Das Ding mit den Weihnachtskarten

Zum Advent und zu Weihnachten noch eine Nachlese für alle, die sich mit dem Gedanken ans Auswandern beschäftigen (oder ihre alte Heimat erst vor kurzem verlassen haben).

Eine Binsenweisheit: Auswandern bedeutet weggehen und woanders ankommen. Der Kontakt zur Familie, zu alten Freunden und Bekannten dünnt sich im Laufe der Zeit aus. Das ist an und für sich ein ganz natürlicher Vorgang und gar nichts besonders Merkwürdiges.

Kurz nach einer Auswanderung wollen Dich noch viele Menschen (vornehmlich „lose“ Bekannte und „entfernte“ Verwandtschaft) besuchen, um sich einen netten Urlaub mit Vollversorgung zu erschleichen und ihre Neugierde zu befriedigen.

Deine Entscheidung, ob Du Dich darauf einlässt. Bedenke, was Du tust.

Der Flurschaden, den die Scharen von Besuchern oft hinterlassen, kann beträchtlich sein. Am besten ist es, wenn Du von vornherein klar stellt, dass es Taxis für die Abholung vom Flugplatz und ein nettes Hotel in angemessener Nähe gibt.

Natürlich gibt es auch die Handvoll Menschen, auf die man sich, bzw. auf deren Besuch man sich wirklich freut. Investiere in diese Beziehungen, damit Sie unter dem räumlichen Abstand nicht leiden.

Dann gibt es da so Dinge wie Geburtstags-, Weihnachts- und Neujahrswünsche. Und da möchten wir heute mal aus dem Nähkästchen plaudern.

Vorab: Die folgende Schilderung ist völlig ohne Wertung und ohne Emotionen. Es geht schlicht um Fakten.

Über die mittlerweile fast 15 Jahre hinweg waren wir immer fleissige Weihnachtskartenschreiber. Allen Portoerhöhungen und dem nicht unerheblichen Zeitaufwand zum Trotz, haben wir über all die Jahre jährlich ca. 40-50 private Weihnachtskarten in alle Welt versendet. Vornehmlich nach Deutschland.

Doch die Zahl der Rückläufer hat sich von Jahr zu Jahr verringert. Deswegen haben wir dieses Jahr den Entschluss gefasst, dass es keine Weihnachtskarten mehr gibt. Ganze zwei Weihnachtskarte sind bei uns dieses Jahr aufgeschlagen, eine von befreundeten Schweden und eine von einer anderen Auswandererfamilie. Dazu kommen noch zwei Emails und natürlich etliche Grüsse via Facebook (die aber wegen des nicht vorhandenen Zeit- und Energieeinsatzes hier nicht zählen).

Eingehende Weihnachts- und Neujahrswünsche? Also weitgehend Fehlanzeige.

Stattdessen erreichen uns und gerade zur Adventszeit viele Mails mit Hinweisen auf diverse Schlechtigkeiten in dieser Welt.

Ist es die Hilflosigkeit der Absender, weil sie nicht selbst aktiv werden wollen? Warum werden wir so gerne als psychischer Mülleimer benutzt?

Auf der einen Seite heisst es in den Medien, die Nutzung des Internets schade dem Klima, weil durch den immensen Energieverbrauch zu viel CO2 ausgestossen würde. Die fleissigen Mailschreiber scheint das aber nicht zu interessieren.

Andererseits schreibt anscheinend niemand mehr Postgrusskarten und verschickt sie, wahrscheinlich weil deren Transport angeblich auch das Klima schädigen würde.

Vielleicht ist dem Nicht-Absender der Kartenempfänger es nicht mehr "wert" weil das Schreiben einer Grusskarte dem Absender Arbeit und Mühe bereitet.

Postversand und Internetnutzung sollen Klimaschädlich sein.

Netter Widerspruch, schon einmal darüber nachgedacht?

Oh - eine andere Sache kommt auch noch hinzu. Sehr viele Grusskarten werden - wie auch viele andere Dinge des täglichen Gebrauchs - in China hergestellt.

Vor einigen Tagen ging es gerade durch die Medien (Link):

Weihnachtskarten der britischen Supermarktkette Tesco werden anscheinend von ausländischen Häftlingen in einem chinesischen Gefängnis hergestellt und verarbeitet: Ein sechsjähriges Mädchen hatte beim Schreiben einer Karte einen Hilferuf erhalten.

Die Briten zwingt das zum Blick hinter die Kulisse der Weihnachtsidylle.

Uns vielleicht auch?

Das Ding mit den Weihnachtskarten