Bye Bye DSLR...

Rückblick: Die zurückliegenden zehn Jahre habe ich mit dem klassischen "Backstein um den Hals", sprich einer DSLR (meist aus dem Hause Nikon) fotografiert. Die Bildqualität war gut und wurde von Gehäuse zu Gehäuse sogar immer besser. Das Handling war in Fleisch und Blut übergegangen. Aber irgendwann gab es einen Knacks.

Bestandsaufnahme: Die "Backsteine" haben mit der Zeit ihren eigenen Tribut gefordert. Nacken und Rücken haben sich aufgrund des Eigengewichtes der Apparate mehr und mehr gemeldet. Auch aufgrund der körperlichen Fehlhaltungen, die ein Fotograf mit dem Fotoapparat um den Hals einnimmt.

Bei Reportagen haben sich die abschreckend grossen Kameras zunehmend als störendes Hindernis und Barriere zu Menschen entwickelt. Meine Unzufriedenheit wuchs zunehmend.

Nach Jahren mit Nikon-DSLRs um den Hals kam gegen Mitte vergangenen Jahres der Wendepunkt. Der fotografische Drive liess nach, Aufträge wurden zur Belastung und die persönlichen Projekte lagen darnieder.

Lag es vielleicht am zunehmenden Alter, oder etwa doch am verwendeten Werkzeug?

Seit geraumer Zeit hatte ich den Trend zu kompakten Kameras, insb. M4/3 (Micro-Four-Thirds), mit einem kritischen Blick auf die Qualität und das Handling verfolgt. Der Gewichtsunterschied im Vergleich zu den "Backsteinen" war schon beträchtlich und die Qualität in 90% der Einsatzfelder absolut zufriedenstellend.

Und - mal Hand aufs Herz - wer braucht denn bei Reportagen wirklich die 36MP einer D800, die einem eigentlich nur die Festplatte verstopfen und den Workflow ausbremsen? Bei Reportagen für die Tageszeitung reichen bereits 6MP für eine Vollseite, und für Zeitschriften und Broschüren tun es 12MP allemal. Zunehmend gibt es auch Aufträge und Projekte bei denen Print überhaupt nicht mehr im Fokus steht, sondern es nur noch um Bilder fürs WWW geht. Theoretisch wäre da viel schon mit einem aktuellen Mobiltelefon machbar. 

Lösung: Gesagt, getan.

Vor einigen Monaten gab es im Kamerabestand einige Veränderungen. Nikons mussten gehen und Olympus und Lumix hielten Einzug. Bislang habe ich es nicht bereut (im Gegenteil), und die Freude an der Arbeit ist zurück gekehrt. Nacken und Wirbelsäule haben sich entspannt. Sehr praktisch ist auch, dass sich die Grösse des Packvolumens deutlich verringert hat. Von Kundenseite kamen übrigens keinerlei Anmerkungen in Sachen Bildqualität. Eher hier und dort Freude über Bilder im 4:3 Format, die sich oft besser eignen als das alte 3:2 Format.

Rein psychologisch hat es sich am Anfang bisweilen etwas komisch angefühlt, mit den relativ "winzigen" Kameras vor Ort zu erscheinen. Dezente Rückfragen haben aber ergeben, dass Kunden sich daran überhaupt nicht stören. Wichtig ist dem Kunden nämlich im Wesentlichen das Ergebnis.

Was bei vielen Fotografen mit denen ich gesprochen habe ein Hindernis für den Umstieg zu sein scheint, ist die Macht der Gewohnheit. Neues System bedeutet Umgewöhnung. Das braucht Zeit. Und Bedienungsfehler in der Eile kommen gar nicht gut. Etwas Zeit für den Umstieg sollte also einkalkuliert werden. Und gleich ein einmaliges Ereignis - z. B. eine Hochzeit - mit einem neuen System zu fotografieren, halte ich für gar keine gute Idee. 

Bei mir hat es drei bis vier Monate gedauert, bis Bedienung und Handling "geflutscht" haben.

Ein Wermutstropfen sind die Sucher bei M4/3. Die elektronischen Sucher sind für meinen Geschmack nicht das Gelbe vom Ei und die optischen Sucher sind - im Vergleich zu den DSLRs - deutlich düsterer. Auf der anderen Seite bin ich am experimentieren, das Display als Vorschau zu verwenden. Gerade unübliche Perspektiven werden dadurch mitunter sehr vereinfacht. Bei Reportagen ergibt sich ein weiterer Vorteil: es sieht nicht gleich so "professionell" aus, was die Menschen im Bild oft entkrampft.

Habe ich alle DSLRs endgültig ausrangiert? Nein, (noch) nicht alle. Manchmal sind sie noch gefordert. Aber immer seltener (2015 z. B. bislang noch gar nicht). 

Ausblick: Die technische Entwicklung hat die kleineren Kamerasysteme - allen voran M4/3 - mit den klassischen DSLRs gleichziehen lassen, jedenfalls in den Bereichen, in denen wir fotografisch unterwegs sind. Wer gerne wandfüllende Landschaften drucken möchte, wird ohnehin im Mittelformat beheimatet sein. Die Tage der DSLRs sind jedenfalls mittelfristig passé.

Frau Lapplandblog dazu:

"Frau, halt mal". Schwups hatte ich Herrn Lapplandblogs neue Errungenschaft in der Hand. 

Im Gegensatz zu meinem "uralten Knochen", einer Nikon D70, ein Federleichtgewicht zwischen meinen Fingern. Ein Nichts. Seine Neue nimmt auf meiner Handinnenfläche ihren Platz ein. Der Arm wird durch das Eigengewicht nicht gen Fussboden nach unten gezogen. Die Fingermuskulatur nicht beansprucht, weil sie nichts festhalten muss.

"Mann? Wie ist das eigentlich mit Objektiven? Kann ich da auch nah und fern knispeln?" 

Herr Lapplandblog nimmt mir die Lumix aus der Hand, stellt sie auf "on" und gibt sie mir wieder zurück. Er erklärt mir, dass es unterschiedliche Objekte gibt, dreht am vorhandenen Objekt, lässt mich durch das Display schauen. Das Sofa, das wir anfokussieren, ist jetzt nahe. Er stellt das Objektiv erneut ein und unser Sofa ist weiter weg. 

"Interessant." Denke ich mir und lese seinen Blogbeitrag über seine Neue Korrektur. Bei seinem letzten Satz gibt es von mir aber Protest!

"Du willst komplett umsteigen?" Aus der Küche kam ein kräftiges "ja" zurück.

"Und mit dem kleinen Apparat kannst du so Bilder machen, wie vorher? Auch für die Arbeit?"

Wieder kam ein aussagekräftiges "ja" ins Zimmer zu mir herüber gewabert. 

"Für dich mag das stimmen, dass du deine "Alten" in Rente schickst. Ich aber knisple nicht wie ein Touri der hier in schwedisch Lappland auf Elchjagd geht. Ich brauche etwas in der Hand." 

Herr Lapplandblog's Kopf schaut um den Türrahmen herum in meine Richtung und wir beide verfallen in schallendes Gelächter.