da gerne einmal, als Beispiel, neue Sportplätze gebaut. Dass es derer schon mehrere gibt, ist dabei völlig belanglos. Sportanlagen verkaufen sich in der öffentlichen Meinung immer gut und sind zudem über die Aspekte der Gesundheitsförderung und der Förderung des sozialen Zusammenhalts im Verein stets "trendy" zu rechtfertigen. 

Kratzt man etwas an der Oberfläche - ohne dem Ding gleich ganz auf den Grund zu gehen - wird noch ein weiterer sehr netter Nebeneffekt sichtbar. Auf den „alten“ Sportplätzen dürfen sich nach der Einweihung des Neubaus die „schlechteren“ Spieler (oder gar nicht dem Verein zugehörige Kinder und Jugendliche) vergnügen. 

Strukturen und Hierarchien werden modelliert und perpetuiert.

Zurück nach Malå und zur sozialistischen Einheitssprunggrube. 

In Malå regieren die Sozialdemokraten. Deswegen darf sich Malå auch mit dem schmucken Titel „arbetarkommun“ („Werktätigenkommun““) schmücken. Die letzten Wahlen waren heiss umkämpft (so heiss, wie es für schwedische Verhältnisse eben sein darf). Was lag da also näher, als nach der Wahl ein neues Sportfeld zu bauen und mit viel Pomp und Getöse einzuweihen (bislang gab es schliesslich nur zwei solche Plätze). Sogar für einen richtigen Kunstrasen (ob beheizt, ist uns unbekannt) hat die Finanzierung ausgereicht. 

Alles für den Breitensport, denn der ist wichtig bei den Sozialdemokraten in Malå. 

Eigenartigerweise fehlen Sitz- und Tribünenplätze rund um den Platz. Vielleicht wurde bei den Planungen ja erst gar nicht mit dem späteren Interesse der Allgemeinheit gerechnet? Oder ist das gar eine Folge des Jantelagen, denn den Sportlern soll doch keine Gelegenheit gegeben werden, sich etwa in ihrem Erfolg zu suhlen. 

Neben dem Kunstrasenplatz gibt es sogar eine kurze Aschenbahn (für eine Bahn, die rund um den Platz geht haben die baulichen Gegebenheiten und / oder das Geld nicht gereicht). Die Aschenbahn ist genau genommen keine Aschenbahn, ist doch auch sie mit Kunstbelag versehen. Und am Ende der Aschenbahn gibt es einen kleineren Abschnitt mit einer Sprunggrube für den Weitsprung. 

Ein eigentlich unwichtiges sportliches Detail. 

Wir sahen in die Grube, dann sahen Frau Lapplandblog und ich uns an, und dachten spontan dasselbe. Normalerweise entspricht die Tiefe der Spuren in der Sandgrube ziemlich genau einer Gaußschen Normalverteilung. 

Einige wenige Sportler springen nicht so weit, die Mehrheit der Springer landet in der Mitte und einige wenige zeigen eine herausragende Sprungleistung und landen ganz weit weg vom Begrenzungsbalken.

Nicht so in Malå. 

Allem Anschein nach sind fast 100% der Springer in exakt derselben Vertiefung gelandet. Die Kuhle glich an dieser Stelle mehr einem Krater. Kaum zu glauben, aber der Jantelagen schlägt auch im Sport voll durch. Deswegen haben wir die Sandgrube feierlich auf den Namen „sozialistische Einheitssprunggrube“ getauft. 

Oft sind es die scheinbar unbedeutenden Kleinigkeiten, welche die tiefen soziologischen und psychologischen Aspekte einer Gesellschaft zum Vorschein bringen.

Die „sozialistische Einheitssprunggrube“ in Malå
Die „sozialistische Einheitssprunggrube“ in Malå

Sicher im Urlaub - Unwetter- und Katastrophenwarnungen in Schweden

Vor einigen Tagen ist ein Kommentar zu einem Blogeintrag eingegangen:

„Mal so eine frage: Wie sieht es eigentlich bei euch aus, wenn vor einen Unwetter gewarnt werden soll? Was passiert bei euch? Ist gerade eine Diskussion, die hier in Deutschland stattfindet. Und die Aussage ist, das die Meisten gar nicht gewarnt werden. Daher die Frage.“

Die Frage ist der Anlass für diesen Artikel.

Wir leben in sehr dynamischen und immer unsicheren Zeiten. Von Terrorgefahren bis hin zu schweren Unwettern ist heutzutage fast alles nur Denkbare an der Tagesordnung. Das gilt leider auch im Urlaub in Schweden. Wie kannst Du Dich als Urlauber in Schweden über die aktuelle Lage im Land und eventuelle Gefahren am besten „up-to-date“ halten?

Die erste Anlaufstelle ist die Webseite der Myndigheten för samhällsskydd och beredskap (MSB), der schwedischen Zivilschutzbehörde. Hier gibt es eine Fülle an Informationen zum Zivil- und Katastrophenschutz in Schweden. Eine englische Version ist auch vorhanden.

Wer sich hauptsächlich einen schnellen Überblick über eventuelle Gefahren und Risiken verschaffen will, dem sei die Seite „Krisinformation“ (Kriseninformation) ans Herz gelegt. Hier werden alle aktuellen Risikolagen und Gefahren sehr übersichtlich aufgelistet. Die englische Version ist leider nicht so ergiebig, denn dort gibt es nur allgemeine Hinweise und Informationen. Der Tipp ist also die schwedische Hauptseite mit Hilfe von Google-Translate im Auge zu behalten. Wer die neuesten Warnungen immer ganz aktuell haben möchte, kann den Twitterfeed der Kriseninformationen abonnieren.

Ganz generell ist das Sicherheitsbedürfnis in Schweden sehr ausgeprägt. Alle eventuellen Risikolagen sind - beinahe in Echtzeit - auch in allen Medienkanälan (TV, Radio, Webseiten der Tageszeitungen) zu finden. Generell würde ich dazu raten, die Webseite der lokalen Tageszeitungen im jeweiligen Urlaubsgebiet zu bookmarken.

Aus der aktuellen Erfahrung der vergangenen Tage, in denen ein sehr schwerer Sturm über uns hinweg gezogen ist, der und einige Tage Stromlosigkeit beschert hat, können wir erneut bestätigen, dass das Mobilfunknetz im Prinzip unabhängig von der normalen lokalen Stromversorgung funktioniert (auf jeden Fall für 48 Stunden). Bei grösseren Unwettern und Katastrophen können die im Artikel genannten Webseiten also noch echt lange über das Mobiltelefon oder Tablet abgerufen werden, so lange denn die Akkus mitspielen. Extratipp: Eine geladene (!) externe Powerbank dabei zu haben, ist immer eine gute Idee.

Die grösste Quelle von Ungemach und Risiken im Urlaub dürften Wetterkapriolen bereit halten. Auch hier gibt eine klare Empfehlung: Die Webseite des schwedischen Wetterdienstes (SMHI). Dort gibt es eine Seite mit aktuellen Unwetterwarnungen (die englische Version ist hier zu finden), auf der eine Schwedenkarte zu sehen ist. Ein Klick auf die jeweilige Region führt zu einer Liste der aktuellen Warnungen. Die Warnungen sind von einer reinen Risikowarnung (blau) über 1 („Beschwerliches Wetter“, gelb), 2 („Sehr beschwerliches Wetter“, orange) bis 3 („Extremes Wetter“, rot) klassifiziert und farblich gekennzeichnet. Daneben gibt es noch Warnungen für Waldbrandrisiken (lila) und ungewöhnlich hohe Temperaturen (grün).

Auch diese Seite sollte im Mobiltelefon oder auf dem Tablet gebookmarked und regelmässig kontrolliert werden.

Bekanntlich wird das Wetter desto instabiler und unvorhersagbarer, je weiter Du nach Norden kommst. Ein regelmässiger Blick auf den allgemeinen Wetterbericht kann also auch nie schaden. Vielleicht auch schon deswegen, weil wetterabhängige Ausflüge oder Fahrtstrecken geplant sind.

Der einigermassen verlässliche Vorhersagehorizont liegt in der Höhe des Polarkreises derzeit bei ungefähr zwei Tagen. Alles was darüber hinaus geht, ist nur als allgemeiner Trend anzusehen. Man sagt dem schwedischen Wetterbericht allerdings nach, dass er lediglich sehr gut darin sei zu sagen, wie das Wetter gewesen ist. Die allgemeinen Vorhersagen - insbesondere in den nördlichen Gefilden - sind sind mit Vorsicht zu geniessen.

Unsere Empfehlung ist die Webseite des norwegischen Wetterdienstes, die üblicherweise viel bessere Vorhersagen bereit hält. Im Menü oben rechts auf der Seite lässt sich „English“ als Sprache auswählen.

Einfach im Suchfeld den gewünschten Ortsnamen eingeben (Achtung: Immer auf der eingeblendeten Karte kontrollieren, denn viele Namen kleinerer Orte gibt es mehrfach in Schweden!) und schon gibt es den zugehörigen Wetterbericht. Die „Översikt“ (3-Tages-Übersicht) ist die beste und aussagekräftigste Ansicht. Wer es ganz genau wissen will, klickt auf „Time för time“ (Stündliche Übersicht der kommenden 48 Stunden) klicken. Der „Langtidsvarsel“ (Langzeitvorhgersage) ist - wie schon gesagt - mit Vorsicht zu geniessen.

Mit diesen Webseiten im Mobiltelefon oder Tablet bist Du als Schwedenurlauber für das Meiste gerüstet, für das man realistischerweise gerüstet sein kann.

Extratipp: Die allgemeine Notrufnummer für Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr ist in Schweden übrigens die 112.

1. März bis 15. Mai - Lappland in Bildern

Die fotografische Rückschau "Lappland in Bildern" umfasst heute den Zeitraum vom 1. März bis 15. Mai.

-> Zur Bilderstrecke „Vom 1. März bis 15. Mai in Lappland in Bildern“

Schwedenurlauber aufgepasst: Diese Geldscheine sind ab 1. Juli 2016 nicht mehr gültig

Vielleicht haben Sie auch die nette Angewohnheit, das „Reisegeld“ aus anderen Ländern in einer Kaffeedose - oder anderswo - für den nächsten Urlaub aufzuheben. Wenn Sie regelmässig in Schweden Urlaub machen, sollten Sie Ihre gesparten schwedischen Kronen jetzt schleunigst einer Sichtung unterziehen.

Im Rahmen eines lang angelegten Umtauschprogrammes zum Austausch der schwedischen Banknoten und Münzen tritt bald die nächste Stufe in Kraft.

Seit 1. Oktober 2015 sind bereits die neuen Banknoten in der Stückelung zu 20, 50, 200 und 1000 Kronen im Umlauf. Die 200er sind übrigens gänzlich neu.

Die alten 20er, 50er und 1000er Scheine werden mit Ablauf des 30. Juni 2016 (d.h. ab 1. Juli 2016) ungültig.

Auf der Grafik der Schwedischen Reichsbank („Riksbanken“) können Sie unten links dis alten Scheine sehen, die ab 1. Juli nicht mehr gültig sind.

Schwedenurlauber aufgepasst: Diese Geldscheine sind ab 1. Juli 2016 nicht mehr gültig

In der zweiten Stufe ab dem 1. Oktober 2016 startet dann der Austausch der 100er, 500er und des Münzgeldes.

Was tun? Die Riksbanken tausche alte Scheine zeitlich unbegrenzt um, erhebt dafür aber eine Gebühr von 100 Kronen pro Umtausch. Also am besten gleich nach Lappland fahren und die alten Scheine noch vor dem 30. Juni ausgeben :)

Kleiner Extratipp am Rande: Bitte bringen Sie keine 1000-Kronen-Scheine in Ihrer Urlaubsreisekasse mit. 1000er sind praktisch nicht in Verwendung und wenn sie mit diesem Schein zahlen wollen, können Sie ungläubige Blicke ernten, denn der 1000er gibt in Schweden als klassischer „Geldwäscheschein“. In der Praxis sind die 500er die grösste Banknote, die in Verwendung ist.

Geplante Obsoleszenz, Teil 2: Die kommende Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO)

Frau Lapplandblog führt gerade - heftig schimpfend - eine schwierige Operation durch.

„Ich kann ja nur froh und dankbar sein, dass ich das damals noch in der Schule gelernt habe. Für so einen Mist musst du auch noch Geld ausgeben“.

Was war geschehen?

Der vor drei Monaten erworbene Hunderucksack hatte sich - nach ungefähr fünfmaligem Gebrauch in den Weiten Lapplands - buchstäblich in seine Einzelteile aufgelöst. Immerhin waren ca. 85% der Bestandteile desselben im Grünen noch auffindbar. In mühe- und liebevoller Kleinarbeit hat Frau Lapplandblog die Einzelteile wieder sorgsam zusammengepuzzelt und - unter Einfügung im Bestand vorhandener Ersatzteile - mit geübter Hand und festem Zwirn wieder zusammengefügt. Die Archäologen im nächsten Jahrtausend werden ihre helle Freude haben, wenn sie das Teil irgendwann einmal ausgraben sollten.

Stellt sich die Frage, warum so ein Mist mit der eingebauten „geplanten Obsoleszenz“ aktiv vermarktet und verkauft wird?

Das kann nur auf der kommenden Europäische Produktnachkaufverordnung (EPNVO) beruhen. Aus üblicherweise bestens informierten und nicht genannt werden wollenden Insiderkreisen ist uns nämlich kürzlich folgendes zugetragen worden:

„Alle im Europäischen Binnenmarktes feil gehaltenen Produkte dürfen im Rahmen ihres konkreten Verwendungszwecks künftig nur noch höchstens 24 Monate gebrauchstauglich sein“.

Das haben die obersten Organe der EU in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank beschlossen. Das erklärte Ziel der Neuregelung sei die Ankurbelung des dahinsiechenden Binnenmarktes, denn es könne nicht angehen, dass hochqualitative Produkte gar ein ganzes Leben lang halten. Die vorgesehene zwingende begrenzte 24-monatige Gebrauchstauglichkeit muss durch die verwendeten Materialien, die Bauart und die Konstruktion sicher gestellt sein. Zuwiderhandlungen werden mit existenzbedrohenden Bussgeldern oder Zwangsinsolvenzen ("Marktbereinigung") bestraft werden.

Die Industrie übt schon seit geraumer Zeit für die kommende Neuregelung (was den meisten Leserinnen und Lesern aus eigenen Erfahrungen mit diversen Produkten bekannt sein dürfte; siehe die geschilderte Begebenheit am Anfang dieses Beitrages).

Beim Hören der Vorträge der diesjährigen Re-Publica bin ich auf einige besonders digitale Beispiele der geplanten Obsoleszenz gestossen, quasi als Ausblick, was wir in Zukunft zu erwarten haben. Allen voran die dem "Internet of Things" zugehörige Kaffeemaschinen, die über eine App auf dem Mobiltelefon gesteuert wird. Die App zur Kaffeemaschine wird so gebaut, dass sie nach dem nächsten Systemupdate auf dem Mobilgerät ihre Arbeit verweigert. Und dann wird die Entwicklung der App einfach eingestellt.

Resultat: Die High-Tech Kaffeemaschine wird zu Elektroschrott (denn wer will das technologische Highlight denn - wenn sich erst einmal daran gewöhnt wurde - als "altmodische" [sofern das überhaupt vorgesehen und möglich ist] Kaffeemaschine weiter benutzen?).

Bei höherwertigen Gütern, die aus Sicherheitsgründen nicht ab Werk "schlampig" gebaut werden können, können die kommenden Vorgaben der Europäischen Produktnachkaufverordnung (EPNVO) ganz einfach über einen eingebauten Betriebsstundenzähler erfüllt werden. Nach 24 Monaten erscheint dann im Display die Meldung „Die Lebensdauer ihres Produktes ist erreicht“

Besonders spassig stelle ich mir das bei Autos vor. Dort würde es dann heissen: „Nach den nächsten Abstellen des Motors wird sich das Auto nicht mehr starten lassen, weil die vorgesehene Produktlebensdauer erreicht ist. Eine automatischen Mitteilung an den nächstgelegenen Produktverschrotter und ihre finanzierende Bank wird gerade automatisch versendet. Danke, dass sie sich für ein Produkt aus unserem Hause entschieden hatten“.

Realisierbar ist das alles ganz einfach. Selbst die einfachsten und simpelsten technischen Geräte sind heute so elektronisiert, dass selbst Experten solche Systeme zur Begrenzung der Produktlebensdauer nicht mehr umgehen können. Ein Mechaniker aus der Autowerkstatt des Vertrauens hat mir gestern berichtet, dass viele Fehler bei neueren PKWs (lies: ab Baujahr 2002) nur noch durch Systsemupdates behoben werden können (zu denen freie Werkstätten natürlich keinen Zugang mehr haben). Ein schönes Beispiel dafür, dass die Vorschriften der kommenden Europäischen Produktnachkaufverordnung (EPNVO) ab dem Tag des Inkrafttretens auch bei älteren noch in Verkehr und Gebrauch befindlichen Geräten umgesetzt werden können, wenn es sich denn um digital gesteuerte Geräte handelt.

Konsequenterweise sollten dann auch alle nicht digital gesteuerten Geräte, d. h. Geräte, die nicht an das Internet of Things angeschlossen werden können, generell verboten werden. Wo kämen wir denn hin, wenn der Nachbar noch einen klassischen Rasenmäher in Betrieb hätte, mit dem er selbst durch den Garten rast? Undenkbar, welche Folgen das haben könnte.

Ich habe meiner Frau Lapplandblog versprochen nach einem qualitativ sehr hochwertigen Hunderucksack für unseren Hund Ausschau zu halten, bevor die EPNVO in Kraft tritt (und hoffentlich noch ganz analog).

2016 gekauft und erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der kommenden EPNVO
2016 gekauft und erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der kommenden EPNVO

Urlaubsreif? Ab nach Lappland, denn der Sommer hat begonnen!

Ende April geschieht in Lappland wieder das beinahe Unglaubliche: Das Wetter schaltet von Winter auf Sommer um, als ob eine unsichtbare Macht einen Schalter umgelegt hätte. Gab es im April noch einige kalte Nächte und Tagestemperaturen um den Nullpunkt, so hat sich das Wetter im Laufe der vergangenen Woche plötzlich und wie von Geisterhand einschneidend geändert. Die Nachttemperaturen liegen durchweg über null Grad und die Tagestemperaturen erreichen zwischen 10 und 18 Grad.

Um uns herum zwitschern plötzlich überall Vögel, als ob sie vom einen Tag auf den anderen hierher „gebeamt“ worden wären. Hummeln und Bienen ziehen ihre Kreise. Kurz: Die Natur explodiert.

Am Ufer von Seen und Flüssen treiben noch einige Eisschollen und Schneeinseln prägen das Landschaftsbild. In einigen Tagen werden sie verschwunden sein.

Das Eis auf den Flüssen und Seen verschwindet
Das Eis auf den Flüssen und Seen verschwindet



Die Schneeschmelze verwandelt Sümpfe und Moorflächen für zwei bis drei Wochen in kleine Ozeane aus denen malerisch die Bäume herausragen.

Wasserflächen noch der Schneeschmelze
Wasserflächen noch der Schneeschmelze


Die Rentiere sind aus ihren Winterquartieren ins Freie entlassen und durchstreifen die Natur auf der Suche nach nahrhaften Flechten.

Die Rentiere sind wieder unterwegs in Lappland
Die Rentiere sind wieder unterwegs in Lappland


Und binnen weniger Tage ist es Hochsommer in Lappland.

Schwedisch-Lappland ist bekannt für die malerischen arktischen Winter und wer die Region bislang nur im Winter erlebt hat, wird sie von Juni bis Mitte September kaum mehr wieder erkennen.

Eines aber verbindet Winter und Sommer hier: Ankommen in Schweden. Durchatmen und innerlich zur Ruhe kommen. Die Natur geniessen.

A propos: Wenn Sie sich wirklich urlaubsreif fühlen, ist Lappland der perfekte Erholungsort.

Lappland Urlaubstipp: Linbanan - die längste Seilbahn der Welt

Unter der Überschrift "Dorf Örträsk in Schweden: 20 Einwohner und eine Rekordseilbahn" hat der Spiegel-Online in dieser Woche einen schönen Bericht mit Fotostrecke über die ganz in unserer Nähe verlaufende "Linbanan", die längste Seilbahn der Welt, veröffentlicht.

Lesenswert und ein guter Urlaubstipp für alle, die uns hier mal besuchen wollen.

Die Seilbahn ist wirklich einen Besuch wert. Wir hatten die Linbanan 2009 für einen schwedischen Tourismusverband ausführlich fotografiert, und freuen uns auch heute noch immer wieder, unsere Bilder in Broschüren, Flyern und auf Webseiten zu sehen.

Im Blog war ein Beifang des damaligen Fotoauftrages hier zu sehen.

Bitte steigen Sie ein: Linbanan - Die längste Seilbahn der Welt
„Bitte steigen Sie ein: Die längste Seilbahn der Welt“

Frohe Ostern! / Happy Easter! / Glad Påsk!

frohe_ostern_2016

Osterrituale in Lappland 2016

Kleine Zeitreise in die Vergangenheit: Ich erinnere mich gerne so um die 40 Jahre zurück. Oma hatte sich vor Ostern richtig viel Arbeit gemacht, und in der Woche vor Ostern schöne, flauschiges Moos von einer ganz bestimmten Wiese in der Nähe der alten Burg geholt. Damit hatte sie dann die Osternester für uns Kinder ausgelegt. Und beim obligatorischen Osterbesuch durften wir die Nester am Ostersonntag im Garten und rund um das Haus suchen. Selbstverständlich nach dem - ebenfalls obligatorischen - Kirchgang. Das ist lange her und die Zeiten haben sich geändert.

Zurück ins Heute. Schon 2011 hatten wir eine Serie über Ostern in Schweden gepostet (Teil 1, Teil 2, Teil 3).

Als ich am Gründonnerstag gegen Mittag  durch Arvidsjaur fuhr, hat mich die heutige österliche Realität erschreckend deutlich eingeholt.

Wie sieht es heute, 2016, mit Osterritualen in Lappland aus?

Eine Karawane aus hoch bepackten Autos mit grossen Anhängern wälzt sich aus allen Richtungen ins schwedische Fjäll. In den Autos sind Mann und Maus, will sagen, alle Familienmitglieder nebst Hund(en) dicht gedrängt zwischen grossen Reisetaschen und allerlei Wintersportausrüstung. Ich habe mir das Treiben eine längere Weile angesehen. Die Kinder tief versunken in ihre Mobiltelefone und Tablets, die Eltern (oder sagen wir - im Hinblick auf die vorherrschenden Familienstrukturen in Schweden - die mitreisenden erwachsenen Menschen) in tiefes Schweigen gehüllt. Der Reisestress steckt allen offensichtlich in den Knochen, denn schliesslich ist Hektik angesagt, um möglichst schnell ins begehrte schwedische Fjäll zu kommen.

Auf den Anhängern die vergötterten Statussymbole der norrländischen Einwohner: Schneemobile. Je neuer und PS-stärker, desto besser. Die Nordschweden sind völlig vernarrt in die nicht gerade umweltfreundlichen Monster. Ein Bekannter berichtete mir vergangene Woche ganz stolz er sei mit seinem besten Freund das Wochenende über 500 Km durch das Gebirge gegondelt und alle Knochen täten im weh (mein Mitgefühl hielt sich durchaus in Grenzen).

„Die moderne Osterliturgie: Schneemobile“
„Die moderne Osterliturgie: Schneemobile“

Ostern? Ostern in Nordschweden!

Eigentlich nur folgerichtig. So sieht das Resultat einer seit Jahrzehnten konsequent betriebenen Entkirchlichung einer Gesellschaft aus. Der Lackmustest beweist das. Die Kirchengemeinde der Svenskakyrkan (die ehemalige Staatskirche Schwedens) in Malå, die wegen akuten Mitgliederschwundes mit anderen Pfarreien zusammengelegt wurde, verzeichnet im Schnitt nicht mehr als eine Handvoll Gottesdienstbesucher. Tendenz abnehmend und Altersdurchschnitt zunehmend. Irgendetwas muss ja aber die innere Leere der Menschen füllen. Kein Wunder, dass die Rate an psychischen Erkrankungen hier in Nordschweden in die Höhe schiesst.

Die Lösung des Systems: der Konsum wird es schon richten.

Deswegen werden massenhaft Dinge angeschafft, die kein Mensch wirklich braucht, und die Schneemobile müssen immer vom Feinsten sein und immer mehr Pferdestärken haben. Das hilft aber nicht. Die Menschen fühlen sich in ihrem Inneren doch wie ein leerer Kringel, den sie zu füllen versuchen. Der - in der Regel kreditfinanzierte - Kauf- und Konsumrausch löst das Problem aber nicht (die gerne und schnell verschriebenen Pillen auch nicht).

Manche greifen auch auf altbekannte Bordmittel zurück. In vielen Kofferräumen, neben dem Stapeln Koffern und Taschen, habe ich das hier entdeckt.

Seelentröster vom Systembolaget, die doch nicht helfen...
Seelentröster vom Systembolaget, die doch nicht helfen...


Kein Wunder, dass der Alkoholverkauf in Schweden über die Kette des Systembolaget unter staatlicher Kontrolle reglementiert wird. Helfen tut das freilich auch nicht.

Ostern 2016 - Quo vadis, Schweden?

Der Februar 2016 in Lappland in Bildern

Die fotografische Rückschau auf den Monat Februar 2016 in Bildern.

-> Zur Bilderstrecke „Der Februar 2016 in Lappland in Bildern“

Ist vielleicht alles schon gesagt und geschrieben?

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“



Zugegeben, ich schreibe gerne. Und ich habe mein Herz schon etwas an das wunderbare Schwedisch-Lappland verloren. Das Blogschreiben hat sich im Laufe der Jahre zu einer liebgewonnenen Gewohnheit, ja zu einem guten Freund im Alltag entwickelt.

Seit 2007 schreiben wir hier rund um Lappland, über Wetter und Landschaft, Küche und Kochen, Mentalität und das Auswandern. Die Anzahl der Blogeinträge bewegt sich mittlerweile im grösseren vierstelligen Bereich. Neben allgemeinen Berichten über Menschen, Ereignisse und Events gibt es jede Menge Spezialtipps zu einzelnen Themen und Bereichen, angefangen von der richtigen Kleidung im Winter über Kochrezepte bis hin zu Tipps zum Immobilienkauf.

Manchmal „schlägt“ mich die Idee für einen neuen Blogbeitrag ganz spontan, manchmal ist sie das Ergebnis von eingehender Beobachtung und manchmal von ausgiebigem Nachdenken.

Im Moment stelle ich mir ganz ernsthaft die Frage, ob denn nach acht Jahren nicht eigentlich alles gesagt und geschrieben ist? Immer öfter stelle ich fest, dass wir zu Themen bereits etwas geschrieben haben. Und Wiederholungen sind ja bekanntlich nicht unbedingt die Krone der Weisheit.

Das Lapplandblog hat sich über die Jahre vom eigentlichen Blog mittlerweile zu einem ausgewachsenen Lappland-Wiki entwickelt. Mit Hilfe der Suchfunktion lässt sich zu fast allen Themen Wissenswertes und Informatives hervorlocken.


Kurz und gut: Es geht um die Zukunft dieses Blogs. Verschiedene Optionen liegen auf dem Tisch und ich habe mir eine Frist für die Entscheidung gesetzt.

Ich teile diese Gedanken und Überlegungen hier ganz offen und bitte um Feeback aus der Leserschaft:

Gibt es (noch) Themen und/oder Bereiche, die von besonderem Interesse sind? Habt Ihr konstruktiven Input?

Oder gibt es da draussen einen würdigen Nachfolger, der dieses Projekt übernehmen möchte?


-> Kontakt

winterwald_feb_2016

Der Januar 2016 in Lappland in Bildern

Zum Monatswechsel eine Rückschau auf den Monat Januar 2016 in Bildern. Dieses Jahr verfolge ich ein Projekt unter dem Namen „One Phone - One App - One Year“, über das ich hier schon ausführlich geschrieben habe.

Und wer auf Instagram ist, kann dem Projekt tagesaktuell folgen.

Für alle Nicht-Instagrammer poste ich um jeden Monatswechsel herum eine Auswahl der Bilder, die mir aus dem vergangenen Monat am besten gefallen.

-> Zur Bilderstrecke „Der Januar 2016 in Lappland in Bildern“

Leben im Jetzt oder in der Vergangenheit?

Classic Car / Oldtimer in den Wäldern Lapplands


In Lappland wird vielerorten von der „guten alten Zeit“ geschwärmt. Der Glanz vergangener Epochen scheint wie der letzte Abglanz der untergehenden Sonne am Horizont.

Vielleicht ist es ungerecht und falsch, dieses Phänomen in besonderer Weise auf Nordschweden zu beziehen, wenngleich es gewichtige Argumente dafür gibt.

Möglicherweise handelt es sich um eine allgemeine Entwicklung, aber uns fällt sie seit einigen Jahren rund um den Polarkreis ganz besonders auf.

Lappland ist ja ein wahres Paradies der Vergangenheit. Ein Beispiel: In den Wäldern finden sich Massen bildhübscher Oldtimer und die Forgotten Places sind reich gesät.

Das spiegelt sich in den Menschen, die hier leben, wider. In vielen Gesprächen erleben wird, dass Menschen, ja ganze Gruppen krampfhaft an Geschichten und Begebenheiten aus der „glorreichen, guten alten Zeit“ festhalten. Daran, wie gross und bedeutsam z. B. eine Siedlung in den 50er Jahren einstmals war, obwohl dort heute nur noch eine handvoll Menschen leben. Oder dass das Folkets Hus (Dorfgemeinschaftshaus, vergleichbar mit einer Stadthalle im Kleinformat) eines Ortes in den 60ern einmal der Veranstaltungsort grosser Tanzveran-
staltungen war, obwohl das Haus heute nur noch ein baufälliger Trümmerhaufen ist.

Viele Menschen hier - ab dem Mittelalter aufwärts - leben in der Vergangenheit und sind dort geistig und emotional stehen geblieben. Paradoxerweise werden die scheinbaren „Segnungen“ der modernen Technik gerne angenommen (meist in äusserst unguter Art und Weise, Stichwort z. B. Windkraft, aber das würde einen eigenen Blogartikel füllen). Dennoch gleichen aber der inneren Einstellung nach ganze Landstriche einem grossen Museum.

„History is more or less bunk“ hat Henry Ford bekanntlich gesagt. Und damit wollte er wohl zu einem Leben im Jetzt statt in der Vergangenheit aufrufen. Ein bemerkenswerter Gedanke. Keine Frage: Es ist wichtig, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen. Wir sind nicht gezwungen, die gleichen Fehler immer wieder machen zu müssen. Wo die Beschäftigung mit der Vergangenheit aber nur der Glorifizierung vergangener Zeiten dient, läuft psychologisch gewaltig etwas schief.

Leider leben die meisten Menschen bekanntlich entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Die allerwenigsten in der Gegenwart.

Wer in der Gegenwart lebt, ist präsent und hat Freude am Leben.

Wer demgegenüber in der Vergangenheit lebt, hat diese in aller Regel nicht aufgearbeitet und sucht in ihr das ihm Vertraute und Bekannte. Er hat Angst im Jetzt zu versagen und Angst davor, was ihn in der Zukunft erwarten könnte.

Hinzu kommt, dass der Schwede meisterhaft in der Kunst des „sopa under mattan“ (die Kunst des unter den Teppich kehrens) ist. Der Hügel wächst mit der Zeit, bis man irgendwann - absehbar - kräftig darüber stolpert.

Wer sich mit dem Thema akustisch und literarisch vertiefend befassen möchte, dem sei folgender Klassiker (hier eine Aufnahme von 1969) ans Herz gelegt:



Die Lyrics zum Song gibt es hier.

Besser könnte ich es nicht zusammenfassen...

Wir leben noch - Lappland im Griff der Kälte

Die tägliche Lektüre des Pressespiegels verrät uns, dass es Lappland in den vergangenen Tagen in die internationale Presse geschafft hat, denn wieder einmal richtiger Winter in Lappland.

Ich sitze im Auto und beim Blick auf die Temperaturanzeige im Armaturenbrett kommt mir plötzlich die Frage: Warum ist es da draussen eigentlich doppelt so kalt wie in unserer Gefriertruhe?

Unter minus 30 Grad C verändern sich Leben und Alltag. Auch wenn Du nur kurz nach draussen gehst, packst Du Dich in mehrere Schichten Kleider ein und siehst wie ein Michelinmännchen aus.

Wenn es schnell gehen muss gibt es Missgeschicke; ein alltägliches Beispiel: Du bist beim Geschirrspülen und der Hund will raus (oder kurze Zeit später wieder rein). Also mit den Nassen Händen schnell die Tür geöffnet. Schwerer Fehler, denn Du frierst sofort an der Türklinke an und das tut weh.

Alles wird schwerfällig. Auf die Technik ist kein Verlass mehr. Der sonst stets zuverlässige Handgriff an der Autotür bricht bei minus 38 Grad einfach ab, wenn Du die Tür öffnen möchtest. Das Auto gibt ächzende Geräusche von sich und schleppt sich nur noch äusserst widerwillig über die Strasse. Bremsen und Kupplung werden schwerfällig und das Schalten gleicht dem Rühren mit einem Kochlöffel in einem Mürbeteig.

Langsamheit ist das Gebot der Stunde. Auch bei maximalem Frostschutz (so um die minus 45 Grad) muss daran gedacht werden, dass der Windchill-Faktor dramatisch zuschlägt.

Wer bei unter minus 30 Grad auch nur etwas zu schnell fährt riskiert, seinen Kühler binnen Minuten in eine Eisblock zu verwandeln. Und im Zweifel gibt es an der Stelle, an welcher der Motor dann seinen Geist völlig aufgibt, keinen Mobilfunkempfang und die Notfalltasche mit den warmen Stiefeln, der Fellmütze und dem Winteroverall liegt in der heimischen Garage statt im Kofferraum...

Der Schwede und die Schwedin nehmen das alles recht gelassen. In Arvidsjaur sind bei minus 30 Grad noch einige Radfahrer unterwegs gewesen und viele Schulkinder sind - dick eingepackt - zu Fuss unterwegs zum Unterricht.

Der Temperaturunterschied ist gewaltig. Beim Betreten des Hauses liegt das Temperaturgefälle mitunter bei 50 bis 60 Grad. Die Brille beschlägt sofort eisig.

Die vergangenen zwei Wochen hat sich das Thermometer am unteren Ende der Skala befunden. Die Temperaturen schwankten zwischen minus 25 und minus 40 Grad und haben uns wieder vor manche Herausforderungen gestellt.

Die extreme arktische Kälte führt dazu, dass Du wesentliche Teile des Tages schlicht damit verbringst, Holz in den Ofen der Heizung zu schichten. Das hat aber auch seine guten Seiten: Viel Zeit zum Nachdenken im warmen Heizraum.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag ist das Thermometer im steilen Winkel dann binnen einiger Stunden endlich von minus 33 auf minus 7 gestiegen. Und mittlerweile rechnen alle veröffentlichten Wettermodelle mit einer milden Winterphase, jedenfalls soweit es die Temperaturen angeht. Zu schreibender Stunde sind die nächsten Tage zwischen minus 10 und 20 Grad zu erwarten. Es könnte in den nächsten Tagen allerdings wieder ordentlich schneien. Die bisherige Gesamtschneehöhe liegt bei 65-70 cm, was ungefähr die Hälfte des ansonsten saisonüblichen Wertes zu dieser Zeit ist.

Minus 36 Grad - Warum ist es da draussen eigentlich doppelt so kalt wie in unserer Gefriertruhe?
Warum ist es da draussen eigentlich doppelt so kalt wie in unserer Gefriertruhe?

Dringender Hilferuf an die EU: Normierung von Toilettenpapierrollenkernen erforderlich!

Aufmerksame Leser kennen die Rubrik „Europäisches“ schon. Hier geht es um die existentiellen Probleme der Menschheit und des täglichen Lebens, derer sich die EU in Form allgemeinverbindlicher Regelungen zur Erhaltung von Weltfrieden und Umwelt (sprich: Klima) unbedingt schleunigst annehmen sollte.

Während des dramatischen Kälteeinbruchs der vergangenen Tage in Lappland - das Thermometer sank bedenklich nahe an die Grenze von minus 40 C - habe ich wesentliche Teile des Tages damit verbracht, Holz in den Ofen zu stapeln. Aber um die jüngste Kälte soll es hier nur mittelbar gehen.

Jedenfalls: Manchmal ging der Ofen aus und ich musste ihn neu anfeuern. Dazu eignen sich alte Zeitungen ganz besonders, womit übrigens zugleich auch klar beweisen wäre, dass die Zukunft des klassischen Journalismus zumindest in kalten Regionen gesichert ist. Vielleicht freilich mit einem anderen Geschäftsmodell, denn die Zeitung von gestern brennt eben so gut, wie die von heute. Aber auch das ist wieder eine andere Diskussion, die zu einem späteren Zeitpunkt geführt werden kann.

Als ich also so mein Anfeuerpapier auf dem Holz verteilte, fiel mir eine grosse Tüte mit Toilettenpapierrollenkernen in die Hände. Sehr schön, denn die brennen sehr gut. Eines fiel mir aber auf: In Länge, Wandungsstärke und Durchmesser unterschieden sich die Toilettenpapierkernrollen. Sehr merkwürdig. Und während ich dann ans Zündeln ging und in die Flammen starrte, entfaltete sich die ganze Tragweite vor meinem geistigen Auge: Im Unterschied zur Grösse von Eiskugeln (über die wir hier schon ausführlich gesprochen hatten) ist die Erforderlichkeit allgemeiner europarechtlicher Vorschriften zu Toilettenpapierkernrollen äusserst akut. Schliesslich handelt es sich um einen Artikel des täglichen Bedarfs in der allgemeinen Bevölkerung.

Nach aktuellen Statistiken liegt der Durchschnitt an verbrauchtem Toilettenpapier in der EU bei satten 13 Kg (in Deutschland liegt er bezeichnenderweise sogar noch darüber: 15 Kg).

Können Sie sich vorstellen, über wie viele Toilettenpapierrollen wir also reden?

Rechnen wir doch einmal: Das durchschnittliche Gewicht einer Toilettenpapierrolle liegt bei 100 Gramm. Wir teilen 13 Kilo durch 100 Gramm und es ergeben sich 130 Toilettenpapierrollen pro Jahr und EU-Bürger. Die EU hat derzeit 508 Millionen Einwohner. Das ergibt 66040000000 (auf Deutsch ungefähr 66 Milliarden) Toilettenpapierrollen pro Jahr in der gesamten EU. Eine völlig unvorstellbare Menge. Sammeln Sie einmal 10 Toilettenpapierkernrollen und legen Sie diese vor sich auf den Tisch; und jetzt stellen Sie sich 66 Milliarden Stück davon vor.

Wie ich bereits erwähnt habe, unterscheiden sich die im Feldversuch untersuchten Toilettenpapierkernrollen in Länge, Wandungsstärke und Durchmesser (schwacher Trost: immerhin sind sie alle aus Recyclingspapier hergestellt).

Kurz und gut: Ein Fall von Intransparenz und Irreführung par excellence. Der Verbraucher muss geradezu getäuscht werden. Denn selbst wenn der Rollendurchmesser aussen gemessen derselbe ist, sagt das überhaupt nichts über die Menge an Papier auf der Rolle aus, wenn die Kerne unterschiedlich sind. Von den feinen Unterscheidungen zwischen ein-, zwei-, drei- und vierlagigem Papier wollen wir einmal ganz absehen. A propos: Wenn wir schon bei Neuregelungen sind, dann machen wir gleich das zweilagige Toilettenpapier zum Standard. Etwas Luxus wird dabei gegen Belange des Umweltschutzes abgewogen. Die Struktur für die Prägung und ein alternatives Muster legen wir auch gleich fest.

Hinzu kommt ein Weiteres: 66 Milliarden Toilettenpapierkernrollen schreien geradezu nach Wiederverwertung. Ein neues Recyclingsystem muss her. Da werden 66 Milliarden Stück eines wertvollen und recyclingfähigen Gebrauchsproduktes jährlich einfach weggeworfen. Ein unvorstellbarer Skandal.

Nebenbei gäbe es noch einen weiteren interessanten Aspekt der Gleichheit: Es soll doch tatsächlich EU-Länder gegen, in denen das Toilettenpapier (noch) nicht auf Rollen im Handel ist. Das ist gleich der nächste Skandal, der im Zuge einer umfassenden Regelung mit erledigt werden könnte.

Während meine Gedanken heisslaufen und ich mich mit Frau Lapplandblog darüber austausche - Sie holt übrigens zunächst das Fieberthermometer, was ich nicht ganz verstehe - wirft Sie den klugen Gedanken in den Ring, dass es ein Hygieneproblem geben könnte. Aber kein Problem, dass nicht durch eine saubere Normierung und juristische Regelungen gelöst werden könnte. Der EU-Einheits-Toilettenpapierrollenkern muss aus einem gewichtsarmen desinfizierbaren Recyclingplastik hergestellt werden, dass mindestens eine bestimmte Anzahl von Wiederverwertungs- sprich Desinfektionszyklen toleriert (Vorschlag: zehn).

Liebe Eu-Kommission, meine Vorschläge für eine neue EU-Rechtsverordnung zur Einführung und Vereinheitlichung von Toilettenpapierrollenkernen sind:

1. Regelungen zur Verbindlichkeit des Feilhaltens von Toilettenpapier auf Rollen.

2. Vorschriften zur EU-weiten Verbindlichkeit des zweilagigen Toilettenpapiers samt Regelungen über die zu verwendenden Papierarten. Ausnahmen für hochrangige Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens können vorgesehen werden.

3. Regelungen zu Länge, Wandungsstärke, Durchmesser und Gewicht der Toilettenpapierrollenkerne.

4. Regelungen zu den zulässigen Materialien der Toilettenpapierrollenkerne.

5. Vorschriften über die Einführung eines neuen europaweiten Recyclingsystemes; insbesondere zu den einzuhaltenden Desinfektions- und Hygienestandards.

Dieser Vorschlag ist übrigens alternativlos, wenn der Niedergang von Wirtschaft und Umwelt noch abgewendet werden soll.

Dringender Hilferuf an die EU: Normierung von Toilettenpapierrollenkernen erforderlich!
Der Stein des Anstosses und die Wurzel des Übels: Toilettenpapierrollenkerne

Klara Nordin: Septemberschuld - Der nächste Lappland-Krimi ist erschienen

Klara Nordin: Septemberschuld - Der nächste Lappland-Krimi ist erschienen


Die langen und kalten Winternächte um den Polarkreis in Lappland sind die geeignete Zeit, um in aller Ruhe Bücher zu lesen. Denn was gibt es schöneres, als bei klirrenden minus 30 Grad vor dem knisternden Ofen auf dem kuscheligen Sofa zu liegen, Beine und Füsse in eine Decke eingehüllt, eine schnurrende Katze auf den Oberschenkeln zu haben, und in die Welt eines Buches einzutauchen?

Welche Lektüre kann ich heute empfehlen?

Nach Ihrem Erstlingswerk "Totenleuchten" hat Klara Nordin vor drei Monaten "Septemberschuld", das zweite Werk Ihrer Reihe von Lappland-Krimis veröffentlicht.

Diesmal taucht Sie tief in die Welt der samischen Ursprungsbevölkerung ein. Das Buch beginnt mit einer sehr blutigen Leiche, die unter sehr mysteriösen Umständen ums Leben gekommen zu sein scheint. Ihrem in Totenleuchten begonnenen Leitthema, dass die Tatausführung einen Bezug zur Schlachtung von Rentieren hat, führt Sie gekonnt weiter. Mehr sei nicht verraten.

Auch in Septemberschuld ist Klaras Gabe, ganz unterschiedliche Handlungsstränge gekonnt zu verflechten, faszinierend. Viele Charaktere sind uns dabei bereits aus Totenleuchten bekannt. Ihre Personenbeschreibungen zeichnen Psychogramme der Beteiligten (und Unbeteiligten), die wiederum geradezu erschreckend zutreffende, tiefe Einblicke in die (nord-)schwedische Seele zeigen. Und die Handlung ist, wie sie bei einem richtig guten Krimi sein soll. Am Anfang undurchsichtig. Dann gibt es verschiedene Spuren, denen der Leser gedanklich folgt, und im letzten Viertel des Buches entfaltet sich eine ungeheure Geschichte (die eine der "Heiligen Kühe" der Wirtschaft in Nordschweden berührt). Mehr sei auch dazu nicht verraten. Nur so viel: Die Spannung hält von der ersten bis zur letzten Seite.

Ihre Hausaufgaben hat Klara Nordin auch dieses Mal wieder gelungen gemacht. Die detailreichen Schilderungen der Locations sind besser als jeder Reiseführer.

Prädikat: Auch Septemberschuld ist Pflichtlektüre für Krimiliebhaber, die Ihr Herz an Nordschweden verloren haben. Und auch alle anderen Krimibegeisterten kommen voll auf ihre Kosten.

Septemberschuld ist erschienen bei Kiepenheuer & Witsch und hat 336 Seiten. Das Buch kostet 9,99 Euro und ist auch als Ebook erhältlich. Bei Audible gibt es Septemberschuld auch als Hörbuch.

-> Mehr Infos und eine Bestellmöglichkeit gibt es auf der Homepage der Autorin: www.klaranordin.de

366 - One Phone - One App - One Year

366 - One Phone - One App - One Year


Vorgeschichte


Ich bin es leid, denn ich habe im vergangenen Jahr einfach viel zu viele „gestochen scharfe Bilder, die mit knackscharfen Optiken“ erstellt worden sind gesehen, die aber auch wirklich null Aussage und Inhalt hatten. Bilderschrott.

All die stinklangweiligen (aber „rasiermesserscharfen“) Bilder von Motiven, die es in derselben Form in 100 Jahren - vorausgesetzt es gibt unsere Welt dann noch und wir haben es in der Zwischenzeit nicht geschafft, sie völlig an die Wand zu fahren - noch genau so geben wird, wie es sie heute gibt. Warum um alles in der Welt muss man das einhunderttausendste Bild eines ausgelatschten Motives machen und dann auch noch zeigen? Ein Bild, das aussieht wie all die anderen Bilder desselben Motives, die es bereits gibt?

Kleiner Tipp am Rande: Gerade die vergänglichen Motive sind es, die den ideellen und künstlerischen Wert eines Bildes ausmachen. Aber zurück zum Thema.

Der technische Overkill sinnentleerter Fotografie hat mich im Laufe des Jahres immer mehr abgestossen inklusive der dazugehörigen Diskussionen über rein technische fotografische Details und Aspekte.

Wo wird denn darüber geredet und in den diversen Foren geschrieben was gute Bilder ausmacht und wie sich echte Bildaussagen verstärken lassen?

Es widert mich einfach nur noch an. 

Hinzu kommt: Die Hardwarehersteller bescheren uns im laufenden Takt neue Megapixelmonster mit der Suggestion, diese seien fotografisch (über-)lebensnotwendig (und würden zu besseren Bildern führen). 

Ich bin dessen einfach müde und kann und will es nicht mehr hören und lesen. Ich verstehe ja, dass die Wirtschaft in Schwung gehalten werden muss, aber bitte nicht zulasten der Bilder, um die es in der Fotografie doch schliesslich geht (oder habe ich da etwas falsch verstanden?).

Eigentlich geht es doch genau um das Gegenteil des Equipment-Overkills: Restriktionen und Beschränkungen sind der Freund der Kreativität.

Und das hat mich vor einigen Wochen auf eine Idee gebracht.


One Phone - One App - One Year

Zur Zeit sind „365er-Projekte“ ganz beliebt. Es geht darum, an jedem Tag des Jahres (mindestens) ein Bild zu machen und dieses dann zu veröffentlichen. Oft gibt es ein Oberthema der Serie. Ganz beliebt sind z. B. solche Fotoprojekte, die rein analog fotografiert werden, oder die mit nur einer Kamera und einem Objektiv erstellt werden. Die Beschränkungen, die zu mehr Kreativität führen, lassen grüssen.

Nach den überaus erfreulichen Erfahrungen mit der neuen iPhone-App „Argent Film Simulator“ habe ich mich entschieden, einen - bislang unüblichen - Weg zu beschreiten: Ein Jahr nur mit einem iPhone und einer einzigen App (und bei dieser hauptsächlich mit nur zwei Filmsimulationen). 

Ehrlich zugegeben bangt es mir etwas vor dem Aufwand und deswegen greife ich einen Gedanken auf, den der geschätzte Kollege Stefan Groenveld für sein Jahresprojekt aufgebracht hat. Ich werde jeden Tag mindestens ein Bild zur Serie machen. Da es manchmal zeitlich extrem eng ist, werde ich die Bilder nicht unbedingt jeden Tag posten, sondern mir vorbehalten, jeweils einen Schwung Bilder zu veröffentlichen. Das dürfte auch für die Leser und Betrachter beizeiten einfacher und angenehmer sein. 
 
Das ganze Projekt steht übrigens unter dem Titel „Wind Of Change“ (Hintergrüne dazu gibt es hier).

-> Auf Instagram könnt Ihr dem Projekt hier folgen.

Besonders prickelnd: Das neue Jahr 2016 ist bekanntlich ein Schaltjahr, was die Sache noch attraktiver und herausfordernder macht. Denn statt 365 gibt es sogar 366 Tage und folglich Bilder :)

Allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in das neue Jahr!
  

2015/2016 - Blick zurück nach vorn - Achtung: Philosophische Betrachtung!

Was ist gewesen? Das, was sein wird! Und was hat man gemacht? Das, was man machen wird! Und es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Prediger Kap. 1 Vers 9



Polare Stratosphärenwolken
Apokalyptisch anmutendes Szenario: Polare Stratosphärenwolken


Apokalyptisch anmutende Szenerie


Umgangssprachlich wird die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr gerne als die Zeit „zwischen den Jahren“ bezeichnet. Eine Zeit der Rück- und Vorschau. Das apokalyptisch anmutende Schauspiel polarer Stratosphärenwolken (auch unter dem Namen „Irisierende Wolken“ oder „Perlmuttwolken“ bekannt) hat gestern die passende Umrahmung für diese Betrachtung geliefert. 
 


Wendezeit - Warten auf den sechsten Kondratjew 

Auch bei wohlwollender Sichtweise offenbart die Rückschau auf 2015, dass die globale (und an sehr vielen Stellen auf der Welt ebenso die lokale) Situation - bildlich gesprochen - „richtig im Dreck“ steckt. 

Betrachten wir als Beispiel die wirtschaftliche Lage: Nach den diversen Krisen des vergangenen Jahrzehnts schleppt sich die Konjunktur auf dem letzten Loch pfeifend dahin. Hunderte Milliarden werden heute hierhin und morgen dorthin gepumpt, ohne dass sich eine tiefgreifende und nachhaltige Erholung abzeichnet. Es wäre dringend an der Zeit für einen neuen Innovationsschub; eine neue Basisinnovation wäre vonnöten, um der Wirtschaft wieder Schwung zu geben. In der Wirtschaftswissenschaft gibt es dazu das Modell der „langen Wellen“.

Einer der bekanntesten Forscher auf diesem Gebiet war der sowjetischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew (manchmal findet sich auch die Schreibweise „Kondratieff“). Nach ihm ist auch eines der Wellenmodelle benannt: Die Kondratjew-Zyklen. Sie beschreiben eine Theorie zur zyklischen Wirtschaftsentwicklung, die Theorie der Langen Wellen.

Nach Kondratjews Theorie dauern die langen Wellen zwischen 40 und 60 Jahren und bestehen aus einer länger andauernden Aufstiegsphase und einer kürzeren Abstiegsphase. Im statistischen Mittel wird der Tiefpunkt durchschnittlich nach 52 Jahren durchschritten.

Die fünfte Langwelle (auch kurz als „fünfter Kondratjew“ bezeichnet) hat in den 70er Jahren begonnen und hat den Schwerpunkt „Infomations- und Kommunikationstechnik“ (mit dem Internet als technische Speerspitze der Entwicklung). Der Stosskraft dieser Welle ist mittlerweile aber die Puste ausgegangen. Echte grundlegende Innovation gibt es nicht mehr. Detailverbesserungen sind noch an der Tagesordnung, aber Entwicklungen mit revolutionärer Innovationskraft? Fehlanzeige!

Die Talsohle am Ende dieses fünften Kandratjews dürfte demnach das sein, was wir seit einigen Jahren in Form von Krisen, die Schwarmbeben gleich über die Welt laufen, erleben. Wir dürfen also des sechsten Kondratjews harren.

Kurz: Es scheint eine Wendezeit zu sein, in der wir gerade leben.



Wo man auch hinsieht: Exponentielle Entwicklungen

Was die Sache nicht besser macht ist, dass wir an vielen Stellen von Gesellschaft und Wirtschaft ein anderes Phänomen deutlich erkennen können, das auf den Namen „exponentielle Entwicklung“ hört. Worum es dabei geht, beschreibt am besten die folgende Legende (verkürzt zitiert nach Wikpedia):

Der indische Herrscher Shihram tyrannisierte seine Untertanen und stürzte sein Land in Not und Elend. Dieser gewährte dem weisen Brahmanen Sissa einen freien Wunsch. Dieser wünschte sich Weizenkörner: Auf das erste Feld eines Schachbretts wollte er ein Korn, auf das zweite Feld das doppelte, also zwei, auf das dritte wiederum die doppelte Menge, also vier und so weiter. Der König lachte und war gleichzeitig erbost über die vermeintliche Bescheidenheit des Brahmanen.

Als sich der tyrannische Herrscher einige Tage später erkundigte, ob Sissa seine Belohnung in Empfang genommen habe, musste er hören, dass die Rechenmeister die Menge der Weizenkörner noch nicht berechnet hätten. Der Vorsteher der Kornkammer meldete nach mehreren Tagen ununterbrochener Arbeit, dass er diese Menge Getreidekörner im ganzen Reich nicht aufbringen könne. Auf allen Feldern eines Schachbretts zusammen wären es 2 hoch 64 oder 18.446.744.073.709.551.615 (≈ 18,45 Trillionen) Weizenkörner. Mehr Weizenkörner, als es auf der ganzen Welt gab und gibt...


Das tückische an exponentiellen Entwicklungen ist, dass sie am Anfang sehr einer linearen Entwicklung ähneln.

Die Entwicklungskurven sehen zunächst ganz ähnlich aus, bis die exponentielle Kurve - scheinbar plötzlich - abhebt und steil „gen Himmel geht“. Nach diesem Muster verlaufen fast alle schweren Krisen auf individueller (Beispiel: Vermehrung von Bakterien) wie auf globaler (Beispiel: Finanzkrisen) Ebene.

Die exponentiellen Krisenentwicklungen sind nun leider mit der Talsohle der Kondratjew-Zyklen untrennbar verbunden.


Zone Vier?

Professor Heijo Rieckmann hat einen weiteres Modell begründet, das zur Erklärung der derzeitigen Lage einen wichtigen Erklärungsansatz liefert.

Er versteht Veränderungen in der Dimension der beiden Begriffe Komplexität („complexity“) und Dynamik („dynamics“). Die beiden Faktoren hat er zu dem Begriff „Dynaxity“ verbunden, das die Kombination aus Dynamik und Komplexität beschreibt.

Rieckmann sieht vier Zonen der Dynaxity:  1. statisch, 2. dynamisch, 3. turbulent und 4. chaotisch. Von Zone zu Zone nimmt die Dynaxity, d.h. Komplexität der Umwelt und der für Entscheidungen massgeblichen Faktoren und die Dynamik, d.h. der Veränderungstakt in der Umwelt, zu. Zwischen Zone 3 und 4 hebt die Dynaxity exponentiell ab.

In der Zone 1 (statisch) herrschen weitgehend statischen Verhältnisse. Es gelten einfache Regeln und Strukturen. Menschen fühlen sich hier sehr wohl, denn alles hat seine feste Ordnung.

In der Zone 2 (dynamisch) herrschen beherrschbare Veränderungen, z. B. kontinuierliches Wachstum. Mit vielen Regeln und der Daten- und Faktenorientierung lässt sich diese Zone noch gut beherrschen. Die Umwelt wird aber bereits als störend empfunden. 

In der Zone 3 (turbulent) versagen die mechanistischen Ansätze, mit denen sich die beiden ersten Zonen noch beherrschen liessen. Das gesamte System erscheint plötzlich „lebendig“ und weist eine hohe Eigendynamik auf, die sich unter dem Druck externen Turbulenzen immer weiter verstärkt. Alles ist mit allem vernetzt. Rückkopplungsprozesse (die Lösung eines Problems erzeugt zahlreiche neue) kennzeichnen die Entscheidungsprozesse. 

In der Zone 4 (chaotisch) geht die Steuerbarkeit von Systemen schliesslich verloren. Jetzt herrschen extrem hohe Komplexität und Dynamik, die praktisch nicht mehr gesteuert werden können. Dieser Grad an Dynaxity findet sich z. B. bei Naturkatastrophen, Bürgerkriegen, aber auch psychotische Zustände von Menschen und Systemen.


Vorläufiges Fazit: Nimmt man das Wellenmodell (derzeitige Talsohle), die exponentielle Entwicklung (Kurve kurz vor dem Abheben) und einen Dynaxitygrad auf der Grenze zwischen drei und vier zusammen, dürfte das die derzeitige Situation der Welt recht gut beschreiben. 


Die Entschleunigung der Zeit

Worin kann die Lösung des scheinbar Unlösbaren liegen? Ich meine, sie kann nur auf der ganz individuellen Ebene gefunden werden. Entschleunigung ist angesagt. Nur so können wir uns die kleine Verschnaufpause schenken, deren Zeitgewinn vielleicht über Zukunft oder Nicht-Zukunft entscheidet.

Der österreichische Universitäts-Professor Peter Heintel hatte bereits 1990 eine charmante Idee, um dem Wahnsinn etwas entgegen zu setzen. Er gründete kurzerhand einen Verein zur Verzögerung der Zeit.

Nach der Satzung des Vereins verpflichten sich alle Mitglieder „innezuhalten und nachzudenken und zwar dort, wo blinder Aktionismus und partikuläre Interessen Scheinlösungen produzieren“.

Denn ein entscheidendes Problem der gegenwärtigen Zeit liegt in der Beschleunigung, d.h. dem Wunsch, möglichst viel in immer kürzerer Zeit immer schneller zu erreichen. Die Beschleunigung hat mittlerweile allerorten Einzug gehalten. Das ist nicht mehr menschlich, denn Lebewesen können nicht einfach gegen ihre Eigenzeit schneller funktionieren. Ein Blick in die Natur macht das anschaulich: Organische Wachtsumsprozesse brauchen ihre Zeit. Der Glaubenssatz des „schneller ist besser“ wurde aber erfolgreich in die Köpfe der Menschen implantiert.

Kurz: Nicht die Zeit, sondern das Tempo macht uns fertig.

Entschleunigung könnte der entscheidende Ansatz sein, der das Leben lebenswert erhält.

In diesem Sinne: Einen guten Start in das Jahr 2016!   

Im Betatest: Argent Film Simulator App für iOS

Vorbemerkung

Worauf der Charme von Bildern im Retro-Style, d.h. im Stil von klassischen Film- und Entwicklerkombinationen, oft veredelt mit Farbfiltern und getöntem Papier, beruht, wäre eine Frage an die Psychologen und Verhaltensforscher. Vielleicht gibt es eine Korrelation mit dem Alter der Fotografen und Betrachter? Oder vielleicht ist es einfach nur eine Alternative für alle, die der Dunkelkammer leid geworden sind? Ich weiss es nicht. Jedenfalls gehöre auch ich zur Gruppe der Retro-Fans und deswegen hat mich die Nachricht, die mich vor einigen Wochen erreichte, sehr neugierig gemacht: Die Entwicklung einer neuen und sehr vielversprechenden App für die Filmsimulation unter iOS geht in die Endphase.

Kritiker könnten argumentieren, dass es bereits hinreichend viele solche Apps gibt. Ja und Nein. Die neue App "Argent Film Simulator" hat das Zeug dazu, etwas Besonderes zu sein. Der Entwickler hinter der App ist Sean M Puckett, ein Urgestein in Sachen Filmsimulation. Er entwickelte bereits vor etlichen Jahren die legendären Plugins Andy (für V4) und Andrea (für V5) für den RAW-Konverter Bibble (den es bekanntlich seit 2011 leider nicht mehr gibt). Auch für den - wenig geglückten - Nachfolger von Bibble, AfterShot Pro, entwickelte Sean ein Plugin namens Nostalgia, den Nachfolger von Andy und Andrea. Viele Fotokünstler haben seinerzeit Bibble und AfterShot Pro gerade wegen der phänomenalen Plugins von Sean genutzt.


Die Neuigkeit

Vor einigen Wochen erfuhr ich, dass Sean an einer App (die auf den Namen "Argent Film Simulator" hört) arbeitet, die eine Weiterentwicklung seines klassischen Plugin-Konzeptes ist. Nach einem kurzen Mailaustausch habe ich die neue App seit geraumer Zeit als Betatester unter der Kur. Und um es für die eiligen Leserinnen und Leser kurz zu machen: Die App ist ein Volltreffer.


Das Konzept

Das Konzept der App ist pures WYSIWIG ("What You See Is What You Get", oder auf Deutsch: "Was du siehst, ist was du bekommst."). Alle Einstellungen und Änderungen werden direkt in der Preview dargestellt. Und die Preview ist charmanterweise immer als Hintergrundbild sichtbar. Die Einstellungen werden als Overlays dargestellt. Das ist unglaublich praktisch.

Sean hat sich dem Konzept "less is more" verschrieben und so sind die Bedienelemente und Menüs sehr aufgeräumt und übersichtlich.

Argent Film Simulator - Aufgeräumt und übersichtlich: Die Standardansicht
Aufgeräumt und übersichtlich: Die Standardansicht


Am unteren Bildschirmrand

Am unteren Bildschirmrand gibt es ein grosses Einstellrad für die Belichtungskorrektur (bei Autoexposure), bzw. die manuelle Einstellung der Belichtung. Nun zu den restlichen Bedienelementen an dieser Stelle.

Ganz links lässt sich die Vignette einstellen, daneben der Button, über den die Presets abgerufen werden (dazu später mehr). In der Mitte der grosse Auslöser, der durch die mittigen Halbkreise die Verschlussgeschwindigkeit und die Verwackelungsgefahr anzeigt (je mehr Halbkreise, desto längere Verschlusszeit). Rechts daneben der Button, der die Funktion des Autofokus festlegt und ganz rechts die Auswahl des Seitenverhältnisses (darunter auch einige eher unübliche Formate). Der Button für das Seitenverhältnisses gibt über Swipe zusätzlich den Zugriff auf verschiedene Hilfslinienmuster frei.

An Presets gibt es acht Bänke mit je sechs Presets. Das genügt auch einem weitgefächerten Bedürfnis nach individueller Auswahl.

Die Bedienerführung ist so einfach wie möglich. Die Buttons lassen sich durch klicken in ihrem Status weiterschalten. Einige können zusätzlich auch durch ein Swipe nach oben oder unten bedient werden.

Argent Film Simulator - Ein Klick auf das Symbol mit den drei Punkten gibt zusätzliche Bedienelemente frei
Ein Klick auf das Symbol mit den drei Punkten gibt zusätzliche Bedienelemente frei


Am oberen Bildschirmrand

Am oberen Bildschrimrand lassen sich durch einen Klick auf das Symbol mit den drei Punkten die Werkzeuge für den Belichtungsmodus (auto oder manuell), den Weissabgleich, die Fokusmethode, den Flip-Mode (180-Grad Rotation an oder aus), den Selbstauslöser und die Kameraauswahl (front oder rear) bedienen. Klingt viel komplizierter als es ist, und die meisten Einstellungen hier werden ohnehin eher selten benötigt (abgesehen vom Weissabgleich). Der Weissabgleich ermöglicht auch den Einsatz einer Graukarte, denn er lässt sich "locken". Für die schwarz/weissen Presets kann es sich empfehlen, den Weissabgleich fest auf Tageslicht einzustellen.

Argent Film Simulator - Bei der Auswahl eines Presets werden die Informationen dazu angezeigt
Bei der Auswahl eines Presets werden die Informationen dazu angezeigt


Zwischenstand

Nach drei Wochen mit der neuen App kann ich sagen, dass die Anordnung der Bedienelemente und die Bedienung selbst flüssig und organisch gut sind. Alles ist "an der richtigen Stelle" und die Bedienung geht nach sehr kurzer Eingewöhnung zügig von der Hand.

Argent Film Simulator - Mächtiges Werkzeug unter der Haube: Der Preset-Editor
Mächtiges Werkzeug unter der Haube: Der Preset-Editor


Verborgene Power: Der Preset-Editor

Bislang haben wir uns nur mit der Standardoberfläche befasst. Das Konzept hinter der App ist - wie schon gesagt - WYSIWYG. Alle Presets für die einzelnen Filmsimulationen - die bereits ab Werk mit geschmackvoller Auswahl belegt sind - lassen sich mit einem mächtigen Editor individuell bearbeiten. Nicht alle Standard-Presets mögen jedem Anwender gefallen und viele Anwender werden den Look einer speziellen Film- und Entwicklerkombination haben wollen. Hier kommt der mächtige Preset-Editor ins Spiel. Die einzelnen Filme sind aus Gründen des Copyright nicht immer exakt mit der Originalbezeichnung benannt (z. B. "Fuj Velvet 100"), aber der Kenner wird sofort erkennen, was jeweils gemeint ist.

Wer früher schon mit den Plugins von Sean gearbeitet hat, wird sich hier sofort heimisch fühlen. Für jeden Preset lässt sich eine individuelle Kombination aus Film, Papier (soweit nicht Slidefilm), Anpassungen und Tönung (bei s/w) festlegen. Zusätzlich lässt sich wählen, ob eine digitale, lineare Sättigungskurve oder eine filmtypische solche verwendet werden soll.

Im oberen Bereich des Editors findet sich die Auswahl einer Fülle von Filmen. Viele davon sind bekannte Klassiker, aber auch einige "Exoten" befinden sich darunter. Für jeden Geschmack dürften sich eine passende Auswahl finden.

Die blauen Symbole stehen für schwarz/weiss Filme, die grünen für Farbfilme. Die sich vom Look nahestehenden Filme sind durch hellere und dunklere Symbole hervorgehoben. Gefüllte Quadrate stehen für Sofortbildfilme, halbe Quadrate für Diafilme, gefüllte Kreise für Negativfilme und halbe Kreise für Positivfilme. Die gelbe Hervorhebung gibt an, welche Kombination gerade aktiv ist. Alle Änderungen werden stets sofort im Sucherbild im Hintergrund sichtbar. Sehr praktisch ist die Möglichkeit mit einem Finger langsam über die Auswahlbuttons zu streichen, und die Änderungen im Hintergrund live zu sehen.

Zusätzlich lassen sich noch Farbfilter und die Entwicklungszeit (Negativ und Papier) angeben. Ein nettes Feature aus den Desktop-Plugins findet sich auch hier: Alle Filme lassen sich erzwungenermassen als schwarz/weiss oder Farbfilm entwickeln, was in vielen Fällen interessante Effekte gibt.

Der Editor ist - wie schon gesagt - sehr mächtig. Die meisten User werden sich aber für Ihre "Favoriten" entscheiden. Die können dann in einer der Presetbänke gespeichert werden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Ich alte es simpel: Meine Favoriten sind in logischer Folge (erst die Farb- dann die schwarz/weiss-Presets) in der ersten Presetbank gespeichert, und dadurch jederzeit in Griffweite.

Wer sich einen visuellen Eindruck der Fähigkeiten verschaffen möchte, kann auf Instagram dem Hashtag #ArgentFilmSim folgen.

Die neue App setzt iOS 9 (und damit mindestens ein iPhone 4S) voraus.

Sean hat mir heute mitgeteilt, dass die App gerade für die Veröffentlichung im App-Store eingereicht wurde. Sie dürfte ein ein bis zwei Wochen verfügbar sein. Es wird eine Freeware-Version geben, bei der es nicht möglich ist, Änderungen in den Presets zu speichern. Eine überaus faire und anwenderfreundliche Lösung, die es ermöglicht, die App ausfürhlich zu testen, bevor man die volle Funktionalität über einen In-App-Kauf freischalten möchte.

Mein Fazit: Sie drei Wochen benutze ich ausschliesslich fast nur noch Argent Fil Simulator und bin von den Ergebnissen sehr begeistert. Ein echter Geheimtipp.


UPDATE 2015-12-24: Kurz vor Weihnachten ist Argent Fim Simulator 1.0 nun im Apple AppStore gelandet.

Im Griff der Kälte - Der Winter wurde geliefert

Der Jahreszeitenschalter in Lappland wurde wieder umgeschaltet. Spät, aber dennoch. Über uns ist derzeit der sternklare Himmel und das Thermometer befindet sich im freien Fall. Binnen 2 Stunden ist die Quecksilbersäule jetzt um 10 Grad - auf nunmehr minus 18 C - gefallen und es dürfte weiter sinken.

Vor etwa einer Woche hat es begonnen, wintertypisch zu schneien. Zwar liegt bei weitem noch nicht so viel Schnee wie in den zurückliegenden Jahren, aber der Anfang des "richtigen" Norrlandwinters ist gesetzt.

Wir werden sehen, wie es nun wettermässig weiter geht. Viele Langzeitprognosen sprechen von einem ungewöhnlich kalten Winter, der uns in ganz Europa bevorstehen soll. Deswegen seien alle Leserinnen und Leser an den Blogbeitrag "Ein paar Tipps für den Umgang mit der Kälte" erinnert.

Der Winter am Polarkreis in Lappland ist eingetroffen
Der Winter am Polarkreis in Lappland ist eingetroffen

Regen bei null Grad

So ziemlich eines der unangenehmsten Klimaphänomene, das uns mindestens einmal jährlich - meistens im Spätherbst - in Lappland heimsucht: Regen bei Temperaturen um die null Grad.

Wie schon kürzlich hier berichtet, ist das Wetter um den Polarkreis in diesem Jahr etwas speziell. Noch immer liegt kein Schnee, wenngleich sich das in den kommenden Tagen ändern könnte. Dafür gibt es Regen. An und für sich nicht schlimm (Merke: "Es gibt nur unpassende Kleidung").

Anders sieht es aber aus, wenn es bei um die null Grad regnet und es die vergangenen Tage unter null Grad hatte. Binnen Minuten ist alles - einschliesslich der Strassenoberfläche - mit einer Eisschicht überzogen.

Genau so war es am gestrigen Morgen: Gleich mit dem ersten Schritt vor der Tür sind wir gediegen auf eine Rutschpartie gegangen. Also wieder rein, und die Spikes auf die Schuhe gezogen. Mit etwas Gefühl für die Balance ging dann es zu Fuss. Autofahren? Besser nicht, wenn es nicht unbedingt sein muss.

Auf der Strasse ist fast kein Verkehr, und wer sich doch mit dem Auto auf den Weg gemacht hatte (oder machen musste) schlich nur langsam vor sich hin. Mit den Schweden zulässigen und im Winter gebräuchlichen Spikereifen gibt es wenigstens etwas Halt und Grip auf der Fahrbahn; lebensgefährlich kann es doch schneller werden, als es einem lieb ist.

Passt also bitte gerade jetzt besonders auf liebe Urlauber und Besucher! Und denkt an die Wintervorbereitungen für PKW-Fahrten!

Eisregen - Regen bei null Grad
Trist und potentiell lebensgefährlich: Eisregen


Jahreszeitenwechsel - Schlag auf Schlag

Lappland ist für seine „scharfkantigen“ Übergänge zwischen den einzelnen Jahreszeiten bekannt. Noch vor zwei Wochen zeigte sich der - dieses Jahr ungewöhnlich lange und milde - Herbst von seiner besten Seite mit prächtigen Farben und herrlichem Wetter.

Die Auswahl des richtigen Parkplatzes war in Anbetracht der rieselnden Blätterpracht durchaus von Bedeutung. Ein symbolischer Vorgeschmack auf die bald wieder allfällige „Flockendecke“.

Herbstlaub auf Motorhaube Arvidsjaur


Setzt man den Winter der Einfachheit halber mit einer Schneedecke gleich, die Bestand hat - d.h. „liegen bleibt“ - so beginnt der Winter in unserer Region statistisch am 20. Oktober. Das ist zumindest der Schnitt aus den zurückliegenden Jahren.

Wetter und Klima verhalten sich aber nach wie vor seht atypisch in diesem Jahr. Bis zum heutigen Tage - 1. November - hat das Wetter uns zwar schon einige Male einige Flocken des feinen Norrland-Schnees beschert, die aber ebenso schnell wie sie gefallen waren, wieder verschwunden sind. Und auch der Wetterbericht sagt zumindest noch eine behagliche Woche mit Tageshöchsttemperaturen von 6 bis 8 Grad voraus.

In den Skigebieten laufen zwar seit einigen Tagen bereits die Schneekanonen, sie tun sich offensichtlich aber noch recht schwer. Auf dem Skihang in Arvidsjaur ist bislang lediglich ein verschwindend kleiner weiss schimmernder Fleck zu sehen.

Im Tourismus beginnen einige Unternehmer bereits leichte Anzeichen von Nervosität zu zeigen, und auch aus Autotesterkreisen werden die missmutigen Stimmen langsam hörbar. Denn bereits die vergangenen drei Winter waren alles andere als zufriedenstellend für diesen Wirtschaftszweig. Wir haben sogar Gerüchte gehört, dass die Suche nach neuen Standorten bereits im Gange sei.

Aber es gibt noch keinen Grund zur Beunruhigung. Winter und Schnee werden kommen. Und schenkt man den Langzeitprognosen Glauben, dann steht uns sogar ein sehr intensiver Winter bevor. Wir geniessen die noch behaglichen spätherbstlichen Tage, sehen sie aber mehr als eine Erholungspause im Sinne der „Ruhe vor dem Sturm“.

Kleiner Hinweis und dringende Bitte: Die Strassenverhältnisse sind zur Zeit bereits sehr tückisch. Überfrierende Nässe auf dem blanken Teer ist extrem gefährlich - weil während der Fahrt praktisch nicht erkennbar - und wird von vielen Besuchern der Region völlig unterschätzt. Daher die dringende Bitte, am Polarkreis gerade jetzt den Fuss vom Gas zu nehmen und besondere Vorsicht walten zu lassen. Denn bereits ein plötzlich aus dem Wald auf die Strasse springendes Rentier kann zur Katastrophe führen.

scharfkantige_jahreszeiten_1015


Ein Sinnbild der abrupten Übergänge: Im Schatten ist das Gras grau und von Frost bedeckt; auf der Sonnenseite schimmert es (noch) gülden.

"Es werde Licht" - aber doch nicht so

Ein traumhafter Herbsttag und ein wunderschöner Waldspaziergang an einer Stelle, an die es uns bislang noch nicht verschlagen hatte. Ein Tag zum Geniessen.

Aber unvermittelt stehe ich plötzlich wie angewurzelt und reibe mir verwundert die Augen. Zugegeben, wir sind so einiges an "kreativer" (spricht: unanständiger und gesetzwidriger) Abfallentsorgung gewohnt und haben schon viel gesehen. Aber das Fundstück, das da vor und lag, hatte leider wieder einmal eine besondere Klasse.

Ungefähr zwei Kilometer querfeldein im Wald lag da ein Stapel mit eigentlich einmal sehr schönen und luxuriösen Lampen. Sauber demontiert und noch mit Glühbirnen in den Fassungen. Keine schlichten Lampen, sondern exklusive Modelle aus deutscher Produktion. Dem Zustand nach zu urteilen lagen sie da schon um die fünf Jahre.

Mal abgesehen von der Frage warum sich jemand die Mühe macht, eine so grosse Menge Elektroschrott für die "Entsorgung" zwei Kilometer durch den Wald zu schleifen, wo doch der nächste Recyclinghof mit dem Auto problemlos erreichbar ist, verwundert es auch sehr, warum die edlen Lampen nicht über eine der einschlägigen Onlineplattformen verkauft worden sind. Handelt es sich etwa um Diebesgut? Aber welcher Einbrecher würde sich schon Mühe machen, Deckenlampen erst fachgerecht abzumontieren, um sie dann im Wald zu entsorgen?

Wieder einmal eines dieser Rätsel, die sich nicht auflösen lassen werden.

Der aufmerksamen Leserschaft jedenfalls werden einige Artikel zum "speziellen" Umweltbewusstsein in Schweden in Erinnerung sein. Was haben wir nicht alles schon irgendwo tief im Wald gefunden: Autowracks, Stapel von alten Autobatterien, haufenweise Müllsäcke, und vieles mehr...

es_werde_licht_10_2015
Es werde Licht - „kreative“ Abfallentsorgung in Schweden

Light from above

Light from above
Am Skellefteå-Airport an einem der letzten richtig sonnigen Tage

Kompositorische Herausforderung vs. Chaos - Schritt für Schritt zum endgültigen Bild

Zugegeben, Fotos durch die Kabinenfenster eines Flugzeuges sind vermutlich eines der inflationärsten Motive überhaupt. Und es scheint auch ganz klar, warum das so ist: Was sollen denn über Stunden auf engem Raum „eingesperrte“ Menschen ohne WLAN oder Netzanbindung mit ihren smarten Mobiltelefonen tun?

Jedenfalls erliege auch ich immer wieder der Versuchung, durch das "Tor zur freien Welt da draussen" ein vernünftiges Bild zu machen. So vor einigen Tagen in Stockholm Arlanda nach dem Boarding und kurz vor dem Abflug gen Polarkreis. Aus organisatorischen Gründen dieses Mal mit SAS nach Skellefteå und nicht direkt nach Arvidsjaur.

Nach einem kurzen Smalltalk mit dem Sitznachbarn schweifte mein Blick in der proppenvollen Boing umher. Die Aussicht durch das "fliegende Bullauge" fing unbewusst meine Aufmerksamkeit. Da ging kompositorisch etwas vor sich. Viele Linien und schöne Formen; dazu noch reizvoller Fahrverkehr von Bodenfahrzeugen im Hintergrund. Aber irgendwie ein "Overkill" an Farben und Formen. Also habe ich etwas beobachtet, und kurz vor dem "Rolling back" einen Klick gemacht (und das Bild dann schnell wieder vergessen, um mich in eine interessante Diskussion mit dem schwedischen Sitznachbarn zu vertiefen).

Bei der Sichtung der Aufnahmen aus Stockholm ist mit das gute Stück dann wieder in die Hände gefallen.

Ein sehr gutes Beispielbild dafür, wie eine Aufnahme in der Nachbearbeitung "reift" durch Beschneiden ("Cropping") und Farbe vs. schwarz/weiss. Da mich immer wieder Fragen erreichen, möchte ich das anhand dieses Beispiels einmal Schritt für Schritt zeigen.

Warnung: Dieser Blogeintrag enthält viele Bilder.

Warnung 2: Bildwahrnehmung ist eine sehr subjektive Geschmacksfrage. Was mir gefällt, muss anderen überhaupt nicht gefallen. Es geht mir um den Ansatz und die Fragen, die zur subjektiv besten Version führen.

Beginnen wir mit der Originalaufnahme, wie sie aus dem iPhone kam.

original


Erste Überlegung: Ist die Wirkung des Bildes als schwarz/weiss Bild besser? Stören die Farben, indem sie von der Geometrie der Formen ablenken? Also wandeln wir das Bild (im Beispiel mit dem DXO FilmPack als Kodak T-Max 100 ohne Filmkörnung) in schwarz/weiss um.

original_s_w


Der untere Teil der Aufnahme profitiert, der obere Teil leidet. Denn die fahrbare Rampe in rot setzt einen interessanten Akzent und leitet den Blick des Betrachters.

Das ganze Bild ist aber überladen und Bilder im Hochformat gefallen mir generell nicht so gut (wahrscheinlich ein Relikt aus der Zeit, als ich viel für Zeitungen fotografiert habe). Ausserdem ist das Bild viel zu überladen und verwirrend. Einzelne Teile sind aber sehr reizvoll. Also werden wir das virtuelle Skalpell ansetzen, und nach dem besten Crop suchen.

crop_1_s_w


Gefällig, aber wie sieht es horizontal, bzw. vertikal gespiegelt aus?

crop_1_s_w_horz

Horizontal gespiegelt.

crop_1_s_w_horz_vert

Und zusätzlich noch vertikal. Diese Version gefällt mir nicht so gut. Der Favorit ist eindeutig die nur horizontal gespiegelte Version.

Dann hätten wir da noch die obere (vorhin weggeschnittene) Bildhälfte. Die sieht im Originalcrop so aus:

crop_2_color

Das Thema hier wäre „Ankommen und Abfliegen“. Auch hier wieder der Test mit schwarz/weiss:

crop_2_s_w

Schwer zu sagen, aber die rote Rampe setzt einen feinen Akzent. Hier wäre der Originalcrop mein klarer Favorit.

Gänsehaut, der kalte Krieg und die Zukunft

Eine Reise in die Vergangenheit: Auf einer Fahrt in Richtung Finnland vor einigen Tagen hatte uns eine kurze Pause abseits der E4 wieder einmal eine Gänsehaut beschert. Nur einige Kilometer von der E4 entfernt, auf der sich im Sommer Scharen von Touristen bewegen, sind wir auf einen idyllischen Platz gestossen. Ein kleiner Waldspaziergang hat uns jedoch abrupt in die Abgründe vergangener Realitäten geführt. 

In den heissen Zeiten des kalten Krieges (nach Lehrbuch die Zeit von 1947 bis 1989) war Schweden von den westlichen Bündnispartnern als eines der Hauptaufmarschgebiete (zutreffender wäre wohl der Begriff „Schlachtfelder“) eines möglichen Ost-West-Konfliktes, sprich einer Invasion aus dem Osten, ausersehen worden (und das obwohl Schweden zu keiner Zeit Mitglied der NATO war). Das Wettrüsten in unvorstellbarem Ausmass hatte seine Spuren auch in Schweden hinterlassen.

Unser kleiner Waldspaziergang führte uns somit mitten in ein Feld aus Panzersperren und Bunkeranlagen, die uns eine Gefühl von Gänsehaut beschert haben. Den Überresten geheimer Flugfelder sind wir im Inland schon häufiger begegnet, aber so grossflächige und massive Verteidigungsanlagen waren sogar für uns neu. 

Unsere journalistische Ader erwachte und wir begannen, uns im nächsten Dorf bei Anwohnern etwas näher über die jüngere Geschichte zu erkundigen. Bereitwillig wurde uns von grossen und weitläufigen Bunkeranlagen mit meterdicken Betonwänden und Armierungseisen in Unterarmstärke berichtet, die auch direkten Angriffen mit Kernwaffen standhalten sollten. Die meisten Anlagen sind seit dreissig Jahren verwaist, die Eingänge wurden verschlossen. Einige Objekte aber werden von Vereinen gepflegt und können besichtigt werden.

Die Stimmung an diesen Orten ist eigenartig. Die Natur hat sich ihren Teil zurückgeholt und Rentiere weiden zwischen tonnenschweren Betonklötzen; Kraniche ziehen friedlich ihre Bahnen am Himmel. Die Anmutung von Chaos und Zerstörung scheint aber dennoch atmosphärisch konserviert und bedrückt die Stimmung des Besuchers.

Der rüstige Rentner, mit dem wir uns angeregt unterhalten haben, war in Gesprächslaune. Nennen wir ihn Lars. 

Lars zeichnete in groben Zügen das grosse Bild der vergangenen Zeiten.

Bekanntlich hatte Schweden in den 70er-Jahren geradezu aberwitzig hohe Steuersätze durch die Kombination von Ertrags- und Substanzsteuern. Der schwedenkundige Leser erinnert sich an populäre Beispiele wie Astrid Lindgren oder ABBA. Die zu zahlende Steuerlast hatte dazu geführt, dass die Steuern und Abgaben mehr als 100 Prozent der Einnahmen ausmachten. Normalerweise wird das als Teil der wirtschaftlichen Blütezeit Schwedens in den Nachkriegsjahren bis zum Ende der 70-er Jahre gesehen und in diesem Kontext bewertet: Der Lebensstandard und das Wohlfahrtssystem waren europaweit legendär, was die sprudelnden Steuereinnahmen verschlang. 

Lars war kritischer und zeichnete ein anderes Bild. „Was meinst Du“, fragte er, „wo ein Grossteil der ganzen Steuermillarden hin gegangen sind?“. Und er berichtete uns von den geheimen Grossbaustellen unvorstellbaren Ausmasses. „Das hat alles unglaublich viel Geld gekostet, und seit dreissig Jahren gammelt alles vor sich hin“, fuhr er fort, um uns dann zu belehren, „dass Schweden zu dieser Zeit an der Weltspitze mit den Pro-Kopf-Rüstungsausgaben gelegen hatte“. Wir fragten nicht nach, woher er die gute Kenntnis der Zusammenhänge besitzt.  

Er rundete seinen kleinen Vortrag ab: „Die in Schweden sehr schwere Finanz- und Bankenkrise der späten 80-er und frühen 90-er Jahre hatte dann das Geld versiegen lassen, und die Entspannung zwischen Ost und West gegen Ende der 80-er Jahre hatte das alles hier obsolet werden lassen. Die Ruinen bleiben uns als Erinnerung erhalten.“  

Wir packten zusammen und setzten unsere Reise gen Finnland fort. Die Gedanken kreisten nun Kilometer für Kilometer um die eindrücklichen Bilder und die Berichte von Lars.

Uns verbindet die Hoffnung, dass die Ruinen weiter verfallen und die Zeiten des kalten Krieges gezählt sind.

Möge Schweden weitere 200 Jahre in Frieden leben. 

Panzersperren: Die Natur erobert sich das Gebiet zurück
Panzersperren: Die Natur erobert sich das Gebiet zurück


Diese tonnenschweren Kolosse wären im Ernstfall <br />mit einem Handgriff auf die Strasse zu rollen gewesen.
Diese tonnenschweren Kolosse wären im Ernstfall
mit einem Handgriff auf die Strasse zu rollen gewesen.


20. August

Der 20. August ist am Polarkreis in dreifacher Hinsicht ein bedeutsames Datum:

- Schwalbenschwärme ziehen in akrobatischen Flugmanövern über unsere Köpfe. Unter ihnen auch die drei kleinen Schwälbchen, die in einem Nest am Dachbalken unserer Scheune in schwindelerregender Höhe geschlüpft sind. Es war ein Naturschauspiel, sie aufwachsen zu sehen und die ersten Flugversuche zu verfolgen. Das war vor acht Wochen. Und nun bereiten sie sich auf eine mehrere tausend Kilometer lange Reise vor. Eigentlich sollten sie sogar schon unterwegs sein, denn normalerweise ist der 20. August das „Abflugdatum“ der Schwalbenschwärme. Wegen des derzeit sonnigen Wetters wird sich das Datum dieses Jahr um einige Tage verschieben.

- Es lässt sich nun (leider) nicht mehr verleugnen, dass es bald wieder kalt werden wird am Polarkreis. Just am 20. August, zog der Gerätewagen im Auftrag des Vägverkets seines Weges, um die „Snöstängsel“ (Schneestangen) für die kommende Wintersaison in den Boden zu bohren. Ein komisches Gefühl bei - ungewöhnlichen - 20 Grad Tagestemperatur. In Västerbotten sind die Markierungsstäbe aus leuchtend rotem Plastik gefertigt und haben mehrere Markierungen aus Signaltape, wohingegen auf den Nebenstrassen in Norrbotten noch echte Holzstangen zum Einsatz kommen. Diese werden wegen ihrer besonders geraden Form eigens aus Russland importiert und dann an mehreren Stellen mit Signalfarbe lackiert.

- Schliesslich ist der 20. August der Tag, an dem in unserem beschaulichen kleinen Dorf die Strassenbeleuchtung wieder in Betrieb genommen wird. Vor sieben Wochen noch ging die Sonne gar nicht unter; nun ist es ab 22 Uhr schon so dämmrig, dass die Strassenlaternen wieder einige Stunden ihr Licht spenden.

Snöstängsel aus Västerbotten - von innen betrachtet
Snöstängsel aus Västerbotten - von innen betrachtet

Zwischenlandung

Zwischenlandungen sind zugleich Fix- und Fluchtpunkte des Lebens.



Zwischenlandung - Fundstück aus Arlanda
Zwischenlandung - Fundstück vom Stockholm Arlanda Airport

Strassenbau in Schweden

Eine längere Autofahrt hat uns am vergangenen Sonntag viele Kilometer über unbefestigte Wege geführt. Schweden ist ein weitläufiges Land und das Wegenetz umfasst 98.500 Km Staatsstrassen und 41.600 Km kommunale Strassen. Dazu kommen noch jede Menge privater Strassen, deren Unterhaltspflicht nicht bei der öffentlichen Hand liegt. Von den 98.500 Km Staatsstrassen fallen 72.100 Km in die Kategorie „sonstige Strassen“. Von diesen sind 19.300 Km, d. h. ungefähr 20% des Wegenetzes, „Schotterpisten“ (der grösste Teil davon in Nordschweden; Quelle: Trafikverket).

Das Wegenetz will unterhalten und im Winter auch geräumt werden. Eine herausfordernde Aufgabe, denn die langen und harten Winter führen dazu, dass Wege und Strassen wegen Frostschäden beinahe jährlich ausgebessert werden müssen. Manchmal scherzen wir auf Autofahrten wegen der Spurrillen, dass es jetzt an der Zeit wäre, die Kanus auszupacken um paddeln zu können.

Manchmal nimmt das skurrile Formen an, wie wir auf der besagten Fahrt am vergangenen Sonntag wieder einmal sehen durften. Ein Waldweg, der zu einem entlegenen Ortsteil führt, war vom Regen ausgespült und das Strassenbett hatte sich um ca. 20-30 cm gesetzt. Kratern gleich gab es Schlaglochfelder, die jeder Teststrecke für Autos Ehre gemacht hätten. Zwischen den Schlaglöchern ragten bedenklich hohe, einzelne Steinbrocken heraus. Hoch genug, um jeder PKW-Ölwanne ein jähes Ende bereiten zu können.

Ein findiger Kopf hatte das Problem auf eine sehr kreative - und farbenfrohe - Art und Weise gelöst, indem er (oder sie) alle herausragenden Steine mit roter Signalfarbe besprüht hat. Ob das eine vorbereitende Massnahme für die (hoffentlich) kommenden Unterhaltsarbeiten an dem Weg, oder nur als Hinweis für die Verkehrsteilnehmer gedacht war, war leider nicht heraus zu finden.

Unser Tipp an alle Schwedenreisenden und Urlauber: Das weit verzweigte Netz an unbefestigten (Wald-) Wegen führt oft zu bezaubernden Stellen. Hohe Aufmerksamkeit und angepasste Geschwindigkeit sind aber unbedingt anzuraten! Und mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen bitte vernünftig bleiben und keine Risiken eingehen. Erfahrungsgemäss ist das Mobilfunknetz draussen an entlegenen Stellen im Wald immer dann nicht vorhanden, wenn es dringend gebraucht wird.

Strassenbau in Schweden
Strassenbau in Schweden

Zwischenstand zum arktischen Sommer 2015

Zwischenstand zum arktischen Sommer 2015; die Fortsetzung.

Die kurze Version: Regen, Regen, Regen

Die mittellange Version: Regen, Kälte, Regen, Kälte

Die ausführliche Version: Der Sommer in Schwedisch-Lappland hat sich bislang als Totalausfall erwiesen. Er hat schlicht und ergreifend bislang nicht stattgefunden. Zusammen genommen waren es nur ungefähr zwei Wochen mit sommerlichen Temperaturen und ohne Niederschlag. Und nach dem Wettergefühl der Einheimischen beginnt mit dem August bereits die herbstliche Zeit. Ganz so dramatisch sehen wir das nicht, denn wir hatten die letzten Jahre ab und an auch einmal einen richtig schönen und warmen August. Aber für viele Schweden war der Sommer eine Belastung. Die schwedische Ferienzeit neigt sich dem Ende zu und die Daheimgebliebenen hatten kaum eine Chance, die „inneren Akkus“ für den Winter zu füllen.

Prägend für den arktischen Sommer 2015 in Lappland: Regen
Prägend für den arktischen Sommer 2015 in Lappland: Regen


Auch für die kürzlich hier schon erwähnten kommerziellen Beerenpflücker, die zu einem grossen Teil eigens aus Thailand hierher fliegen, ist die Katastrophe voll im Gange. Normalerweise können sie in zwei Monaten Sommerarbeit in Schweden genug verdienen, um ihre Familie zu Hause den Rest des Jahres zu ernähren. Dieses Jahr sehen wir ausnahmslos verzweifelte Gesichter. Von den begehrten Hjortronbeeren ist dieses Jahr fast keine Spur zu finden. Wo normalerweise ertragreiche Gebiete sind, gibt es dieses Jahr nichts. Auch die spätere Blau- und Preiselbeerernte sind akut gefährdet. Für die Beerenpflücker ist das deswegen so dramatisch, weil sie zum überwiegenden Teil erfolgsbezogen vergütet werden. Keine Ernte ergibt also fast keinen Lohn. Und auch der geringe Garantielohn ist gefährdet, denn die auftraggebenden Unternehmen sind in einer so dramatisch schlechten Saison von Insolvenz bedroht. Die mit einer befristeten Arbeitserlaubnis ausgestatteten ausländischen Saisonarbeiter haben aber praktisch keine Chance, das im schwedischen Recht vorgesehene Konkursausfallgeld geltend zu machen und müssen dann mit leeren Taschen wieder nach Hause fliegen (die Reisekosten zahlen sie natürlich selbst). Die Tragödien lassen sich nur erahnen.

Auch die schwedische Landwirtschaft stellt sich auf grosse Ernteausfälle ein. Kartoffelbauern berichten, dass bis zu 90% der Ernte bereits jetzt unwiderruflich verloren sind.

Und auch für viele Touristen ist der Sommer trist. Wer ein festes Urlaubsdach über dem Kopf und die richtige Kleidung hat, kann auch dem trüben Sommer viele reizvolle Seiten abgewinnen. Die Campingplätze aber sind gähnend leer und viele Wohnmobilisten, mit denen wir gesprochen haben, haben ihren Urlaub abgebrochen und sich wieder auf die Heimreise gemacht.

Kraniche und Rentiere am Wegesrand
Die Tierwelt nimmt es etwas gelassener: Kraniche und Rentiere am Wegesrand

Alte Schönheit - Changing Airplanes at Stockholm-Arlanda

Flughafenflair - Ich mag Flughäfen. Nervenzentren der modernen Gesellschaft. Manchmal eröffnen sie Dir das Tor zur Welt und manchmal den Hafen zur Heimat.

Viele Vielflieger sind gestresst, wenn sie an das Umsteigen denken. In Stockholm-Arlanda ergibt sich oft die Chance mit dem Bus von einem Flugzeug zum Anderen zu fahren, was immer wieder ganz besondere Augenblicke bereit hält. Neulich zum Beispiel dieses bezaubernde Fundstück einer alten Schönheit. Schönheit altert eben nicht - im Gegenteil.

Was für ein Flugzeugtyp das ist, weiss ich leider nicht und auch die Fluglinie blieb mir verborgen. Der kurze Augenblick des perfekten Framings hinter der Scheibe aber hat sich ins Gedächtnis eingegraben.

Alte Schönheit - Changing Airplanes at Stockholm-Arlanda
Alte Schönheit - Stockholm-Arlanda Airport

Im Interview bei Fabian Wüst vom Spiegelreflexkamera Portal

Manchmal hält das Leben schöne Überraschungen bereit. Ich wusste z. B. nicht, dass ich einen Namensvetter habe, der auch als Fotograf und Videoproduzent tätig ist. Umso mehr hat es mich gefreut, als mich vergangenen Woche eine Interviewanfrage von Fabian Wüst erreichte. Fabian betreibt u. a. auch das Spiegelreflexkamera Portal.

Im Interview geht es um Schweden, Kameratechnik und mein jüngstes Projekt "The city never sleeps".

Genug der Vorrede: Hier geht es zum Interview auf dem Spiegelreflexkamera Portal

Können Laternenpfähle im Sommer frieren?

Wir unterbrechen unsere Sommerpause heute mit einem kurzen Beitrag und widmen uns der Frage: Können Laternenpfähle im Sommer frieren?

Können Laternenpfähle denn im Winter frieren und wenn ja, wie ist das im Sommer? Bei einer kühlen Brise Seeluft vielleicht, oder bei einem plötzlichen Kälteeinbruch?

Und heisst es eigentlich Laternenpfahl oder Laternenpfosten?

Der verwunderte Leser mag sich jetzt vielleicht fragen, wie wir eigentlich auf diese - doch zunächst eher peripheren - Frage gekommen sind.

Sie merken schon, entweder geht es um Satire oder um Kunst. Letzteres ist der Fall.

Und damit wären wir mittendrin in einem neuen Beitrag aus der Serie: Achtung Kunst.

Bei einem Spaziergang an der "Uferpromenade" in der beschaulichen Kleinstadt Malå in Schwedisch-Lappland sind wir kürzlich auf eine interessante und sehr kreative Kunstinstallation gestossen.

Pfostenwärmer - Kunst am Laternenpfahl - 1
„Pfostenwärmer“


Der Uferweg, der einen schönen Blick auf die gegenüberliegende Seite des Malåträsk gewährt und stark frequentiert ist, wurde in einen meditativen Pfad verwandelt. Der Kern des Gesamtkunstwerkes sind bekleidete Laternenpfähle. Gehäkelt, gestrickt und in Patchwork haben die Laternenpfosten wärmende Bekleidung bekommen: Zahlreiche "Handschuhe" oder "Wärmesocken" zieren die Reihe der Laternenpfosten.

Frau Lapplandblog bezeichnet die handgefertigten Kunstwerke, welche an den Laternen angebracht sind, schlicht und ergreifend als Pfostenwärmer.

Pfostenwärmer - Kunst am Laternenpfahl - 2
„Pfostenwärmer II“

Am Wegesrand des meditativen Pfades sind im Abstand von 10-20 Metern Schilder mit besinnlichen Zitaten angebracht. Mehrere Bänke laden zum Verweilen ein.

Bank am Wegesrand - Kunst am Laternenpfahl
„Besinnliche Parkbank - oder Parkbank der Besinnung?“


Eine innovative Installation, wir wir finden. Vom philosophischen Hintergrund, der sich in den Eingangsfragen andeutungsweise spiegelt, einmal ganz zu Schweigen.

Im beschaulichen Malå ist die Frage nach der Kälteempfindlichkeit von Laternenpfählen also, entgegen landläufiger Ansicht, nicht nur rein philosophischer Natur.

Pfostenwärmer - Kunst am Laternenpfahl mit Panorama
„Pfostenwärmer in Nationalfarben mit Panorama“


Arktischer Sommer 2015 in Lappland

Ein kurzes Lebenszeichen aus der Sommerpause zum arktischen Sommer 2015 in Schwedisch-Lappland.

Der bisherige Sommerverlauf um den Polarkreis in Lappland lässt sich in zwei einfachen Worten zusammen fassen: Kalt und verregnet. Von Klimaerwärmung ist - zumindest hier - wahrlich nichts zu spüren.

Die Lage im Fjäll ist geradezu dramatisch: Geschlossene Schneedecken setzen der Rentierzucht der Ursprungsbevölkerung, den Samen, sehr zu. Die Rentiere haben es sehr schwer, an die als Futter begehrten Flechten am Boden zu kommen. Eigentlich sollten sich die Rentiere jetzt den Magen vollschlagen und Fett für die Wintersaison ansetzen. Stattdessen verhungern derzeit ganze Herden. Die Dramatik und der wirtschaftliche Schaden sind unbeschreiblich. Auch das Renmärkning, das normalerweise um Midsommar herum stattfindet, ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

Auch im Tourismus schlägt der kalte Sommer gnadenlos zu. Es ist mitleiderregend, die hoffnungsvoll anreisenden Camper zu sehen, die ihren Urlaub bei Tagestemperaturen vom um die 10 Grad und Dauerregen im Zelt oder Wohnmobil verbringen. Glück hat, wer ein Ferienhaus, also ein festes Dach über dem Kopf mit einer guten Heizung gebucht hat.

Natürlich haben wir uns umgehört und mit vielen Einheimischen gesprochen, die unseren Eindruck bestätigen. Dieser Sommer geht stark in Richtung Negativrekord. Moltebeeren wird es dieses Jahr wahrscheinlich so gut wie keine geben und auch die Blaubeerernte ist akut gefährdet, wenn das kalte Wetter noch zwei weitere Wochen anhält. Das wird sich auch zu einem Drama für die Heerscharen von Beerenpflückern, die jährlich aus dem asiatischen Raum nach Schweden kommen, entwickeln.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die statistischen Wetterdaten indizieren eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen (relativ) warmen August. Sicher ist das aber nicht.

Regenschirme am Himmel - Arktischer Sommer 2015 in Lappland
Blick in den Himmel - Gut gerüstet für den diesjährigen arktischen Sommer :(

Sommarlov

"Sommarlov" ist die Bezeichnung für die schwedischen Sommerferien.

Von kleineren regionalen Unterschieden abgesehen, gehen die Sommerferien von der Woche vor Midsommar bis Mitte August (10 Wochen).

Für uns heisst das: Mitte August geht es dann hier im Blog wieder weiter.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern eine schöne und erholsame Sommerzeit!

Und wenn Sie Urlaub in Schweden machen dann passen Sie bitte auf, dass Ihnen kein Elch und kein Rentier vor das Auto oder Womo laufen!

Arktischer Sommer 2015
Arktischer Sommer 2015

Das Jedermannsrecht ("Allemansrätten") - aber so bitte nicht!

"Das kann doch nicht wahr sein", so fuhr es mir durch den Sinn. Und meine Palette der Emotionen ging von ungläubigem Staunen über Fassungslosigkeit bis hin zu richtigem Ärger.

Was war geschehen? Es geht um das schwedische Jedermannsrecht , das sog. "Allemansrätten". Das Allemansrätten, eine alte Tradition in vielen nordischen Ländern, hat in Schweden seine Grundlage in der Regeringsformen (Link zum Gesetzestext der Regeringsformen), einem der schwedischen Grundgesetze.

Die geltende Regeringsformen, in der u. a. die staatsrechtliche Organisation des schwedischen Staates geregelt ist, ist am 1.1.1975 in Kraft getreten. Seit 1994 findet sich dort im zweiten Kapitel § 15 die Regelung

"Alle haben Zugang zur Natur nach Massgabe des Jedermannsrechtes".


Bereits von Alters her war das Allemansrätten aber bereits ein ungeschriebener schwedischer Rechtsgrundsatz, der durch die Neuregelung aus dem Jahre 1994 lediglich gesetzlich kodifiziert wurde.

Der genaue Umfang des Jedermannrechtes ergibt sich allerdings nicht aus der Regeringsformen, aber im schwedischen Umweltgesetzbuch, dem sog. "Miljöbalken" (Link zum Gesetzestext des Miljöbalken) finden sich einige detailliertere Regelungen, insbesondere in den Kapiteln zwei und sieben. Dort ist im siebten Kapitel § 1 die Regelung

"Jedermann, der das Jedermannsrecht in Anspruch nimmt oder sich sonst in der Natur aufhält, soll Rücksicht und Achtsamkeit im Umgang mit der Natur zeigen"



zu finden.

Die Detailauslegung des Jedermannsrechts wird vom schwedischen Amt für Naturschutz, dem sog. "Naturvårdsverket" vorgenommen. Der Obersatz lautet dabei

"Nicht stören und nicht zerstören".



Ausgangspunkt für die Auslegung des Inhalts sind zunächst alle in anderen Gesetzen ausdrücklich untersagten Tatbestände. Der dann verbleibende Freiraum wird vom Naturvårdsverket ausführlich beschrieben und ausgeformt.

Über den Umfang des Allemansrätten wird in den letzten 15 Jahren lebhaft diskutiert denn es gestattet viele Nutzungen, die von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sind. So z. B. das kommerzielle Beerenpflücken. Jedes Jahr arbeiten sich Heerscharen von kommerziellen Beerenpflückern, die i. d. R. unter völlig unakzeptablen Bedingungen arbeiten, durch die Wälder Norrlands auf der Suche nach Preiselbeeren, Blaubeeren, Moltebeeren und vielen anderen Leckereien.

Über die bemitleidenswerten Beerenpflücker, die mit einem zeitlich begrenzten Arbeitsvisum oft aus Thailand und sogar China nach Schweden kommen, wäre noch viel zu sagen. Aber darum soll es heute nicht gehen.

Also zurück zum Allemannsrätten. Dieses ist auch bei vielen Touristen sehr beliebt - ermöglicht es doch z. B. das wilde Campen in der Natur.

Das Natutvårdverket sagt dazu:

Für eine Nacht darf man in der freien Natur zelten, vorausgesetzt, dass man den Grundbesitzer nicht stört oder Schaden in der Natur anrichtet. ... Es ist wichtig, das Zelt nicht in Sichtweite eines Wohnhauses oder auf landwirtschaftlich genutzten Flächen aufzuschlagen. ... Das Jedermannsrecht erlaubt, für eine Nacht zwei bis drei Zelte aufzuschlagen. Da bei größeren Gruppen die Gefahr für Bodenschäden und sanitäre Probleme besteht, muss die Erlaubnis des Grundbesitzers eingeholt werden.



Für Nationalparks und Naturschutzgebiete gibt es Sondervorschriften.

Und wer würde es nicht lieben, in der freien Natur am Lagerfeuer zu sitzen?

Das Naturvårdsverket dazu:

Unter sicheren Bedingungen ist es erlaubt in freier Natur offene Feuer zu zünden. Doch so stimmungsvoll ein offenes Feuer auch ist, es birgt Risiken, denn jährlich werden große Waldbrände durch Fahrlässigkeit mit offenen Feuern verursacht. ... Es ist wichtig, einen geeigneten Platz für das Feuer zu wählen. Das Feuer darf sich weder ausbreiten noch Boden oder Pflanzen beschädigen. Kies oder Sandboden eignen sich gut als Bodengrundlage.Moos, Torfboden oder erdiger Waldboden eignen sich nicht so gut. Hier besteht nicht nur die Gefahr, dass sich das Feuer ausbreitet, es kann auch lange im Boden schwelen, um später aufzuflammen.Machen Sie auch nie Feuer auf oder direkt neben Felsen oder Klippen. Diese bersten durch die Hitze und es entstehen unwiderrufliche Schäden.Heruntergefallene Tannenzapfen und Zweige dürfen als Brennmaterial benutzt werden. Es ist nicht erlaubt, Bäume oder Büsche zu fällen oder Reisig, Zweige und Baumrinde von lebenden Bäumen zu schneiden. Auch die Wurzeln umgekippter Bäume (Sturmholz) dürfen nicht als Brennholz verwendet werden.



Für Nationalparks und Naturschutzgebiete gibt es auch hier wieder Sondervorschriften.

Zurück zum Ausgangspunkt meines Erlebnisses. Ort des Geschehens ist ein bezaubernder "wilder" Campingplatz, der bei vielen Norrlandurlaubern sehr beliebt ist. Einige übereifrige Touristen hatten für ein Lagerfeuer einen der wertvollen Bäume, die zur Uferbefestigung dienen, gefällt und zu Feuerholz verarbeitet. Und das war nicht der erste Baum, der an diesem Ort rücksichtslosen Touristen zum Opfer gefallen ist. Das zu sehen und zu verfolgen regt mich - ehrlich gesagt - unglaublich auf.

Deswegen liebe Urlauber:

Nicht stören und nicht zerstören. Und im Zweifel bitte den Ball bewusst flach halten! Denkt daran: Ihr seid auch Botschafter Eurer Kultur und Eures Heimatlandes. Und speziell alle Deutschen seien hier ermahnt, denn der Ruf von Deutschen leidet in unseren Breiten derzeit aus guten Gründen leider zunehmend.



Das Jedermannsrecht (
Ich traue meinen Augen nicht:
Hier wurden die Grenzen des Allemansrätten weit überschritten!

Bye Bye DSLR...

Rückblick: Die zurückliegenden zehn Jahre habe ich mit dem klassischen "Backstein um den Hals", sprich einer DSLR (meist aus dem Hause Nikon) fotografiert. Die Bildqualität war gut und wurde von Gehäuse zu Gehäuse sogar immer besser. Das Handling war in Fleisch und Blut übergegangen. Aber irgendwann gab es einen Knacks.

Bestandsaufnahme: Die "Backsteine" haben mit der Zeit ihren eigenen Tribut gefordert. Nacken und Rücken haben sich aufgrund des Eigengewichtes der Apparate mehr und mehr gemeldet. Auch aufgrund der körperlichen Fehlhaltungen, die ein Fotograf mit dem Fotoapparat um den Hals einnimmt.

Bei Reportagen haben sich die abschreckend grossen Kameras zunehmend als störendes Hindernis und Barriere zu Menschen entwickelt. Meine Unzufriedenheit wuchs zunehmend.

Nach Jahren mit Nikon-DSLRs um den Hals kam gegen Mitte vergangenen Jahres der Wendepunkt. Der fotografische Drive liess nach, Aufträge wurden zur Belastung und die persönlichen Projekte lagen darnieder.

Lag es vielleicht am zunehmenden Alter, oder etwa doch am verwendeten Werkzeug?

Seit geraumer Zeit hatte ich den Trend zu kompakten Kameras, insb. M4/3 (Micro-Four-Thirds), mit einem kritischen Blick auf die Qualität und das Handling verfolgt. Der Gewichtsunterschied im Vergleich zu den "Backsteinen" war schon beträchtlich und die Qualität in 90% der Einsatzfelder absolut zufriedenstellend.

Und - mal Hand aufs Herz - wer braucht denn bei Reportagen wirklich die 36MP einer D800, die einem eigentlich nur die Festplatte verstopfen und den Workflow ausbremsen? Bei Reportagen für die Tageszeitung reichen bereits 6MP für eine Vollseite, und für Zeitschriften und Broschüren tun es 12MP allemal. Zunehmend gibt es auch Aufträge und Projekte bei denen Print überhaupt nicht mehr im Fokus steht, sondern es nur noch um Bilder fürs WWW geht. Theoretisch wäre da viel schon mit einem aktuellen Mobiltelefon machbar. 

Lösung: Gesagt, getan.

Vor einigen Monaten gab es im Kamerabestand einige Veränderungen. Nikons mussten gehen und Olympus und Lumix hielten Einzug. Bislang habe ich es nicht bereut (im Gegenteil), und die Freude an der Arbeit ist zurück gekehrt. Nacken und Wirbelsäule haben sich entspannt. Sehr praktisch ist auch, dass sich die Grösse des Packvolumens deutlich verringert hat. Von Kundenseite kamen übrigens keinerlei Anmerkungen in Sachen Bildqualität. Eher hier und dort Freude über Bilder im 4:3 Format, die sich oft besser eignen als das alte 3:2 Format.

Rein psychologisch hat es sich am Anfang bisweilen etwas komisch angefühlt, mit den relativ "winzigen" Kameras vor Ort zu erscheinen. Dezente Rückfragen haben aber ergeben, dass Kunden sich daran überhaupt nicht stören. Wichtig ist dem Kunden nämlich im Wesentlichen das Ergebnis.

Was bei vielen Fotografen mit denen ich gesprochen habe ein Hindernis für den Umstieg zu sein scheint, ist die Macht der Gewohnheit. Neues System bedeutet Umgewöhnung. Das braucht Zeit. Und Bedienungsfehler in der Eile kommen gar nicht gut. Etwas Zeit für den Umstieg sollte also einkalkuliert werden. Und gleich ein einmaliges Ereignis - z. B. eine Hochzeit - mit einem neuen System zu fotografieren, halte ich für gar keine gute Idee. 

Bei mir hat es drei bis vier Monate gedauert, bis Bedienung und Handling "geflutscht" haben.

Ein Wermutstropfen sind die Sucher bei M4/3. Die elektronischen Sucher sind für meinen Geschmack nicht das Gelbe vom Ei und die optischen Sucher sind - im Vergleich zu den DSLRs - deutlich düsterer. Auf der anderen Seite bin ich am experimentieren, das Display als Vorschau zu verwenden. Gerade unübliche Perspektiven werden dadurch mitunter sehr vereinfacht. Bei Reportagen ergibt sich ein weiterer Vorteil: es sieht nicht gleich so "professionell" aus, was die Menschen im Bild oft entkrampft.

Habe ich alle DSLRs endgültig ausrangiert? Nein, (noch) nicht alle. Manchmal sind sie noch gefordert. Aber immer seltener (2015 z. B. bislang noch gar nicht). 

Ausblick: Die technische Entwicklung hat die kleineren Kamerasysteme - allen voran M4/3 - mit den klassischen DSLRs gleichziehen lassen, jedenfalls in den Bereichen, in denen wir fotografisch unterwegs sind. Wer gerne wandfüllende Landschaften drucken möchte, wird ohnehin im Mittelformat beheimatet sein. Die Tage der DSLRs sind jedenfalls mittelfristig passé.

Frau Lapplandblog dazu:

"Frau, halt mal". Schwups hatte ich Herrn Lapplandblogs neue Errungenschaft in der Hand. 

Im Gegensatz zu meinem "uralten Knochen", einer Nikon D70, ein Federleichtgewicht zwischen meinen Fingern. Ein Nichts. Seine Neue nimmt auf meiner Handinnenfläche ihren Platz ein. Der Arm wird durch das Eigengewicht nicht gen Fussboden nach unten gezogen. Die Fingermuskulatur nicht beansprucht, weil sie nichts festhalten muss.

"Mann? Wie ist das eigentlich mit Objektiven? Kann ich da auch nah und fern knispeln?" 

Herr Lapplandblog nimmt mir die Lumix aus der Hand, stellt sie auf "on" und gibt sie mir wieder zurück. Er erklärt mir, dass es unterschiedliche Objekte gibt, dreht am vorhandenen Objekt, lässt mich durch das Display schauen. Das Sofa, das wir anfokussieren, ist jetzt nahe. Er stellt das Objektiv erneut ein und unser Sofa ist weiter weg. 

"Interessant." Denke ich mir und lese seinen Blogbeitrag über seine Neue Korrektur. Bei seinem letzten Satz gibt es von mir aber Protest!

"Du willst komplett umsteigen?" Aus der Küche kam ein kräftiges "ja" zurück.

"Und mit dem kleinen Apparat kannst du so Bilder machen, wie vorher? Auch für die Arbeit?"

Wieder kam ein aussagekräftiges "ja" ins Zimmer zu mir herüber gewabert. 

"Für dich mag das stimmen, dass du deine "Alten" in Rente schickst. Ich aber knisple nicht wie ein Touri der hier in schwedisch Lappland auf Elchjagd geht. Ich brauche etwas in der Hand." 

Herr Lapplandblog's Kopf schaut um den Türrahmen herum in meine Richtung und wir beide verfallen in schallendes Gelächter.

Böse Überraschung - Schneelast und Dachlawinen in Lappland

Heute wieder ein Artikel aus der Reihe "live aus dem Alltag".

Die Geschichte beginnt - wie i. d. Rd. - mit einem verzweifelten Anruf. In der Nachschau eine wirklich erschütternde Geschichte.

Eine deutsche Familie hatte sich im vergangenen Jahr ein kleines Häuschen in durchaus reizvoller Lage hier in der Gegend gekauft. Gedacht war, das Haus als Ferienhaus für die Familie zu nutzen. Den Rest des Jahres sollte das Haus leer stehen und sich selbst überlassen bleiben. Soweit so gut.

In einem solchen Fall gibt es zunächst das Einbruchsrisiko in der unbewohnten Zeit. Wer keine werthaltigen Gegenstände - und darunter fallen hier auch z. B. ein Rasenmäher oder eine Schneefräse - im Haus oder den Nebengebäuden verwahrt, muss sich keine allzu grossen Sorgen machen (abgesehen von einer aufgebrochenen Tür und durchwühlten Schränken). Überaus ärgerlich ist ein Einbruch natürlich schon, aber das finanzielle Risiko hält sich in überschaubaren Grenzen.

Ein viel grösseres Risiko lauert aber in der kalten Jahreszeit.

"Schneelast" heisst das Stichwort. Die zulässige Schneelast gibt an, wie viel Schnee ein Hausdach aushalten wird. Die Winter sind hier lange und Schnee gibt es reichlich. Da kann sich eine ganze Menge von der weissen Pracht auf dem Dach ansammeln.

Wieviel das in Tonnen gemessen sein kann, lässt sich relativ einfach berechnen. Schweden ist - wie andere Länder auch - in Schneezonen aufgeteilt. Eine solche Schneezonenkarte kann z. B. hier betrachtet werden.

In Lappland reichen die Werte von 2,5 bis 5,5. Der Grossteil der Fläche ist als drei klassifiziert. Was verbirgt sich hinter diesem Wert? Er gibt an, wieviel Schneelast pro Quadratmeter, mit einer Wahrscheinlichkeit von 98% nicht überschritten wird. In der Schneezone 3,5 ist also mit 350 Kg Schneelast pro Quadratmeter zu rechnen. Hier geht es zunächst einmal nur um reinen Schnee.

Die tatsächliche Schneelast kann sich aber im Verlauf des Winters ändern. Bleibt der Schnee auf dem Dach die Wintersaison über liegen, verdichtet er sich. Irgendwann kommt die Tauphase. Es regnet auf den Schnee, der zunehmend vereist. Wenn Schneefanggitter jetzt verhindern, dass der Schnee als Lawine vom Dach fällt, kann die Schneelast auf bis zu 900 Kg pro Quadratmeter (im Extremfall auch noch mehr) steigen. Nun überschlagen Sie einfach einmal, wieviele Quadratmeter Fläche Ihr Dach hat. Und schnell kommen Sie zu der Einsicht, dass sich am Winterende gut und gerne ein ganzer Tankwagen an Gewicht auf dem Dach lastet.

Viele Häuser in Lappland sind so gebaut, dass Sie eine hohe Dachneigung (relativ spitzer Winkel) haben. Dadurch fällt der Schnee ab einer angemessenen und ungefährlichen Schneehöhe als Lawine herunter. Das macht zwar viel Arbeit am Boden, rettet aber das Dach. Häuser mit Giebeln oder Winkeln im Dach sind problematischer. Durch die Schneestürme im Winter bilden sich an diesen Stellen Schneeverwehungen mit möglicherweise gefährlichen Schneehöhen, die zu extremer Punktbelastung führen können. Ein gutes Indiz in einem Holzhaus (und die allermeisten Häuser hier sind Holzhäuser) sind Fenster und Türen. Wenn diese anfangen zu "knarzen" und sich nicht mehr geschmeidig öffnen und schliessen lassen, dann ist äusserste Vorsicht angesagt.

Besonders gefährdet sind Flachdächer. Auf vielen Industriehallen ist deshalb im Winter permanent eine Schneefräse geparkt, mit der das Dach regelmässig gefräst wird.

Ein Dach vom Schnee zu räumen ist übrigens echte Knochenarbeit (wenn man nicht gerade ein Flachdach mit Schneefräse darauf hat). Bei geneigten Dächern kommt noch ein weiteres erhebliches Risiko hinzu. Dachräumer sind in Schweden hochbezahlte und i. d. R. gut trainierte Spezialisten.

Ein kleiner Exratipp noch zu Häusern mit grosser Dachneigung:

Die Lawinen schonen das Dach. Wenn Sie aber einen Kamin haben, geht eine Leiter auf dem Dach zu diesem. Und gerade diese Leiter hat die unangenehme Eigenschaft, mit der Lawine gerne herunter gerissen zu werden. Regelmässige (am besten jährliche) Kontrolle ist wichtig. Und bitte lassen Sie das einen Profi machen (besonders wenn Sie nicht schwindelfrei und höhenerprobt sind).

Zurück zum Anruf, mit dem unsere Geschichte begann. Was war also geschehen?

Die deutsche Familie wollte alles "ordentlich" haben, und hatte sich im vergangenen Herbst von einem deutschen Handwerker, der seinen Urlaub in Lappland verbracht hatte, überall rund um das Haus Schneefanggitter anbringen lassen. Richtig stabil und in "deutscher Gründlichkeit".

Dachlawinen gab es also keine. Fein.

Das hatte aber die vorhersehbare und verheerende Nebenwirkung, dass sich auf dem Dach eine viel zu grosse Menge Schnee ansammelte, für welche die alte Dachkonstruktion schlichtweg nicht berechnet war. Und vermutlich gegen Mitte April gab es dann einen lauten Knall und das hübsche Häuschen hat sich in ein überdimensionales Mikado verwandelt. Das hat die Familie vor einigen Tagen durch den Anruf entfernter Nachbarn erfahren. Schadensbegrenzung ist nicht mehr möglich und der Traum vom eigenen Ferienhaus hat sich in einen Trümmerhaufen verwandelt.

Unser Tipp: Denken Sie vorher an die zu erwartende Schneelast und treffen Sie Vorbereitungen und Gegenmassnahmen, oder - viel einfacher und bequemer - mieten Sie einfach ein Ferienhaus in Lappland.

Schneelast und Dachlawinen in Lappland - Einst ein Haus - jetzt ein grosses Mikado
Einst ein Haus - jetzt ein grosses Mikado

Der arktische Winter 2014/2015 - ein Rückblick mit Bildstrecke

Wer sich für Reisen nach Nordschweden interessiert, weiss es schon: Lappland ist ein Paradies für alle Winterfans und Wintersportler.

In unseren Breiten unter dem Polarkreis beginnt der richtige Winter schliesslich bereits im November. Genau genommen sind es nur vier Monate, die in Schwedisch-Lappland nicht vom Winter geprägt und in der Regel schneefrei sind (Juni-September).

Die Himmelstore öffnen sich in den Monaten November und Dezember und sorgen für reichlich Schnee. Mit "richtigen" Minusgraden ist von Januar bis März zu rechnen. Das Thermometer sinkt dann schon einmal auf die "Minus 40 Grad Marke".

Alle, die sich für Eisangeln, Schneemobile und Skifahren begeistern, finden bei uns ihr Paradies. Und von den Polarlichtern will ich erst gar nicht anfangen zu schwärmen.

Wie war nun die Wintersaison 2014/2015? Der Winter war schneereich (wenn auch nicht ausserordentlich) und relativ warm. Wochenlange Tiefsttemperaturen sind uns in dieser Saison erspart geblieben. Der Schnee hat sich allerdings lange gehalten. Wir schreiben heute den 17. Mai und an schattigen Stellen liegt noch immer Schnee. Anfang April gab es mehrere Wochen ein eher lästiges Schneematschwetter mit Tagestemperaturen um die Null Grad.

Die in dieser Gegend im Geheimen sehr aktiven Autotester bekannter Grosskonzerne waren - dem Vernehmen nach - von dieser Saison nicht sehr begeistert. "Zu warm" lautete einheitlich das von verschiedenen Quellen kolportierte Verdikt.

Impressionen aus diesem Winter haben wir für Sie in einer Serie mit Bildern in schwarz/weiss zusammengestellt.

-> Zur Galerie "Der arktische Winter 2014/2015 - ein Rückblick"

Der arktische Winter 2014/2015 - ein Rückblick

Tears from Heaven

Ein seltenes Fundstück aus der zurückliegenden Wintersaison. Ein kalter Wintermittag gegen 15 Uhr. Sonnenuntergang. Der gefrorene See ist in dieses Licht getaucht, das Lappland im Winter so einzigartig macht: ein sehr intensives Blau, das sich auf alle Schnee- und Eisflächen reflektierend ergiesst mit einer leichten Note von Okker rund um den Horizont. 

Und da sehe ich sie plötzlich an den Sträuchern am Ufer. Kleine Kügelchen aus Schnee und Eis. Ein faszinierendes Phänomen. Ich verharre im abnehmenden Licht und meine Gedanken beginnen zu kreisen, während die Sonne langsam untergeht. Ich bin sogar so in Gedanken versunken, dass ich beinahe vergesse einige Bilder zu machen. 

Das sehr seltene Phänomen wirkt auf mich wie Tränen Gottes.

Und in Lappland gefrieren sie.

Tears from Heaven
„Tears from Heaven“

Zeit inne zu halten und durchzuatmen

Zeit inne zu halten und durchzuatmen
Fundstück

Aus aktuellem Anlass: Zum Lokführerstreik aus juristischer Sicht

Heute wieder einmal "off topic". Manchmal packt mich meine juristische Vergangenheit. Zehn Jahre als Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht gehen eben doch nicht ganz spurlos an einem vorbei. Der folgende Beitrag soll - mit der gebotenen Distanz - eine allgemein verständliche Erklärung geben, was da gerade geschieht und wie das Geschehen juristisch zu werten ist.

Ich höre und lese die allgemeine Berichterstattung in deutschen Medien über den Streik der Lokführergewerkschaft GDL. Ich lese, wie Politiker nun gesetzliche Einschränkungen des Streikrechts und ein Gesetz zur Zwangsschlichtung von Auseinandersetzungen zwischen Tarifvertragsparteien fordern. Aha. Sind die wirklich juristisch so unbeleckt, oder steckt da böser Wille dahinter?

Der Reihe nach. Das Arbeitskampfrecht in Deutschland ist gesetzlich nicht geregelt. Alle praktischen Regelungen sind durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des Bundesarbeitsgerichts (BAG) entstanden. Und die gesamte Rechtsprechung fusst unmittelbar und direkt in Artikel 9 Abs 3 des Grundgesetzes (GG). Der hat - soweit hier von Interesse - folgenden Wortlaut:

„Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen, Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig.“

Gewerkschaften auf der einen Seite und Arbeitgeber und Arbeitgebervereinigungen auf der anderen Seite haben also unmittelbar vom Grundgesetz vorgegebene Rechte. Artikel 9 GG ist ein sog. unbeschränktes Grundrecht. Das bedeutet: gesetzliche Einschränkungen dieses Grundrechts sind nicht möglich, wenn sie nicht direkt im GG vorgesehen sind. Im GG selbst sind aber nur Einschränkungen für den Kriegsfall vorgesehen (aus nachvollziehbaren Gründen). Da wir uns aber - Gott sei Dank - nicht im Kriegsfall befinden, sind Einschränkungen der Rechte aus Art. 9 GG nicht möglich.

Nun regiert in Deutschland ja gerade eine grosse Koalition. Könnte da nicht möglicherweise direkt das Grundgesetz geändert werden? Nein, denn Art. 79 Abs. 3 GG bestimmt:

„Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“

Die Grundrechte der Art. 1 und 20 können also nicht "berührt" werden. Damit wird aber auch Art. 9 geschützt. Denn auch die übrigen Grundrechte werden als „Derivat der Menschenwürde“ in Art. 1 GG definiert und geniessen dadurch einen abgeleiteten Ewigkeitsschutz. Art. 9 ist ausserdem für eine demokratische Regierungsform unerlässlich und damit ebenfalls über das Demokratieprinzip in Art. 20 geschützt. Hinzu kommt, dass sich Art. 1 Abs. 3 GG, der von der Ewigkeitsgarantie erfasst wird, zu Grundrechten „als unmittelbar geltendes Recht“ bekennt. Das bedeutet, dass es überhaupt Grundrechte geben muss. Damit sind der Aufhebung von Grundrechten durch Verfassungsänderung enge Grenzen gezogen.


Was folgt nun aus Art. 9 Abs. 3 im Hinblick auf das Streikrecht?

Das BVerfG und das BAG sehen in Art. 9 Abs. 3 u. a. die "kollektive Koalitionsbetätigungsfreiheit". Auf Deutsch: Gewerkschaften und Arbeitgeber und Arbeitgeberverbände haben die Möglichkeit Ihre Positionen und Rechte mit den Mitteln des Arbeitskampfes durchzusetzen.

Auf Gewerkschaftsseite ist dieses Kampfmittel der Streik. Ein ordnungsgemässer Streik setzt folgendes voraus:

- Er muss von einer Gewerkschaft "getragen", d.h. veranlasst werden und es muss einen ordnungsgemässen Streikbeschluss geben.

- Er muss die "Ultima ratio", d.h. das äusserste Mittel sein. Zuvor muss also versucht werden zu verhandeln.

- Er darf nur Ziele verfolgen, die auch durch einen Tarifvertrag geregelt werden können. Ein Streik zur Durchsetzung rein politischer Ziele wäre also z. B. unzulässig.

- Er darf die in einem bestehenden Tarifvertrag geregelte Friedenspflicht nicht verletzen. Solange also ein Tarifvertrag gilt, der eine bestimmte Frage regelt, darf die Gewerkschaft bezüglich dieses Regelungsgegenstandes nicht zum Streik aufrufen.

- Der Streik muss verhältnismässig sein, darf also keine Schäden anrichten, die völlig ausser Verhältnis zum erstrebten Ziel sind. Ein Streik, der zu einer Gefährdung des Gemeinwohls führt, wäre also unzulässig. Die Hürde ist hier allerdings sehr hoch. Es gab schon wochenlange Streiks der Müllabfuhr und einen einjährigen Streik in der Metallindustrie, die von der Rechtsprechung geduldet wurden.

Beim Lokführerstreik kommt noch ein Treppenwitz der Geschichte hinzu. Früher einmal waren die Bahnbediensteten Beamte. Die durften nicht streiken. Aber die Bahn musste ja unbedingt privatisiert werden, um sich "dem Markt" und "dem Wettbewerb" zu stellen. Dann gelten aber auch die Gesetze, die für Unternehmen im nichtstaatlichen Bereich gelten. Es darf also - abgesehen von den noch vorhandenen Beamten im Altbestand - gestreikt werden.

Wo liegt also das Problem?

Ich habe volles Verständnis für alle Reisenden und als ehemaliger Vielbahnfahrer hätte ich mich persönlich höchstwahrscheinlich auch masslos geärgert. Keine Frage. Aber hier üben Gewerkschaften und ihre Mitglieder Grundrechte aus. Und als Folge des Streiks verlieren die streikenden Arbeitnehmer schliesslich auch ihre Vergütungsansprüche, denn der Streik führt dazu, dass die betroffenen Arbeitsverhältnisse "suspendiert", d.h. auf Eis gelegt werden.

Alle, die jetzt nach gesetzlichen Einschränkungen rufen tun das entweder aus gnadenloser juristischer Unwissenheit (hoffentlich), oder weil sie die "FDGO", die freiheitliche demokratische Grundordnung abschaffen wollen. Macht Euch das bitte mal bewusst, Leute!

A propos: Art. 20 Abs. 4 GG besagt:

„Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

So, das musste jetzt mal raus. Zurück zur Tagesordnung.

Bye, bye, Winter Wonderland

Das Wetter in Lappland ist sehr unbeständig und die Vorhersagen sind da so eine Sache. Böse Zungen behaupten gar, dass die Prognosen im nachhinein besser sind, als im vorhinein :-)

Wenn wir der aktuellen Langzeit-Wettervorhersage für die Region aber einmal Glauben schenken wollen, dann könnte (Konjunktiv!) die kommende Woche keine Temperaturen unter dem Gefrierpunkt mehr aufweisen. Die tatsächliche Wintergrenze wäre damit gekommen.

Dem Schnee kann jedenfalls jetzt schon beim Auftauen zugesehen werden.

Wieder einmal heisst es „Bye, bye, Winter Wonderland“. Wir sehen uns bald wieder.

Bye, bye, Winter Wonderland - Little Planet
Ein 360-Grad-Rückblick auf die bald hinter uns liegende Wintersaison 2014/2015

"Snömögel" - Allergiegefahr bei der Schneeschmelze

Der Schnee schmilzt endlich und viele Menschen sind verschnupft. Überall wird geniesst und die Nasen laufen. Woran liegt das?

Eigentlich ist die Schneeschmelze ein Moment des Glücks. Nach der langen Wintersaison wird die Schönheit der vom Schnee monatelang verzauberten Landschaft endlich wieder sichtbar. Doch das Winterende birgt auch einen unschönen Nebeneffekt, die vielen Allergikern schwer zu schaffen macht (weltweit übrigens).

"Snömögel" heisst das Phänomen auf Schwedisch, dessen wissenschaftlicher Name "Microdochium Nivale" ist. Es handelt sich um einen Schimmelpilzbefall, der von einem Pliz aus der Gattung Fusarium verursacht wird (Link Wikipedia Schwedisch, Link Wikipedia Deutsch).

Wie sind wir auf die Themtatik aufmerksam geworden?

Eine schwedische Bekannte hat kürzlich berichtet, dass ihre Kinder beim Allergietest waren. Dort war die Sprache auch auf den Snömögel als mögliche Allergieursache gekommen.

Fusarien leben vor allem im Boden oder auf und in Pflanzen. Besonders gut gedeiht der schädliche Schimmelpilz wenn sich der Boden unter dem Schnee erwärmt und das Klima unter der verbleibenden Schneedecke feucht-warm wird. Nachvollziehbarerweise ist das Risiko in Nordschweden besonders gross, denn hier schaltet das Klima binnen kürzester Zeit von Winter auf Sommer um. Die Schneeschmelze ist schnell und i. d. R. von hohen Temperaturen begleitet. Ein wahrhaftes Paradies für Schimmelpilze, die sich - kleiner Tipp für potentielle Immobilienkäufer in Lappland - übrigens auch gerne in Häusern einnisten (und nur äusserst schwer wieder los zu werden sind). Bei etwa zwei bis acht Grad fühlt sich unser Schädling besonders wohl.

Das allergieauslösende Nebenprodukl des Schneeschimmels sind Mytotoxine. Und die haben es in sich. Für Menschen bestehen gesundheitliche Risiken bis zum Nierenversagen bei entsprechend hohen Konzentrationen. Besonders bei Patienten mit ohnehin angeschlagenem Immunsystem können verschieden Fusarien allerdings auch ernsthafte Fusariosen auslösen. Problematisch sind dabei oft allergische Reaktionen wie Sinusitis und Pneumonie. Die Therapie erfolgt symptomatisch und am besten ist es, befallene Flächen während der Schneeschmelze zu meiden. Sind die Temperaturen nach zwei bis drei Wochen dann auf Sommerwärme gestiegen, ist die Gefahr gebannt. Millionen von Pilzsporen sind auf den befallenen Flächen aber stets präsent und warten nur auf die nächste Schneeschmelze.

Wenn Sie unter dem schmelzenden Schnee also einen grau-braunen Boden sehen, wo in der Saison zuvor noch grünes Gras war ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Sie eine Winterschimmelpilzzucht vor sich haben. Nach dem Lehrbuch wachsen die vom Pilze befallenen Regionen kreisartig. Ein vollflächiger Befall ist aber leider auch nicht unüblich.

Was tun?

In Wissenschaft und Forschung wird das Thema derzeit noch stiefmütterlich behandelt. Im Handel sind verschiedene "chemische Keulen" erhältlich, deren Nebenwirkungen aber dem Mytotoxin des Schimmels alle Ehre machen dürften. In experimentellen Testreihen wird auch versucht, dem Schimmelpilzbefall durch Bakterien Herr zu werden. Aussagekräftige Studienergebnisse dazu sind noch nicht publiziert.

Der Snömögel hat auch beträchtliche wirtschaftliche Auswirkungen. Viele Golfplatzbetreiber - und Golfplätze gibt in in Lappland recht viele - klagen jedes Jahr über verdorbenes "Green".

Snömögel, Fusarium, Microdochium Nivale
Was legt die Schneeschmelze frei? Oft ist der „Snömögel“ mit im Spiel...

Im Wandel der Zeit: Kundgebungen zum 1. Mai in Nordschweden

Disclaimer: Eigentlich sind Berichte über Politik hier im Blog ein Tabuthema. Ausnahmsweise breche ich heute aus aktuellem Anlass aber bewusst mit diesem Grundsatz.

Als ich im vergangenen Jahr für eine schwedische Tageszeitung unterwegs war, um die örtlichen Feiern zum 1. Mai zu fotografieren, ahnte ich nicht, dass dieses Bildmaterial einmal historisch werden würde. Die Zeitung hatte auf mehreren Doppelseiten eine Zusammenstellung aller Kundgebungen in fast ganz Västerbotten gedruckt, darunter auch mein Bericht und meine Bilder aus Malå.

Heute wirkt das wie aus einer längst vergangenen Zeit. Die schwedische "Arbeiterbewegung" scheint in den letzten Atemzügen zu liegen. Im Inland von Västerbotten wurden die Kundgebungen dieses Jahr im vorhinein eingestellt mangels Beteiligung, so z. B. in Malå, Dorotea und Åsele (Quelle 1, Quelle 2).

Warum die Menschen nicht mehr auf die Strasse gehen wollen, bleibt unklar. Vielleicht fühlen sich alle hinreichend wohl. Vielleicht ist es auch einfach nur die Bequemlichkeit. Um die schwedische Sozialdemokratie - die derzeit immerhin den Statsminister stellt - scheint es derzeit jedenfalls nicht gut bestellt. Die sozialdemokratischen Vorzeigepolitiker waren natürlich bei den Kundgebungen in den grösseren Städten vertreten. Im Inland zeichnet sich aber ein unguter Trend ab. So wurden in der Nacht zum 1. Mai z. B. in Norsjö neun Fahrzeuge durch Vandalismus beschädigt. In diesem Ausmass ist das hier in der Umgebung ein bislang unbekanntes Phänomen.

Es ist schwer in Worte zu fassen und ich enthalte mich bewusst jeglichen Kommentares, aber in Nordschweden liegt eine Veränderung der politischen Landschaft in der Luft. Wie das aussehen wird und - wichtiger - wohin das führen wird, wird sich zeigen.

Hier jedenfalls - aus den Tiefen des Archives und wie aus einer längst vergangenen Zeit - einige Bilder (Outtakes) aus der Reportage vom 1. Mai 2014 in Malå.

Symbolisch schon vor dem Beginn der Kundgebung:<br />Eine Böe wirft die roten Fahnen um...
Symbolisch schon vor dem Beginn der Kundgebung:
Eine Böe wirft die roten Fahnen um...


Starrednerin in Malå war 2014 Veronica Lindholm -<br />heute sitzt sie als Abgeordnete im Reichstag
Starrednerin in Malå war 2014 Veronica Lindholm -
heute sitzt sie als Abgeordnete im Reichstag



Aber weder Veronica noch Würstchen „für umme“ halfen...
Aber weder Veronica noch Würstchen „für umme“ halfen...


Die Schar der Versammelten war 2014 recht überschaubar...
...Die Schar der Versammelten war 2014 recht überschaubar...

Die Wurzel allen Übels?
Ungefähr zur gleichen Zeit entstanden: Die Wurzel allen Übels?

Wo geht's hin in Lappland? Ausflugsziele im Grossraum Arvidsjaur!

Die letzten Tage haben uns wieder viele Mails mit der Frage erreicht, welche Ausflugsziele wir denn in unserer Gegend um den Polarkreis empfehlen können.

Hier die Antwort: eine ganze Menge!

Aber bevor ich mir hier die Finger wund schreibe, darf ich auf die Vorarbeit von Frau Lapplandblog verweisen, die sich den Winter über der Thematik Ausflugsziele in Västerbotten und Norrbotten ausführlich angenommen hat.

Von den interessanten grösseren Städten mit ihren Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, über einen spannenden Tierpark mit Wildtieren aus Nordschweden bis hin zu Spieleparadiesen für die Kinder ist alles mit dabei.

Zur Übersicht der Ausflugsziele in Lappland mit Beschreibung und Link zur den jeweiligen Homepages bitte hier entlang.

Wer gerne etwas ausführlichere Berichte liest, sei zudem auf die Blogeinträge von Frau Lapplandblog verwiesen.

Dort geht es auch um thematische Schwerpunkte, z. B. Kajaktouren und Rafting, Wandern oder die - mittlerweile legendäre - Boutique von Anna-Lena in Arvidsjaur.

Wir möchten hier nicht noch explizit erwähnen, dass es bei uns hier in Schwedisch-Lappland abgelegene Seen mit Sandstränden gibt, die im Sommer zum Schwimmen oder zu Bootsfahrten einladen.

Und auch der Elch wartet schon auf Dich in Lappland
Und auch der Elch wartet schon auf Dich in Lappland...

Winterausklang

Alltagsgeschichten aus Lappland. Auf dem grossen Scheunendach schmilz die gewaltige Eisplatte langsam vor sich hin und hat sich in ein Gebilde verwandelt, dass einem überdimensionalen XXL „Bahlsenkeks“ ähnelt. Gute 30 cm dick ist die Eisplatte nun noch. Der Frühling allerdings scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein, bei Tagestemperaturen von derzeit Plus fünf bis sieben Grad.

Der“Bahlsenkeks“ aus Schnee und Eis auf dem Dach
Der“Bahlsenkeks“ aus Schnee und Eis auf dem Dach


In den Nächten herrschen freilich noch Minusgrade und die endgültige Winter-Entwarnung gibt es unter dem Polarkreis bislang noch nicht. In der vergangenen Woche hat es z. B. mal eben und über Nacht 15 cm geschneit. Und so führte mich die morgendliche Autofahrt ganz plötzlich wieder durch einen gediegenen Schneesturm. Gut, dass wir hier oben in Lappland die Spikereifen bis Anfang Mai aufgezogen haben (eigentlich müssen die Reifen am 15. April runter, es sei denn... mehr dazu hier)

Die Fahrt im Schneesturm jedenfalls brachte mich auf philosophische, geradezu existentielle Gedanken.

Vor mir fuhr ein grosser LKW, der hoch mit Stämmen beladen war. An Überholen war nicht zu denken. Und so ging es mit ca. 50 Km/h im gemütlich warmen Auto durchs Schneegestöber. Der LKW Fahrer aber war höflich (oder er lebte mit einer anderen inneren Uhr): Immer wieder blinkte er mit seinem rechten Blinker um mir zu signalisieren, dass ich jetzt überholen könnte.

Bei gefühlter „Sicht null“ habe ich das natürlich nicht gemacht. Andere Autofahrer hinter mir waren waghalsiger, verliessen sich auf die Signale und wagten das nicht ungefährliche Manöver. Ich wurde immer nachdenklicher.

Warum vertrauen erwachsene Menschen Ihr Leben einem Ihnen unbekannten LKW-Fahrer an, um auf ein Blinkerzeichen hin in den tobenden Schneesturm ein - potentiell lebensgefährliches - Überholmanöver zu wagen?

Sie haben offensichtlich nur das eigene Ziel vor Augen, dem Sie bereit sind, alles andere - sogar Ihr eigenes und das Leben anderer Menschen - unterzuordnen. Egoismus pur. Das Leben anderer Menschen spielt dabei keine Rolle mehr.

Am Ziel angekommen ergab sich mit einigen Schweden ein Gespräch über die längere Autofahrt. Und einer von Ihnen berichtete dann auch über einen Unfall mit tödlichem Ausgang im vergangenen Jahr, dem genau so eine Situation zu Grunde lag.

Es wird Zeit, dass die elektronisch gesteuerten, selbstfahrenden Autos kommen, damit das endlich ein Ende hat.

Und wenn sich die computergesteuerten selbstfahrenden Automobile durchgesetzt haben, die Anzahl der Verkehrstoten sich auf Null reduziert hat, dann wird die mobile Gesellschaft andere Betätigungen finden, bei denen sie sich und andere sinnlos gefährden kann. Doch eines wird bleiben:

Mit dem Sensemann kann nicht verhandelt werden!

Winterausklang in Lappland 2015
Winterausklang in Lappland 2015

Zeit, den Sommerurlaub in Lappland zu planen

Die meisten Menschen denken bei Urlaub in Lappland an die Wintersaison. Der Winter bietet eine Fülle von Möglichkeiten, die schöne Zeit des Jahres zu verbringen. In Lappland gibt es bekanntlich lange, schneereiche und kalte Winter, und wer den Winter liebt, kommt voll auf seine Kosten.

Zahlreiche Skigebiete laden Wintersportler ein und die Langlaufmöglichkeiten liegen direkt hier vor der Haustür. Schneeschuhwanderungen durch die magische Winterlandschaft sind nach Herzenslust möglich. Und wer gerne mit dem Schneemobil unterwegs ist, findet sein ganz persönliches Paradies in den Weiten schwedisch Lapplands. Und von den Polarlichtern wollen wir erst gar nicht anfangen zu schwärmen.

Aber auch im Sommer ist Lappland immer eine Reise wert.

Die Sommer in Lappland sind zwar kürzer als in Mitteleuropa, dafür aber sehr warm. Ein weiterer Vorteil der nördlichen Lage: Die Sonne scheint viel länger. Einsame Badestrände und viele familienfreundliche Ausflugsziele warten hier auf Sie. Die richtig warme Zeit beginnt Ende Juni. Die Monate Juli und August sind die "heissen Monate", in denen es häufig lange Sonnenperioden mit bis zu 30 Grad Celsius gibt.

Ganz gleich, ob Sie sich im Sommer für Radfahren, Mountainbiken, Wanderungen oder Schwimmen an einem der ruhigen Seen mit Sandstrand entschliessen:

Die wunderbare schwedische Natur wird Sie immer begleiten und hat ihren ganz besonderen Charme.

Nicht vergessen: Spätestens jetzt ist es an der Zeit, den Sommerurlaub zu planen. Den Leserinnen und Leser des Lapplandblogs können wir ein besonders attraktives Ferienhaus empfehlen, das im Herzen Lapplands auf Sie wartet (Link).

Das Lappland-Ferienhaus - Zeit, den Sommerurlaub in Lappland zu planen
Das Lappland-Ferienhaus wartet auf Sie!

Ostern

Ostern heisst: Licht am Ende des Tunnels

Ostern heisst: Licht am Ende des Tunnels
- Stockholm Kungsholmen -

Karfreitag

Ewiges Licht - Karfreitag 2015

Vertrauen in die Dunkelheit
- Ewiges Licht in der Flughafenkapelle Stockholm-Arlanda -

Konsumtempel in Umeå

Konsumtempel


In Umeå wurde kürzlich ein neuer Konsumtempel, der auf den Namen "Utopia" hört, eröffnet.
Der beinahe sakrale Charakter wird durch die Sicherheitsverklebung der neu angelieferten Türen tiefsinnig pointiert - „Happy Shopping“...

"Nicht im Test" - eine neue Bilddatenbanksoftware für Mac OS X

Eigentlich, ja eigentlich wollte ich hier einen ausführlichen Testbericht einer neuen Fotodatenbanksoftware posten. Den Namen verschweige ich einstweilen da ich nicht weiss, worauf genau die sogleich zu schildernden Probleme beruhen.

Bislang tut hier als Bilddatenbanksoftware immer noch das gute alte iView Media Pro 3 seinen Dienst. Das hat zwar schon etliche Jahre auf dem Buckel, läuft aber wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk. Der Haken an der Geschichte ist, dass die Software noch aus der PowerPC-Zeit stammt und die letzte OSX-Version unter der diese Softwarearchitektur noch - unter Rosetta emuliert - läuft, ist 10.6.8. Und das ist ja mittlerweile auch nicht mehr ganz taufrisch (10.6 - alias "Snow Leopard" wurde 2009 vorgestellt und 2011 von 10.7 abgelöst). Mit dem zunehmendem Alter der eingesetzten Maschinen läuft die Lebensuhr von iView Media Pro 3 also ab.

Eine neue Software muss also her. Die ins Auge gefasste neue Software fällt durch ihre ausgesprochene Schlankheit auf. Die Installation geht schnell vonstatten und die Software macht auch einen gut durchdachten Eindruck. Also an den Test: Import eines Teils aus dem Bildbestand, ungefähr 250.000 Dateien. Nachdem nach vier Tagen immer noch kein weiterer Fortschritt beim Import zu verzeichnen ist, breche ich den Vorgang ab. Auch der Versuch mit 70.000 Bildern führt zu demselben Ergebnis. Mein Zutrauen in den Testkandidaten verflüchtigt sich zusehends. Mit einigen wenigen Bildern (100-500 Stück) klappt der Import. Aber das kann ja so nicht gemeint sein, denn im digitalen Zeitalter sammeln sich schnell mehrere hunderttausend Bilder an. Der Test wird an dieser Stelle also abgebrochen. Der Hersteller ist informiert. Vielleicht klappt es ja nach einem Update...

Foto-Futter: Gabi Ben-Avraham

Das Foto-Futter heute zum Thema Inspiration.

Gabi Ben-Avraham (Gabi steht für Gavriel) stammt aus Tel Aviv und betreibt die Fotografie als Ausgleich für die Seele. Im "normalen" Berufsleben ist er für eine IT-Firma tätig. Nach einer über zwanzigjährigen Pause har er vor zwei Jahren wieder angefangen zu fotografieren, nachdem er eine Digitalkamera geschenkt bekam. Die Geschichte klingt unspektakulär, aber seine Bilder sind alles andere als das.

Beeindruckende und inspirierende Bilder im zeitgemäss fortgeschriebenen Stil der alten Street-Photography Meister. Besonders gefallen uns seine in schwarz-weiss gehaltenen Serien. Er gibt mit seinen Bildern tiefe Einblicke in das tägliche Leben in Tel Aviv, die zum Verweilen einladen.

Auch alle, die in Sachen Reportage und Fotojournalismus unterwegs sind, können hier etwas lernen. Prädikat: sehr empfehlenswert!

Unbedingt reinschauen und geniessen: Gabi Ben-Avraham

Foto-Futter: Gabi Ben-Avraham


PS: ...und wenn sogar Frau Lapplandblog begeistert ist, dann will das etwas heissen...

The city never sleeps - ein persönliches Projekt

Heute ein Beitrag der sich nicht unmittelbar den arktischen Regionen Schwedens, sondern der bezaubernden Hauptstadt Stockholm widmet. Meine ganz persönliche Hommage an diese liebenswerte Stadt.

Stockholm, die Hauptstadt Schwedens, hat mich schon immer fasziniert. Einerseits eine pulsierende Weltstadt, andererseits ist da dieser besondere Charme, der Stockholm auszeichnet. Die schwedische "Lugn och ro" (lässt sich hier am besten mit "Ruhe und Beschaulichkeit" übersetzen) durchsäuern das ansonsten hektische Leben und geben der Stadt die besondere und liebenswerte Atmosphäre.

Über die vergangenen sechs Monate war ich immer wieder in Stockholm, um diese spezielle Stimmung der Stadt einzufangen. Und so ist im Rahmen dieses Projektes, das ich auf den Namen "The city never sleeps" getauft habe, eine Bilderserie in klassischem schwarz/weiss entstanden, die ich ich vor einigen Tagen veröffentlicht habe (Link).

Stockholm - “The city never sleeps“ - In the shadows
“The city never sleeps“ - In the shadows

Mehr Bilder? Aber ja doch! Auf Instagram.

Verschiedene Leserinnen und Leser haben nach mehr Bildern nachgefragt. Kein Problem.

Auf Instagram gibt es mehr Bilder aus dem laufenden Alltag in Schweden und Lappland.

Auch viele Outtakes aus neuen Serien und Projekten sind dort zu sehen.

Teflon Menschen - "en passant" in Stockholm

Hat der Mensch des dritten Jahrtausends eine eingebaute Antihaft-Beschichtung? Eine Hülle, an der alles abprallt, was eigentlich Gefühle der Empathie wecken sollte? Können Menschen im einundzwanzigsten Jahrhundert überhaupt noch innerlich berührt werden?

Ich bin mir nicht mehr sicher. 

Die Tage war ich in Stockholm und nahm eine kleine Promenade auf dem Kungsgatan. An der Ecke Kungsgatan / Drottninggatan ist mir eine Strassenszene begegnet, die mich erschüttert hat.

Teflon Menschen -
Eilende Menschen im Strassenbild verdecken die Dramatik der Szene


Schweden wird seit einiger Zeit gerade von einer bislang unbekannten Welle erfasst:

Auf den Strassen sind seit einigen Monaten sehr viele Bettler zu sehen. Meist aus südeuropäischen Ländern stammend, versuchen diese Menschen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Im schwedischen Strassenbild ist das ungewohnt und es fällt mir schwer, mir das Betteln bei eisigen Temperaturen vorzustellen. Das Strassenbild hat sich nicht nur in den grösseren Städten in Südschweden verändert. Mittlerweile sind die Bettler auch in kleinen Orten in Nordschweden angekommen. Betteln vor einem Supermarkt bei minus 20 Grad ist keine angenehme Tätigkeit. Und die zu Beginn grosszügige Mildtätigkeit der einheimischen Bevölkerung scheint - meinen Beobachtungen nach - mehr und mehr zurück zu gehen. Ich möchte bewusst keine Pro und Contra Diskussion zum Geschäftsmodell des Bettelns führen. Für mich geht es vielmehr um einen Indikator dafür, wie sich die emotionale Rezeptivität der Menschen im Allgemeinen verändert hat.

Eine Seite ist die veränderte Wahrnehmung. Ich würde sagen, dass ca. 80% der Menschen im Strassenbild in Stockholm ein modernes Mobiltelefon benutzen, während sie sich eilends fortbewegen. Das führt natürlich dazu, dass diese Menschen die bettelnden Menschen am Strassenrand überhaupt nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Diejenigen, die es dennoch tun (oder sich gerade einmal nicht mit ihrem Mobiltelefon beschäftigen) weisen eine zunehmende Gefühlskälte auf. Die Gebewilligkeit ist nur noch äusserst gering. Ob das ein Sieg des vermeintlich Rationalen oder der Abgebrühtheit ist? Ich vermute letzteres. Der "Homo technicus", bzw. "Homo digitalicus" ist ein "Teflon-Mensch" geworden, an dem alles einfach abperlt, was nicht in das Muster des zum eigenen Vorteil Gereichenden passt.

Kurz und prägnant: Der Gedanke der Humanisierung des Lebens duch den technischen Fortschritt führt sich fortwährend selbst ad absurdum und der in die virtuelle Welt transzendierende Mensch verliert jeglichen Bezug zum eigentlich Menschlichen. 

Anders ist mir das Verhalten der Passanten, die ich über einen langen Zeitraum hinweg beobachtet habe, einfach nicht zu erklären.

Es möge der Kelch, der sich mehr und mehr abzeichnet, an uns vorüber gehen. 

Teflon Menschen -
Die erschütternde Szene des stundenlang knienden Bettlers
wird von den Vorbeieilenden kaum wahrgenommen


PS: Als ergänzende und weiterführende Lektüre empfehle ich den kürzlich im Guardian erschienenen Artikel "Why the modern world is bad for your brain".

Klara Nordin: Totenleuchten - Ein Lappland-Krimi

Einige Todesfälle, die zunächst und oberflächlich betrachtet in keinem Zusammenhang stehen, gipfeln in einem Mord der in seiner Ausführung einer traditionellen Rentierschlachtung ähnelt. Und das noch zur Zeit des Wintermarktes in Jokkmokk. Die örtliche Polizei steht vor einem grossen Rätsel. Trotz der eisigen Kälte, in welcher der jüngste Krimi von Klara Nordin spielt, entwickelt sich eine "heisse" Story.

Hauptkommissarin Linda Lundin, die sich selbst in einem recht turbulenten Lebensabschnitt befindet, muss mit allerlei Widrigkeiten kämpfen, bis sich die Lösung des Falles (und für die akuten Probleme ihres eigenen Lebens) auf den letzten Seiten des Buches vor ihr entfaltet.

Klara Nordin gelingt es, eine subtile Spannung aufzubauen, die faszinierend in ihren Bann zieht. Ein handwerklich äusserst gelungener Kriminalroman. Klara Nordin ist eine geübte und professionelle Autorin, die übrigens auch Kurse für angehende Autoren anbietet.

Aber das Buch geht über einen durch und durch gelungenen Krimi weit hinaus. Er ist nicht nur fesselnd, sondern zugleich ein brillantes Lehrstück der schwedischen Mentalität. Die Autorin hat sich tief in das Nordschwedische Wesen versenkt und gibt dem Leser wertvolle Einblicke in die Denkstrukturen der Norrländer. Eine beachtliche Leistung wenn man bedenkt, dass die Autorin selbst eine Einwandererin ist. Seien es die unterschwelligen Spannungen und Animositäten zwischen der schwedischen und der samischen Kultur und Lebensweise, oder die Einstellung zu Leben und Beruf: der Krimi ist ein wahres Lehrbuch über die nordschwedische Seele. Und in Kombination mit der spannenden Story wird all das beinahe unbewusst "mit vermittelt". 

Zudem ist es der Autorin gelungen, ein realistisches Abbild der gestreiften Region zu geben. Der ortskundige Leser kann sich manches Lächeln und Grinsen nicht verkneifen, wenn z. B. manche Details aus Jokkmokk geschildert werden.

Ich habe den Krimi am Stück verschlungen auf einem Flug von und nach Stockholm. Geschätzte Lesedauer für einen geübten Leser: ca. 3 bis 4 Stunden. Die Pointe am Schluss hat mich übrigens so laut auflachen lassen, dass sich viele verschlafene Passagiere der Abendmaschine von Stockholm nach Arvidsjaur befremdet zu mir umgedreht haben. Danke, Klara!

Prädikat: Äusserst empfehlenswert! Pflichtlektüre für alle Krimiliebhaber und selbstverständlich auch für alle, die tiefere Einblicke in die nordschwedische Denk- und Lebensweise haben sollen.

Totenleuchten ist erschienen bei Kiepenheuer & Witsch und hat 316 Seiten. Das Buch kostet 9,99 Euro und ist auch als Ebook erhältlich.

-> Mehr Infos und eine Bestellmöglichkeit gibt es auf der Homepage der Autorin: www.klaranordin.de


Klara Nordin: Totenleuchten - Ein Lappland-Krimi
Nach nur drei Stunden völlig „zerlesen“: Totenleuchten von Klara Nordin

Gedankensplitter aus Stockholm und der St.-Knuts-Tag / Knutdagen

Den berühmten IKEA-Werbespot zum St.-Knuts-Tag haben bestimmt die meisten der hiesigen Leser schon gesehen.

Der St.-Knuts-Tag ("tjugondedag jul", "tjugondag Knut" oder "Knutdagen") schliesst die Weihnachtszeit in Schweden ab. Er ist der 20. und letzte Tag der Weihnachtszeit und wird am 13. Januar gefeiert.

Am St.-Knuts-Tag werden nach alter schwedischer Tradition die Kerzen und der Schmuck von den Weihnachtsbäumen entfernt. Für die Kinder ist der traditionelle Abschluss der Weihnachtszeit auch deshalb besonders attraktiv, weil dann die verbleibenden Süssigkeiten, mit denen die Bäume geschmückt waren, "geplündert" werden dürfen. Daher heisst diese Tradition "julgransplundring".

Und danach kommt das, was im IKEA-Werbespot so eindrücklich zu sehen ist: Die Bäume werden aus der Wohnung entfernt und entsorgt.

Wie aber sieht das tatsächlich in einer schwedischen Grossstadt aus? Um der Sache auf den Grund zu gehen hat es sich gut ergeben, dass ich am 12./13. Januar in Stockholm war und die Sache selbst in Augenschein nehmen konnte. Und ich kann Entwarnung geben: Aus Fenstern auf die Strasse fliegende Bäume konnte ich keine erspähen.


Christbaumfriedhof in Stockholm am Knutdagen
Christbaumfriedhof in Stockholm am Knutdagen



Die Tradition lebt allerdings weiter. Am Zwölften und am Dreizehnten schleppten viele Bewohner ihre - für die Saison ausgedienten - Bäume auf die Strasse, wo sich an einer Stelle in jedem Viertel ein grosser Christbaumhaufen bildete. Ein ungewohntes Strassenbild. In Gebieten mit Hochhausbebauung ist der Weg zum Christbaumfriedhof länger und manche Anwohner haben sich einen Einkaufswagen "geborgt", um den geplünderten Weihnachtsbaum damit zur Entsorgung zu karren.


Clevere Entsorgungslösung
Clevere Entsorgungslösung



Auf der Rolltreppe in Stockholm

Stockholm pulsiert in einem hektischen Takt. Das verwundert mich immer wieder, denn Schweden ist ja eigentlich ein eher geruhsames Land. Trotzdem geht es im Nahverkehr oft geradezu chaotisch zu. Die langen Rolltreppen zu den U-Bahn-Stationen haben bereits eine hohe Geschwindigkeit. Trotzdem macht man sich überhaupt keine Freunde und wird beständig unfreundlich ermahnt, doch bitte rechts auf der Rolltreppe zu stehen, wenn man - unkonzentriert - etwas zu mittig auf einer Stufe steht. Denn die linke Hälfte der Rolltreppe ist für diejenigen Pendler reserviert, die im Laufschritt nach unten oder oben eilen wollen. Und das sind recht viele.


Mehr Steckdosen bitte!

Schweden ist bekanntlich eines der internetaffinsten Länder. Am Flughafen in Arlanda - wo die Umbauarbeiten an der Sky-City weitgehend abgeschlossen zu sein scheinen - gibt es jetzt bei fast allen Sitzgelegenheiten die mittlerweile geradezu obligatorischen Steckdosenleisten zum Aufladen von Smartphones. Auch ein anderer Trend ist mir aufgefallen: Brillenträger kennen das gute alte Brillenputztuch. Das scheint gerade wieder hoch im Kurs zu stehen. Allerdings nicht für die Brille, denn ein neues Ritual hat sich etabliert. Smartphone-Nutzer setzen sich an einen Warteplatz und packen zuerst das Smartphone und dann ein Brillenputztuch aus, um zunächst den Bildschirm zu polieren, bevor sie mit gebanntem Blick auf den Screen in die Datenwelt entschwinden.


“Out of order“ - fragt sich nur wie lange?
“Out of order“ - fragt sich nur wie lange?



Alles hat seine Zeit

Ein letztes Fundstück handelt von "interkultureller Kompetenz". Es geht um internationale Datumsformate. Am 14. Januar erspähte ich eine Rolltreppe, auf deren Hinweisschild zu lesen war (übersetzt): "Renovierung - fertig am 15-01-16". Da stellt sich die Frage, ob damit der darauf folgende Tag gemeint war, oder ob die Rolltreppe ein ganzes Jahr ausser Betrieb sein würde. Ersteres war wohl der Fall.

2015 - Ausblick

Gute Vorsätze?

Einige philosophische Gedanken und Überlegungen zum Einstieg. Die Angst vor der Veränderung ist eine Grundeigenschaft aller menschlichen Wesen. Fragt sich nur warum? Ist sie nicht einfach nur die Angst vor dem Verlust von Kontrolle in einem anderem Gewand? Das Gewohnte meinen wir kontrollieren zu können; freilich mehr oder minder gut. Das jedenfalls scheint es zu sein, was uns unser Unterbewusstsein beständig einzuflüstern versucht. Unter anderem deswegen klappt es auch so selten mit den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel...


2014 -> 2015

Am 31. Dezember 2013 hatten wir angekündigt, dass wir 2014 ein Jahr der Auszeit vom privaten Bloggen nehmen. Ganz durchgehalten haben wir es nicht. Aber zusammen genommen sind es keine zwei Handvoll Blogeinträge im Laufe des Jahres 2014 geworden. Es hat gut getan die Kupplung etwas schleifen zu lassen.


Wie wird es nun 2015 aussehen?

Social Media Sabbatical

Wir werden eine einjährige Auszeit von sozialen Medien nehmen, damit wir uns auf unsere kreativen Projekte konzentrieren können. Neue Blogeinträge und wichtige Neuigkeiten werden wir zwar weiterhin über Facebook, Twitter und Google+ in Umlauf bringen, allerdings werden wir uns darüber hinaus nicht engagieren oder kommentieren. Eine Ausnahme wird es allerdings geben: Auf Instagram gibt es weiterhin den fotografischen "Beifang" aus Lappland.

Wer mit uns in Verbindung treten möchte, nutze bitte die gute alte Email oder rufe einfach an.

#IYL2015 - International Year of Light 2015


#IYL2015 - International Year of Light 2015

Was uns zum Projekt für 2015 führt, dem "International Year of Light".

Bei diesem geht es - unter Federführung der UNESCO - darum, einem breiten Publikum die Errungenschaften der Wissenschaft in Sachen Licht und deren Bedeutung für die Menschheit näher zu bringen (weitere Infos: Wikipedia).

Selbstverständlich gibt es im Rahmen des International Year of Light auch einen Bereich, der sich "Art & Culture", also der Kunst und der Kultur widmet. Und da sind wir mittendrin im Thema: Fotografie ist schliesslich die Ausdrucksform für alle durch das Licht geschaffenen Formen und Farbenspiele.

Wir werden daher hier im Blog einen Schwerpunkt mit Beiträgen aus der Perspektive des "#IYL2015" setzen. Es wird spannend werden. Gastautoren und Gastbeiträge zum Thema sind übrigens auch gerne willkommen.

Allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in das Jahr 2015!

Der Weihnachtsmann packt zusammen und tritt die Heimreise an
Der Weihnachtsmann packt für dieses Jahr zusammen
und tritt seine wohlverdiente Heimreise an

Bitte: Brot statt Böller

Eine Bitte an alle, die sich gerade mit dem Gedanken beschäftigen, was sie denn zum Silvesterfeuerwerk einkaufen sollen:

Lasst es bitte ganz einfach sein und investiert statt dessen in etwas Sinnvolles.

Das aus zwei Gründen:

1. Feuerwerke sind extrem ungesund für Mensch und Tier. Wer Haustiere hat, kann das ohne weiteres selbst beurteilen. Tragische Unfälle gehen Jahr für Jahr durch die Medien. In Österreich erleiden z. B. rund 1000 Menschen Jahr für Jahr schwere Hörschäden durch Silvesterböller.

Neue Studien belegen ausserdem ganz erhebliche Partilkelemissionen bei Feuerwerken.


Kurz gesagt: Feuerwerke sind zwar in den Augen mancher Betrachter schön anzusehen, aber eine große Belastung für Gesundheit und die Umwelt. Die Nebenwirkungen in Form von Gesundheitsgefährdungen, Umweltbelastung und Sicherheitsgefährdungen sind erheblich.




2. Mit dem Silvesterfeuerwerk wird - im wahrsten Sinne des Wortes - jede Menge Geld völlig sinnlos "verpufft". Die letzte belastbare Zahl stammt aus dem Jahr 2011; sie dürfte aber seitdem nicht gesunken sein.

Nach Informationen des Verbandes der pyrotechnischen Industrie werden Silvester 2011 rund 113 Millionen Euro für Knallkörper und Raketen ausgegeben.


Dieses Geld kann viel sinnvoller verwendet werden, z. B. so.

Also, liebe Leserinnen und Leser: Tut Euch und anderen etwas Gutes und verzichtet auf das Feuerwerk. Tut statt dessen lieber etwas Gutes und Sinnvolles! Danke!

Weihnachten und ein Rückblick auf das Jahr 2014

Das Jahr neigt sich wieder seinem Ende zu. Zeit für einen Rückblick.

Wetter

Der Winter hat sich von Oktober bis kurz vor Weihnachten recht lustlos dahin geschleppt. Bislang liegt - im Jahresvergleich - noch sehr wenig Schnee (so um die 40 cm) und die Temperaturen haben sich moderat gehalten. Pünktlich zu Weihnachten aber ist das Thermometer nach unten gestürzt und hat am Heiligen Abend die minus 30 touchiert. So soll es auch die kommenden Tage noch bleiben.
Im Gegensatz zu vielen mitteleuropäischen Wintersportgebieten darf Lappland aber dennoch bis auf weiteres als „schneesicher“ bezeichnet werden. Die amtliche Definition von „schneesicher“ lautet schliesslich:

„Standorte werden als schneesicher bezeichnet, wenn zwischen dem 16. Dezember und dem 15. April an mindestens 100 Tagen eine Schneedecke von mindestens 30 cm (Ski alpin) oder 15 cm (Ski nordisch) liegt.“

Das ist in unseren Regionen locker der Fall.


Weihnachten - Heiligabend

Wie üblich ist es zu Weihnachten sehr ruhig in Lappland. Ein Spaziergang durch die geradezu mystische Stille am Heiligabend ist Balsam für die Seele. Stundenlang war kein Auto auf den Strassen zu erspähen, bis gegen 20 Uhr kurzzeitig hektischer Verkehr einsetzte. „Familienwechsel“, oder besser gesagt „Wechsel der sozialen Wohngemeinschaft“ ist der Grund dafür. Bei den recht offenen Beziehungsverhältnissen in Schweden, bei denen mehrere „Särkullbarn“, d.h. Kinder, die nicht aus der aktuellen Lebensabschnittspartnerschaft entstammen die Regel sind, müssen eben viele Besuche gemacht werden, um alle Geschenke erfolgreich auszutauschen. Nicht gerade umweltfreundlich und offenbar sehr stressig, wie an der Durchschnittsgeschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer abzulesen war. Die hiesige Polizei hat für den Weihnachtsabend sogar eigens eine Warnung wegen der zur Zeit auf Wanderung in Richtung der wärmeren Küste befindlichen Elche heraus gegeben. Weihnachtsstress auf schwedisch. A propos: „Särkullbarn“ heisst übrigens - direkt übersetzt - „Kinder aus einem besonderen Wurf“. Man darf sich wundern.


Arktischer Winter und arktische Sonne

Habe ich eigentlich schon hinreichend über den arktischen Winter geschwärmt? Ich sage nur: Das Farbenspiel. Rot verwandelt sich in einen kühl-zarten Rosaton und das tiefe Himmelblau wird zu einem eisig-frostigen Stahlblau. Farbextreme, die im Auge des Betrachters äusserst gefällig sind. Und erst die Landschaft: Vom Wind kilometerlang glatt gezogene Schneeflächen, die von nur einigen Sträuchern und Bäumen unterbrochen sind. Ein wahrer Traum, ganz nach meinem Geschmack, und ein Paradies für Landschaftsfotografen. Für alle Nachahmer sei an dieser Stelle zur Sicherheit nochmals auf den einschlägigen Blogbeitrag „Im Griff der Kälte - Fünf Listen mit Tipps für Leben, Arbeit und Fotografie im Winter“ verwiesen.


Stichwort Auswandern

Der Boom ist ungebrochen. Nach wie vor wandern sehr viele Deutsche nach Nordschweden aus. Vielleicht denkt ja auch der ein oder andere Leser, oder die ein oder andere Leserin über die ruhigeren Tage am Jahresende darüber nach. Ein kleiner Hinweis sei daher an dieser Stelle erlaubt. Es gibt ein weises schwedisches Sprichwort das besagt: Jobs wachsen nicht auf den Bäumen. Als Grundregel gilt das umso mehr, je weiter nördlich man aufzuschlagen gedenkt. Leider haben wir im Laufe auch dieses Jahres wieder viel zu viele Auswanderergeschichten hören müssen, die letztlich an der Schaffung einer Einnahmequelle gescheitert sind. Also liebe potentielle Auswanderer: Plant und recherchiert gut (und lasst Euch am besten auch qualifiziert beraten), damit Euch eine Auswanderungskatastrophe erspart bleibt.

Soweit ein kleiner, weihnachtlicher Rückblick auf 2014. Den Ausblick auf das Jahr 2015 mit einem spannenden Langzeitprojekt gibt es in einigen Tagen.

Arktischer Winter in Lappland
Arktischer Winter - ein Traum für Fotografen
(Hinweis: Bild „out of cam“)

Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose! [Update: 27/12/2014]

Heute wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie: Neulich in Europa.

Über die aus europäischer Sicht unabdingbare Normierung von Eiskugelportionierern hatte ich 2013 schon einmal geschrieben.

Aber die Entwicklung überholt die philosophischen Überlegungen zuweilen. So ist das eben. Nun scheint sich die Europäische Union den altbewährten Toaster für eine neue Normierungsorgie auserkoren zu haben.

Künftig soll also nur noch der "Einschlitztoaster" für den Verkauf innerhalb der EU zugelassen sein. Und die Begründung klingt ja eigentlich recht plausibel, denn wie so oft wird - insbesondere in den nach wie vor immer mehr zunehmenden Singlehaushalten - nur ein Schlitz des klassischen Doppelschlitztoasters befüllt. Die Hälfte der eingesetzten Energie verpufft also völlig sinnlos in der Umgebungsluft. Ein Skandal ist das.

Indes scheint es mir, dass es den europäischen Bürokraten einfach an der Chuzpe fehlt, die Übel wirklich an der Wurzel zu erfassen. Und daher springe ich an dieser Stelle natürlich gerne in die Bresche.

Die Wurzel allen Übels ist nämlich weder die immer noch fehlende Normierung für Eiskugelportionierer, noch die Problematik des klassischen Doppelschlitztoasters. Nein, die wahre Wurzel der unermesslichen Energieverschwendung in Europa hört auf einen anderen Namen, und dieser lautet "Mehrfachsteckdose".

Es liegt doch auf der Hand, dass dieses elektrische Gerät die Mutter aller Verschwendung ist. Wie vielen Energieverschwendern wird durch Mehrfachsteckdosen nicht überhaupt erst der Zugang zum Stromnetz ermöglicht? Da gibt es sogar Mehrfachsteckdosen mit bis zu zehn (!) Stromentnahmestellen im Handel. Unglaublich und skandalös ist das. Ein offenes Scheunentor für den Untergang Europas.

Stellen Sie sich demgegenüber einmal folgendes "best-case" Szenario vor: An jeder Wandsteckdose (deren zulässige Anzahl in Abhängigkeit von der Grundfläche eines Raumes natürlich auch geregelt werden müsste) hängt nur noch ein Verbraucher. Das zwingt den Verbraucher zu energiebewussten Entscheidungen:

Bürolampe oder Kopierer? Haarfön oder Stereoanlage? Tiefkühltruhe oder Küchenquirl?

Hunderttausende sinnlose Stromverbraucher wären der sofortigen "kalten Abschaltung" unterworfen.

Das Modell könnte zudem auch erhebliche beschäftigungsfördernde Begleitwirkungen haben. Denn leider ist es ja teilweise so, dass zuweilen auch verschiedene Endgeräte Strom aus derselben Wandsteckdose benötigen. Das wäre - nach Massgabe der zu treffenden neuen Regelungen - ausschliesslich nur noch über das manuelle Umstecken der jeweiligen betroffenen Endgerätestecker erlaubt.

Dämmerts Ihnen schon? Richtig! Das schafft Arbeitsplätze! Der Umsteckgehilfe ist der Zukunftsberuf des kommenden Jahrzehnts. Die Ausbildung ist kurz und erfordert - ganz im Einklang mit allen aktuellen Bildungsstudien - keine besonderen Vorkenntnisse oder gar eine Grundbildung. Nicht einmal die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben ist erforderlich. Der manuelle Kraftaufwand hält sich in Grenzen und im Regelfall kann die Tätigkeit - was den Berufswünschen gerade vieler junger Menschen entgegen kommt - in Innenräumen ausgeübt werden. Arbeitgeber - und das könnten auch Sie in Ihrem Privathaushalt sein - würden ausserdem einen Beschäftigungsförderungszuschuss von der EU erhalten.

Am Horizont sehe ich bereits den Lichtschein eines paradiesischen Zustandes: Die seit Jahrzehnten von Politik und Wirtschaft herbei gesehnte Vollbeschäftigung rückt endlich in greifbare Nähe.

Und schliesslich kommen auch die Gerätehersteller nicht zu kurz. Mit etwas wohlwollender und wohldosierter geplanter Obsoleszenz wird der Verschleiss an den nunmehr manuell zu betätigenden Steckkontakten nicht unerheblich sein. Will sagen, diese müssen oft und zudem fachmännisch ausgetauscht werden.

Und jetzt bitte alle im Chor: "Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!"

(Plakate und Fähnchen für die Protestkundgebungen können im Fanshop bestellt werden).


[Update: 27/12/2014]: Der Tatort vom 26.12. hat - der ARD sei grosser Dank dafür - eine weitere schwerwiegende Regelungslücke der europäischen Rechtsordnung ans Tageslicht gebracht. Künftig werden Lichterketten mit Sollbruchstellen versehen werden müssen (wie es bereits heute bei Schlüsselbändern der Fall ist), um sie künftig nicht mehr als Mordwaffen verwenden zu können.


Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!
Der Grund für die ökologische und wirtschaftliche Misere: Mehrfachsteckdosen

Everyday Differences - Travel-Photography einmal anders. Ein Gastbeitrag von Friederike Lorenz

Vorwort: Das grosse WWW hat mich kürzlich zu einem faszinierenden Projekt geführt, das Travel und Fotografie verbindet: Everyday Differences. Deswegen kommt heute hier Friederike Lorenz, eine der Mitbegründerinnen des Projektes, zu Wort.

Everyday Differences

Design, Fotografie und Reisen, beziehungsweise der Aufenthalt in einem anderen Land, wie kann man das nicht lieben? Neues entdecken. Bekanntes wieder erkennen. Erinnerungen sammeln. Und diese mit anderen Menschen teilen. Ist das nicht immer wieder spannend?

Wenn man in einem fremden Land ankommt, zieht man automatisch Vergleiche mit der Heimat. "Oh, schau, die roten Holzhäuser - so was gibt es bei uns nicht" oder "die Taxi-Autos sehen hier ganz anders aus als Zuhause!" oder "Ich habe die Milch im Supermarkt erst gar nicht gefunden - die Verpackung ist ganz anders". Das sind Sätze, die man im Ausland vielleicht schon einmal gesagt hat. Bei interessierten Fotografen und Hobbyknipsern wird dann schnell die Kamera gezückt und der Unterschied im Alltäglichen eingefangen.

Für diese Fotos entsteht eine neue Plattform und Community: "Everyday Differences".

Hier kann jeder angemeldete User Fotos von Dingen seines Alltags hochladen, oder Dinge, die ihm auf seiner Reise aufgefallen sind. Wenn viele mitmachen können bald mit einem Klick zum Beispiel Polizeiautos, Briefkästen, Ampelmännchen, Straßenschilder weltweit miteinander gegenübergestellt werden, oder der visuelle Alltag eines Landes entdeckt werden.

Eine völlig neue Art zu entdecken, zu reisen und zu recherchieren oder seine Fotos der Welt zu zeigen. Wie sehen Straßenlaternen in China aus? Oder die Post auf den Malediven? Henning zeigt uns auf diesem Blog schon vieles aus dem Alltag aus Lappland. Es wird spannend sein, seine Alltagsgegenstände und Erlebnisse mit vielen anderen aus der ganzen Welt zu vergleichen.

Auf der Seite von Everyday Differences können die Bilder auf der Plattform nach Ländern sortiert werden, oder nach Kategorien (z.B. "Briefkästen"). Man kann sich auch eine Übersicht auf einer Karte anzeigen lassen. Es kann von der Community auf Feedback zu interessanten Bildern durch Kommentare und Favoriten ausgedrückt werden.

Die Plattform richtet sich an alle, die mit offenen Augen durch die Welt gehen. Die Spaß an Design und den visuellen Unterschieden haben. Die gerne Fotografieren und sich Fotos ansehen. Für die das Alltägliche nicht gleich langweilig sein muss. Die gerne reisen, entdecken und stöbern. Die sich über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kulturen freuen können.

Sind Sie so jemand? Finden Sie das Projekt so interessant wie wir? Dann helfen Sie uns, das Projekt zu realisieren. Hier geht's entlang! Lesen Sie noch mehr Informationen. Auch kleine Beiträge helfen. Ab 10,- € sind Sie dabei und für jeden Betrag gibt es eine tolle Revanche – wie das eben so ist beim Crowdfunding. 

Vielen Dank und viel Spaß beim Entdecken - Everyday Differences

Everyday Differences - Travel-Photography einmal anders
Z. B.: Alltagsgegenstand Briefkasten - eine grosse internationale Bandbreite

Wahlmysterien in Schweden [Update: 27.12.2014]

Das Jahr 2014 war wieder ein "Superwahljahr" in Schweden. Am 14. September 2014 fanden die Wahlen zum Reichstag ("Riksdag"), den Landesparlamenten ("Landsting") und die Kommunalwahlen statt. Und vorab sei sogleich angemerkt: In diesem Artikel wird es nicht um politische Fragen gehen, sondern um die praktischen Besonderheiten des schwedischen Wahlsystems.

Wie nicht anders zu erwarten, sieht die „Regeringsformen“, eines der im Verfassungsrang stehenden vier schwedischen Grundgesetze in Kapitel 3, § 1 vor, dass die Reichstagswahl frei, geheim und direkt ist. Dennoch ist die praktische Durchführung für Wähler, die schon einmal an Wahlen in Deutschland teilgenommen haben, ungewohnt. Insbesondere die "geheime" Wahl wird in Schweden anders praktiziert, wie z. B. in Deutschland.

Das lässt sich am besten mit einem Gang zur Wahlurne erklären. Einige Zeit vor der Wahl kommt von der zentralen Wahlbehörde ein Brief an jeden Wahlberechtigten, der eine sog. "Röstkort" (Wahlkarte) enthält. Mit dieser Wahlkarte und einem gültigen Ausweisdokument kann man nun entweder vorab, oder am eigentlichen Wahltag abstimmen.

Vor der Wahl landet natürlich auch allerlei Wahlwerbung im Briefkasten. Das Besondere ist, dass sich bei den Werbeschriften der Parteien meistens auch schon Wahlzettel (einheitliche Farbe und im Format DIN A 6) mit im Kuvert befinden. Und das ist eine echte schwedische Besonderheit. Denn nach Kap 6, §§ 6ff des schwedischen Wahlgesetzes ("Vallagen") haben alle an der Wahl teilnehmenden Parteien einen Anspruch auf Bereitstellung von Wahlzetteln auf Kosten des Staates. Und diese Wahlzettel werden im Vorfeld der Wahlen grossflächig an potentielle Wähler verteilt. Soweit so gut.

Schwedische Wahlzettel unterscheiden sich grundlegend von den aus Deutschland bekannten. Ist man aus Deutschland einen grossen Zettel gewohnt auf dem man seine Kreuze setzen kann, so gibt es in Schweden für jede Partei einen eigenen Wahlzettel und es wird nur der Wahlzettel der favorisierten Partei ins Kuvert gesteckt.

Am Wahltag dürfen sowohl die im Vorhinein von den Parteien mit der Wahlwerbung gelieferten, wie auch die im Wahllokal bereit gehaltenen Wahlzettel verwendet werden. In der Wahlkabine wird also in das Wahlkuvert ein von zuhause mitgebrachter, oder im Wahllokal ausgewählter Wahlzettel eingelegt.

Und hier liegt der Knackpunkt. Wer den passenden Wahlzettel von zuhause mitgebracht hat, kann diesen verdeckt, z. B. in einer Innentasche oder zusammengefaltet mit sich tragen. Wer aber keinen Wahlzettel mitbringt, muss sich den Wahlzettel der gewünschten Partei aus einem grossen Ständer nehmen. Und dieses Display steht im Vorraum zum Wahllokal in aller Öffentlichkeit. Für die umstehenden Personen ist also ohne weiteres erkennbar, den Wahlzettel welcher Partei ein Wähler aussucht. Das unterscheidet sich deutlich von der bundesdeutschen Wahlpraxis, bei welcher der Wähler einen einheitlichen Wahlzettel zum Ankreuzen zusammen mit seinem Wahlkuvert erhält.

Schwedische Wahlzettel im Vorraum eines Wahllokales
Schwedische Wahlzettel im Vorraum eines Wahllokales


Noch ein anderer Umstand fällt auf: Die Wahllokale sind in öffentlichen Gebäuden, doch schon bei der Annäherung an das Wahllokal reibt sich der aus Deutschland geprägte Wähler die Augen. Wahlkampfhelfer, Stände und die Reklame von Parteien, begleiten einen bis an die Tür zum Wahllokal. Sperrbereichsvorschriften? Fehlanzeige.

Schweden ist übrigens gerade in einer Krise. Nach einer politischen Niederlage für die nach der Wahl im Jahre 2014 neu gebildeten Regierung wurde die Entscheidung für eine Neuwahl getroffen , die im - ansonsten sehr stabilen - Schweden den Namen "Extra Wahl" trägt und extrem selten vorkommt (das letzte Mal im Jahre 1958). Am 22. März 2015 wird also wieder ein Urnengang fällig. Auch dann wird wieder gelten: Wer auf eine "ganz geheime" Wahl Wert legt, sollte "seinen" Wahlzettel am besten schon gefaltet zur Wahl mitbringen.

[Update: 27.12.2014]: Mehr oder weniger überraschend haben sich nun Regierung und Opposition in Schweden auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt, um vorgezogene Parlamentswahlen abzuwenden. Die auf den Namen "Dezemberabkommen" getaufte Vereinbarung stellt sicher, dass künftig eine Minderheitskoalition in Schweden regieren kann.

Konstruktive Gespräche zwischen Rot-Grün und der Allianz aus vier bürgerlichen Parteien haben dies möglich gemacht. Die Minderheitsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen bleibt damit zunächst am Ruder und die Neuwahl am 22. März 2015 wird nicht stattfinden.

Nach der Vereinbarung soll künftig der Kandidat, der die meisten Stimmen im Parlament auf sich vereinen kann, Ministerpräsident werden. Dessen Haushaltsplan sollen dann auch den Reichstag dann passieren, indem sich das oppositionelle Lager bei der Abstimmung enthält.

Ausserdem haben sich Rot-Grün und die bürgerlichen Parteien – Konservative, Christdemokraten, Zentrumspartei und liberale Volkspartei - auf eine Zusammenarbeit in verschiedenen Politikbereichen, u. a. Verteidigung, Energie und Pensionsregelungen geeinigt.

Hilfe, die roden meinen Wald ab (mit praktischen Tipps, was Sie in Schweden dagegen tun können)

Neulich in Lappland. Zu nachtschlafener Zeit klingelt das Mobiltelefon. Eine mir spontan nicht bekannte Nummer erscheint auf dem Display. Ich hebe ab und melde mich. Eine verzweifelt klingende Stimme am anderen Ende der Leitung ruft: "Hilfe - die roden gerade meinen Wald ab". Ich erhole mich erst einmal von meinem inneren Dialog, der ungefähr so lautete: "Warum rufen die alle immer mich an?". Aber ich bin ja gerne hilfsbereit und das wird alles seinen Grund haben. Also weiter im Text. Was war geschehen?

Im Laufe des Gespräches ergab sich etwas Klarheit. Der Anrufer betreibt in Norrbotten einen kleinen Tourismusbetrieb, der für seine traumhafte Lage in einem Wald bekannt ist (mittlerweile: war). Die bezaubernde Waldlage ist ein Alleinstellungsmerkmal. Ohne den Wald sinkt der Wert des Anwesens beträchtlich, denn dann ist der Platz für Naturliebhaber quasi wertlos. Das weitere Gespräch erhellte auch, dass es natürlich nicht um den "eigenen" Wald, sondern um den in fremdem Eigentum stehenden Wald rund um das Anwesen ging. Und das führt zu ganz wichtigen Fragen für alle, die hier oben ein Anwesen mit "traumhafter Waldrandlage" haben. Dieser Blogbeitrag soll etwas Licht ins Dunkel bringen.

Über die - für deutsche Verhältnisse - "grossräumige" Waldwirtschaft hatten wir schon einmal hier ("Kahlschlag - Forstwirtschaft in Lappland") und hier ("Holzwirtschaft am Polarkreis, Teil 2: Zu Besuch bei Setra") ausführlich berichtet.

Was aber kann getan werden, wenn die grossen Erntemaschinen plötzlich anrollen und der benachbarte Wald gleich einem Rasen gemäht wird?

Ist es erst einmal soweit gekommen, ist meistens nur noch wenig zu machen. Wer also "seinen" Wald bewahrt haben möchte, sollte sich in regelmässigen Abständen um einige Dinge kümmern. Aber erst einmal zu den Grundlagen.

Manche Waldgebiete sind in Schweden bereits gesetzlich vor einer Abholzung geschützt. Vier Typen von geschütztem Wald werden dabei unterschieden: Nationalparks, Naturreservate, Naturmonumente und Habitat-Schutz. Daneben gibt es noch sog. Natura 2000 Waldgebiete, die direkt durch europäische Vorschriften geschützt werden. Die vom jeweiligen Schutz erfassten Bestände werden vom Länsstyrelsen (d.h. der jeweiligen Landesverwaltung) verzeichnet und verwaltet. Für den Erhalt des benachbarten Waldes ist ein solcher Schutz gut. Allerdings darf in den Schutzbegieten in aller Regel nicht gebaut werden (und auch sonst sind mit dem Schutz verschiedenen Einschränkungen in der Nutzung verbunden).

Sie sollten sich also über den Gebietscharakter des (eigenen und anrainenden) Waldes erkundigen. Sie müssen dazu nicht direkt beim Länsstyrelsen nachfragen; die Bauämter auf den Gemeindeverwaltungen haben über ein EDV-System Zugriff auf die Karten mit den geschützten Gebieten.

Jede geplante Abholzung, die mehr als 0,5 Hektar betrifft, muss beim Skogsstyrelsen ("Waldwirtschaftsbehörde") mindestens sechs Wochen vor Beginn angezeigt werden. Der Wald muss ausserdem ein bestimmtes Alter erreicht haben, bevor eine Abholzung stattfinden darf. Für Nadelwald liegt dieses Alter i.d.R. zwischen 45 und 100 Jahren.

Ein schwedisches Gesetz aus dem Jahre 1993 schreibt vor, dass bei Abholzungen Umweltaspekte und die Produktionsziele gegeneinander abzuwägen sind. Auch "soziale Aspekte" sollen dabei berücksichtigt werden. In der Praxis hat das aber praktisch so gut wie keine Beschränkungen zur Folge. Meist werden die Produktionsziele höher gewichtet. Das auch deswegen, weil der Skogsstyrelsen einen Waldbesitzer entschädigen muss, wenn die Rodung nicht gestattet wird.


Einen interessanter Film über das schwedische "Waldmanagement" (englisch)


Weite Teile des Waldes sind im Besitz einiger weniger sehr grosser Gesellschaften. Glücklich schätzen darf sich, wer von Abholzungsplänen von Svea Skog oder der Norra Skogsägarna betroffen sein könnte. Beide Gesellschaften haben sich selbst verpflichtet, über die gesetzlichen Vorschriften hinaus, einen Anteil des Waldes zur Erhaltung der Natur zu schützen. Allerdings steht es dabei im Ermessen der jeweiligen Gesellschaft festzulegen, welche Gebiete dem freiwilligen Schutz unterfallen. Dankenswerterweise sind beide Gesellschaften aber auf einen guten Dialog mit den Anrainern aus. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, in der Planungsphase möglichst frühzeitig das Gespräch zu suchen. Die Norra skogsägarna sind zudem PEFC-certified. Das beinhaltet eine Verpflichtung zur sozialen Nachhaltigkeit.

Die Tipps und Empfehlungen für den Anrainer lauten also:

- Erkundigen Sie sich auf der Gemeinde oder beim Länsstyrelsen, ob die anrainenden Waldgebiete einem gesetzlichen Schutz unterstehen.

- Halten Sie Ausschau nach Markierungen, welche die Eingrenzung eines Abrodungsgebietes kennzeichnen. Entdecken Sie solche, ist höchste Eile geboten. Manchmal haben Sie noch Monate Zeit, manchmal aber auch nur Tage oder Stunden.

- Noch besser ist es, sich in regelmässigen Abständen (z. B. vierteljährlich) beim Skogsstyrelsen zu erkundigen, ob in der Nähe Ihres Anwesens grössere Abholzungen geplant sind.

- Falls Sie von einer geplanten Abholzung erfahren, suchen Sie umgehend den Dialog mit dem jeweiligen Waldeigentümer und legen Sie Ihre Position, d.h. warum Sie auf den Erhalt bestimmter Waldgebiete angewiesen sind (z. B. aus touristischen Gründen), dar.

Hilfe die roden meinen Wald ab
Nicht nur Biber und anderes Getier roden Wald...

Zehn praktische Tipps zum Stromausfall, oder: Lappland und die Herbststürme

Auf schwedischen Wetterseiten und in den Medien wird derzeit bereits wieder vor den im November zu erwartenden Herbststürmen gewarnt. Im Herbst und am Winteranfang sind heftige Stürme in Lappland an der Tagesordnung. Man gewöhnt sich daran. Manchmal fegen aber regelrechte Rekordstürme über das Land, so wie im vergangenen Jahr.

Stürme hinterlassen ihre Spuren. In manchen Gebieten wird der Wald hektarweise „umgemäht“. Viele kleinere Häuser werden Opfer der Windstärke und werden einfach „vom Winde verweht“; viele davon landen in weitem Umkreis vom ursprünglichen Standort in Einzelteilen. Bäume fallen auch auf bewohnte Häuser und richteten teilweise schwere Schäden an.

Was kann und sollte getan werden, um für Stürme und die oft aus ihnen resultierenden Stromausfälle gut gerüstet zu sein? Hier die wichtigsten und praxiserprobten Tipps:

Der erste Tipp für alle Hausbesitzer in arktischen Breiten lautet daher: Alle Bäume fällen, die bei Sturm auf das Haus fallen könnten!

Sturmwarnungen sollten in Lappland ernst genommen werden. Der zweite Tipp lautet, alles, was irgendwie weg geweht werden könnte, in Sicherheit zu bringen. Manchmal ist es geradezu grotesk, welche Gegenstände aus der entfernten Nachbarschaft nach einer Sturmnacht im eigenen Vorgarten zu finden sind.

Der dritte Tipp ist, bei Sturm das Haus nicht zu verlassen, vor allem nicht Auto zu fahren (wenn es nicht lebensnotwendig erforderlich ist).

Stromausfälle und Stürme: Das Stromleitungsnetz ist in unseren Regionen sehr weitläufig. Bei schweren Stürmen fallen regelmässig Bäume auf Leitungen, was zu Stromausfällen führt. In begrenztem Rahmen sind die hiesigen Netzbetreiber ganz gut gerüstet für solche Fälle, und die Ausfälle halten sich im Rahmen von einigen Stunden.

Übersteigen die Schäden aber von Anzahl und Streuung her ein bestimmtes Niveau, kommen die Einsatztrupps an ihre Grenzen.

Im Klartext: Stromausfälle können dann sehr lange andauern. Das können dann schon mal 24 Stunden sein. Auf den ersten Blick hört sich das nicht so dramatisch an (und im Sommer ist es das auch nicht). Jetzt reden wir aber über Winterzeit und Minusgrade. Elektrobetriebene Geräte sind allgegenwärtig, auch in den meisten Heizsystemen. Viele Haushalte haben hier z. B. ausschliesslich nur noch Wärmepumpen oder Erdwärmeanlagen. Diese sind zwar sehr sparsam, sehr praktisch und sehr bequem. Doch ohne Strom sind sie sofort ausser Gefecht.

Auch wer eine klassische Holzheizung hat sollte sich Gedanken machen, inwieweit er auf eine elektrisch betriebene Umwälzpumpe angewiesen ist. In älteren Häusern sind oft noch Heizungsleitungen mit grossem Durchmesser verbaut, die eine Selbstzirkulation im System ermöglichen. Ist das der Fall, ist Entspannung angesagt: Die Holzheizung kann vorsichtig und langsam aufgeheizt werden, bis der Warmwasserkreislauf von selbst in Gang kommt.

Die Schwedische Energiebehörde hat eine - interessante und zugleich erschreckende - Internetseite, auf der die Abkühlung für verschiedene Häusertypen nachvollzogen werden kann.

Die Unterschiede sind recht gross und das romantische Holzhaus im alten Stil kann sich schnell zur Kältefalle entwickeln: Nach 24 Stunden sind bei minus 10 Grad Aussentemperatur bereits bedrohlich geringe Temperaturwerte erreicht.

Tipp Nummer 4 lautet deswegen: Alternative Heizsysteme vorsehen, z. B. Beistellöfen mit Holz, Gas oder Petroleumbetrieb. Und zwar rechtzeitig. Details bitte mit dem zuständigen Schornsteinfeger abklären und an die gute Belüftung von Innenräumen denken. Bitte unbedingt alle Sicherheitsvorschriften und Sicherheitsmassnahmen einhalten!

Tipp Nummer 5: Kerzen, Teelichter und Petroleumlampen (nebst Brennstoff) bevorraten. Die Petroleumlampen bitte auch in guten Zeiten ausprobieren und äusserste Vorsicht beim Betrieb in Innenräumen walten lassen. Bitte unbedingt alle Sicherheitsvorschriften und Sicherheitsmassnahmen einhalten!

Tipp Nummer 6: Wie sieht es mit der Wasserversorgung aus? Viele Häuser auf den Dörfern und fast alle entlegenen Häuser haben eigene Brunnen. Heutzutage werden die Pumpen mit Strom betrieben. Ein Stromausfall führt dann unmittelbar dazu, dass es kein Wasser mehr gibt. Das ist nicht ohne. Die Faustformel sagt, ein Mensch kann drei Minuten ohne Luft, drei Tage ohne Wasser und drei Monate ohne Nahrung auskommen. Beim Wasser ist da natürlich nur an das Trinkwasser gedacht. Im Haushalt erfüllt Wasser nun aber noch viele zusätzliche Aufgaben, z. B. für die Persönliche Hygiene, die Toilettenspülung, den Abwasch, usw. Deswegen: Entweder zusätzlich ein mechanisches Pumpwerk installieren oder immer einige Kanister auf Vorrat haben. Und auch wer keinen eigenen Brunnen hat, sollte, falls der Stromausfall länger als drei Stunden andauert zur Sicherheit beginnen, einige Kanister und die Badewanne zu füllen.

Tipp Nummer 7: Nahrungsmittelvorräte, die auch kalt verzehrt werden können!

Tipp Nummer 8: Taschenlampen bevorraten (moderne LED Typen mit geringem Stromverbrauch). Batterievorrat (einmal pro Jahr verbrauchen und austauschen).

Tipp Nummer 9: Kommunikation – wie kann man Hilfe rufen, wenn es erforderlich werden sollte? Das gute alte Festnetz in Lappland funktioniert tatsächlich noch ohne Strom. Allerdings nur da, wo es überhaupt noch Festnetz gibt. In vielen Regionen wurde das alte Netz bereits abgebaut. Die Mobiltelefonsendemasten haben oft eine eigene Notstromversorgung. Also immer ein voll geladenes Mobiltelefon im Regal haben und dieses auch wirklich nur im Notfall verwenden. Ein batteriebetriebenes Radio sollte auch zur Hand sein.

Tipp Nummer 10: Wenn es wirklich bedrohlich wird: Ist kein alternatives Heizsystem vorhanden und sinkt die Temperatur im Haus unter plus fünf Grad, muss gehandelt werden. Sehr schnell besteht dann die Gefahr, dass Wasserleitungen und eine wasserbetriebene Heizung einfrieren. Geschieht das, hat das ganze Haus meistens nur noch Schrottwert. Und das bedeutet: Wasser aus den Leitungen und dem Heizungssystem ablassen. In Schweden bezeichnet man das als „kaltstellen“. Das ist hier ein ganz gewöhnlicher Vorgang, wenn Häuser den Winter über nicht genutzt werden. Das Verfahren dazu sollte natürlich in warmen Zeiten gut geübt worden sein. Nichts ist ärgerlicher, als entweder nicht zu wissen, wie man das macht, oder festzustellen, dass der entscheidende Absperrhahn zugerostet ist. Beim Ablassen aus den Wasserleitungen die Wasserhähne im Haus aufdrehen, damit auch wirklich alles Wasser aus den Leitungen fliessen kann.

Wer noch weitere Ideen oder Tipps hat: Gerne in den Kommentaren posten!

Umgefallener Baum nach Sturm
Ein Sturm fällt schnell auch grosse Bäume -
und wehe, wenn diese auf Stromleitungen fallen...


Husmannskost: Echte schwedische Köttsoppa (mit Rezept)

Nebelschaden im Kochtopf: Die Köttsoppa gart
Nebelschwaden im Kochtopf: Die Köttsoppa gart

Im Kochtopf dampft es. Gerade waren liebe schwedische Freunde zu Besuch und haben einen grossen Topf mit einer regionalen Spezialität vorbei gebracht. Nun gart im Kochtopf eine „Köttsoppa“, eine echte schwedische "Fleischsuppe", und es liegen dichte Nebelschwaden über der Suppenoberfläche.

Eine Köttsoppa ist hier in Lappland ein fester Bestandteil der sog. „Husmannskost“ („Hausmannskost“). Wie auch in Deutschland zählen dazu traditionell schnell zubereitete Gerichte, die vor allem eines sind: nahrhaft.

Die Husmannskost in Schweden ist regional unterschiedlich, denn sie beruht auf dem jeweiligen lokalen Nahrungsangebot. Hier in Lappland ist die Köttsoppa mit Elchfleisch ein solcher Klassiker, besonders im Herbst.

Gegen Mitte September ist der erste Durchgang der Elchjagd in Lappland abgeschlossen und die Tiefkühltruhen vieler Jäger sind prall gefüllt. Da bietet es sich an, eine kräftige und herzhafte Köttsoppa mit Elchfleisch auf den Tisch zu bringen.

Und hier gibt es gleich das Originalrezept dazu:

Zutaten

- 500 gr. Elchfleisch (alternativ: alles, was "gulaschtauglich" ist)
- Drei Karotten
- Eine Pastinake
- Ein Stück Sellerie
- Zwei Zwiebeln
- Drei Kartoffeln
- Ein Würfel Fleischbrühe (Brühwürfel)
- Schwarzer Pfeffer
- Salz
- Ein Lorberblatt
- Etwas Thymian
- Petersilie

Zubereitung

Das Fleisch in gulaschgrosse Stücke schneiden und in den Topf geben. Wasser zugeben, sodass das Fleisch bedeckt ist. Salz zugeben und aufkochen. Dann die übrigen Gewürze und den Brühwürfel zugeben. Etwa 20 Minuten bei mittlerer Wärme kochen lassen. Dann das geschälte und klein geschnittene Gemüse zugeben. Gegebenenfalls noch etwas Wasser nachfüllen. Kochen lassen, bis sich die Fleischstücke leicht braun färben. Mit der Petersilie garniert servieren. Dazu schmeckt frisches Butterbrot.

Guten Appetit, oder: Smaklig måltid!

Stilfragen - Warum man auch "schlechte" Bilder archivieren sollte

Die aktuelle Anfrage eines Fotokunden soll Anlass sein, sich mit der Frage von "Bilderausschuss" zu beschäftigen.

Vergangene Woche meldete sich eine bekannte schwedische Autorin, die auf der Suche nach einem Bild für das Cover ihres demnächst erscheinenden neuen Buches ist. Sie hat genaue Vorstellungen und konnte das gesuchte Motiv und die Ausführung auch genau beschreiben. Sie war bislang aber nirgendwo fündig geworden. Es geht um ein sehr mystisches und unklares Bild, das keiner der üblichen Kategorien entspricht. Oder, rein fotografisch gesprochen, um ein Bild, das normalerweise direkt nach der ersten Sichtung in die virtuelle Tonne gewandert wäre.

Das gesuchte Motiv ist zudem auch noch unüblich und selten. Via Google hatte sie ein Bild, das "in die richtige Richtung" geht hier in einem sehr alten Blogeintrag gefunden (was - nebenbei bemerkt - durchaus erstaunlich ist). Natürlich war die im Blog gezeigte Version von der fotografischen Umsetzung gut. Sie wollte aber eine bewusst "unsaubere", "unscharfe" und - nach Mainstream-Massstäben - "schlechte" Version.

Und damit sind wir mitten im Thema:

Oft wird Fotografinnen und Fotografen empfohlen, nur die "Keeper", d.h. die besten Bilder - einerlei ob Einzelaufnahmen oder aus Serien - zu archivieren, und ansonsten erbarmungslos weg zu werfen. Es gibt auch gute Gründe für diese Argumentation. Zwar sind die Kosten für Speichermedien heutzutage beinahe vernachlässigbar geworden, aber die Katalogisierung und Verschlagwortung stellen doch einen nicht unerheblichen Aufwand dar.

Trotzdem bin ich - was den "Ausschuss" betrifft - anderer Meinung als der Mainstream. Das Problem liegt doch darin, die Kriterien für Ausschussbilder festzulegen. Denn welche Bilder ein Kunde in der Zukunft vielleicht einmal brauchen wird, lässt sich im Vorhinein nicht sagen.

Daher ermutige ich dazu, auch "ungelungene" Bilder ins Archiv zu nehmen. Vielleicht nicht alle Aufnahmen aus einer missglückten oder misslungenen Serie, aber jedenfalls einige. Der schöne Nebeneffekt davon ist auch, aus den im Archiv dokumentierten Fehlern lernen zu können.

Das führt auch gleich zum nächsten Punkt. Es wird in der Regel auch allgemein geraten, nur die besten Bilder zu zeigen und zu veröffentlichen. Im Prinzip stimmt das ja, aber auch hier stellt sich die Frage nach den Kriterien. Welche sind die besten Bilder? Ich denke es geht darum, was den individuellen und persönlichen Stil am besten zum Ausdruck bringt. Und das können (müssen?) dann durchaus auch Bilder sein, die nach der Meinung des fotografischen Mainstreams zu einem gewissen Zeitpunkt eben als "schlecht" gelten. Das ist ein Grundprinzip des Fortschritts, denn ansonsten würden wir immer nur auf der Stelle treten.

Zurück zum Bild für das Buchcover. Als kreativer „Jäger und Sammler" hatte ich auch einige - nach derzeitigen allgemeinen Massstäben - „missglückte“ Varianten aus der Bilderserie archiviert. Und darunter war auch genau das von der Kundin gesuchte Bild. Zeigen darf ich es hier im Zusammenhang leider nicht, aber das Buch wird Anfang 2015 erscheinen, und ich werde dann dezent darauf hinweisen.

Will ich meinen Namen als Fotograf mit diesem Bild in Verbindung gebracht haben? Selbstverständlich, denn es geht - wie gesagt - um den individuellen und persönlichen Stil!

Arctic Summer 2014 - Ein fotografischer Streifzug durch den Rekordsommer in Lappland

Der diesjährige Sommer am Polarkreis hat viele Rekorde geschlagen. Mehrere Hitzewellen sind über Lappland gegangen und mancherorts gab es sogar zeitweilige Wasserrationierung. 

Kurz und gut, es war ein Jahrhundertsommer (auch wenn man in den Zeiten des Klimawandels zugegebenermassen mit diesem Wort sehr bedächtig umgehen sollte).

Der Sommer hatte freilich auch seine Schattenseiten. Die Tier- und Pflanzenwelt hat sehr gelitten. Die Versumpfung und Austrocknung von Wasserflächen ist weiter fortgeschritten.

Statt eines langen Textes mit einem Lob- und Klagelied auf den vergangenen Sommer gibt es heute eine lange Bildstrecke mit Eindrücken und Wahrnehmungen aus den zurückliegenden drei Monaten. Viele "Bilder fürs Herz" (allerdings kein Cat-Content!).

Viel Freude beim Betrachten!

--> Zur Bildstrecke "Arctic Summer 2014"

Arctic Summer 2014 - Ein fotografischer Streifzug durch den Rekordsommer in Lappland
Ein Streifzug durch den „Jahrhundertsommer“ 2014
mit vielen traumhaften Sonnenuntergängen

Statement zum "Ice Bucket Challenge"

Auch auf die Gefahr hin, mich jetzt richtig unbeliebt zu machen und ihr darüber abkübeln müsst: das, was ich über den "Ice Bucket Challenge" denke, muss mal raus!

Durch das Internet und insbesondere durch die sozialen Medien verbreitet sich dieser "Ice Bucket Challenge" derzeit wie ein Virus.

Worum geht es?

Ich zitiere aus Wikipedia:

"Die ALS Ice Bucket Challenge (deutsch: Eiskübelherausforderung) ist eine Kampagne, die darin besteht, sich einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf zu gießen und hiernach drei oder mehrere Personen zu nominieren, die dann 24 Stunden Zeit haben, es einem gleichzutun.

Will man dies nicht, soll man 100 US-Dollar, beziehungsweise 100 Euro, an die ALS Association spenden. Die Challenge soll auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen und Spendengelder für deren Erforschung und Bekämpfung generieren."

Und jetzt mache ich mich - wie schon gesagt - richtig unbeliebt:

Bei dieser Aktion geht es um das Spendensammeln und nicht um egozentrische Selbstinszenierungen. Natürlich steht es den Mitmachern frei, ob sie spenden oder kübeln wollen - doch viele scheinen den Fun bei solch einer Aktion vorzuziehen. Ohne darüber nachzudenken, was der tiefere Sinn des Aufrufes war!

Den Küblern scheint die Krankheit, die übrigens jeden treffen kann, egal zu sein und hoffentlich seid Ihr irgendwann nicht selbst in der Lage, dass Ihr auf Unterstützung von anderen angewiesen seid.

Wenn Ihr also etwas Sinnvolles tun wollt, dann filmt, wie Ihr Schecks und Onlineüberweisungen ausfüllt und absendet.

Wer von den Teilnehmern hat denn tatsächlich an die ALSA gespendet, und wieviel?

Besucht die Internetseite der Organisation ALSA, sucht dort den "Donate" Button und spendet!

Und noch was: Der "Ice Bucket Challenge" verschwendet Wasser, während anderswo in der Welt Menschen verdursten.

Verdursten ist übrigens der Tod durch mangelnde Flüssigkeitsaufnahme! Daher finde das abscheulich, wie verschwenderisch für den Sekundenspass mit Wasser umgegangen wird.

Auch gab es schon Kritik von dem Schauspieler Steve-O, der kritisierte, dass viele der Prominenten zwar spendeten, selbst aber vergessen würden, auf die Krankheit aufmerksam zu machen und Fans ebenfalls um Spenden zu bitten. Das eigentliche Anliegen der Aktion würde somit verfehlt. Nur wenige Prominente u. a. Charlie Sheen, Bill Gates und Sabrina Mockenhaupt hätten in ihren Videos überhaupt auf die Krankheit aufmerksam gemacht (Quelle: Wikipedia).

Ahmt lieber Charlie Sheen oder Conchita nach, anstatt sinnlos wertvolles Wasser zu verschwenden:

Charlie Sheen entleerte statt des erwarteten Eiswassers mehrere Geldscheine im angeblichen Wert von 10.000 US-$ über seinen Kopf und gab an, dass er diese spenden wolle. Er forderte die von ihm Nominierten auf, das gleiche zu tun, da das Geld mehr helfe als Eis. Conchita Wurst spendete unter dem Motto "Donate twice instead of ice" den doppelten Betrag, anstatt sich das Eiswasser überzuschütten.

Denn im Grunde geht es darum: Amyotrophe Lateralsklerose.

Ein weiteres positive Beispiel zum Abschluss:

Sir Patrick Steward ist - soweit mir bekannt - bislang der Einzige, der es "richtig" gemacht hat. Und Humor hat er auch noch.


Und nun könnt Ihr gerne über meinen Beitrag so richtig abkübeln oder Ihr kopiert und verteilt mein Statement und vor allem: spendet!

Der "Kölapp" - des Schwedens liebster Zettel

Üblicherweise wird den Briten die beinahe unendliche Geduld nachgesagt. Nach einigen Jahren in Schweden bin ich allerdings davon überzeugt, dass das nicht stimmt. In Wahrheit übertreffen die Schweden die Briten bei weitem.

Provokativ formuliert: Schweden warten gerne. Und wie so vieles in Schweden ist auch das Warten sehr strukturiert und gut durchorganisiert.

Ich erinnere mich gut an eine Begebenheit vor etlichen Jahren. Erst einige Wochen in Schweden, ging ich als Kunde in ein Elektronikfachgeschäft. Artig erzogen stellte ich mich an der Schlange an, und nach einer Viertelstunde war ich an der Reihe. Die freundliche Verkäuferin blickte auf meine leeren Hände und fragte mich vorwurfsvoll nach meiner Nummer. Die Fragezeichen waren mir offenbar ins Gesicht geschrieben und sie nahm sich die Zeit, mich in das schwedische System des "Kölapp", des "Wartezettels" einzuweisen.

Und das funktioniert so: An viel frequentierten Orten, d.h. Geschäften oder Behörden mit grösserem Besucher- oder Kundenandrang gibt es in der Nähe des Eingangs einen Kasten mit einem grossen Knopf darauf. Heutzutage sind das meistens Thermodrucker. Auf Knopfdruck spuckt der Kasten einen kleinen Zettel aus, auf dem in grossen Lettern eine Zahl steht. Der Zettel enthält die eigene Nummer in der Warteschlange. Irgendwo über den Schaltern oder der Theke hängt dann eine Anzeigetafel (meistens mit roten LEDs), auf denen eine Nummer angezeigt wird. Nach jedem abgefertigten Kunden wird eine neue Nummer auf der Anzeigetafel sichtbar. So weiss man, wann man an der Reihe ist.

Das System hat verschiedene Vorteile: 

- Das Warten wird deutlich entspannter. Zwar bilden sich mancherorts noch Schlangen, aber in der Regel können die Kunden "frei" warten und dabei im Geschäft umhergehen. Das dürfte gut für den Umsatz sein, denn - je länger die Wartezeit - desto mehr Spontankäufe.

- Das System vermittelt dem Wartenden Sicherheit, denn der Kunde muss "seinen" Platz in der Warteschlange nicht hüten und verteidigen. Alles geht geruhsamer und entspannter zu. 

Natürlich macht die moderne Technik auch vor dem altbewährten Kölapp nicht Halt. Mittlerweile gibt es auch digitale "Warteschlangenlösungen". 

SMS-System: Das bereits zu Anfang des neuen Jahrtausends erprobte SMS-System beruht auf dem SMS-Dienst. Der Kunde schickt eine SMS an eine spezielle Nummer des Geschäftes oder der Behörde, die er besuchen möchte. Dann erhält er eine SMS mit seiner Wartenummer und der aktuellen Nummer in der Schlange zurück. Damit lässt sich bereits "auf Distanz" die Wartezeit abschätzen. Oft sind die digitalen Systeme auch so eingerichtet, dass eine weitere Erinnerungs-SMS gesendet wird, wenn nur noch fünf oder zehn Nummern vor der eigenen Nummer sind. 

Apps und cloudbasierte Lösungen: Mittlerweile gibt es aber auch ganz moderne Systeme (z. B. q-channel), die eigene Apps und Clouddienste nutzen. Das bietet für den Kunden den Vorteil, dass er die Warteschlange und den Fortschritt in Echtzeit verfolgen kann. Sehr modern, sehr charmant, aber für mich geht nichts über den kleinen Zettel mit der Nummer darauf.

Der
Ein klassischer Kölapp - hier ein Beispiel aus der Apotheke

Fünf Tipps für den Sommer in Nordschweden - Wetterkapriolen [Update]

Wetterdynamik: Minus 37 Grad sind alles andere als behaglich, aber eine nicht ungewöhnliche Wintertemperatur in unseren Breiten. Aber plus 37 Grad? Das fällt unter die Kategorie "Wetterkapriolen".

Der Sommer ist in Nordschweden dieses Jahr so angespannt, dass der amtliche schwedische Wetterdienst (SMHI) sogar eine Unwetterwarnung der Klasse eins dazu heraus gegeben hat. "Unwetter" steht in Schweden normalerweise für Schneestürme, überfrierenden Eisregen oder extreme Minusgrade. Nicht so in diesem Sommer. Das SMHI hat für weite Teile Schwedens ausdrücklich vor Temperaturen von 30 Grad (und darüber) gewarnt.

Eine kurze Telefonumfrage bei Freunden und Bekannten in Väster- und Norrbotten hat ergeben, dass die Warnung eher untertrieben ist. An mehreren Orten wurden die 30 Grad gestern deutlich überschritten und heute soll es noch einmal wärmer werden. Die Folge der hohen Temperaturen sind zahlreiche lokale Gewitter. Diese können mitunter sehr heftig sein. Die Waldbrandgefahr - gerade aufgrund von Blitzschlägen - wird in vielen Gebieten derzeit als akut eingestuft. 
 
Fünf Tipps für den heissen Sommer in Schweden:

1. Insektenschutz: Wärme steht (leider) immer auch für alle Arten von fliegendem Ungetier. Besonders wenn die Luftfeuchtigkeit nach Gewitterschauern in die Höhe schiesst, ist die Luft geschwärzt von Mückenschwärmen. Unser Tipp ist Mygga.

Fotografen passen bitte auf, denn das in den Insektenschutzmitteln enthaltene DEET greift  Kunststoffteile an.


2. Persönlicher Schutz - Insekten und Kreuzottern: Bei stechender Sonne gehört eine Kappe auf den Kopf zum Schutz vor einem Sonnenstich. Tragen Sie luftige Kleidung (Langarm und Langbein). Das hilft gegen Sonnenbrand und Insekten.  

Denken Sie an die in Lappland recht häufig vorkommenden Kreuzottern. Mehr dazu hier.

Schlangen lieben die Wärme und laufen bei den derzeitigen Temperaturen zur Höchstform auf. Tragen Sie in der Natur stabiles, hohes Schuhwerk und halten Sie die Augen offen. Achten Sie besonders auch darauf, wo Ihre vierbeinigen Freunde entlang tapern!


3. Trinken, trinken, trinken: Wenn Sie Spaziergänge oder Wanderungen unternehmen, nehmen Sie unbedingt etwas zu trinken mit. Keinen Kaffee oder Tee, sondern simples Wasser. Und vergessen Sie nicht regelmässig etwas zu trinken und nicht erst dann, wenn sich stechender Durst einstellt.


4. Keine Kinder und Tiere im Auto lassen! Sollte sich ja mittlerweile herum gesprochen haben, oder wollen Sie Ihre Kinder und Haustiere grillen? Hier gibt es die schockierende Tabelle mit Temperaturwerten, die von der Ärzte Zeitung publiziert wurde.

Leitsatz: "15 Minuten im geschlossenen Wagen unter praller Sonne können für Kleinkinder in diesen Tagen tödlich sein."


5. Wenn Sie mit dem Auto oder Wohnmobil unterwegs sind: Werfen Sie vor der Fahrt einen Blick in den Kühler und auf den Ölstand. Gerade nordische Autos - auch Mietwägen - sind in aller Regel sehr gut für den Winter gerüstet. Motorwärmer und Zusatzscheinwerfer sind unerlässliches Zubehör.

Aber richtig hohe Aussentemperaturen sind hier selten. Kontrollieren Sie daher regelmässig den Kühlwasser- und Ölstand. Und denken Sie daran, dass viele Autowerkstätten in diesen Regionen im Sommer urlaubsbedingt geschlossen sind.

UPDATE 2014-07-23: Das SMHI hat die Warnstufe mittlerweile für etliche Gebiete auf eine Klasse zwei Warnung angehoben. Die Skala geht von eins bis drei, wobei drei die höchste Warnstufe ist. Es wird davon ausgegangen, dass die Hitzewelle noch bis zum Wochenende andauert.


37 Grad in Lappland - Fünf Tipps für den Sommer in Nordschweden
    

Heat Thunder Lightning

Heat Thunder Lightning

Die Erde atmet schwer. Eigentlich ist es mehr ein tiefes Seufzen. Erleichterung liegt in der Luft und dicke Nebelschwaden steigen auf. Das Grollen des Gewitters zieht langsam in die Ferne. 



Ett fyrfaldigt leve för H.K.H. Kronprinsessan Victoria! Hipp, hipp - Hurra!, Hurra!, Hurra! Hurra!

Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Victoria, Herzogin von Västergötland, begeht heute Ihren 37. Geburtstag

Die besten Glückwünsche von uns!

Der feierliche Tag, der in Schweden mit allgemeiner Beflaggung begangen wird gibt Anlass, schwedische Geburtstagsbräuche zu betrachten.

Wer sich das erste Mal auf eine schwedische Feier (z. B. Geburtstag, Hochzeit, Jubiläum) verirrt, ist möglicherweise verwundert. Denn irgendwann erhebt sich einer der Beteiligten - für den neuen Besucher meist völlig unerwartet - und stimmt ein "Hipp hipp" an. 

Das klingt dann - am Beispiel der Kronprinzessin - so: "Ett fyrfaldigt leve för H.K.H. Kronprinsessan Victoria! Hipp, hipp.", woraufhin alle übrigen Beteiligten mit "Hurra!, Hurra!, Hurra! Hurra!" antworten. 

Die schwedische Besonderheit bei der Sache sind die vier "Hurra!". Im Rest der Welt, z. B. in der angelsächsischen Welt - wird mit drei "Hurray!" geantwortet. Wo kommt der Unterschied her?

Dazu müssen wir etwas in die Geschichte abtauchen. In der spätmittelalterlichen Militärwelt gab es Kennungen. Mit diesen gaben sich verschiedene Truppenteile - hauptsächlich zur See - untereinander zu erkennen. Seit 1635 verwendeten die schwedischen Streitkräfte eine Kennung, die aus zwei schnell aufeinander folgenden Kanonenschüssen besteht. Diese Kennung wird als "Svensk lösen" bezeichnet. 

Befand sich der König an Bord, wurde eine doppelte Kennung, also vier Kanonenschüsse in schneller Abfolge, gegeben. Diese besondere Ehrerbietung wurde in der folgenden Zeit die Grundlage für allgemeine Ehrerbietungen, zunächst für aus- und inländische Repräsentanten und Hoheiten, dann auch für bürgerliche Feierlichkeiten, wie z. B. Geburts- und Namenstage.

Die erste Anwendung des vierfachen Saluts wird aus dem Jahre 1672 berichtet, als König Karl XI mündig wurde. Soweit es die Quellen belegen waren es Studenten in Uppsala, die - ausgehend von der militärischen Salutpraxis - als Erste den vierfachen Salut in der Form des "Hurra!, Hurra!, Hurra! Hurra!" verwendet haben sollen. In der Zeit davor, gab es für Normalsterbliche (lies: Bürgerliche) auch in Schweden nur ein dreifaches "Hurra!". 

Wie es in der Geschichtsforschung so ist, gibt es aber auch hier eine abweichende Lesart. Die verweist auf eine andere Entstehungsgeschichte. Die Universität in Lund soll 1863 Besuch polnischer Abgesandter gehabt haben. Die Verantwortlichen sollen nun befürchtet haben, dass die Polen ein dreifaches "Hurra!" als russische Kennung missverstehen würden, denn der russische Salut bestand aus drei schnellen Kanonenschüssen. Daher habe man sich kurzerhand dazu entschlossen, statt drei "Hurra!" eben vier "Hurra!" zu verwenden. Diese Version wird allerdings als recht unwahrscheinlicher Ursprung des heutigen Brauches angesehen. 

Jedenfalls ist in Schweden heute das vierfache "Hurra!" die gängige Praxis. In ganz Schweden? Nein. Ein kleiner Teil der Region Skåne ist bis heute abtrünnig und hält am dreifachen "Hurra!" fest. Das soll seinen Grund in der geschichtlichen Verbundenheit zwischen Skåne und Dänemark haben. Denn in Dänemark gilt seit Alters her die militärische Kennung aus drei schnellfolgenden Kanonenschüssen. Alles nicht so einfach...

Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Victoria - unübliche Perspektive - Outtake aus einer Reportage über das Königshaus
Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Victoria
(unübliche Perspektive - Outtake aus einer Reportage über das Königshaus)


Renmärkning - Erleben Sie einen Hauch von Wildwest in Lappland

Ende Juni erreicht uns gegen Mittag eine SMS. Heute abend sei der beste Zeitpunkt. Wir sollten uns ab ca. 19 Uhr bereit halten. Genauere Details würden folgen. Einige Minuten später dann eine weitere SMS, es geht um eine Reportage über das diesjährige Renmärkning. 

Auf der längeren Anfahrt zum Termin beschleicht mich - während Frau Lappland den Wagen im Tiefflug, aber dennoch sicher über ungeheuerlich-abenteuerliche Waldwege steuert, welche die Bezeichnung "Weg" eigentlich nicht mehr verdienen - ein Gefühl, das ich selten habe. Wenn wir hier irgendwo eine Panne haben, findet uns nie jemand. Schon allein deswegen, weil der aktuelle Standort beinahe unmöglich zu beschreiben wäre. Glücklicherweise sind wir im Konvoi unterwegs.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Renmärkning"? Wie der Name andeutet geht es um Rentiere. Viele Angehörige der Samen (der samischen Ursprungsbevölkerung in Lappland) gehen nach wie vor der traditionellen Rentierzucht nach. Die Rentiere leben den grössten Teil des Jahres in der freien Natur, gelten aber dennoch als zahme Tiere. 

Im späten Frühjahr werden die Kälbchen geboren. Da die Herden frei umherstreifen gibt es ein Problem: Die Zuordnung der Rentiere zu ihren Besitzern. Manche Rentiere tragen ein bestimmtes Halsband oder sind farblich markiert. Halsbänder können aber verloren gehen und die Farbe verschwindet aus dem Fell. Von Alters her gibt es deswegen eine spezielle Art der Markierung und wer zu schwache Nerven hat, sollte jetzt besser nicht weiterlesen. 

Die Tiere eines Besitzers werden jeweils mit einem speziellen Muster der sog. "Renmärke" gekennzeichnet. Das geschieht nach alter Weise durch ein "Schnittmuster" im Rand der Ohren. Die Kennzeichnung erstreckt sich auf beide Ohren und aus dem Gesamtmuster beider Ohren ergibt sich die Zuordnung zum Besitzer. Klingt kompliziert? Ist es für Aussenstehende auch. Der Aufbau der Markierungen folgt einer bestimmten Ordnung. Das jeweilige Sameby (entspricht der Verwaltungseinheit) und die Familienbezeichnung sind die Obermerkmale, die mit Untermerkmalen für den jeweiligen individuellen Besitzer ergänzt werden. Die samische Verwaltung ist modern und so gibt es eine Webseite (und auch eine Version für ältere Mobiltelefone mit einem SMS-Dienst), mit deren Hilfe die genauen Kennzeichnungen ermittelt werden können. 

Das Renmärkning ist ein grosses Ereignis, das üblicherweise um Midsommar herum stattfindet. Rentiere sind sehr schlau und haben einen guten Instinkt. Zu dieser Zeit sammeln sie sich von sich aus an bestimmten Plätzen. Der Herdenverband, der aus mehreren Hundert Rentieren bestehen kann, bietet einen grösseren Schutz gegen Raubtiere (z. B. Bären oder Wölfe). Nach aktuellen Schätzungen und Statistiken fallen ein Drittel der Rentiere jedes Jahr Raubtieren um Opfer, ein anderes Drittel kommt bei Verkehrsunfällen zu Tode. Die Rentierzucht ist ein hartes Gewerbe.

Der Schutzinstinkt der Rentiere hat eine weitere Folge: Die Sammelplätze sind meistens sehr abgelegen und nur schwer zu erreichen.

Ist die Zeit gekommen versammeln sich - meist mit extrem kurzer Ankündigungsfrist, denn die Rentiere bestimmen den Zeitplan - alle Familien, deren Rentiere vor Ort sind. Das Renmärkning beginnt. Wildwest-Romantik ist es für die Beteiligten allerdings nicht, sondern harte und vor allem sehr viel Arbeit. 

Frühmorgens werden die Tiere in einen oder mehrere Round-Pens mit einem Durchmesser von 100-300 Metern getrieben. Die Kälbchen folgen dicht ihren jeweiligen Müttern. Dann stellen sich mehrere Rentierhüter mit grossen Notizblöcken in die Herde und halten Ausschau nach ihnen bekannten Muttertieren. Ist ein Tier identifiziert eilt ein anderer Helfer mit einer Fangschlinge zur Stelle. Die Fallschlinge ist an einer grossen ausziehbaren Stange befestigt.

Sehr behutsam wird das Kälbchen nun eingefangen, was oft nicht beim ersten Versuch gelingt. Tritt das Kälbchen in die Schlinge, zieht der Helfer an der Stange und die Schlinge um einen der Hinterläufe zieht sich zu. Der Helfer zieht weiter und geht gleichzeitig auf das Kälbchen zu, das dann meist schon am Boden liegt. Beinahe liebevoll setzt sich der Helfer auf den Rücken des jungen Rentieres und fixiert dessen Hinterläufe mit seinen Beinen. Dann eilt der Besitzer herbei, zückt sein traditionelles Messer, und schneidet die Kennzeichnung in die Ohren. Der ganze Vorgang dauert nicht länger als zwei, drei Minuten und geht mit einer unbeschreiblichen Ruhe vonstatten, um das Tier keinen unnötigen Belastungen und keinem Stress auszusetzen. Bei mehreren Hunderten von Tieren dauert das ganze Märkning mitunter einen Tag, oder gar länger. Die Helfer aus den einzelnen Familien wechseln sich ab und wer gerade frei hat, grillt etwas oder macht ein Nickerchen. Damit wird das Renmärkning auch zum sozialen Ereignis und zur Kommunikationsplattform. 

Alle Beteiligten sind dankbar, wenn das Wetter mitspielt. Mitunter regnet es in Strömen, was die Arbeit nur noch härter und beschwerlicher macht. Wir hatten Glück: Mildes Wetter, kein Regen und vor allem keine Mückeninvasion.

"Das Renmärkning ist für uns das, was Erntedank für die Landwirte ist", erklärt der Vorsitzende des Samebys. "Hier dürfen wir die Früchte unserer Arbeit sehen".

Am Rande: Es ist äusserst unhöflich, ja geradezu unanständig, einen Rentierzüchter danach zu fragen, wieviele Rentiere er denn besitzt. Die Frage gleicht der Frage, wieviel Geld sich gerade auf dem Bankkonto befindet. Deswegen fragen Sie bitte erst gar nicht, und ersparen Sie sich Peinlichkeiten.

Eine Sache fällt uns auf. Das Alter der Anwesenden ist bunt gemischt, Jung und Alt helfen mit, essen gemeinsam und unterhalten sich. Die Teenager fallen aus dem Raster der Gleichaltrigen. Nur zwei konnten wir erspähen, die während der Arbeitspausen mit einem Smartphone hantierten. Wobei einer dieser Teens höchstwahrscheinlich über beide Ohren verliebt war und mit seiner Liebsten eine Reihe von SMS verschickte.

Die übrigen nehmen "völlig normal" und mit voller Aufmerksamkeit am sozialen Leben der Gruppe teil. Die Naturverbundenheit scheint gegen die technische Reizüberflutung zu helfen.

Rein fotografisch ist das Renmärkning beeindruckend. In freier Wildbahn haben Rentiere eine Fluchtdistanz von etwa 10 Metern. Beim Renmärkning ergibt sich aber die Chance auf Tuchfühlung (besser: Fellfühlung) zu gehen. Und inmitten hunderter Rentiere mit der Kamera auf dem Boden zu liegen ist ein neues Erlebnis, zudem eines das Material und Kleidung fordert.  

Zwei Stunden später verlassen wir den Sammelplatz der Rentiere und das Renmärkning wieder, wissend, dass die harte Arbeit dort noch mehrere Stunden weiter gehen wird. Die Bilder für die Reportage sind im Kasten. Der Heimweg - diesmal ohne Konvoi, aber dank Frau Lapplandblog ohne Zwischenfälle - führt uns gegen Mitternacht an traumhaften und bezaubernden Landschaften vorbei. 

Wir haben die Freigabe, einige Begleitbilder der Reportage hier in einer Bilderstrecke zu zeigen:

-> Zur Bilderstrecke: Renmärkning 2014

Renmärkning
Renmärkning

Work-Life-Balance in Lappland und: Internetzugang im Norden

Die Aussicht ist malerisch. Das Wasser rauscht leise und eine sanfte Brise streicht über den Strand. Ich sitze an meinem für heute gewählten Arbeitsplatz mit meinem Laptop auf dem Schoss und dem Telefon in der Tasche. Eine kleine Bucht an einem See, weitab von der Zivilisation.

Der "Digital Lifestyle" macht es möglich. Und das lockt auch viele digitale Nomaden als Auswanderer an den Polarkreis in Schweden. 

Der Breitbandausbau in der Region ist - gemessen an der Bevölkerungsdichte - sehr gut. In unserem kleinen und beschaulichen Dorf haben wir z. B. 100 Mbit/s Glasfaseranbindung. Wer ausserhalb des mit Breitband erschlossenen Gebietes wohnt, kann auf Internet via Funk ausweichen (3G Geschwindigkeit, bester Anbieter: net1) oder über das Mobilfunknetz gehen. Die beste Netzabdeckung im Norden hat klar Telia (der Nachfolger des ehemaligen staatlichen Televerkets). 3G gibt es in den ländlichen Gebieten ausserhalb grösserer Ortschaften nicht flächendeckend, aber 2G Datenverbindung (EDGE) funktioniert überall. 

Was bedeutet das? Solange ich nicht bei der Arbeit auf grosse Datenvolumina via Internet zugreifen muss, ist mobiles Arbeiten auch in der Natur problemlos möglich (vorausgesetzt, die Akkus sind voll geladen und ein Auto Ladeadapter ist zur Sicherheit mit dabei).  

Und so habe ich den Tag über an einem neuen Buchmanuskript gearbeitet, zwischendrin einige Fische auf dem Feuer gebraten und nebenbei die Aussicht bei Wind und Wetter genossen. Geheimtipp: Das beruhigende Naturambiente ist auch für wichtige Telefonate paradiesisch.

Lappland: Arbeitsplatz in der Natur
Die Aussicht von meinem heutigen Arbeitsplatz


Halbzeit

Irreführender Titel? Vielleicht, denn um Fussball und die WM geht es hier nicht.

Nach Kalendertagen haben wir die Halbzeit des Jahres zwar noch nicht erreicht, aber in Schweden erfüllt Midsommar quasi diese Funktion.

Das Wetter in Nordschweden hat sich aber nicht an die Spielregeln gehalten. Der relativ warme und langwierige Winterausklang war ein Eckstoss, der die perfekte Vorlage für einen triumphalen Sommer hätte sein können. Irgendwie stand der Sommeranfang dann aber ganz übel im Abseits, obwohl der Abschlag im Mai gar nicht schlecht war. Er erreichte den gegnerischen Torraum aber leider nicht.

Nach einem kurzen Kick and Rush vor drei Wochen kam die Sommerwärme mit respektablen Tageshöchsttemperaturen von knapp 30 Grad über die Flanke, wurde dann aber von einem beharrlichen Tief mit einem Fallrückzieher übel gefoult.

Die Folge: Null Grad, Schneefall und Hagel an Midsommar. Das Publikum war alles andere als begeistert.

Trotz der dem Tief sofort erteilen gelben Karte hat der Sommer seine alte Hochform bislang nicht wieder erreicht. Der Spielstand gleicht noch eher einem Unentschieden.

Wie sind die Aussichten?  

Wenn sich die Sonne nicht bald ihrer Aufgabe als Spielmacher bewusst wird, könnte es zum Elfmeterschiessen kommen. Ausgang ungewiss.

Lappland 2014 - Sommer im Abseits
Rückblick: Kurzes Stelldichein des Sommers vor drei Wochen

Triohålning und Bürolocher - Klippen bei der Unternehmensgründung in Schweden überwinden

Einleitung

Heute soll es um eine der vielen, kleinen Klippen bei der Unternehmensgründung in Schweden gehen. Eine Klippe, die durchaus auch einigen Unterhaltungswert mit sich bringt (und satirische Züge trägt). 

In der europäischen Unternehmens- und Wirtschaftswelt sollte doch alles auf Standards und Normen beruhen. Die Standardisierung schreitet voran, fehlende Standards können zum Handelshemmnis werden und sich als ziemlich störend erweisen. Darum soll es heute gehen.

Aufmerksame Leserinnen und Leser erinnern sich bestimmt noch an den Artikel  "Warum gibt es noch keine EU-Norm für die Grösse von Eiskugeln?"

Ein ganz ähnliches Problem gibt es auch im Bereich der schwedischen Büroheftung und Aktenablage.


Geschichte

Für diejenigen unter uns, die dem papierlosen Büro der Zukunft (sic!) zum Trotz, immer noch mit Papierkram zu tun haben, sind Aktenordner und Locher Alltagsgeräte. Den Aktenlocher (kurz: Locher) hat Friedrich Soennecken erfunden und 1886 dafür auch vom damaligen Kaiserlichen Patentamt ein Patent erhalten. Der Aktenordner stammt von Leitz.

Das Duo "Locher und Leitz" trat seinen Siegeszug durch Büros und Haushalte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts an. Gelocht und geheftet wurde natürlich in der ganzen Welt. Und da ergab sich das Problem der Standardisierung. Die Lochung musste vereinheitlicht werden, um dem Archivierungschaos - insbesondere bei länderübergreifender Korrspondenz und Aktenablage - Herr zu werden.


Problem

Hier fingen die Probleme an. Es gibt verschiedene Standards für die Aktenlochung. Nun leben wir ja in Europa und man sollte meinen, dass es einen europaweiten, einheitlichen Standard geben müsste. Im Prinzip ja. Aber eben nur im Prinzip.

Genau genommen ist das Problem noch viel schlimmer, denn es gibt ja einen - sogar internationalen - Standard für die Papierlochung im Büro. Dieser Standard hört auf den Namen ISO 838 und stammt in der aktuellen Version aus dem Jahre 1974. Wir alle wissen wie die Standard-Lochung aussieht, denn sie begleitet uns ein Leben lang durch den Alltag. Wer es ganz wisenschaftlich haben möchte, kann hier die Beschreibung des Standards bei der  International Organization for Standardization (Internationale Organisation für Normung) kurz "ISO" herunterladen.

Aber nicht alle Länder folgen dem internationalen Standard.

Auf europäischer Ebene folgen (fast) alle Länder diesem Standard. Fast alle Länder? Ja fast, denn das Königreich Schweden hat seinen eigenen Standard für die Lochung und für Aktenordner.


"Triohålning" (Triolochung) heisst das Zauberwort.

Und zur Triolochung gehört der Trioordner. Und um die Verwirrung noch gröser zu machen, besteht die Triolochung nicht etwas nur aus drei, sondern aus vier Löchern. Erfunden wurde das System 1899 von Andreas Tengwall in Helsingborg. Genau genommen wurde zuerst der Ordner und dann der zu ihm passende Locher erfunden. 

Der Clou am Trioordner ist, dass er - im Gegensatz zu den im Rest Europas gebräuchlichen Ordnern - an einer beliebigen Stelle flach aufgeklappt werden kann (jedenfalls, soweit er nicht "überladen" ist). Im aufgeklappten Ordner können dann - wenn auch etwas hakelig - die Blätter vorwärts und rückwärts - umgeblättert werden.

Die bittere Pille ist die Inkompatibilität zwischen der ISO 838 und der schwedischen Trio-Lochung. Locht man Blätter nach beiden Standards (und vom nordamerikanischen Dreilochsystem wollen wir gar nicht erst anfangen), wird der linke Papierrand ziemlich "dünn" und wenig haltbar.

Wer also sein Unternehmen nach Schweden verlagern möchte, sollte sich auf den Systemwechsel vorbereiten und keine grossen Bestände an leeren zentraleuropäischen Aktenordnern mitbringen.


Rückblick

Beim Schreiben dieser Zeilen denke ich mit etwas Wehmut an die Zeit meines Referendariates beim Landgericht Heidelberg zurück. Heidelberg liegt bekanntlich in Baden. Und in Baden gab es seinerzeit auch noch einen eigenen Standard für die Aktenheftung. Dieser hörte folgerichtig auf den Namen "badische Aktenheftung" und basierte auf zwei kleinen Löchern am oberen linken Papierrand (in der Bürovitrine hüte ich heute noch einen original badischen Aktenlocher). Die Heftung der Akte erfolgte über eine kleine Schnur, die durch die Löcher gefädelt und dann auf der Rückseite der Akte verknotet wurde. Die Kunst, die "richtigen" Knoten zu erlernen, war seinerzeit integraler Bestandteil der Juristenausbildung. Mein bürotechnischer Weitblick in Sachen Aktenlochung war also von frühen Zeiten her bereits geweitet. Vielleicht fiel mir deshalb die Adaption der schwedischen Triolochung nicht besonders schwer...


Ausblick

Der digitale Hoffnungsschimmer glimmt am Horizont und hört auf den Namen "papierloses Büro". Allerings scheint mir die Zukunft nicht ganz so rosig zu sein. Seit 15 Jahren verfolgt mich der Begriff. Aber mit jeder neuen Runde der neuen, papierlosen Welt, ist es immer nur noch mehr Papier geworden. Schade um all die Bäume, die sinnlos gefällt werden.

Sollten wir es aber eines Tages schaffen auf rein-digital umzustellen, wäre zumindest das Locher- und Aktenordner Normierungs Problem vom Tisch. Dafür hätten wir dann mindestens 100 neue (lies: unterschiedliche und inkompatible) Dateistandards am Bein :-)

Triohålning - schwedischer Triolocher - Bürolocher
Schwedischer Triolocher - stanzt vier Löcher nach schwedischem Standard

Triopärm - schwedischer Trioordner - Aktenordner
Schwedischer Trioordner - inkompatibel zum Rest der Welt

"Smygstart" - Ist denn schon 2015?

"Smygstart" würde man auf Schwedisch sagen. "Langsam starten" ist die hier wohl beste Übersetzung.

Moment. Befinden wir uns nicht noch mitten in der angekündigten Auszeit? Irgendwie schon, aber es gab so viele Gelegenheiten die letzten Monate über die es sich zu schreiben gelohnt hätte, dass wir uns zum "Smygstart" entschlossen haben. Nicht mit voller Blogfrequenz, aber eben so, wie wir Lust und Laune haben. Das verbinden wir übrigens gerne wieder einmal mit der Aufforderung, uns Eure"Wunschthemen" mitzuteilen (gerne in den Kommentaren oder per Mail). Was wir in vielen Gesprächen in den vergangenen Monaten gehört haben ist, dass Auwandern und Unternehmensgründung in Schweden von grossem Interesse sind. Das nehmen wir uns gerne thematisch zu Herzen.

Redesign? Wir hatten uns überlegt, die Auszeit über ein grosses Redesign zu überdenken. Das stellen wir erst einmal zurück, denn Form folgt Funktion. Einige kleine Änderungen sind aber "unter der Haube" geschehen. U.a. gibt es jetzt auf Anregung verschiedener Leserinnen und Leser bei allen Bildern einen Pin-It Button, um Bilder direkt auf Pinterest posten zu können.


Feierstunde zum schwedischen Nationaltag 2014


Nationaldag 2014:
Und so hat Schweden gerade wieder seinen Nationaltag gefeiert. Erstaunlich spät, erst im Jahre 2005, wurde der 6. Juni zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Auf den 6. Juni fiel die Wahl, weil Gustav Wasa an eben diesem Tage 1523 zum König gewählt wurde. Ebenfalls am 6. Juni - dieses Mal 1809 - ist die alte schwedische Verfassung in Kraft getreten, die bis zum Jahre 1974 galt.

Kurzer Exkurs zur schwedischen Verfassung: In der ersten Verfassung aus dem Jahre 1809 hiess es noch "Alle Staatsgewalt geht vom König aus".

In der seit 1.1.1975 geltenden, neuen Verfassung heisst es nun in § 1: "All offentlig makt i Sverige utgår från folket.", d.h. alle öffentliche Gewalt geht vom Volk aus. Die Rechte des Monarchen wurden im gleichen Zuge auf verschiedene repräsentative und formelle Aufgaben beschnitten. Die neue Verfassung war übrigens nicht unumstritten und wurde in den ersten Jahren nach dem Inkrafttreten mehrfach geändert und ergänzt. Ende des Exkurses und zurück zum Nationalfeiertag.

Trotz der beiden denkwürdigen Ereignisse (Wahl von Gustav Wasa zum König 1523 und Inkrafttreten der ersten Verfassung 1809), die auf denselben Tag des Jahres (6. Juni) fielen, wurde der Gedenktag (der früher "Svenska Flaggans Dag" hiess) erst 1983 formell zum Nationaltag.

Interessant ist übrigens auch der volkswirtschaftliche Rahmen der Einführung des Nationaltages. Auf Druck der Wirtschaftsverbände (vor allem "Svensk Näringsliv") sollte im Zuge der Einführung des Nationaltages als allgemeiner gesetzlicher Feiertag ein anderer gesetzlicher Feiertag gestrichen werden, um die Wirtschaft nicht zu belasten. Die Wahl fiel schliesslich auf den Pfingstmontag, der seitdem in Schweden ein normaler Arbeitstag ist.

Ein interessantes Detail am Rande: Aus den Gesetzesmaterialien zur Einführung des Nationaltages geht ein weiterer wichtiger Grund für die Einführung des Feiertages hervor. Mehr und mehr Einwanderer hätten sich verwundert darüber gezeigt warum Schweden, im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern, keinen Nationalfeiertag habe.

Lasst Blumen sprechen - Sonnenblume zum Nationalfeiertag mit schwedischer Flagge im Hintergrund
Ein sonniger Nationalfeiertag dieses Jahr - noch ohne allzu viele Mücken in der Luft

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7 +  2014

Lapplandblog 7 +  2014


Liebe Leserinnen und Leser,

unser Blog geht dieser Tage in sein siebtes Jahr. Irgendwie erstaunlich. Was hält denn heutzutage noch sieben Jahre?

Nun haben wir über eine Million Bilder im Archiv; die Motive von "A" wie "Angelrute" bis "Z" wie "Zauberhafte Orchideen". Alle diese Aufnahmen sind hier in Schwedisch-Lappland - wo wir wohnen und andere Urlaub machen :) - entstanden.

Unzählbare Kilometer liegen hinter uns. Manche Bilder lassen uns noch immer schmunzeln - andere versetzen uns immer noch in blankes Entsetzen - wenn wir an die Entstehung der Aufnahmen denken.

Bei unserer Arbeit durften wir viele Menschen kennen lernen, denen wir ansonsten wahrscheinlich nie begegnet wären.

Euch, liebe Leserinnen und Leser des "originalen Lapplandblogs", haben wir all die Jahre und durch alle Jahreszeiten hindurch auf unsere Rundreisen und Entdeckungstouren mitgenommen. Wir hoffen, dass viel Wertvolles und Interessantes für Euch dabei war.

"Alles hat seine Zeit" heisst es so schön.  2014 werden wir ein Jahr Auszeit vom privaten Bloggen im Lapplandblog nehmen, die Ruhe geniessen, neue Kraft schöpfen und - vor allem - neue ungewöhnliche Ideen ausbrüten. Natürlich werden wir weiterhin in Sachen Bilder und Reportagen unterwegs sein.

Danke für Eure Zeit und Aufmerksamkeit!

Wir wünschen Euch ein wunderbares 2014!

Henning & Petra

PS: Einblicke in den Alltag als Fotograf in Nordschweden gibt es hier in Englisch.

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Short english version: This year our blog had it's 7th birthday. Seven years are a long time - especially in those days. So here is the news: We're taking a year off.

As of jan 1st 2014 we are going underground. We won't be blogging here for a whole year. In case you’re curios: You can find insights into a photographers life around the arctic-circle here on the English blog.

We won't be spending all day every day attached to a computer. So if you want to contact us please write us an email or call us.

Henning & Petra

PS: To avoid any misunderstanding - Of course we will continue to make photographs and are in business!


Lapplandblog 7 +  2014 (english)

Lappland - Der Winter, der (bislang) keiner war

Eigentlich sollte er längst eingeschneit sein. Unser Maschendrahtzaun. Zumindest war er das all die vergangenen Jahre um diese Zeit. Was also ist los?

Bei Lappland im Winter denken viele an wunderbare, tief verschneite Landschaften, lange Schlittenhundetouren oder Ausflüge mit dem Schneemobil. Das Bild enstspricht normalerweise auch der Realität. Nur diesen Winter ist - zumindest bislang -  irgendwie alles ganz anders.

Bereits der erste richtige Schneefall verspätete sich um mehrere Wochen. Und bis heute hat es nur wenig geschneit. Dafür fegten mehrfach ungewöhnlich starke Herbststürme über uns hinweg.

Auch die Temperaturen liegen in dieser Saison viel zu hoch. Im Dezember hatten wir mehrere Male über null Grad, sogar über Weihnachten. In der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtsfeiertag hat es z. B. mehrere Stunden lang am Stück geregnet. 

Wozu das in Sachen Schneedecke geführt hat, kann sich jeder Leser selbst vorstellen: Der Schnee fällt zusammen zu gefrorenem Schneematsch. Überall bilden sich Eisplatten. Die Strassen sind spiegelblank. Autofahren wird zum Abenteuer (Streusalz wird hier - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht gestreut, lediglich Sand und Split).

Das Attribut „schneesicher“ beginnt sich zu relativieren. Es ist übrigens ein Argument, das beim Verkauf von Häusern hier oben gerne und oft verwendet wird. Lassen Sie es sich im Zweifel besser ausdrücklich zusichern. Wer weiss? (Ergänzung: Tipps zum Hauskauf in Schweden und Lappland haben wir hier für Sie zusammen gestellt).

Rein persönlich sind wir über das wenige Schneeschaufeln bislang nicht unglücklich. Eher im Gegenteil.

Was wir aber von allen Kontakten aus dem Tourismus hören, ist: Für den Wintertourismus ist die Saison bislang schlicht eine Katastrophe. 

- Die meisten Skigebiete sind zwar schon in Betrieb (die Schneekanonen sind im Dauerbetrieb, denn es gibt noch viel zu wenig Naturschnee). Die Pisten aber sind bretthart. 

-Im Schlittenhundebereich sind die Trails - soweit überhaupt mangels Schnee schon vorhanden - zumeist ebenfalls noch nicht befahrbar. Der viel zu harte Untergrund wird zur akuten Gefahr für die Gesundheit der Hunde. Die Geschwindigkeiten werden schnell sehr hoch und das Abbremsen auf einem vereisten Trail birgt Risiken.

- Wegen der bisher viel zu hohen Temperaturen sind die Eisdecken auf Seen und Flüssen noch viel zu dünn. Eisangeln ist also ebenfalls noch weitestgehend Fehlanzeige. 

-Lediglich für alle, die zu Fuss durch Land und Flur streifen (aber wer macht das schon), ist die Schneelage derzeit verhalten positiv. Durch das Überfrieren sind im Moment abgelegene und im Sommer unzugängliche Stellen auf dem Schnee zu erreichen. Allerdings bitte mit den erforderlichen Vorsichtsmassnahmen.  

Fazit: Wir wollen hier nicht über die Gründe (Klimaveränderung?) spekulieren. Vielleicht lässt sich das ganze Geschehen auch philosophisch deuten. Der bislang ausgebliebene Winter ist wie eine weg genommene Illusion: Vielleicht ist ja alles ganz anders, als wir denken? Wer weiss?

Lappland - Der Winter, der (bislang) keiner war
Der besagte Maschendrahtzaun...


Övik Big Band, Triumphant Gospel Choir, Ekumeniska kören i Norsjö, Solisten Diamond Sneed und Karin Öberg

Gospel, Jazz und Weihnachten

Vergangenen Samstag gab es in Norsjö einen musikalischen Leckerbissen in Form eines gemeinschaftlichen Auftritts der Övik Big Band, des Triumphant Gospel Choir, des Ekumeniska kören i Norsjö und der Solisten Diamond Sneed und Karin Öberg. Wir waren für eine lokale Tageszeitung vor Ort und teilen hier einige Bilder.

Das Weihnachtskozert stand im Zeichen von Whitney Houston und die begnadete Stimme von Karin Öberg ist mehr als geeignet, um die Songs von Whitney Houston angemessen zu interpretieren. Einen  hervorragenden Akzent setzte die Gospelsängerin Diamond Sneed aus Chicago. Wer die Chance hat, diese Starbesetzung nochmals hören zu können: Zugreifen! 

-> Zur Bildstrecke: Weihnachtskonzert mit der Övik Big Band, dem Triumphant Gospel Choir, dem Ekumeniska kören i Norsjö und den Solisten Diamond Sneed und Karin Öberg am 14.12.2013 im Medan in Norsjö

Övik Big Band, Triumphant Gospel Choir, Ekumeniska kören i Norsjö, Solisten Diamond Sneed und Karin Öberg

"The Visual Toolbox" von David DuChemin - Das perfekte fotografische Weihnachtsgeschenk

Was, liebe Leserin, lieber Leser, können Sie fotografiebegeisterten Menschen zu Weihnachten schenken?

Eine gute Frage. Mit den Fotografiebegeisterten ist das ja bekanntlich so eine Sache. Denn bei ihnen schlägt das berühmt-berüchtigte "Gear Acquisition Syndrome (GAS)" gerne, häufig und heftig zu. Besonders gerne zu Weihnachten. Die Begehrlichkeiten sind oft gross.

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sollten dem entschieden und energisch entgegen treten.  Schenken Sie statt - im Zweifel ohnehin unnötiger - Ausrüstung und Zubehör lieber fotografisches Know-How. Womit wir beim Thema wären.

In der fotografischen Know-How-Schmiede Craft & Vision ist kürzlich ein neues Buch von David DuChemin erschienen. 

"The Visual Toolbox" ist ein ausführlicher fotografischer Werkzeugkasten, bzw. Workshop, der aus 50 Lektionen besteht. Auf 200 Seiten führt David den wissbegierigen Leser von "Read Your Manual" über "Learn To Isolate" bis hin zu "Study The Masters". 

Der Clou ist nicht nur das profunde Wissen, sondern auch der wunderbar flüssige Stil von David. Seine Ausführungen sind prägnant auf den Punkt gebracht und wirken manchmal beinahe schlicht und pragmatisch. Aber sie haben es in sich. Das merkt der Leser spätestens bei den am Ende jeder Lektion enthaltenen Übungsaufgaben. 

Lektion 34 dreht sich zum Beispiel darum, abzuwarten. Das klingt einfach. Ebenso wie die zugehörige "Hausaufgabe". Eine ganz andere Sache ist es aber, sich eine landschaftlich reizvolle Stelle als Motiv zu suchen, lange und geduldig auf den passenden Vordergrund (z. B. ein Tier) zu warten und während dessen alle denkbaren und möglichen Gestaltungsoptionen zu durchdenken. 

Fazit: Wer das Buch Lektion für Lektion mit allen Übungsaufgaben tatsächlich durcharbeitet, wird einen grossen Gewinn aus ihm ziehen können.

Hinzu kommt: Arbeitet der mit dem Buch Beschenkte das Werk ernsthaft durch, hat er mehrere Monate Freude an seinem Weihnachtsgeschenk und einen gewaltigen Know-How-Zuwachs. Er (oder sie) wird ihnen dann dankbar sein.   

Der Preis von 20 USD für die PDF-Ausgabe ist günstig und der edle Schenker kann zudem einfach und bequem von zu Hause aus einkaufen.  

Mein Fazit: Ein perfektes Geschenk für alle Fotografiebegeisterten. Deutlich besser als einige weitere fotografische Staubfänger im fotografischen Equipment-Glasschrank. 

-> Hier geht es zu Craft & Vision. Dort ist die Neuerscheinung exklusiv erhältlich.

Rezension: The Visual Toolbox von David DuChemin - Das perfekte fotogafische Weihnachtsgeschenk

Im Test „Perfectly Clear“ von Athentech – Schlussfolgerungen aus dem "JPEG-Modus"

Wie bereits erwähnt, sah unser fotografischer Sommer anders aus, als erwartet.

Diesen Sommer waren wir in der Hauptsache für – meist schwedische – Zeitungen unterwegs. Sehr spannend – und zugleich mitunter stressig. Die zeitlichen Vorgaben für die Ablieferung der Files waren i. d. R. sehr eng, was zum „JPEG-Modus“ („schneller Reportagemodus“) geführt hat. Und zu einer weiteren Frage: Wieviel Bildretusche ist erlaubt?

Von Zeitung zu Zeitung unterscheidet sich das zwar im Detail, aber wir folgen im Zweifel der Faustformal: Nur das ist erlaubt, was auch in der Dunkelkammer mit einfachen Mitteln hätte gemacht werden können. Das bedeutet:

- Keine Veränderungen von Details;
- Zulässig sind Veränderungen von Helligkeit, Kontrasten oder Farben;
- Zulässig ist massvolles Dodge und Burn.

Was darüber hinaus geht, muss im Einzelfall mit der jeweiligen Bildredaktion abgestimmt und als Montage oder Retusche gekennzeichnet werden (ob die Redaktion das bei der Veröffentlichung dann ebenfalls angibt, ist deren Problem).

Der Zeitdruck vor Ort führt manchmal dazu, dass Belichtung oder Weissabgleich nicht so perfekt sind, wie bei einem geplanten Fototermin im Tourismus. Und meistens gibt es eben auch nur „einen Take“.

Das zusammengenommen hat uns vor die Frage nach einem guten, einfachen und schnell einzusetzenden Tool für die reine JPEG-Nachbearbeitung geführt. Ein Photoshop-Plugin sollte es sein. Auf dem Markt tummeln sich verschiedene Lösungen. Nach einer Recherche sind wir auf Perfectly Clear von Athentech aufmerksam geworden.

Als frühere Bibble-Anwender waren uns das Produkt und die Technologie bekannt. Im alten Bibble 5 hatte die vereinfachte Version von Perfectly Clear bisweilen gute Dienste geleistet (und im Nachfolger AfterShot Pro ist es ebenfalls noch enthalten). Manchmal waren die Resultate aber auch weniger berauschend. Die Zeit von Bibble ist aber nun schon einige Jahre her, und Athentech hat das Plugin in der Zwischenzeit weiter entwickelt.

Gesagt, getan. Nachdem es von Perfectly Clear auch eine App fürs iPhone gibt, haben wir zunächst in diese investiert, um uns einen ersten Eindruck von der weiter entwickelten Technologie zu verschaffen. Der spontane Eindruck war recht positiv, also war der Test des Photoshop-Plugins die logische Schlussfolgerung.


Verkleinertes Originalbild „out of the cam (OOC)“

Das hier zur Veranschaulichung verwendete Bild ist zugegebenermassen extrem: Ein Foodfoto, aufgenommen unter grauenhaftem und dunklem Licht mit der guten alten Nikon D200 (die "Rausch- und Farbstichkönigin" war hier als Reservebody mit im Koffer) bei 1/60, f4, ISO 900. Das Bild stammt aus einer Reportage über ein neues Restaurant und sollte halbseitig in der Zeitung erscheinen. Out of the cam ist es - sagen wir es positiv - nur als "ausbaufähig" zu bezeichnen.


Perfectly Clear kommt aufgeräumt und übersichtlich daher

Die Korrektureinstellungen von Perfectly Clear sind übersichtlich und oft liefert bereits die Standardvorgabe schnell brauchbare Ergebnisse. Bei unserem Testbild allerdings hilft die Standardvorgabe nicht weiter. Wegen der extremen Farbabweichung haben wir die Voreinstellung "Farbstich entfernen" zur automatischen Korrektur des Weissabgleiches ausgewählt. Im Prinzip wäre das auch manuell über den Regler "Farbkorrektur" zu machen gewesen. Aber unter Zeitdruck ist die Vorgabe die erste und schnelle Auswahl. Ansonsten sind im ersten Schritt alle Einstellungen auf Vorgabe. Dem Finetuning sind allerdings keine Grenzen gesetzt.


Hier mit Korrektur am Weissabgleich und Rauschunterdrückung

Nun zeichnet sich der bewährte Kamera-Oldtimer aus dem Hause Nikon nach heutigen Massstäben durch heftiges Rauschen aus. Bei ISO 900 ist ein OOC Bild bereits deutlich über der kritischen Grenze (die bei der Verwendung für Zeitungs-Print - je nach Einsatzbereich - irgendwo zwischen 400 und 800 liegt).


100% Crop aus dem OOC

Deswegen haben wir im zweiten Take einfach die Rauschunterdrückung mit der Vorgabe "Night Scene" verwendet und das Ergebnis ist brauchbar.


100% Crop aus dem mit Perfectly Clear bearbeiteten Bild
Gesamtbearbeitungsdauer: 15 Sekunden!


Die im Schnellverfahren korrigierte Version wurde so auch gedruckt

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Blickwinkel dieser Besprechung ist die möglichst schnelle und geschmeidige Bearbeitung vieler Bilder mit brauchbaren Ergebnissen für die Publikation in Tageszeitungen. Es steht völlig ausser Frage, dass mit manueller Detailarbeit und einzelnen Spezialplugins viel bessere Ergebnisse erzielt werden können. Aber darum geht es hier nicht.

Fazit: Für den zeitkritischen „JPEG-Modus“ ist Perfectly Clear von Athentech unser neues Tool der Wahl. Und auch ausserhalb dieses Anwendungsbereiches ist das Plugin eine wertvolle Hilfe, um Bildern einen schnellen "Punch" zu geben.

Unser Tipp: Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte, kann beim Hersteller Athentech eine 30-Tage-Demoversion downloaden.

Endspurt

Um den ersten Advent herum geschieht ein für Aussenstehende merkwürdiges Phänomen in Nordschweden. Überall sind plötzlich Autos mit Weihnachtsbäumen auf dem Dach zu sehen. Wie die Pilze förmlich aus dem Boden schiessen so tauchen sie auf, um einige Tage später wieder von der Bildfläche zu verschwinden. 

Woran liegt das? Ganz einfach. Werden Weihnachtsbäume im deutlich wärmeren Deutschland gewöhnlicherweise erst einige Tage vor Weihnachten gekauft ist es hier Tradition, sie bereits zum ersten Advent nach Hause zu holen. Ich schreibe absichtlich "sie zu holen" und nicht "sie zu kaufen", denn die meisten Menschen hier - zumindest im Inland - wählen sie direkt im Wald aus und fällen sie selbst. Dann stehen die Weihnachtsbäume - oft mit bunten Lichterketten geschmückt - vor den Häusern, um kurz vor Weihnachten nach innen transportiert zu werden. Bei den weit unter null liegenden Durchschnittstemperaturen im Dezember ist die Haltbarkeit des Baumes kein Problem.  

Und pünktlich zum ersten Advent erstrahlt auch in den meisten Häusern hier eine lichterfrohe Weihnachtsbeleuchtung, die einen alle Gedanken ans Energiesparen und den Klimawandel ganz elegant vergessen lässt. 

Und die Weihnachtsmänner - eigentlich diskriminierend, denn warum gibt es denn bitteschön noch keine Weihnachtsfrauen? - laufen sich auch überall warm. Adventszeit in Lappland...

Schwedische Weihnachtsmänner

Blackout, oder: Lappland im Schein der Petroleumlampe

Blackout, oder: Lappland im Schein der Petroleumlampe

Im Herbst und am Winteranfang sind heftige Stürme in Lappland an der Tagesordnung. Man gewöhnt sich daran. Manchmal fegen aber regelrechte Rekordstürme über das Land. Und die hinterlassen ihre Spuren.

In der vergangenen Woche war es wieder einmal soweit: Vom schwedischen Wetteramt wurde eine akute Warnung ausgefertigt und was dann einige Stunden später kam, war im negativen Sinne rekordverdächtig. Im Inland von Västerbotten hinterliess der schwere, orkanartige Sturm eine Schneise der Verwüstung.

In manchen Gebieten wurde der Wald hektarweise „umgemäht“. Viele kleine Nebenhäuser und Wartehäuschen an Bushaltestellen wurden Opfer der Windstärke: sie wurden einfach „vom Winde verweht“; manche landeten in weitem Umkreis vom ursprünglichen Standort in Einzelteilen. Manche Bäume fielen auch auf bewohnte Häuser und richteten teilweise schwere Schäden an.

Das Stromleitungsnetz ist in unseren Regionen sehr weitläufig. Bei schweren Stürmen fallen regelmässig Bäume auf Leitungen, was zu Stromausfällen führt. In begrenztem Rahmen sind die hiesigen Netzbetreiber ganz gut gerüstet für solche Fälle. Übersteigen die Schäden aber von Anzahl und Streuung her ein bestimmtes Niveau, kommen die Einsatztrupps an ihre Grenzen. Im Klartext: Stromausfälle können dann sehr lange andauern. Am vergangenen Wochenende waren es bei uns 24 Stunden. Und so versammelte sich die Familie also um die Petroleumlampe: Eine Zeit ohne Internet und Telefon, in der sich oft die tiefgründigsten Gespräche ergeben.

Lappland versinkt in Schnee und Dunkelheit - dazu einige Sicherheitshinweise

Lappland versinkt in Schnee - November 2013


Lappland versinkt wieder langsam im Schnee. Auch die Dunkelheit senkt sich nun von Tag zu Tag früher (heute aktuell: Sonnenaufgang 8 Uhr 23 - Sonnenuntergang 14 Uhr 32 - alle Angaben in schwedischer Winterzeit).
 
Exkursionen in die faszinierende, unberührte und weisse Natur sind lohnenswert, werden aber auch zum Lehrstunde für den Windchill-Faktor (mehr dazu und ein paar Tipps für den Umgang mit der Kälte gibt es hier).
 
Aus dem Sommer bekannte Pfade werden plötzlich zu Abenteuern. Nur wer den Untergrund gut kennt, sollte sie in dieser Jahreszeit querfeldein gehen. Besonders wichtig ist es, von scheinbar bereits zugefrorenen Seen und Flüssen Abstand zu halten. Das kann nämlich schnell akut lebensgefährlich werden. Eine Eisdecke ist erst dann sicher begehbar, wenn die Kerneissicht mindestens 10 cm dick ist (siehe z. B. die einschlägigen Sicherheitsinstruktionen der Schwedischen Lebensrettungsgesellschaft).
 
Das ist für den Laien nur sehr schwer zu beurteilen und zu dieser frühen Winterzeit generell noch nicht der Fall. Damit eine ausreichende Eisschicht entsteht, muss es einige Zeit (d.h. mehrere Wochen) "richtig" kalt sein (d.h. unter minus 10 bis 15 Grad).
 
Immer wieder gibt es zu Beginn der Wintersaison dramatische Tragödien auf dem Eis. Jugendliche veranstalten Mutproben, und fahren mit dem Snöskoter über Seen. Relativ häufig enden solche Ausflüge mit Ertrunkenen. Auch übereifrige Eisangler erleiden manchmal leider dasselbe Schicksal. 
 
Wenn Sie sich sicher sind, dass die Eisdecke ausreichend ist, sollten immer auch Isdubbar zur Hand sein (am besten lose um den Hals tragen).
 
Zum Schluss noch der Hinweis für die Fotografinnen und Fotografen unter der Leserschaft: 8 Fototipps für Schnee und Winter und das Fotografieren in der Kälte gibt es hier.

[Update 2013-12-28: Die Saison hat sich in Sachen Schnee anders entwickelt, als gedacht.]

Here we go again

Snow again - Change of seasons in Lapland...<br />
Here we go again - Change of seasons in Lapland...

Mikael Andersson

Er bewegt sich souverän auf der Bühne und versteht es, seine Zuhörer durch seinen fesselnden und zugleich unterhaltsamen Vortrag in seinen Bann zu ziehen. Vergangenen Montag hatte Malå einen besonderen Stargast: Mikael Andersson.
 
Mikael Andersson ist eine Ausnahmeerscheinung. Leider. Er wurde 1962 geboren. Ohne Arme und Beine. Die Ärzte gaben ihm zunächst keine Überlebenschance und seine eigenen Eltern mussten erst jahrelang um das Recht kämpfen, ihren Sohn nach Hause holen zu dürfen.

Heute meistert er seinen Alltag selbstständig und ohne fremde Hilfe. Auch auf seinen Vortragstourneen reist er ohne Assistent durch die skandinavischen Länder. Das fasziniert und zieht die Aufmerksamkeit nach sich. Doch Michaels Vorlesungen beinhalten viel mehr als seine – fesselnde und spannende – Lebensgeschichte. Frau Lapplandblog hatte vor einiger Zeit bereits eine sechsteilige Doku über Mikael gepostet  (Schwedisch mit englischen Untertiteln). Unbedingt ansehen!

Mikael Andersson in Malå, Oktober 2013
Mikael Andersson bei seiner Vorlesung in Malå

Dressed in white

Stürme fegen über uns hinweg. Manchmal mit Schnee gefüllt, manchmal nur eine schneidende, eisige Front. In einer kleinen Felsspalte entdecke ich sie: Dressed in white.

Lappland - dressed in white
„Dressed in white“

Fototipp des Monats: Timothy Archibald

Wer sich für empathische Portraitfotografie erster Güte begeistern kann, wird bei Timothy Archibald fündig werden.
 
Besonderer Geheimtipp ist seine Serie "echolilia".

Die Kälte zieht durch alle Ritzen...

Das Rad der Jahreszeiten hat wieder eine Viertelumdrehung vollzogen. Die Kälte dringt in Lappland durch. Die Tage werden kurz und kürzer. Immer wieder fasziniert mich der plötzliche Farbwechsel: Die warmen Herbstfarben werden schlagartig stahlblau-kalt. Hier in der Nuance minus 12 Grad. 

Plötzlich ward es wieder stahlblau und kalt in Lappland
Plötzlich ward es wieder stahlblau und kalt in Lappland


Wer sich in der Stimmung wieder findet: Das Bild gibt es auch als Print. Bei Interesse bitte Mail.

Sameviste Koppsele - ein Blick in die samische Kulturhistorie

Etwa 15 Kilometer hinter Malå steht an der Strasse in Richtung Sorsele ein unscheinbares Hinweisschild mit der Aufschrift „Koppsele“. Ein kleiner Weg führt etwa einen Kilometer in den Wald hinein. Am Ende des Weges befindet sich eine Wendeplatte. Von dort aus führt ein mit roten Markierungen versehener Pfad durch ein etwa 45 Hektar grosses Naturreservat zum Ziel. Etwa zwei Kilometer darf der Besucher durch die reizvolle, bewaldete Landschaft wandern, bis schliesslich die alte Sameviste erreicht ist.

Eine Sameviste (manchmal auch nur als Viste bezeichnet) ist eine vorübergehende Siedlung, die von der nativen Bevölkerung Lapplands, den Samen (sie werden oft auch Sami genannt) in früheren Zeiten genutzt wurde. Die Samen folgten ihren in Abhängigkeit von den Jahreszeiten wandernden Rentierherden. An bestimmten Plätzen verweilten die Herden über einen längeren Zeitraum. An diesen Weideplätzen wurden Visten gebaut. Etwas vereinfacht könnte man eine Sameviste als „Sommerdorf eines samischen Familienverbandes“ bezeichnen.

Die Sameviste Koppsele stammt im Ursprung aus dem 17. Jahrhundert. Durch regelmässige Umbauten und Erneuerungen ist die heute sichtbare Bausubstanz der dortigen Hütten etwas jünger. Die älteste sichtbare Datierung in Form einer alten Inschrift verweist auf das Jahr 1819.

Der Name Koppsele soll auf das schwedische Wort für Tasse „Kopp“ zurückgehen, denn die Siedlung liegt in einer tassenähnlichen Vertiefung.

Ein geschichtsträchtiger Platz also, der manche Schätze birgt. Die Sameförening in Malå hat deswegen in Zusammenarbeit mit der Malå Kommun und dem Landesmuseum von Västerbotten ein umfangreiches Projekt zur archäologischen Untersuchung des gesamten Areales und zum Wiederaufbau beschädigter und zerstörter Gebäude initiiert. Im Sommer wurde eine erste Ausgrabungsetappe durchgeführt, die zahlreiche Fundstücke zu Tage geführt hatte. Mit Hilfe der Ausgrabungsergebnisse lässt sich der Alltag in die zurückliegenden Jahrhunderte rekonstruieren.

Im Zuge des Projektes wurde auch der Pfad zur Viste neu markiert und eine Holzbrücke erneuert. Neue Informationstafeln informieren die Besucher über wissenswerte Fakten und Details.

Nur noch wenige Gebäude, darunter eine klassische Wohnkåta, sind erhalten. Bei diesem Projektes wurde in Koppsele nun eine weitere Härbre im alten Stil errichtet. Eine Härbre ist ein traditioneller frei stehender Speicher (eine kleines Lagerhaus für Feldfrüchte). Charakteristisch für eine Härbre ist der besondere Unterbau: Die Härbre steht erhöht auf Pfeilern, die auf grossen Steinen ruhen. Sinn der Konstruktion ist die bestmöglichste Lüftung, damit der eingelagerte Inhalt trocken und schimmelfrei bleibt. Die neue Härbre in Koppsele war in Malå in traditioneller Weise und Ausführung gebaut worden und wurde dann in Einzelteilen nach Koppsele transportiert, um dann am Samstag (12. Oktober) in einem Zug aufgebaut und eingeweiht zu werden.

Einige freiwillige Helfer und Besucher waren gekommen um mit anzupacken und bei dem historischen Ereignis mit dabei zu sein. Jörgen Stenberg, Vorsitzender der Sameförening in Malå erläuterte die Geschichte und die Bedeutung des Platzes. Eine Nachkommin der letzten bekannten Familie, die in Koppsele regelmässig gewohnt hatte, durfte feierlich als Erste den Neubau erklimmen. Ein Repräsentant der Kommune betonte die Wichtigkeit des Projektes und der noch sehr junge Baumeister durfte Glückwünsche für sein erstes Meisterwerk entgegen nehmen.

Wir waren mit dabei und haben den Tag für unsere Leserinnen und Leser in Film und Bild dokumentiert.

-> Hier geht’s zur Galerie „Sameviste Koppsele“

-> Und hier der Film aus Koppsele


 

Urlauber und Schwedenreisende aufgepasst: Einige alte schwedische Banknoten werden zum 31.12. ungültig und aus dem Verkehr gezogen

Wer öfter in Schweden Urlaub macht oder unterwegs ist, hat vielleicht ein kleines Depot schwedischer Kronen in der Schreibtischschublade. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, die gesammelten und/oder archivierten Banknoten einmal durchzusehen.  

Zum 31. Dezember 2013 verlieren die alten 50- und 1000-Kronen Scheine ihre Gültigkeit. Erkennbar sind die alten Versionen der am fehlenden vertikalen Folienstreifen. 

Nach Angaben der schwedischen Reichsbank sind noch insgesamt etwa 12 Millionen alte 1000-Kronen Banknoten und etwa 4 Millionen 50-Kronen Banknoten im Umlauf.

Wichtig: Bis zum Jahreswechsel können die alten Scheine noch für Einkäufe verwendet, oder bei Banken eingelöst werden. Danach werden sie zu Altpapier!

Die Umtauschaktion ist Teil einer grösseren Umstellung: Bis Ende 2015 sollen alle in Umlauf befindlichen bisherigen schwedischen Banknoten und Münzen durch neue Versionen ersetzt werden. Informationen zur Einführung der neuen Scheine und Münzen gibt es hier bei der Schwedischen Reichsbank.

Alter schwedischer 1000-Kronen Schein: Ab 31.12.2013 ungültig
Alter schwedischer 1000-Kronen Schein: Ab 31.12.2013 ungültig

Alter schwedischer 50-Kronen Schein: Ab 31.12.2013 ungültig
Alter schwedischer 50-Kronen Schein: Ab 31.12.2013 ungültig

Brittsommar & Dreamland

Ein interessantes schwedisches Klimaphänomen hört auf den Namen „Brittsommar“ (auch Brittmässesommar, fattig mans sommar - „Arme Leute Sommer“ - oder grävlingssommar - „Dachssommer“ genannt). Das arktisch geprägte Klima feiert dabei eine kurze Hommage an den vergangenen Sommer, scheinbar ein „letztes Aufbäumen“ vor dem ersten richtigen Schneefall (der in unserer Region typischerweise  um den 17./18. Oktober herum ist).

Die Bezeichnung steht für eine typische kurze „Wärmeperiode“ (wobei Wärme in absoluten Temperaturen in diesem Zusammenhang sehr relativ ist), die in Lappland um den 7. Oktober herum liegt. Der Name kommt vom schwedischen Namenstag der Birgitta und Britta am 7. Oktober.

Das temporäre Klima ist auch statistisch abgesichert:
Im Zeitraum von 1961 bis 2007 war in 8,4% der Fälle eine wärmere Periode zwischen dem 4. und dem 10. Oktober zu verzeichnen, bei der die Tageshöchsttemperatur die durchschnittliche Temperatur im Monat Oktober deutlich überstieg (Quelle: Angaben des schwedischen meteorologischen Institutes, SMHI).  

Am besten lässt sich der Brittsommar als die norrländische, verkürzte Variante des „Indian Summer“ verdeutlichen.

Brittsommar & Dreamland
Ich reibe mir die Augen. Traum oder Wirklichkeit? Was für ein Traum? Albtraum oder Tagtraum?
Noch leicht verschwommen – wie vom Winde verwischt – zeichnet sich ein Bild ab. Dreamland.


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Well balanced

„Indian summer“ trifft es vielleicht nicht ganz exakt, aber der Herbst in Lappland ist im Moment – dankenswerterweise – teilweise (zu) warm und (zu) sonnig.

Die vergangenen Tage am Polarkreis, in Övertorneå und Haparanda waren geradezu „heiss“: satte 12 Grad in der Sonne. Allerdings muss ich der Ehrlichkeit halber auch sagen, dass es nachts dann minus 5 waren. 

„Jedenfalls keine Mücken mehr“, wie die Schweden das Wetter zu kommentieren pflegen.

„Well balanced“ oder
„Well balanced“ oder „Indian summer“? - Der diesjährige Herbst am Polarkreis


Die Holzernte ist nach wie vor in vollem Gange und ermöglicht manche neuen Zugänge. Mit einem treuen vierpfotigen Freund konnte ich heute einen neuen See erschliessen, dessen Zugang bislang nicht ganz einfach war. Die grossen Waldmaschinen haben nun aber eine Schneise in den „Urwald“ gezogen, was wir dankbar angenommen haben. Der Ausblick: Balsam für die Seele - „Well balanced“ eben.
 

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Polarkreisdorf Juoksengi

Eingefleischten Norrlandkennern und -urlaubern ist das Tornedalen ein Begriff. Der 410 Km lange Torne Älv bildet den Grenzfluss zwischen Schweden und Finnland und mündet bei Haparanda und Tornio in den Bottnischen Meerbusen. Aus dem Eis des im Winter zugefrorenen Torne Älv wird in der Wintersaison übrigens auch das Eishotel in Jukkasjärvi errichtet.

Heute soll es aber um etwas anderes gehen. Durch das Tornedalen schlängelt sich der Reichsweg 99. An diesem liegt ca. 20 Km nordöstlich von Övertorneå das kleine Juoksengi. Durch den beschaulichen Ort (ungef. 350 Einwohner) verläuft der (nördliche oder arktische) Polarkreis. Und dieser hat dem Dorf den Titel „Polarkreisdorf“ beschert.

Polarkreisdorf Juoksengi
„Polarkreisdorf Juoksengi“




Hier verläuft er: Der arktische Polarkreis


Die Einwohner haben bereits vor Jahren einen Verein gegründet und einen touristischen Point of interest mit einem „Polarkreishaus“ errichtet. Zahlreiche Informationstafeln erklären, was es mit dem Polarkreis auf sich hat, und im zugehörigen Polarkreishaus ist während der Sommersaison für Bewirtung gesorgt. Dort gibt es für die durchreisenden Besucher auch ein Polarkreiszertifikat.

Das Polarkreishaus - Verwaist ausserhalb der Sommersaison
Das Polarkreishaus - Verwaist ausserhalb der Sommersaison


Ausserhalb der Saison ist die Besucherstation verwaist. Es wird aber kräftig umgebaut und erneuert. Derzeit durchläuft die Informationsstation eine regelrechte Runderneuerung: Die Informationstafeln werden ausgebessert, ein neuer überdimensionaler Globus wird aufgestellt und das gesamte Gelände wird landschaftsbaulich umgestaltet.

Die Besucherstation: Geprägt von einer Runderneuerung
Die Besucherstation: Geprägt von einer Runderneuerung


Vor den Informationstafeln markiert ein Holzpfahl die Stelle, an welcher der Polarkreis verläuft.

Wo der Holzpfahl steht, da soll er sein: Der Polarkreis
Wo der Holzpfahl steht, da soll er sein: Der Polarkreis


Für die Haarspalter unter uns: Ein Blick auf das genaue GPS verrät, was Geodäten schon lange bekannt ist: Durch die langsame Änderung der Neigung der Erdachse, verlagern sich auch die Polarkreise. Pro Jahr nähern sie sich den Polen um etwa 14,4 Meter. Theoretisch befindet sich der Polarkreis derzeit bei 66° 33’ 44’’ nördlicher Breite. Die markierte Stelle befindet sich bei 66° 33’ 634’’. Aber das sind nur einige Meter Abweichung und wir wollen da mal nicht „päpstlicher als der Papst sein“.

Knapp daneben: Das GPS beweist es - Der Polarkreis wandert
Knapp daneben: Das GPS beweist es - Der Polarkreis wandert


 

Tristesse III - Einfach kein Verlass mehr...

Tristesse III - Einfach kein Verlass mehr...


Behind the scenes: Einfach. Kein. Verlass. Mehr. Auf den Wetterbericht. Nicht mal mehr auf den, von den - ansonsten sehr treffsicheren - Norwegern.
 
Vielleicht auch nur zu viel Dynamik und Komplexität ("Dynaxity"). Es ändert sich einfach alles viel zu schnell...
 
Jedenfalls gar nicht schön, wenn statt des angekündigten Sonnenscheins mit 12 Grad stattdessen gerade mal zwei Grad, Nebel und "Spöregn" ("Platschregen") den Morgen beherrschen (an dem eigentlich ein sonniger und herbstlich-bunter Outdoor Fototermin geplant war).
 
Dann wohl nur "Take it or leave it". I'll take it!

„Stugsista“ – Das Ende des Sommers in Lappland

Eine relativ neue Tradition in Schweden ist das sog. „Stugsista“. Das Wort ist zusammen gesetzt aus dem Wort „Stuga“ und „Sista“.

Das Wort Stuga (oft auch als Sommerstuga oder Fritidshus bezeichnet) steht für das bekannte Ferienhaus (Sommerhaus) der Schweden. Schweden lieben es, den Sommer über jede freie Minute in ihren Ferienhäusern zu verbringen. Nach Zahlen des Schwedischen Statistischen Zentralbüros (SCB) gab es im Jahr 2007 insgesamt 680.000 Sommarstugas. Die Statistik zeigt auch, dass 55% der schwedischen Bevölkerung eine Sommarstuga nutzen können und 20% der Bevölkerung selbst eine Sommarstuga ihr eigen nennen.

Faszinierend ist übrigens auch der Trend zur Einfachheit in den Sommerhäusern. Viele haben kein fliessendes Wasser und keinen Stromanschluss, sind dafür aber in äusserst malerischer Umgebung belegen. Die bevorzugten Lagen sind entweder an entlegenen Seen oder im Fjäll (so heissen die schwedischen Bergregionen).

Die Einstellung vieler Schweden zeigt sich auch im Preisniveau: Ein „normales“ wohntaugliches Haus auf dem Lande ist, i.d.R. voll eingerichtet, in unseren Regionen für wenig Geld (Grössenordnung umgerechnet 15.000-20.000 Euro) zu haben. In diesem Zusammenhang möchte ich dann  auch gleich nochmals an unsere Tipps zum Immobilienkauf in Nordschweden erinnern. Eine Fjällstuga kann demgegenüber gut und gerne das zehn- bis zwanzigfache kosten (Ausnahmen noch oben bestätigen nur die Regel). Und das ohne Wasser- und Stromanschluss!

Interessant ist auch der Umstand, dass die „normale“ (Winter-)Wohnung oft nur eine Mietwohnung in der Stadt ist (natürlich mit allen Segnungen der modernen Elektronik). Der Kontrast zwischen dem „Stugaliv“ (dem Leben in der Sommarstuga) und dem Alltag im Rest des Jahres ist beachtlich.

So sehr das einfache und naturverbundene Leben in den Stugas geliebt wird, irgendwann ist die Sommersaison vorüber. Und hier kommt das „Stugsista“ ins Spiel. Das „Sista“ steht nämlich für „Letzte“. Das Stugsista bezeichnet demnach das Ende des Sommers in der Stuga.

Die Tradition kam Anfang der 90er Jahre aus Finnland nach Schweden. In Nordschweden wird das Stugsista am letzten Augustwochenende begangen. Den finnischen Wurzeln der Tradition nach werden dann alle übrigen Vorräte verspeist, der Müll der Saison verbrannt und danach geht es schweren Herzens zurück in die normale (Winter-)Wohnung.

In grösseren Ferienhausgebieten wird das Stugsista auch als „Ljuskväll“, d.h. Lichterabend, gefeiert. Vor allen Stugas werden sog. „Marschaller“ (überdimensionale Teelichter) angezündet, was eine wehmütige „Sommersaisonabschlusstimmung“ ergibt. Das Stugsista auch als Lichterabend zu feiern, ist allerdings eher in Mittel- und Südschweden verbreitet.

So ist also der Zeiger an der Jahreszeitenuhr weiter gerückt. Das Wetter hat sich ja schon seit gut zwei Wochen wieder herbstlich gezeigt. Gestern hatten wir z. B. null Grad gegen Mitternacht und bis zum ersten Schneefall wird es nicht mehr allzu lange dauern.

Ein
Ein „Marschall“ wie er für die stimmungsvolle Beleuchtung verwendet wird.

Infinity II

Infinity II
„Infinity II“ - Der Blick ins Wasser klärt die Gedanken


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Dann eben mit Popcorn – Regisseur Lars Persson - Reportagerückblick auf den Sommer, Teil 2

Teil zwei vom Sagabiografens Filmfestival in Adak (Teil 1 gab es hier).

Hintergrund: Heute geht es um die beiden Ehrengäste, die das diesjährige Filmfestival eingeweiht haben. Da war zunächst der junge Regisseur Lars Persson (23) aus der Filmmetropole Luleå. Er wird unter Kennern der skandinavischen Filmszene als echter Geheimtipp gehandelt. Der Tipp ist so heiss, dass Lars derzeit noch nicht einmal in der schwedischen Wikipedia zu finden ist. Durch seinen Kurzfilm „Renoveringen“ (Die Renovierung) hat er die Basis seiner Karriere gelegt.

Im Film spielt übrigens auch die bekannte schwedische Serienschauspielerin Anki Larsson mit, die der zweite Einweihungsgast des Filmfestivals war.

Die Reportage: Die Redaktion hat uns selbstverständlich mitgegeben, Portraits von den Ehrengästen zu liefern. Authentisch sollten sie sein. Natürlich hätten wir auch ohne speziellen Auftrag Portraits für unser eigenes Bildarchiv gemacht. Soweit so gut.

Anki Larsson ist ein routinierter Profi und erwies sich als wahrer Publikumsmagnet. Sie ist erfahren und sehr geschmeidig im Umgang mit Medien und Presse. Alles völlig problemlos.

Lars Persson allerding ist ein „junger Wilder“. In einem langen, olivgrünen, legeren Regenmantel und mit einem Wollkäppi schlenderte er völlig entspannt durch die Menge. Etwas schlaksig wirkend, und niemals ernst ist er gerade dabei, sich ein eigenes Image aufzubauen.
 
Ihn an einen ruhigen Platz für ein Portrait mit „schönem“ Hintergrund zu bugsieren: unmöglich. Schliesslich konnten wir ihn am kalten Büffet unter einem grossen Partyzelt abpassen, während er am laufenden Meter eine Schüssel Popcorn leerte. Er genoss es sichtlich, seine „unernste“ Rolle auszuspielen. Und so fasste ich den Entschluss „Dann eben mit Popcorn“. Portraits von essenden Menschen sind immer eine sehr heikle Sache. Aber das gezeigte Bild ist „im Rahmen“ und überzeugte auch die Redaktion. Ich freue mich darauf, Lars einmal in einigen Jahren wieder vor der Linse zu haben. Dann vielleicht sogar ohne Popcorn ;)

 Regisseur Lars Persson Luleå
„Junger Wilder“: Der Nachwuchsregisseur Lars Persson

Fundstück: Bibendum lebt

Fundstück des Tages: In die Jahre ist er schon gekommen und seltener ist er auch geworden. Aber vom Aussterben ist er noch weit entfernt und immer noch quietschfidel: Der (oder das?) gute alte Bibendum.
 

Fundstück: Bibendum lebt


Zeitreise im Kino - Reportagerückblick auf den Sommer, Teil 1

Der Hintergrund: Eine Attraktion mit spannender Geschichte steht irgendwo in einem kleinen Wald in der Nähe von Adak. Ein beschaulicher und ruhiger Ort in Nordschweden mit noch 180 Einwohnern, zwischen Malå und Slagnäs belegen.

Im Jahre 1921 wurde bei Wegarbeiten in der Umgebung des Ortes ein merkwürdig glänzender Stein gefunden. Die Analysen ergaben einen hohen Gehalt an Kupfer und Zink. Bereits einige Jahre später wurde mit dem Tagebau begonnen, und 1942 nahmen insgesamt vier Gruben den Betrieb auf.

Ein eigener Ort mit Schule, Bibliothek, Geschäften und sogar einer eigenen Feuerwehr entstand rund um das Abbaugebiet im Wald. Er hiess „Adakgruvan“. Menschenmassen wurden von den Arbeitsplätzen angezogen und der Ort erlebte seine Blüte.

Ein schlauer Kopf auf der Durchreise entdeckte, was dem Ort noch fehlte: Ein Kino. Und so wurde 1943 zwischen dem heutigen Adak und dem damaligen Adakgruvan ein Kino erbaut. Es wurde auch für Hochzeiten und Feiern genutzt. 1965 schlug dann der Zahn der Zeit zu: Das Fernsehen hatte seine Verbreitung gefunden. Damit ging es für die Kinos immer schlechter. Und so schloss der Kinobesitzer sprichwörtlich die Tür hinter sich zu. Das Gebäude mit aller seiner Einrichtung verfiel in einen Dornröschenschlaf. Auch der um die Grube entstandene Ort verschwand nach einem tragischen Grossbrand im Jahre 1978. Der Abbau wurde eingestellt. Heute sind dort nur noch Wald und Wiesen zu sehen. Nur noch wenige Spuren deuten heute auf die Geschichte hin.

Das verlassene Kino im Wald jedoch erwachte wieder zu neuem Leben, als es Anfang der 90er Jahre wieder entdeckt wurde. Ein Förderverein wurde gebildet, der sich der Renovierung verschrieb und 1993 wurde das Kino im Originalzustand unter dem Namen „Sagabiografen“ wieder eröffnet.  Seitdem findet dort jährlich ein sommerliches Filmfestival statt, das unter Kennern sehr beliebt ist. Ein echter Geheimtipp.

Die Reportage: Für eine schwedische Tageszeitung war die Berichterstattung vom 31. Sagabiografen Filmfestival angesagt. Vieles wurde über das Festival schon geschrieben, viele Bilder schon gemacht. Hausaufgaben machen war also angesagt, um eine gute Story zu finden.

Einer mein Aufhänger für die Reportage war die im Winter erfolgte Installation moderner Digitaltechnik mit allen ihren Folgen. Im kleinen Vorführraum des Kinosaales – ungefähr so dunkel wie ein Kohlenkeller bei Nacht und nur durch mutiges Klettern über eine Aussentreppe aus Holz erreichbar – steht seit einem halben Jahr neben dem Originalprojektor aus dem Jahre 1934 eine digitale Vorführanlage.

Eine bizarre Zeitreise auf kleinstem Raum. Moderne Filme sind praktisch nur noch in digitalem Format vom Filmverleih zu beziehen. Deswegen war die technische Aufrüstung nur eine Frage der Zeit. Alte Filmrollen sind aber dennoch hin und wieder im Einsatz. Die Unterschiede sind beachtlich: Moderne Filme im Digitalformat haben ca. 200 GB und kommen auf portablen Festplatten daher. Im Gegensatz dazu bestehen klassische Kinofilme aus bis zu 8 grossen Filmrollen. Dass Filme bei der Vorführung reissen, kommt häufig vor.

Dann dürfen die Zuschauer eine ausserordentliche Pause geniessen, während der Vorführer im Technikraum den Film leimen darf. Keine leichte Aufgabe. Auch das nahtlose Wechseln zwischen den Rollen ist eine Kunst für sich. Es gibt in ganz Schweden nur noch eine Handvoll Spezialisten, die sich darauf verstehen. Gleich mehrere davon gibt es in Adak.

David Abramsson und die digitale Technik bei Sagabiografen in Adak
Der Aufmacher zur Story: David Abramsson und die technische Zeitreise


David Abramsson (20) ist einer der Vorführspezialisten, der in Adak im Ehrenamt das Festival mit ermöglicht. Er wirkt etwas menschenscheu und verlegen. Aber zwischen antikem Projektor und moderner Digitaltechnik blüht er sichtlich auf, und erzählt von den Höhen und Tiefen des Daseins in der „Dunkelkammer“ hinter dem Kino. Er ist angespannt vor der Premiere für die neue Technik. Filmvorführer sind spezielle Menschen.

Und dann gab es da noch die besonderen Einweihungsgäste. Aber das ist der Stoff für den nächsten Blogartikel.

"Infinity" und ein Rückblick auf den Sommer in Lappland

Rückblick? Auf den Sommer? Ja. Wie im letzten Blogeintrag schon kurz erwähnt, hat der Herbst am Polarkreis Einzug gehalten. Blätterbüschel in schillernden Farben schmücken die Bäume und wirbeln durch die Luft. Der Wind hat sich vor einigen Tagen schlagartig verändert, ist jetzt durchdringend und kalt. Die Fleecejacke kommt wieder zum Einsatz. Diese abrupten Jahreszeitenwechsel sind ein Merkmal des polaren Klimas.  

Also Blick zurück auf den Sommer. Der Sommer ist regelmässig umtriebig und quirlig. Zum Sommeranfang erwachen binnen Tagen nicht nur die Pflanzen- und Tierwelt, sondern auch die Menschen um uns herum zu neuem Leben. Der „Sommermodus“ wird eingeschaltet. Denn Menschen, Tiere und Pflanzen wissen – bewusst oder unbewusst -, dass die Sommersaison nur kurz ist im Vergleich zum langen, kalten und dunklen polaren Winter.

Und so war auch unser Sommer mit verschiedenen Grossprojekten angefüllt. Auf der fotografischen Seite waren wir diesen Sommer fast ausschliesslich für die Presse unterwegs. Ungewöhnlich, aber bereichernd. Der Terminkalender war gut gefüllt, und Reportageeinsätze machen einfach unglaublich viel Spass. Sie haben nur eine systembedingte Nebenwirkung: den allgegenwärtigen Termindruck.

Ich nenne das scherzhaft den fotografischen „JPEG-Modus“. Für Kunden im Tourismusbereich wird mit weniger Zeitdruck gearbeitet. Das heisst dann Aufnahmen in RAW mit teilweise recht umfangreicher Nachbearbeitung. Ganz anders bei Aufträgen von Zeitungen. Die Deadline für die Einlieferung der Bilder liegt bei zwei bis drei Stunden. Lebenslanges Lernen und kontinuierliche Verbesserungen sind angesagt, und die vielen Reportageeinsätze haben unseren Workflow an einigen Punkten in Frage gestellt um dann zu Verbesserungen zu führen. Dazu demnächst ein eigener Blogartikel.

In den nächsten Tagen werde ich in einer kleinen Serie einige der Reportagebilder zeigen, die uns selbst am besten gefallen haben. Dazu gibt es jeweils Hintergrundinfos zum Event, bzw. der Veranstaltung.

Die in vieler Munde befindliche „Work-Life-Balance“ ist gerade in der stressigeren Sommersaison wichtig. Deswegen planen wir uns immer auch feste Zeiten für persönliche Projekte ein. Aus einem dieser Projekte stammt auch das Bild unter dem Titel „Infinity“.

Wer sich in der Stimmung wieder findet: Das Bild gibt es übrigens auch als Print. Bei Interesse bitte Mail.


Infinity - Die Seele baumeln lassen
Die Seele baumeln lassen - Infinity am Polarkreis


Dinosaurier am Wegesrand? - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Für Überraschungen ist der Alltag hier immer wieder gut: Aus dem Augenwinkel beschlich mich das Gefühl, beim Vorbeifahren beobachtet worden zu sein. Rückwärtsgang. Tatsächlich. Gruselig, gespenstisch starrte ein Schädel auf die Strasse. Ein Dinosaurier? Nicht wirklich. Das Skelett eins verendeten Rentieres, das anderen Teilen der Tierwelt als Nahrung gedient hatte, lehnte so an einem Baum, dass diese skurrile Szene zustande kam.

Das ist übrigens der letzte Beitrag zur Serie „Arktischer Sommer in Lappland 2013“, denn der Herbst hat nun begonnen. Das Wetter hat sich in den letzten Tagen verändert, und heute ist der erste richtige Herbsttag. Nicht mehr lange bis zum ersten Schneefall...

Dinosaurier am Wegesrand? - Arktischer Sommer in Lappland 2013
Dinosaurier am Wegesrand?

Nicht nur Michael Kenna hat seinen Lieblingsbaum

Viele werden den Film "Hokkaido" über Michael Kennas Leidenschaft für einen bestimmten Baum in Japan gesehen haben.
 
Ich musste spontan an diesen Film denken, als ich vergangene Woche wieder einmal meinen eigenen, ganz persönlichen Lieblingsbaum in Lappland besucht habe.
 
Entdeckt hatte ich ihn vor etwa 6 Jahren, als ich auf der Suche nach ganz anderen Motiven war. Völlig spontan habe ich mich in ihn verliebt, wie er da so bezaubernd ausgerichtet im Wasser lag. Die Stelle ist abgelegen und schwer zugänglich. Lange Teile des Jahres ist er fast ganz vom Wasser bedeckt und damit unsichtbar. Im Winter ist er praktisch gänzlich unerreichbar (und liegt ohnehin unter ein bis zwei Meter Schnee).
 
Seit unserer ersten Begegnung habe ich ihn bestimmt schon ein dutzend mal besucht, und jedesmal habe ich eine neue interessante Perspektive gefunden. Die "Schokoladenperspektive" ist die hier gezeigte. Beim letzten Versuch habe ich mit verschiedenen Langzeitbelichtungen experimentiert. Nicht ganz einfach, denn um zu dem guten Stück zu gelangen durfte ich erst einmal einige Meter durchs Wasser waten, um mich dann am Wurzelwerk hochzuhangeln. Trotzdem ist es mit jedesmal den Besuch wert.


Mein Lieblingsbaum in Lappland

Tod am Strand - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Einer jener richtigen Hochsommertage in Lappland. Die Luft steht. Schon gegen 9 Uhr zeigt das Thermometer im verglasten Vorbau satte 45 Grad. Und im Freien sind es knappe 30.

Was tun? Ein Ausflug an den Strand! Kürzlich hatte ich einen sehr abgelegenen Uferstreifen entdeckt, dem ich nochmals einen Besuch abstatten wollte. Der Weg dorthin führt zwei Stunden durch den etwas kühleren Wald. Wunderbar.

Angekommen reibe ich mir verwundert die Augen. Dieser unberührte Strand ist anscheinend bei Rentieren sehr beliebt. Mehrere Totenschädel und Skelette liegen in der malerischen Landschaft. Ich lasse das Rätsel auf sich beruhen und wandere weiter. Lappland ist immer wieder für eine Überraschung gut.

Tod am Strand - Arktischer Sommer in Lappland 2013
„Tod am Strand“, ein Rentier-Friedhof in malerischer Landschaft

Tausche Olympus Pen-Mini (E-PM1) gegen Fuji X10 (oder X20)

Vergangenes Jahr im September hatte ich mir eine Olympus Pen-Mini (E-PM1) zugelegt. Das Pen-System mit Micro-4/3 liefert eine beeindruckende Bildqualität und ist zudem unglaublich handlich. Eines aber fehlt mir, um richtig warm zu werden: ein optischer Sucher. Schade, aber so ist es.

Deswegen lege ich die Kamera hiermit in den Ring:

Olympus E-PM1 (Pen-Mini), 14-42mm Objektiv, OVP, fast nie genutzt

im Tausch gegen

Fuji X10 oder X20.

Der Tag, an dem das Festnetz verschwand - Arktischer Sommer in Lappland 2013

"Ist Anja zuhause?" - "Kann ich bitte Markus sprechen?". Ja, so war es in der guten alten Zeit. Jeder Haushalt hatte sein Telefon, das von der ganzen Familie genutzt und untereinander geteilt wurde. Wer erinnert sich nicht noch an die Telefonbelagerung durch haushaltsangehörige Teenager. Und das Familientelefon stand immer an einem zentralen Platz. Heimliche Telefonate waren fast unmöglich.
 
Doch damit ist jetzt Schluss. In weiten Teilen von Väster- und Norrbotten jedenfalls. Dort werden gerade die oberirdischen Telefonleitungen des guten alten Festnetzes abgebaut. Auf lange Sicht soll in den nächsten Jahren ganz Schweden von der Abrüstung betroffen sein. Insgesamt eine Million Telefonleitungsmasten sollen in den nächsten acht Jahren in ganz Schweden werden abgebaut.
 
Der Hintergrund liegt in einer deutlichen Veränderung. Nach der Statistik des schwedischen Post- und Telestyrelsens haben heutzutage 97% aller Schweden ein Mobiltelefon. Nur noch 76% der Haushalte haben einen Festnetzanschluss (Tendenz stark sinkend). In Haushalten, in denen nur Personen unter 25 Jahren leben, sind es sogar nur noch 65 Prozent. Ausserdem haben Umfragen ergeben, dass 31 Prozent der Befragten sich ein Leben ohne festen Telefonanschluss vorstellen.
 
So werden in naher Zukunft in einem ersten Schritt 50.000 Haushalte in 200 Kommunen ihr Festnetz verlieren. Heute zog sich der Abrisstrupp auch durch unser kleines Dorf. Gemischte Gefühle bei den Zuschauern. Schliesslich funktionieren Mobiltelefone nur, wenn das Stromnetz funktioniert. Das alte Festnetz hat auch bei Stromausfällen - die im Winter hier durchaus häufiger vorkommen - noch funktioniert. Viele Menschen sorgen sich, dass Notrufe in Zukunft nicht mehr möglich sind. Nutzer des SOS-Alarmsystemes - meist ältere oder behinderte Menschen - stehen vor noch grösseren Fragezeichen.

 
Noch gen Himmel zeigend, liegt es nun am Boden:
Das Festnetz im Inland von Västerbotten


2013 ist ein Rekord-Beerenjahr in Lappland, und: Wenn sogar der Hund auf die Hjortron kommt

Die über Midsommar in Nordschweden (insbesondere in Lappland) gereiften Beeren geniessen weltweit einen hervorragenden Ruf und sind beliebt bei Feinschmeckern wie Sterneköchen. Viele Urlauber kommen eigens gezielt zur Beerensaison zu uns, um dann mit reichen Schätzen wieder nach Hause zu fahren.

Und sogar Gastarbeiter aus fernen Ländern werden eigens für die Ernte der begehrten Beeren eingeflogen: Dieses Jahr haben 6.061 Thailänder eine zeitlich befristete Arbeitserlaubnis für die Dauer der Beerensaison erhalten (im Vorjahr waren es 5.807).
 
Am begehrtesten ist die Hjortron (Moltebeere, Engl: Cloudberry), die den würdevollen Titel "Gold of Lapland" trägt. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Dieser liegt in der Saison bei um die 10 Euro pro Kilo Rohware. Aber auch viele andere Beerensorten halten, was sie versprechen.
 
Wie sieht es aus mit den Beeren dieses Jahr? Geradezu unglaublich. Eine Rekordernte wird erwartet und bereits jetzt - sehr zeitig im Jahresvergleich - schwärmen Einheimische und Besucher in die Wälder aus, um abends schwerbeladen wieder nach Hause zu kommen. Wer auf Beeren aus Lappland aus ist, sollte sich also am besten sofort ins Flugzeug oder Auto setzen. Nicht zuletzt deswegen, weil die Hjortron-Saison sehr kurz ist; sie dauert nur drei bis vier Wochen.
 
Erstaunliche Feststellung: Die Beeren sind dieses Jahr so gut, dass sogar unsere Hunde gerne Moltebeeren zupfen und verspeisen.

2013 ist ein Rekord-Beerenjahr in Lappland, und: Wenn sogar der Hund auf die Hjortron kommt
Hjortron - Das „Gold of Lapland“ - wird sogar von Hunden geliebt!

Portfolio Relaunch

In eigener Sache: Sommerputz und Grossaufräumen auf der Haupt-Homepage.

„Relaunch“, wie das so schön heisst (und das sogar ganz ohne Beta-Phase):

Meine Fotografen Portfolio-Site erscheint wieder in neuem Glanz.






PS: Herzlichen Dank an die Nerven und für die Mithilfe der besten Ehefrau der Welt!

Der 15. Lapland Ultra Marathon - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Ultra-Marathon ist eine spezielle Sache. Geht es doch um Distanzen, die länger als die "normalen" 42,195 Km sind. Der Veranstaltungen gibt es nicht so viele. Eine sticht heraus, und die ist - natürlich - in Lappland: Der Lapland Ultra Marathon in Adak.
 
Die Laufstrecke beträgt exakt 100 Km, mitten durch weitläufiges Gebiet unter der Mitternachtssonne. Dieses Jahr war es in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni wieder einmal soweit. Der Startschuss fällt traditionell um 22 Uhr. Ein kleines, aber sehr erlesenes Starterfeld mit Läufern aus Schweden, Norwegen, Deutschland, Japan und den USA war am Start. Ich hatte das Event für die Presse fotografiert und kann jetzt einige Bilder auch hier zeigen.

Die Organisation hinter einem solchen Lauf ist beeindruckend komplex und es ist erstaunlich, dass sich jedes Jahr so viele ehrenamtliche Helfer bereitwillig engagieren.
 
Dieses Jahr war zudem ein Jubiläum angesagt: der 15. Lapland Ultra Marathon!
Die Läufer haben einiges zu berichten. Manch einer hat sogar schon einen Bären vor sich über die Strasse springen sehen. Und von beharrlichen Mückenschwärmen wurden sie alle geplagt. Dennoch fasziniert die Freude der über die Ziellinie Laufenden immer wieder.
 
Sieger in der Königsklasse wurde dieses Jahr übrigens der Schwede Johan Steene. Mit am Start war auch der bekannte Henry Wehder (Deutschland), der wegen Fussproblemen allerdings nur als Dritter ins Ziel kam.

-> Zur Bildstrecke: Der 15. Lapland-Ultra-Marathon

Der 15. Lapland Ultra Marathon
Johan Steene - Sieger beim 15. Lapland Ultra Marathon in der 100 Km-Klasse

Stippvisite in Luleå III - E.T. und die Technik - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Stippvisite in Luleå III - E.T. und die Technik - Arktischer Sommer in Lappland 2013


Behind the scenes: E.T. habe ich bei der kürzlichen Stippvisite in Luleå auch getroffen. Und das ist eigentlich auch nur logisch. Luleå ist schliesslich eine High-Tech-Hochburg.

Die Luleå Tekniska Universitet (Technische Universität Luleå, Infos auf Deutsch hier) ist in etlichen Bereichen weltweit führend. Und in Kooperation mit dem Esrange Weltraumbahnhof in der Nähe von Kiruna kann man in Luleå sogar Raumfahrttechnik studieren. Nebenbei ist die LTU auch die nördlichste Technische Universität in den skandinavischen Ländern.
 
Neben der LTU ist das Cluster an Produktionsfirmen aus dem Bereich Video-, Film- und Fernsehproduktionen ein wichtiges technisches Standbein.
 
Ach ja, und dass Facebook kürzlich sein grosses Europa-Rechenzentrum in Luleå aufgebaut hat, dürfte sich mittlerweile auch herum gesprochen haben. Grund dafür war übrigens das Klima. Die Kälte hilft Kühlkosten sparen und das scheint sich ganz gut zu rechnen.

Malå in Lappland - einst ein Mekka für Naturliebhaber und Ornithologen - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Malå ist eine kleine, beschauliche Kommune in Västerbotten. Bei 3.203 Einwohnern auf 1.599 Quadratkilometern ist das auch kein Wunder. Ja und Malå hat auch beachtliche Vogelbestände  und ist ein Mekka für Ornithologen. Oh. Entschuldigung. War ein Mekka für Ornithologen. Oder noch genauer: Ist ein Mekka für Ornithologen gewesen.

Warum das? Vor drei Jahren kamen vermeintlich schlaue Köpfe auf die Idee, in Malå in grossem Umfang Windkraftwerke anzusiedeln. Völlig umweltfreundlich. Natürlich. Schneisen wurden in unberührte Wälder geschlagen. Felsen wurden gesprengt. Neue Hochspannungsleitungen gezogen. Und vieles mehr. Nun stehen jede Menge Windkraftwerke in dem, was einst unberührte Natur war. So hat es Malå auch auf die Top-20 Liste der Windkraftkommunen in Schweden geschafft.

Der lokalen Bevölkerung wurden die Wohltaten der Windkraft angepriesen. Die Nachteile wurden geflissentlich verschwiegen. Womit wir beim Thema wären. Dass Windkraftwerke systematisch Vögel schreddern ist nicht neu. In Malå war es anscheinend völlig unbekannt. Und das in einer Kommune, über deren ornithologische Artenvielfalt sogar ein eigenes Buch verfasst wurde: „Fåglar i Malå“ von Leif Bildström, Ingemar Olofsson, 2005, 273 Seiten, ISBN 91-631-7125-2.

Am vergangenen Wochenende haben Frau Lapplandblog und ich zu Studienzwecken einen Spaziergang in einem der Windparks unternommen. Und das Fundstück des Tages war alles andere als erfreulich (s.u.). Wer das Thema Windkraft in Lappland eingehend studieren möchte, dem sei die – mitunter schockierende - Serie von Frau Lapplandblog  ans Herz gelegt. Dort gibt es hier auch die weiteren Details zum traurigen Fund.
 
Nach Auskunft von Experten ist das übrigens erst der Anfang. Wenn die Zugsaison im Herbst beginnt, wird mich massenhaft getöteten Vögeln gerechnet…

Naturtouristen und insbesondere Ornithologen können jetzt also Malå getrost von der Liste streichen.

Von Windkraft geschredderter Vogel in Malå Lappland

Kitsch oder Klischee? Egal! Was fürs Herz! - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Kitsch oder Klischee? Egal! Was fürs Herz! - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Kitsch oder Klischee? Oder beides? Oder einfach nur was fürs Herz? Jedenfalls ein bezaubernder, völlig abgelegener und unberührter Strand irgendwo in Lappland...


Ein Klischee ist eine überkommene Vorstellung oder ein eingefahrenes Denkschema, eine abgedroschene Redensart oder vorgeprägte Ausdrucksweise, ein überbeanspruchtes Bild (Stilmittel), das sich auf eine entweder regelhaft wiedererkennbare oder äquivalent dazu häufig zugeschriebene gemeinsame Eigenschaft einer Menge von Personen, Objekten etc. (konkret einer Menge von Individualbegriffen) bezieht und auf welche das Klischee demnach angewendet werden kann. Das Klischee existiert als etwas geistig bzw. sprachlich Schablonenhaftes. Es ist dabei charakteristisch, dass die Eigenschaft, welche das Klischee bedeutet, nicht eine der Eigenschaften ist, welche die gleichartigen Einzelelemente zu einer benennbaren Klasse werden lässt, sondern vielmehr eine zusätzliche, davon unabhängige Eigenschaft ist. Quelle: Wikipedia „Klischee“

 

 

Kitsch steht zumeist abwertend gemeinsprachlich für einen aus Sicht des Betrachters minderwertigen, sehnsuchtartigen Gefühlsausdruck. In Gegensatz gebracht zu einer künstlerischen Bemühung um das Wahre oder das Schöne, werten Kritiker einen zu einfachen Weg, Gefühle auszudrücken, als sentimental, trivial oder kitschig. Quelle: Wikipedia „Kitsch“


 

Green - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Green - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Alles im grünen Bereich?

Sonntägliche Weite - Arktischer Sommer in Lappland 2013



Sonntägliche Weite in Älvsbyn - Arktischer Sommer in Lappland 2013


Behind the scenes: Sonntägliche Weite. Wunder der Schöpfung. Solche Momente machen mich sprachlos. In der Nähe von Älvsbyn, Norrbotten, Lappland.

Stippvisite in Luleå II - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Stippvisite in Luleå II - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes:  Teil zwei der Stippvisite in Luleå.

Seehäfen haben etwas bezauberndes. Das Flair der grossen weiten Welt. Weltenreisende. Alles verbunden mit dem Charme von Schrott und Unrat. Dazu robuste Technik. Im Hafen von Luleå gibt es ein Monument, das für mich all das auf den Punkt bringt: Den alten Hafenkran, mit dem das Hafenbecken regelmässig ausgebaggert wird. Wie bei einer regelmässigen Kur zur Erneuerung.

Stippvisite in Luleå - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Stippvisite in Luleå - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Gestern war ich auf geschäftlicher Stippvisite in Luleå, Regionhauptstadt von Norrbotten, des nördlichsten Bundeslandes Schwedens. Hier ein Ausblick auf den Hafen. Im Hintergrund die berühmte Eisbrecherflotte, die derzeit gerade ihren Sommerschlaf hält.
 
Luleå ist übrigens eine traumhaft schöne Stadt, die idyllisch am Meer gelegen ist, und über die eine stetige Brise weht. Der salzige Wind des Meeres verzaubert die Stadt im Sommer mit einem südländischen Flair. Allen Norrland-Urlaubern sei ein Abstecher sehr ans Herz gelegt. 

Schweden ist, wenn sogar der Wald Nationalfarben trägt - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Schweden ist, wenn sogar der Wald Nationalfarben trägt - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Zugegeben, der Titel ist etwas reisserisch. Lässt er doch vermuten, der schwedische Wald sei latent nationalistisch eingestellt. Ist er nicht.

Die Bändchen in den Nationalfarben deuten vielmehr das baldige Ende dieses Waldes an. Mit solchen Platiskbändern werden die Aussenkanten eines Abrodungsgebietes gekennzeichnet. Die Farben stehen für die Gesellschaft, welche die Abholzung betreibt. Um welche Dimensionen es sich dabei handelt und wie es nach dem Abholzen weitergeht, ist in unserer Serie über die Wald- und Holzwirtschaft in Lappland nachzulesen.

Wunder der Natur - Wilde Orchideen in Lappland - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Wunder der Natur - Wilde Orchideen in Lappland

Behind the scenes: Entspannen und die Seele baumeln lassen. Nach einem ziemlich anstrengenden 12-Stunden Reportageeinsatz - die ganze Nacht hindurch und das für vier Fachredaktionen gleichzeitig mit jeweils eigenen Vorgaben für Thema und Aufmachung der Bilder - habe ich mir einen besonders langen Ausflug in die Natur gegönnt, um abzuschalten.

Es hat sich wieder einmal gelohnt, denn ein ganzes Feld wilder Orchideen wollte entdeckt werden. Die wilden Orchideen in Lappland sind einfach traumhaft. Ich könnte stundenlang dasitzen und sie einfach nur betrachten. Nun bin ich kein Pflanzenkundler. Aber ein solcher, der uns vergangenes Jahr besuchte, bezeichnete diese Art als Dactylorhiza fuchsii (engl. Common spotted orchid, deutsch: Fuchs' Knabenkraut).

Flower Power - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Flower Power - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Was wäre der Sommer in Lappland ohne „Flower Power“? Dadurch, dass es rund um die Uhr Sonnenschein gibt, ist es hier im Moment wie in einem gigantischen Treibhaus.

Für alle Neueinsteiger: Den Sommer über poste ich dieses Jahr Eindrücke vom Arktischen Sommer am Polarkreis in Lappland. Keine strikte Serie, sondern „Spotlights“, die den Alltag und das Leben beleuchten.

Vorgartenidylle - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Vorgartenidylle - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Nein, das ist kein deutscher Vorgarten. Auch wenn alles dafür spricht. Es ist tatsächlich ein schwedischer Vorgarten, irgendwo in Lappland. Klarer Befund: Schweden und Deutsche scheinen - zumindest teilweise - auf ein gemeinsames „Kulturerbe“ zurück zu blicken. Hat-Tip an Petra Fuelbert für das Entdecken des Motives!

Sunset - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Sunset - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Am Ufer. Es ist spät. Gegen 23 Uhr 30. Die Sonne geht unter in Lappland. Soweit sie eben sinkt am Polarkreis zu dieser Jahreszeit. Farbenspiel im Wasser. Meine Träume und Gedanken gehen auf die Reise...

After the rain - Arktischer Sommer in Lappland 2013

After the rain - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Die letzten Tropfen des kurzen, aber heftigen Schauers gleiten an mir herunter. Die Erde atmet. Nebelschwaden steigen aus dem getränkten Boden zu mir auf. Die Pflanzen wirken dankbar für die Erfrischung. Das Grün um mich herum scheint gleichsam zu explodieren. Die Schwalben ziehen wieder ihre Kreise über dem Fluss. Ich setze meine Wanderung fort. Noch nicht wissend, wohin mich der Weg heute führen wird.

Road Closed - Location Scouting - Arktischer Sommer in Lapland 2013

Road closed - arctic summer 2013

Behind the scenes: Manchmal ist das Location Scouting spannender als das spätere Fotografieren. Und immer wieder erlebe ich dabei unerwartete Überraschungen. Vergangene Woche wollte ich einige neue Forgotten Places für den Arctic Summer Fotoworkshop besuchen, um die GPS Daten zu erfassen. Doch der Weg dorthin hatte sich verändert. Die alte und baufällige Brücke war anscheinend ins Visier der zuständigen Behörde geraten. Mit verschweissten Traversen gesichert gab es mit dem Auto hier kein Durchkommen mehr. Aber getreu der alten Weisheit „Der Weg ist das Ziel“ habe ich einen schönen Umweg aufgestöbert, der neue Schätze zutage gefördert hat...

Review: Guy Kawasaki - APE How to Publish a Book

Guy Kawasaki vorzustellen gleicht nun wirklich dem Eulen nach Athen tragen. Ich verfolge seinen Werdegang seit seinen frühen Tagen bei Apple als seinerzeit erster offizieller „Mac Evangelist“. Im Laufe seiner Karriere hat er sich zu einem der weltweit führenden Experten und Berater in Sachen Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung entwickelt. Auch zu den neuen Medien hat er ein sehr aufgeschlossenes Verhältnis. Er ist u.a. einer der führenden Protagonisten von Google+ und sein Buch „What the Plus!“ war einer der ersten (und besten!) Wegweiser für die neue Plattform.

Heute soll es um Guys neuestes Buch „APE – How to Publish a Book“ gehen.

Aber erst einmal die Frage: Warum überhaupt ein Review  zu einem Buch über das Schreiben und Publizieren von Büchern? Geht es hier im Blog nicht hauptsächlich um Lappland und Fotografie? Schon, aber in der Welt des und der Kreativen spielen Bücher – einerlei ob in Papierform oder als Ebook – nach wie vor eine sehr grosse und oft unterschätzte Rolle. Um eine „Botschaft“ oder ein kreatives Werk zu verbreiten, sind Bücher geradezu ein Muss.

Meistens läuft das so: Der Gedanke an ein Buch ist schnell gefasst und auch das passende Thema ist meist vorhanden. Die Tücke aber liegt darin, ein Buchprojekt mit allen seinen Phasen wirklich „durch zu ziehen“. Die harte Arbeit will getan werden und viele Klippen warten entlang des Weges.

Ich schreibe aus eigener Erfahrung. In meiner früheren juristischen Laufbahn habe ich mehrere Bücher zu verschiedenen Themen aus dem Arbeits- und Antidiskriminierungsrecht verfasst, die mich – im Verlauf der Produktionsprozesses -  jedesmal beinahe in die Verzweiflung getrieben haben. Ein guter Ratgeber auf dem Weg wäre Gold wert gewesen. Und genau in diese Lücke springt APE.

Hinzu kommt noch ein Weiteres: Die Welt der Bücherproduktion hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Die Macht der Verlage ist gebrochen. Jedermann kann seine eigenen Werke heutzutage selbst verlegen und vertreiben. Genau an diese Gruppe richtet sich APE mit dem Vorsatz, Licht in den Dschungel des Prozesses vom Schreiben bis zum Publizieren eines Buches zu bringen.

Damit wären wir auch gleich bei der Bedeutung des Titels APE angelangt. Das Akronym steht für Author, Publisher und Entrepreneur, jene drei Rollen, die der Selbstautor und Selbstpublizist inne haben wird.

Der Gliederung nach A, P und E folgt auch der Aufbau des Buches. Die Kapitel 1 bis 7 sind der Rolle als Autor gewidmet, die Kapitel 8 bis 21 der Rolle als Herausgeber und die Kapitel 22 bis 29 schliesslich der Rolle als Entrepreneur. Das Buch ist dabei kein Leichtgewicht: Es umfasst 324 Seiten.

Im ersten Abschnitt (Autor) geht es in erster Linie um die revolutionäre Entwicklung in den Bereichen Ebooks und Eigenverlag. Der Leser versteht, was dieser Paradigmenwechsel für Auswirkungen hat und wie dieser die schreibende Selbstverwirklichung gleich einem Inkubator fördern kann.  

Aus eigener Erfahrung als Fachautor kann ich die Ausführungen, Hinweise und vielen praktischen Tipps durchweg nur unterstreichen. Guy wirft nicht mit „Allgemeinplätzen“ um sich, sondern gibt in einem prägnanten und knappen Stil konkrete Ratschläge und „To-Do‘s“. Das ist wohltuend, weil echter „Know-How-Transfer“ in Reinform.
Sehr nüchtern – hier kommt Guys Hintergrund als Investor deutlich zum Vorschein – widmet er sich dabei auch dem Thema „Wie finanziere ich mein Buchprojekt“.  Auch hier konkrete Tipps und Fakten.  

Was mir im ersten Abschnitt passim besonders gut gefällt: Der durchgängige Gedanke des „Mach Deine Arbeit“. Der Wunsch ein Buch zu schreiben ist schnell gefasst. Es schreibt sich aber nicht von alleine. Ein Buch auf den Weg zu bringen, ist schlicht harte und kontinuierliche Arbeit (die eine intrinsische Motivation erfordert).

Im zweiten Abschnitt geht es um die Rolle als Herausgeber. Hier wird der Weg vom Manuskript zum fertigen Produkt Buch beschrieben. Das beinhaltet die Korrekturen, das Layout, das Cover und vieles mehr; auch die Frage in welcher Form (Papier oder Ebook) das Werk publiziert werden soll.  Besonders interessant – weil andernorts oft unbeachtet – ist die Frage der Preisfindung. Schliesslich widmet sich Guy auch der Zweitverwertung als Hörbuch und Übersetzungen in andere Sprachen.

Der dritte Abschnitt hat einen „beonderen Kick“.  Hier geht es darum, das Werk „an den Mann“ und „an die Frau“ zu bringen. Guy spielt souverän auf der Klaviatur seiner Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich Marketing, was die Lektüre zum echten Genuss macht (und viele Einsichten bietet). Vom „Personal Branding“ bis hin zu ganz praktischen Fragen, wie z. B. der Erstellung eines guten Social-Media-Profiles werden alle relevanten Bereiche abgedeckt.

Alles in allem ist das Buch ein äusserst gelungener Wurf. Besonderes Schmankerl sind übrigens auch zahlreichen (knapp über 400) weiterführenden Links zu ergänzenden Informationen, Artikeln und Checklisten.

Zusammenfassung: Ich  kann das Buch allen, die ein eigenes Buch schreiben, herausgeben und vermarkten wollen nur wärmstens ans Herz legen. Was hätte ich mir gewünscht einen solch kompetenten und umfassenden Ratgeber vor einigen Jahren bereits gelesen zu haben.  

Review: Guy Kawasaki - APE How to Publish a Book

Midsommar - Arktischer Sommer in Lapland 2013

Midsommar am Polarkreis

Behind the scenes: Zu Midsommar das obligatorische Bild mit einer gelben Blüte. Ab Midsommar ist Schweden für einige Wochen gespenstisch. Das sehr populäre Fest – wahrscheinlich der „höchste“ schwedische Feiertag – kündigt sich durch lange Karawanen von Wohnmobilen und PKWs mit Wohnanhängern an. Vor einigen Tagen haben die langen Sommerferien begonnen und spätestens jetzt zieht Schweden kollektiv  in die Sommerstugas und auf Campingplätze.  Während ich diese Zeilen schreibe, herrscht draussen bereits unheimliche Totenstille. Über Midsommar wird - meist in der Natur - kräftig gefeiert und ab jetzt kommt Schweden urlaubsbedingt in weiten Teilen zum Erliegen. Büros und Geschäfte sind verwaist und wehe, es wird jetzt ein Handwerker benötigt oder ein eiliger Behördengang steht an.

Arktischer Sommer in Lapland 2013 - Moonrise on a foggy day

Arktischer Sommer Lapland 2013 - Moonrise on a foggy day

Behind the scenes: Mondaufgang im Nebel. Der Tag vor „Midsommar“ war in Lappland durchgängig verregnet. Am Abend ziehen dichte Nebelschwaden am Boden entlang bei einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 100%. Der Mond bahnt sich seinen Weg am beinahe taghellen Abendhimmel.

Arctic Summer Lapland 2013 - Out in the nature I

Arctic Summer Lappland 2013 - Out in the nature I

Behind the scenes: Heute der Beginn der Bilderserie „Out in the nature“ über den arktischen Sommer 2013 in Lappland. Diese Aufnahme stammt von einem Ort, an dem ich kürzlich Aufnahmen für ein Reisemagazin gemacht habe. Ein sehr idyllischer Platz - wären da nicht ungefähr eine Million Stechmücken unterwegs gewesen.

Warum gibt es noch keine EU-Norm für die Grösse von Eiskugeln?

Zugegebenermassen schon etwas Off-Topic hier. Aber wir haben ja in Lappland im Moment hier – im Gegensatz zu Mitteleuropa – schönstes Sommerwetter. Das führt zu erhöhtem Eiskonsum. Böse Zungen behaupten natürlich, das führe auch zu den sog. „Sommerlochthemen“, was ich hiermit aber energisch bestreite.

Der erhöhte sommerliche Eiskonsum hat mich jedenfalls zu einer sehr grundlegenden Frage geführt. Wir kennen alle die „Portionseiskugeln“, die beim offenen Verkauf von Eis zur Anwendung gelangen. Stand ich also vor der Entscheidung, in einem gut sortierten Haushaltswarengeschäft einen neuen Eiskugelportionierer zu erwerben.

Was mich dabei äusserst verwirrte, waren die unterschiedlichen Grössen. Hallo? Gibt es da keine Normen? Meine Rückfrage bei der freundlichen Verkäuferin löste zunächst sichtbare Irritationen aus. Ich war wohl der erste Kunde, der just diese Frage stellte. Gut und schön. Ich habe mich schliesslich für ein mittelgrosses, relativ preisgünstiges Modell entschieden.

Die Frage aber blieb: Wie sieht es in diesem Bereich mit der Normierung aus?

Betrachten wir die Frage einmal aus einer grösseren Perspektive. Bekanntlich gibt es ja für fasst alles europäische Regelungen. Die Freiheit des Waren- und Dienstleistungsverkehrs steht schliesslich auf dem Spiel.

Stellen Sie sich einmal vor, Max Muster – tätig im europaweiten Im- und Export - würde auf Sizilien eine (gefüllte) Eistüte kaufen, sich sogleich in ein Flugzeug setzen, in Berlin landen, und ebendiese Eistüte dann in Berlin als „Direktimport aus Italien“ verkaufen wollen. Im Beispiel unterstellen wir natürlich, dass die von den Brüsseler Bürokraten geforderte Kühlkette dabei nahtlos eingehalten wird. Sie finden dieses Beispiel recht hypothetisch? Finde ich gar nicht, denn sehr viele der Problemstellungen, die EU-Regelungen zugrunde liegen, bewegen sich auf ungefähr demselben Niveau.

Weiter im Text also. Nehmen wir weiter an, die Eiskugeln in Sizilien wären im Durchschnitt signifikant grösser, als die in Berlin - schon hätten wir ein ernstes und schwerwiegendes Problem. Voilà. Da ist es: das Regelungsbedürfnis. Wir dürfen den armen Max Muster und seine Branchenkollegen doch nicht einfach im Regen stehen lassen. Und denken wir auch an den Verbraucherschutz! Soll der Verbraucher denn nicht darauf vertrauen dürfen, das, was sich Eiskugel nennt, auch eine anständige europäische Eiskugel ist? Ich finde schon.
Wirklichkeitsfremd sagen Sie? Dann lesen Sie mal die Verordnung (EG) Nr. 2257/94 der EG-Kommission, welche die Eigenschaften und Klassifizierungen eingeführter Bananen rechtlich verbindlich beschreibt. Bananen, die dieser Norm entsprechen werden ja auch als Eurobananen bezeichnet. Warum bitte schön dann keine „Euroeiskugeln“? Gleiches Recht für alle Lebensmittel (und den Verbraucher)!

Besonderes Regelungsbedürfnis besteht hinsichtlich der Grösse, des Gewichts und der spezifischen Dichte der Substanz. Ist Ihnen noch nie aufgefallen, welche eklatanten Unterschiede hier bestehen? Futtern Sie sich nur einmal durch einige Eisdielen in Ihrer Umgebung. Ihnen werden die Augen aufgehen. Und nun denken Sie sich die europäische Dimension hinzu. Ich sehe vor meinem geistigen Auge bereits eine Heerschar von speziellen Eiskugelkontrolleuren durch die Lande ziehen. Wie viele Arbeitsplätze dadurch geschaffen werden könnten… (noch ein ganz klares Argument für eine entsprechende Regelung).

Dazu kommt ein weiteres: Bestimmt ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass Grösse und Gewicht der einzelnen Kugeln bei ein- und derselben Eisdiele nicht unerheblich davon abhängen, mit welchem „Schwung“ der Verkäufer, bzw. die Verkäuferin ans Werk geht. Können Grösse und Gewicht der kalten Kugeln denn tatsächlich von der Laune der portionierenden Person abhängen? Nicht hinnehmbar finde ich. Hier muss unbedingt eine Ausbildung mit Zertifikat eingeführt werden. „Diplomierter Eiskugelportionierer“ wäre mein Vorschlag. Alternativ wären allenfalls elektronisch gesteuerte Eisportionierungsroboter, für die freilich eine eigene EU-Norm einzuführen wären.

Überhaupt die Grösse. Eiskugeln sind im Lebensmittelrecht der EU irgendwie systemfremd. Oder können Sie sich Inhaltsangaben je 100 Gramm oder je Kilogramm am kleinen Schildchen unterhalb des jeweiligen Eisangebotes vorstellen? Reichlich wirklichkeitsfremd. Geht also gar nicht.

Ein neues System für die Inhaltsangaben bei „individual portionierten tiefgekühlten Kleinsüsswaren“ muss geschaffen werden.

Sie erinnern sich an unser Beispiel mit Sizilien und Berlin? Da stellt sich natürlich noch eine andere Frage. Die der Sorten. Um den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr zu gewährleisten (und natürlich für die Verbraucher) muss die sortenmässige Vergleichbarkeit von Eiskugeln hergestellt werden. Will sagen: Europaweit einheitliche Geschmacksrichtungen. So ungefähr 8-10 an der Zahl. Mehr darf nicht sein. Wo kämen wir denn auch hin, wenn sich einzelne Eisdielen (und/oder EisverkäuferInnen) Wettbewerbsvorteile durch eigene Kreativität verschaffen könnten?
Eine Frage mit viel weitreichenderen Folgen stellt sich im Zusammenhang mit der Volksgesundheit. Eis wird bekanntlich typischerweise in der wärmeren Jahreszeit verkauft. Die Keime freuen sich dann geradezu darauf, sich endlich vermehren zu dürfen. Warum dürfen also offen portionierte Eiskugeln überhaupt noch verkauft werden? Ich würde einen „Closed-Ice-Process“ vorschlagen. Der sieht ungefähr so aus: Kunde bestellt Eis. Verkäufer portioniert im Reinraum unter Schutzatmosphäre jede Kugel, die anschliessend in einen kleinen Plastikbeutel abgepackt werden muss. Das gleiche Procedere gilt auch für die Waffeln. Auf alle Verpackungseinheiten müssen folgerichtig Verpackungsdatum und Zeit unveränderbar aufgedruckt werden. Der Kunde erhält seine Bestellung auf einem Tablett und darf nun die einzelnen Bestandteile auspacken und in eigener Verantwortung zusammenfügen. So muss das sein!

Wenn Sie mich jetzt als Ex-Anwalt fragen würden, wie man diese Regelungen denn vielleicht möglicherweise umgehen könnte erhalten Sie folgende Antwort:
Haben Sie schon mal über Eiswürfel statt Eiskugeln nachgedacht?

Ich jedenfalls esse jetzt mein Schokoladeneis weiter. Schönen Tag noch.

Eiskugelportionierer - Warum gibt es noch keine EU-Norm für die Grösse von Eiskugeln?
Der Stein des Anstosses: Ein Eiskugelportionierer


Holzwirtschaft am Polarkreis, Teil 2: Zu Besuch bei Setra

Kürzlich hatten wir über die grossflächige und langfristige Waldbewirtschaftung in Lappland berichtet.

Sind die unglaublich grossen Holzmassen einmal geerntet, wird ein grosser Teil zur industriellen Weiterverarbeitung in - meist ortsnahe - Sägewerke verfrachtet.

Vergangenen Samstag hatte das in Malå ortsansässige Sägewerk von Setra Tag der offenen Tür. Eine interessante Gelegenheit, einmal einen Blick hinter die Kulissen dort zu werfen. Normalerweise bietet sich Besuchern und vorbeifahrenden Touristen nur der Anblick von aussen, der allerdings auch schon das faszinierend grosse Holzlager preisgibt. Richtig spannend wird es aber erst hinter den Werkstoren (die dem Besucher aus Sicherheitsgründen normalerweise verschlossen sind).

Das Holz aus Norrland ist wegen seiner dichten Struktur und Festigkeit übrigens weltweit sehr nachgefragt. Die am Tag er offenen Tür produzierten Chargen wurden z. B. für Abnehmer in Japan verarbeitet.

Im Werk in Malå sind etwa 80 Angestellt damit beschäftigt ein jährliches Holzvolumen von ca. 163.000 Kubikmetern Holz zu verbeiten. Eine gewaltige Menge. Dahinter stecken eine sehr gute und effektive Organisation, und ein beeindruckender Maschinenpark. Verglichen mit den alten ländlichen Sägewerken, die mit Wasserkraft betrieben wurden, und meist nur über ein einziges, grosses Kreissägeblatt verfügten, mutet der moderne Sägewerkbetrieb teilweise geradezu futuristisch an.

Der Tag der offenen Tür war übrigens ein grosser Erfolg. Viele Besucher verschafften sich einen Einblick in die Abläufe des Werkes. Ein grosses Dankeschön an Setra und alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor Ort für die freundliche Aufnahme der Besucher und die Unterstützung bei unserer Reportage.

Zur Bildstrecke: Industrielle Holzverarbeitung bei Setra in Malå


Holzwirtschaft am Polarkreis, Teil 2: Zu Besuch bei Setra
Blick hinter die Kulissen: Eines der Kontroll- und Steuerzentren im Sägewerk

Deine Stimme zählt - Aktion der Fotocommunity: Welchen deutschsprachigen Blog zum Thema Fotografie haltet Ihr für den besten von allen?

Das Team der Fotocommunity hat mich am Wochenende über eine aktuelle Aktion informiert: Die Wahl des besten deutschsprachigen Blogs zum Thema Fotografie.

Ich weiss auch nicht genau warum, aber wir sind auch nominiert :)

Hier gibt es weitere Infos und die Möglichkeit mit abzustimmen.

Spannende Preise werden unter allen Teilnehmern bei der Abstimmung übrigens auch verlost. Und natürlich sind wir nicht böse, wenn jemand für uns abstimmen möchte.

Arctic summer Workshop – Fotoworkshop am Polarkreis in Lappland

Die arktische Region rund um den Polarkreis in Schwedisch-Lappland hat nicht nur im Winter fotografisch viel zu bieten. Viele fotografische Highlights und Herausforderungen verbergen sich gerade unter der – im Sommer nicht mehr vorhandenen - Schneedecke.

Deswegen werden wir in der Kalenderwoche 33 einen besonderen Fotoworkshop veranstalten.  

Die Programmübersicht:

Montag, 12.08. - Anreise und Begrüssung

Dienstag, 13.08. – Forgotten Places. Tauchen Sie ein in eine vergessene Welt. Fotografische Herausforderungen: Perspektive, Details und Dokumentation. Ausführliche Bildbesprechung.

Mittwoch, 14.08. – Morgen- und Abendlicht am Polarkreis. Fotografische Herausforderung: Wasser, Spiegelungen, Licht und Schatten. Ausführliche Bildbesprechungen.

Donnerstag, 15.08. – Reportage beim Besuch der schwedischen Königsfamilie in Lappland. Fotografische Herausforderung: Portrait und Reportage.  Ausführliche Bildbesprechung und Grillabend.

Freitag, 16.08. – Verlassenheit der Architektur. Fotografische Herausforderung: Storytelling. Ausführliche Bildbesprechung. Alternativ: Abreise für die TeilnehmerInnen mit begrenztem Zeitbudget.

Samstag, 17.08. – Zeit für eigene Exkursionen. Routenvorschläge mit Points of Interest werden zur Verfügung gestellt. Ausführliche Bildbesprechung.

Sonntag, 18.08. – Zeit für eigene Exkursionen. Routenvorschläge mit Points of Interest werden zur Verfügung gestellt. Ausführliche Bildbesprechung. Gemütliches Zusammensein und Abrundung.

Montag, 19.08. – Heimreise

Der Workshop richtet sich an ambitionierte Fotografen. Es geht nicht um technische Grundlagen, sondern um die Weiterentwicklung des eigenen fotografischen Ausdrucks.
Die Teilnehmerzahl ist auf max. 7 Teilnehmer begrenzt. Alle TeilnehmerInnen sollten gut zu Fuss sein.

Bei Interesse ist eine Verlängerung mit individuellen Coachings möglich.

Die TeilnehmerInnen buchen die Anreise und die Übernachtungen selbst. Adresslisten, Weblinks und Empfehlungen werden selbstverständlich zur Verfügung gestellt. Ein eigener Mietwagen ist sehr empfehlenswert. Wir helfen gerne beim Austausch zwischen TeilnehmerInnen um Car-Sharing zu ermöglichen.

Eine ausführliche Beschreibung mit Preisen und Details senden wir Ihnen ab 6. Juni gerne als PDF zu. Mailen Sie uns einfach (im Betreff bitte Fotoworkshop angeben).

Arctic summer Workshop – Fotoworkshop am Polarkreis in Lappland
Arktischer Sommer am Polarkreis


Kreuzottern - Ungebetene Gäste in Lappland

Über Flora und Fauna haben wir schon häufig berichtet. Lappland - die letzte Wildnis Europas – hat einige ungewöhnliche Pflanzen und Tiere zu bieten. Der Braunbärenbestand ist gross, und über das richtige Verhalten bei Begegnungen mit Bären hatten wir hier schon einmal gebloggt.

Es gibt aber auch noch andere unangenehme Zeitgenossen: Kreuzottern. Ziemlich viele sogar. Der unbedachte Wanderer kann leicht auf eine Schlange treten und sich deren Reaktion einfangen: einen Schlangenbiss. Der ist oft nicht ungefährlich. Für Menschen mit schwachem Kreislauf oder Herzproblemen kann er sogar tödlich sein.

Vorsicht ist also angesagt. Bei Wanderungen also bitte nicht nur nach Elchen und Bären Ausschau halten, sondern auch auf den Boden achten. Aufgeschreckte Kreuzottern können sich bis zu einem Meter hoch aufrichten, um zu beissen.  Besondere Vorsicht ist angesagt beim Beerenpflücken oder anderen bodennahen Tätigkeiten. Wer sich auf Beeren und Pflanzen konzentriert geht das Risiko ein, von einer aufgeschreckten Schlange ins Gesicht oder den Hals gebissen zu werden. In diesem Fall ist die Prognose düster. Also: Augen auf und festes, mindestens knöchelhohes Schuhwerk!  

Sehr häufig sind auch Hunde von Schlangenbissen betroffen. Mehrere Veterinäre haben uns berichtet, dass sie während der Sommersaison mehrere Hunde pro Tag mit Schlangenbissen behandeln. Besonders tückisch sind Schlangenbisse in die Schnauze. Kommen wohl leider sehr häufig vor, weil sich der Hund gebückt und schnüffelnd dem merkwürdigen Tier, der Schlange, nähert und damit eine perfekte Angriffsfläche bietet.

Für Mensch und Hund gilt, dass nach einem Schlangenbiss grösstmögliche Ruhe angesagt ist. Der Kreislauf darf nicht zu sehr in Fahrt gebracht werden, damit sich das Gift nicht im Körper verteilen kann. Den Hund also bitte nach Möglichkeit zum Auto tragen. Für einen Menschen ist in ernsten Fällen der Rettungshubschrauber die erste Wahl. Die schwedenweite Notrufnummer ist übrigens die 112. Ein tragbares GPS oder eine entsprechende App auf dem Smartphone sind Pflicht, um die aktuelle Position beim Notruf durchgeben zu können.
 

 Kreuzottern - Ungebetene Gäste in Lappland
Ungebetener, aber häufiger Gast in Lappland: Kreuzottern


Trauerfall: Webcam – Dringend Apple Notebook gesucht

Alles hat seine Zeit. Sogar ein Macintosh. Regelmässige Besucher unserer Webcam haben es wahrscheinlich bereits gemerkt. Dort ist nur noch ein statisches Bild mit Text zu sehen.

Das hat einen Grund. Vor einigen Tagen hat sich der Macintosh, der für die Webcam zuständig war, in die Welt des Elektroschrott-Recyclings verabschiedet. All die Jahre hat ein altgedientes Apple G4 PowerBook treu seinen Dienst getan. Der Ruhestand ist also wohlverdient. Indes es mangelt am Ersatz,  denn
- einen Desktop-Rechner können wir aus Platzgründen nicht an der benötigten Stelle einsetzen, und
- unsere Webcamsoftware läuft nur auf Apple Rechnern.
 
Deswegen die Frage in die Leserschaft: Ist irgendwo ein G4 iBook, G4 PowerBook oder Macbook abzugeben, das nicht mehr benötigt wird? Falls ja, bitte mailen! Danke!

Aus und dahin - Iglootel Lappland schmilzt in den Tod

Über die Entstehung und das Dahinwelken des Iglootel Lappland hatten wir im letzten Halbjahr schon mehrfach berichtet.
 
In der vergangenen Woche hat es uns nochmals zum Iglootel gezogen und es hat sich gelohnt. Bei mittlerweile sommerlichen Temperaturen in Lappland (um die 20 Grad bei sonnigem Wetter seit ca. 10 Tagen) hat sich die imposante Anlage in eine eigenartige Wunderwelt aus Schneeresten und Wasser verwandelt, die einen sehr vergänglichen "Lost Place" darstellt.
 
Zur Gallerie: Das Iglootel Lappland schmilz in den Tod

Aus und dahin - Iglootel Lappland schmilzt in den Tod
Ein bizarrer Wachhund aus Schnee hat sich „herausgetaut“

PHOTOGRAPH - Ausgabe drei ist gerade erschienen

PHOTOGRAPH  - Inspiration und Know-How für Fotografen und Fotografiebegeisterte

Im November vergangenen Jahres hatte ich erstmals über das neue Foto-Magazin „Photograph - a quarterly magazine for creative photographers“ von David duChemin, verlegt von Craft & Vision,  berichtet. Gerade wurde nun die dritte Ausgabe der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift veröffentlicht.

Getreu des Konzeptes, das dem Magazin zugrunde liegt, geht es bei PHOTOGRAPH um Inspiration und fotografisches Know-How.

Ausgabe Nummer drei umfasst 113 Seiten und liegt als PDF vor. Ich empfehle die Lektüre auf einem iPad, denn dann kommen die zahlreichen wunderbaren Bilder am besten zur Geltung.

In der aktuellen Ausgabe werden die Portfolios von drei Fotografen gefeatured:
-          Hengki Koent Joro
-          Kevin Clark und
-          Dave Delnea

Mir haben es besonders die oft sehr minimalistischen, in schwarz/weiss gehaltenen Bilder von Hengki Koent Joro angetan.

Ausserdem gibt es im Heft dreizehn weitere Artikel von Spitzenfotografen, u.a. John Pau Caponigro, Younes Bounhar und Chris Orwing. Und natürlich ist auch Artikel vom „Chef“ David duChemin enthalten.

Alle Artikel sind – wie bereits in den bisherigen beiden Ausgaben - wohltuend fundiert, herausfordernd und anspruchsvoll. Alle Artikel sind von einer Sache durchzogen, welche das Magazin so wunderbar macht: Niveau.

Das Magazin ist als Einzelheft für USD 8 zu haben. Das Jahresabo kostet USD 24. Ich meine, eine sinnvolle Investition in die eigene fotografische Entwicklung.  

-> Hier geht es zu Craft & Vision. Dort ist die Neuerscheinung exklusiv erhältlich.
 

 PHOTOGRAPH - Ausgabe drei ist gerade erschienen

Auswandern als Filter

Einige klare, offene, aber hoffentlich heilsame Worte für alle Auswanderer und solche, die es werden wollen.

Ich erinnere mich gut. Vor etwa 25 Jahren habe ich – als damals noch aktiver Musiker - im Fachblatt Musik Magazin eines der sehr raren Interviews mit Jack Bruce gelesen. Dieses war abgelaufen wie immer. Nach einem „warming up“ ist der Interviewer auf Jacks Zeit mit „The Cream“ zu sprechen gekommen. Jack brach das Interview daraufhin (sinngemäss) mit den Worten ab: Cream war 1966 bis 1968. Das ist jetzt 20 Jahre her und damit Schnee von gestern. Du hast mich nicht nach meinen aktuellen Bands und Projekten gefragt, für die ich heute brenne.

Eine traurige Geschichte, die aber leider sehr gut zu Auswanderungserfahrungen passt.
Auswanderer sei Dir bewusst: Die Kontakte zu den Menschen, mit denen Du früher in Deinem „alten Wohnsitzland“ zu tun hattest, dünnen sich aus. Ab und an meldet sich manchmal jemand. Dann aber in aller Regel aus Neu-Gier und mit Anknüpfung an „die gute alte Zeit“.

Auswanderer, erwarte nicht, dass grosses Interesse an Dir als Mensch und daran, wie es Dir in Deinem neuen Leben und in Deiner neuen Heimat geht, besteht. Nein, leider ist es in aller Regel die Gier nach Spektakulärem und natürlich der Trieb der Anderen, etwas über sich selbst zu erzählen.

Auswanderer, sei beruhigt: Der räumliche Abstand und ein ganz anderes Leben erleichtern es Dir, die psychologischen Hintergründe und Mechanismen zu erkennen.  Du wirst immer ruhiger schlafen und immer öfter wird ein Lächeln über Dein Gesicht huschen…

So, das musste mal raus.

Wenn Du eine Auswanderung planst und zur Vorbereitung dafür gerne gecoacht werden willst, darfst Du gerne Kontakt mit uns aufnehmen.  

Das Sieb der „Freunde“ und Bekannten
Das Sieb der „Freunde“ und Bekannten - nur wenige „bleiben hängen“

Foto-Futter 19/2013

Guten Appetit beim heutigen Foto-Futter!

- Bruce Percy vorzustellen
wäre das sprichwörtliche „Eulen nach Athen tragen“. Als Fotograf und Autor einer Reihe hochwertiger Ebooks ist er weit bekannt. Derzeit hat Bruce eine Aktion, bei der es sein 42-seitiges Ebook „Simplifying Visualisation“ als PDF zum kostenlosen Download gibt (nach unten scrollen bis zum Titel des Buches). Die Aktion bei Bruce läuft bis zum 31. Mai. Eine klare Empfehlung!


- Bei Michael von Fotografr gibt es auch einiges zu verschenken. Schaut einfach mal in seinen Blogpost „Fotografie-Bücher und Fotoausrüstung: 42 Geschenke für meine Leser“. Michaels Aktion läuft bis zum 8. Mai.


- In eigener Sache: Fotourlaub am Polarkreis Sommer 2013. Wer sich für Workshops oder Fotoreisen nach Lappland interessiert, sollte sich jetzt bei uns melden.


- Es liegt wahrscheinlich am Alter - ein kleiner Nachtrag zum Foto-Futter der vergangenen Woche. Ich hatte über empfehlenswerte „Referenzen“ zum Thema Fotojournalismus geschrieben und hier muss natürlich auch noch der Photo Booth des New Yorker erwähnt werden.


- Ausblick: Im Moment arbeite ich an zwei Reviews. Es geht um Bücher. Nicht direkt zum Thema Fotografie, aber aus der geschäftlichen Perspektive sehr spannend. Stay tuned!


Lappi Winter - Made in Sweden

- Behind the scenes: „Regionale Winterreifen“ in Lappland hören auf den Namen „Lappi Winter“ und sind - natürlich - „Made in Sweden“. Die stilvollen Reifen haben ihren Dienst für diese Saison allerdings getan. Jetzt ist es endlich an der Zeit für die Sommerreifen.

Einen guten Start in die Woche allerseits!

Und in Lappland? Das Katzen-Karusell - Warnung: Cat-Content

Während ich diesen Blogartikel schreibe (Samstagvormittag gegen 9 Uhr), zieht gerade wieder ein Schneegestöber über uns. Immer wieder faszinierend. Immerhin befinden wir uns in der ersten Maiwoche. Nachdem sich der Schneefall wieder verzogen hat, sehe ich auf dem Auto des Nachbarn etwa 2 cm Neuschnee.


Erfahrungswerte

Um den Polarkreis in Lappland wendet sich das Klima erfahrungsgemäss in der zweiten Maiwoche recht radikal. Und so verspricht es auch die derzeitige Wettervorhersage. In der kommenden Woche sollen die Tagestemperaturen durchweg bei plus 10-12 Grad liegen. In den Nächten sinkt das Thermometer allerdings weiterhin unter den Gefrierpunkt. Überhaupt ist mit Nachtfrösten bis hinein in den späten Juni zu rechnen.


Katzen-Karusell


Deutlichstes Anzeichen für die jährliche Klimawende ist unsere Katze.
Im Winter mag der Kater das Haus gar nicht verlassen. Wenn doch, ist er nach spätestens einer Viertelstunde zurück und begehrt Einlass um sich sodann an den Ofen oder einen Heizkörper anzuschmiegen.

Seit einigen Tagen hat sich das Bild gewandelt und das „Katzen-Karusell“ hat begonnen. Kater will raus, steht nach einer Viertelstunde wieder vor dem Fenster, nur um eine weitere Viertelstunde später wieder nach draussen zu wollen.

Daher der Name des Phänomenes Katzen-Karusell. In einer Woche wird sich das dann dahingehend ändern, dass der Tiger dann nur seltener bei uns zu Gast ist. Ist ja auch verständlich, denn die kurze Sommerzeit muss optimal ausgenutzt werden.

Und in Lappland? Das Katzen-Karusell - Warnung: Cat-Content
"There is nothing worse than a sharp image of a fuzzy concept"
Ansel Adams

PS: Ich lege Wert auf die Feststellung, dass dieses Bild NICHT scharf ist ;)


Foto-Futter 18/2013

Druckfrisch zum Sonntag: Das Foto-Futter.
 

- Die Top-Empfehlung der Woche ist das Blog "Mostly True" des bekannten Fotojournalisten Kenneth Jarecke. Eine Fundgrube an Einsichten in den Fotojurnalismus. Es lohnt sich, sich Seite für Seite durch die Archive zu wühlen. Viele Goldnuggets warten auf den Leser!
 

-
Da wir gerade beim Thema Fotojournalismus sind. Die beiden "Referenzen" für hochwertigen Fotojournalismus haben immer etwas zu bieten:
Das Lens-Blog der New York Times bietet eine beinahe unendliche Fülle an Bildern höchster Qualität. 
• Dasselbe gilt auch für die Lightbox der Time.
 
 
- Die Sony World Photography Awards wurden vergeben. Besonders bewegend sind die Bilder der Norwegerin Andrea Gjestvang. Anschauen!


 - Fotografische Psychogramme mit Hilfe von Büropflanzen. Saskia Groneberg ist für ihre Diplomarbeit kreuz und quer durch Deutschland gereist und hat Büropflanzen fotografiert. Dadurch lassen sich interessante Rückschlüsse auf die Beschäftigten und das Betriebsklima ziehen. Über ihr Projekt berichtet sie im Spiegel-Interview (mit Bilderstrecke).

 
- Auf Kwerfeldein ist ein tiefgründiges Interview mit dem Fotografen Rüdiger Beckmann nachzulesen. Das erste Drittel des Interviews ist etwas zäh, dann aber sagt Rüdiger etliche sehr bedenkenswerte Sätze zum Internet und zu sozialen Medien. Pflichtlektüre.
 

 - Nicht nur fotografisch: Einige wertvolle Tipps für das (auch geschäftliche) Überleben in stürmischen Zeiten hat Seth Godin diese Woche gebloggt.
 

- „The tubes of life“ - Mein Bild der Woche entstammt einer Serie aus einem persönlichen Projekt, in dem es um die Verworrenheit des Lebens geht.

 

The tubes of life - Entworrenheit des Lebens
„Entworren?“ - The tubes of life

Iglootel: Anfang und Ende

Die Wintersaison in Lappland ist langsam am Abklingen. Überall tropft und trieft es.  Die einst weisse Schneedecke hat sich in eine schmutzige Pampe verwandelt. Winter adé - Der Frühling steht vor der Tür und die Frühlingssonne schmilzt die Attraktionen des Winters wieder ein.

Wir hatten im Blog mehrmals über das Iglootel, das neue touristische Highlight in Abborrträsk (Arvidsjaur kommun), berichtet (Links: Bericht von der BauphaseInnenansichten und Einweihung).

Die Anlage hat nun vor einigen Wochen den Betrieb eingestellt und ist jetzt der wärmenden Sonne ausgesetzt. Der triumphale Bau aus Schnee und Eis hat sich in ein bizarres Mahnmal der Vergänglichkeit verwandelt. In einigen Tagen wird sich das Iglootel wieder „rückstandsfrei“ in sein Ausgangsmaterial verwandelt haben: reines Wasser.

Iglootel: Anfang und Ende
Schmelzendes Iglootel: Bizarres Mahnmal der Vergänglichkeit

Foto-Futter 17/2013

Heute gibt es wieder Input für alle Fotografen, Fotografinnen und Fotobegeisterten.
 
-  Demnächst ist der Rollout für eine fotografische Revolution: Die Google-Glasses.
 
Bei einem vermuteten Preis von ca. 1.500 Dollar nicht wirklich ein Schnäppchen, aber eben avantgardistisch und spektakulär. Unsere Wahrnehmung der Welt könnte sich – wieder einmal – ändern. Die möglichen Einsatzgebiete und Anwendungsmöglichkeiten scheinen uferlos. Daher stürzen sich auch die Marketingabteilungen auf die Innovation.  Ein interessanter Artikel dazu findet sich bei SearchEngineWatch: How Will Google Glass Change Internet Marketing?

 
- Fotografie alleine reicht zur Sicherung des Auskommens oft nicht mehr aus. Mehr ist gefragt. Rosh Sillars hat deswegen den Combination-Code entwickelt. Demnächst erscheint sein neues Buch zum Thema. Auf seinem Blog gibt es jetzt schon einen Artikel, der sehr gute Einsichten vermittelt:  11 Combination Code concepts that will change your life.
 

-   Aus der fotografischen Know-How-Schmiede Craft & Vision von David duChemin gibt es ein neues, kostenloses Ebook: Craft & Vision 2 - More Ways to Make Stronger Photographs. Ein kurzes Review gibt es hier und ich kann das Buch wirklich empfehlen.

 
-  Manche publizierten Bilder – gerade im WWW – sind schlichtweg fürchterlich. Warum das so geworden ist und welche Chancen sich daraus für Fotografinnen und Fotografen ergeben, beleuchtet ein Artikel auf PetaPixel: Publishers need better photography to stay relevant on the web.
   
 
-  Thematisch passt dazu ein Artikel vom Usability Guru Jakob Nielsen sehr gut, den ich in der letzten Woche auf meinem englischen Blog vorgestellt habe:  Worth considering: Jakob Nielsen - Photos as web content.

Jakob Nielsen bringt es auf den Punkt: Finger weg von generischen Stockfotos und „Invest in good photo shoots. A great photographer can add a fortune to your website's business value.“
 

 -  Last but not least möchte ich noch auf einen Artikel von Virtual Photography Studio hinweisen: 7 Secrets To A Strong Photographic Portfolio That Most People Will Tell You Not To Do.


- Und was tut sich so bei uns, rund um den Polarkreis? Eisschmelze ist angesagt.
 

Eisschmelze in Lappland


Das wars für heute. Ein schönes Wochenende allerseits und einen guten Start in die neue Woche!
 

 

Bilder eines Schriftstellers - Fotografien des Schriftstellers Arno Schmidt im Oldenburger Landesmuseum

Lappland ist für viele "weit vom Schuss". Stimmt, aber eben nur teilweise. Glücklicherweise gibt es ja technische Hilfsmittel. Dank der Audio-on-Demand Angebote des Deutschlandfunks können wir auch hier "am Ball" des kulturellen Geschehens in Deutschland bleiben. Womit wir beim Thema wären.
 
Der legendäre Schriftsteller Arno Schmidt - bekannt für sein Bemühen um neue Prosaformen, die inhaltlich von einer kulturpessimistischen Weltsicht geprägt waren - hat sich - was mir bislang unbekannt war - auch fotografisch betätigt. Im Oldenburger Landesmuseum gibt es vom 13. April bis 14. Juli nun die Ausstellung "Arno Schmidt. Fotografien" zu bestaunen.
 
Die wenigen Nachweise auf der Seite des Landesmuseums und die über Google zu findenden Bilder haben mich sehr angesprochen. Aus meiner Sicht ist die Ausstellung eine klare Empfehlung für alle Fotografiebegeisterten.
 
Aufmerksam geworden bin ich auf die Ausstellung übrigens durch die Sendung Kultur heute vom 12.04.2013. In der Sendung interviewte Moderator Christoph Schmitz den bekannten Kunstexterten Jan Philip Reemtsma zum Thema. Die Sendung kann über Audio-on-Demand nachgehört werden, was ich hiermit ebenfalls ausdrücklich empfehlen möchte.
 
 

Neues kostenloses Ebook von Craft & Vision

Im Dezember 2011 hatte die fotografische Know-How-Schmiede Craft & Vision ihr erstes kostenloses Ebook präsentiert: 11 Ways to Improve Your Photography.
 
Nun liegt das zweite kostenlose Werk vor: Craft & Vision 2 - More Ways to Make Stronger Photographs.
 
Auf 45 Seiten finden sich Artikel von
- David DuChemin: Introduction, Learn to isolate, Try it in black & white, Redeem the light)
- Martin Bailey: Shooting in manual mode, Make sharper images
- Nicole Young: Learn to see the light)
- Sean McCormack: Balance your flash with ambient light
- Piet van den Eynde: Shoot more, develop less und
- Dave Delnea: Pursue consistency.
 
Wie von Craft & Vision gewohnt sind die einzelnen Beiträge von hoher Qualität und sehr inspirierend. Kurz gesagt: Bei dem Preis (kostenlos!) kann ich nur eine Empfehlung geben und die heisst ZUGREIFEN.
 
-> Hier gehts zu Craft & Vision und zum kostenlosen Download
 

Neues kostenloses Ebook von Craft & Vision

Update: Photo Ninja von Picturecode macht Evolutionssprung

Vor kurzem hatte ich Photo Ninja von Picturecode einem Test unterzogen. Seitdem ist Photo Ninja bei uns übrigens im Dauereinsatz. Was soll ich sagen? Kurz und gut: Wir sind begeistert. Die Bildqualität ist unglaublich gut und die vielen smarten und durchdachten Funktionen erleichtern den fotografischen Alltag ungemein.

Beim Initialtest hatte ich auf die fehlende Batch-Bearbeitung hingewiesen. Diese wurde nun mit dem Update auf die Version 1.05 ergänzt. Wiederum auf sehr smarte Art und Weise:
Sind alle Bilder bearbeitet (sichern nach der Bearbeitung jeweils nicht vergessen) werden die gewünschten Bilder - am besten in der übersichtlichen Browseranzeige - ausgewählt. Dann ein CTRL-Klick (Mac) oder ein Rechtsklick (PC) und im Menü „Batch render“ auswählen. Praktische, einfache und sehr gute Implementierung.

Wer weiter in die Zukunft von Photo-Ninja schauen möchte, kann sich die aktuellste Beta herunterladen, die Plugins für die gängigen Bildbearbeitungsprogramme (z. B. Photoshop) enthält. Ich bin noch dabei, die aktuellste Beta zu testen und werde dann ein weiteres Update posten.

Update: Photo Ninja von Picturecode macht Evolutionssprung
Neu: „Batch render“ mit Photo Ninja

Der Snöskoter – das liebste Kind des Schweden

Spätestens zu Ostern geschieht in Nordschweden um den Polarkreis in Lappland eine merkwürdige Veränderung der ansonsten unberührten Landschaft: Wo sich den Winter über bezaubernde Schneelandschaften gebildet haben, ist diese plötzlich von schachbrettartigen Linien durchpflügt. Die Snöskotersaison hat ihren Höhepunkt erreicht.

Der Snöskoter ist ein Schneemobil. Und Schneemobilfahren ist eine Leidenschaft der Schweden in unseren Breitengraden. Die freien Tage über Ostern werden zu ausgiebigen Spazier- und Ausfahrten genutzt. Wer es sich leisten kann, fährt dazu ins Fjäll. Auf den Zufahrtsstrassen in die Gebirge gibt es regelrechte Staus vor Ostern. Ein gänzlich unalltägliches Bild. Kolonnen vom Autos und alle mit bepackten Anhängern auf denen die gepflegten Schneemobile stehen.

Gross und Klein sind mit von der Partie, gibt es doch sogar spezielle „Kindersnöskoter“. Ganze Familien fahren, Karawanen gleich, kilometerlange Schneemobiltouren, auf denen natürlich auch ein Stopp zum Grillen oder zum Eisfischen eingelegt wird.

Für Landschaftsfotografen ist Ostern damit auch ein wichtiger Wendepunkt. Schöne Schneelandschaften sollten vor Ostern fotografiert werden, denn nach Ostern ist manch Idylle gar nicht mehr so schön anzusehen.

Allein ein bitterer Beigeschmack bleibt: Schweden liegt mit seinen Bemühungen zur Klimafreundlichkeit weltweit in der Spitzengruppe. Elektrohybridautos sind der grosse Renner und der umfängliche Windkraftausbau wird ebenfalls mit Klimaaspekten forciert (was freilich ein anderes Thema ist).  Schneemobile, grösstenteils noch mit Zweitaktmotoren ausgestattet, die jede Menge Lärm, Qualm und andere Emissionen verursachen, passen da nicht recht ins Bild. Aber die Schneeskoter sind eben das liebste Kind der Schweden. Offenbar wichtiger, als alle Bemühungen um die Rettung des Klimas in der Welt.


Nachösterliche Spuren der Liebhaberei

Fotozubehör zu verschenken und zum Tausch - Frühjahrsputz bei der Fotoausrüstung

Heute gibt es ein besonderes Osterei: Zu Ostern findet immer der traditionelle Frühjahrsputz in den Fotokisten statt. Es hat sich wieder einiges angesammelt, was für den einen oder anderen interessant sein könnte. Computersachen sind auch mit dabei.
 
Es gibt zwei Listen: Zu verschenken und zum Tausch.
 
- Verschenken ist hoffentlich selbsterklärend (lediglich das Porto für den Versand hätte ich gerne). Pro Person bitte jeweils nur ein Artikel, damit möglichst viele Interessenten eine Chance haben.
 
- Bei den Sachen in der Tauschliste tausche ich gegen Objektive für Nikon oder m4/3. Wenn Ihr also eine Linse habt, die Ihr nicht mehr braucht, seid Ihr im Rennen.
 
Alle Teile sind "as is" und haben beim letzten Einsatz funktioniert. Bei Interesse bitte Email. Ihr wisst schon: Wer sich zuerst meldet, bekommt den Zuschlag...
 

Fotozubehör zum Tausch

Zum Tausch
 
- Für alle, die schon immer in die Foveon-Welt eintauchen wollen:
Sigma DP1, Originalverpackung, Originalzubehör, Zusatzakku
 
- Leica D-Lux 2, Ledertasche, Originalverpackung, Originalzubehör, No-Name-Ladegerät (Original ist verloren gegangen), Zusatzakku
 
- Kiev 60, analoge Spiegelreflex-Mittelformatkamera mit Volna 80mm f2.8 Normalobjektiv, Prismensucher mit Belichtungsmesser, zusätzlich der alternative Lichtschachtsucher, Blitzadapter, Passende Originaltasche.

- Bei Interesse bitte Email
 

Fotozubehör zu verschenken

Zu verschenken
 
- Extension Tube Set für Pentax K/M, Originalverpackung
 
- Ladegerät Canon CB-2LXE für Akku NB-5L inc. zwei Akkus
 
- Ladegerät Canon CB-2LVE für Akku NB-4L incl. Akku
 
- Lade-/Dockingstation für Casio Exilim EX-V7. Die defekte Kamera gibt es gerne dazu.
 
- Externes USB Modem Apple MA034
 
- Ovolab Phlink Telephone Adapter incl. Originalsoftware
 
- TEAC externes USB 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk

- Bei Interesse bitte Email
 

Kahlschlag - Forstwirtschaft in Lappland

Holz und Mineralerze sind die beiden natürlichen Hauptressourcen, die Lappland zu bieten hat. Waldbewirtschaftung und Forstwirtschaft sehen aber völlig anders aus, wie in den mitteleuropäischen Breitengraden.

„Wie alt bist Du?“ - Alle 80 bis 100 Jahre wird der Wald geerntet
„Wie alt bist Du?“ - Alle 80 bis 100 Jahre wird der Wald geerntet

 
Die vorhandenen Waldflächen sind gigantisch und der Wald in Lappland wird „geerntet“ (so das schwedische Wort), nicht abgeholzt oder gerodet. Wir reden hier über Quadratkilometer.

Der Forstwirtschaft am Polarkreis liegt ein anderes Verständnis der Zeitabläufe zugrunde. Wald ist sehr wertvoll und wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Alle 80 bis 100 Jahre kann „geerntet“ werden. Die „Ernte“ geschieht heutzutage mit modernster Technik. Gigantisch grosse Maschinen ziehen querfeldein. Sie fällen, entasten und verstauen die Stämme auf der Ladefläche. Mit Ketten versehen gibt es praktisch keine Hindernisse für die Kolosse. Sie hinterlassen eine unwirtliche Landschaft, die einem Schlachtfeld gleicht.

„Strubbelkopf“ - Wo rohe Maschinengewalt am Werk ist
„Strubbelkopf“ - Wo rohe Maschinengewalt am Werk ist

 
Früher verblieben die Baumstümpfe als Dünger für den später neu gepflanzten Wald im Boden. Mittlerweile wurde sogar eine Spezialmaschine entwickelt, welche die Stümpfe aus dem Boden reisst. Aus dem Wurzelwerk werden nun Pellets für Heizanlagen hergestellt.

„Der Weg in den Wald“ - Spuren wie von einem Panzer
„Der Weg in den Wald“ - Spuren wie von einem Panzer

 
Egal ob Winter oder Sommer: Wald wird in Lappland immer geerntet, auch bei minus 30 Grad und zwei Metern Schnee. Für den Abtransport des Holzes werden – quer durch den Wald und die Landschaft – eigene Wege gezogen. Für den Mitteleuropäer sind die Dimensionen ungewohnt. Ganze Ökosysteme werden binnen Stunden „umgepflügt“. Die Tier- und Pflanzenwelt muss sich binnen kürzester Zeit anpassen und umstellen. „Zurück auf Start“ für die nächsten paar Jahrzehnte.

„Schätze am Wegesrand“ - Hunderte Kubikmeter Holz soweit das Auge reicht
„Schätze am Wegesrand“ - Hunderte Kubikmeter Holz soweit das Auge reicht

Obwohl die Walsarbeit stressig ist - es wird oft rund um die Uhr gearbeitet - sind die körperlichen Anstregungen heute passé. Und gute Laune scheint die Arbeit im Cockpit der Maschinen auch zu machen, wie dieses Fundstück beweist. Wahrscheinlich bei einer Fikapause enstanden.

„Sunny“ - Kreative Betätigung bei der Fikapause?
„Sunny“ - Kreative Betätigung bei der Fikapause?

Was Fotografen über die neue Google Bildersuche wissen müssen

Was Fotografen über die neue Google Bildersuche wissen müssen
 
Ein Gastbeitrag von Michael Schilling. Michael Schilling ist bundesweit als Portrait- und Hochzeitsfotograf tätig.
 
Man stelle sich vor, man könne auf Google nicht nur suchen, sondern die Artikel auch direkt lesen, ohne Google verlassen zu müssen. Was wie aus einem Science-Fiction-Film klingt, wird mit der neuen Google Bildersuche bittere Realität und hat erhebliche Nachteile für Fotografen.
 
In der Google Bildersuche werden zu einem Suchbegriff zunächst Miniaturbilder (Thumbnails) angezeigt. Klingt man auf eines der Suchergebnisse, so wurde bisher die Webseite, in der das Bild eingebunden ist, geladen sowie rechts weitere Informationen über das Bild angezeigt.

Die alte Google Bildersuche


Das war eine Lösung, die beiden – Google und den Betreibern von Webseiten – einen Nutzen brachte. Google durfte die Miniaturbilder anzeigen und brachte den Betreibern Besucher auf deren Webseiten.
 


Von der Suchmaschine zur weltgrößten Bildergalerie

 

Die neue Google Bildersuche


Damit ist in der neuen GoogleBildersuche Schluss. Google will nun einen anderen Weg gehen und die Inhalte direkt und in voller Größe anzeigen. Ein Besuch der eigentlichen Webseite wird dadurch überflüssig. Die Folgen sind dramatisch.
 

Besucherrückgang von durchschnittlich 60 Prozent

 Besucherrückgang bei der neuen Google Bildersuche


Ein Besucherrückgang von 60 Prozent könnte bedeuten, dass sich etliche Webseiten nicht länger finanzieren lassen. Blogger investieren oftmals mehrere Stunden damit für ihren Artikel zu recherchieren, ihn zu bebildern und in Worte zu fassen. Weniger Werbeeinnahmen bedeuten dann, dass qualitativ hochwertiger Content nicht mehr erstellt werden kann, da der Blogger weniger Zeit in seinen Content investieren kann. Doch gerade dies, nämlich hochwertigen Content, wünscht sich Google in seinen Suchergebnissen.
 
Fotografen müssen davon ausgehen, dass weniger potentielle Kunden den Weg auf ihre Webseite finden. Das bedeutet weniger Auftragsarbeiten und weniger verkaufte Nutzungsrechte.

 
Googles leere Versprechungen
 
Laut Google soll dem Webseiten-Betreiber weniger Übertragungskosten (Traffic) entstehen, jedoch mehr Besucher als zuvor auf deren Webseiten bringen. Beide Aussagen sind an Ironie nicht zu übertreffen. Google speichert die großen Bilder nicht sondern bindet sie per Hotlink vom Server des Betreibers ein. Mit jeder Darstellung des großen Bildes entsteht Traffic, und zwar beim Betreiber der Webseite, ohne dass er einen Gegenwert in Form eines Besuchers erhält.

 
Urheberrechte und Google
 
Google nimmt sich das Recht heraus, Urheberrechte zu missachten. Jeder andere, der so agiert würde eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und eine Schadenersatzforderung wegen Verstoßes gegen das Urheberrechterhalten.
 
Offensichtlich ist den Google-Juristen aber klar, auf welch dünnem Eis sie sich bewegen, wenn diese Art der Bildersuche in einem Land eingeführt wird.

 
Yahoo mit ähnlicher Bildersuche juristisch gestoppt
 
Diese Erfahrung musste die Yahoo! Deutschland GmbH bereits machen. Der Fotografenverband Freelens warf Yahoo die massive Verletzung von Urheberrechten vor und forderte zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auf. Innerhalb weniger Tage musste Yahoo in Deutschland von der neuen Bildersuche auf die alte Version umstellen.

 
Das Prinzip Bildersuche
 
Würde man die Vorgehensweise der neuen Bildersuche auf die Websuche anwenden, so sähe das Szenario wie folgt aus: Google würde zu einem Suchbegriff, wie bisher die Ergebnisse anzeigen. Nach einem Klick auf eines dieser Ergebnisse würde sich jedoch nicht die eigentliche Webseite öffnen, auf der der Suchende den vollständigen Artikel lesen könnte. Stattdessen würde Google den vollständigen Artikel anzeigen oder ihn per Sprachausgabe vorlesen lassen. Welchen Grund sollte ein Suchender dann noch haben, die eigentliche Webseite aufzurufen?

 
Unterschriftensammlung gegen die neue Google Bildersuche

 Verteidige dein Bild

 
-->> Mitmachen: Bis Ende März sammelt der Düsseldorfer Werbe- und Hochzeitsfotograf Michael Schilling Unterschriften gegendie neue Google Bildersuche. Bereits über 1.700 Betreiber von Webseiten, darunter viele Fotografen, haben die Petition bereits unterzeichnet.
 

Ergänzung: Und weil es im Zusammenhang sehr gut passt, sei zum Thema "Contenthoheit" ergänzend noch auf einen aktuellen Blogartikel von Olaf Bathke verwiesen.
 

Eternity

Das Leben ist ein Augenblick zwischen zwei Ewigkeiten

Das Leben ist ein Augenblick zwischen zwei Ewigkeiten
Thérèse von Lisieux



Die längste Schneemobilkarawane der Welt - Weltrekordversuch in Malå / Lappland

Weltrekorde sind eine feine Sache. Aber es gibt schon ziemlich viele. In Malå - einem "Mekka" für Schneemobile, Schneemobilfahrer und Schneemobilliebhaber in Lappland haben sich das Orga-Team des Winterfestivals und der Schneemobilclub am vergangenen Wochenende der Aufgabe gestellt, einen neuen Weltrekord aufzustellen: Die längste Schneemobilkarawane der Welt. Kein einfaches Unterfangen. Die Messlatte ist vermutlich - das ist noch nicht abschliessend geklärt - ein Weltrekord aus dem Jahre 2004. Am 21.02.2004 hatten sich in Roseau, Minnesota, USA insgesamt 820 Schneemobile zu einer "Parade" versammelt.
 
Im Inland von Västerbotten sind die Voraussetzungen diesen Rekord zu knacken eigentlich nicht schlecht. Hat Västerbotten doch die höchste Schneemobildichte pro Einwohner in ganz Schweden. Nach den Daten des schwedischen statistischen Zentralbüros kommen z. B. in Malå auf 100 Einwohner 26 Schneemobile. Den schwedenweiten Rekord hält übrigens das benachbarte Storuman mit 50 Schneemobilen pro 100 Einwohner.
 
Zurück zu Malå. Bei 3.160 Einwohnern in der Verwaltungskommune sollten eigentlich 821 Schneemobile vohanden sein. Mit einigen Schneemobilen aus den benachbarten Kommunen standen die Chancen nicht schlecht einen neuen Rekord aufzustellen. Zumal die Definition der "Karawane" im Zusammenhang mit dem bereits bei Guiness verzeichneten Rekord unklar zu sein scheint.
 
So wurde also ein grosser Aufruf über lokale Medien verbreitet und alle Skoterfahrer aus der Gegend wurden zur Teilnahme am Rekordversuch eingeladen. Ein grosses Spektakel, das auch jede Menge Schaulustige angelockt hat und zugleich eine schöne Schau von Oldtimern und High-Tech-Fahrzeugen. Die Route ging vom Startplatz an der Eishalle über den Skihang auf den Gipfel des Tjamstanberges und dann wieder den Hang hinunter. Am Fussende des Hanges hat sich die Schneemobilmeute dann im Pulk versammelt. Der Start war um 16 Uhr, verzögerte sich aber wegen vieler Nachkömmlinge etwas. Schliesslich mussten alle Teilnehmer und alle teilnehmenden Schneemobile ordnungsgemäss registriert werden.
 
Die schlussendliche Zahl lag bei 254 Schneemobilen. Ob das einen Weltrekord ergibt, wird sich noch zeigen müssen. Bei Guiness eingereicht sind die Daten jedenfalls und ein interessantes Spektakel war das Ereignis allemal.
 
Wir waren vor Ort und haben für Sie eine Galerie und einen Film erstellt. Viel Spass!
 
-> Zur Fotostrecke: Die längste Schneemobilkarawane der Welt - Weltrekordversuch in Malå
 
-> Till bildspelet: Världsrekordförsök i Malå - Världens längsta skoterkaravan



 



Entkirchlichung in Schweden - Ein Zustandsbericht am Beispiel Kristineberg

Ein verhangener, grauer Wintertag. Irgendwie angemessen und passend zum heutigen "Highligt" des Tages. Es geht um den Abriss einer Kirche.
 
Kristineberg ist der Ort des Geschehens. Bloglesern dürfte der Name bekannt vorkommen. Beheimatet Kristineberg doch einen der touristischen Magneten in unserer Gegend: Die in einem Bergwerk in fast einhundert Metern Tiefe gelegene unterirdische Kirche.
 
Die "Untergrundkirche" geht auf eine Begebenheit zurück, die sich im Jahre 1946 ereignet hat. Nach einer Sprengung zeigte sich damals in einer Tiefe von 107 Metern eine über 2 Meter hohe Christusgestalt an einer der Grubenwände. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde von dem Ereignis und Menschenmassen wagten den seinerzeit sehr beschwerlichen Abstieg, um das Bildnis sehen zu können. Unweit der damaligen Fundstelle wurde 1990 eine unterirdische ökumenische Kapelle in einem ehemaligen Werkstattraum des Bergwerkes eingerichtet. Die Kapelle kann noch heute besucht werden.
 
Doch damit nicht genug. Interessanterweise gibt es zu diesem Ereignis eine überlieferte lokale Prophezeiung in der es heisst, dass sich Christus in Kristineberg mehrere Male zeigen werde.
 
Das geschah u.a. 1968. In diesem Jahr wurde beim Umbau eines Geschäftslokales in Kristineberg eine Marmorplatte gefunden, auf der dieselbe Gestalt, wie sie seinerzeit in der Grube zu sehen war, deutlich zu erkennen ist. 
 
Alles in allem dürfte zu erwarten gewesen sein, dass die Gegend um Kristineberg von einer besonderen Frömmigkeit geprägt ist. In der Praxis hat nun aber ein landesweiter schwedischer Trend auf besonders drastische Weise gerade in Kristineberg seine Auswirkungen gezeigt. Nachdem die Bevölkerung (Stichwort: Urbanisierung) in Kristineberg von einst noch knapp eintausend Einwohnern im Jahre 1960 auf nur noch gut zweihundertfünfzig im Jahre 2010 zurück gegangen ist, ist der Kirchenbesuch im Gleichklang mit der negativen Bevölkerungsentwicklung eingebrochen. Die Kirche aber für eine blosse handvoll Gottesdienstbesucher zu heizen, war für die Kirchengemeinde wirtschaftlich schlicht nicht mehr tragbar.
 
Und so kam es zu einem in Västerbotten bislang einmaligen Beschluss: Nach 56 Dienstjahren wurde der Abriss der Kirche beschlossen. Vergangenen Dienstag war es schliesslich soweit und binnen eines Tages war, wo einst die Kirche stand, nur noch blanker Erdboden zu sehen. Lediglich der separat stehende kleine hölzerne Glockenturm steht - wie ein Mahnmal - noch an alter Stelle. Die Stimmung war gespenstisch. Zu Beginn der Abrissarbeiten hatte sich eine grössere Menge an schaulustigen Zuschauern versammelt. Am späteren Nachmittag war in düsterer und geradezu bedrohlicher Atmosphäre nur noch der Abrissbagger am Werk. Zu dieser Zeit entstand auch die gezeigte Aufnahme. Sie ist symbolisch. Symbolisch für einen Trend: Die Entkirchlichung der schwedischen Gesellschaft.
 

Abriss der Kirche in Kristineberg Västerbotten Lycksele kommun
13.02.2013 - Abriss der Kirche in Kristineberg

 

Im Griff der Kälte - Fünf Listen mit Tipps für Leben, Arbeit und Fotografie im Winter

Vor exakt einem Jahr hatte ich über die "Minus-40-Grad-Woche" am Polarkreis in Lappland gebloggt.
 
Anfang Februar ist - nach dem Klimazyklus - erfahrungsgemäss eine der kältesten Perioden des Winters in den skandinavischen Ländern. In diesem Jahr war und ist es bislang nicht ganz so kalt wie in den früheren Jahren, aber dennoch schwingt sich das Thermometer nach Sonnenuntergang (derzeit gegen ca. 16 Uhr) um die +/- minus 30 Grad ein.
 
Auch andere Erdteile werden derzeit von Winter- und Kältephänomenen geplagt (siehe z. B. die verheerenden Blizzards in den USA).
 
Für alle, die sich der Kälte nicht entziehen können oder wollen, habe ich die wichtigsten 5 Listen zu Tipps für den Umgang mit der Kälte bei Leben, Arbeit und Fotografie zusammen gestellt:
 
1. Tipps für den Umgang mit der Kälte
 
2. Wintervorbereitungen: Mobilität und Auto
 
3. Fotografieren in der Kälte: 8 Fototipps für Eis, Schnee und Winter
 
4. Tipps zur mobilen Fotografie - Mit dem Smartphone durch den Winter
 
5. Polarlichter (Nordlichter, Aurora borealis) richtig fotografieren
 

 Snowcap at minus 25 C
Snowcap at minus 25 C

 

Foto-Futter-Extra: Ram Trucks Super Bowl Comercial "Farmer" - Football und Photography

Was hat der Super Bowl mit Fotografie zu tun? Es soll heute nicht um Sportfotografie gehen, sondern um Inspiration der Extraklasse.
 
Aber der Reihe nach: Der Super Bowl ist bekanntlich eines der grössten jährlichen Sportereignisse in den USA. Genauer gesagt: Das Finale der US-amerikanischen American-Football-Profiliga National Football League. Dieses Finale erreicht in den USA regelmäßig die höchsten TV-Einschaltquoten des Jahres. In Zahlen sind das durchschnittlich 90 Millionen Zuschauer (der Rekord lag sogar einmal bei um die 140 Millionen).
 
Besonders interessant sind die Werbespots (die bei diesem Event zu Rekordpreisen zu haben sind: Wir reden über ca. 3 Millionen Dollar für 30 Sekunden Werbezeit). Legendär ist mittlerweile z. B. der 1984 von Apple zur Super5 Bowl XVIII geschaltete Werbespot.
 
Am vergangenen Sonntag war es nun wieder einmal an der Zeit für den Super Bowl (Nummer XLVII in New Orleans, die siegreichen Baltimore Ravens gegen die San Francisco 49ers).
 
Und ein Werbespot stach mit Abstand heraus: Der Ram Trucks Commercial unter dem Titel "Farmer".
 
 
 
Womit wir mitten im Thema wären. In diesem brillianten und ergreifenden Spot werden eine Reihe von hervorragenden Fotografien zu einer Story verwoben. Die Aufnahmen sind atemberaubend - sowohl von der Güte der Einzelbilder, wie auch vom Storytelling. Die Agentur "The Richards Group" hat für die Produktion zehn Weltklassefotografen engagiert, was sich im Ergebnis deutlich wider spiegelt.
 
Der Foto-Futter-Tipp ist: Bitte unbedingt die Portfolios dieser zehn Meister ihres Faches in Ruhe durchsehen. Eine Augenweide und eine Quelle der Inspiration. Es geht um:
 
William Allard,
 
Andy Anderson,
 
Jim Arndt,
 
Daniel Beltra,
 
Mark Gooch,
 
Andy Mahr,
 
Kurt Markus,
 
David Spielman,
 
Matt Turley und
  
Olaf Veltman.
 

Irgendwo unter dem Eis...

...muss das doch Auto sein. Nachdem uns in den vergangenen Tagen mehre Mails mit Nachfragen erreichten, warum es denn hier im Blog derzeit etwas ruhiger sei, heute ein kleiner Einblick in das winterliche Alltagsleben am Polarkreis.

Winter ist natürlich Hochsaison, was die Tourismusfotografie anbelangt. Der Kalender ist also ohnehin gut gefüllt mit vielen Terminen. Diese sind meist auch mit längeren Anfahrten verbunden. Soweit so gut, und soweit so erfreulich.

Der Winter hat aber eben auch den Nebeneffekt, dass vieles einfach mehr Zeit benötigt: Fahrten, die im Sommer eine Stunde lang sind, verdoppeln sich oft zeitmässig. Dazu kommt jede Menge Extraarbeit. Dieser Winter ist bislang von häufigen Temperaturwechseln gekennzeichnet. Heute minus 25 und morgen nur minus vier. Das hat unerfreuliche Nebeneffekte. Nach einer längeren Autofahrt bei minus vier Grad ist das Auto halbwegs auf- oder zumindest gut angetaut. Abtrocknen ist aber schwierig. Wenn also in der Garage kein Platz ist, ist das Auto bis zum nächsten Morgen mit einem gediegenen Eispanzer überzogen. Resultat: Um allein die Türen öffnen zu können, ist oft erst mal die Heissluftpistole angesagt und das Auftauen zur Herstellung der "Fahrbereitschaft" kann gut und gerne mal eine halbe bis ganze Stunde dauern.

Kurz und gut: Die Tage sind gefüllter,als in der Sommersaison und fürs Bloggen bleibt schlicht weniger Zeit. Aber der Winter ist ja bald vorüber...

Irgendwo unter dem Eis ... muss das Auto doch sein...
Irgendwo unter dem Eis ... muss das Auto doch sein...

Polaroid memories - Once upon a time

Ein zeitiger Frühjahrsputz. Ein- und Ausräumen. Kartons umräumen. Die in der Abstellkammer immer beiseite geschobenen Kisten. Umzugskartons, um genau zu sein. Kennen Sie auch, oder?
 
Jedenfalls, dieses Mal geht es den Pappmonstern an den Kragen. Löblich, oder? Der Einsatz wird belohnt, denn da findet sich eine ältere Schachtel mit Polaroids. Willkommener Anlass für eine Kaffeepause mit Bilderschau.

Ein Polaroid sticht heraus. Nach kurzer Gedankenakrobatik klärt sich, dass es sich um eine Aufnahme aus dem Jahr 1980 handeln muss. Sie zeigt - die damals schon sehr betagte - Grossmutter, die fasziniert ein Polaroid in der Hand hält. Dasselbige entwickelte sich gerade vor ihren Augen, und so etwas hatte sie weder zuvor gesehen, noch in ihren kühnsten Träumen erwartet. Das war der berühmte "Polaroid-Effekt" in der Praxis. Heute werden den nur noch wenige kennen. Damals war das der letzte Schrei. Auf der Rückseite ist das Polaroid übrigens beschriftet mit "Geknipst + schon fertig?".
 
Bei der zweiten Tasse Kaffee beginnen die Gedanken philosophisch umher zu streifen. Diese Polaroids. Als "schnelle Unikate" waren sie so unverschämt künstlerisch. Die Geschwindigkeit ist uns erhalten geblieben (siehe) aber die Tangibilität ist verloren gegangen.

Jammerschade, denn Papierbilder sind anfassbar und vermitteln dadurch ein Erlebnis und einen - künstlerischen und/oder monetären - Wert in sich. Das können Instagram & Co eben nicht. Erst recht nicht die "Likes" (wie immer sie auf den verschiedenen Plattformen auch heissen mögen).

Wäre übrigens noch eine Geschäftsidee: "Bestelle einen Abzug, auf dem alle deine Likes zu einem bestimmten Foto zu sehen sind. Das Format des Abzuges wird an die Anzahl der Likes angepasst. Wir drucken bis zu 13 x 30000 cm, was max. 1 Million Likes entspricht. Im Abo gibt es 15% Rabatt."
 
Setzen. Leichte Verbeugung genügt.
 
Ach Oma. Hättest Du gedacht, dass es einmal so weit kommen würde?

Polaroid memories - Once upon a time

 
 

Startschuss: "GO IGLOOTEL"

Unter grossem medialen Interesse und mit einer Vielzahl hochkarätiger Besucher aus Politik, Wirtschaft und Tourismus ist vor einigen Stunden das Iglootel offiziell eröffnet worden. Wir hatten bereits über die Bauphase und Fertigstellung berichtet.

Bei bestem lappländischen Wetter und unter sternklarem Himmel fand nun in Abborrträsk die offizielle Einweihung mit ca. 100 geladenen Gästen statt. Das Iglootel-Team hatte eine gelungene Eröffnungsfeier auf die Beine gestellt.
 
-> Zur Fotostrecke: Offizielle Einweihung Iglootel Lapland
 
-> Till bildspelet: Invigning Iglootel


Die Leitung des Iglootel nimmt Glückwünsche zur Einweihung entgegen
Die Leitung des Iglootel nimmt Glückwünsche zur Einweihung entgegen

Review: Photo Ninja von Picturecode - RAW Konvertierung der Spitzenklasse

Obwohl das Fotografieren in JPG - nicht zuletzt durch die immer besser werdenden kamerainternen Engines in den neuen m4/3 Kameras - wieder deutlich an Popularität gewonnen hat, ist RAW für alle qualitätskritischen Aufnahmen nach wie vor Pflicht. Der Haken an der Sache liegt freilich darin, dass die eigentliche Arbeit dann oft erst am Computer anfängt. RAW-Dateien wollen entwickelt, d.h. umgewandelt und bearbeitet werden. Ein leistungsfähiger RAW-Konverter, der sich gut in den eigenen Workflow einpasst, ist also gefragt. Auf dem Markt tummeln sich einige Kandidaten und kürzlich ist ein "neuer Stern am Himmel" verfügbar geworden: Photo Ninja von Picturecode.
 
Die Softwareschmiede Picturecode dürfte als Hersteller der Noise Ninja Plugins weithin bekannt sein. Vor einiger Zeit hat man sich bei Picturecode entschieden, die reine Plugin-Entwicklung einzustellen und die vorhandene Technologie und das vorhandene Know-How stattdessen in die Entwicklung eines neuen "High-End" Raw-Konverters zu investieren.
 
An dieser Stelle sei ein kleiner persönlicher Exkurs gestattet: In Sachen RAW-Entwicklung habe ich die letzten Jahre auf Bibble gesetzt. Geschmeidiger Workflow und hervorragende Geschwindigkeit bei guter Qualität. Und das sowohl auf dem Mac, wie auf dem PC. Den Boliden Lightroom mochte ich nie richtig leiden und Aperture war ja auf den Mac beschränkt (was in unserer hybriden EDV nicht schön gewesen wäre).
 
Dann allerdings kam im Dezember 2011 überraschend die Nachricht, dass Bibble an Corel verkauft worden ist. Soweit so gut. Große Entwicklungspläne wurden kommuniziert und Hoffnungen geweckt. Heute, ein gutes Jahr später, dürfen die Anwender leider feststellen,
dass das Projekt, des auf den neuen Namen "Afer Shot Pro" getauften Bibble-Nachfolgers als gescheitert betrachtet werden kann.

Es gab keine Updates zu neuen Kameramodellen und die im ersten Release vorhandenen Bugs fristeten munter weiter ihr Dasein. Jammerschade. Wie aus dem entspr. Unterforum bei Corel zu entnehmen ist, migrieren immer mehr der früheren Bibble-Poweruser zu anderen Programmen.

Für "Brot & Butter" Sachen verwende ich After Shot Pro zwar noch immer wegen der Gewöhnung und der guten Geschwindigkeit (jedenfalls für Aufnahmen mit Kameras, die von der vorliegenden Version noch unterstützt werden), die Unzufriedenheit ist jedoch gewachsen. Seit einiger Zeit bereits war ich auf der intensiven Suche nach einem hervorragenden RAW-Konverter für ausgesuchte Bilder. Und hier kommt Photo Ninja ins Spiel. Ende des Exkurses.
 
Mit keinem geringeren Anspruch, als einer der besten RAW-Konvert auf dem Markt zu sein, ist Photo Ninja ins Rennen gegangen. Die Software ist - wie schon gesagt - noch recht jung und liegt derzeit in der Version 1.04 vor. Trotz der geringen Versionsnummer gibt es praktisch keine nennenswerten Kinderkrankheiten mehr (mir ist jedenfalls bislang nichts aufgefallen).
 
Was zeichnet Photo Ninja aus? In erster Linie eine äusserst gute Bildqualität, die durch einen faszinierend grossen Detailreichtum und eine für meine Begriffe nahezu perfekte Farbumsetzung geprägt ist. Aber der Reihe nach. Was bereits bei der Installation positiv auffällt ist, dass die Programmierer ihre Hausaufgaben sehr gut gemacht haben. Lediglich einige wenige MB landen auf der Festplatte - verglichen mit mehreren Hundert MB bei den eingeführten RAW-Boliden. Schlanker Programmcode lässt u.a. darauf schliessen, dass alles so effektiv wie möglich programmiert ist. Pluspunkte also gleich zu Beginn.
 

Die Oberfläche von Photo Ninja im Überblick
Die Oberfläche von Photo Ninja im Überblick


Die Programmoberfläche ist aufgeräumt und übersichtlich. Eine Laufleiste am unteren Bildschirmrand zeigt die zur Auswahl stehenden Bilder, die sich an der gewählten Quelle befinden. Links befindet sich eine Spalte mit den zur Verfügung stehenden Bearbeitungsmöglichkeiten. Oben in der Leiste findet sich an gewohnter Stelle das Histogramm. Hinter den einzelnen Punkten verbergen sich Untermenüs, die bei ihrer Auswahl aufklappen und jeweils eine Anzahl Bearbeitungsoptionen freigeben. Die einzelnen Bearbeitungsbereiche sind sehr durchdacht und gut gruppiert. Ganz nach dem Motto von Picturecode "Von Profis für Profis".
 
Öffnet man ein Bild, führt das Programm standardmäßig eine Rettung der Highlights durch, deren Ergebnis sich dann in den Einstellungen im Bereich Exposure befindet. Ich habe mit einigen Extrembeispielen experimentiert und bin von den Resultaten recht angetan. Und bei Bildern, bei denen mit Intention ausgebrannte Stellen vorkommen sollen, lässt sich die Automatik in den Einstellungen im Bereich Exposure problemlos und geschmeidig wird zurück stellen.
 
Die Bildbearbeitung dürfte meistens im Bereich Exposure beginnen. Dort empfiehlt sich die - standardmässig bereits vorgewählte - Einstellung Smart Lightning. Diese kombiniert die Belichtung out of the cam mit einer Dosis Illumination (dazu sogleich mehr) und einer etwas aggressiveren Highlight Rettung.

Photo Ninja - Der Bereich Exposure
Der Bereich Exposure

 
A propos Illumination: Der Regler Illumination beinhaltet ein "adaptive lightning". Normalerweise würde man einfach mit der Belichtung hochgehen. Das gefährdet aber schnell die Highlights. Abhilfe schafft die Illumination, die den globalen Kontrast erhöht und gleichzeitig die Highlights komprimiert. Wer den Spezialkonverter RPP auf dem Mac kennt, dem kommt diese Funktion vielleicht bekannt vor. Die Ergebnisse sind verblüffend, insbesondere wenn der an die Belichtungskorrektur gekoppelte Modus (kleine Doppelpfeile) gewählt wird. Ich finde die Einstellung zur Illumination gigantisch praktisch, wenn kritische Highlights im Bild enthalten sind.
 
Natürlich gibt es im Bearbeitungsbereich Exposure einen sehr fein ansprechenden Regler für die Rettung der Highlights, der mit einem Regler zur Vermeidung unerwünschten Farbstichs in den geretteten Bereichen im Bereich Color Correction im Zusammenspiel steht.
 
Der Erwähnung wert ist auch der ebenfalls unter Exposure zu findende Regler Detail. Er erinnert stark an die Clarity bei Lightroom. Die Details heben feine Details und Strukturen hervor und eignen sich bei Anwendung im negativen Reglerbereich hervorragend, um Potraits mit sanfterer Haut zu versehen.
 
Übrigens: Alle einmal gewählten Einstellungen lassen sich selbstverständlich als eigene Presets speichern.
 

Photo Ninja - Als Noise Reduction kommt Noise Ninja 3 zum Einsatz
Als Noise Reduction kommt Noise Ninja 3 zum Einsatz


Für die Rauschunterdrückung gibt es unter dem Namen Noise Ninja 3 ein Modul, in dem eine weiterentwickelte Version des ohnehin schon hervorragenden Noise Ninjas mit feinen Einstellmöglichkeiten am Werk ist. Da gibt es nicht viel mehr zu sagen. Die Ergebnisse sind schlicht erster Güte.

Photo Ninja - Beinahe magisch - Der Bereich zur Korrektur von CAs
Beinahe magisch - Der Bereich zur Korrektur von CAs

 
Ein besonderes Hightligt ist der Bereich CAs. Was Photo Ninja hier - im Regelfalle mit automatischer Analyse - bewerkstelligt, ist schlicht phänomenal. Ich habe z.B. ein älteres f2.8er Sigma Tele, das ich aus persönlichen Gründen heiss und innig schätze. Leider ist der Oldtimer mit heftigen CAs gesegnet. In anderen RAW-Konvertern hat das immer zu einem fast unendlichen Getüftele mit manuellen Einstellungen geführt. Photo Ninja hat das Problem nun gelöst. Und das vollautomatisch. Die heftigen CAs sind einfach fast völlig verschwunden.

Photo Ninja - Die Vignetten-Korrektur
Die Vignetten-Korrektur

 
Schliesslich sind noch die intelligente Vignetten-Korrektur und das Modul zur Korrektur von Verzerrung und Perspektive löblich zu erwähnen. Die Vignetten-Korrektur hat einen guten Automatikmodus. Lediglich bei Verzerrung und Perspektive ist Handarbeit angesagt, wobei die gefundenen Resultate wiederum als Presets für später dienen können.

Photo Ninja - Der Bereich für Entzerrung und Korrektur der Perspektive
Der Bereich für Entzerrung und Korrektur der Perspektive

 
Was bei allen Bearbeitungen möglicherweise negativ auffällt ist, dass jeweils "Apply" oder "Cancel" gewählt werden muss (obwohl die Regler natürlich eine Live Vorschau haben). Das mag altertümlich anmuten. Mich stört es nicht.

Photo Ninja - Die Optionen für die Bildausgabe als JPG oder TIFF
Die Optionen für die Bildausgabe als JPG oder TIFF

 
Ist ein Bild fertig bearbeitet, kann es als JPG oder TIFF gespeichert werden. Die Einstellungsmöglichkeiten - die als Presets gespeichert werden können - finden sich im Screenshot. Es findet sich dabei alles, was erforderlich ist.

Eine Batchbearbeitung gibt es im Moment (leider) noch nicht. Diese steht aber auf der To-Do-Liste der Entwickler.
 
Die derzeit unterstützten Kameras und RAW-Formate gibt es hier nachzulesen.
 
Ich habe mit RAWs aus verschiedenen Nikon und Olympus m4/3 Modellen getestet. Bei allen hat sich die überragende Qualität von Photo Ninja unter Beweis gestellt.
 
Die internen Berechnungen scheinen sehr rechenintensiv. Das ist - wie der Hersteller selbst erklärt - der hohen Qualität geschuldet. Ein zeitgemässer Rechner ist daher kein Fehler. Was nahtlos zum nächsten Punkt führt. Photo Ninja gibt es für Windows-PCs und Macs, wobei künftige Versionen nur für 64-Bit Systeme erscheinen werden. Technisch kann ich die Entscheidung nachvollziehen; sehr schade finde ich es trotzdem.
 
Was noch äusserst positiv auffällt, ist die unkomplizierte und schnelle Kommunikation mit Picturecode. Alle meine Anfragen und Anregungen wurden innerhalb kürzester Zeit beantwortet. Schlicht vorbildlich im Vergleich zu anderen Softwareherstellern.
 
Auf der Homepage des Herstellers finden sich instruktive Tutorials und die Möglichkeit zum Download einer Demoversion (für die ein zwei Wochen gültiger Code angefordert werden muss).
 
Dem geneigten Leser dürfte nicht entgehen, dass ich von Photo Ninja begeistert bin. Die Bearbeitung nimmt zwar mehr Zeit in Anspruch als bei gängigen Konkurrenten. Die zu erzielenden Ergebnisse und der "Look" der Bilder entschädigt aber bei weitem für den höheren Aufwand.
 
Ich überlade dieses Review nicht mit einer Masse an Screenshots von Vergleichsbildern sondern möchte alle interessierten Leser ermutigen, sich mit Hilfe der kostenlosen zwei-Wochen-Demo selbst ein Bild zu machen. Ich bin ziemlich sicher, dass viele Blut lecken werden...
 
Die Vollversion kostet USD 129 und beinhaltet kostenlose Updates für die Dauer von 12 Monaten. Wer bereits eine Noise Ninja Vollversion sein eigen nennt, kann die Vollversion für USD 79 erwerben.
 
Mein Fazit: Für mich der bislang der Qualitätsmässig beste RAW-Konverter. Klare Empfehlung - eigentlich sogar ein "must have".

Update: Die Version 1.05 unterstützt jetzt auch Batch-Processing
 

Android Apps für Fotografen - Meine Top Drei

Smartphone-Fotografie: Der Trend ist ungebremst. Ich möchte heute nicht über Gründe und Entwicklungen spekulieren. Nur soviel: Es macht Spass, mit dem Smartphone zu fotografieren. Es ist einfach "smart". Das Smartphone ersetzt mir z. B. mittlerweile oft die klassische "Hosentaschenknipse". Besonders für private Bilder und für "Behind the scenes". Und nebenbei fällt mir auf, dass diese Sorte Bilder auch immer häufiger in kommerziellen Produktionen zum Einsatz kommen.
 
Nach längerer Testphase habe ich mich im vergangenen Jahr für einen Androiden entschieden. Keine "Glaubensfragen" (IPhone contra Androiden) an dieser Stelle. Dafür aber meine Top Drei Android Apps, die auf das Fotografen-Smartphone gehören.
 

1. Bilder machen
 
Foto-Apps gibt es wie Sand am Meer. Ich habe viele durchprobiert. Da gibt es alle möglichen Effekte und Verschnörkelungen. Nur wenige Apps sind auf das Wesentliche reduziert. Kurz und gut: Wer aus der Fotografen-Ecke kommt, der braucht Vignette für Android.
 
Schlank und unverschnörkelt. Filter und Effekte, die im fotografischen Workflow vertraut sind. Schnell und pragmatisch. Regelmässige Updates. Und das zu einem äusserst günstigen Preis.
 

2. Bilder sichern
 
Nach der Beinahe-Katastrophe von Instagram (statt aller nur ein Link und ein Hinweis auf meine eigenen Gedanken dazu) gilt jetzt erst Recht: Keine Bilder mehr in den Umlauf ohne deutliches Wasserzeichen!
 
Warum? Hand aufs Herz: abgesehen von Plattformen die meinen, sich plötzlich Rechte an den Inhalten sichern zu wollen (und unabhängig davon, ob das juristisch zulässig oder nicht zulässig ist), gilt: Was im Web auftaucht und sichtbar wird, kann in Umlauf geraten. Egal, wie das Urheberrecht aussieht, denn Hemmschwellen gibt es in der digitalen Welt fast nicht mehr. Eine Alternative wäre lediglich, gar keine Bilder mehr in die wunderbare digitale Welt zu setzen. 
 
Watermarking Apps gibt es nicht so fürchterlich viele. Mein Tipp ist Add Watermark. Die App ist komfortabel und bietet viele sinnvolle Optionen, darunter: Text- und Grafikwatermarks (die frei platziert werden können - mit PNGs auch transparent), Resizing und eine komfortable Sharing-Funktion, mit der die Bilder auf Wunsch auch gleich auf Instagram, Facebook, Twitter usw. verbreitet werden können.
 
Es gibt eine Freeware und eine - sehr günstige - Bezahlversion. Ich empfehle die Letztere, denn bei der Freeware ist das Skalieren auf eine feste Grösse begrenzt.
 

3. Energie!
 
Der neuralgische Punkt der allermeisten Smartphones liegt in den Elektronen. Zu schnell ist der Akku leer, wenn viel gearbeitet wird. Da es und ja vornehmlich ums Fotografieren geht, kann an anderen Stellen Energie gespart werden. Nichts ist ärgerlicher, als wenn der Akku gerade dann schlapp macht, wenn das Traummotiv vor das Smartphone kommt, oder?
 
Das ultimative Werkzeug zum Energiesparen hört auf den Namen Juice Defender. Eine kleine App, die dem Smartphone bei Nichtbenutzung den Datenverkehr ausdünnt, und dadurch jede Menge Energie spart. In der Standardeinstellung kommen eingehende Anrufe und SMSe immer durch. Lediglich der energiefressende Datenverkehr wird eingeschränkt. Klingt viel komplizierter als es in der Praxis ist. Mit Juice Defender lässt sich die Akkulaufzeit gut und gerne um mindestens die Hälfte verlängern.
 
Für die allermeisten Anwender genügt übrigens die Freeware, die mit vordefinierten Presets kommt.
 
Am Rande und auch zum Thema Energie: Speziell für den Winter habe ich neulich bereits einige Tipps für die Smartphone-Fotografie zusammen gestellt.
 

Meine Entscheidung im Fotografr-Foto-Dreikampf Runde 3: "Mein bester Foto-Tipp"

Michael "Omori" Kirchner, Herausgeber von "Fotografr", hatte mich gefragt, ob ich auch in der dritten Runde des Foto-Dreikampfes als Juror zur Verfügung stehe. So kam ich nun nochmals zu der grossen Ehre, Mitglied der Jury sein zu dürfen.
 
In der dritten Runde des Foto-Dreikampfes ging es um die Aufgabe, den besten Foto-Tipp zu geben. Die Thematik war ansonsten recht frei gehalten. Lediglich ein Zusammenhang mit der Fotografie im weitesten Sinne war gefordert.
 
Die Kriterien für die Bewertung waren:
 
- Wie originell ist der Beitrag?
- Ist der Text verständlich und unterhaltsam?
- Ist der Betrag inhaltlich korrekt?
- Wie informativ ist der Inhalt?
 
Die dritte Runde war mit knapp 120 Einsendungen sehr spannend und ich muss zugeben, dass die Auswahl wieder alles andere als einfach war (und ich eigentlich gerne 5 Sieger gekürt hätte :).
 
Mit in der Jury waren die geschätzten Kollegen Stefan Groenveld, Torsten Mühlbacher, Hendrik Roggemann, Ralf Nöhmer, Manuel Mauer, Sven Wickenkamp, Manfred "Zoomyboy" Huszar, und Stefan Neuweger.
 
Nun zu meiner Auswahl. Oft sind es die einfachen Tipps, die am besten sind (und das sind zugleich oft die am schwersten zu befolgenden...).

Voran stellen möchte ich aber eine Honourable Mention. Patrick Opierzynski hat in den Beiträgen zum Wettbewerb eine Geschichte berichtet, die "ans Herz geht". Kein Tipp im engeren Sinne - ausser vielleicht der, dass man immer eine geladene Sofortbildkamera dabei haben sollte. Die Geschichte ist aber so eindrücklich, dass ich sie an den Anfang stellen möchte (und ich hoffe, dass Patrick gegen das lange Zitat seines Beitrages keine Einwendungen hat - falls ja bitte kurze Rückmeldung):
 
"Was ist mein bester Foto-Tipp? Ich glaube diese Frage lässt sich nicht wirklich einfach beantworten, da die Fotografie an sich so unglaublich vielschichtig und abwechslungsreich ist, dass es nicht möglich ist, für eine ganz bestimmte Situation einen ganz bestimmten Tipp zu geben. Da sich jede Foto-Situation von einer anderen unterscheidet.
 
Trotzdem möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, die sich im weitesten Sinne um die Entstehung
dieses Fotos rankt:
 
Im Rahmen meines „Radio Nowhere“-Projektes war ich mal wieder mit meinem alten Grundig Radio und meiner Digitalkamera unterwegs. Als „Location“ hatte ich mir den Dattel-Hamm-Kanal ausgesucht. Neben meiner DSLR trug ich auch noch eine alte Polaroid-Kamera in meiner Tasche herum ... So lief ich also mit meinen zwei Kameras und einem alten Radio durch die Gegend, als mir ein älterer Herr auf dem Fahrrad entgegen kam. Wir grüßten uns, er fuhr weiter und ich ging ebenso meines Wegs. Als es plötzlich hinter mir klingelte sah ich, dass der Herr umgedreht hatte und wieder auf mich zukam.
 
„Sind Sie Fotograf?“, fragte er mich interessiert und ich antwortete, dass die Fotografie mein Hobby sei und ich momentan dabei wäre einige Ideen um zu setzten. Während wir ein wenig plauderten zeigte er plötzlich auf die drei große Kühltürme, die unweit von uns aus der grünen Landschaft ragten und erzählte mir, dass er dort über 50 Jahre beschäftigt gewesen sei. „Bis vor einem Jahr, da kam dann die Rente“. Da er so viele Erinnerungen mit diesem Platz verbinde, würde er mindestens einmal die Woche mit dem Fahrrad an seiner ehemaligen Arbeitsstätten vorbeifahren. Es sei ihm unheimlich schwer gefallen, sich von all dem zu trennen.
 
„Über 40 Jahre dort drüben“, er zeigte auf die drei Türme, „und ich hab kein Foto mit diesen drei Riesen drauf. Aber mit diesen komischen digitalen Dingern ist datt ja immer so ’ne Sache“, er deutete auf meine DSLR, “ da bringt mir datt Foto ja nüscht, wenn ich keinen Computer hab‘.“
 
Der Groschen war in diesem Moment noch nicht bei mir gefallen – erst als er sich verabschiedete, mir einen schönen Tag und alles Gute wünschte, schoss mir durch den Kopf, dass ich in meiner Kameratasche noch die alte Polaroid-Kamera versteckt hatte. Ich rief den Mann zurück und bat ihn, sich und sein Fahrrad mit den drei Türmen im Hintergrund zu positionieren, in Richtung Kamera zu schauen und einmal „CHEEEESE“ zu sagen. Ein wenig verwundert leistete er meinem Wunsch Folge und grinste umso breiter, als er erkannte, dass ich eine Sofort-Bild-Kamera in den Händen hielt und deren Auslöser drückte.
„Datt ist ja doll – Die gibt’s auch noch?!“, sagte er als wir nebeneinanderstanden und ich mit dem Polaroid wedelte. Langsam erschienen der Mann und sein Fahrrad – vor seinem ehemaligen Arbeitsplatz.
 
Ich gab ihm sein Foto, wünschte ihm einen schönen Tag und alles Gute. „Danke, danke, vielen Dank“, sagte er und eine Träne kullerte ihm über seine Wange. „Danke, danke“, rief er mir hinterher.
 
Ein kleines Foto, aus einer uralten Kamera – fernab von Megapixeln, Zoom und hochvergüteten Linsen – aber ein Bild, das einen Menschen unheimlich glücklich gemacht hat. Für mich ein wunderbarer Moment…
 
Und ob dies nun ein wirklich Tipp war weiß ich nicht – Doch vielleicht sagt es etwas Allgemeines darüber aus, was Fotografie in uns auslösen kann, auch wenn es sich nur um ein kleines Bild aus einer Sofort-Bild-Kamera handelt. Und genau das ist es, was einem bewusst werden sollte, wenn man durch den Sucher in die Welt hinaus schaut – Fotos sind Emotionen. Und mit dieser Erkenntnis, lassen sich wunderbarste Fotos machen."

Text im kursiven Zitat von Patrick Opierzynski
 
Nun meine drei Tipp-Favoriten, wobei die Reihenfolge der Nennung keine Wertung darstellt:
 

Nummer 1: „Rechenschaft ablegen - mit dem fotografischen Jahrbuch“ von Christian Ahrens
 

Nummer 2: Habt keine angst euch dreckig zu machen! von Marco Bergner
 
Marco schreibt: "Habt keine angst euch dreckig zu machen! Für ein gutes Foto lohnt es sich auch durch den Dreck zu kriechen..."
 

Nummer 3: „Kameraeinstellungen überprüfen“ von Conny Hilker
 

Iglootel Lapland - Arctic Snow Experience, Teil II

Im ersten Teil unserer Reportage über das neueste touristische Highlight in Schwedisch-Lappland hatten wir über die Bauphase des Iglootel berichtet.

Theke Iglootel Lapland - Arctic Snow Experience
Theke - Iglootel Lapland

 
Mittlerweile ist die Anlage fertig gestellt und hat den Betrieb aufgenommen. Von aussen sieht das Bauwerk recht unscheinbar aus. Von innen allerdings offenbart sich die Iglusiedlung als eine faszinierende eigene Welt. Mit den labyrinthartigen Gängen und einem ausgeklügelten Beleuchtungssystem entsteht eine Atmosphäre, die schwer in Worte zu fassen ist. Futuristisch - beinahe mit einem Touch von "Raumschiff Enterprise".
 
Für die Gäste stehen zehn Schlafiglus zur Verfügung, die eine beruhigende Schlichtheit und zugleich eine grosse Geborgenheit ausstrahlen. Ein 360-Grad-Panorama aus einem Schlafiglus gibt es hier zu bestaunen.
 
A propos Klima: Auch wenn ausserhalb der Siedlung minus 30 Grad herrschen und gerade ein Schneesturm über die Anlage pfeift, ist es innen behaglich.
 
Eine eigens aus Deutschland angereiste Gruppe von Künstlern hat die Innenwände der Anlage mit aus Schnee und Eis modellierten Kunstwerken in samischem Stil versehen.
 
-> Zur Fotostrecke: Iglootel Lapland - Arctic Snow Experience, Teil II
 
-> Till bildspelet: Iglootel, del II

 

Schlafiglu Iglootel Lapland - Arctic Snow Experience
Schlafiglu - Iglootel Lapland


 

Extra: Weihnachts-Fotofutter

Geschenke ausgepackt? Festmahlzeit(en) verspeist? Familienkrach mit Anstand überlebt?
 
Kommen wir zum nächsten Punkt: Langeweile am zweiten Weihnachtsfeiertag? Dem kann abgeholfen werden.
 
Einige Stunden hochkarätige Videos von der Photoshelter Luminance Konferenz 2012. Insgesamt 25 Vorträge von jeweils ungefähr 30 Minuten warten auf den interessierten Betrachter.
 
Spannende Themen rund um die Fotografie. Meine persönlichen Favoriten sind der Vortrag von Zack Arias zum Thema Social Media und der Vortrag von David Burnett zu seinen "analogen Abenteuern"
  
Hoffe, der Tag ist damit gerettet :)

Frisch ausgepackt: Das Weihnachts-Foto-Futter 2012
Frisch ausgepackt: Das Weihnachts-Foto-Futter 2012

Fröhliche Weihnachten

Geseende Kerfees! - Gëzuar Krishlindjet! - Gozhqq Keshmish! - I'D Miilad Said! Nabidà! - Shenoraavor Nor Dari! - Bones Navidaes! - Mbung Mbung Krismie! - Shuvo Baro Din! - Vasel Koleda! - Mi wisim yufala eerywan one gutfala Krismas! - Nedeleg laouen! - Bogem h n mh m! - Danistayohihv! - Hoesenestotse! - Glædelig Jul! - Fröhliche Weihnachten! - Jutdlime pivdluarit! - Gajan Kristnaskon! - Rõõmsaid Jõulupühi! - Gledhilig jól - Hyvää Joulua! - Zalig Kerstfeest! - Joyeux Noël! - Bon Nadâl! - Noflike Krystdagen! - Gilotsavt Krist'es Shobas! - Kala Christougenna! - Barka da Kirsimatikuma! - Mele Kalikimaka! - Mo'adim Lesimkha! - Okresmesa ombwa! - Shubh Naya Baras!m - Vrolijk Kerstfeest! - Selamat Hari Natal! - Nollaig Shona Dhuit! - Merry Christmas! - Sugeng Natal! - Ojenyunyat Sungwiyadeson homungradon nagwutut! - Shinnen omedeto! - Gute Vaynakhtn! - Seng Dan Fai Lok! - Bon nadal! - Noeli Nziza! - Isangle Krismen! - Bon Natale! - Appi Krismes! - Sretan Bozic! - Seva piroz sahibe! - Bon Nadel! - Buon Natale! -Wanikiya tonpi wowiyuskin! - Prieci'gus Ziemsve'tkus! - Linksmu Kaledu! - Amazalibwa Agesanyu! - Schéi Krëschtdeeg! - Selamat Hari Natal! - Nixtieklek Milied tajjeb! - Salama' Natal! - Kung His Hsin Nien! - Nollick ghennal! - Streken Bozhik! - Kia orana e kia manuia rava! - God Jul! - Festusu Natale! - Ungil Kurismas! - Esimano olyaKalunga gwokombandambanda! - Krist Yesu Ko Shuva Janma Utsav Ko Upalaxhma Hardik Shuva! - Wesolych Swiat! - Boas Festas! - Mata-Ki-Te-Rangi! - Sumaj kausay kachun Navidad ch'sisipi! - Bella Festas daz Nadal! - Craciun fericit! - Bachtalo krecunu Thaj! - Bonu nadale! - Pozdrevlyayu s prazdnikom Rozhdestva! - Buorit Juovllat! - Nollaig chridheil! - I'Taamomohkatoyiiksistsikomi! - Schöni Wienacht - Sretam Bozic! - Bon Natali! - Vesele Vianoce! - Vesele bozicne praznike! - Feliz Navidad! - Krismas Njema Na Heri! - Maligayang Pasko! - Ia ora i te Noera! - Suksan Wan Christmas! - Prejeme Vam Vesele Vanoce! - Veseloho Vam Rizdva! - Nadolig LLawen! - Kellemes Karacsonyiunnepeket! - Chuc Mung Giang Sinh! - Quyanalghii Kuusma! - Winshuyu sa Svyatkami! - Sinifesela Ukhisimusi Omuhle!

Weihnachtsgruss 2012
Weihnachtsbild 2012

22.12. - Wir leben noch und was ist sonst so geschehen?

Die gute Nachricht zuerst: Den 21.12. haben wir - aus Gesamtweltperspektive gesehen - mit Anstand gemeistert. Will sagen: es gibt uns noch. Ist doch schon mal was.
 
Passiert ist trotzdem etwas. Witzigerweise gerade um das vielbeschworene Datum herum. Instagram hat den Selbstmord geprobt. Und jede Menge Vertrauen verspielt. Und User verloren. Vor allem ernsthafte Amatuer- und Profifotografen.
 
Eigentlich wollte ich ja eine Linkliste zum Thema hier einstellen. Nachdem dann innerhalb eines Tages bereits mehr als 40 lesenswerte Links beisammen waren, war die Menge einfach zu gross. Die Geschichte dürfte sich mittlerweile ohnehin flächendeckend herum gesprochen haben. Und nun ist Instagram gerade dabei, auf Raten zurück zu rudern.
 
Was mich eigentlich stört ist nicht die Tatsache, dass - für den User kostenfreie Soziale Medien - ein Geschäftsmodell entwickeln müssen, wenn sie überleben wollen. Seit ich 2009 "Free: The Future of a Radical Price" von Chris Anderson gelesen habe, war mir das System von Facebook & Co endgültig klar. Und Hand aufs Herz: als User wissen wir, dass unsere Daten die Handelsware sind, mit der die Gewinne gemacht werden. Denkende Anwender überlegen daher, was sie von sich preisgeben. Insofern eine Art "faires Geschäft".
 
Was mich stört ist die dreiste 180-Grad-Wende, die sich nach der Übernahme von Instagram durch Facebook vollzogen hat. Als Facebook vor wenigen Monaten den Milliarden-Deal der Instagram-Übernahme bekanntgab, lautete das Statement von Mark Zuckerberg: Auch unter dem Dach des weltgrößten Online-Netzwerks soll sich nichts ändern.
 
Aha. Die Halbwertszeit dieser Aussage war durchaus begrenzt. Einige Monate später bereits wurde die Umstellung auf die neuen "terms of service" bekannt gegeben, denen zufolge sich Instagram Veröffentlichungs- und Verwertungsrechte an allen hochgeladenen Bildern sichern wollte (alle juristischen Fragen und Zweifel zur Zulässigkeit blende ich der Einfachheit halber hier aus).
 
Jedenfalls: Für mich - und viele andere User weltweit - war und ist das eine wesentliche Änderung. Eine ziemlich wesentliche sogar. Wir wissen, wie die Geschichte weiter geht. Grosse Proteste zwingen Instagram jetzt dazu, zurück zu rudern. Das ist gut. Im Kern aber bleibt der Vertrauensverlust. Ich nenne das unehrlich und unseriös.
 
Vielleicht gab es gute wirtschaftliche Gründe für den Schwenk. Ein Geschäftsmodell für Instagram zu entwickeln ist nicht ganz trivial. Aber bitte nicht durch den Verstoss gegen gegebene Zusagen.
 
Deswegen habe ich meinen Account dort nun auf Eis gelegt und ein eigenes Moblog (mobiles Fotoblog) gestartet mit Einblicken in das Alltagsleben eines Fotografen am Polarkreis.
 
Meine Bitte: bookmarken und täglich dort vorbeischauen :) Danke.

Perspektive 22.12.2012 - Es geht weiter!
Perspektive 22.12.2012 - Es geht weiter!

Vorschau mit Vorbehalt

Vor dem Weltuntergang?
 
Er ist in aller Munde und derzeit in vielen Medien nachzulesen: Der Maya-Kalender. Und nach einer Auslegungsvariante desselben steht das Ende der Welt sozusagen "vor der Tür". Konkret soll es um den 21.12 gehen. Und bis dahin sind es ja nur noch ein paar Tage. Was den Blogautor wiederum vor Herausforderungen stellt: Soll ich jetzt noch viele neue Artikel schreiben? Denn wenn die Welt in ein paar Tagen untergeht wäre die Mühe vergeblich.
 
Arbeitsthese: Ich schreibe auf jeden einen Artikel für den Fall, dass die Welt nicht untergeht. Für den alternativen Fall bereite ich keinen Artikel vor. Wer sollte ihn denn dann auch lesen? Fragen über Fragen. Als Blogger hat man es eben nicht leicht...
 
(Klarstellung fürs Protokoll und um Missverständnissen vorzubeugen: Nein, ich glaube nicht an das Maya-Kalender-Gedöns!)
 
Jetzt aber im Ernst: Vorschau (unter dem Vorbehalt, dass die Welt nicht untergeht :)
 
Die angekündigte ruhigere Zeit hier im Blog habe ich für eine Anzahl Reviews genutzt. Bücher und Software stehen ganz oben auf der Liste. Einige Artikel werden hier erscheinen; andere werden als Gastbeiträge auf anderen Blogs veröffentlicht werden. Als kleinen "Appetithappen" lass ich schon mal raus, dass sich in Sachen RAW-Konverter etwas richtig Grosses getan hat. Etwas, das in Sachen Bildqualität vielen Fotografen grosse Freude bereiten dürfte. Damit aber genug der Andeutung.
 
Und sonst?
 
Der Winter hat in Lappland nun mit allen seinen "Segnungen" Einzug gehalten. Kälte, Wind und Schnee sind vollzählig vertreten. Für alle, bei denen der Winter auch bereits vollumfänglich angekommen ist, ein Bild unter dem Titel "Etwas Warmes braucht der Mensch".
 
Einen guten Start in die Woche allerseits!

Lagerfeuer: Etwas Warmes braucht der Mensch
Etwas Warmes braucht der Mensch - besonders im Winter

 
 

Meine Favoriten beim fotografr Foto-Wettbewerb

Michael "Omori" Kirchner, geschätzter Fotografenkollege und Herausgeber von "fotografr" hat kürzlich zu einem Foto-Wettbewerb aufgerufen. Die erste Runde des Wettbewerbs steht unter dem Titel "Mein fotografisches Highlight 2012". Insgesamt 150 Teilnehmer haben ihr "Bild des Jahres" eingereicht. Darunter zahlreiche sehr gute und beeindruckende Bilder.
 
Michael hat mich gefragt, ob ich bereit wäre in der Jury zur Auswahl der Siegerfotos mitzumachen. Eine grosse Ehre und gleichzeitig keine leichte Aufgabe, bei so vielen beeindruckenden Einsendungen.
 
Die Bewertung von Wettbewerbseinsendungen ist immer eine individuelle und sehr persönliche Sache. Spricht mich ein Bild an? Bewegt es mich und lädt es mich zum Verweilen ein?
 
Ich bin gespannt auf das Endergebnis, denn die Jury ist persönlich und fotografisch gut gemischt: Stefan Groenveld, Torsten Mühlbacher, Robert Kneschke, Hendrik Roggemann, Ralf Nöhmer, Manuel Mauer, Sven Wickenkamp, Manfred Huszar und Stefan Neuweger sind neben mir mit dabei.

 
Hier nun meine drei Favoriten, die ich an Michael gemeldet habe (wobei die Reihenfolge der Nennung keine Rangordnung enthält):
 
- Ungewissheit von Andrea Grewe-Hagemann

Das Bild enthält etwas "Ur-Menschliches". Die Mischung von Weite, Sehnsucht und Ungewissheit. Eine Kurzfassung des Menschseins.

 
- Hallgrímskirkja von Elisa Häntschel

Schlicht. Schön. Majestätisch. Himmlisch.
 

- Gargoyle von Marcel Felbor

Eine ungewohnte und mir bislang unbekannte Perspektive über Paris.

Das Iglootel in Lappland - ein Igludorf entsteht, Teil 1

Lappland ist bald um eine einzigartige Attraktion reicher: Einige Kilometer von Arvidsjaur entfernt entsteht unweit des Polarkreises derzeit die grösste Igluanlage Europas. Aus etwas 25.000-30.000 Kubikmetern Schnee entsteht eine Hotelanlage, die zu Weihnachten den Betrieb aufnehmen wird.

Die Iglusiedlung wird u.a. aus zwei grossen Hauptiglus (mit jeweils 8 Metern Durchmesser), einem Rezeptionsiglu und zehn Wohniglus (mit je 5 Metern Durchmesser) bestehen. In der Anlage wird es ausserdem eine Bar und eine Saunalandschaft geben.

Wir begleiten die Bauarbeiten fotografisch und haben vor Ort die Igluspezialisten interviewt.

"Weisses Gold": Zur Herstellung der Iglus wird Schnee verwendet. Nicht irgendein Schnee wie er vom Himmel fällt, sondern sehr kompakter Schnee, der mit Schneekanonen speziell hergestellt wird. Der Schnee muss sich nach dem Sprühen erst noch einige Zeit setzen, bis er die perfekte Konsistenz erreicht.

Danach wird an den Stellen, an denen die Iglus errichtet werden, ein überdimensionaler Ballon aufgeblasen. Auf diesen wird der Schnee in einem besonderen Verfahren aufgesprüht und verdichtet. Anschliessend wird die Luft aus dem Ballon gelassen und der "Rohbau" ist fertig. Der verdichtete Schnee fühlt sich an wie Beton.

Damit ist aber erst der Anfang getan. In kunstvoller Handarbeit werden nun die Innenflächen zunächst glatt gekratzt und dann - ähnlich wie beim Verputzen einer Wand - glatt gerieben. So entsteht eine glatte Innenwand. Für den Iglubau sind eigens zwei Spezialisten aus Österreich mit langjähriger Erfahrung nach Lappland gereist. Unter ihrer Anleitung und kritischen Aufsicht ist ein ganzes Team von Mitarbeitern unter Hochdruck mit dem Innenausbau beschäftigt. Ein sehr wichtiges Handwerkszeug der Iglubauer ist übrigens ein iPod, mit dem gerne Jazz bei den rhythmischen Schleifbewegungen gehört wird.

Die verwendeten Werkzeuge sind vielfältig. Hochdruckpumpen und Schneekanonen bilden den Ausgangspunkt. Für die Innenarbeiten kommen Motorsägen und viele verschiedene Schaufeln und Wandschaber zum Einsatz. Die Feinarbeit erfolgt schliesslich mit Hilfe eines Floss (Spezialwerkzeug, das auch zum Vergipsen werwendet wird).

Die Handarbeit ist nicht einfach, sind die Temperaturen doch auf dem Weg in den Keller. Derzeit herrschen ca. minus 10 Grad und für die kommenden Tage sind bereits minus 20 Grad angekündigt. Durch die im Bau noch offenen Iglus pfeift der Wind und gute Kleidung ist obligatorisch.

Die einzigartige Atmosphäre ist bereits jetzt in den Iglus zu spüren. Je nach Beleuchtung reicht die Stimmung von "romantisch" bis zu "stahlblau, nüchtern und kühl". Die Wohniglus wird es übrigens in zwei Ausführungen geben: als Standard- oder Romantik-Iglu. In der nächsten Woche werden die dann fertigen Iglus schliesslich noch mit Kunstwerken ausgeschmückt. Wir werden darüber weiter berichten.

Jede Igluanlage ist übrigens ein Unikat. Mit dem Ende der Wintersaison wird die Siedlung schmelzen, um zur nächsten Wintersaison wieder neu zu entstehen.

Wenn Sie auf der Suche nach einem einzigartigen Erlebnisurlaub in Lappland sind, dürfte ein Aufenthalt im Iglootel ein echter Geheimtipp sein.

Arvidsjaur ist durch Direktflüge der Fluggesellschaft FlyCar von vier deutschen Flughäfen aus (München, Stuttgart, Frankfurt-Hahn und Hannover) komfortabel und bequem erreichbar.

-> Zur Fotostrecke: Iglootel - Eine Iglu-Hotelanlage entsteht, Teil I

-> Till bildspelet: Iglootel, del I



Weiter zu Teil 2 der Reportage.


Das Iglootel in Lappland - ein Igludorf entsteht
Das Iglootel in Arvidsjaur / Lappland - ein Iglu-Hotel entsteht


 

Projekt November Blues - Und was ich von den Bären lerne

Mitte Oktober begeben sich die Braunbären bei uns in Lappland zu ihren Überwinterungsplätzen, die sie den Sommer über ausgekundschaftet und ausgesucht haben. Die Bären, die ein Alter von bis zu 40 Jahren erreichen, sind sehr clever. Warum den kalten Winter hindurch umherstreifen, wenn es sich den Winter über gemütlich ruhen lässt? Den Winter über schöpfen die Bären so Kraft für die nächste Saison.
 
Die Wintersaison über werde ich hier im Blog etwas kürzer treten. Die Frequenz wird sinken. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, findet Bilder von den laufenden Projekten auf Instagram und den einschlägigen Sozialen Medien (siehe Menüleiste links).
 
Seit einigen Wochen habe ich mich bei meinen persönlichen Fotoprojekten absichtlich eingeschränkt. Ausserhalb von kommerziellen Aufträgen bleiben die "richtigen" Kameras im Schrank und nur ein Smartphone begleitet mich. Ganz privat ist das übrigens kein iPhone.
 
Die Beschränkung ist gut für die Kreativität und zwingt zur Beschränkung auf das Wesentliche. Die letzten drei Wochen ist so die Serie "November Blues" entstanden: Das Thermometer ist unter Null angekommen. Der Schnee verwandelt die Landschaft und gibt nur noch wenige Details frei. Wasser wird zu Eis. Die Nacht übernimmt den Tag. Wenige Stunden ist es nur noch hell. Und dennoch gibt es faszinierend Lichtblicke; Momentaufnahmen auf dem Weg zum Ruhepunkt des Winters: November Blues


-> Zur Galerie: November Blues

-> Till bildspelet: November Blues


Projekt November Blues - Und was ich von den Bären lerne
November Blues


PS: Die Serie ist - je nach Wunsch - ganz oder in Teilen als Print erhältlich. Anfragen bitte per Mail.

Rezension: PHOTOGRAPH - a quarterly magazine for creative photographers

Rezension: PHOTOGRAPH - a quarterly magazine for creative photographers
 
Dass ich ein Fan der fotografischen Publikationen von David DuChemins Verlag Craft & Vision bin, dürfte sich bereits herum gesprochen haben. Und meine Begeisterung ist nun nochmals gestiegen. Vergangene Woche hat nämlich das jüngste Baby aus der Know-How-Fotoschmiede das Licht erblickt. Und das hat es in sich.
 
Mit "PHOTOGRAPH" stellt Craft & Vision eine vierteljährlich erscheinende Zeitschrift vor, bei der sich alles ums Bild dreht. Die Erstausgabe hat satte 133 Seiten (A4) und liegt praktischerweise als PDF vor. Sowohl auf dem Screen, wie auch auf einer Leseplatte (z. B. einem iPad)kommen Layout und vor allem die zahlreichen Bilder für meinen Geschmack besser zur Geltung, als es in einer Printausgabe der Fall wäre.
 
A propos Print-Zeitschriften: Einerseits scheint der Printbereich - bis auf spezialisierte Nischenmedien - im endgültigen Abwärtstrend zu sein. Andererseits sieht es insbesondere gerade auf dem Markt der Fotozeitschriften recht düster und traurig aus. Ich nutze jede Chance auf Flughäfen die gut sortierten Zeitschriftenkioske nach Fotozeitschriften zu durchforsten. Die Resultate sind mehr und mehr ernüchternd. Das geht es vor allem und in erster Linie um Schnick-Schnack, will sagen: um Kameras, Objektive und allerlei Zubehör. Und was dann tatsächlich zur Fotografie geschrieben wird, ist meistens entweder absolut grundlegend (und in der Regel aus einem im gleichen Verlag erschienenen Anfängerbuch entnommen) oder es ist teiweise auch schlicht falsch. Das scheint David DuChemin genau so zu sehen, und deswegen dürfen wir uns jetzt über "PHOTOGRAPH" freuen.
 
Die Autorenliste der ersten Ausgabe flösst geradezu Ehrfurcht ein. Neben David DuChemin sind dort Namen wie Art Wolfe, Bruce Percy und Nate Parker zu lesen. Das bürgt für hohe Qualität.
 
Erklärter Schwerpunkt des neuen Magazines ist die Kombination aus der Präsentation von hervorragenden Künstlern und ihren Portfolios mit vielen thematischen Artikeln.
 
Zu jedem der präsentierten Fotografen gibt es im Anschluss an das Portfolio einen Frage & Antwort Teil in dem sich der Künstler vorstellt und Einblicke in seine Arbeitsweise gibt. In dieser Ausgabe hat es mir Bruce Percys Portfolio "Iceland" besonders angetan. Ich kann mich gar nicht daran satt sehen.
 
Neben den Fotografen-Präsentationen enthält die Erstausgabe weitere 11 Artikel. Wohltuend fundiert und anspruchsvoll. Da geht es um Komposition, Kreativität und vieles mehr. Alle Artikel sind von einer Sache durchzogen, welche das Magazin so wunderbar macht: Niveau.
 
Gibt es auch etwas, das mich stört? Ganze vier Seiten (von 133). Auf denen wird nützliches Fotozubehör vorgestellt. Das ist gut und richtig. Interessiert mich in diesem Magazin aber nicht. Vom prozentualen Anteil her (4/133) ist das verschmerzbar.
 
Summa summarum: Eine wohltuende und niveauvolle Fotozeitschrift, bei der es um das Wesentliche geht - die Fotografie.
 
Das Magazin ist als Einzelausgabe für USD 8 zu beziehen oder im Jahresabo für USD 24 zu abonnieren. Ein empfehlenswertes Schnäppchen.
 
-> Hier geht es zu Craft & Vision. Dort ist die Neuerscheinung exklusiv erhältlich.


 Rezension: PHOTOGRAPH - a quarterly magazine for creative photographers

 

Einfach mal "Danke"...

Viel wird getestet und geschrieben. Ich habe den Eindruck, dass dabei oft das bewährte Handwerkszeug aus dem täglichen Einsatz zu kurz kommt. Deswegen heute ein „Danke“ an:
 

- Bibble (jetzt: Corel AfterShotPro)
 
Auf breiter Front haben sich Lightroom und Aperture durchgesetzt. Ohne Frage zwei hervorragende Programme. Wir entwickeln und bearbeiten unsere RAWs seit Jahren mit Bibble (jetzt: AfterShotPro) und sind nach wie vor vollauf zufrieden. Extrem schnell, modular mit vielen hilfreichen Plugins und für Neueinsteiger auch noch beinahe unschlagbar günstig.
 
 
- Adobe Photoshop
 
Eine Hommage an Photoshop zu schreiben, wäre das sprichwörtliche Tragen der Eulen nach Athen. Neulich habe ich einen der Uralt-Macs aus den 90'er Jahren aus dem Archiv gekramt. Unter System 7 lief da noch ein Photoshop 2.5.1. Was soll ich mehr sagen...
 

- Photowiz Plugins
  
So richtig kraftvoll wird Photoshop natürlich mit leistungsfähigen Plugins. Zu unseren absoluten Favoriten zählen die Helfer aus der Photowiz Serie der deutschen Softwareschmiede The Plugin Site. Aus unserem Workflow sind sie nur schwer weg zu denken. Geheimtipp!
 
 
- Graphic Converter
 
Das bewährte „Schweizer Taschenmesser“ für Dateiformate von Thorsten Lemke. Heute nicht mehr ganz so viel im Einsatz, aber immer noch in manchen Situationen ein Retter in der Not.
 
Fortsetzung folgt.
 
 

Kleine Schwedische Kaffeekunde

Rein statistisch haben die Finnen den größten Kaffeekonsum der Welt, dicht gefolgt von den Norwegern und den Schweden (Quelle: Wikipedia).
 
Im Jahr 2011 entfielen auf jeden Schweden 6.329,2 Gramm Kaffee. Das gibt so etwa 3 Tassen pro Tag (Quelle: Euromonitor - PDF).
 
Zieht man Kinder, Jugendliche und ältere Menschen ab, dürfte die tatsächliche Zahl bei den "aktiven Kaffeetrinkern" deutlich höher liegen. Nach meinen eigenen Erfahrungen dürfte der Praxiswert bei ca. 6 Tassen liegen. Das hat auch mit der schwedischen Eigenart der Fikapausen zu tun.
 
Interessanterweise gibt es in der schwedischen Kaffeekultur einige Besonderheiten, die dem Tourist oder Einwanderer vielleicht nicht bekannt sind. Deswegen hier einige Erklärungen.
 
Die Verwirrung fängt bereits beim Einkauf an. In Schweden gibt es nämlich zwei unterschiedliche Kaffearten. Dem ungeübten Auge fällt das vielleicht nicht auf. Quillt dann aber später der Kaffee aus dem Filter der Kaffeemaschine sind Ärger und Verwirrung gross.

Schwedische Kaffeekunde: Bryggkaffee und Kokkaffee
Zum Verwechseln ähnlich: Bryggkaffee und Kokkaffee

 
Die unterschiedlichen Sorten hören auf den Namen "Brygg", bzw. "Kok".

Der Bryggkaffee ist für die aus Mitteleuropa bekannte Kaffeemaschine bestimmt.

Der Kokkaffee hingegen ist für die Zubereitung im Perkolator bestimmt. In Deutschland ist die Kaffeezubereitung durch Perkolation heutzutage nahezu völlig in Vergessenheit geraten. Bekannt ist es vielleicht durch die kleinen Espresso-Perkolatoren, die ein beliebtes Mitbringsel aus dem Urlaub in südeuropäische Länder sind.

Ein schwedischer Perkolator aktueller Bauart mit Zubehör
Ein schwedischer Perkolator aktueller Bauart mit Zubehör

Die in Schweden gebräuchlichen Perkolatoren arbeiten nach demselben Prinzip, sind aber einige Nummern grösser. Der "Kokkaffee" ist nun für die Zubereitung im Perkolator bestimmt. Der Geschmack des durch Perkolation hergestellten Kaffees ist speziell. Er ist sehr stark und enthält normalerweise viel "Kaffeesatz". Der gröbere Kokkaffe der beim Kontakt mit dem kochenden Wasser stark aufquillt kann auch in normalen Kaffeemaschinen verwendet werden, wenn die Dosierung auf etwa die Hälfte verringert wird.
 
Beim Einkauf deswegen bitte auf die Bezeichnung und die Symbole auf den Kaffeepaketen achten. Das Symbol mit der stilisierten Kanne steht für den Kokkaffe, das Symbol mit dem stilisierten Porzellanfilter für Bryggkaffee.

Und welche Kaffeesorte ist nun die Beste? Die Geschmäcker gehen auseinander. Ein schwedischer Klassiker ist der "Löfbergs Lila". Vom Geschmack her ist er allerdings nicht mit mitteleuropäischem Kaffee zu vergleichen. Und noch eine Besonderheit: Schweden trinken ihren Kaffee gerne stark. Was in Mitteleuropa am oberen Ende der Stärkeskala liegt, ist hier gerade einmal knapp unter dem Durchschnitt. Dafür werden die Tassen in Schweden normalerweise nur ungefähr halb- bis zweidrittelvoll gemacht. Und wer es perfekt machen möchte, serviert seinen Gästen Würfelzucker und keinen Streuzucker.

 Ein schwedischer Kaffee-Klassiker: „Löfbergs Lila“
Ein schwedischer Kaffee-Klassiker: „Löfbergs Lila“
Achten Sie auf die eingekreisten Symbole


Was uns zu der alten schwedischen Weisheit führt: Alles darf geschehen. Aber dass kein Kaffe im Haus ist, wenn ein Besucher vor der Tür steht, ist eine Katastrophe. In diesem Sinne.
 
 

Malå in Trauer (Aus aktuellem Anlass gibt es heute kein sonntägliches Foto-Futter)

Das ansonsten sehr beschauliche und ruhige Malå mit seinen ca. 2.000 Einwohner im Kernort (Västerbotten, Schwedisch-Lappland) ist zu trauriger Berühmheit gelangt:
 
Am Samstagabend ereignete sich ein dramatisches Unglück. Aus bislang ungeklärten Gründen kam ein PKW in der Ortsmitte von der Fahrbahn ab und raste in eine Fussgängergruppe auf dem Gehsteig. Sechs Personen - darunter fünf Kinder und Teenager - wurden schwer verletzt; einer der Verletzten, ein 13-jähriger Junge, ist später seinen Verletzungen erlegen. Die Rettungsdienste und die Polizei der Region waren an der Kapazitätsgrenze. Rettungshubschrauber aus Lycksele und Östersund waren vor Ort.
 
Malå trauert.

Unsere Gedanken sind bei allen Verletzten und allen Angehörigen. Viel Kraft in diesen schweren Stunden.

Malå in Trauer / Malå i sorg
Der Unfallort am Tag nach dem Geschehen:
Grosse Anteilnahme und Bestürzung

Tipps zur mobilen Fotografie - Mit dem Smartphone durch den Winter

Heute soll jetzt es um Tipps für die Fotografie mit dem Smartphone im Winter gehen,

Allgemeine Tipps für das Fotografieren in der Kälte hatte ich Anfang des Jahres schon hier ausführlich beschrieben.
 
Und wer sich in der Kälte hier im Norden dem Fotografieren von Polarlichtern widmen möchte, wird hier fündig.
 
Nun aber zum Fotografieren mit dem Smartphone in der Kälte:

1. Da haben wir zunächst einmal das generelle Kälteproblem

Die meisten Smartphones lieben von Haus aus keine Kälte. Und insbesondere das unter vielen Fotografen heiss geliebte iPhone macht hier gar keine besonders gute Rolle.

Das Hauptproblem liegt in der Batterie (d.h. dem Akku). Die Elektronen in einer abkühlenden Batterie fliessen "langsamer" und der innere Widerstand im Akku nimmt zu. Deswegen liefert der Akku immer weniger Energie. Das Problem ist im Prinzip dasselbe, wie bei "richtigen" Digitalkameras. Nur sind die Akkus von DSLRs schlichtweg grösser dimensioniert. Deswegen dauert die Zeit bis zum "Coolout" dort länger.

Hinzu kommt, dass Fotoapps auf Smartphones in aller Regel ohnehin wahre Stromfresser sind, was auch bei zivilisierten Temperaturen zur schnellen Ermüdung der Akkus führt.
 
Geladene Reserveakkus in der Innentasche könnten eine Hilfe sein, wenn es sich
a. nicht um ein iPhone mit fest eingebautem Akku handelt, oder
b. der Austausch der Akkus allzu "friemelig" ist. Schon der Akkutausch bei der DSLR ist bei minus 30 Grad alles andere als angenehm. Ein filigranes Smartphone zu öffnen, um den Akku zu tauschen ist bei grosser Kälte rein praktisch beinahe unmöglich.
 
Wer alle Akkuleistung fürs Fotografieren braucht, sollte das Telefon in den Flugzeugmodus schalten. Durch den abgeschalteten Sende- und Empfangsteil sinkt der Stromverbrauch.

Der Extratipp lautet deswegen übrigens auch, die Akkus immer bei Zimmertemperatur zu laden und nicht per Autoladekabel im eiskalten Wagen.
 
Ich habe mit verschiedenen Smartphones vom iPhone bis zu "Billig-Smartphones" experimentiert und dabei festgestellt, dass die Billig-Handys von Haus aus oft viel weniger Strom verbrauchen als ihre luxuriöseren Geschwister. Einschlägigen Labortests zufolge schneiden Samsung Galaxy Androiden hier am besten ab (was sich mit meinen unwissenschaftlich ermittelten Ergebnissen deckt).
 
Die Abhilfe liegt darin, das Smartphone möglichst nahe am Körper, z. B. in warmen Innentaschen, zu tragen. Die Zeit in der Kälte ist auf ein Minimum zu reduzieren, was z. B. bedeutet, dass mit dem Upload mit Instagram bitte zugewartet wird, bis Mensch und Smartphone wieder im Warmen sind.
 

2. Das führt aber direkt zum nächsten Problem: Der Kondenswasserbildung.
 
Schnelle und starke Temperaturwechsel von Kälte zu Wärme führen dazu, dass die Luftfeuchtigkeit in der wärmeren Luft am und im kalten Smartphone kondensieren kann. Ist das an der äusseren Hülle vielleicht noch verschmerzbar (weil die Geräte hermetisch verschlossen, oder gar wassergeschützt sind), kann Kondenswasser im Inneren schnell zum elektronischen Tod führen.

Deswegen gilt hier dasselbe, wie für alle Digitalkameras. Beim Verbringen in die Wärme soll das Smartphone in einem geschlossenen Behälter sein (Plastiktüte genügt) und langsam "auftauen". Unter keinen Umständen schnell und mit Hilfsmitteln (Fön, oder auf der Heizung) erwärmen!
 
Unterwegs ist das aber leichter gesagt, als getan. Denn schon der Wechsel nach 5 Minuten bei minus 30 Grad ins gemütlich warme Auto kann ernste Probleme mit sich bringen. Das Smartphone immer in der Kälte zu belassen ist wegen des unter 1. angesprochenen Akkuproblemes auch keine Alternative.
 

3. Der Touchscreen.

In der Kälte gibt es ein weiteres Problem. Die Touchscreens reagieren immer behäbiger und versagen irgendwann ihren Dienst. Und ist das Telefon erst einmal richtig ausgekühlt kann ein unbedachter Atemhauch zur spontanen Eisbildung auf dem Screen führen.
 
Auch die Bedienung mit den Fingern kann zum selben Effekt führen und die blossen Finger kühlen ja selbst schnell aus.

Abhilfe schaffen können spezielle Handschuhe mit denen sich der kapazitive Touchscreen gut bedienen lässt. Ob Ihnen das die Investition von 30-50 Euro in spezielle Handschuhe wert ist, müssen Sie selbst entscheiden. Mir fehlt bei den bisher getesteten Handschuhen schlichtweg das Feingefühl.
 
Meine persönliche Alternative sind Handschuhe für die Jagd, auf die ich durch Zufall auf einem Flohmarkt gestossen bin: Eine Kombination aus Fäustling und Halbfingerhandschuh. Der Fäustling lässt sich nach oben klappen und legt die Finger frei. Im innenliegenden Fingerhandschuh gibt es keine Fingerkuppen. Für den Jäger gibt das den Weg zum Abzug frei und für mich den Weg zum Touchscreen :)

 
4. Von verschiedenen Seiten werden - gerade für den Wintereinsatz - Schutzhüllen empfohlen. Dem kann ich mich nicht anschliessen. Wer immer eine Schutzhülle verwendet, mag das auch im Winter tun. Spezielle Kälteschutzhüllen haben sich bei mir als wirkungslos erwiesen.

Viel Erfolg bei der Smartphone-Fotografie im Winter!
Wer noch weitere Tipps hinzufügen möchte, bitte in die Kommentare posten. Danke!


Minus 30 Grad
„Minus 30 Grad können sehr unangenehm sein - besonders für Smartphones“

Wintervorbereitungen in Lappland (heute: Mobilität und Auto)

Das erste reale Schneetraining der Saison in Lappland haben wir in den letzten Tagen bereits absolviert. Regional lagen bereits bis zu 30 cm frischer Neuschnee.
 
Höchste Zeit, die letzten Wintervorbereitungen zu treffen. Einige Tipps für den Umgang mit der Kälte hatte ich vor einiger Zeit hier schon einmal gebloggt.
 
Und einge Tipps zum Autofahren und zu Reifen mit Spikes gibt es hier nach zu lesen.
 
Heute soll es um eine weitere wichtige Vorbereitungsmassnahmen gehen, an die Auswanderer und Touristen gleichermassen denken sollten.

Wir beginnen mit der Vorbereitung von Tür- und Zündschlössern.
 
Bald fallen die Temperaturen in Lappland. Schnell sind es - gerade in den Nächten - minus 15 bis minus 20 Grad. Befindet sich dann auch nur ein wenig Feuchtigkeit im Türschloss, gibt es - gleich ob an der Hausür oder am Auto - kein Herein mehr. Von den "altbewährten" Methoden (z. B. Schlüssel mit dem Feuerzeug aufwärmen, usw.) können wir nur dringend abraten. Moderne Tür- und Zündschlösser enthalten nämlich oft Teile aus Plastik. Ein Auftauversuch mit den klassischen und brachialen Methoden führt schnell zur Zerstörung und zu teuren Reparaturen (und wenn es dumm läuft, auch zu einer Nacht im Freien bei tiefen Minusgraden).
 
Am besten ist es daher, vorzubeugen. Die Schlösser sollten spätestens jetzt mit speziellem Öl behandelt werden. Das Låsolja ("Schlossöl", "Lock oil") - zwei Beispiele sind links im Bild zu sehen -  kommt in einer handlichen Sprühflasche daher. Ein kurzer Sprühstoss in alle Schlösser spart jede Menge Ärger.
 
Und wenn es doch einmal geschehen sollte (z. B. weil Sie das rechtzeitige Ölen dennoch vergessen haben sollten), hilft Låsespay ("Enteiser", "Lock de-icer") - rechts im Bild. Das Auftauspray kommt in einer noch handlicheren Flasche (ist ja auch logisch, denn es gehört in die Jacken- oder Handtasche und nicht IN das Auto). Das Prinzip ist dasselbe: Ein kurzer Sprühstoss ins Schloss und nach wenigen Minuten ist dasselbige aufgetaut. Dann bitte nicht vergessen, anschliessend gleich noch das normale Schlossöl hinterher sprühen, damit Ihnen künftige Probleme in der Wintersaison erspart bleiben.
 
Wenn Sie ein ganz modernes Auto mit berührungslosem Tür- und Zündschloss via Sender haben sollten Sie daran denken, die Batterien im Sender zu prüfen und ggf. auszutauschen.
 
Für alle Autotypen gilt: Die Türgummis sind Ihnen dankbar, wenn Sie sanft mit Glycerin eingerieben werden. Das beugt dem Anfrieren vor.
 
Nicht zu vergessen sind dann noch: Neue Scheibenwischer, frischer Frostschutz für die Scheibenwaschanlage und ggf. eine Prüfung des Glykolgehaltes in der Kühlerflüssigkeit. Am besten legen Sie den Scheibenfrostschutz und den Frostschutz in der Kühlerflüssigkeit auf minus 40 Grad aus.
 
Wegen des Diesels müssen Sie sich keine Sorgen machen: Nordisches Winterdiesel ist für Temperaturen von minus 35 bis minus 40 Grad ausgelegt. Falls Sie eine lange Anreise im Winter haben, sollten Sie so schnell (und ggf. so oft) wie möglich in Schweden zutanken, um möglichst schnell vollständigen Temperaturschutz haben.

 Nützliches Trio: Schlossöl und Auftauspray
„Nützliches Trio: Schlossöl und Auftauspray“

 

Rezension: Social Media für Fotografen

Heute steht ein Buch zur Rezension, bei dem es nicht unmittelbar ums Fotografieren geht, das aber ein für alle Fotografen (gleich ob Hobby oder Professionelle) interessant sein könnte.

Im mitp-Verlag ist gerade das Buch "Social Media für Fotografen" von Bela Beier erschienen. Auf 272 Seiten (Softcover, Format 17 x 24 cm, Euro 29,95) verspricht das Buch "Alles, was Sie über Facebook, Google+, Twitter, Blogs und Foto-Plattformen wissen sollten".
 
Schon auf den ersten Seiten fällt auf, dass sich Bela im richtigen "Fachjargon" bewegt. Er verwendet viele Beispiele aus der fotografischen Wirklichkeit. Ein Pluspunkt, denn einige vergleichbare Werke sind sehr allgemein gehalten und erschweren dem aus der Fotografie kommenden Neuling in Sachen Soziale Medien das Verständnis.
 
A propos Neuling: Das Buch richtet sich definitiv an Einsteiger. Es werden sehr viele Grundlagen erklärt. Das ist gut. Wer sich allerdings schon in Sozialen Medien bewegt und Erfahrungen gesammelt hat, dürfte nicht allzu viel Neues entdecken können. Alle Neueinsteiger, die sich bislang ausschliesslich mit klassischen Marketingmethoden beschäftigt haben, werden grossen Nutzen aus dem Werk ziehen können.
 
Positiv fallen zunächst das gut lesbare Layout und die übersichtliche Gliederung auf. Auch wenn die Gliederung dazu verführen mag, gezielt in einzelne Bereich zu springen, würde ich dem Einsteiger die Lektüre des ganzen Buches empfehlen. Denn Bela beginnt konsequent und mit der wichtigen Frage nach einer Strategie. Danach folgen drei Kapitel zur eigenen Homepage (schliesslich die Basis dessen, was später via Soziale Medien in Umlauf gebracht werden soll).
 
Anschliessend geht es in Kapitel 5 um die Grundlagen der SEO ("Search Engine Optimization").
 
Bis hierher schreibt Bela über das "Fundament", sprich die Grundlagen. Nun geht es an die Arbeit. Bela nimmmt den Leser an die Hand bei der Einrichtung einzelner Accounts. Im Detail geht es z.B. um Gmail, XING, die Fotocommunity und Facebook.
 
Fotocommunity? Ja, richtig gelesen: Fotocommunity. Das vermag ich nun nicht ganz nach zu vollziehen. Für professionelle Fotografen dürfte die Fotocommunity eher unattraktiv sein. Und neben XING hätte ich mir noch mehr Details zu LinkedIn gewünscht. Auch zu Google Reader, Google Analytice, Link Shortener und Flickr bietet Bela Input.
 
Sehr ausführlich widmet sich Bela dem Anlegen eines Facebookaccounts und dem Einrichten von WordPress für einen Blog oder eine Homepage. Hier findet der Anfänger viele Tipps und Hinweise. Allerdings dürfte die Halbwertszeit vieler Details begrenzt sein.  
 
Im letzten Kapitel rundet Bela das Buch mit einem Ausblick auf die mögliche Zukunft der Sozialen Medien ab.
 
Im umfangreichen Anhang präsentiert Bela einen "Social Media Atlas", in dem er die einschlägigen Netzwerke und Services übersichtlich darstellt.
 
Leseproben stehen beim Verlag zum Download bereit.
 
Fazit
 
Positiv: Social Media für Fotografen ist ein umfassendes Werk für alle Fotografen, die in die Nutzung von Sozialen Medien neu einsteigen wollen. Das Buch vermittelt einen guten Überblick und hilft mit vielen Details bei den ersten Schritten. Wer sich dann weiter vertiefen will, wird sich in weitere Netzwerke und Plattformen einarbeiten und seine eigenen Schwerpunkte setzen.
 
Negativ: Die Auswahl der Schwerpunkte (Gmail, XING, die Fotocommunity und Facebook) kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich hätte mir Detailausführungen zu Google+ und z.B. 500px gewünscht.
 

 Social Media für Fotografen von Bela Baier

 
 

Foto-Futter 41/2012

- Das Blogsterben geht weiter
 
Jüngster Kandidat in der Reihe der des Bloggens müde Gewordenen ist Leichtscharf. Einige Gedanken zur derzeitigen Blogmüdigkeit und zum Blogsterbern gibt es hier und hier.
 
Von verschiedenen Seiten wird verlautbart, dass es sich nicht nur um Fotoblogs handelt, sondern dass eine nicht ganz rational erklärbare Entwicklung auf breiter Front vor sich geht.
 

- Jetzt aber eine erfreuliche Nachricht


Bei Craft & Vision waren die monatlichen Podcasts (u.a. mit David DuChemin) bislang den Premium-Abonnenten vorbehalten. Das hat sich vor einigen Tagen geändert und ich kann die Podcasts einfach nur empfehlen. Hier gehts zur Liste und zum Download.
 


- Vernachlässigt Nikon das DX-Segment - eine seiner "Cashcows" - sträflich?


Thom Hogan ist überzeugt, dass dem so ist und hat den DX-Monat ausgefrufen.

 
- Soziale Medien

Ich lese gerade Social Media für Fotografen und darf ein Review im Laufe der Woche ankündigen.

 
- A propos Socziale Medien

Ich bin übrigens als architectofvision auch auf Instagram zu finden.
 
 
- Was kann ein Like auf Facebook alles bedeuten?

Eine ganze Menge! Bei Rosh Sillars gibt es einen guten Artikel dazu "17 Types of Facebook Likes".
 
 
Das wars für heute. Gutes Licht und einen guten Start in die Woche!
 

Epidemie?

Moment - erst einmal den Mundschutz überstreifen. Könnte ja gefährlich werden. Wer weiss?
 
Wikipedia belehrt uns:
 

Aus epidemiologischer Sichtweise wird von einer Epidemie gesprochen, wenn in einem bestimmten Zeitraum die Inzidenz (als Anzahl der neuen Erkrankungsfälle) zunimmt.


 
Der Begriff „Erkrankungsfälle“ trifft die heutige Thematik vielleicht nicht zu 100%. Aber ganz im Ernst.

Unter den deutschsprachigen Fotoblogs tritt gerade ein merkwürdiges Phänomen auf: Blogmüdigkeit, die bis zum Blogtod reicht.
 
Damit mir bitte niemand etwas unterstellt, das ich so nicht geschrieben und/oder gemeint habe: Ich kritisiere keinen der geschätzten Bloggerkolleginnen und Kollegen. Es fällt mir einfach nur schmerzlich auf.
 
Innerhalb kurzer Zeit sind einige bekannte und beliebte Fotoblogs vom Netz gegangen (teilweise ist der komplette Content verschwunden). Andere Blogger sind der Trolle ermüdet, und haben die Kommentarfunktionen stillgelegt. Wieder andere sind in die faktische Totenstarre übergegangen, indem die Blogfrequenz zum Erliegen gekommen ist. Und eine letzte Gruppe schreibt ganz offen über derzeitige Überlegungen zur aktiven blogtechnischen Sterbehilfe.
 
Jetzt frage ich mich:
 
1. Wo liegen die Ursachen?
2. Ist das ansteckend?
 
Die Ursachenforschung ist interessant. Die ersten Symptome sind leicht zu übersehen. Ein Burnout im Blog ist schnell erreicht. Insbesondere, wenn sich ein innerer Leistungsdruck aufbaut. Wer die eigene Blogger-Seelenhygiene gut im Griff hat, reagiert wahrscheinlich mit der Senkung der Blogfrequenz. Andere Charaktäre drücken auf den Exit-Knopf beim sprichwörtlichen letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
 
Was ich aber nicht verstehe (es will mir einfach nicht in den Kopf) ist, warum im Prinzip alle Kandidaten noch auf diversen sozialen Medien vertreten sind (und dort mitunter viel und fleissig schreiben und diskutieren). Auch hier gilt wieder "Keine Kritik". Aber ich wäre für Input und Meinungen zu diesem - aus meiner Sicht - Widerspruch sehr dankbar.
 
Was dann zur Frage nach der Ansteckungsgefahr führt. Was wird als Schutz derzeit empfohlen? Den Computer zuklappen, zur Kamera greifen und fotografieren (gerne ausserhalb des Büros oder Wohnzimmers).

Epidemie oder Blogsterben?
„Epidemie / Blogsterben ?!“

Menüführung und Markentreue

Igitt. Verwirrung. Das habe ich nun davon, dass der Kamerapark bisweilen mit neuen Modellen erweitert wird.

Wer denkt sich denn nur so etwas aus? Die Rede ist von den Menüs und der Menüführung. Seitenlang, unübersichtlich und dazu noch schlecht durchdacht.

Um keine Entrüstungsstürme los zu treten verkneife ich es mir, hier einen Screenshot vom fraglichen Kameradisplay zu posten. Meine Erkenntnis gibts aber trotzdem:
 
1. Ich verstehe die Schlichtheit und den Charme einer M immer besser...
 
2. Das neumodische Menügedöns erhöht - quasi als Marketinginstrument - die Markentreue. Bei den bewährten Arbeitstieren aus dem Hause Nikon werden die Menüs von Modellgeneration zu Modellgeneration zwar umfangreicher, die Systematik bleibt aber dem Grunde nach erhalten. Um mir die Gedankenakrobatik zu ersparen, bleibe ich Nikon eher treu.
 
3. Vielleicht hilft die Gehirnakrobatik ja auch gegen das Einrosten der Hirnwindungen.
 
Weitere Ideen?

Alternative Energieeffektivität (Wie oft wärmt Holz?)

Der vor der Tür stehende arktische Winter gibt Anlass zu einer Betrachtung zum Thema Energieeffektivität:

Holz – die hier in Lappland trotz Windkraft, Erdwärme und der zunehmenden Verbreitung von Luft-Wärmepumpen immer noch gebräuchlichste Heizform - ist ein überaus effektiver Wärmelieferant. Die Anwender werden mehrfach gut durchgewärmt. Eigentlich mindestens siebenmal...

1. Bäume müssen gefällt werden. In voller Montur (Helm, Sicherheitsstiefel, Schutzausrüstung...) geht es in den Wald. Schritt eins ist es dabei den Baum „sicher“ auf den Erdboden zu bringen.

2. Dann wird der Baum von allen Ästen befreit. Die dickeren Äste werden, ebenso wie der Stamm in ca. ein Meter lange Stücke zerlegt.

3. Dieselben werden auf einen Anhänger verladen und nach Hause gekarrt.

4. Um dort auf Ofenlänge geschnitten zu werden.

5. Nicht zu vergessen, dass die Stücke dann noch gespalten werden müssen.

6. Und da wir gerade dabei sind, werden die Scheite dann an einen zugigen aber wassergeschützten Platz gekarrt und schön gestapelt.

7. Wenn sie dann getrocknet sind, geht es wieder auf die Reise. Diesmal in Richtung Keller und zum Ofen.

8. Schliesslich und endlich wandern die Scheite dann in den Ofen, um dort letztmalig einen Wärmeschub zu liefern :)

Alternative Energieeffektivität
„Wunderholz - Hat schon sechsmal warm gemacht...“

Inspiration

Sicher, ein Besuch auf der Photokina wäre bestimmt interessant gewesen. Mir persönlich hat die Berichterstattung von Thom Hogan aber vollauf gereicht.

Und wenn ich dieses Zitat von Thom lese

„Short answer: we care more about our gear than images.This message was repeated many times throughout the show. I rarely saw people step up and study the ubiquitous images“



dann bin ich froh nicht gefahren zu sein :)

Was zum eigentlichen Thema dieses Eintrages führt: Inspiration.

Ich weiss, es ist schon viel darüber geschrieben worden und das Thema Inspiration steht (ebenso wie die „Kreativität“) in der Gefahr, etwas abgenutzt zu werden. Aber dennoch. Meine ganz persönlichen Gedanken und Erfahrungen.

Ich finde Inspiration häufig in der Einsamkeit, draussen in der Natur:

Einer der letzten schönen Herbsttage mit (knappen) Plusgraden. Einige letzte Mücken ziehen verzweifelt ihre Runden. Zu schwach schon, um noch zu stechen.

Fallendes Laub wird von faszinierenden Spinnenfäden begleitet, die auf der Suche nach Beute durch den Wind gleiten.

Tiefgrünes Moos am Rande eines Moores lädt Dich zum Verweilen ein.

Wasser in allen Formen ist besonders anziehend. Es schärft den Blick und reinigt die Seele; lädt zur Kontemplation ein.

Vielleicht findest Du eine Wiese. Beim Hindurchschreiten kannst Du die Form der sich unter Deinen Füssen bewegenden Grashalme beobachten und wenn Du eine Pause machen möchtest, dann leg Dich der Länge nach bäuchlings ins Gras und betrachte die Welt aus dieser Perspektive durch einen grünen Vorhang.

Die Gedanken beginnen zu kreisen. Existentielles vermengt sich mit Profanem. Die Ruhe zieht Dich in ihren Bann. Nur einige Tierlaute sind hier und da zu hören. Aber sie stören nicht, denn sie sind ein Teil der Kulisse.

Und dann stellen sich die wirklich wichtigen Fragen: Warum mache ich überhaupt Bilder?


Natiur - Quelle der Inspiration
„Tankstelle für Inspiration“

Foto-Futter-Extra: Fotografie ist keine Religion

Heute eine Extraausgabe Foto-Futter zur Photokina vom 18.-23.09.2012 in Köln:
Die Fotowelt steht wieder einmal Kopf. Muss das eigentlich so sein?

Pünktlich und passend zur Photokina hat Sascha Rheker einen äusserst lesenswerten Blogartikel veröffentlicht, dem ich mich gerne anschliesse:

Sascha Rheker: Fotografie ist keine Religion

Wie lange noch?

Wie lange noch?

Noch. Noch hängen sie.

Bald. Bald sind sie.

Vom. Vom Winde verweht.

Zurück. Zurück im Kontinuum der Natur.

Demnächst. Demnächst steht er vor der Tür und klopft an.

Der Winter in Lappland.

Wie lange noch? Der Winter in Lappland.

Nachlese: Samehelg 2012 im Lappstan in Malå

Vor vier Wochen war wieder einmal das jährliche „Samehelg“ („Samisches Wochenende“) in Malå angesagt. Unser Bericht kommt wegen hoher Arbeitsbelastung in den zurückliegenden Wochen leider etwas verspätet.

Eingeladen war wieder in den „Lappstan“ (grammatikalisch richtig und auf Hochschwedisch heisst es „Lappstad“) in Malå. Eine „Lappstad“ ist das Gegenstück zur „Kyrkstad“. Über die Gammelstads kyrkstad in Luleå – und deren Geschichte - hatten wir vor einiger Zeit hier schon einmal berichtet.

Richtete sich die Kyrkstad an die bäuerlichen Bewohner der ländlichen Gebiete, war die Lappstad das Gegenstück dazu für die Sami, die Angehörigen der nativen Bevölkerung Lapplands (Sapmis).

Der Besuch dort lohnt sich. Besonders die Lappstad in Malå ist sehr idyllisch. Die majestätische Bewaldung taucht die ganze Anlage ist ein faszinierendes diffuses Licht und die Hütten und Kåtas sind durchweg in sehr gutem Zustand.

Beim samischen Wochenende wurde wieder ein Potpourri aus Kultur, Kulinarischem und Aktivitäten angeboten, einschliesslich eines musikalischen Abendprogrammes. Wir laden Sie mit einer Bilderstrecke zu einem Rundgang ein.

-> Zur Galerie: Samehelg 2012 im Lappstan in Malå

-> Till bildspelet: Samehelgen 2012 på Lappstan i Malå



Samehelg 2012 im Lappstan in Malå
„Samehelg 2012 in Malå“
 
 

David DuChemin „Portraits of Earth“ - Kurzrezension

Die Craft & Vision Edition hat sich bekanntlich dem Ziel verpflichtet, fotografisches Know-How in Ebook-Form zu erschwinglichem (eigentlich besser: unschlagbarem) Preis anzubieten. Die Autoren sind renommiert und manchmal schreibt auch der „Chef“ David DuChemin selbst.

Vor einigen Tagen ist ein neues Ebook von David selbst erschienen „Potraits of Earth“, eine Einführung in die Landschaftsfotografie.

Für mich ist es nicht nur Inhalt, denn der muss selbstverständlich fundiert sein, sondern gerade auch der Schreibstil, der ein Buch wirklich interessant und lesenswert macht. Und ich bekenne gerne, dass mich Davids Stil sehr anspricht. Auf den Punkt, aber dennoch humorvoll und erfrischend.

„Portraits of Earth“ - Im jüngsten Craft & Vision Ebook geht es also um Landschaftsfotografie. Ich finde das interessant, ist David doch weithin als „Humanitarian Photographer“ und für seine ausdrucksstarken Portraits bekannt. David befindet sich auf einer fotografischen (und anscheinend auch philosophischen) Reise. Während Portraits den Sinn für die Vergänglichkeit des Seins wecken und schärfen, bringt die Landschaftsfotografie die Unvergänglichkeit zum Tragen. Die ausdrucksstarken Bilder im Buch untermalen das eindrucksvoll.

In bewährter Weise ist das Buch zugleich ein Arbeitsbuch mit vielen Tipps, Tricks und Aufgaben für den Leser.

Auf 64 Seiten (A4) beginnt David seinen Rundgang durch die Landschaftsfotografie mit den Themen: Ausrüstung / Gear, Licht, Komposition mit Linien und Linienführung. Das Kapitel über Ausrüstung ist erfrischend kurz und widmet sich Objektiven, Stativen und Filtern. Die Kapitel Licht und Komposition dürften selbsterklärend sein. Mit vielen Bildern erklärt David seine textlichen Ausführungen.

Danach finde ich die weitere Aufteilung des Ebooks besonders charmant: Er untergliedert nach den Elementen in Land, Wasser, Schnee und Detailaufnahmen. Jeweils mit einer Menge Tipps und Tricks, von denen einige schlicht und simpel wirken, aus Erfahrung aber essentiell (und manchmal sogar existentiell) sind.

Wer sich mit der Landschaftsfotografie beschäftigen möchte, für den ist das Buch ein idealer Ausgangs- und Startpunkt. Eine klare Empfehlung!

Das Ebook gibt es - wie bei Craft & Vision üblich - als PDF und als iPad-App. Meine Empfehlung ist die ausdruckbare PDF-Version, auf die es auch einen Einführungsrabatt gibt. Der Preis liegt mit USD 5 wie immer auf rekordverdächtig günstigem Niveau.

Und für die Leser des Lapplandblogs gibt es wieder eine Sonderaktion zum Buch:

- Bis zum 9. September 2012, 23 Uhr 59 (Ortszeit Vancouver) gibt es auf die PDF-Version des neuen Buches 20% Einführungsrabatt (d.h. Einen Preis von USD 4), diesem Link zu Craft & Vision folgen und beim Checkout im Warenkorb folgenden Promotion Code angeben: EARTH4

Und wenn Sie gleich mehrere PDF-Bücher aus der Reihe Craft & Vison kaufen wollen, erhalten Sie bei der Eingabe des Promotion Codes EARTH20 ganze 20% Rabatt auf Ihre Bestellung beim Kauf von 5 oder mehr Büchern.

-> Hier geht es zu Craft & Vision. Dort ist die Neuerscheinung exklusiv erhältlich.



Foto-Futter KW 38/2012: Ming Thein

Ein echter Aufsteiger in der fotografischen Blogwelt ist der aus Malaysia stammende Fotograf Ming Thein. Und ein sehr empfehlenswerter noch dazu. Im Februar 2012 begann er zu bloggen und bereits im Juni erreichte er die 500.000er Besuchermarke. Dafür muss es einen Grund geben. Zudem bloggt Ming bewundernswert viel, ohne dass die Qualität darunter leiden würde.

Seine Artikel geben einen authentischen Einblick in seine Welt als professioneller Fotograf mit interessanten Spezialisierungen. Er bloggt viele Fotos, die einen ganz eigenen – meiner Meinung nach sehr sympathischen und ansprechenden – Stil aufweisen.

Beonderes Hightligt sind aber seine Artikel zu generellen fotografischen Themen. Und auch „Gearheads“ kommen nicht zu kurz.

Kurz: Mings Blog ist ein Muss im RSS-Reader.

Foto-Futter KW 38/2012: Ming Thein

Channel Lappland Folge 1: Forgotten Places and lost families

Ein neues Format hält Einzug: Der Channel Lappland. In loser Reihenfolge präsentieren wir Ihnen künftig Reportagen und Tipps für Ihren Trip nach Lappland.

In der ersten Folge geht es um Hintergrundinformationen zu unserem Projekt "Forgotten places and lost families" über Urbanisierung in Schweden. Folgen Sie uns zu einem mystischen Platz irgendwo im tiefen Wald und lernen Sie einen weithin unbekannten Abschnitt der schwedischen Geschichte kennen.

(Tipp: Klick auf den Play-Button)



Eine bymahlemiuts Produktion 2012.

[Update 3/9/2012 wegen technischer Probleme: Austausch der FLV-player application. Wir bitten um Nachsicht. Danke!]

Autumn Blues in Lappland...

Seid gut 48 Stunden heftiger Dauerregen. Das Thermometer fällt und fällt. Während in Deutschland die Hitzewelle abebbt, kündigt uns die Prognose die ersten Frostnächte an. Gestern waren es nur noch „+2“. Richtiger Wetter-Blues.
 
Wer noch etwas über den wunderbaren - aber sehr kurzen - arktischen Sommer in Lappland lesen möchte, dem sei der Artikel "Lapland Polaroids - the beauty of the arctic summer" ans Herz gelegt.
 
Alle anderen dürfen in den Blues mit einstimmen. Musikempfehlung dazu: Gary Moore - Still Got The Blues.

Autumn Blues in Lappland...
„Autumn blues...“

Colors of Sapmi – Ein persönliches Projekt über faszinierende Farben

Die wunderbaren Farben der samischen Trachten haben mich schon immer fasziniert. So ist über die vergangenen Monate ein Projekt entstanden.

-> Auf meinem englischsprachigen Blog gibt es die Details und eine Bildergalerie dazu.

Colors of Sapmi – Ein persönliches Projekt über faszinierende Farben
„Colors of Sapmi“

Forgotten places and lost families: Ein persönliches Projekt über die Urbanisierung in Schweden

Auf meinem englischsprachigen Blog habe ich gerade ein persönliches Projekt vorgestellt, dass mich die letzten Monate sehr beschäftigt hat.

Es geht um die seit mehr als 100 Jahren fortschreitende Urbanisierung in Schweden (insbesondere Nordschweden, bzw. Lappland). 

Die Landflucht hat ihre Spuren hinterlassen: Massen verlassener Häuser und Gehöfte. Oft sehen diese so aus, als hätten die früheren Bewohner ihre alte Heimat "Hals über Kopf" verlassen (müssen?). Manchmal stehen die jahrzehntealten Marmeladengläser noch im Schrank, oder der Tisch ist noch gedeckt. Gespenstisch und zugleich unglaublich faszinierend. 

-> Mehr Details (auf Englisch) und eine Galerie mit einigen Bildern gibt es hier.

Die ganze Bilderserie wird demnächst als Teil einer Wanderausstellung unterwegs sein. Sobald ich die genauen Daten dazu habe, gibt es hier ein Update.

Forgotten places and lost families: Ein persönliches Projekt über die Urbanisierung in Schweden
„Forgotten places and lost families“


2.500 KW und eine Steckdose - Augen auf: Windkraft in Lappland

Aktuelle Entwicklungen in Lappland: In vielen Kommunen in Västerbotten spriessen derzeit die Windkraftwerke wie Unkraut aus dem Boden. 

So ein Windkraftwerk ist einhundert Meter hoch und hat eine Flügellänge von 50 Metern. Die Leistung beträgt ca. 2.500 KW (= 2,5 MW) je Kraftwerk. Im Regelfall stehen um die 10 bis 25 in Reih und Glied (wobei es auch deutlich grössere Windparks gibt). 

Eine merkwürdige Sache ist mir aber bei der letzten Reportage ins Auge gestochen: 2.500 KW und eine Steckdose. Direkt neben dem riesigen Windkraftwerk steht eine Steckdose. Ein Anschluss für den Motorwärmer im Winter. Als ob das grosse Windrad gerade mal genug Leistung für diese eine Steckdose hätte.  

2.500 KW und eine Steckdose - Windkraft in Lappland
„2.500 KW und eine Steckdose“


Am Rande noch ein Tipp für Urlauber, Auswanderer und Hauskäufer: Wenn Sie Ruhe und Natur lieben, sollten Sie sich vor Ihrem Lapplandurlaub, bzw. Ihrem Immobilienerwerb einen Überblick über die Windkraftsituation im Zielgebiet verschaffen. Die Windräder produzieren nämlich nicht nur Strom, sondern auch jede Menge Krach...

Summary: Hint - If you want to spend your holidays in Lapland or if you're thinking about buying a dacha or a house then please keep your eyes open for windmills. You should also observe the local planning, because windmills do not only produce electricity but also a lot of noise...

Sammanfattning: Stalltips - Om du vill tillbringa din semester i Lappland skulle du vara uppmärksamt om det finns vindkraftverk i det området du siktar pa. Det gäller självklart också när du vill köpa en sommarstuga eller ett hus. För vindkraftverken producerar inte bara elektricitet utan att riktigt mycket ljud...  

Über US622, DEET und Plastik

Der Peak in der Sommersaison scheint vorüber zu sein. In diesem Sommer war ungewöhnlich viel los: Wir waren auf dem Rücken von Pferden und auf Trainingswägen unterwegs, haben Anglergruppen begleitet und lagen bei Autorennen auf dem Teer. Natürlich fehlten auch einsame, verträumte Seen und Strände nicht. Tourismus-Fotografie - noch dazu in Lappland - ist eben eine spannende Sache. 

Einen Wermutstropfen gab es dieses Jahr: Die Insektenplage war extraordinär (und ist es immer noch). So viele Mücken, "Knotts" (die besonders unangenehmen und aggressiven Kriebelmücken), Bremsen und allerlei andere stechende und beissende Flugsaurier gab es seit Jahren nicht mehr. Die allgemeine Hoffnung zum Beginn der Saison war, dass die Fluggetierplage sich dieses Jahr wegen des sehr kühlen Sommeranfangs in Grenzen halten würde. Dem war aber leider nicht so. Im Gegenteil.

Stechmücke beim Angriff
„Das Grauen Lapplands: Flugsaurier beim Angriff“
Danke an
© Petra Fuelbert 2012 für das Bild (bei dem ich Modell stehen durfte...:)


Ich hatte schon einige Male über MyggA unsere "Allzweckwaffe" gegen unerwünschte, stechende Fluginsekten geschrieben.

Beim Fotografieren ist aber Vorsicht abgesagt, denn der Hauptinhaltsstoff von MyggA (und den meisten anderen Insektiziden zum Auftragen) ist DEET. Das hat einen unangenehmen Nebeneffekt: Es greift Kunststoffe an. Beim Kontakt mit DEET kommt es zur Materialauflösung. Viele Uhrenarmbänder, Handys und Sonnenbrillen sind dem schon zum Opfer gefallen.

ACHTUNG: Leider gilt das auch für die Kamerabelederung (bzw. Kameragehäuse aus Kunststoff) und anderes fotografisches Zubehör.

Häufiges Händewaschen hilft zwar, den meistens kommt die Chemie via Hände ans Plastik. Das ist aber mitten in einem Fotoshooting völlig unpraktikabel.

Hier kommt US622 ins Spiel. Genauer gesagt, die "US622 Myggspiraler". Ich war gegen diese Räucherteile zum Abbrennen bislang immer recht skeptisch. In der diesjährigen Verzweiflung habe ich ihnen aber eine Chance gegeben. Und siehe da: Die Wirkung ist zwar nicht so gut wie bei direkt aufgetragenem MyggA, aber dennoch ganz ordentlich. Für alle (Arbeits-)Situationen sind die Spiralen zwar nicht einsetzbar. In statischen Situationen und bei Windstille oder in halbgeschlossenen Räumen ist die Anzahl der Flugsaurier in einem Umkreis von ca. drei Metern um die glimmende Spirale deutlich gemindert. Die Brenndauer beträgt ca. zwei bis drei Stunden. Bei zwei in einem Abstand von ca. drei bis fünf Metern aufgestellten Spiralen lässt es sich arbeiten. Einziger Haken: Manchmal ist etwas Qualm zu sehen, der natürlich nicht ungeplant ins Bild geraten darf :)

US622 Myggspiral
„Hilfe in der Not: US622 Myggspiral - ohne DEET“

Retro-Vintage-Hype

Ein Artikel, der kürzlich auf Jörg M. Colbergs Seite "Conscientious" erschienen ist, hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Es geht um ein Phänomen; eigentlich sogar um eine existentielle Frage in der Fotografie (und der Kunst ganz generell): Gibt es eine Entwicklung in der Fotografie als Kunst? Gibt es generell "neue" kreative Entwicklungen? Manches spricht dagegen.

Ich gehöre zu einer Generation, die noch mit echten Polaroidbildern aufgewachsen ist. Gerne denke ich zurück an die alte Polaroidkamera, die meine Tante in den 70er Jahren hatte. Wir Kinder durften zusehen, wie die Kamera (meistens jedenfalls, denn manche Filme haben "geklemmt") die Bilder ausspuckte und sich langsam die Details und Konturen abzeichneten. "Nicht anfassen und nicht pusten" lauteten die ermahnenden Worte. Nur das behutsam leichte Hin- und Herwedeln des Fotos war in dieser kritischen Phase erlaubt. Und wer eines der begehrten Bilder mitnehmen durfte wurde stets ermahnt, das Bild nicht aus seinem weissen Rahmen auszuschneiden wegen "der giftigen Chemikalienrückstände", die im Rahmen seien. Denke ich heute an den damaligen Polaroidstil wärmen mir diese Erinnerungen immer noch das Herz. (Echtes) Polaroid war (ist) die exemplarische Verkörperung der analogen Fotografie.

Nun gibt es in der digitalen Fotowelt seit geraumer Zeit einen Retro-Vintage-Hype. Apps bieten den Retrostil an und verschiedene Photoshop-Aktionen versprechen ein Ergebnis, das dem Original nahe kommen soll.

Die Krone der Bildbearbeitung im Polaroid-Stil ist das kleine Programm "Polaroid" (für Mac und PC), das den Entwicklungsvorgang sogar zeitlich nachbildet.

Vollständig echtes "Analog-Feel-Retro" sozusagen (Moment bitte; ich muss noch Schutzhelm, Handschuhe und den gepolsterter Overall anziehen, bevor ich weiter schreibe).

Beim Frühstück entspann sich gestern jedenfalls eine längere Diskussion über die Frage des "Retro-Vintage-Hype". Gibt es überhaupt so etwas wie "Retro". Leben wir nicht ständig im Gewohnten? Die Essenz der Diskussion:

1. Retro steht für Stabilität. Rein technisch müsste Retro eigentlich sogar für "analog" stehen. Wenn da nicht, ja, wenn da nicht die Bequemlichkeit wäre. Und die zunehmende Beschleunigung. "Dynaxity" nennt sich dieses Phänomen (das von dem 2008 verstorbenen Prof. Dr. Heijo Rieckmann ausführlich beschrieben wurde). Dynaxity ist ein Kunstwort aus den Bestandteilen "Dynamik" und "Komplexität". Beides nimmt stetig zu. Exponentiell, wie es den Anschein hat. Retro und Vintage wecken die Erinnerung und stillen die Sehnsucht nach der "guten alten Zeit", in der alles noch schöner, langsamer und überhaupt: besser, war.

Denn psychologisch gehören der Wunsch nach Sicherheit, Geborgenheit und Stabilität zu den menschlichen essentiellen Grundbedürfnissen. Je unstetiger, unsicherer und unwirtlicher das Umfeld wird, desto grösser die Sehnsucht und das Streben.

2. Kunsthistorisch - und hier ist Frau Lapplandblog sehr gut bewandert - ist es generell fraglich, inwieweit es kreative Neuerungen überhaupt noch gibt. Mit zunehmender philosophischer Sättigung schlägt die Gier nach dem Bestehenden, nach dem was "auf dem Silbertablett serviert wird" zu. Es ist schlicht viel einfacher und bequemer zu konsumieren oder allenfalls zu kopieren, als zu erschaffen.

3. Interessant ist allerdings, dass Bilder im Retro-Vintage-Style auch Teenager und Twens ansprechen. Eine Generation, die diese Bilder im analogen Stil eigentlich nicht mehr kennen dürfte. Zwei Erklärungsansätze bieten sich an:

- Gerade Bilder im Polaroid-Look basieren oft auf Schlichtheit. Häufig einfache, aber effektive Kompositionen. Diese Bilder sind oft gut und leicht verständlich und lesbar. Etwas, das eine Generation, die in einer extrem schnelllebigen Zeit aufgewachsen ist und lebt, per se ansprechen dürfte.

- Die Generation der Teens und Twens giert nach Neuem. Viele der heutigen Teens und Twens gehören der "Vollsättigungs-"Generation an. Immer mehr, immer schneller - so die Lebensdevise. Neue Trends werden gerne konsumiert (auch wenn es sich dabei eigentlich um Retro-Vintage handelt). Schliesslich schlummern auch (und vielleicht gerade) in den Seelen der Teens und Twens die oben schon erwähnten Wünsche und Sehnsüchte. Vielleicht bringen Retro-Vintage Bilder auch diese Seite zum Schwingen.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus alledem ziehen?

Mir geht es nicht darum, über Trends und Entwicklungen den Stab zu brechen.

Und - Hand aufs Herz - : Ganz persönlich mag ich den Retro-Vintage-Look auch ganz gerne leiden. Schauen wir mal, wie sich der Trend weiter entwickelt.

Eine ganz andere Sache ist die Frage nach dem Einsatz von Apps, die den Retro-Vintage-Look produzieren, für Reportageeinsätze. Das gehört in einem anderen Blogartikel.

Space-Invaders meet Polaroid
„Doppelter Vintage-Retro: Space-Invaders meet Polaroid“

Unter der Veranda - Herbstboten in Lappland

Stürmische Winde. Sonnenschein. Behagliches Klima im Wintergarten bei einer guten Tasse Kaffee. Doch was ist das? Ist es wirklich wieder schon so weit?

Ein kleines, herbstlich braunes Blatt hat sich durch die Ritzen gemogelt...

Herbstboten in Lappland
„Unter der Veranda - Herbstboten in Lappland“

Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht.

Entrümpelung im Kompaktkamera-Archiv bei einem verspäteten Frühjahrsputz (in Lappland sind die Jahreszeiten bekanntlich nach hinten verschoben). Da lagen also 13 Kompaktkameras aus den letzten fünf Jahren vor uns auf dem Tisch. Nummer 14 (eine Canon IXUS 950IS) fehlt, weil wir sie im vergangenen Jahr separat verschrottet haben.

Zuerst das Rätsel: Zwei davon funktionieren noch einwandfrei. Die Preisfrage ist, welche?

Kompaktkameras haben es bei uns im Haushalt zugegebenermassen nicht leicht. Sie begleiten uns immer und überall hin (auch wenn die grosse Ausrüstung im Einsatz ist). Oft geht es bei Wind, Wetter und tiefsten Temperaturen auf abenteuerliche Touren. Ein realistischer Dauertest sozusagen. 

Also liebe Kamerahersteller: Wenn Ihr unter harten realistischen Einsatzbedingungen testen wollt, nehmt bitte Kontakt mit uns auf!

Zurück zum Thema: Der traurige Befund ist nun, dass 12 von 14 in den vergangenen fünf Jahren von uns eingesetzten Kompaktkameras überhaupt nicht mehr, oder nur noch mangelhaft funktionieren.  

Die Ausfallrate und die Ausfallzeitpunkte sind allerdings manchmal sehr merkwürdig. Manche Kameras verabschieden sich nach relativ kurzer Zeit mit merkwürdigen Fehlermeldungen. In den kleinen Gehäusen steckt jede Menge Elektronik und Ausreisser kann es bekanntlich immer einmal geben. Deswegen habe ich alle Modelle mit den jeweiligen Fehlern auch gegoogelt und bin bei fast allen fündig geworden.  

Generalisiert würde ich sagen: Je neuer die Kamera, desto kürzer die Lebensdauer. Und das macht natürlich stutzig, denn eigentlich sollten Elektronik und Mechanik immer besser und zuverlässiger werden.

Mich beschleicht der Verdacht, dass bei manchen Produkten die sogenannte "geplante Obsoleszenz" im Spiel sein könnte. Um was geht es dabei? 

Wikipedia definiert das so: "Gemeint ist ... ein Teil einer Produktstrategie, bei der schon während des Herstellungsprozesses bewusst Schwachstellen in das betreffende Produkt eingebaut, Lösungen mit absehbarer Haltbarkeit und/oder Rohstoffe von minderer Qualität eingesetzt werden, die dazu führen, dass das Produkt schneller schad- oder fehlerhaft wird und nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden kann."


So etwas scheint bei vielen Produkten - gerade in der Unterhaltungselektronik - heute üblich zu sein (und ist auch in verschiedenen Medien immer öfter nachzulesen), wie zum Beispiel hier.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann einfach zum Begriff "Geplante Obsoleszenz" sich im Netz auf die Suche machen und sich dann wundern. Allen, die tiefer in die Thematik einsteigen wollen, sei das Portal „MURKS? NEIN DANKE!“ empfohlen.

Wie sieht es konkret mit unseren Verschrottungskandidaten aus?

Eine Nikon L12 (gekauft 2007) hat das laut Suchergebnissen normale Stromversorgungsproblem. Neue Batterien oder Akkus? Beim Einschalten zeigt das Display "Akkukapazität erschöpft" und die Kamera schaltet sich wieder ab. Das gleiche Verhalten legt eine Pentax Optio WP an den Tag.

Eine Casio EX-V7 (die wir ansonsten sehr geschätzt haben) zeigt den laut Suchergebnissen sehr häufigen "Objektivfehler 2" und ist dadurch unbrauchbar.

Eine Sigma DP1 und eine Leica D-Lux 2 haben so grosse Staubpartikel im Objektiv, dass die Flecken praktisch nicht mehr zu retuschieren sind. Bereits beim Kauf waren jeweils mehrere winzige wie Sensorflecken aussehende Spots vorhanden. Mein Verdacht geht dahin, dass es sich um Abrieb aus der Objektivmechanik handelt.

Bei der Leica C-Lux 2 muss zur Ehrenrettung gesagt werden, dass sie einen schweren Sturz eingesteckt hat, bevor sich die äusseren Verschlusslamellen nicht mehr schlossen.

Relativ gut geschlagen haben sich die Canons: Die digitale Ur-IXUS (die immerhin 2,1 Megapixel liefert) funktioniert noch wie eh und je. Natürlich sind die Bilder im Prinzip für nichts mehr zu brauchen.

Eine Powershot A40 mochte nach einigen Jahren keine Energie mehr zu sich nehmen. Egal ob neue Akkus oder Batterien: Sie erwachte nicht mehr zum Leben.

Eine IXUS 950IS hat sich mit geschätzten 15.000 Auslösungen in drei Jahren tapfer geschlagen, bis die Objektivmechanik versagt hat.  

Viel schlechter hat eine IXUS 100IS abgeschnitten. Sie versagte bereits nach ca. 6 Monaten mit defekter Objektivmechanik.

Die Canon S95 funktioniert nach ca. 6 Monaten bislang noch einwandfrei.

Die beiden noch einwandfrei funktionierenden Modelle aus dem Konvolut kommen also beide aus dem Hause Canon.

Geplante Obsoleszenz - Kompaktkamera fails? Ein Erfahrungsbericht.

Geheimtipp: Den härtesten Belastungen sind die Kameras dann ausgesetzt, wenn sie in die Hände von Frau Lapplandblog geraten. Die Sterblichkeitsrate in diesem Falle ist statistisch deutlich erhöht. Frau Lapplandblog hat übrigens auch das schöne Kamera-Stilleben dekoriert. 





*Cat-Content*

Heute überschreite ich wieder die Grenze: Es gibt echten „Cat Content“. Mit gutem Grund allerdings. Viele Freunde, Bekannte und nicht zuletzt Workshopteilnehmer haben sich nach dem Wohlergehen unserer „Blogkatze“ (auch unter dem Namen „Lappland Katze“ bekannt) erkundigt.

Ich konnte sie kürzlich zu einem Portrait überreden, während sie sich majestätisch auf dem Sofa räkelte :)

Cat Content aus Lappland: Unsere Blogkatze
„Mit den besten Empfehlungen von unserer Blogkatze aus Lappland“

Twins revisited (one more time)

Orte mit magischer Ausstrahlung.
Magnetische Orte.
Sie ziehen Dich an.
Abgelegene Orte.
Sie sprechen zu Dir.
Scheinbar unbedeutende Dinge:
Zwei Steine am ausgetrockneten Flussbett.


Ich habe sie wieder einmal besucht,
meine Twins.

Twins revisited (one more time)
„Twins revisited (one more time)“

Marathon-Faces: Lapland Ultra Marathon 2012

Im beschaulichen Adak (Malå Kommun) in Schwedisch-Lappland findet alljährlich um Midsommar ein Sportereignis von Weltklasse statt: Lapland Ultra. Dahinter verbirgt sich ein Ultra-Marathon mit einer Laufstrecke von 100 Km. Daneben gibt es auch die Möglichkeit, verschiedene kürzere Distanzen zu laufen. Der Lauf ist neuerdings sogar für die Schwedischen Meisterschaften anerkannt.

Vom Start und von der Strecke hatten wir bereits berichtet (z. B. 2009 hier und hier).

Dieses Jahr hat mich sehr die Frage beschäftigt, wie sich die Läufer und Läuferinnen fühlen beim Zieleinlauf. 100 km am Stück zu laufen (und das in nur ca. 7,5-9 Stunden) ist für mich eine unvorstellbare Herausforderung. So entstand der Gedanke eine Fotostrecke unter dem Titel "Marathon Faces" zu machen.

Also ging es um vier Uhr morgens gen Zieleinlauf. Mit den ersten Finalisten wurde gegen 5 Uhr gerechnet. Relativ wenige Medienvertreter haben sich zu so frühmorgendlicher Zeit blicken lassen. Wahrscheinlich ist der Medienrummel bei der Preisverleihung um 11 Uhr grösser. Mir ging es aber darum, die Läuferinnen und Läufer direkt beim und nach dem Zieleinlauf abzulichten.

Die Rahmenbedingungen für den Lauf waren dieses Jahr übrigens nahezu perfekt: Sehr kühl (beim Zieleinlauf um die 12 Grad) und verregnet. Das ist deutlich besser als 25 Grad, Sonnenschein und Stechmücken in unbegrenzter Anzahl. So wurden denn dieses Jahr auch neue Streckenrekorde aufgestellt. Nachteil an dem kühlen Wetter ist das potentielle Risiko für Läuferinnen und Läufer. Nach mehreren Stunden Höchstleistung ist eine schnelle Auskühlung eine ernste Gesundheitsgefahr. So hüllen sich denn viele Teilnehmer nach dem Zieleinlauf sofort in dicke Decken und Daunenmützen.

Wie ist es nun mit den Finalisten? Mich hat erstaunt, wie fit sie dennoch sind. Aber sehen Sie selbst:

-> Zur Galerie: Marathon-Faces: Lapland Ultra Marathon 2012

-> Till bildspelet: Marathon-Faces: Lapland Ultra Marathon 2012


Marathon-Faces: Lapland Ultra Marathon 2012
„Vier Uhr dreissig auf der Zielgeraden - Die Ruhe vor dem Sturm“

Schwedischer Fika-Kult: Kalles Kaviar aus der Tube

Heute widmen wir uns einem echten Highlight der schwedischen Essenskultur: Kalles Kaviar aus der Tube.

Die charakteristischen blauen Tuben (die es mit diversen Geschmacksrichtungen auch in anderen Farben gibt), dürfen auf keinem "Fikabord" (Pausentisch) in Schweden fehlen. Wer mit dem Begriff der Fika (noch) nichts anfangen kann, bitte zuerst den Artikel dazu lesen.

Der kultige Tubenkaviar wird seit 1954 von Abba Seafood hergestellt und vertrieben. Die Firma mit dem guten Riecher für die schwedischen Geschmacksnerven hatte das Rezept 1954 von einem reisenden Händler erworben. Kalles enthält Rogen vom Kabeljau und vom Dorsch (vom Köhlerfisch, einer Dorschart, um ganz genau zu sein), Zucker, Salz, Kartoffelmehl und Tomatenpüree. Die genauen Anteile und eventuelle weitere Inhaltsstoffe sind gut gehütetes Betriebsgeheimnis. Jedenfalls erwies sich der Brotaufstrich aus der Tube von Anfang an als Verkaufsschlager, insbesondere unter Kindern und Jugendlichen. 

Schwedischer Fika-Kult: Kalles Kaviar aus der Tube
„Hier die seltene Kalles-Minitube“


Kalles Kaviar hat übrigens auch eine fotografische Komponente: Zu Beginn des Vertriebs hatten die Tuben nur eine nüchterne Aufschrift. Ein Werbefachmann bestand 1955 darauf, dass ein Logo auf die Tube müsse. Ein blonder und blauäugiger Junge müsse es sein. Der damalige Geschäftsführer von Abba Seafood, Christian Ameln, hatte einen Sohn, der dem Wunschbild recht nahe kam. Also wurden kurzerhand die Familienalben gewälzt und so gelangte das Bild von Sohn Carl auf die Tube. Und bis zum heutigen Tage prangt es dort. Das Bild war übrigens von der Frau Mama aufgenommen worden. Fotografisches Fazit: Bilder sammeln. Man weiss ja nie...

Zurück zum Kaviar: Der Verkauf lief so gut, dass bereits im ersten Vertriebsjahr über eine Million Tuben verkauft wurden. Heute beläuft sich die verkaufte Menge auf ca. 2.600 Tonnen pro Jahr. 

Kalles hat übrigens auch eine sehr nette Homepage auf der man sich u.a. aus einem eigenen Passbild einen sog. "Kaviatar" (einen etwas anderen Avatar) erstellen kann. 

Im Laufe der Zeit hat Kalles auch in feineren Restaurants und Hotels Einzug gehalten. So staunte ich nicht schlecht, als ich vor einigen Tagen eine luxuriöse Ausführung des Tubenkaviars auf dem Frühstücksbuffet eines Hotels der - sagen wir mal - "gehobenen Kategorie" entdeckt habe.

Schwedischer Fika-Kult: Kalles Kaviar aus der Tube
„Die Luxusausführung für Hotels und Restaurants“


Schliesslich zum Geschmack. Was soll ich sagen? Er ist schwer zu beschreiben und ist - wie der Name schon sagt - eben eine Geschmackssache. Aus Einwandererperspektive würde ich - höflich formuliert - sagen: Die interkulturelle Kompetenz stösst bisweilen an ihre Grenzen, wenn es um die Geschmacksnerven geht. Zu lange wurden diese an bestimmte Geschmacksrichtungen gewöhnt. Aber ich möchte Sie trotzdem ermutigen: Wenn Sie die Gelegenheit haben, greifen Sie zu und probieren Sie selbst. Und als typisch schwedisches Reisemitbringsel ist Kalles auch ideal geeignet!

Reportage: Mångkulturfest (Fest der Kulturen) in Malå

Im südlichen Lappland liegt die Kleinstadt Malå. Auf 1.727 Quadratkilometern leben derzeit (noch) ca. 3.300 Einwohner (Tendenz abnehmend). Das entspricht ungefähr 1,9 Einwohnern je Quadratkilometer. Erstaunlicherweise aber sind im kleinen Malå ca. 40 unterschiedliche Nationalitäten und Kulturen vertreten. 

Grund genug für die Stadtverwaltung, erstmalig ein "Mångkulturfest" (Fest der Kulturen) zu veranstalten. Drei Stunden lang wurde das Folkets Hus in Malå zum interkulturellen Sammelpunkt mit vielfältigen Angeboten. Leckere Gerichte aus vielen verschiedenen Ländern, kulturelle Einlagen und jede Menge Informationen zu den in Malå vertretenen Gruppen, bildeten das Programm. Der Andrang war erstaunlich gross und Jung und Alt nahmen die Gelegenheit zur Begegnung wahr. Wir haben eine Reportage fotografiert und eine kleine Bildstrecke zusammen gestellt.   

-> Zur Galerie: Fest der Kulturen am 16.6.2012 in Malå

-> Till bildspelet: Mångkulturfest i Malå 16/6

Reportage: Mångkulturfest (Fest der Kulturen) in Malå
„Interessierte Besucher beim Fest der Kulturen: Welches Land hat diese Flagge?“

In den Wäldern Lapplands

Was tun an einem hoffnungslos trüben Sonntag, an dem es in einer einzigen Tour regnet? 
Irgendwo im Hinterkopf bringt sich die alte Weisheit in Erinnerung: "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung!". Ausserdem haben die Vierbeiner eine andere Einschätzung bezüglich des Wetters. Also ein Kompromiss: Es geht querfeldein in möglichst dichten Wald. Da kommt wenigstens nicht ganz so viel Regen durch.

Touren durch den unberührten Wald in Lappland sind immer eine spannende Sache (*Sicherheitshinweis und Tipp dazu siehe ganz unten!*). Wunderbare und merkwürdige Dinge sind dort zu finden. Zu meinen Favoriten gehören antike Autowracks. Erstaunlich viele Oldtimer fristen irgendwo dort draussen - oft schon eingewachsen in die Natur - ihr Dasein. Manchmal sind richtige Schätze zu finden, wie z.B. dieser 170er Mercedes, über den ich früher schon einmal gebloggt habe

Auf der heutigen Regen-Waldtour habe ich wieder einen neuen Oldtimer entdeckt. Um was genau es sich handelt kann ich noch nicht sicher sagen. Nur die Haube lugte aus dem im Moor wuchernden Gestrüpp heraus. Sobald es wieder einigermassen trocken ist, werde ich dort nochmals vorbei schauen und der Sache auf den Grund gehen. 

Oldtimerparadies Lappland - In den Wäldern verbergen sich wahre Schätze
„Oldtimerparadies Lappland - In den Wäldern verbergen sich wahre Schätze“



*Sicherheitshinweis / Tipp für Urlauber, Touristen und eventuelle Nachahmer: Touren querfeldein durch den Wald in Lappland bergen das erhebliche Risiko sich gnadenlos zu verirren. Ohne klare und deutliche Orientierungspunkte geht die Orientierung rasend schnell verloren. Das kann ernst, mitunter lebensbedrohlich werden. Denn die nächste menschliche Siedlung ist mitunter etliche Kilometer entfernt und gerade denn, wenn man es bräuchte, gibt es keinen Mobilfunkempfang. Das passiert übrigens oft auch Einheimischen, z. B. beim Pilzesammeln. Eine Such- und Rettungsaktion mit Polizei und Helikopter kann empfindlich teuer werden (und der Erfolg ist keinesfalls garantiert). Also bitte, bitte ein GPS mitnehmen und viele Routenpunkte setzen. Und bitte an Ersatzbatterien denken. Die geben nämlich immer dann den Geist auf, wenn man das Dingens dann wirklich benötigt...

Waterball - Ein Bekenntnis

Wahrscheinlich verfällt Europa jetzt wieder in die Fussball-Starre. Der Traffic im Web nimmt ab und das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Die Mehrheit der Europäer starrt gebannt auf den Ball und das Tor. 

Dennoch mein Bekenntnis zur Fussball EM: Ich bin kein Fussballfan. Obwohl ich meine fotografische Karriere 1987 mit Fussball (Regionalliga und Kreisliga im Raum Heilbronn) begonnen habe. Richtig warm geworden bin ich mit dem Fussball nie.

Verfolgen tut er mich trotzdem. So auch in Stockholm. Ob für diesen pfiffigen Brunnen allerdings ein Fussball Pate gestanden hat, ist mit unbekannt. 

Waterball Stockholm (Ecke Vasagatan, Olof Palmes gata)
„Waterball Stockholm (Ecke Vasagatan, Olof Palmes gata)“


Smartphones - Geliebt, gehasst, genutzt...

Im Artikel über meine Trendforschung in Stockholm hatte ich unter der Überschrift "Der Trend zur mobilen Fotografie" auch einen Absatz über Smartphones geschrieben (wörtlich schrieb ich über "iPhones und Androiden"). Auf meine kritischen Ausführungen hin habe ich auf verschiedenen Kanälen erstaunlich viel Feedback bekommen. Anlass genug, das Thema nochmals zu vertiefen.

Keine Sorge, ich führe die Grundsatzdiskussion zur Erforderlichkeit von Equipment (Stichwort: "Wer macht jetzt eigentlich die Fotos, der Fotograf oder die Kamera") jetzt nicht zum zehntausendstenmal. Und die tatsächliche Qualität der Bilder aus dem Smartphone ist von kompetenteren Stellen nun auch schon so oft untersucht worden, dass es langweilig wird.

Mir geht es zuerst mehr um die psychologischen Komponenten, die da z. B. wären: 

- Die Versuchung, einfach noch mehr zu knipsen, weil es mit dem allgegenwärtigen Smartphone ja noch einfacher ist;
- der Spagat zwischen dem "immer erreichbar und online sein" (Stichwort: Gleich auf Facebook & Co mit den Bildern) und der bizarrerweise daraus folgenden (!) kommunikativen Vereinsamung im nahen Umfeld;
- was einher geht, mit immer oberflächlicheren Beziehungen im Allgemeinen.
- usw, usf.

Was steckt dahinter? Die "Verführung durch die Technik". Für viele sind die technischen Errungenschaften letztlich eine Art von Droge. Und Drogen führen zu Abhängigkeiten. Deswegen auch der "immer mehr haben will"-Reflex. Nichts anderes als schlicht eine Abhängigkeit. Und genau das führt dann - meines Erachtens nach - auch zu den geschilderten negativen Auswirkungen.

Der Ausweg? Innere Distanz. Mache Dich frei: Ein Werkzeug ist ein Werkzeug. Nicht mehr. Nicht weniger. Selbstverständlich darf ich mich an einem guten Werkzeug freuen. Aber es bleibt ein Werkzeug. Das geschaffene Werk, d.h. das Bild, zählt. 

Und da sind wir plötzlich wieder mittendrin in der Diskussion über das Equipment. Das richtige Werkzeug für den richtigen Zweck. Und in der Tat sind Smartphones manchmal ein sehr geeignetes fotografisches Arbeitsmittel. Unauffällig und unverfänglich. Manchmal sind sie aber einfach auch fehl am Platz. Und bitte dran denken: Sie sind Werkzeuge und sollen nicht zur Droge werden.

Als Nachtrag und Zusatz hier Frau Lapplandblogs Kommentar zum Thema, nach einer eingehenden Diskussion auf dem heimischen Sofa: "Die Technik kann sich so schnell und hoch entwickeln, wie sie will; die Entwicklung des Menschen ist konnte leider nicht mit Schritt halten".

Selbstportrait mit dem iPhone in Stockholm
„Geliebt, gehasstm genutzt - Selbstportrait mit dem iPhone“

A propos: Aufgenommen im Schaufenster einer sehr bekannten Goldschmiede in Stockholm. Mit „grosser Kamera“ wäre ich hier wahrscheinlich unangenehm aufgefallen, arbeiten doch die Goldschmiede im Hintergrund an wertvollen Schmuckstücken.


Kleine Hotelkunde (@Stockholm)

Ich muss noch etwas von Stockholm schwärmen. Heute geht es (nicht nur) um Hotelkunde. Und da habe ich zwei echte Geheimtipps. 

Tipp Nummer eins ist nicht nur aus der Hotelperspektive, sondern auch architektonisch ein Leckerbissen: Das Clarion Sign

Das Hotel liegt am Östra Järnvägsgatan und ist in ca. 2 Minuten Fussweg vom Hauptbahnhof aus zu erreichen. Eine perfekt zentrale Lage, sowohl für Übernachtungen, wie für Konferenzen. Das besondere Schmankerl aber sind die Architektur und das Interiör. Schlicht beeindruckend. Jedes Mal wenn ich dort zu Gast bin, bekomme ich ungeheuren Appetit darauf, masslos zu fotografieren. Das gesamte Hotel ist eine Erlebniswelt. Für alle Liebhaber schöner Architektur, schöner Gegenstände und guten Standards ein Muss. Übrigens auch kulinarisch exquisit!

Tipp Nummer zwei ist das Nordic Sea Hotel.

In unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs am Vasaplan gelegen. Die Lage am Hauptbahnhof ist ideal, weil der Arlanda-Express vom Flughafen Arlanda ebenfalls dort ankommt. Das Hotel bietet erstklassigen Service und hat hervorragendes Personal. Einer meiner persönlichen Favoriten für Übernachtungen in Stockholm.

Das Clarion Sign in Stockholm: Design-Erlebniswelt und architektonischer Leckerbissen
„Design-Erlebniswelt und architektonischer Leckerbissen: Das Clarion Sign“

Trendforschung und ein persönliches Aha-Erlebnis

Fotografische Trendforschung und ein persönliches Aha-Erlebnis

Eine Bestandsaufnahme, Fragen und Schlussfolgerungen

Ich bin schwerpunktmässig in Sachen Tourismus-, Reportage- und Travel-Fotografie in Lappland tätig. Die Tourismusbranche ist sehr kurzlebig und ständig auf der Suche nach neuen Ideen und Konzepten. Immer besser, immer schöner und - vor allem - immer spektakulärer muss es sein. Up-to-date zu sein, ist also ein "Muss". Dazu ist Stockholm mein ganz persönlicher Tourismus-Barometer. Deswegen bin ich üblicherweise mehrere Male im Jahr dort um Kontakte zu pflegen, und aktuelle Trends und Entwicklungen zu verfolgen.

So war diese Woche wieder einmal Stockholm angesagt. Den touristischen Teil lasse ich hier einmal weg, aber die aktuellen Fototrends waren überdeutlich.

Vorab ein Disclaimer: Die Fakten, die ich nun schildere, sind meine eigene Wahrnehmung und die Prozentsätze sind mit Strichlisten an verschiedenen touristischen Brennpunkten in Stockholm von mir ermittelt worden. Ich nehme nicht in Anspruch, dass es sich um hundertprozentig repräsentative und statistisch belastbare Ziffern handelt, doch die Trends sind sehr deutlich und die Schlussfolgerungen mehr als naheliegend. Jetzt aber Butter bei die Fische.

Der klassische Tourist hat immer eine Kamera dabei. Ich rechne dabei mit (mindestens) einer Kamera "pro Familie". Familie kann sein ein (verheiratetes oder unverheiratetes) Paar oder eine grössere Familie mit Kindern.

Noch im vergangenen Jahr hat es sich überwiegend um Kompaktkameras aller möglicher Marken gehandelt. Dieses Jahr ist der Trend zu "grösseren Kameras" evident. Meine aktuelle Zählung in Stockholm diese Woche hat folgende Werte ergeben:

- ca. 50% der Kameras waren DSLRs;
- ca. 10% der Kameras waren spiegellose Systemkameras;
- ca. 40% der Kameras waren Kompaktkameras.

Von den DSLRs waren

- ca. 70% Einsteigergehäuse;
- ca. 20% "Prosumer"-Gehäuse;
- ca. 10% Profigehäuse.

Übrigens: Immerhin eine gute alte Analogkamera wurde gesichtet :)

Auch das touristische Fotoverhalten hat sich verändert. Früher, d.h. als noch mehr Touristen mit Kompaktkameras unterwegs waren, wurde weniger fotografiert (von den analogen Zeiten, als Filme noch richtig Geld gekostet haben, reden wir jetzt gar nicht). Die Nutzer von DSLRs und spiegellosen Kameras "knipsen" deutlich mehr. Selbst bei "einfachen Szenen", wie z. B. der Wachparade vor dem Königspalast hat sich die Szenerie - will sagen: das Kameragewitter - angehört, als ob ein Superstar über den Roten Teppich gehen würde. Mir wurde geradezu schummerig. Schwer zu sagen, wie viele zigtausend Bilder von Touristen während der Saison in Stockholm täglich geknipst werden. Das anfallende Datenvolumen ist unvorstellbar.

Zum Spass habe ich in Foto- und Elektronikgeschäften vor Ort nachgefragt und dort die Bestätigung erhalten: Nach Aussagen der Verkäufer hat sich der Verkauf von Speicherkarten an Touristen im Laufe der letzten Jahre vervielfacht.

Ich kann mir beim besten Willen partout nicht vorstellen, dass alle diese Millionen Bilder katalogisiert, archiviert oder gar ausgedruckt werden (an zeitintensive Nachbearbeitung will ich erst gar nicht denken).

Auch die Betrachtbarkeit "auf der Kamera" unterscheidet sich bei DSLRs und spiegellosen Systemkameras von der bei Kompaktkameras: Letztere werden gerne einmal herumgereicht, um die Bilder vom letzten Urlaub oder der besuchten Hochzeit herum zu zeigen. Bei einer grösseren und sperrigeren Kamera dürfte das nicht ohne weiteres so der Fall sein.

Anders herum gesagt: Es wird nicht mehr "gesehen", "wahrgenommen" und "erlebt", sondern schlicht "drauflosgeknipst". Der unbewusste Hintergedanke dabei ist wohl "Hauptsache geknipst", denn dann kann ja alles später noch "in Ruhe" betrachtet werden.

"Es kostet ja nichts, lieber einige Bilder zu viel zu machen", wie ein deutscher Tourist mir auf meine Nachfrage zu seinem Fotoverhalten wörtlich sagte.

Dazu kommt dann noch der Trend der mobilen Fotografie. Smartphones sind allgegenwärtig. Ohne Strichliste gezählt, wandeln in Stockholm ca. 50% der Menschen (Touristen wie Einheimische) mit einem iPhone umher; ca. 35% mit einem Androiden. Einige wenige (bedauernswerte) Menschen scheinen bislang (noch?) nicht im Besitz dieser technischen Errungenschaft zu sein.

Die Wortwahl "wandeln" ist übrigens mit Absicht gewählt. Früher einmal gingen Menschen umher und haben um sich geschaut. Manchmal haben sich sogar spontane Unterhaltungen ergeben. Heutzutage ist das nicht mehr der Fall. Die Mehrzahl der Menschen geht über das Smartphone gebeugt umher. Da werden Emails und SMS geschrieben, oder die lieben Tierchen im virtuellen "Pet Shop" gepflegt und gefüttert. ES IST NICHT AUSZUHALTEN! (oder vielleicht werde ich auch nur alt...).

Ja, und geknipst wird mit den Smartphones natürlich auch. In rauhen Mengen und im Snapshot-Party-Stil (und die Bilder landen in der überwiegenden Mehrzahl höchstwahrscheinlich direkt auf Facebook & Co.)

Hand aufs Herz: Ich bekenne mich auch schuldig, knipse ich doch auch ab und an mit dem iPhone. Ja, ich habe auch schon iPhone-Aufnahmen an Kunden verkauft und die Kunden waren sogar sehr zufrieden. Denn das Mobiltelefon ist fast immer zur Hand und bei Reportagen oft deutlich unverfänglicher als eine grössere Kamera. Denn wer hat schon etwas gegen ein Bild mit einem Mobiltelefon einzuwenden? Aber zurück zum Thema.

Was folgt aus alle dem?

- Weite Teile der klassischen Tourismusfotografie sind "tot". Vieles von dem, was vor 20 Jahren noch im "Merian" zu sehen war, gibt es heutzutage zehntausendfach auf Festplatten. Das haut keinen mehr vom Sockel.

- Die kreative Tourismusfotografie boomt nach wie vor. Denn Reiseanbieter, Agenturen und all die anderen Kunden im Bereich Tourismus wollen (jetzt erst recht) ihre Destinationen "bezaubernd" fotografiert wissen. Auf eine Art und Weise, die sich von den Knipsebildern der Touristen selbst deutlich abhebt. Schlüssige Konzepte und Storytelling stehen hoch im Kurs.

- Die klassischen "Hotel-", "Flugzeugaussteige-" und "Partyfotografen" werden überleben. Denn sie bieten Papierbilder an. Und die haben einen unschlagbaren Vorteil gegenüber den virtuellen Snapshots für Facebook. Tangibilität schlägt, denn Papierbilder sind anfassbar und vermitteln dadurch einen Wert in sich (in dieser Fallgruppe meistens völlig unabhängig von der fotografischen Qualität).

- Schliesslich, und auch wenn es mittlerweile schon beinahe "ausgeleiert" klingt:

Anders sein ist definitiv besser, als nur den allgegenwärtigen Mainstream perfektionieren zu wollen. Letzteres sieht sich grosser Konkurrenz ausgesetzt. Ersteres ist unnachahmlich, wenn es authentisch geschieht.


Mein Aha-Erlebnis dazu war ein Graffiti, das ich am letzten Tag in Stockholm auf dem Weg zu einem Termin im Vorbeigehen aus dem Augenwinkel entdeckt habe. Irgendein Sprayer hatte auf einer Baustellenwand den Satz "FIND YOUR OWN WAY" verewigt. Weil gerade in Eile, habe ich auf dem Absatz kehrt gemacht und zum iPhone gegriffen. Später habe ich realisiert, dass das quasi die Bestätigung der Antwort auf meine Fragen und Überlegungen war.

Die Sprayerei mit dem tiefen Wahrheitsgehalt hat mir übrigens so gut gefallen, dass ich das Bild auch gerade zum Startbild auf meiner Homepage erhoben habe :-)

Find your own way
„Writing on the wall - Graffiti aus Stockholm“

Lappland: Schnee und Eis adé!

Kurze aber wichtige Durchsage: Nach einem langen und zähen Kampf des Wetters ist es jetzt endlich soweit - Schnee und Eis adé in Lappland!

In der breiten Fläche (ausgenommen das Fjäll) sind wir jetzt zu ca. 98,5% schnee- und eisfrei und die ersten Tage mit richtig sengender Sonne liegen auch bereits hinter uns :)

Lappland: Schnee und Eis adé!
„Wo vor zwei Wochen noch ein gefrorener See war...“

Endlich ist es soweit: Tauwetter in Lappland 2012 / Töväder i Lapland 2012 / The thawing of Lapland 2012

Während sich die Menschen in Süd- und Mitteleuropa bereits an den Baggerseen räkeln und dort wahrscheinlich die ersten Hitzewellen im Anmarsch sind, ist es bei uns am Polarkreis in Schwedisch-Lappland endlich soweit: Richtiges Tauwetter.

Seit etwa 2 Wochen liegen die Tagestemperaturen über null Grad und damit beginnen die Eisschichten auf Flüssen und Seen und die Schneedecke in der Natur kräftig zu schmelzen.

Die fliessenden Gewässer sind mittlerweile nahezu völlig eisfrei. Auf stehenden Gewässern liegt zwar noch eine Eisdecke, diese sollte allerdings nicht mehr begangen werden!

Auch das Tierleben und die Pflanzenwelt haben jetzt „den Schalter umgelegt“:

Überall zwitschert es - die Zugvögel sind angekommen und bereits voll bei der Arbeit. Sträucher und Bäume beginnen zu spriessen und die ersten Mückenschwärme ziehen auch schon ihre Bahnen (bin heute sogar schon zweimal gestochen worden...).

Das faszinierende am Wetter in Lappland (und generell in den polaren Regionen) sind diese radikalen Wechsel. Gestern noch mit langer Winterunterwäsche und Daunenjacke, sind heute T-Shirt und Sportschuhe angesagt. Frühjahr und Herbst, so wie sie in Mitteleuropa vorkommen, sind hier auf zwei Wochen begrenzt.

Nachdem am Freitag dicke Wolkendecken über die Region gezogen sind uns es beinahe so aussah, als wolle es nochmals kräftig schneien, habe ich mich mit der Kamera bewaffnet und bin an einige bevorzugte Plätze gefahren, um dort das Tauwetter zu fotografieren. Alle Aufnahmen aus der Galerie stammen vom Freitagnachmittag (18. Mai).

-> Zur Galerie: Tauwetter in Lappland

-> Till bildspelet: Töväder i Lappland

-> To the gallery: The thawing of Lapland



Update 20/5-14 Uhr: Die schnelle Schneeschmelze zeigt jetzt auch ihre unangenehmen Nebenwirkungen in Form von ungewöhnlich starken „Frühjahrsüberschwemmungen“. Das schwedische Wetteramt (SMHI) hat deswegen für einige Gebiete in Norrbotten die höchste Alarmstufe ausgerufen und spricht von noch nie dagewesen Überflutungen.


Tauwetter in Lappland 2012 / Töväder i Lapland 2012 / The thawing of Lapland 2012
„Tauwetter in Lappland 2012 / Töväder i Lapland 2012 / The thawing of Lapland 2012“

15. Mai 2012 - A day in the World - Expressions of Humankind

Der 15. Mai ist ein fotografisch bedeutsamer Tag, soll heute doch ein weltweiter fotografischer "Snapshot" des universalen Geschehens aufgenommen werden. Nicht weniger als eine Scheibe "Digitales Weltkulturerbe" soll in einer weltumspannenden Kollaboration heute entstehen. 

Das Projekt "A day in the World - Expressions of Humankind" wird von einer schwedischen Stiftung getragen. 

Bereits 2003 hatte Jeppe Wikström, "Masterbrain" hinter der Stiftung, zu einem schwedenweiten Projekt unter dem Titel "Ein Tag in Schweden" aufgerufen, bei dem 3.000 Fotografen teilgenommen haben. Dieses Jahr liegt die Messlatte bedeutend höher, sind doch alle Menschgen weltweit aufgerufen, ihr Leben, ihre Arbeit und ihr Umfeld am 15. Mai zu dokumentieren.

Für alle, die sich an diesem weltumspannenden Projekt beteiligen wollen: Auf der Homepage der Stiftung ist erklärt, wo und wie die Fotos hochgeladen werden können.

Mein Beitrag: Ein Bild aus Lappland "Dornige Wege aus dem Dunkel ins Licht".

A day in the world - May 15th in Swedish-Lapland
„A day in the world - May 15th in Swedish-Lapland“

Schwarz-Weiss liegt in der Luft... / Black&white is in the air...

Schwarz-Weiss liegt in der Luft. Ein fotografischer Rückblick aus den letzten beiden Wochen.

Wahrscheinlich ist es ein fotografisch-metaphysisches Phänomen. Und sicher hat es etwas mit der Marke "auf dem Olymp" zu tun. Aber der Reihe nach.

Die letzten beiden Wochen fühlte ich mich rein privat geradezu magisch zu scharz-weiss hingezogen. Eine Phase, wie sie bisweilen vorkommt. Dazu übrigens noch eine, die im Trend liegt (wie schon den Foto-Trends 2010 vorhergesagt):

"Alle ... Trends weisen in die Richtung Schwarz/Weiss. Wir werden 2010 eine Renaissance der Schwarz/Weiss Fotografie erleben: Motivbetont, Einfach, Künstlerisch, Gefühlsbetont."

Warum aber liegt schwarz-weiss gerade jetzt "in der Luft"?

Die Erklärung liegt auf der Hand. Gerade eben - d.h. am 10. Mai - hat die deutsche Traditionsmarke Leica ihr jüngstes Kind aus der legendären M-Serie vorgestellt, die M Monochrom. Eine Kleinbild-Vollformat Digitalkamera, die einen schwarz-weiss Sensor hat und herausragende Bildqualität im Sinne der guten alten Zeit verspricht.

Zitat von der Leica-Website:

"Unvergleichliche Schärfe
Die Leica M Monochrom liefert mit ihrer vollen nativen Auflösung von 18 Megapixeln 100 % schärfere Bilder als Farbsensoren. Da ihr Sensor keine Farbe „sieht", liegen für jedes einzelne Pixel echte Helligkeitswerte vor. Das heißt, der Sensor liefert direkt ein „echtes" Schwarz-Weiß-Bild. In Kombination mit der brillanten Abbildungsleistung der Leica Objektive und der perfekten Abstimmung des Sensors auf das M-System entstehen Bilder mit herausragender Schärfe und natürlicher Brillanz in unvergleichlicher Bildqualität."


Die ersten Testberichte überschlagen sich geradezu mit Lob und Begeisterung und die derzeit verfügbaren Testbilder sind - mit Understatement - sehr ansprechend. Glückwunsch Leica zu diesem Wurf!

Passend dazu eine Galerie mit einer Auswahl schwarz-weiss Aufnahmen aus den vergangenen beiden Wochen (geht auch (noch?) ohne die neue Monochrom):

-> Zur Galerie: Schwarz-Weiss liegt in der Luft

-> To the gallery: Black&white is in the air...


Schwarz-Weiss liegt in der Luft... / Black&white is in the air...

Cat-Content, oder: Es gibt Tage, da wünscht' ich, ich wäre unsere Katze

Ist "Cat-Content" jetzt eigentlich erlaubt, oder verboten? Trotz langer Beschäftigung mit dem Thema habe ich es noch immer nicht heraus gefunden. Falls er aber verboten sein sollte, habe ich für diesen Blogeintrag zumindest eine gute Entschuldigung :-)

Beim Aufräumen des Reise-Notebooks ist da plötzlich ein Ordner mit unbearbeiteten RAWs aufgetaucht. Aah. Stimmt. Da waren doch noch irgendwo einige experimentelle Bilder. Weg damit. Oder vielleicht doch erst mal in den Ordner hinein schauen. Jedenfalls sind die Bilder so eben gerade noch dem Transport ins Daten-Nirvana entgangen.  

Und unter den Aufnahmen waren dann - neben stinklangweiligen Testbildreihen - auch einige Fotos unserer verwöhnten Lapplandkatze aus den kalten Wintertagen. Während draussen nämlich minus 30 Grad herrschten, räkelte sich der Kater genüsslich auf dem Sessel neben dem Ofen (und pendelte nur dreimal täglich zwischen Futternapf und Schlafstelle). Es kam was kommen musste: Des Fotografen Herz schmolz dahin und flugs waren ein paar Bilder auf der Speicherkarte.

Während Bibble (ja, ich mag bewährte Software und weigere mich, ein "running system" ohne zwingende Notwendigkeit upzudaten) eben in der gewohnten Lichtgeschwindigkeit die RAWs entwickelte, kam mir Reinhard Mey in den Sinn. Nur eben nicht mit Hund, sondern in der lappländischen Version mit Katze :-)

Cat-Content, oder: Es gibt Tage, da wüscht ich, ich wäre unsere Katze
„Warning: Cat-Content“

Jagd- und Outdoor-Ausstellung in Arvidsjaur - Jakt och Friluftsmässa i Arvidsjaur

Auf der Agenda für den Samstag stand eine Reportage von der diesjährigen Jagd- und Outdoor-Ausstellung in Arvidsjaur. Beinahe wäre daraus aber nichts geworden, denn das Wetter hat sich nach Kräften bemüht, uns einen Strich durch die Rechnung zu machen. Im Angebot war ein mehrstündiger Schneesturm mit 20 cm Neuschnee und jeder Menge Schneeverwehungen. Zudem waren die Seitenstrassen nicht geräumt. Die Fahrt wurde beinahe zum Abenteuer. Aber Herausforderungen nehmen wir gerne an :)

Die Jagd und das Outdoorleben sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens in Nordschweden. Von den Einheimischen wird hier oben nicht hauptsächlich aus "Spass an der Freude" gejagt, sondern um die Tiefkühltruhe zu füllen. Bei den Jagdtouristen ist das freilich anders, aber die klammern wir hier einmal aus.

Die Liebe zum Leben in der freien Natur ist den Schweden generell "angeboren". So sind denn Jagd- und Outdoor-Ausstellungen ein Publikumsmagnet - sogar wenn im Mai noch Schneestürme über den Landstrich hinweg fegen. 

Das Flair ist speziell und dem durchschnittlichen Mitteleuropäer möglicherweise fremd. Waffen türmen sich auf den Tischen der Aussteller und Jung wie Alt fachsimpeln über Zielfernrohre, Messerklingen und Thermounterwäsche.

Frau Lapplandblog hat für Sie einige Eindrücke zum Miterleben eingefangen:  

-> Zur Galerie: Jagd- und Outdoor-Ausstellung in Arvidsjaur 5.5.

-> Klick här så kommer du till bildspelet: Jakt och Friluftsmässa i Arvidsjaur 5/5

-> To the gallery: Hunting fair in Arvidsjaur, may 5th


Jagd- und Outdoor-Ausstellung in Arvidsjaur 5.5. - Jakt och Friluftsmässa i Arvidsjaur 5/5
„Präzision“

Panta rhei - Diamond of ice

Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln.
Platons Zusammenfassung der Flusslehre Heraklits

Plötzlich ereilen mich Erinnerungen als grauer Vorzeit. Während ich im Schnee liege und mich langsam meiner Entdeckung nähere. Griechischunterricht. Die Flusslehre Heraklits. 

Dieser wunderschöne Diamant aus Eis fliesst. Und vielleicht ist er Dir, lieber Leser, auch schon einmal begegnet. Ganz profan vielleicht. Beim Händewaschen. In Form einiger Wassertropfen. Panta rhei.

Panta rhei - Diamond of ice

Foto-Futter: Ragnar Axelsson

Heute im Foto-Futter wieder ein besonderer fotografischer Leckerbissen: Es geht um den isländischen Fotografen Ragnar Axelsson ("RAX"). 

Als ich ihn und sein Portfolio entdeckt habe, hat es mir schlicht den Atem verschlagen. Und das kommt nicht so häufig vor.

Ragnar arbeitet seit 1976 hauptberuflich als Fotograf bei der grössten isländischen Tageszeitung "Morgunbladid" ("Morgenblatt"). Als Reporter hat er beinahe alles fotografiert, was sich in den letzten 30 Jahren in Island abgespielt hat. 

Noch viel spannender aber sind seine persönlichen Projekte, die auf seiner eigenen Homepage zu finden sind. 

Seine grosse Leidenschaft gilt den arktischen Regionen. Über Jahre hinweg hat er die aussterbende Kultur der Inuit auf Grönland, Baffin Island und in Canada dokumentiert (meist übrigens analog und schwarz/weiss). Die Reportagen sind atemberaubend und berührend. So trägt Ragnars jüngstes Projekt auch den Titel "Last Days of the Arctic" ("Die letzten Tage der Arktis"). Aus dem Projekt sind ein Buch und ein Film entstanden. Der dokumentarische Film war 2011 auf Arte zu sehen, ist dort aber nicht mehr in der Mediathek enthalten.

Daher ein besonderes Schmankerl an dieser Stelle: Im schwedischen Fernsehen lief der Film vor einigen Tagen (Englische Version mit schwedischen Untertiteln). Wer sich an den schwedischen Untertiteln nicht stört, kann die Doku "Last Days of the Artic" bis zum 13. Mai hier bei SVT online ansehen.

Eine kürzere Fassung die nur aus Bildern besteht, ist hier auf YouTube zu sehen. 

Grosse mediale Aufmerksamkeit hatte auch sein Projekt "Faces of the North" ("Gesichter des Nordens") mit dem gleichnamigen Buch, das 2004 erschienen ist.

Die Liste von Ragnars Veröffentlichungen, Awards und Ausstellungen ist lang. Und sie sind allesamt hochverdient.

Nettes Detail am Rande: Ragnar ist übrigens "nebenbei" auch ausgebildeter Privatpilot, was ihm in seiner Arbeit sehr zustatten kommt.

Foto-Futter: Der isländische Fotograf Ragnar Axelsson
„Blick auf die Homepage von Ragnar Axelsson“

Aktuelles zu Wind und Wetter in Lappland

Wegen zahlreicher Nachfragen ein schnelles Wetter Update aus Lappland - auch mit fotografischen Implikationen.



- Der Winter schwindet. Aber
nach wie vor relativ langsam dieses Jahr. Es liegt noch übermässig viel Schnee. An schattigen Stellen sind es noch um die 50 cm. Obwohl die Wetterprognose täglich höhere Temperaturen verspricht hält sich beharrlich die Vermutung, dass das Wetter die Prognose nicht liest. Und sich folglich auch nicht daran hält. Die älteren Nachbarn und Bekannten sprechen bereits davon, dass es gefühlsmässig ein kaltes Jahr werden wird. 


- Im Schwesterblog gibt es bei Frau Lapplandblog jetzt in der linken Seitenleiste einen Wetterticker, der einmal täglich aktualisiert wird und von ihr auf ihre Art und Weise pfiffig geschrieben wird.


- Und wer das Wetter live sehen möchte: Unsere Lappland-Webcam sendet wieder! Nachdem der Webcam-Computer im vergangenen Jahr seinen Geist aufgegeben hatte, haben wir kürzlich wieder einen EDV-Oldtimer an Land ziehen können, der nun als Webcam-Server fungiert.


- Auch fotografisch kann das derzeitige Wetter sehr herausfordernd sein: Bei Landschafts- und Naturaufnahmen ist immer "irgendwo" Schnee im Bild (siehe unten). Und wenn dann die Sonne durch die Wolken schaut, sind gnadenlos ausgebrannte Stellen im Bild :) Auch bei Reportagen besteht das Problem, wobei dort ausgebrannte Stellen im Hintergrund i.d.R. nicht so problematisch sind.


Lappland - Immer ist der Schnee im Bild
„Tücke der Jahreszeit - Immer ist der Schnee im Bild“

Der Fotograf und die Kunst des Wartens: Kairos - der "Decisive Moment" in der Zeit

Der Fotograf und die Kunst des Wartens: Kairos - der "Decisive Moment" in der Zeit

Ein Plädoyer

Alles kommt zu dem, der warten kann...

- Chilenisches Sprichwort -

Mit zunehmendem Alter stellt sich Geduld ein. Wie habe ich es in jungen Jahren gehasst, diesen Satz  zu hören. Mittlerweile hat mich ein Stück der Weisheit wohl selbst erwischt: Vergangene Woche habe ich ein Bild aufgenommen, auf das ich geschlagene vier Jahre gewartet habe. Ein guter Anlass, einige Gedanken über die Kunst des Wartens in der Fotografie aufzuschreiben.


Lange genug warten können, ist das Geheimnis jeden Erfolges...
Nicht zu lange warten, das andere...

- Rainer Haak -

Ich höre innerlich schon das "Ja, aber...". Und um es zu Beginn schon klar und deutlich zu sagen: Das Warten ist - zumindest in der Fotografie -  nicht immer eine Tugend. Manchmal zählen Schnelligkeit und Intuition. Etwa bei Reportagen über Unglücksfälle. In der überwiegenden Zahl der Fälle aber, zahlt sich das Warten aus.

Führen wir also keine Scheindiskussionen um den heissen Brei, sondern kommen wir zur Sache. Das eigentlich schockierende in Sachen Warten liegt für mich darin, dass es in Diskussionen und Workshops häufig gar nicht vorkommt. Fotografen sind bekanntlich viel lieber technikverliebt und lesen gerne Rezensionen über die neuesten technischen Errungenschaften. Der mehr "philosophische" Teil des Handwerks und der Kunst ist viel weniger beliebt.


Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.

- Leo N. Tolstoi -

Dann gibt es da auch noch die gelegentlich geäusserte Ansicht, man solle vorsorglich immer mal auf den Auslöser drücken (habe ich sinngemäss so kürzlich beim allseits bekannten und hass-geliebten Ken gelesen). Aus Sorge um das gute Motiv. Denn schliesslich sei es ja durchaus möglich, dass das perfekte Motiv verschwindet oder sich unwiederbringlich verändert, bevor das Licht und die Umstände stimmig und passend sind.

So eine Phase habe ich auch durchlaufen, und die hausinterne Bildbank mit allerlei unterdurchschnittlichen Bildern gefüttert. Beim Scouting, der Suche nach guten Motiven, hat das seine Berechtigung. Woanders indes nicht. Vom Motiv des bereits erwähnten "4-Jahres-Bildes" hatte ich so etwa 50 verschiedenen Variationen aus 4 Jahren auf der Festplatte. Das hat mir geholfen, die innere Visualisierung der idealen Bedingungen zu verfeinern. Nachdem aber die endgültige Version im Kasten war, ist der Ordner mit den Scouting-Bildern in den Papierkorb und ins Daten-Nirvana gewandert.

Ich höre den Einwand: Was wäre geschehen, wenn die bezaubernde kleine Scheune in der Zwischenzeit abgebrannt wäre? Klare Ansage: Pech gehabt. In diesem Falle wären die Scouting-Bilder ebenfalls in den Papierkorb gewandert. Hätte mich das frustriert? Ganz gewiss, aber das ist ein Teil des Lebens. Was uns zum wichtigsten Punkt führt.


Alles Warten ist Warten auf den Tod.
- Franz Werfel -

Worin liegt eigentlich die Kraft des Wartens? Ich denke, Franz Werfel bringt es in seinem Zitat auf den Punkt. Im Lichte des Wartens, enthüllt sich die Bedeutung des zum Bild werdenden Motives. Denn erst in der existenzialistischen Spannung auf ein Ende oder das Ende hin, beginnen Menschen und Dinge ihr wahres Sein zu offenbaren.


Am Schluss ist das Leben nur eine Summe aus wenigen Stunden, auf die man zulebte. Sie sind; alles andere ist nur ein langes Warten gewesen.
- Erhart Kästner -

Im Altgriechischen gibt es zwei Begriffe für die Zeit: "Chronos" und "Kairos". "Chronos" ist der Begriff für die permanent vergehende Zeit (daher der Begriff der Chronologie). "Kairos" hingegen meint den "richtigen Zeitpunkt".

Die Frucht des Wartens liegt demnach im Kairos, dem Zeitpunkt, in dem alles "perfekt zusammen läuft".

Fotografisch gesprochen: Der Kairos ist  der "Decisive Moment" der Zeit, die Gunst der Stunde, der besondere, entscheidende und kritische Augenblick.

Und danach streben wir, oder?  Auch wenn es dauert.

Der Fotograf und die Kunst des Wartens: Kairos - der
„Fenster mit Aussicht - Die Kunst des Wartens“

"One-Hour Photographer" von Rosh Sillars



Die fotoliterarische Woche neigt sich dem Ende zu und heute gibt es noch einen besonderen Leckerbissen: "One-Hour Photographer" von Rosh Sillars.

Das Ebook ist auf seine ganz eigene Art sehr speziell. Warum das? Langatmige und (zu) ausführliche Bücher zu schreiben ist einfach. So kompakt wie möglich "auf den Punkt zu kommen" ist indes eine Kunst. Dieser Kunst hat sich Rosh gewidmet.

Er hat sich das Ziel gesetzt, alle grundlegenden Informationen, die ein angehender Profifotograf haben sollte, zusammen zu fassen. Aber nicht nur irgendwie, sondern in einem Buch, das in einer Stunde gelesen werden kann.

Um spontanen Protesten sogleich entgegen zu wirken: Selbstredend geht es um einen Überblick und viele Denkanstösse für die To-Do-Liste. Auf 42 Seiten (A4, in der PDF-Version) ist die Detailtiefe aus der Natur der Sache heraus begrenzt. Den Ansatz finde ich aber sehr charmant. Ermöglicht er doch, sich schnell über Möglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen zu informieren.

Übrigens: Wer Rosh noch nicht kennt - Er ist als People-Fotograf in Detroit beheimatet und ist nebenbei noch ein "Social-Media-Guru" im Bereich kreativer Berufe.

In seinem neuesten Buch führt Rosh den Leser in 14 Kapiteln durch die wichtigsten Eckpunkte. Der Clou dabei: Er deckt dabei sowohl den fotografischen Teil (Kapitel 1 - 7), wie auch den geschäftlichen Teil (Kapitel 8 - 14) ab. Diesen Ansatz halte ich für sehr effektiv, denn leider wird bei der Überlegung in das Profilager einzusteigen, allzu oft nur an einen der beiden Teile (meistens den ersten) gedacht. Da Rosh ein Marketing-Spezialist ist, geht es im Business-Teil natürlich schwerpunktmässig um diesen Bereich (ohne allerdings den Rest zu vergessen).

Kurz gesagt: Wer sich als Fotograf in der modernen Welt selbstständig machen möchte, ist mit einem Blick in "One-Hour Photographer" als Einstieg sehr gut beraten. Das Buch hilft, eine realistische Einschätzung in Bezug auf die gewünschte Berufswahl treffen zu können. 

-> Auf der speziellen Homepage zum Buch gibt es einen Auszug als Download und den Link zu Amazon, wo das Buch für den Kindle für USD 7,85 erhältlich ist. Meiner Meinung nach eine lohnenswerte Investition, wenn der (vermeintliche) Traumberuf "Fotograf" ins Visier geraten ist.

Die Orangenhaut und der Zahn des Frühlings

Im Vorbeifahren
Sie: "Schau mal"
Er: "Was?"
Sie: "Der Schnee"
Er: "Was ist mit dem Schnee?"
Sie: "Sieht aus wie Orangenhaut!"

Nachlese 
Er nagt. Der Zahn. Der Zahn der Zeit.
Nicht nur an uns.
Nein auch am Schnee.

Mehr zum "Vårvinter" - der wunderbaren fünften Jahreszeit in Lappland gibt es hier und hier nachzulesen.


Strukturen im Schnee - Die Orangenhaut und der Zahn des Frühlings
„Strukturen im Schnee - Die Orangenhaut und der Zahn des Frühlings“

"Der Hochzeitsfotograf" von Steffen Stilpirat Böttcher



Und weiter geht es mit der fotoliterarischen Woche im Lapplandblog. Heute steht ein Buch zur Besprechung, dem man die Leidenschaft mit der es geschrieben wurde, deutlich anmerkt: "Der Hochzeitsfotograf" von Steffen Böttcher.

Steffen Böttcher, alias Stilpirat, ist Hochzeitsfotograf. Nicht irgendeiner, sondern einer der "Top 10" in Deutschland. Vergangenes Jahr hat er unter dem Titel "Der Hochzeitsfotograf" ein Ebook heraus gegeben, in dem er seine Essenz dieses Genres auf den Punkt bringt. 

Hochzeitsfotografie ist ein eher unübliches Thema hier im Blog. Da ich aber in den letzten Monaten von Workshopteilnehmern häufiger auf das Thema angesprochen worden bin, möchte ich diese hochwertige Buchempfehlung nicht schuldig bleiben.

Das Buch richtet sich an alle ambitionierten Fotografen, die sich ernsthaft mit der Hochzeitsfotografie befassen wollen. Es ist teilweise sehr subjektiv geschrieben, aber das ist gut so. Steffen lässt seine Leser an vielen persönlichen Erlebnissen teilhaben und gewährt so Einblicke, die über rein theoretische Abhandlungen nur viel schlechter vermittelbar wären. Und er schildert auch "Beinahe Katastrophen" aus seiner Arbeit, was ihn sehr sympathisch macht. 

In den ersten Abschnitten seines Buches widmet sich Steffen dem Equipment und seinem Business-Konzept. Nicht ohne allerdings zuerst einige ernste Worte zu der Frage "Traumberuf Hochzeitsfotograf?" gesagt zu haben. Sein klares Statement zu Qualität in der Spitzengruppe gefällt mir gut, nicht nur aus künstlerischen, sondern gerade auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das "Abschreckungspotential" der Hochzeitsfotografie bei allen Lesern ankommt. Immerhin ist dieser Job mit sehr hoher Verantwortung beladen, denn Pannen lassen sich im Nachhinein in aller Regel nicht mehr ausbügeln.

Relativ ausführlich schreibt Steffen über das von ihm eingesetzte Equipment und er hält nicht hinter dem Berg, das aus seiner Sicht das Beste gerade gut genug ist. Sein Objektivpark mag nicht unbedingt erforderlich sein. Ein Gehäuse mit zeitgemässen High-ISO-Fähigkeiten ist jedenfalls wichtig und seine mehrfach wiederholte Mahnung zum (mehrfachen) Backup für alle (!) eingesetzten Equipmentteile (bis hin zum GPS für die Anfahrt) kommt einer Lebensversicherung gleich.

Den Hauptteil des Buches bilden die drei Säulen von Steffens Tätigkeit, Vorbeitung, Durchführung und Nachbearbeitung. Was auf den ersten Blick banal klingen mag, stellt sich im Detail als Sammlung wichtiger Einsichten und Tipps dar. Viele davon sind in anderen Büchern zum Thema nicht in der vorliegenden Vollständigkeit und Ehrlichkeit zu finden. Bei der Lektüre spüre ich Steffens Leidenschaft zwischen den Zeilen und freue mich darüber. Bei aller Leidenschaft kommt aber auch der professionell nüchtern-geschäftliche Teil nicht zu kurz. Etwa bei den angesprochenen Rechtsfragen (wobei ich als Jurist allerdings erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit einer Gerichtsstandsvereinbarung gegenüber dem Brautpaar habe), oder bei den Marketingfragen. 

Im Abschnitt über die Durchführung (zweite Säule) finden sich jede Menge Praxistipps, die für sich genommen den Preis des Buches um ein Vielfaches aufwiegen. Und im - kürzeren - Abschnitt über die Nachbearbeitung findet sich der Vorschlag für eine sehr charmante Art der Präsentation der entstandenen Bilder (mehr verrate ich nicht, der Leser soll ja auch noch einige Aha-Erlebnisse haben). 

Und bevor ich es vergesse zu erwähnen: Das Buch ist durchgängig sehr ansprechend bebildert. Die Bilder aus Steffens Repertoire dienen einerseits als gute Beispiele und verdeutlichen andererseits die Wichtigkeit eines eigenen Stiles.

Sehr positiv sind schliesslich auch die zahlreichen im Buch enthaltenen Checklisten zu vielen verschiedenen Bereichen.

Fazit: Wer sich mit dem Gedanken trägt in die Hochzeitsfotografie einzusteigen, sollte sich Steffens Buch zu Gemüte führen. Auch wenn einige Aussagen sehr subjektiv sind gelingt es Steffen gekonnt, alle wichtigen Aspekte rund um die Hochzeitsfotografie abzudecken und dem Leser viele "goldene Perlen" zu servieren.

Von meiner Seite aus eine klare Empfehlung und der Preis ist rekordverdächtig knapp kalkuliert: Das Ebook mit 74 Seiten ist als PDF für 9 Euro zu haben.

-> Mehr Infos, das Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe zum Download gibt es hier direkt bei Steffen.

Minus 53 Grad - Der schwedische Kälterekord

Während sich Deutschland über verregnetes Osterwetter beklagt, schmilzt in Lappland der Schnee. Dieses Jahr allerdings langsamer, als uns lieb ist. Und über Ostern waren es in den Nächten noch durchweg minus 15 Grad. Anlass genug für eine Temperatur-Nachlese.

Vor einigen Tagen fuhren wir durch das kleine Dorf Malgovik, das in Vilhemina-kommun liegt. In Malgovik wurde einst der schwedische Kälterekord gemessen. 

Am 13.12.1941 sank das - vom staatlichen schwedischen Wetteramt überprüfte - Thermometer dort auf satte minus 53 Grad. Klapperkalt im wahrsten Sinne des Wortes.

Heute erinnert ein Strassenschild an den Platz, an dem der Rekord gemessen wurde.
  

Minus 53 Grad in Malgovik - Der schwedische Kälterekord
„Malgovik in Lappland - hier sank das Thermometer 1941 auf minus 53 Grad“

David DuChemin "Forget Mugshots" - 10 Steps To Better Portraits

- Ein Kurs in Buchform: In zehn Schritten zu besseren Potraits -

David DuChemin



In dieser Woche werde ich einige neue Bücher aus dem Gebiet der Fotografie vorstellen.

Allesamt persönliche Empfehlungen und bei allen geht es um Kompetenzerweiterung, will sagen: Es gibt etwas dazu zu lernen.

Den Anfang macht das kürzlich bei Craft & Vision erschienene "Forget Mugshots" von David Du Chemin. David hat - als World- und Humanitarian-Photographer - profunde Erfahrung mit der Portraitfotografie. Sein Portfolio spiegelt das auch beeindruckend wieder. Damit ist er prädestiniert, sein Wissen und seine Erfahrung dazu in Buchform zu teilen.

Er führt den Leser in 10 Schritten zu besseren Portraitaufnahmen und beginnt mit dem - meiner Meinung nach - wichtigsten Punkt: Eine Beziehung aufzubauen. Sicherlich gibt es viele spannende und wichtige Fragen rund um die Objektivwahl und das richtige Licht (denen sich David in späteren Kapiteln auch widmet). Aber in erster Linie geht es doch um den Menschen, der vor der Kamera steht. Ein gutes Portrait ist ein Blick in die Seele, ein Psychogramm.

Bei unserem spontanen und improvisierten Portrait-Shooting mit dem Künstler Jan Sundström im Künstlerparadies Ricklundgården in der vergangenen Woche musste sehr sehr an "Forget Mugshots" denken (das ich gerade einen Tag zuvor gelesen hatte).

Unsere Bedingungen waren denkbar schlecht:

- Technisch eingeengt (ungeplanter "Zufall", ich hatte nur eine Kamera um den Hals, kein Kunstlicht, Ausrüstung im Auto);

- Zeitlich eingeengt (Zeitvorgabe ca. drei Minuten).

Die einzige Chance war es also, in der Kürze der Zeit eine Beziehung zu Jan aufzubauen, um sein "wahres Ich" als Künstler empfinden und fotografieren zu können.

Zurück zum Buch: David liegt meiner Meinung nach völlig richtig, wenn er den Beziehungsaufbau in der Portraitfotografie an die erste Stelle stellt.

Neben dem Aufbau einer Beziehung sind Geduld und Zeit wünschenswert (wenn es auch in der Praxis oft leider sehr schnell gehen muss). Und selbstverständlich sind die Augen und das im Zusammenhang mit den Augen stehende "richtige" Lächeln ("Duchenne-Lächeln") von grosser Bedeutung. David deckt alle diese Bereiche (und viele mehr) in seinem neuen Ebook ab.

Alle Kapitel werden mit "creative excercises" abgerundet, also kreativen Aufgaben und Übungen denen sich der Leser stellen sollte, um das Gelesene in der Praxis zu vertiefen.

Kurz und bündig: Wer sich ernsthafter mit der Portraitfotografie beschäftigen möchte, sollte auf jeden Fall einen Blick in Davids neuestes Buch werfen.

Das Ebook gibt es - wie bei Craft & Vision üblich - als PDF und als iPad-App. Meine Empfehlung ist die ausdruckbare PDF-Version.

"Forget Mugshots" hat 35 Seiten (A4) und kostet - wie bei Craft & Vision üblich - USD 5 (ca. EUR 3,80).

-> Hier geht es zu Craft & Vision. Dort ist die Neuerscheinung exklusiv erhältlich.

Glad Påsk! Frohe Ostern! Happy Easter!

Das Påskris ist ein klassischer schwedischer Osterbrauch: Eine Birke - oder Birkenzweige -  wird mit bunten “Federbüscheln” und Ostereiern geschmückt.

Wer mehr über Ostern in Schweden lesen möchte: Vor einem Jahr zu dieser Zeit hatte ich einen dreiteiligen Artikel über Osterbräuche in Schweden geschrieben. Link zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Osterreisig auf dem Rennmarkstorget in Umeå
„Påskris auf dem Rennmarkstorget in Umeå“


Saxnäs, der Ricklundgården und das Marsfjäll

Zwischen den bekannten Skigebieten Borgafjäll und Kittelfjäll liegt das weniger bekannte, aber umso schönere Saxnäs am Marsfjäll. Auch hier sind die Wintersportmöglichkeiten nahezu unbegrenzt und der Publikumsandrang ist deutlich geringer.

Ich mag die Fotografie im Fjäll, auch wenn sie bisweilen grössere Herausforderungen beinhaltet. Was tun, wenn der Helikopter zum Gipfel wegen Sturmes nicht starten kann? Dann geht es mit der Schneeraupe ("Schneekatze", "Snowcat") nach oben. Gepäck und bis zu 15 Personen können problemlos transportiert werden. Die Fahrt ist - verglichen zum Flug mit dem Heli - sehr gemächlich und eröffnet die Möglichkeit, die wunderbare Fjällandschaft langsam zu geniessen (soweit es der Schneesturm zulässt). Und wenn sich dann - oben angekommen - der Sturm gelegt hat, herrschen die fotografisch denkbar besten Arbeitsbedingungen. Einfach traumhaft.

In Saxnäs liegt aber auch das Künstlerparadies Ricklundgården. Die Einrichtung wurde in den 40er-Jahren von dem Künstlerehepaar Emma und Folke Ricklund ins Leben gerufen und wird heute von der Emma Ricklund Stiftung betrieben. Der Ricklundgården gibt Künstlern die Möglichkeit, sich eine Auszeit der kreativen Entwicklung zu nehmen. Die Warteliste ist lang und die Gäste sind durchweg hochkarätig. Bei unserem Besuch haben wir den bekannten schwedischen Maler Jan Sundström kennen gelernt, der sich spontan zu einer improvisierten Potrait-Session bereit erklärt hat (mehr dazu und Bilder gibt es hier im englischsprachigen Blog).

Wir haben einige Eindrücke aus Saxnäs, vom Marsfjäll und aus dem Ricklundgården in einer Galerie zusammen gefasst:

-> Zur Galerie: Saxnäs, der Ricklundgården und das Marsfjäll

-> Klick här så kommer du till bildspelet: Saxnäs, Ricklundgården och Marsfjället

-> To the gallery: Saxnäs, the Ricklundgården and the Marsfjäll



Saxnäs, der Ricklundgården und das Marsfjäll
„Blick aufs Fjäll vom Ricklundgården aus“

Gerade erschienen: Das neue Buch von Britta Stenberg

Eine erfreuliche Nachricht für alle Liebhaber guter schwedischer Literatur. Auf der Buchmesse in Umeå wurde am vergangenen Wochenende das neue Buch der bekannten nordschwedischen Autorin Britta Stenberg veröffentlicht. 

Der Roman "Som en krympfotad" schildert ineinander verwoben die Geschichte von Kråkan, einen jungen chaotischen Mann, der einfach keine Ordnung in sein Leben bekommt, und Eskil, einen Taxifahrer, dessen Lebensende plötzlich unerwartet nahe bevorsteht. Die beiden versuchen mit allen Möglichkeiten, ihre Leben zu ordnen. Bis unerwartete Wendungen eintreten. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur soviel: Für alle, die des Schwedischen mächtig sind, ist das Buch ein echter Geheimtipp und unbedingt lesenswert!

Was uns darüber hinaus persönlich sehr freut: Britta hatte uns gebeten, das Bild fürs Buchcover zu fotografieren. Das Bild sollte den Inhalt des Romanes symbolisieren. Nach ausführlichen Diskussionen zur Story haben wir den Rückspiegel ins Auge gefasst: Vergangenheit, Zukunft und ein Taxi.

Im Buchhandel ist das Buch noch nicht erhältlich, wer aber ganz schnell sein eigenes Exemplar haben möchte, kann sich bereits jetzt direkt an Britta wenden (bitte auf Schwedisch).

Britta Stenberg - Som en krympfotad

Vindelsälvsdraget 2012 - Eine Institution in Lappland wird 25 Jahre jung

Vindelsälvsdraget 2012 - Eine Institution in Lappland wird 25 Jahre jung

Vindelsälvsdraget 2012


-> Zur Galerie: Vindelälvsdraget 2012

-> Klick här så kommer du till bildspelet: Vindelälvsdraget 2012

-> To the gallery: Vindelälvsdraget 2012



Filme (Produktion Petra Fuelbert):

Film 1 - Dramatischer Massenstart in Björksele



Film 2 - Am Wechsel in Enebacken


Das Vindelälvsdraget ist das längste Staffelhunderennen der Welt. Die Strecke führt in vier Tagen entlang des Vindelälven von Ammarnäs bis nach Vännäsby. Das "Draget", wie es von vielen Einheimischen genannt wird, entfacht in den Dörfern entlang der Strecke geradezu Volksfeststimmung. Insgesamt sind 400 Kilometer zurück zu legen. Der Vindelälven ist übrigens nicht nur im Winter sehenswert, ist er doch einer der letzten völlig naturbelassenen grossen Flüsse Schwedens. Im Sommer ist er ein Paradies für Angler, in dem es u.a. Lachse gibt.

Das Vindelälvsdraget ist mittlerweile eine Institution in diesen Breitengraden. Das erste Rennen wurde 1988 gefahren und in diesem Jahr wurde das grosse 25-jährige Jubiläum gefeiert. Hier fahren Weltmeister neben Amateuren und Schlittenhundegespanne neben Fahrern im nordischen Stil mit Einzelhund.
Gefahren wird in Teams, die jeweils aus mindestens 2 Gruppen bestehen müssen. Die Gruppen entscheiden selbst, wie sie die einzelnen Etappen aufteilen und wie oft sie auf diesen wechseln wollen.

Das Beste am Vindelälvsdraget ist die familiär-charmante Atmosphäre. Hier stehen noch Sportsgeist und Fairness im Vordergund und nicht das "Gewinnen um jeden Preis".

Wir waren für eine Zeitung und ein Fachmagazin mit dabei, wollen aber auch unseren Leserinnen und Lesern einige visuelle Eindrücke und Einblicke geben.

Im Fokus: Tierfotografin Kathrin Jung

Im Fokus: Tierfotografin Kathrin Jung

Es ist uns eine besondere Freude, heute die Fotografin Kathrin Jung als Gast im Interview zu haben. Kathrin Jung ist 39 Jahre jung und lebt mit einem Pferd, einem Hund, sechs Katern und Ihrem Mann, dem Webdesigner Robert Jung, in der Nähe von Berlin.

Ihre erklärte Passion gilt der Tierfotografie. Unserer Meinung nach gehört Sie zu den Besten auf diesem Gebiet. Deswegen ist es eine Ehre für uns, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen hat.

Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
„Kathrin Jung ist spezialisiert auf Tierfotografie“, Foto: Robert Jung


-> Kathrin, wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Als Kind habe ich meinem davon wenig begeisterten Vater die heilige Spiegelreflexkamera aus dem Schrank entwendet und angefangen ohne Ende draufzudrücken.

Meine Tiere waren schon immer meine Modelle und eine kleine Kamera hatte ich immer bei mir. Die Filme habe ich dann vom Taschengeld entwickeln lassen und mich immer irre auf die Fotos gefreut.

Erst 2006 gab es die ernste Wendung in Form einer Canon 20D und einem 70-200 2,8 L USM und ab sofort war kein 4-Beiner mehr vor mir sicher.


-> Auf was bist Du spezialisiert?


Hunde, Pferde und Katzen.

Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung


-> Warum (gerade und nur) Tiere?

Tiere gehören zu meinem Leben, sie geben so viel Liebe und Energie. Ein Tier mit seiner Ausstrahlung und Lebensfreude fotografisch festzuhalten ist das, was mich begeistert.

Das Herz muss hüpfen! Und meines hüpft eben bei Tieren - nicht bei Babys oder Architektur. Das ist wie es ist.



-> Fotografieren für Dich: Job, Handwerk, innerlicher Bezug?

Berufung.

Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung


-> Dein grösstes fotografisches Vorbild, und warum?

Ich habe kein Vorbild. Stattdessen habe ich einen hohen Anspruch an mich selbst. Ich bin Perfetktionistin und möchte immer alles zu 100%.

Location, Wetter, Licht, Model. Alles muss stimmen und genau vorbereitet sein.
Geht es los zum Shooting habe ich die fertigen Bilder im Kopf. Die Location und Hintergründe werden passend zur Farbe und Größe des Modells ausgesucht und während des Shootings durchaus mehrmals gewechselt und angepasst.

Das Modell soll Spaß haben und darf auf keinen Fall überfordert werden. Sicherheit steht immer an erster Stelle.

Ich habe ein ausgesprochen feines Gespür für Tiere und merke sofort, ob sich das Modell in der ungewohnten Shootingsituation wohl fühlt und konzentriert mitarbeitet, ob es Durst bekommt, oder eine Pause braucht. So entscheide ich immer im Sinne des Tieres wie das Shooting gestaltet wird und wie es für alle Beteiligten zu einem positiven Erlebnis wird.


-> Was war Dein bestes, was Dein schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?

Bestes Erlebnis...

Grundsätzlich sind die Tiere alle begeistert bei der Sache, auch die, die erst einmal 30 min zum "auftauen" brauchen. Sie stehen im Mittelpunkt, alle anwesenden Menschen kümmern sich nur um das Modell - dem somit alle Aufmerksamkeit und Energie zuteil wird.

Die Tiere genießen es, ich merke das und freue mich daran. Beim Shooting geben sie alles und danach schlafen sie meist sehr lange und sehr tief *lacht*.

Bemerkenswert war für mich das Shooting mit der 18-jährigen Dackeldame Cindy. Sie war komplett blind und taub. Das wusste selbst die Besitzerin nicht. Es stellte sich beim Shooting heraus.

Uns blieb nur die Motivation mit lecker riechenden Belohnungshappen an der Angel. Über zwei Stunden (mit Pausen) probierten wir die tiefergelegte Dackeldame dazu zu bewegen, die Ohren nett hochzunehmen oder auch mal langsam von A nach B zu laufen. Ich lag so flach es ging am Boden, sprang oft auf um mich dann gleich wieder hinzuwerfen, damit die kurzbeinige Cindy keinen Schritt umsonst tut.

Als wir dann das Shooting beendet hatten - Kamera im Auto - Verabschiedung, da legte Cindy plötzlich los. Sie rannte auf dem Parkplatz herum - fegte um die Ecken, wir standen fassungslos da und ich rannte nach der Kamera. Ich habe für die Besitzerin unbeschreiblich wichtige Aufnahmen machen können von Cindy, im Galopp mit einem Lächeln im Gesicht. Cindy ist 6 Monate später in den Hundehimmel gegangen und die Fotos haben für ihr Frauchen eine große Bedeutung.


Und das Schlimmste Erlebnis... hmmm - die Technik...

Ich hatte einen Shootingtermin bei einem Hundezüchter: Ein Wurf mit 8 Welpen - was bei der großen schweren Rasse sehr selten ist - sollte nebeneinander aufgereiht festgehalten werden, bevor sie schon am nächsten Tag zu den neuen Besitzern (auch ins Ausland) gegeben werden sollten. Daneben noch Actionaufnahmen und Portraits der Zuchttiere.

Die Ausrüstung ( 2 EOS 1D Mark III und 2 x 70-200 2,8 L USM) war wie immer top in Schuss und alle Einstellungen (AF-Punkt) hatte ich überprüft. Das Shooting lief prima. Alle hatten Spaß und die kleinen Welpen haben toll mitgemacht. Zu Hause stellte ich dann fest - dass die Mark III mit den Welpenbildern 20cm Frontfokus hatte! Ich kann mich an keine Erschütterung der Ausrüstung, wie z.B. ein Schlagloch erinnern, die dazu geführt haben könnte, dass sich der AF verstellt. Nun arbeite ich gern mit offener Blende und ziele sehr genau (angeboren *lacht*). Dass heißt, ich hatte kaum "danebengezielte" Bilder die nun vielleicht mit dem verstellten Frontfokus scharf gewesen wären. Tja, wie bringt man das dem Züchter bei: Shooting vorbei, die Welpen aus dem Haus und auf den Fotos sind statt der Hunde die Grashalme knackscharf.


Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung

-> Wen oder was würdest Du gerne einmal fotografieren und warum?

Da habe ich keine speziellen Wünsche. Jedes Tier hat eine Seele. Jedes Tier ist auf seine Art schön und einzigartig. Einen tollen Hengst mit zwei Meter langer Mähne bei Sonne am Strand in Spanien zu fotografieren - das ist keine Herausforderung.

Aber wenn es gelingt, das braune Pony mit Stehmähne auf der Koppel des ländlichen Reitvereins in Brandenburg dazu zu begeistern, seine schönsten Hopser vorzuführen und davon Aufnahmen zu machen, die der Besitzerin die Tränen in die Augen treiben, dann bin ich zufrieden.



-> Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie? Wohin geht die Reise?

Ich möchte mir keine Zeit nehmen, mir darüber Gedanken zu machen - das mag falsch sein - aber ich will es irgendwie auch gar nicht wissen...


Fotografin Kathrin Jung, spezialisiert auf Tierfotografie
Foto: Kathrin Jung

-> Dein Tipp für alle, die sich fotografisch weiter entwickeln wollen?

Hinsehen. Zeit nehmen. Nicht knipsen, sondern mit Herz fotografieren.

Kathrin, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast und alles Gute für Dich, Deine Familie und Deine Fotografie!


(Die Interviewfragen stellten Henning Wüst und Petra Fuelbert)

Dies und das

Hier im Blog war es die letzten Wochen etwas ruhiger. Viel Arbeit und viele Projekte haben die Zeit geradezu aufgesaugt. Zwei Dinge gibt es aber zu berichten:

Die letzten drei Wochen habe ich u.a. für eine Motorzeitung eine Reportage über Wildunfälle und deren Vermeidung bebildert. Sehr spannend und gleichzeitig sehr herausfordernd. Mehr Hintergrundinfos und Details über den Auftrag, das Fotoprojekt und die Durchführung sind hier in meinem englischsprachigen Blog nach zu lesen.

Vergangene Woche hat mich Michael Kirchner von Fotografr interviewt. Es ging u.a. um die Arbeit als Fotograf am Polarkreis, die sich in manchem von der Arbeit in mitteleuropäischen Breiten unterscheidet. Das Interview ist hier online bei Fotografr.de zu finden.

Henning Wüst Fotograf in Lappland
„Ausnahmsweise ein Portrait von mir selbst / Ich bin übrigens links im Bild“
Foto: Petra Fuelbert

[Update] Die "Minus-40-Grad-Woche" mit Galerie und Mathematik

Zugegeben, es kostet Überwindung. Aber es lohnt sich. Wirklich.

Worum geht es? Die bislang kälteste Woche des Jahres in Lappland liegt hinter uns. Die sibirisch-arktische Kältewelle hat uns Temperaturen bis zu minus 40 Grad beschert. Das ist auch für hiesige Breitengrade recht kühl und frisch. Bei diesen Temperaturen kommt das Leben zum Erliegen. Nur wer unbedingt muss, verlässt noch das Haus.

Die Kälte bringt auch eine lebensfeindliche Stille mit sich. Es ist totenstill draussen, ja die ganze Natur ist wie tot.

Es hat Überwindung gekostet, trotzdem jeden Tag mindestens eine Stunde mit der Kamera raus zu gehen. Dick eingehüllt in mehrere Schichten Kleidung und mit fetter Pelzmütze. Aber es hat sich gelohnt. Das Licht war einfach absolut traumhaft und die Stille extrem inspirierend.

Minus 40 Grad sind aus einem weiteren Grund faszinierend: Bei exakt dieser Temperatur entspricht der Temperaturwert in Celsius genau dem Wert in Fahrenheit.

Bekanntlich lautet die Umrechnung F=Cx1.8+32 und C=(F-32)÷ 1.8, wobei 0 Grad C = +32 Grad °F sind. Das führt dazu, dass minus 40 Grad Celsius exakt minus 40 Grad Fahrenheit entsprechen.

Ich habe eine Galerie mit einigen Bildern - teils persönliche Bilder, teils Musterstücke aus Auftragsproduktionen - zusammen gestellt [Update 17.02. - neue Bilder ergänzt]:

-> Zur Galerie „Die minus 40 Grad Woche“

-> To the gallery „The week with 40 dergrees below zero“


Traumhaftes Licht bei minus 40 Grad C/F in Lappland
„Traumhaftes Licht bei minus 40 Grad C/F in Lappland“

Foto-Futter: Knut Skjærven

Heute etwas Foto-Futter als „Tiefkühlkost“, hatten wir doch die bislang kälteste Nacht des Jahres am Polarkreis in Lappland. Das Thermometer hat sich bedenklich nahe an minus 40 Grad genähert. Freunde und Bekannte in der Nähe hatten sogar Temperaturen unter minus 40 zu verzeichnen. Immerhin ist jetzt - gegen 9 Uhr -  strahlender Sonnenschein bei "nur noch" minus 34 Grad. Trotzdem ist es im Moment nicht besonders einladend, das Haus ohne akute Notwendigkeit zu verlassen.

Was tun bei dieser Kälte? Die Katze schmiegt sich an den knisternden Kaminofen. Die Hunde haben sich unter der Bettdecke verkrochen.Mensch nutzt die Zeit, um sich - in der Nähe des Ofens - durch Mails, Bücher und Broschüren zu lesen, die sich angesammelt haben.  

Für alle, die das Haus heute auch nicht unbedingt ungezwungen verlassen wollen, habe ich eine fotografische Delikatesse anzubieten:

Den in Kopenhagen lebende norwegische Fotograf Knut Skjærven. Seine Bilder im Street-Style sind beeindruckend. Unglaublich gute Kompositionen - in bester Art des "Decisive Moments" nach HCB -, die zum Verweilen einladen. Doch nicht nur das. Knut bringt einen profunden philosophischen Hintergrund mit, was in seinen Bildern deutliche Spuren hinterlässt. 

Zu sehen gibt es Knut u.a. in seinem Blog

PHENOMENOLOGY AND PHOTOGRAPHY

und seinem Blog 

Berlin Black And White.

Auf Facebook ist er unter 

Knut Skjærven - Street Photography

zu finden.

Mit diesem Augenschmaus wünschen wir vom Polarkreis aus ein schönes Wochenende!

Fotografieren in der Kälte: 8 Fototipps für Schnee und Winter

Im Februar und März steht nun die kälteste Zeit des Jahres am Polarkreis bevor und die Wetterprognosen melden für die nächsten Tage auch bereits arktische Temperaturen. Minus 35 bis minus 40 Grad sind hier dann keine Seltenheit.

Auch auf Deutschland rollt eine Kältewelle zu und die Daily Mail titelte am 29.1. sogar "Forget global warming" und führte aus, dass - wegen des Abebbens  der Sonnenaktivität -eine neue Eiszeit vor der Tür steht.

Mehr als genug Gründe, einige praxiserprobte Tipps vom Polarkreis für die Fotografie - insbesondere die Digitalfotografie - zu präsentieren:


1. Dein Feind: Das Kondenswasser

Nach einer langen Fototour draussen sind Kameraausrüstung und Fotograf meistens gut durchgefroren. Also schnell nach drinnen in die Wärme und genau hier liegt eines der grössten Probleme: Die Kondensation.

Wird das eiskalte Equipment in warme Räume verbracht, kondensiert Feuchtigkeit der warmen Rauminnenluft an der noch kalten Fotoausrüstung. Im Extremfall bildet sich binnen Sekunden ein Eispanzer an der Kamera und auf den Objektiven. Noch unangenehmer wird es, wenn kondensierendes Wasser in die Kamera oder in das Objektiv eindringen. Das kann schnell dazu führen, dass sich die Kamera in einen Haufen Elektronikschrott und das Objektiv in ein Feuchtbiotop verwandeln!

Was tun? Die Abhilfe besteht im langsamen Aufwärmen. Besonders wichtig ist es, die Fotoausrüstung zum Aufwärmen unbedingt in ein geschlossenes Behältnis (Plastiktüte reicht) zu packen. Dann kann sich keine Feuchtigkeit von der Rauminnenluft an Kamera und Objektiven niederschlagen.

Die Nutzer von Consumer Gehäusen aus Kunststoff fahren bei dieser Problematik übrigens besser, als die Nutzer von Profigehäusen aus Metall. Denn letztere kühlen durch und durch. Wer die Wahl hat, nimmt also besser eine Cam aus Kunststoffgehäuse mit in die Kälte.

Zurück zum Auftauen: Bitte gaaanz langsam. Die Fotoausrüstung nicht gleich in die gute Stube neben die Heizung legen. Ich lege die Kamera z. B. - wenn es draussen unter Null Grad hat und ich längere Zeit draussen unterwegs war - in der verschlossenen Fototasche immer erst für ein bis zwei Stunden in den schwach geheizten Vorraum.

Extratipp:  Wenn Sie es ganz eilig haben, Ihre Fotos zu begutachten nehmen Sie die Speicherkarte aus der Kamera bevor Sie die Kamera mit ins Haus nehmen. Gerade SD-Speicherkarten sind relativ unempfindlich. Während sich die Kamera langsam im Vorraum gemütlich aufwärmt, können Sie mit dem Kartenleser schon die Fotos von der Karte laden.


2. Mehr Energie: Das Akkuproblem

Heutige Lithium-Ionen Akkus sind zwar um Längen besser, als die alten Ausführungen in Nickel-Metallhybrid (oder gar Nickel-Cadmium) dennoch mögen sie grosse Kälte nicht allzu sehr. Kurz: Die Sache mit der Stromversorgung ist ein leidiges Thema.

Die Ursache für das Schwächeln der Akkus liegt in der Verlangsamung der chemischen Prozesse in den Akkus bei Kälte. Deswegen  kursiert der Tipp die Akkus aus der Kamera zu nehmen, wenn man die Kamera gerade nicht braucht, und die Akkus in die Innen- oder  Hosentasche zu stecken.

Das funktioniert zwar, wer aber schon einmal versucht hat bei minus 30 Grad den Akkufachdeckel aufzufriemeln zieht daraus die Erfahrung, das nur zu tun, wenn es wirklich sein muss.

In der Praxis habe ich zwar immer einen (oder mehrere) Ersatzakkus in einer warmen Innentasche. Gewechselt wird aber nur, wenn es gar nicht (mehr) anders geht.

Erstaunlicherweise sind die Akkus heutiger DSLRs relativ kälteunempfindlich. Bei unseren modernen Nikons halten die Akkus bei minus 10 bis 20 Grad im Durchschnitt 3 Stunden bei etwa 500 Aufnahmen durch. Das allerdings unter Nutzung aller Energiesparoptionen.


3. Alles so dunkel hier: Die richtige Belichtung

Strahlender Sonnenschein in einer Schneelandschaft kann wunderbar sein. Das gilt allerdings nicht für die automatische Belichtungsmessung, denn im Schnee versagt die Automatik. Die Schneedecke reflektiert Licht aus allen Richtungen. Das führt zu extrem viel Streulicht, was dem Belichtungsmesser zu viel Licht signalisiert. Die Folge ist Unterbelichtung, d.h. zu dunkle Bilder.

Was tun? Zur Korrektur sollten Sie eine Belichtungskorrektur zwischen +1 oder +2 Blendenstufen ("EV") wählen. Sicherheit schafft ein Blick auf das Histogramm nach der Aufnahme.


4. Ist der Schnee wirklich "schneeweiss"?

Auch der Weissabgleich im Schnee ist tückisch. Für das menschliche Auge sieht Schnee weiss aus, auch wenn er es eigentlich nicht ist. Unser Gehirn weiss eben, dass Schnee weiss ist und ist damit dem kamerainternen Weissabgleich überlegen.

Der Schnee reflektiert das auf ihn treffende Licht und nimmt dabei dessen Farbe auf. So kann Schnee im Schatten tatsächlich  tiefblau, im Sonnenlicht orange und in der Abenddämmerung rosarot sein. Gerade der Blaustich stört oft.

Was tun? Hier hilft letztlich wieder nur die Aufnahme im RAW-Format mit nachträglicher Korrektur des Weissabgleichs.


5. Alles klar und deutlich?

Bei trübem Winterwetter werden die Aufnahmen oft sehr kontrastarm.  Dem kann durch eine stärkere oder schwächere Kontrasteinstellung in der Kamera begegnet werden. Das ist aber meist umständlich und unflexibel. Denn schaut die Sonne durch die Wolken führt das umgehend zu extremen Kontrasten.  Die beste Abhilfe ist auch hier die Aufnahme im RAW-Format.

Extratipp: Wer auf das JPG Format angewiesen ist (z.B. bei Kompaktkameras) kann sowohl die Belichtung, als auch den Weissabgleich sehr effektiv mit Color-Washer von The Plugin Site korrigieren.


6. Alles unter Kontrolle: Gute Sicht im Sucher?

Verglichen mit den Suchern guter alter Filmkameras, sind die Sucher moderner DSLRs in der Regel klein und dunkel. Mit einer Sonnen- oder Skibrille ist es meist sehr schwer das ganze Sucherbild zu sehen. Die Abhilfe ist schwierig. Spezielle Sucheraufsätze können helfen, sind aber teuer. Persönlich trage ich - soweit irgend möglich - bei Fotosessions keine Sonnen- oder Skibrille.

Noch übler sind die Benutzer von Kompaktkameras ohne optischen Sucher dran. Bei gleissendem Licht in schneebedecktem Terrain ist auf dem Kameramonitor oft nicht mehr viel zu sehen. Dann wird eine Bildkomposition unmöglich. 


7. Alles so schön bunt hier: Auswirkungen der Kälte auf die Elektronik

Auch die interne Kameraelektronik reagiert auf die Kälte. Da z. B. auch der Sensor durch die winterliche Kälte “gekühlt” wird, reduziert sich das Bildrauschen. Nach unseren Erfahrungen blühen auch die Farben bei tiefen Temperaturen auf.

Der Praxistipp lautet: In Ruhe ausprobieren, bevor es im Ernstfall darauf ankommt und dann unerwartete Ergebnisse zu Tage treten!


8. Mit Nebel kann zu rechnen sein

Ein Missgeschick ist schnell geschehen: Sie sollten es übrigens unbedingt vermeiden, draussen bei Kälte versehentlich auf die Linse zu hauchen. Ist mir an Neujahr bei minus 20 Grad passiert. Die Linse ist sofort mit einer dünnen Eisschicht angefroren. Der Effekt sah zwar auf den Fotos gut aus. War aber trotzdem äusserst ärgerlich.


Und wer noch einige allgemeine Hinweise zum Umgang mit der Kälte und zur richtigen Kleidung sucht, wird in diesem Blogartikel fündig.


Wer noch Fragen zum Thema hat, schreibt diese bitte einfach in einen Kommentar.

Winterlandschaft in Lappland bei minus 35 Grad C
„Winterlandschaft in Lappland bei minus 35 Grad C“

Perspektive: Krise oder Chance?

Manchmal „schlägt“ mich ein Motiv geradezu. So wie hier. Eine Schneekugel. Mitten auf dem Weg. Und genau da wollte ich doch weiter gehen. Scheinbar ein Hindernis.

Oft wird in diesem Zusammenhang auf die Chinesische Weisheit abgestellt, denn im Chinesischen soll es für Krise und Chance angeblich dasselbe Schriftzeichen geben. Das stimmt zwar nicht,  aber der Sinn der Aussage stimmt trotzdem:

Die meisten Krisen beinhalten tatsächlich oft eine Chance.

Manchmal ist es eine Frage der Perspektive, manchmal eine Frage der Herangehensweise. Ich bin an dieser Stelle jedenfalls einfach weiter gegangen. Auf dem Weg zu neuen Motiven.

Allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in die neue Woche
mit vielen neuen Chancen!


Perspektive: Krise oder Chance?
„Perspektive: Krise oder Chance?“

"Es zieht" und: Cover-Design-Projekte

Im Sommer 2010 hatte ich einige Blogeinträge zu sog. "Forgotten Places" in Lappland gebloggt. Das hier ist quasi eine Art Fortsetzung der damaligen Serie.

Verlassene und verfallene Häuser und andere Objekte im tiefen Winter. Einerseits sehr spannend, andererseits nur sehr schwer zu erreichen. Liegen doch mittlerweile zwischen einem und eineinhalb Meter Schnee. Die Langlaufskier sind zwar eine Option, aber das Risiko des gnadenlosen Einsinkens besteht immer. Nur die treuen Vierbeiner, die mich auf solchen Extremabstechern manchmal begleiten, haben es da einfacher. Und sie amüsieren sich offensichtlich prächtig, wenn ihr Mensch sich wieder einmal auf allen Vieren aus einer Schneeverwehung heraus gräbt. Sie sind für dieses Klima geschaffen, fühlen sich "pudelwohl" (obwohl es keine solchen sind :) und finden das immer ganz toll.

Was uns zum eigentlichen Kern der Thematik führt: Warum treibe ich mich an solchen Stellen im tiefsten Winter herum? 

„Location Scouting“ (wie es so schön heisst) in eigener Sache. Wie es sich so ergeben hat, habe ich im Moment viel mit dem Fotodesign für Buchcover zu tun. Eine Gruppe nordschwedischer Schriftsteller - bzw. deren Verleger - hat eine Bildserie für die Cover einer zusammenhängenden Bücherreihe in Auftrag gegeben.

Eine super spannende Sache. Zuerst einmal geht es darum den Inhalt der Werke zu erfassen, um eine passende und angemessene Bildsprache entwickeln zu können. Das alles natürlich mit Geheimhaltungsvereinbarung, da der Inhalt der Werke nicht vorab bekannt werden darf. Dann geht es in die Gespräche mit dem Verlag und einem Designer. Die Autoren sind in den gesamten Prozess fest eingebunden. Die Vorentscheidung ist vergangene Woche auf zwei unterschiedliche Vorschläge gefallen und derzeit fotografiere ich gerade beide Serien. Eine von beiden wird es dann werden. Das hat mich auch zum Haus ohne Fenster geführt. Die Endentscheidung wird fallen, sobald sich die Gruppe beide Serien als fertige Muster angesehen hat. Ich bin gespannt und ab morgen darf der Designer dann an die Arbeit gehen.

In diesem Objekt hier zieht es gewaltig durchs Fenster.
„Es zieht durch’s Fenster“

There's an open door - waiting for you

Für Benjamin und alle anderen Trauernden

Am Nullpunkt. Auf dem Friedhof.
Neu anfangen. Neu orientieren. Vielleicht auswandern?

Eine Tür steht Dir offen.
Gibt Dir den Blick frei auf ein Paradies am Horizont.

Doch bedenke:
Im Sommer ist es unerreichbar.

Der Weg dorthin ist nur unter den schwierigsten Bedingungen möglich.

Die Kälte beschert Dir das Eis, das Dir den Weg über den See ermöglicht.
Der Wind ebnet Dir die Schneeverwehungen, damit Du klare Sicht behälst
und Dein Ziel nicht aus den Augen verlierst.
Der Schnee lädt Dich ein, ein Iglu zur Rast auf der Reise zu bauen.

Siehst Du die Schwierigkeiten, oder die Chance?
Bist Du bereit durch die Tür zu gehen, die sich Dir geöffnet hat?

There's an open door - waiting for you - Friedhof in Sorsele
„There's an open door - waiting for you“
Beifang aus dem Graveyard-Projekt
Alter Friedhof Sorsele


Making the Print, Bibble und AfterShot

Heute im Angebot: Gemischte Fotografika. Die vergangenen Tage haben sich zwei fotografische Nachrichten angesammelt, über die ich kurz berichten möchte.


-1- Neues Ebook von Craft & Vision: "Making the Print von Martin Bailey"


Making the Print von Martin Bailey


In der Masterclass-Serie ist bei Craft & Vision gerade das neue Ebook "Making the Print" von Martin Bailey erschienen. Es enthält eine sehr gute Einführung in die Grundlagen des Fine-Art-Printing für Digitalfotografen.

Auf 65 Seiten deckt das Buch die Bereiche Auswahl von Drucker und Papier, Farbmanagement und Farbprofile, Schärfen, Kalibrierung, Fine-Tuning und vieles mehr, ab. In bewährter Craft & Vision Methodik führt der Autor den Leser anhand zahlreicher Screenshots und Beispiele durch den Workflow des Fine-Art-Printing.

Für die Leser des Lapplandblogs gibt es wieder eine Sonderaktion zum Buch:

- Bis zum 21. Januar 2012, 23 Uhr 59 (Ortszeit Vancouver) gibt es auf die PDF-Version des neuen Buches 20% Einführungsrabatt, wenn Sie diesem Link zu Craft & Vision folgen und beim Checkout im Warenkorb folgenden Promotion Code angeben: PRINT4

Und wenn Sie gleich mehrere PDF-Bücher aus der Reihe Craft & Vison kaufen wollen, erhalten Sie bei der Eingabe des Promotion Codes PRINT20 20% Rabatt auf Ihre Bestellung beim Kauf von 5 oder mehr Büchern.

-> Hier geht es zu Craft & Vision. Dort ist die Neuerscheinung exklusiv erhältlich.






-2- "Panta rhei" ("Alles fliesst") ist der wohl bekannteste, dem griechischen Philosophen Heraklit zugeschriebene Ausspruch. Keine Sorge, es geht jetzt nicht um eine philosophische Diskussion der Flusslehre. Es geht mehr um ein aktuelles Beispiel.

Mit einer Träne im Knopfloch ist folgendes zu verkünden: Bibblelabs, die Softwareschmiede aus der das legendäre Bibble stammt, hat vor einigen Tagen der Verkauf der Technologie an Corel bekannt gegeben. Kurz zuvor war noch das letzte Wartungsupdate Bibble 5.2.3 veröffentlicht worden. Bibble wird nun nicht mehr weiter entwickelt.

Das Nachfolgerprodukt aus dem Hause Corel hört auf den Namen "AfterShot" und ist inhaltlich und vom Funktionsumfang praktisch ein Bibble 6. Registrierte Anwender von Bibble 5 können bis zum 31. Januar für einen symbolischen Preis upgraden/umsteigen.

Einerseits sehr erfreulich, dass die Technologie des schnellsten und besten RAW-Konverters auf dem Markt weiter lebt. Andererseits scheint es fraglich, ob Corel die bisherigen Linux und Mac-Versionen mit dem gleichen Einsatz und Elan weiter pflegen wird. Ist Corel doch klar und deutlich auf den Win-PC Markt ausgerichtet. AfterShot 1 liegt noch als Multi-Plattform-Software vor. Die Entwicklung bleibt abzuwarten.

Meine Praxistipps für alle Bibble-Anwender sind:

1. "Never touch a running system": Solange Sie nicht auf neue Importfilter für neue Kameramodelle angewiesen sind, bleiben Sie bei Bibble.

2. Nutzen Sie das Angebot zum nahezu kostenlosen Umstieg auf AfterShot (auch wenn Sie die neue Software einstweilen noch nicht einsetzen wollen). Achtung: Das Update zu Vorzugsbedingungen gibt es nur bis zum 31. Januar!

3. Wenn Sie Bibble 5 weiter nutzen (was ich - wie gesagt - im Zweifel empfehle), installieren Sie unbedingt das letzte Wartungsupdate (5.2.3). Es enthält einige neue Feautures, kleinere Bugfixes und (nochmals) einen erstaunlichen Geschwindigkeitsschub.

Endstation Friedhof - Ein Hauch von Ewigkeit

Endstation Friedhof. Ein Einblick in ein persönliches Fotoprojekt.

Bei minus 25 Grad und auf einem tief verschneiten Friedhof, auf dem seit Wochen keine Besucher mehr waren, stellt sich eine sehr eigentümliche Atmosphäre ein. Aber der Reihe nach.

Ich gehöre vermutlich zur letzten Generation, bei der eine Kirche - will sagen: ein Kirchengebäude - zu den Eckpunkten des Lebens gehörte. Die meisten Angehörigen meiner Altersgruppe dürften im Säuglingsalter in einer Kirche getauft worden sein. Das andere Ende des irdischen Daseins wurde durch die Aussegnung oder Aufbahrung - ebenfalls in einem Kirchengebäude - markiert. Die letzte Station vor dem Friedhof. Womit wir beim Thema wären.

Was hat ein Kirchengebäude mit dem Friedhof zu tun? Da die formelle Trennung von Kirche und Staat im Schweden erst zum Jahreswechsel 1999/2000 vollzogen wurde, befinden sich die alten Friedhöfe in Schweden praktisch immer im direkten Anschluss an eine Kirche.

Im Rahmen eines persönlichen Projektes bin ich in letzter Zeit viel über eisige und tief verschneite Friedhöfe Lapplands gestapft, um das Spannungsfeld zwischen Endlichkeit und Ewigkeit einzufangen. Die Endauswahl der Bilder für die Ausstellung ist noch nicht defintiv. Ich möchte aber dennoch hier eine kleine Auswahl zeigen.

-> Zur Galerie "Endstation Friedhof - Ein Hauch von Ewigkeit"

-> To the gallery "Ultimate destination graveyard - A touch of Eternity"



Endstation Friedhof - Ein Hauch von Ewigkeit
„Endlichkeit und Ewigkeit - Endstation Friedhof“

2012 naht

2012 naht ... - Eine kurze Unterbrechung unseres Winterschlafes am Polarkreis mit Rückblick, Ausblick, Änderungen und Neuigkeiten

Nun schreiben wir also bald 2012. Viel wird gemunkelt über dieses Jahr. Wir bleiben aber mit beiden Beinen auf dem Boden und starten in das neue Jahr mit einigen Weiterentwicklungen.

Relaunch 2012

Zum Jahreswechsel haben wir unsere Fotografie-Homepage komplett neu designed und dort auch einen separaten Fotografie-Blog aufgelegt. Dazu gleich mehr.

Auch hier im Lapplandblog hat sich etwas verändert beim Design und den Inhalten. Vor allem geht es uns um Vereinfachung und Reduktion, sodass Lesbarkeit und Verständlichkeit immer weiter optimiert werden.

Spannungsfeld Fotografie und Lappland

Hier im Lapplandblog haben wir bislang immer mit der Spannung zwischen rein fotografischen und auf Lappland bezogenen Beiträgen gelebt. Um auch dies weiter zu vereinfachen, gibt es jetzt den separaten Fotografie-Blog. Dort bloggen wir ab 2012 auf Englisch.

Aber keine Sorge: Natürlich geht es auch hier im Lapplandblog weiter. Hier bleibt es bei Deutsch und gelegentlichem Schwedisch. Natürlich gibt es auch hier weiterhin viele Bilder und auch das ein oder andere fotografische Thema. Allerdings mehr mit Bezug zu Auswandern, Urlaub, Tourismus, Reisen und - natürlich - dem Schwerpunkt Schwedisch-Lappland.

Experiment soziale Medien

2011 war für uns ein offensiv experimentelles Jahr in Sachen soziale Medien. Stammlesern wird auffallen, dass die Buttons zu Google+Facebook und Twitter mit dem Relaunch wieder aus der Seitenleiste verschwunden sind.

Warum? Wir haben im vergangenen Jahr viel experimentiert, Vorträge zum Thema soziale Medien gehalten und Artikel dazu geschrieben. Rein persönlich haben uns die derzeit verfügbaren Plattformen aber schlichtweg (noch) nicht richtig "begeistert" (wobei Google+ auf dem richtigen Weg zu sein scheint). 

Aber: Zu viel Zeit geht bei der Beschäftigung mit den virtuellen Welten verloren. Und Hand aufs Herz: Nur wenige neue Beziehungen mit echtem Tiefgang sind hinzu gekommen. Natürlich sind wir auch weiterhin auf den bisherigen Plattformen aktiv. Nur gehen wir das ab 2012 viel entspannter und mit viel geringerer Priorität an. Wer Kontakt zu uns aufnehmen möchte, tut das am besten via Mail oder Telefon :-)

Was hat sich sonst so getan?

- Malå durfte seine Ambulanzstation behalten. Die Proteste, die wir über einen längeren Zeitraum fotografisch begleitet haben, haben schliesslich Erfolg gezeitigt. 

- Der weitere Ausbau der Windkraft in Västerbotten wird aus der Bevölkerung zunehmend kritisch gesehen. Auch hier bilden sich Bürgerinitiativen und erste Proteste beginnen.

- Die Einwanderer strömen nach wie vor ungebremst hierher. Leider erleben wir immer wieder schlimme Tragödien. Viele beginnen beim Hauskauf. Hier haben sich teilweise regelrechte Mondpreise etabliert Aus aktuellem Anlass möchten wir deswegen nochmals auf unsere Tipps zum Immobilienkauf in Lappland hinweisen. Unsere Tipps helfen hoffentlich, einige Katastrophen und menschliche Tragödien zu verhindern.

Und jetzt allen Leserinnen und Lesern einen guten Start
in das neue und spannende Jahr 2012!


Irisierende Wolken Photometeore in Lappland
„Apokalyptischer Touch“


Behind the scenes: Passend zum Jahreswechsel 2011/2012 ein Bild mit "apokalyptischem Touch". Ein Naturschauspiel, das den arktischen Winter auszeichnet: Irisierende Wolken (Photometeore). Ein farbenfrohes Spektakel, das in Verbindung mit dem Sonnenuntergang und verhangenem Himmel endzeitliche Gefühle hervorrufen kann. Die Uferlinie ist übrigens absichtlich nach rechts abschüssig. Eine Reminiszenz an die brodelnde Wirtschaftskrise. Nebenbei: Sehr romantisch war der Anblick ebenfalls. 
 

KW 50, Jahresrückblick und Winterschlaf

KW 50, Jahresrückblick und Winterschlaf

Warnung: Dieser Blogpost ist länger, umfangreicher und nachdenklicher als gewöhnlich.

Jahresrückblick
Ein offenes Geheimnis: Mit zunehmendem Alter beschleunigt sich die Zeitwahrnehmung überproportional schnell. Einfach gesagt: Es scheint, als würde die Zeit immer schneller vergehen. Als mir das meine Oma vor 30 Jahren sagte, habe ich noch darüber gelacht. Heute weiss ich, dass sie Recht hatte.

2011 können wir also demnächst ad acta legen. Es war ein bewegtes und sehr angefülltes Jahr. Jedenfalls für uns. Mehr und mehr Aufträge von Zeitungen und Magazinen - in aller Regel Reportagen - flatterten ins Haus. Darunter fast nur herausfordernde, spannende Themen und Aufgabenstellungen. Viele Hochs und Tiefs des Lebens haben wir gesehen und fotografiert. Und es hat viel Spass und Freude gemacht. Und vielleicht ist es uns ja auch gelungen mit zu helfen, die Welt ein klein wenig besser und schöner mit zu gestalten.

Die Schattenseite ist, dass im zweiten Halbjahr sogar die persönlichen Projekte beinahe zum Erliegen kamen. Das soll sich aber 2012 wieder ändern.


Lappland

Der Blick durch das Fenster offenbart trübes, nebliges und verschneites Wetter. Richtig "dicke Suppe" da draussen. Die Skoterfahrer und Schlittenhundler freuen sich, denn nun fängt ihre Saison (endlich) an.

Von Weihnachtsstimmung ist allerdings - abgesehen von der Masse an Prospekten im Briefkasten - derzeit noch nichts zu spüren.

Fotografie
A propos Dunkelheit sei ein kleiner technischer Schlenker gestattet. Derzeit ist Lappland wieder einer der besten Plätze, um die High-ISO Qualität von Kameras zu testen. Besonders bei quirligen Reportagen ist das Limit hier schnell erreicht.

High-ISO führt uns übrigens nahtlos zu den Weihnachtsgeschenken, die wir hier im Haushalt bereits vor einigen Jahren abgeschafft haben. Gleiches gilt für den Weihnachtsbaum, den wir lieber in der Natur betrachten. Wenn aber, ja wenn wir aber einen Weihnachtsbaum hätten, könnte ich mir dieses Jahr sehr gut eine Fuji X10 unter demselben liegend vorstellen. Ich schwärme ja selten für Technik, aber seit ich vor einigen Tagen etwas mit einer X10 experimentieren konnte, bin ich begeistert. Eine kompakte, robuste "Immer-Dabei" und mit bezaubernden High-ISO Fähigkeiten, die reportagetauglich zu sein scheint. Sollte uns zufällig jemand aus der Leserschaft eine Freunde zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel machen wollen...

Winterschlaf - "Drei Wochen ohne"
Drei Wochen, d.h. bis zum 6. Januar gehen wir jetzt wieder in den Winterschlaf. Das betrifft nicht nur das Blog, sondern umfasst auch die Abstinenz in den sozialen Medien. "Drei Wochen ohne" lautet das Motto. Es ist wieder an der Zeit, den inneren Kompass neu einzunorden. Wer uns in dieser Zeit erreichen will, möge bitte zum Telefon oder zur Email greifen.

Meinungsumfrage
Vom "neu Einnorden" der Dinge im Leben haben wir eben schon gesprochen. Feedback hilft da weiter.

Was denken Sie / denkt Ihr? Was wünschen Sie sich hier / wünscht Ihr Euch hier?

Wir freuen uns über Kommentare und Wünsche für die wir immer ein offenes Ohr haben. Einfach einen Kommentar hinterlassen, oder eine Mail senden.

Frohe Weihnachten und einen guten Start in das Neue Jahr!

Und nun wünschen wir allen Leserinnen und Lesern

“Frohe Weihnachten und einen guten Start in das Neue Jahr!”



Wochenrückblick KW 49: 14 Tage bis Weihnachten und ein ungewöhnliches Casting

Wochenrückblick aus Lappland: 14 Tage bis Weihnachten und ein ungewöhnliches Casting

Das Wetter bessert sich. Zumindest aus touristischer Sicht. Gestern fegte das erste richtige Schneegestöber des Jahres über uns hinweg und nun haben sich einige cm Schnee angesammelt. Den Prognosen nach bleibt der Schnee auch liegen und Lappland erweist sich - dem Klimawandel zum Trotz - noch immer als schneesicher. Auf den umliegenden Skihängen laufen die Schneekanonen trotzdem seit Tagen im Dauerbetrieb, denn für die Pisten reicht der Schnee noch nicht. Einige erste Hundeschlitten sind auch schon unterwegs. Die Schneeskoter bleiben aber einstweilen noch in der Garage, denn für die Ketten wäre es pures Gift, jetzt schon zu fahren. Immerhin: Die Tourismussaison scheint auch dieses Jahr wieder gerettet :)

Thema Fotografie: Vor einigen Tagen hatten wir ein - zumindest für uns - ungewöhnliches Casting. Für einen grossen Reitverein sollten Bilder für  Weihnachtskarten und einen Kalender geschaffen werden. Aber da durfte natürlich nicht jedes Pferd mit aufs Foto. Nein, ein Casting wurde durchgeführt. Viele Pferde mit ihren Besitzern und jeder wollte natürlich seinen Liebling in der Auswahl haben (weswegen die Auswahl strikt der Kunde gemacht hat). Etwas ungewohnt das Ganze. Mit Menschen und Hunden haben wir ganz gute Routine. Aber die Kommunikation mit Pferden hat sich als bedeutend herausfordernder erwiesen. Wenn Frau Lapplandblog nicht das beneidenswerte Händchen für Tiere hätte, hätte die Aktion mindestens zehnmal so lange gedauert. Unser Eindruck: Pferde sind bedeutend sturer, als alle Tierarten, die wir bislang vor der Linse hatten :) Nichtsdestotrotz ist das Shooting zur grossen Zufriedenheit unseres Kunden verlaufen und im Bild ist der Gewinner zu sehen, der es auf die Weihnachtskarten geschafft hat (allerdings nicht mit dieser Pose).  

Weihnachtliches Pferd in Lappland
„Shooting Star“

Kostenlos: "11 Ways to Improve Your Photography", Hrsg. David DuChemin, von Craft & Vision

Kostenloses Ebook: "11 Ways to Improve Your Photography", Hrsg. David DuChemin, von Craft & Vision

Weihnachten für Fotografen naht. Warum? Bei Craft & Vision, der fotografischen Know-How-Schmiede, ist gerade wieder ein neues Ebook erschienen.

Das Beste (neben dem - wie immer hochwertigen Inhalt - Inhalt) aber ist der Preis: Der Download ist kostenlos!

Kostenlos:


Auf 69 Seiten (A4) finden sich 11 Artikel vom Craft & Vision-Autorenteam:

Piet van den Eynde - Make your images more dynamic
David DuChemin - Tame your digital exposures
Martin Bailey - The power of the print
Michael Frye - Learn to direct the eye
Alexandre Buisse - Understand the stages
Andrew S. Gibson - Create projects and collaborate
Nicole S. Young - Refine your composition
Eli Reinholdtsen - The power of the moment
Piet van den Eynde - Forget lens stereotypes
Stuart Sipahigil - Slow down and learn to see
David DuChemin - Make stronger portraits

Ein erfrischendes und beeindruckendes Buch. Erfrischend, weil es Lust macht zur Kamera zu greifen. Beeindruckend, weil die Artikel sehr animierend sind, sowohl in handwerklich-praktischer, als auch in fotografisch-philosophischer Richtung.

Kurz: Eine kostenlose Schatzgrube und eine Art "Best Of" Sammlung von Craft & Vision für Fotografen, die Laune auf mehr macht.

--> Für die Leser des Lapplandblogs geht es hier lang zum kostenlosen Download.

Das kostenlose Angebot gilt bis zum Jahresende.

Kostenlos:

Wochenrückblick und Lappland in Bildern KW 48 / Veckans bild v 48 / Lapland in pictures week 48

Viele Begegnungen haben diese Woche geprägt. Begegnungen mit Menschen und mit beeindruckenden Szenen in der Natur. Deswegen beschränke ich mich auch darauf, nur ein Bild zu zeigen. Eine Szene, die mich sehr berührt hat.

Das Wetter ist immer noch sehr untypisch. Nach wie vor kein Schnee bei sinkenden Temperaturen.

Übrigens: Wer noch zu Weihnachten ein individuelles Kunstwerk aus unserer Lappland-Edition verschenken möchte, sollte sich beeilen. Damit die Lieferung noch pünktlich zu Weihnachten erfolgen kann, sollte die Bestellung in den nächsten Tagen hier eingehen.


Passing cloud
„Passing cloud“

Über Wetterkapriolen und Rentiere - Lappland in Bildern KW 46+47 / Veckans bilder v 46+47 / Lapland in pictures week 46+47

Über Wetterkapriolen und Rentiere - Wochenrückblick und Lappland in Bildern KW 46+47 / Veckans bilder v 46+47 / Lapland in pictures week 46+47 


-> Hier gehts zur Galerie „Lappland in Bildern KW 46+47“

-> Klick här så kommer du till bildspelet „Veckans bilder från Lappland v 46 och 47“

-> To the gallery „Lapland in pictures week 46+47“



Das liebe Wetter

Hier in Lappland beginnt sich Nervosität breit zu machen. Warum? Im Tourismus steht eine Hochsaison vor der Tür, aber der Schnee lässt noch immer auf sich warten. Es wird zwar langsam etwas kälter. Bis dato liegen aber nur einige cm Schnee.

Üblicherweise liegen um diese Zeit bereits 40-50 cm Schnee bei Temperaturen um die minus 10 bis 15 Grad. Dieses Jahr sind es lediglich ein paar Zentimeter pampiger Schnee und null bis minus 5 Grad. Skoter- oder Skifahren ist derzeit schlicht unmöglich (die Lage im Fjäll ist allerdings etwas besser). 

Rein privat ist uns das Recht, entfällt doch das lästige Schneeschieben derweilen. Für unsere Kunden im Tourismus aber bahnt sich eine mögliche Katastrophe an. Wenn es so weiter geht werden die Gäste über Weihnachten und Neujahr weder mit dem Skoter, noch mit dem Hundeschlitten fahren können. Und der Wetterbericht verheisst für die nächsten 10 Tage keine grosse Veränderung. Es soll nur etwas kälter werden.

Mancherorts kommen bereits Zweifel an der jahrelang gepriesenen "Schneesicherheit" auf. So weit würde ich nicht  gehen, und es ist noch nicht Weihnachten. In den verbleibenden Tagen kann sich die Lage noch deutlich verändern. Ein besonderes Klimajahr ist 2011 aber in jedem Fall - für Mensch und Tier



Was und zum nächsten Thema führt: Den Rentieren


Vergangene Woche haben wir im Rahmen eines Fotoauftrages wieder einmal Rentiere fotografiert. Es ging um die Bebilderung eines Forschungsberichtes. Forscher haben sich nämlich intensiv damit beschäftigt, wie der Wärmehaushalt der Rentiere funktioniert. Einerseits müssen sie extreme Kälte aushalten. Andererseits müssen Rentiere jederzeit für die Flucht vor Raubtieren gerüstet sein. Dabei geht es schon einmal von null auf bis zu 80 km/h. Wie ist das möglich, ohne dass die Rentiere dabei lebensgefährlich überhitzen?

Die Forschung hat nun herausgefunden, dass Rentiere ein aus mehreren Komponenten und Mechanismen bestehendes Wärmeregulierungssystem haben:

- Das Winterfell als "wärmende Aussenhülle" ist extrem dicht. "Bauartbedingt" wärmt es immer. Die Regulierung erfolgt durch zwei zusätzliche Mechanismen.

- Ein Regulierungssystem läuft über die Atemluft. Das Rentier zieht Kaltluft durch die Nase ein. Dadurch verdunstet das Wasser auf den Schleimhäuten und kühlt den extrem gut durchbluteten Nasenraum. Kaltes Blut wird dem Kreislauf zugeführt. Das kühlt punktuell und gleichzeitig zentral. Ähnlich wie z.B. bei Hunden kann der Effekt durch eine heraushängende Zunge beim Rennen verstärkt werden.

- In einer Flucht- oder Hochleistungssituation kommt ein weiterer Mechanismus hinzu. Anatomisch verlaufen beim Rentier die Venen und Arterien nebeneinander. Das kühlere venöse Blut kühlt so das wärmere arterielle Blut, insbesondere auf dem Weg in Richtung Kopf und Gehirn. 


Inside the old house - Lapland
„Inside the old house“


Schliesslich noch in eigener Sache

Stammleser werden es bemerkt haben. Die Blogfrequenz hier hat abgenommen. Es gibt weniger Artikel, dafür längere und mehr Bilderstrecken. Wir planen künftig regelmässige, wöchentliche oder zweiwöchentliche Updates als Wochenrückblick mit Bilderstrecke. Wer immer tagaktuell auf dem Laufenden sein möchte, schaut am besten einmal täglich bei Google+ oder Facebook vorbei. 

Neuerscheinung: Ein Buch über Komposition in der Fotografie - Beyond Thirds von Andrew S. Gibson

Neuerscheinung: Ein Buch über Komposition in der Fotografie - Beyond Thirds von Andrew S. Gibson



Bei Craft & Vision ist gerade ein neues Ebook erschienen: Beyond Thirds von Andrew S. Gibson. Andrew ist ein erfahrener Fotograf und Autor, der bei Craft & Vision bereits mehrere Werke veröffentlicht hat.

David DuChemin, Herausgeber der Craft & Vision Reihe, hat uns wieder vorab ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Im jüngsten Ebook geht es um Komposition. Bekanntlich ein grundlegendes Thema in der Fotografie. Wie der Titel ("Beyond Thirds") schon verrät, geht es um mehr als die Komposition nach festen Regeln. Auf 38 Seiten (DIN A4) entfaltet Andrew anhand zahlreicher Beispiele die "Konstruktionsregeln" des Bildaufbaus jenseits der einfachen Formeln.

Wer sich ernsthafter mit Komposition und Bildaufbau beschäftigen möchte, sollte auf jeden Fall einen Blick in Andrews neuestes Buch werfen.

Das Ebook gibt es - wie bei Craft & Vision üblich - als PDF und als iPad-App. Meine Empfehlung ist die ausdruckbare PDF-Version, auf die es auch einen Einführungsrabatt gibt.

Der Preis liegt - USD 5 - wie immer auf äusserst günstigem Niveau.


Und für die Leser des Lapplandblogs gibt es wieder eine Sonderaktion zum Buch:

- Bis zum 19. November 2011, 23 Uhr 59 (Ortszeit Vancouver) gibt es auf die PDF-Version des neuen Buches 20% Einführungsrabatt, wenn Sie diesem Link zu Craft & Vision folgen und beim Checkout im Warenkorb folgenden Promotion Code angeben: BT4

Und wenn Sie gleich mehrere PDF-Bücher aus der Reihe Craft & Vison kaufen wollen, erhalten Sie bei der Eingabe des Promotion Codes BT20 20% Rabatt auf Ihre Bestellung beim Kauf von 5 oder mehr Büchern.

-> Hier geht es zu Craft & Vision. Dort ist die Neuerscheinung exklusiv erhältlich.




Im Test: RapidCart und RapidLink - Webshop und eCommerce mit Rapidweaver

Im Test: RapidCart und RapidLink - Webshop und ECommerce mit Rapidweaver

Kann eComerce Spass machen? Wir haben kürzlich die Erfahrung gemacht, dass das so sein kann. Deswegen heute ein Test, der insbesondere für alle Kreativen - nicht nur für Fotografen -  von Interesse sein dürfte. Wir testen eine sehr geschmeidige und einfach zu implementierende Webshop-Lösung, die es zugleich ermöglicht, digitale Downloads abzuwickeln.

Im Test: RapidCart und RapidLink - Webshop und eCommerce mit Rapidweaver


Ideal geeignet, um z. B. Prints, digitale Bilder oder Ebooks anzubieten und zu vertreiben. Auf die getesteten Module RapidCart und RapidLink von Omnidea sind wir gestossen, als wir kürzlich unseren Webshop für unsere Lappland-Edition mit Original-Kunstwerken aus Lappland in limitierter Auflage aufgelegt haben.    

Wer sich nach diesem Review einen persönlichen Eindruck der Lösung verschaffen will, schaut am besten einfach mal unseren Shop an.

Auch für Musiker, Bands und Filmemacher ist die Lösung sehr gut geeignet. Lässt sich doch im Zusammanspiel mit RapidCart der vollautomatisierte Vertrieb einschliesslich der "digitalen Auslieferung" einrichten. Es spielt für RapidLink keine Rolle, welche digitalen Daten ausgeliefert werden sollen. So können problemlos auch mp3 oder mp4-Dateien verwaltet werden. Und wer nur Seriennummern oder Codes vertreiben möchte, kann auch dies mir RapidLink tun.

-> Wie immer gibt es eine Bildergalerie mit Screenshots zum Test. Diese ist hier zu  finden.


Einleitung

RapidCart und RapidLink sind Zusatzmudule (Plugins) für die verbreitete Web-Publishing-Software Rapidweaver von Realmac.

Rapidweaver macht Web-Publishing auf dem Mac spielend einfach. Zahlreiche Zusatzmodule von Drittanbietern eröffnen - über den Lieferumfang hinaus - nahezu unbegrenzte Möglichkeiten in Sachen Layout und Funktionalität. Wer Rapidweaver bislang noch nicht kennt: einfach mal googeln. Am Rande: Sowohl das Lapplandblog, wie auch unsere Portfolio-Site sind mit Rapidweaver gestaltet. Und wir haben Rapidweaver auch schon für viele Projekte erfolgreich und zur grossen Zufriedenheit der Kunden eingesetzt.

Omindea ist eine italienische Softwareschmiede, die verschiedene Zusatzmodule für Rapidweaver anbietet. Brandneu ist z. B. gerade das neue RapidMaps 2 zur Einbindung von Google-Maps erschienen. 

Ausserdem bietet Omnidea auch die wohl am weitesten verbreitete Webshop und ECommerce-Lösung für Rapidweaver - bestehend aus RapidCart und RapidLink -  an. Und um dieses Duo soll es in diesem Review gehen.


Installation und Kompatibilität

Die beiden Zusatzmodule sind sowohl mit Rapidweaver 4, als auch mit der Version 5 kompatibel. Die Installation ist Mac-like: Einfach auf die von Omnidea gelieferte Datei doppelklicken. Das Plugin installiert sich automatisch und ist nach dem nächsten Start von Rapidweaver verfügbar.

Damit alle Funktionen von RapidCart voll nutzbar sind, muss auf dem Server PHP 5 verfügbar sein. RapidLink setzt PHP 5 zwingend voraus. 

Die Plugins sind mit allen gängigen Browsern kompatibel, wobei der "übliche Verdächige" in Form des alten Internet-Explorers 6 - wie immer - manchmal Zicken macht. Dieses Problem ist (leider) weit verbreitet, und betrifft nicht nur die hier getesteten Produkte.


Review RapidCart

Einmal installiert, stehen künftig beim Hinzufügen einer neuen Seite zu einem Rapidweaver-Projekt zwei neue Seitentypen zur Verfügung. Widmen wir uns zunächst RapidCart. 

Wer schon mit anderen Zusatzmodulen für Rapidweaver gearbeitet hat, fühlt sich gleich heimisch. Jede neue RapidCart-Seite bildet einen eigenen Shop. Der Clou ist, dass alle mit RapidCart in einem Projekt erstellten Seiten auf dieselben Daten zugreifen. Einfach ausgedrückt: Bestellungen lassen sich über mehrere Seiten hinweg erfassen und abwickeln.

Die Benutzerführung des Plugins ist in Englisch. Die Sprache "nach aussen", d.h. zum Kunden, lässt sich mit einer sehr smarten Lösung individualisieren. Dazu später mehr.
 
RapidCart ist in 3 Bereiche aufgeteilt: Produkte, Zusätzliche Kosten und Header/Footer.  Im letztgenannten Bereich lässt sich das Aussehen der Shopeinbindung - am oberen Bildschrimrand - individuell gestalten.

Im Bereich Produkte lassen sich Produkte mit Beschreibung und Produktdetails erfassen. Dazu gibt es vier Unterseiten (General, Desription, Pricing und Options), auf denen sich fast alle nur denkbaren Details erfassen lassen. 

Zu jedem Artikel lassen sich unterschiedliche Optionen mit verschiedenen Preiszuschlägen festlegen. 

Besonders clever sind die generellen Optionen zur Preisgestaltung. Hier hat Omnidea sogar an zeitbegrenzte Aktionspreise gedacht. Die Versandkosten lassen sich Artikelbezogen nach Stückzahl, Gewicht oder als Pauschalkosten definieren. Bei jedem Artikel lässt sich ein individueller Umsatzsteuersatz eingeben.

Wie in Rapidweaver üblich, lassen sich über die Seiteninformationen die generellen Einstellungen vornehmen. Darunter fallen die Währungsoptionen und die Auswahl der Abwicklungs- und Zahlungsweise. Soll die Zahlung unmittelbar im Zuge der Bestellung erfolgen, lassen sich PayPal, Google Checkout, E-junkie und SISOW / iDEAL dafür anwenden. Ausserdem besteht die Möglichkeit auf die Bestellung hin ohne unmittelbare Zahlung automatisiert eine Rechnung zu versenden. 

Wer von der Vielzahl der Optionen und Möglichkeiten verwirrt ist, kann beruhigt sein. Ist die Konzeption einmal durchdacht, ist die Einrichtung ein sprichwörtliches Kinderspiel. Die Einarbeitungszeit für neue Anwender liegt bei ca. 60 Minuten.


Review RapidLink

Besonders charmant wird RapidCart durch die Möglichkeit zur Einbindung von RapidLink. In Verbindung mit RapidLink kann RapidCart für den vollautomatisierten Vertrieb digitaler Produkte (z.B. eBooks, Bilddateien, mp3, mp4) verwendet werden.

Alles was dafür erforderlich ist, ist ein PayPal-Konto zur Zahlungsabwicklung. Denn PayPal bietet den Service, nach einem Zahlungsvorgang einen "Ping" zurück zu senden. Dieser löst dann den Liefervorgang aus und der Kunde erhält nach der Zahlung direkt eine personalisierte Mail mit einem individuellen Link - dessen Gültigkeitsdauer in Stunden eingestellt werden kann - zum Download der erworbenen Produkte. 

Wer nur digitale Produkte anbietet, hat es sogar besonders einfach. Per Mausklick lassen sich alle Produkte, die in RapidCart angelegt worden sind, mit RapidLink synchronisieren. Ansonsten arbeitet RapidLink auch mit allen anderen PayPal-basierten Shipsystemen zusammen. Dann müssen die Produkte in RapidLink erfasst werden, was im Prinzip wie in RapidCart funktioniert.

Ein dickes Lob an den Hersteller für die gut strukturierte und verständliche Dokumentation. Gerade bei RapidLink sind die Erklärungen zur PayPay-Anbindung schlicht vorbildlich.

Voilà - und fertig ist das vollautomatische Webshopsystem.  

Aus unserer Sicht und Erfahrung können wir das Duo RapidCart und RapidLink als Erweiterungen zu Rapidweaver nur empfehlen.

Zwei Wochen in Lappland

Zwei Wochen können wie im Fluge vergehen. Hier im Blog herrschte die letzten beiden Wochen Funkstille. Viele Aufträge und Projekte haben uns so ausgelastet, dass leider keine Zeit mehr zum Bloggen verblieben ist.

Als kleine Entschädigung gibt es eine Galerie mit einigen fotografischen Highlights aus den letzten beiden Wochen.

-> Hier gehts zur Galerie „Zwei Wochen in Lappland“

-> Klick här så kommer du till bildspelet „Två veckor i Lappland“

-> To the gallery „Two weeks in Lapland“



Good Morning, Lapland / Guten Morgen, Lappland
„Good Morning, Lapland!“

Stranded II - Gestrandet II

Lappland ist bekanntlich wasser- und seenreich. Verlassene Boote in entlegenen Seen üben eine besondere Faszination auf mich aus. Manche sehen noch beinahe brauchbar aus, andere sind kaum noch zu identifizieren.

Die Symbolik ist stark: Das "Gestrandet sein".

Eine Fortsetzung zu diesem früheren Blogeintrag zum Thema aus dem Juli.

Gestrandet und doch voller Hoffnung


Gestrandet.

Auch gestrandete Boote können Zeichen der Hoffnung setzen.

Angekommen. Aus Altem wächst Neues. 

Unerwartet.

Grün ist die Farbe der Hoffnung und der Zuversicht.

Als ein Zeichen des "Angekommenseins" schlägt Dein Boot plötzlich Wurzeln. 

Doch bricht es gleichzeitig Brücken ab. 

Einem Samenkorn gleich wird das Boot als Nährboden verzehrt. 

Ahoi ade.

Wie wird die Ernte werden?

Rädda ambulansen i Malå - Ein heisser Winteranfang

Rädda ambulansen i Malå
„Wir weigern uns, wenn die Ambulanz künftig eine Stunde braucht“


Wer in das Inland Lapplands zieht, weiss, dass ihn eigentlich Natur und Ruhe erwarten. Es gibt aber auch eine andere Seite der Medaille. Wären da nicht einige "Störfaktoren" mit im Spiel.

Einer davon hört auf den Namen "Windkraft" und es regt sich in der Region ein zunehmender Widerstand gegen weitere Windkraftetablierungen. Denn in etlichen Kommunen ist es mit Ruhe und Natur nicht mehr weit her. So regt sich nun auch in Malå eine Bürgerinitiative, die binnen Tagen 450 Protestunterschriften gegen die Erteilung weiterer Baugenehmigungen für Windkraftanlagen gesammelt hat. Die hiesigen Medien haben ausführlich darüber berichtet (z.B. hier in der Tageszeitung „Norran“ und hier im Regionalfernsehen).

Ein weiterer Störfaktor liegt in der Reaktion der zuständigen Landesverwaltung auf die Bevölkerungsentwicklung. Es ist ein offenes statistisches Geheimnis, dass die Bevölkerung im Inland immer älter wird und zudem deutlich schrumpft. Als Konsequenz daraus werden viele Gemeinwohldienste gekürzt. Jüngster Wurf der Planer ist das Vorhaben, den Krankentransport und Rettungsdienst zusammen zu streichen (Bericht in der Tageszeitung "Norran" hier und hier).

Und so landete auch Malå mit auf der Streichliste des Landstinges. Allerdings hatte man dort die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn in Malå ist nun der Protestgeist erwacht. Auch hier hat sich - unter der Federführung der Företagarna (Unternehmervereinigung) - spontan eine Initiative gegründet. Diese hatte am Samstag zur ersten Kundgebung und Demonstration auf dem Marktplatz eingeladen. Rund 500 Teilnehmer versammelten sich dort, um ihrem Unmut Luft zu machen. Ein sehr gutes Resultat bei knapp 3.500 Einwohnern in der Kommune. Die meisten der Teilnehmer unterzeichneten eine Protestpetition. Wir waren für Sie vor Ort und haben einige Eindrücke eingefangen.

-> Hier gehts zur Galerie „Rädda ambulansen i Malå - 22.10.2011“

-> Klick här så kommer du till bildspelet „Rädda ambulansen i Malå 22/10-2011“

-> To the gallery „Rädda ambulansen i Malå 2011-10-11“



Rädda ambulansen i Malå
„Radio Västerbotten im Einsatz bei der Kundgebung“

Neu: Die Lappland-Edition

Immer wieder haben uns Anfragen erreicht. Nun ist es soweit:

Ab sofort gibt es die Lappland-Edition mit Original-Abzügen und Kunstdrucken von ausgesuchten Fotografien, die charakteristisch für Lappland sind.

Kurz: Original-Kunstwerken aus Lappland. Natürlich in limitierter Auflage und handsigniert.

An den Start gehen 4 Editionen mit hochwertigen Abzügen und Prints:

Landscape, Nature, Black/White und Simplicity.

Viel Freude beim Durchstöbern der Galerien.

Und bitte daran denken: Damit wir die Lieferung als Geschenk zu Weihnachten sicherstellen können, bitte bis Ende November bestellen!

Making Light II - Das Ebook zum fortgeschrittenen entfesselten Blitzen von Piet van den Eynde

Making Light II - Das Ebook zum fortgeschrittenen entfesselten Blitzen von Piet van den Eynde


Kürzlich hatte ich Band 1 von Piet van den Eyndes "Making Light" vorgestellt, in dem es um alle Grundlagen des entfesselten Blitzens ging.

Nun ist als Ergänzung gerade der zweite Band erschienen, in dem sich Piet fortgeschritteneren Techniken widmet.

Auf 77 Seiten erklärt Piet die Arbeit mit mehreren Blitzen, Modifiern, und einiges mehr. Auch der zweite Band wird wieder abgerundet mit 10 hochinteressanten Fallstudien.

Für alle Leser des ersten Bandes, die sich weiter in das entfesselte Blitzen vertiefen wollen, ist der zweite Band geradezu ein "must have".

Wie üblich gibt es das Ebook bei Craft & Vision als PDF und als iPad-App. Meine Empfehlung ist die ausdruckbare PDF-Version.

Der Preis - USD 5 - liegt wie immer auf günstigem Niveau und für die Leser des Lapplandblogs gibt es wieder eine Sonderaktion zum Buch:

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Und wenn Sie gleich mehrere PDF-Bücher kaufen wollen, erhalten Sie bei der Eingabe des Promotion Codes MAKINGLIGHT20 insgesamt 5 Bücher zum Preis von 4 (=20% Rabatt).

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Im Fokus: Fotograf Michael Kirchner

Michael "Omori" Kirchner lebt als Fotograf in Heidelberg und bloggt im FOTOGRAFR - Magazin für Fotografie.

Mit Michael verbindet mich etwas ganz besonderes, ist er doch in Heidelberg beheimatet und tätig. In der Stadt, in der ich meine Jugend verbracht habe. Also „Bühne frei“ für Michael, der neben seinem Händchen für erstklassige Fotos auch noch eine weitere grosse Stärke hat: Er ist ein sehr sympathischer Mensch und es macht ausgesprochen Freude, mit ihm zusammen zu arbeiten!


- Michael Kirchner -


-> Michael, wie bist Du zur Fotografie gekommen?


Als ich mit der Fotografie angefangen habe, hat es mir sehr geholfen, mich mit anderen Interessierten auszutauschen. Feedback und Diskussionen in einer Fotogruppe sind durch keine Internet-Community zu ersetzen. Sowohl in meiner Heimatstadt Hildesheim, als auch in Heidelberg, wo ich jetzt wohne, habe ich mich durch die Teilnahme an solchen Gruppen nicht nur fotografisch weitentwickeln können, sondern habe auch gute Freunde gefunden. Und ich bin Fotografen wie dem Heidelberger Fotokünstler Johannes Kornfeld sehr dankbar, weil er mich in seinem Atelier in die Grundzüge der Studiofotografie eingeweiht hat.

-> Auf was bist Du spezialisiert?

Auf der einen Seite biete ich People- und Werbefotografie für Firmen an, auf der anderen Seite Beauty- und Aktfotografie für Privatpersonen. Das verbindende Element ist, dass bei mir eigentlich (fast) immer Personen vor der Kamera stehen.

Im Fokus: Fotograf Michael Kirchner
- copyright Michael Kirchner -


-> Fotografieren für Dich: Job, Handwerk, innerlicher Bezug?

Fotografieren ist eine Leidenschaft. Wobei es mir nicht so sehr um den technischen Aspekt dabei geht, sondern um die Arbeit mit Menschen. Ich finde es spannend, mit Leuten zu arbeiten, die vielleicht das erste mal vor der Kamera stehen und ein wenig nervös sind. Oder mitzuerleben, wie ein Newcomer-Model von Shooting zu Shooting sicherer wird und an Selbstvertrauen gewinnt.

-> Dein grösstes fotografisches Vorbild, und warum?

Große Vorbilder habe ich eigentlich nicht. Es sind eher einzelne Eigenschaften, die mich an bestimmten Fotografen beeindrucken. Bei Jim Rakete ist es zum Beispiel die Art, bescheiden und unspektakulär, trotzdem aber mit Leidenschaft und Hingabe an seiner Fotografie zu arbeiten.

-> Was war Dein bestes, was Dein schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?

Gute Erlebnisse gibt es glücklicherweise recht viele. Wenn zum Beispiel ein brasilianischer Fußballspieler über das ganze Gesicht strahlt, weil ich im Studio extra für ihn brasilianische Sambamusik besorgt habe. Oder wenn mir eine Kundin stolz berichtet, wie gut ihrem Freund die Beautyfotos gefallen, die sie in meinen Studio gemacht hat.

Ein richtig schlimmes Erlebnis steht mir erst noch bevor. Manchmal male ich mir aus, was passiert, wenn nach einem unwiederholbaren Shooting die Speicherkarte nicht mehr lesbar ist oder alle Fotos unscharf oder sonstwie technisch nicht in Ordnung sind. Bisher ist aber alles gut gegangen.


-> Wen oder was würdest Du gerne einmal fotografieren und warum?

Da gibt es eigentlich keine konkreten Wünsche. Oder ich kann auch sagen: Es ist ganz gut so, wie es jetzt läuft. Besonders viel Spaß macht mir ein Shooting immer, wenn der Mensch vor der Kamera mit derselben Begeisterung an ein Shooting herangeht wie ich. Wenn er eigene Ideen einbringt und die Arbeit vor der Kamera genießt. Mein Ziel ist, in Zukunft noch mehr mit Leuten zu arbeiten, die eine grofle Kamerapräsenz haben, also zum Beispiel mit Schauspielern oder Musikern.

Im Fokus: Fotograf Michael Kirchner
- copyright Michael Kirchner -


-> Eine ganz persönliche Frage, die bestimmt viele Leser interessiert: Wofür steht eigentlich „omori“?

Der Name "Omori" ist ein japanischer Eigenname, den ich vor über 10 Jahren bei einem Aufenthalt in Tokyo aufgeschnappt habe. Seit dieser Zeit verwende ich ihn als Pseudonym und als Name für mein Fotostudio. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Kunden und Fotografenkollegen eher an den Namen "Omori" erinnern als an meinen bürgerlichen Namen, vielleicht weil er so ungewöhnlich klingt.


-> Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie? Wohin geht die Reise?

Im Amateurbereich gibt es bereits heute ein Inflation von Fotos. Durch die technische Entwicklung bei den Mobiltelefonen ist eine Kamera immer und überall verfügbar. Viele der so entstehenden Fotos werden aber nie als Foto gedruckt und landen als Datenleiche auf irgendeiner Festplatte. Vielleicht ist die Unzufriedenheit mit dieser Situation der Grund dafür, dass viele Amateure zurück zu Fine Art Print oder der analogen Fotografie finden.

In der Berufsfotografie reicht es heute nicht mehr, wie vielleicht vor einigen Jahren noch, sich über die Technik definieren. Technik und Know How stehen heutzutage jedem interessierten Laien zur Verfügung. Was sich aber nicht so leicht erwerben lässt, sind Erfahrung, Kreativität und die Fähigkeit, Menschen vor der Kamera so zu führen, dass eindrucksvolle Fotos entstehen. Daher werden gute Fotografen (wie beispielsweise Jim Rakete) immer gefragt sein.


-> Dein Tipp für alle, die sich fotografisch weiter entwickeln wollen?

Nicht einfach losgehen, eine Kamera dabei haben und hoffen, dass einem das richtige Motiv schon über den Weg laufen wird. Sondern mit einer ganz klaren Idee und einem Konzept beginnen und dieses dann umsetzen.


Michael, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast!

(Die Interviewfragen stellten Henning Wüst und Petra Fuelbert)

Winteranfang in Lappland: Shades in grey

Winteranfang in Lappland: Shades in grey
„Shades in grey“


Behind the scenes: Im Herbst verblühte Sommerblumen - jetzt in grau.

In Lappland sind wir Zentraleuropa (bzw. aus unserer Perspektive: Südeuropa) einen deutlichen Schritt voraus. Bewegt sich z. B. Deutschland gerade im Herbst, haben wir hier in der Nähe des Polarkreises bereits den ersten Schnee zu verzeichnen. Am Montag haben die Nachbarskinder sogar schon den ersten Schneemann gebaut. Höhe ca. 45 cm. Lebensdauer ca. 8 Stunden. Noch bleibt der Schnee nicht liegen, aber die Nachttemperaturen liegen mitunter schon bei um die minus 5 bis minus 10 Grad und die Dunkelheit kommt derzeit bereits gegen 18 Uhr.

Aus fotografischer Sicht wichtig und interessant: Die Farbpalette verändert sich und alles wir zunehmend grau. Lappland wird so langsam zu einer grossen Schwarz/Weiss-Fotografie.

Schwedischer Pragmatismus: Elchjagd vom Sofa aus

Schwedischer Pragmatismus: Elchjagd vom Sofa aus
„Elchjagd vom Sofa aus“


Behind the scenes: Die Jagd steht in Nordschweden hoch im Kurs. Allerdings weniger um des Vergnügens willen, als viel mehr um die Tiefkühltruhe zu füllen. Wir haben für ein Fachportal die ungewöhnlich pragmatische und unspektakuläre Herangehensweise der schwedischen Jäger fotografiert. 

Im Laufe des letzten Monats sind so eine Reportage und eine Serie mit ungewohnten Perspektiven der Jagd in Nordschweden entstanden. Das hier gezeigte Bild bringt den ruhigen Pragmatismus für meinen Geschmack am besten auf den Punkt:

Statt eines Hochsitzes oder eines unbequemen Dreibeines hatte sich einer der Jäger einen komfortablen Sessel mitgebracht, um sich dort auf den Ansitz zu begeben. Das ist schwedischer Pragmatismus.

Im Fokus: Fotograf Klaus Schroff

Es ist wieder an der Zeit, einen Fotograf in unserer Rubrik „Im Fokus“ vorzustellen. In dieser Folge interviewen wir Klaus Schroff, der am schönen Bodensee sein Studio hat.

Klaus Schroff beschäftigt sich nun schon seit über 25 Jahren mit der Fotografie in den verschiedensten Bereichen. Seit über 10 Jahren liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit in der sensiblen Fotografie von und mit Menschen.

Das Zusammenspiel zwischen Akteur und dem Fotografen, sowie dessen Einfühlungsvermögen sind der Schlüssel zum Einfangen wichtiger und einmaliger Momente. Landschafts-, Detailaufnahmen und kreative Bildbearbeitungen mit durchaus unkonventionellen Sichtweisen komplettieren das breite Spektrum seiner Arbeit.

Ausstellungen:

2006 Gemeinschaftsausstellung mit anderen Fotografen über die Basilika in Rankweil (A)
2010 Einzelausstellung “Gesichter der Mettnau” in Radolfzell (D) mit Landschaftsimpressionen der Halbinsel Mettnau
2010 Einzelausstellung „Musik was my first Love“ in Konstanz (D) mit musikalischen Fotografien
2011 Einzelausstellung "Fotos mal anders" in Singen (D) mit kreativen Bildbearbeitungen

Wer durch das Interview und die Bilder neugierig wird, findet mehr Bilder und Informationen hier:

- Schroffe-Bilder
- Hochzeitsfotograf am Bodensee
- Klaus Schroff auf Facebook

Im Fokus: Fotograf Klaus Schroff
- Klaus Schroff -

-> Klaus, wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Über meinen Vater. Schon von klein auf habe ich meine Umwelt genau wie er mit der Kamera erkundet und dokumentiert. An der Faszination daran hat sich bis heute nicht geändert.

-> Auf was bist Du spezialisiert?

Auf die sensible Fotografie von und mit Menschen. Dieses Thema ist unglaublich vielschichtig. Jeder Mensch ist anders und möchte das natürlich auch auf dem Foto sein.
Es macht einfach Spass, sich dieser Herausforderung bei jedem Shooting zu stellen. Der "gute Draht" zwischen Akteur und Fotograf ist für mich dabei sehr wichtig für ein gutes Bild - sei es Hochzeit, Konzert oder Portrait. 


-> Fotografieren für Dich: Job, Handwerk, innerlicher Bezug?

Ein Job der handwerkliches Arbeiten und innerlichen Bezug erfordert. Fotografieren ist für mich der perfekte Mix zwischen Emotion, Aufregung, Adrenalin, Erholung und Entspannung. 

Fotograf Klaus Schroff
- copyright Klaus Schroff -


-> Dein grösstes fotografisches Vorbild, und warum?

Hmm, ich habe eigentlich gar kein spezielles Vorbild. Ich hatte noch nie das Bedürfnis, den Stil von einem anderen Fotografen zu kopieren, das Bild auf diese Art gibt es ja schon. Eine ander Sicht der Dinge gibt es geben nur aus einer anderen Sicht auf das Motiv. Ich schaue mir aber immer gerne Fotos an und nehme  so natürlich viele Inspirationen auf.

-> Was war Dein bestes, was Dein schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?

Das Beste ist jedesmal wenn der Kunde bei den Bildern lächelt und sagt: "ja, das bin ich".
Das Schlimmste ist versagende Technik.


-> Wen oder was würdest Du gerne einmal fotografieren und warum?

Eine Idee die schon lange in mir brodelt ist ein Buchprojekt mit geistig und körperlich behinderten Menschen bei ihrem Spass am und mit dem Leben. 

-> Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie? Wohin geht die Reise?

Prognosen sind immer etwas schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. :) 

Eigentlich sehe ich die Zukunft der Fotografie sehr entspannt. Die technische Entwicklung ist eher eine Konsumentwicklung. Höher, schneller, weiter. Es ist hip geworden, eine Kamera zu haben und noch hipper, sie gleich durch das Nachfolgemodell auszutauschen.

Trotz der unglaublichen Menge der Auslösungen jeden Tag hat sich die Menge der "guten" Fotos auf der Welt nicht wirklich signifikant erhöht.

Ein Fotograf konnte gestern ein gutes Bild machen, kann es heute und wird es morgen auch können. Fernab jedes Technikhypes und ganz egal mit was für einem Gerät. Außerdem merke ich bei meinen Kunden, dass der Wunsch nach Fotos, die auch im Kopf bleiben durch die große Menge der Knipsbilder eher größer statt kleiner wird - und das ist  ja eine wünschenswerte Entwicklung.


-> Dein Tipp für alle, die sich fotografisch weiter entwickeln wollen?

Mache das was Dir gefällt, stehe zu einer Arbeit, beschränke Dich auf das Wesentliche, näher ran. Eine neue Kamera macht keine besseren Bilder. Und natürlich üben, üben, üben.

Klaus, danke dass Du Dir die Zeit genommen hast!

(Die Interviewfragen stellten Henning Wüst und Petra Fuelbert)


Fotograf Klaus Schroff
- copyright Klaus Schroff -

Kanelbullens dag - Tag der Zimtschnecke [Update: Jetzt mit Rezept]

Kanelbullens dag - Tag der Zimtschnecke [Update 5.10.2011: Jetzt mit Rezept]



„Kanelbullens dag - Fotografiert bei Dungers in Malå“



Behind the scenes: Andere Länder, andere Sitten, andere Gedenk- und Aktionstage

Die Gedenk- und Feiertage eines Landes geben tiefe und wertvolle kulturelle Einblicke. Beging Deutschland gestern den Nationaltag, feiert Schweden heute den "Kanelbullens dag", den "Tag der Zimtschnecke" (Kanel = Zimt, Bullar = Kringel). Wahrscheinlich ist das Phänomen leicht dadurch erklärbar, dass der süsse Kringel ein wichtiger Bestandteil der schwedischen Fikakultur ist.

Erfunden hat den Gedenktag der "Hembakningsråd" ("Heimbackvereinigung") und seit 1999 wird - stets am 4. Oktober - die Zimtschnecke gefeiert. Es gibt dafür auch eine eigens eingerichtete Webseite.

Wie wird der Tag begangen? Natürlich mit Kanelbullar! Und natürlich am besten mit selbst gebackenen. Wer das zeitlich nicht schafft, kann am 4. Oktober landesweit auf ein grosses Angebot zurückgreifen. Und viele Cafés bieten an diesem Tag Kaffee mit Kanelbullar zum Sonderpreis an.

Nachtrag / Update 5.10.2011:

Auf Wunsch vieler Leser verrate ich hier unser praxiserprobtes Rezept für Kanelbullar nach echter schwedischer Art. Die Angaben beziehen sich auf ca. 20 Bullar.

Zutaten für den Teig
1 Halbes Päckchen frische Hefe
50 gr. Butter
300 ml Milch
100 gr. Zucker
1 Prise Salz
500 gr. Mehl

Zutaten für die Füllung
50 gr. Butter
2 Teelöffel Zimt
100 gr. Zucker

Zutaten für die Glasur
1 Ei
Hagelzucker
Gehobelte Mandeln

Zubereitung
Hefe in eine Schüssel bröckeln. Butter schmelzen (Mikrowelle oder Herd) und in die Schüssel geben. Milch (am besten leicht angewärmt, handwarm, ca. 35 Grad) zugeben. Rühren, bis sich die Hefe aufgelöst hat.

Dann Zucker, Salz und Mehl zugeben. Gut durchkneten (am besten mit Küchenmaschine), bis der Teig geschmeidig wird. Dann ca. 30 Minuten gehen lassen.

Butter für die Füllung schmelzen (Mikrowelle oder Herd); dann mit Zucker und Zimt vermischen.

Ofen auf ca. 225 Grad vorheizen.

Teig nochmals von Hand durchkneten und möglichst rechteckig ausrollen; ggf. Teig aufteilen. Füllung auf den Teig streichen und Teig von der langen Seite her aufrollen. Rolle dann in ca. 2 cm breite Stücke schneiden. Röllchen mit der Schnittkante nach unten auf Backpapier legen und nochmals ca 15 Minuten gehen lassen. Dann mit aufgeschlagenem Ei bepinseln und mit Hagelzucker und/oder gehobelten Mandeln bestreuen. Dann ca. 10-12 Minuten bei ca. 225 Grad ausbacken.

Vor dem Verzehr gut abkühlen lassen :)

Fjäll: Laisaliden - Tärnaby - Hemavan

Fjäll: Laisaliden - Tärnaby - Hemavan
„Fjäll Herbst 2011“


Die vergangenen Tage waren wieder einmal mit grösseren Reisen gefüllt. Eines der Highlights waren zwei Tage im Fjäll. Hinter dem schwedischen Wort Fjäll verbergen sich die Skandinavischen Gebirge.

Unter Schweden wird das Fjäll zu allen Jahreszeiten hoch geschätzt. Insbesondere das Gebirge rund um Tärnaby und Hemavan ist eine äusserst gut besuchte Gegend, und im Winter ist das Gebiet eines der beliebtesten Wintersportgebiete in Schweden. Aus Tärnaby stammen z. B. die weltbekannten Skiläufer Ingemar Stenmark, Stig Strand, Jens Byggmark und Anja Pärson; in Hemavan beginnt bzw. endet der bekannte Kungsleden, ein Fernwanderweg, der auf zwei Streckenabschnitten durch Lappland führt.

Mich hatte es nach Laisaliden verschlagen, was zwischen Tärnaby und Hemavan liegt.

Leider hat das Wetter sich nicht von der besten Seite gezeigt und die fotografische Arbeit wieder zu einer echten Herausforderung gemacht. Denn im Fjäll ist das Wetter einerseits sehr unbeständig und in concreto wechselten sich bei kräftigem Sturmwind Platzregen und einige wenige Sonnenstrahlen ab. Ständig wechselnde Lichtverhältnisse und Feuchtigkeit (besser: Wasser) überall.

Ein paar Aufnahmen vom Location-Scouting darf ich hier zeigen und allen Besuchern in Lappland kann ich die Gegend nur wärmstens ans Herz legen. Am besten ausserhalb der Hauptsaison.

-> Hier gehts zur Galerie „Laisaliden - Tärnaby - Hemavan“

-> Klick här så kommer du till bildspelet „Laisaliden - Tärnaby - Hemavan“

-> To the gallery „Laisaliden - Tärnaby - Hemavan“


Fjäll: Laisaliden - Tärnaby - Hemavan
„Fjäll Herbst 2011“

Autumn leaves - Preparing the runway for the winter

Autumn leaves - Preparing the runway for the winter
„Autumn leaves“

Herbst. Jahreszeit der Farben. Und herbstliche Melancholie. 

Farbenprächtige Blättermeere laden zu einem Vollbad ein.

Einfach eintauchen.

Das Bodenpersonal in Lappland bereitet unterdessen die Landebahn für den Winter vor.
Hoffentlich verzögert sich die Landung so lange wie möglich.

Musikempfehlung dazu: Autumn leaves in der Version von Eric Clapton aus seinem 2010er Album.

The Inspired Eye III von David DuChemin

The Inspired Eye III von David DuChemin
Ebook, erschienen bei Craft & Vision

The Inspired Eye III von David DuChemin


Eine Rezension

Gerade ist ein neues Ebook "The Inspired Eye III" von David DuChemin erschienen. Das Buch ist ein kreativer Kick für alle, die sich mit Fotografie befassen.


Keine Frage, ich schätze David und mag seinen Stil sehr. Mit diesem Buch hat er sich nun selbst übertroffen. Es geht um den kreativen Prozess. Und David gibt dem Leser einen kräftigen kreativen Kick. Um es etwas deutlicher zu sagen (man verzeihe mir bitte die Ausdrucksweise): Es geht um einen kräftigen Tritt in den Hintern. Das kann weh tun. Ist aber in diesem Falle sehr heilsam.

Wir alle kennen die Symptome: Wir reden gerne viel über Fotografie. Wir reden gerne über alle möglichen technischen Fragen, usw. Aber das reicht eben bei weitem nicht.
Wir blicken oft ehrfürchtig zu den "Grossen Meistern", die ja ach so viel Talent haben und denen alles so leicht fällt. Das stimmt nicht.  

David räumt in seinem neuesten Buch über den kreativen Prozess radikal mit diesen Mythen auf und kommt deutlich auf den Punkt. Der Inhalt des Buches ist das Destillat aus einem langen inneren Prozess. 

David schreibt darüber, wie der kreative Prozess am Laufen gehalten wird. Er stellt klar heraus, dass es in erster Linie um harte Arbeit geht. Nicht die Anzahl der "fluffig-künstlerischen" Ideen - über die wir oft so gerne philosophieren und tagträumen - ist entscheidend, sondern eine Idee anzupacken und bis zum Ende umzusetzen. Das zeichnet den erfolgreichen Künstler (und überhaupt die allermeisten erfolgreichen Menschen) aus. Viele schöne Ideen zu haben ist einfach. Eine Idee umzusetzen, ist Kunst. 

Letztlich ist es wir mit dem Sport: Es geht um hartes Training und harte, ausdauernde Arbeit. Aus Diskussionen, dem Zusehen und Lesen von Fachartikeln allein, wachsen keine Muskeln. Mit der Kreativität ist es nicht anders.

David ist schonungslos offen und kritisch in seiner Darstellung und verwendet sehr anschauliche Bilder und Vergleiche. Z. B. der Vergleich des Fotografen mit dem Schriftsteller. Der Schriftsteller muss anfangen zu schreiben, zu verwerfen, zu schreiben, zu verfeinern, usw. Dem Fotografen kommt die digitale Technik dabei sehr zustatten. Das Experimentieren und die Annäherung an "das" Bild ist heutzutage viel einfacher geworden. Plastisch nachvollziehbar stellt David das anhand einer Serie von 12 "Skizzenaufnahmen" vom ersten Scouting bis zum fertigen Bild dar. 

Mit aussagekräftigen Zitaten untermauert David den Gang durch den kreativen Prozess. Mein Tipp: Ausdrucken und als "Wakeup-Calls" an die Wand hängen.

Im Laufe der Lektüre wird es immer klarer und deutlicher: Es geht schlichtweg um harte und beständige Arbeit. Die Begriffe "Talent" und "Begabung" werden i.d.R. völlig überstrapaziert. Im Gegenteil: Der wirklich Talentierte muss nur umso härter arbeiten, um sein volles Potenzial ausschöpfen zu können.

Auch die psychologische Seite kommt nicht zu kurz. Ist es doch oft schlicht und ergreifend Angst, die uns von der kreativen Arbeit abhält. Denn was wäre, wenn niemand unsere Bilder mag? Die Lösung ist einfach: Meistens sollten wir das, wovor wir die meiste Angst haben, zuerst in Angriff nehmen. Just do it.

Kann ich dieses Buch empfehlen? Vorbehaltlos. Es ist extrem herausfordernd, wenn sich der Leser auf den Inhalt einlässt. Aber die Belohnung entschädigt reichlich.

Prädikat: Äusserst empfehlenswert - "must read".

Das Ebook gibt es - wie bei Craft & Vision üblich - als PDF und als iPad-App. Meine Empfehlung ist die ausdruckbare PDF-Version für die auch einen Einführungsrabatt gibt.
Der Preis - USD 5 - liegt wie immer auf günstigem Niveau.


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-> Hier geht es zu Craft & Vision. Dort ist die Neuerscheinung exklusiv erhältlich.

The Inspired Eye III von David DuChemin

Honey and zero

Herbst. Nachtfröste in Lappland. Honigfarbene Sonnenstrahlen durchdringen den Wald und schaffen sich ihre eigenen kleinen Bühnen.

Herbstfarben in Lappland



Herbstfarben in Lappland



Herbstfarben in Lappland


Svamp 2011 - Jahr der Pilze in Lappland

„Svamp“ ist Schwedisch und bedeutet „Pilz“. 2011 ist das Jahr der Pilze in Lappland.


Fliegenpilz in Lappland
„Red Ball“


In Sachen Vegetation hat jedes Jahr in Lappland seine Besonderheiten. So war 2010 z. B. ein Jahr der Beeren. Es gab massenhaft Hjortron, Blaubeeren und Preiselbeeren. Mit Beeren sieht es heuer äusserst mager aus. 

Pilze in Lappland
„Gruppenbild“


Dafür spriessen dieses Jahr geradezu überall alle Arten von Pilzen aus dem Boden. Darunter echte kulinarische Kostbarkeiten, wie der Karljohan (Stensopp, Steinpilz) oder gar der auch unter Schweden heiss begehrte Kantarell (Pfifferling), über dessen Ernte ich gerade eine Reportage mache.

Generell ist das Pilzesammeln in Schweden nicht so verbreitet. Nur der Kantarell bildet eine Ausnahme. Zu seinen Vorkommen - vornehmlich im Fjäll - pilgern ganze Scharen von Menschen, und entlang unscheinbarer Schotterpisten parken oft dutzende Autos von Pilzjägern am Strassenrand. 

Die hier im Bild festgehaltenen Exemplare sind übrigens nur optisch faszinierend und nicht zum Verzehr geeignet (es könnte ansonsten ein einmaliges Vergnügen werden). 

Ufo Pilze
„Ufo-Pilze“

Fredagsmys

Der Freitagabend ist in Schweden geradezu "heilig". Er ist der Familie und guten Freunden gewidmet.
Seit einigen Jahren hat sich ein modernes Ritual herausgebildet: Die
Fredagsmys

Fredagsmys?


"Fredag" steht für Freitag und "mysa" bedeutet "es gemütlich haben". 

Freitags legt sich ab ca. 18 Uhr eine ausgeprägte Ruhe über Schweden. Das Verkehrsaufkommen geht deutlich zurück und auf den Strassen wird es still. Die Häuser sind erleuchtet. Schweden macht es sich kollektiv gemütlich.  
Die Fredagsmys schlägt wieder zu. Am späten Freitagnachmittag klingt die Arbeitswoche aus und die Familie oder gute Freunde sammeln sich, um den Beginn des Wochenendes zu zelebrieren. Das Ritual ist eingebettet in gutes Essen (oft Fertiggerichte), Süssigkeiten, Knabbereien und (oft alkoholische) Getränke. Auch der Fernseher (bzw. DVD-Player) spielt eine grosse Rolle. 

Sogar Forscher haben die Fredagsmys schon unter die Lupe genommen und dabei heraus gefunden, dass das Phänomen zum Ausklang der Arbeitswoche stresslindernd wirkt. 

Die Wirtschaft freut sich. Viele Fertiggerichte und allerlei ungesunde Dinge werden speziell mit der Eignung für den "besonderen" Freitagabend beworben. Und im Systembolaget, der staatlichen Kette, die zum Verkauf von alkoholischen Getränken befugt ist, herrscht am Freitag ab ca. 12 Uhr Hochbetrieb.

Auch in den sozialen Medien spiegelt sich die Fredagsmys deutlich wieder. Die Statusmeldungen werden entspannter und handeln dann um Essen, Getränke und Filmempfehlungen. Es gibt sogar eigens eine Fanpage auf Facebook "Vi som älskar Fredagsmys" ("Wir, die wie die Fredagsmys lieben").

Hier haben bereits knapp 350.000 Menschen auf "Gefällt mir!" geklickt. Das entspricht in etwas 2% der schwedischen Bevölkerung. Interessant ist eine Umfrage, die auf der Facebook-Seite unter den Fans durchgeführt wurde. Bei der Frage, was  die Fredagsmys für den Einzelnen bedeutet, steht an erster Stelle die Entspannung, gefolgt von Gemeinschaft / Gesellschaft und dem guten Abendessen.

Zu guter Letzt noch ein Tipp für alle Aus- und Einwanderer: Besuchen Sie NIEMALS ungefragt und/oder ohne ausdrückliche Einladung "echte" Schweden an einem Freitag nach der Mittagszeit. Das wird als ungehöriger Eingriff in die Familie aufgefasst. 

Skandal wegen gefälschter Fotos in Schweden

Nun hat auch Schweden einen handfesten Skandal wegen gefälschter Fotos bei einem Fotowettbewerb. Der in Schweden tätige Naturfotogfraf Terje Hellesø hatte beim 20. Fotowettbewerb des schwedischen Naturvårdsverket (Amt für Natur- und Umweltschutz) mehrere mit Photoshop manipulierte Fotos eingereicht und dadurch den ersten Preis gewonnen.

Eine der gefälschten Aufnahmen des Preisträgers Terje Hellesjø
„Eine der gefälschten Aufnahmen des Preisträgers Terje Hellesjø“
Foto: Terje Hellesø / Naturvårdsverket 


Seit 20 Jahren veranstaltet das schwedische Naturvårdsverket (Amt für Natur- und Umweltschutz) einen Fotowettbwerb, bei dem die besten Naturaufnahmen prämiert werden. Der Wettbewerb ist in Schweden sehr populär und geniesst grosses mediales Interesse.

In der 2010er Wettbewerbsrunde gewann der in Schweden tätige Berufsfotograf Terje Hellesø (gebürtiger Norweger) mit einigen auf den ersten Blick spektakulären Aufnahmen. Der mit 15.000 SKR dotierte Preis war Hellesø  im Mai 2011 verliehen worden. Der Preisträger erhält zudem eine Ausstellung im Naturhistorischen Museum in Stockholm.

Nach der Preisverleihung kamen allerdings Zweifel auf. Gunnar Glöersen, Mitarbeiter beim schwedischen Jägerverbund (Jägareförbundet) wies im Blog des Jägerverbundes als erster darauf hin, dass der prämierte Fotograf unglaublich viele seltene Raumtiere in sehr kurzer Zeit in der freien Wildbahn fotografiert haben will.

Eine bekannte schwedische Fotoseite griff das Thema auf. Binnen kurzer Zeit kamen dort mehrere hundert Kommentare zusammen und die Aufnahmen des Preisträgers wurden von einer grossen fotografischen Öffentlichkeit kritisch unter die Lupe genommen. Es dauerte nicht lange bis entdeckt wurde, dass einige der Tiere aus den prämierten Aufnahmen als freigestellte Objekte in Bildbanken im Internet frei verfügbar waren. 

Schliesslich kommentierte auch Preisträger Hellesø den Vorgang. Er habe alle getäuscht (einschliesslich seiner eigenen Familie; dazu sogleich mehr) und bitte um Verzeihung.

Die Geschichte zieht nun Kreise in verschiedene Richtungen.

- Zum einen ist die fotografische Community in Schweden in einer Art Schockzustand. Dass ein schwedischer Fotograf ein solches Vorgehen an den Tag legen könnte, war bislang schlicht undenkbar.

- Das zeigt sich u.a. auch darin, dass in den Wettbewerbsstatuten keine Regelungen zu Täuschungsversuchen enthalten sind. Auch eine Regelung, die Wettbewerbsteilnehmer zur Vorlage von RAW-Dateien verpflichtet, ist nicht vorgesehen. Deswegen darf Hellesø die Auszeichnung erst einmal behalten, bis die Juristen des Naturvårdsverkets die Rechtslage geklärt haben. Nicht zuletzt durch die Mängel in den Statuten des Wettbewerbes ist der Ruf des bislang angesehenen Wettbewerbes nun nachhaltig beschädigt

- Tragisch ist auch die familiäre Seite. In einem Interview des schwedischen Rundfunks hat die Ehefrau des Preisträger, Malin Hellesø - ebenfalls Fotografin - angegeben, dass sie selbst auch getäuscht worden sei. Ihr sei die Täuschung erst bekannt geworden, als ihr Mann ihr dies einige Zeit nach der Preisverleihung gebeichtet habe. 

- Im Verband der schwedischen Naturfotografen läuft derzeit die Debatte über einen Ausschluss Hellesøs aus der Vereinigung. Der Verband hat nämlich klare Regelungen dazu, dass derartige Bildmanipulationen unzulässig und unethisch sind.

- Zu guter Letzt droht dem Preisträger nun schliesslich auch handfester juristischer Ärger: Gegen Hellesø wurde mittlerweile eine Strafanzeige wegen Betruges gestellt. Denn wegen der gefälschten Bilder wurde eine grössere Summe öffentlicher Mittel verschwendet, weil Experten im Auftrag der Naturschutzbehörde auf die Suche nach den fotografierten seltenen Tieren gegangen waren. 

Über Pilze und Inspiration in der Fotografie

Über Pilze und Inspiration in der Fotografie
„Ein Baumpilz - Inspiration aus der Natur“


Behind the scenes: Herbstzeit ist Pilzzeit in Lappland. Neben des verschiedenen essbaren Varianten gibt es auch die weniger verträglichen Arten. Die zeichnen sich aber sehr häufig durch besondere Schönheit aus. So wie dieser Baumpilz, der durch Form und Farbe besticht. 

Was uns zur Frage nach der Inspiration führt. Jeder Fotograf - überhaupt jeder Künstler und Kreative - hat seine ganz eigenen und individuellen Inspirationsquellen. Wenn es mich nach Inspiration hungert, gehe ich meistens auf ausgedehnte Outdoor-Touren. Gestern waren es so um die 30 Km auf gebahnten und ungebahnten Wegen quer durch die Natur (was gleichzeitig auch ein gutes Training für die bevorstehende Wintersaison ist). Farben, Formen, Geräusche und tiefe Stille. Für mich die beste Quelle für Inspiration.  

Drei Gedanken zum 1. September

Richtig klassische Glühbirnen - Geschätzt aus den 50-er Jahren
„Richtig klassische Glühbirnen“


Drei Gedanken zum 1. September


Ein denkwürdiges Datum. Aus verschiedenen Gründen.

Ad 1: Good-Bye Lightball, Good-Bye Heatball...

Eine weitere Ära geht zu Ende: Am 1. September geht das von der EU verfügte Aus für "klassische" Glühbirnen in die nächste und vorletzte Runde. Denn nun dürfen Glühbirnen ab 60 Watt innerhalb der EU weder hergestellt noch in diese importiert werden. Nur die vorhandenen Lagerbestände dürfen noch abverkauft werden. 

Merkwürdigerweise fällt das übrigens zeitlich mit drastischen Preiserhöhungen bei den Energiesparlampen zusammen. 

Nachdem auch das alternative "Heatball-Konzept" zu scheitern scheint sei allen Liebhabern klassischer Glühbirnen ein Urlaub in Lappland ans Herz gelegt. In den hiesigen Elektrofachmärken, Geschäften und Supermärkten befinden sich nach subjektivem Empfinden noch Lagerbestände, die einige Jahre weit reichen dürften. Und wer Glück hat, kann auch richtig alte Raritäten auf dem Speicher oder auf dem Flohmarkt (Loppis) ergattern.


Fliegenpilz in Lappland
„Herbstbote: Fliegenpilz“


Ad 2: Jahreszeiten - Der Zeiger rückt weiter

Der 1. September markiert in Nordschweden klassischerweise den ersten meteorologischen Herbsttag. Die meteorologische Definition dafür lautet: "Der Herbst ist in einem bestimmten Gebiet angekommen, wenn die Tagesmitteltemperatur an fünf aufeinander folgenden Tagen unter 10 Grad C liegt."

Das Schwedische Meteorologische Institut (vergleichbar mit dem amtlichen Wetterdienst) hat dazu eine täglich aktualisierte Karte, auf der die Ausbreitung des Herbstes visualisiert ist. So wie es aussieht, ist er zumindest bei uns bereits gelandet.


Ad 3: Zuletzt noch eine spannende fotografische Neuigkeit

Heute hat Fuji offiziell die kleine Schwester der bereits jetzt geradezu legendären X100 vorgestellt. Sie hört auf den Namen X10, bietet einen 2/3-Zoll Sensor, ein 28-105 mm Zoom (KB-Äquivalent) mit ordentlicher Lichtstärke und einen optischen Sucher.

Die Pressemeldung klingt sehr gut und macht sehr neugierig. Liebe Leute bei Fuji: Schickt doch mal eine X10 zum Test rüber! 

Featured: Detroit Photographer Rosh Sillars

Heute eine Empfehlung für alle Leser, die sich auch im amerikanischen Raum tummeln. Vor einigen Tagen bin ich auf die Webseite und das Portfolio von Rosh Sillars aufmerksam geworden: Detroit Photographer - www.rosh.com.

Rosh ist als People-Fotograf in Detroit / Michigan beheimatet. Mit Detroit bin ich persönlich sehr verbunden, weil ich einige liebe Freunde und Bekannte dort habe. Als ich vergangene Woche für einen meiner Bekannten einen Fotografen vor Ort gesucht habe, bin ich auf Rosh gestossen.

Sein Portfolio hat mich spontan begeistert: Er versteht es, auf natürlich Weise Menschen in ihrer Umgebung zu fotografieren. Und ausserdem teilt er bereitwillig sein Wissen als Fotograf und Experte für Soziale Medien in Workshops, Vorträgen und Podcasts. Unbedingt mal dort vorbeischauen!

Taxi bitte! - Lappländische Familiengeschichten

Symbiose zwischen Hund und Frosch oder Kröte
„Taxi bitte! - Symbiose in der Natur“


Behind the scenes: Heute aus dem lapplädischen Familienleben.

Aber zuerst die Vorgeschichte. Wer bei schönem Wetter schon einmal den Landeanflug auf einen der Flugplätze im Inland von Västerbotten oder Norrbotten erlebt hat, weiss es aus eigener Anschauung: Die Oberfläche Lapplands besteht zu einem ziemlich grossen Teil aus Wasser. 

Das hat verschiedene Folgen. Eine davon ist die manchmal auftretende Schnakenplage im Sommer. Eine andere - weniger bekannte - sind Frösche und Kröten. In manchen Jahren quakt und hüpft es einfach überall. Der regenreiche Frühling und Vorsommer haben das in diesem Jahr zusätzlich begünstigt. Ab Juli schlüpfen die Kleinen Frösche und Kröten. Ein wahrer Augenschmaus.

An einem der letzten richtig heissen Tage (vor ca. 3 Wochen) waren wir  an einer entlegenen Stelle (sehr schöner Sandstrand) am Vindelälven unterwegs. Ein wahrer Traum, besonders auch für die Vierpfoter. Die Hunde haben mit Hingabe im Sand gebuddelt und sich gewälzt. Und hier hat sich die im Bild festgehaltene "Symbiose" ergeben. 

Wieder auf dem Rückweg ist Frau Lapplandblog das neu gegründete Taxiunternehmen ins Auge gefallen. Ein kleiner Frosch (oder eine Kröte?) hatte sich offensichtlich für eine Innovation bei der Fortbewegung entschieden. Statt selbst zu hüpfen (anstrengend!) thronte er (oder sie) auf dem Rücken unserer Hündin und liess sich den Fahrtwind um den Kopf wehen. Zufall oder gewollt? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall ein interessantes und schönes Erlebnis. Und keine Sorge: Wir haben den kleinen Hüpfer an einer fechten Stelle wieder behutsam ins Gras gesetzt.

Naturreservat Storforsen in Norrbotten / Lappland

Naturreservat Storforsen in Norrbotten / Lappland
„Blick vom Storforsen - am Horizont das gleichnamige Hotel“


Heute wieder ein touristischer Geheimtipp für alle Lappland-Urlauber und Besucher. Ca. 40 Km nordwestlich von Älvsbyn (Norrbotten) befindet sich eine besondere Sehenswürdigkeit: Storforsen.

Was verbirgt sich hinter dem Namen? „Fors“ auf Schwedisch bedeutet „Stromschnellen“, „Stor“ bedeutet „Gross“. Über die „grossen Stromschnellen“ fliesst ein Nebenfluss des Piteälven (einer der Nationalflüsse Schwedens).

Storforsen ist der grösste naturbelassene Stromschnellenabschnitt Europas. Das gesamte Gebiet der Stromschnellen ist ein Naturreservat.

Der Storforsen überwindet auf eine Länge von 5 Kilometern einen Höhenunterschied von 82 Metern. Besonders sehenswert ist der letzte Abschnitt, auf den auch der grösste Höhenunterschied (von ca. 60 Metern) entfällt. Das Wasservolumen ist beeindruckend: Bis zu 1024 Kubikmeter Wasser fliessen pro Sekunde über die Stromschnellen. Der Durchschnittswert im Jahresmittel liegt bei 162 Kubikmetern.

Für Besucher gibt es mehrere ausgebaute Pfade, die bis zum letzten Abschnitt hinauf führen. Besonders löblich ist, dass auch Rollstuhlfahrer viele Pfade nutzen können.

Am Fusse des Storforsen liegt das gleichnamige Hotel. Viele der Zimmer und Konferenzräume haben einen wunderbaren Ausblick auf die Stromschnellen. Besonders beliebt für Hochzeiten ist die Kapelle neben dem Hotel. Sie ist auf den Storforsen ausgerichtet. Hinter dem Altar befindet sich ein überdimensionales Fenster mit Blick auf die Stromschnellen, was eine sehr besondere Atmoshäre für Trauungen schafft.

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Im Test: NoiseControl für MacOS X von ThePlugin Site

Im Test: NoiseControl für MacOS X von ThePlugin Site

Einleitung

Vergangene Woche, genauer am 16., flatterte eine Pressemeldung von ThePlugin Site ins Haus. NoiseControl, das neueste Plugin aus der Serie „PhotoWiz“ liegt jetzt auch für MacOS X vor.

Regelmässige Blogleser wissen es bereits. Ich bin ein grosser Fan der unter dem Namen „PhotoWiz“ vertriebenen Photoshop-Plugins der kleinen deutschen Softwareschmiede ThePlugin Site aus Nürnberg. Und die Pressemeldung zu NoiseControl hat natürlich sofort mein Interesse erweckt.

B/W-Styler, Contrast Master und Color Washer aus der Serie „PhotoWiz“ haben wir früher bereits getestet.

Hinweis: Screenshots und illustrative Beispiele zum Test von NoiseControl finden sich in der Galerie zum Testbericht (neues Fenster).

Eine Demoversion des Plugins kann hier beim Hersteller angefordert werden.


Stichwort: Entrauschen digitaler Bilder

Das neue Plugin NoiseControl widmet sich - wie schon der Name verrät - der Noise Reduction, auf gut Deutsch: dem Entrauschen von digitalen Bildern.

Bevor es in den ausführlichen Test geht, einige Vorbemerkungen zum Verständnis.

Moderne DSLRs haben - verglichen mit früheren Digitalkameragenerationen - von Haus aus ein sehr gutes Rauschverhalten. Waren ISO 1600 bei der guten alten D1H (oder ISO 800 bei der D1X) eine wirklich grosse Herausforderung, sind heute ISO 6400 mit der D3 ganz gut zu hantieren.

Viele kostenbewusste Anwender, insbesondere jene, die ihr Geld mit Fotos verdienen und die nicht regelmässig und häufig auf hohe ISO-Werte zurückgreifen müssen, setzen aber ot noch ältere Kameras ein. Warum auch wechseln, wenn ein Kamerawechsel ausser Kosten keine Resultate einbringt?

Zum anderen gibt es - kommerziell wie nicht-kommerziell - aus verschiedenen Gründen immer wieder Aufnahmen, die mit kleinem Sensor gemacht werden. Dort schlägt das Rauschen bei höheren ISO-Werten dann in aller Regel richtig zu.

Schliesslich gibt es die Gruppe der „Pixel-Peeper“, bei denen immer alles in 100%-Ansicht perfekt sein muss. Mit den Jahren habe ich mich in dieser Hinsicht stark verändert. Am „pixel peeping“ habe ich keine Freude mehr. Pragmatismus lautet die Devise.

Für mich ist mittlerweile der intendierte Verwendungszweck der Aufnahmen entscheidend. Bilder für den hochauflösenden Druck müssen selbstverständlich hochoptimiert sein. Schon für die Tageszeitung kann und darf der Nachbearbeitungsaufwand aber viel geringer sein. Trotzdem ist bei bestimmten Verwendungsarten das saubere Entrauschen Pflicht.


Entrauschen und der Workflow

Das Entrauschen hat auch viel mit dem Workflow zu tun. Wenn nicht gerade Zeitdruck herrscht, arbeite ich häufig mit RAW. Im RAW-Workflow verwende ich Bibble. Meiner Meinung nach der beste (und vor allem auch der schnellste) RAW-Konverter auf dem Markt. In Bibble ist standardmässig die Basisversion von Noise Ninja integriert. Für die normalen Fälle ist die Noise Reduction also bereits im RAW-Workflow angesiedelt. Noise Ninja hat aber seine Eigenheiten und kann mit manchen Rauschmustern aus bestimmten Kameras nicht umgehen.

Bei den Aufnahmen aus dem Sigmas ist die Entwicklung mit SPP angesagt. Hier gefällt die Sigma eigene Entrauschung eher selten.
Und ausserdem gibt es immer wieder einmal Situationen, bei denen ich mit out-of-the-cam JPGs arbeiten muss.

Aus verschiedenen Gründen ist also eine zusätzliche Lösung zum Entrauschen angesagt. Bislang habe ich dafür NeatImage unter Photoshop eingesetzt. Und hier kommt nun NoiseControl ins Spiel. Das neue Plugin muss gegen das altbewährte NeatImage (v4.7 Pro) antreten.


NoiseControl im Überblick

Dir Installation des Plugins ist völlig unkompliziert und geht rasch vonstatten. Der Installer prüft, welche Host-fähigen Applikationen sich auf der Festplatte befinden und fragt nach, für welches Programm das Plugin installiert werden soll. NoiseControl ist mit einer Vielzahl an Host-Applikationen kompatibel. Eine genaue Liste findet sich auf der Seite des Herstellers.

NoiseControl wird - wie die meisten andern Photoshop-Plugins auch - über das Filter-Menü aufgerufen. Dort findet sich nach der Installation ein Unterpunkt „Photo Wiz“ unter dem sich NoiseControl aufrufen lässt.

Das Plugin lässt sich in den Preferences auf Deutsch oder Englisch einstellen. Wird dort dann noch der Reiter „Hilfe“ ausgewählt, werden zu fast allen Einstellungsmöglichkeiten sehr gute und verständliche („kontextsensitive“) Hilfetexte angezeigt.

NoiseControl bietet zwei Modi: Einfachmodus und Hauptmodus. Für den Einstieg bietet sich der Einfachmodus an. Im Hauptmodus fühlt sich der Anwender möglicherweise erst einmal erschlagen von den vielen Optionen und Einstellmöglichkeiten. Wer schon mit anderen Plugins aus der PhotoWiz Serie gearbeitet hat, wird sich bei der Bedienung gleich heimisch fühlen.

Nähern wir uns dem Plugin also über den Einfachmodus. Auf der linken Fensterseite findet sich die Vorschau. Am besten bewährt sich dort Split-View bei 100% (wichtig!). Mir einem Klick auf Reset (oben rechts) werden alle evtl. vom vorherigen Einsatz gespeicherten Werte wieder auf Standard gesetzt.

Wie andere Plugins zum Entrauschen bietet NoiseControl eine Auto-Analyse. Die Auto-Analyse kann sowohl das gesamte Bild, wie auch nur bestimmte Bildbereiche in die Analyse einbeziehen.

Zusätzlich können die von der Auto-Analyss gefundenen Einstellungen manuell verfeinert werden. Im Einfachmodus ist die Anzahl der Optionen erfrischend und clever beschränkt, um den Anwender erst einmal nicht unnötig zu verwirren.

Sind die idealen Werte gefunden, können die Einstellungen als kameraspezifisches Preset für einen bestimmten ISO-Wert gespeichert werden. Einige allgemeine Presets werden zur Verdeutlichung des Funktionsumfanges ab Werk mitgeliefert. Sind einmal eigene Presets erstellt, können diese automatisch „passend“ zu den EXIF-Daten im Bild abgerufen und angewendet werden.

Wer tiefer einsteigen will, schaltet in den Hauptmodus um. Der Auto-Tab sieht dort zwar aus, wie im Einfachmodus. Unter den weiteren Tabs (Manuell, Ton, Farbe, Korrektur) finden sich dann allerdings jede Menge Möglichkeiten zum Finetuning. Die kontextsensitive Hilfe und die hervorragende Dokumentation sind dabei von grosser Hilfe. Die Arbeit im Hauptmodus verlangt dem Anwender einiges ab, führt aber zu den besten Resultaten. Und die können dann - wie bereits gesagt - als kamera- und ISO-spezifische Presets gespeichert werden.


Im praktischen Test

Für den Test habe ich meine „Rausch-Königin“ eingesetzt: eine ältere Leica D-Lux 2. Sie hat bereits in der niedrigsten ISO-Stufe (ISO 80) einiges an Rauschen anzubieten und steigert sich dann bis hin zum eigentlich Unerträglichen bei ISO 400. Ich habe mehrere out-of-the-cam JPGs mit verschiedenen ISO-Werten aufgenommen und sowohl mit NeatImage (dort mit den über die Jahre von mir verfeinerten Einstellungen), als auch mit NoiseControl (im Einfachmodus mit Anpassungen) nachbearbeitet. Die Resultate sind als 100%-Crops in der Bildergalerie zum Test zu sehen. Alle Bilder sind mit ISO-Wert und verwendeter Software gekennzeichnet.

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich mit NoiseControl bei diesen Beispielen nicht im Hauptmodus experimentiert habe. Weiteres Finetuning ist hier also ohne weiteres noch möglich. Bei NeatImage ist zu berücksichtigen, dass das Plugin ab Werk mit einem Spezialprofil für die verwendete Kamera versehen ist und auf meine über 3 Jahren hinweg verfeinerten Individualeinstellungen zurück greift. Insofern sind die Testvoraussetzungen günstiger für NeatImage, was in der Bewertung zu berücksichtigen ist.

In Sachen Geschwindigkeit ist NoiseControl deutlich langsamer als NeatImage. Die Resultate sprechen aber für sich. Und sind die richtigen Einstellungen einmal gefunden, lassen sich Bilder in NoiseControl auch bequem als Batch bearbeiten.

NeatImage liefert im Vergleich mehr „plastikartige“ Ergebnisse. NoiseControl ist angenehmer und nicht so „glattgebügelt“. Die Kontraste bei NeatImage sind viel deutlicher ausgeprägt. Wohl auch eine Folge der harten Herangehensweise. Mir gefallen die Resultate von NoiseControl deutlich besser. Sie sehen viel „natürlicher“ aus.


Fazit

Auch mit NoiseControl ist Plugin Site wieder ein grosser Wurf gelungen.

Vom Anwender wird (zunächst einmal) mehr verlangt, als bei anderen Plugins. Der investierte Aufwand zahlt sich aber aus. Die Resultate sprechen für sich und bieten ein natürlich und organisch entrauschtes Bild ohne der Gefahr zu erliegen, die Entrauschung zugunsten eines „Plastik-Looks“ zu übertreiben.

Wer Noise Reduction benötigt, sollte in jedem Fall einen Blick auf NoiseControl werfen, um sich selbst überzeugen zu können.

Der vergleichsweise günstige Preis von USD 50 macht das Plugin zusätzlich attraktiv.

-> Screenshots und illustrative Beispiele finden sich in der Galerie zum Testbericht (neues Fenster).


Zusammenfassende Bewertung

Jeweils auf Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut):

Funktionalität: 5
Anwenderfreundlichkeit: 4,5
Geschwindigkeit: 4
Praktischer Nutzen: 5
Verfügbarkeit: 5
Preis-/Leistungsverhältnis: 5

Gesamtbewertung: 4,75

Unser Fazit: “Must have”

Making Light -Eine Einführung in das entfesselte Blitzen von Piet van den Eynde

Vorstellung und Kurzrezension: Making Light
Eine Einführung in das entfesselte Blitzen
von Piet van den Eynde


Making Light II - Das Ebook zum fortgeschrittenen entfesselten Blitzen von Piet van den Eynde


Grundsolide, sehr gut strukturiert und sehr anschaulich. Das sind die Charakteristika des neuen Ebooks in der Reihe Craft & Vision. David DuChemin, der Herausgeber, war wieder so freundlich, uns vorab ein Rezensionsexemplar zukommen zu lassen.

Das 63-seitige Buch (im A4 Querformat) ist in 9 Kapitel aufgeteilt. Von den Grundlagen (“Bitte den Blitz abnehmen”) über Fragen des erforderlichen Equipments, bis hin zu komplexen Anwendungssituationen deckt Piet eine grosse Bandbreite des entfesselten Blitzens ab.

Nach der Einführung in das Thema folgt etwas Theorie und dann sogleich ein Kapitel über viele Aspekte des entfellten Blitzens im fotografischen Alltag (inner- wie ausserhalb des Studios).

Der Stil des Buches ist sehr angenehm. Hier schreibt jemand, der das Thema verinnerlicht und durchdrungen hat. Knapp und präzise, aber zugleich sehr pädagogisch.

Kurz gesagt: Das Ebook beantwortet die meisten Fragen, die ich in Workshops zu diesem Thema regelmässig gestellt bekomme.

Sehr erfreulich ist, dass Piet technische Details und Fragen sowohl für die Canon, als auch für die Nikon-Welt behandelt. Besonders gelungen und von hohem praktischen Nutzen finde ich die checklistenartigen Schritt-für-Schritt Anleitungen für Canon, bzw. Nikon Anwender in den Kapiteln 6 und 7.

Wir üblich ist das Buch vollgepackt mit vielen anschaulichen Bildbeispielen und Abbildungen (jeweils mit Erläuterungen) .

Als “Schmankerl” gibt es im letzten Kapitel neun Fallstudien anhand von Bildern, bei denen Piet genau seine Vorgehensweise beschreibt.

Fazit: Ein hervorragendes Buch für den Einstieg in das entfesselte Blitzen. Grundsolide, sehr gut strukturiert und sehr anschaulich. Kurz: Sehr epfehlenswert!

Das Ebook gibt es - wie bei Craft & Vision üblich - als PDF und als iPad-App. Meine Empfehlung ist - wie immer - die ausdruckbare PDF-Version.

Der Preis - USD 5 - liegt wie immer auf günstigem Niveau und für die Leser des Lapplandblogs gibt es wieder eine Sonderaktion zum Buch:

- Bis zum 21. August 2011, 23 Uhr 59 (Ortszeit Vancouver) gibt es auf die PDF-Version des neuen Buches 20% Einführungsrabatt, wenn Sie diesem Link zu Craft & Vision folgen und beim Checkout im Warenkorb folgenden Promotion Code angeben: LIGHT4

Und wenn Sie gleich mehrere PDF-Bücher kaufen wollen, erhalten Sie bei der Eingabe des Promotion Codes LIGHT20 insgesamt 5 Bücher zum Preis von 4 (=20% Rabatt).

-> Hier geht es zu Craft & Vision. Dort ist die Neuerscheinung exklusiv erhältlich.

Making Light - Eine Einführung in das entfesselte Blitzen von Piet van den Eynde

Drakbåtstävling / Drachenboot-Rennen in Vindelgransele

Drakbåtstävling / Drachenboot-Rennen in Vindelgransele
„Drakbåtstävling / Drachenboot-Rennen in Vindelgransele“



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Behind the scenes: Ein Stück China in Lappland. Aber der Reihe nach. Vindelgransele liegt am Vindelälven. Hier dreht sich vieles ums Wasser und der Ort ist für die hohe Qualität seiner Fischgründe bekannt. Über den Sommer kommen z. B. regelmässig viele Angler aus Italien hierher.

Aber Vindelgransele hat noch mehr zu bieten. Jährlich findet auf dem Vindelälven das “Drakbåtstävling”, ein Drachenboot-Rennen, statt. An derselben Stelle übrigens, an der sich im Winter einer der Checkpoints für das Schlittenhunderennen „Vindelälvsdraget“ befindet.

Drachenboote sind grosse, offene Paddelboote, die ursprünglich aus China stammen. Charakteristisch sind Bemalung, Schnitzarbeiten und ein dekorativer Drachenkopf- und Schwanz. Nach der chinesischen Tradition stilisiert das Boot einen Drachen.

Zurück nach Vindelgransele. Die einzelnen Mannschaften bestehen jeweils aus 12 Paddlern und einem Trommler. Die Teams müssen gemischt sein (jeweils mindestens drei Teilnehmer des Minderheitengeschlechts). Gefahren wird mit zwei Booten gegeneinander im “K.O.-System”. Damit ist sichergestellt, dass der Wettbewerb einige Zeit dauert. Die beiden Boote werden vom Versanstalter gestellt.

Umrahmt wurde der Wettbewerb von einem Spielepark für die Kinder, guter Verpflegung (erstklassige Hamburger!) und einer kleinen Gewerbeschau.

Wir waren dort ausnahmsweise mal ganz privat. Frau Lapplandblog (Bilder mit "M") mit der langen Linse und ich (Bilder mit "W") mit festen 28mm.

Drakbåtstävling / Drachenboot-Rennen in Vindelgransele
„Drakbåtstävling / Drachenboot-Rennen in Vindelgransele“

Herzschmerz in Farbe - Abgesang auf den Sommer in Lappland

Abgesang auf den Sommer in Lappland
„Abgesang auf den Sommer in Lappland“


Behind the scenes:
Abendliche Exkursion zu einem meiner Lieblingsplätze. Der Weg dorthin ist nicht einfach und führt durch ein Sumpfgebiet. Angekommen, erlebe ich ein Feuerwerk am Himmel. Gülden und honigfarben leuchten die vorüberziehenden Wolken. Steine schweben scheinbar über dem Wasser. Die Wärme verfliegt. Es wird kühl und kühler. Ein Kranichpärchen zieht seine Kreise, trainiert für die grosse Reise und singt mit lauter Stimme den Abgesang auf den Sommer in Lappland.

Gastbeitrag bei Phil Porter: Pushing the limits - Getting into the flow

Wichtige Durchsage: Wer gerne etwas zu Kreativität und Flow in der Fotografie lesen möchte, ist herzlich eingeladen bei Phil Porter im Blog vorbei zu schauen.

-> Dort ist gerade mein Gastbeitrag „Pushing the Limits - Getting into the flow“ veröffentlicht worden.

Loppis und Auktion in Schweden

Loppis und Auktion in Schweden
„Auktionator im vollen Einsatz“

Behind the scenes: Urlaubern und Touristen in Schweden haben bestimmt schon das Schild “Loppis” am Strassenrand gesehen. Das ist die Kurzform von “Loppmarknad”, was übersetzt “Flohmarkt” bedeutet. Ab Juni schiessen die “Loppisar”, d.h. die Flohmärkte geradezu aus dem Boden. Hinter einem Loppis kann sich vieles verbergen. Vom kleinen Tapeziertisch mit einigen Sachen bis hin zu ganzen Lagerhallen mit unüberschaubarem Angebot. Reinschauen lohnt sich oft, denn oft gibt es wahre Schätze für beinahe umsonst.

Der Tipp lautet, sich VORHER zu überlegen, was man denn eigentlich braucht. Sonst endet ein Loppisbesuch gerne mit einem vollen Kofferraum :)

Als besondere Formen werden der „Garageloppis“ und der „Flyttloppis“ unterschieden. Ersterer ist ein kleiner privater Garagenflohmarkt, zweitererdient dazu vor einem Umzug all das anzubieten, was nicht mehr benötigt wird. Im ländlichen Raum gibt es aussderdem den „Bondloppis“, d.h. den Flohmarkt auf dem Bauernhof (meist in einer alten Scheune oder einem alten Stall).

Der Schwede denkt beim Thema Loppis sehr praktisch und kauft häufig tatsächlich benötigte Alltagsgegenstände. Das geht vom Vogelkäfig bis zum Rasenmäher. Daneben gibt es aber sehr häufig auch altes Geschirr, Möbel und allerlei Zierrat. Mitunter findet man alte Grammophone, Schmuckstücke, usw. Für Liebhaber von Antiquitäten ist der Loppis Pflichtprogramm. Auf dem Loppis darf übrigens normalerweise über den Preis gefeilscht werden.

Neben dem Loppis gibt es aber noch eine weitere Verkaufsplattform, die es zu besuchen lohnt: Die Auktion. Auktionen finden oft statt, wenn Häuser nach Todesfällen (oder Umzug ins Altenheim) geräumt werden. Dann soll alles “auf einen Rutsch” verkauft werden (was beim Loppis so nicht zu realisieren ist). 

Der Hausrat - und oft auch Maschinen und Geräte - wir