Zwischenstand zum arktischen Sommer 2015

Zwischenstand zum arktischen Sommer 2015; die Fortsetzung.

Die kurze Version: Regen, Regen, Regen

Die mittellange Version: Regen, Kälte, Regen, Kälte

Die ausführliche Version: Der Sommer in Schwedisch-Lappland hat sich bislang als Totalausfall erwiesen. Er hat schlicht und ergreifend bislang nicht stattgefunden. Zusammen genommen waren es nur ungefähr zwei Wochen mit sommerlichen Temperaturen und ohne Niederschlag. Und nach dem Wettergefühl der Einheimischen beginnt mit dem August bereits die herbstliche Zeit. Ganz so dramatisch sehen wir das nicht, denn wir hatten die letzten Jahre ab und an auch einmal einen richtig schönen und warmen August. Aber für viele Schweden war der Sommer eine Belastung. Die schwedische Ferienzeit neigt sich dem Ende zu und die Daheimgebliebenen hatten kaum eine Chance, die „inneren Akkus“ für den Winter zu füllen.

Prägend für den arktischen Sommer 2015 in Lappland: Regen
Prägend für den arktischen Sommer 2015 in Lappland: Regen


Auch für die kürzlich hier schon erwähnten kommerziellen Beerenpflücker, die zu einem grossen Teil eigens aus Thailand hierher fliegen, ist die Katastrophe voll im Gange. Normalerweise können sie in zwei Monaten Sommerarbeit in Schweden genug verdienen, um ihre Familie zu Hause den Rest des Jahres zu ernähren. Dieses Jahr sehen wir ausnahmslos verzweifelte Gesichter. Von den begehrten Hjortronbeeren ist dieses Jahr fast keine Spur zu finden. Wo normalerweise ertragreiche Gebiete sind, gibt es dieses Jahr nichts. Auch die spätere Blau- und Preiselbeerernte sind akut gefährdet. Für die Beerenpflücker ist das deswegen so dramatisch, weil sie zum überwiegenden Teil erfolgsbezogen vergütet werden. Keine Ernte ergibt also fast keinen Lohn. Und auch der geringe Garantielohn ist gefährdet, denn die auftraggebenden Unternehmen sind in einer so dramatisch schlechten Saison von Insolvenz bedroht. Die mit einer befristeten Arbeitserlaubnis ausgestatteten ausländischen Saisonarbeiter haben aber praktisch keine Chance, das im schwedischen Recht vorgesehene Konkursausfallgeld geltend zu machen und müssen dann mit leeren Taschen wieder nach Hause fliegen (die Reisekosten zahlen sie natürlich selbst). Die Tragödien lassen sich nur erahnen.

Auch die schwedische Landwirtschaft stellt sich auf grosse Ernteausfälle ein. Kartoffelbauern berichten, dass bis zu 90% der Ernte bereits jetzt unwiderruflich verloren sind.

Und auch für viele Touristen ist der Sommer trist. Wer ein festes Urlaubsdach über dem Kopf und die richtige Kleidung hat, kann auch dem trüben Sommer viele reizvolle Seiten abgewinnen. Die Campingplätze aber sind gähnend leer und viele Wohnmobilisten, mit denen wir gesprochen haben, haben ihren Urlaub abgebrochen und sich wieder auf die Heimreise gemacht.

Kraniche und Rentiere am Wegesrand
Die Tierwelt nimmt es etwas gelassener: Kraniche und Rentiere am Wegesrand