Zehn praktische Tipps zum Stromausfall, oder: Lappland und die Herbststürme

Auf schwedischen Wetterseiten und in den Medien wird derzeit bereits wieder vor den im November zu erwartenden Herbststürmen gewarnt. Im Herbst und am Winteranfang sind heftige Stürme in Lappland an der Tagesordnung. Man gewöhnt sich daran. Manchmal fegen aber regelrechte Rekordstürme über das Land, so wie im vergangenen Jahr.

Stürme hinterlassen ihre Spuren. In manchen Gebieten wird der Wald hektarweise „umgemäht“. Viele kleinere Häuser werden Opfer der Windstärke und werden einfach „vom Winde verweht“; viele davon landen in weitem Umkreis vom ursprünglichen Standort in Einzelteilen. Bäume fallen auch auf bewohnte Häuser und richteten teilweise schwere Schäden an.

Was kann und sollte getan werden, um für Stürme und die oft aus ihnen resultierenden Stromausfälle gut gerüstet zu sein? Hier die wichtigsten und praxiserprobten Tipps:

Der erste Tipp für alle Hausbesitzer in arktischen Breiten lautet daher: Alle Bäume fällen, die bei Sturm auf das Haus fallen könnten!

Sturmwarnungen sollten in Lappland ernst genommen werden. Der zweite Tipp lautet, alles, was irgendwie weg geweht werden könnte, in Sicherheit zu bringen. Manchmal ist es geradezu grotesk, welche Gegenstände aus der entfernten Nachbarschaft nach einer Sturmnacht im eigenen Vorgarten zu finden sind.

Der dritte Tipp ist, bei Sturm das Haus nicht zu verlassen, vor allem nicht Auto zu fahren (wenn es nicht lebensnotwendig erforderlich ist).

Stromausfälle und Stürme: Das Stromleitungsnetz ist in unseren Regionen sehr weitläufig. Bei schweren Stürmen fallen regelmässig Bäume auf Leitungen, was zu Stromausfällen führt. In begrenztem Rahmen sind die hiesigen Netzbetreiber ganz gut gerüstet für solche Fälle, und die Ausfälle halten sich im Rahmen von einigen Stunden.

Übersteigen die Schäden aber von Anzahl und Streuung her ein bestimmtes Niveau, kommen die Einsatztrupps an ihre Grenzen.

Im Klartext: Stromausfälle können dann sehr lange andauern. Das können dann schon mal 24 Stunden sein. Auf den ersten Blick hört sich das nicht so dramatisch an (und im Sommer ist es das auch nicht). Jetzt reden wir aber über Winterzeit und Minusgrade. Elektrobetriebene Geräte sind allgegenwärtig, auch in den meisten Heizsystemen. Viele Haushalte haben hier z. B. ausschliesslich nur noch Wärmepumpen oder Erdwärmeanlagen. Diese sind zwar sehr sparsam, sehr praktisch und sehr bequem. Doch ohne Strom sind sie sofort ausser Gefecht.

Auch wer eine klassische Holzheizung hat sollte sich Gedanken machen, inwieweit er auf eine elektrisch betriebene Umwälzpumpe angewiesen ist. In älteren Häusern sind oft noch Heizungsleitungen mit grossem Durchmesser verbaut, die eine Selbstzirkulation im System ermöglichen. Ist das der Fall, ist Entspannung angesagt: Die Holzheizung kann vorsichtig und langsam aufgeheizt werden, bis der Warmwasserkreislauf von selbst in Gang kommt.

Die Schwedische Energiebehörde hat eine - interessante und zugleich erschreckende - Internetseite, auf der die Abkühlung für verschiedene Häusertypen nachvollzogen werden kann.

Die Unterschiede sind recht gross und das romantische Holzhaus im alten Stil kann sich schnell zur Kältefalle entwickeln: Nach 24 Stunden sind bei minus 10 Grad Aussentemperatur bereits bedrohlich geringe Temperaturwerte erreicht.

Tipp Nummer 4 lautet deswegen: Alternative Heizsysteme vorsehen, z. B. Beistellöfen mit Holz, Gas oder Petroleumbetrieb. Und zwar rechtzeitig. Details bitte mit dem zuständigen Schornsteinfeger abklären und an die gute Belüftung von Innenräumen denken. Bitte unbedingt alle Sicherheitsvorschriften und Sicherheitsmassnahmen einhalten!

Tipp Nummer 5: Kerzen, Teelichter und Petroleumlampen (nebst Brennstoff) bevorraten. Die Petroleumlampen bitte auch in guten Zeiten ausprobieren und äusserste Vorsicht beim Betrieb in Innenräumen walten lassen. Bitte unbedingt alle Sicherheitsvorschriften und Sicherheitsmassnahmen einhalten!

Tipp Nummer 6: Wie sieht es mit der Wasserversorgung aus? Viele Häuser auf den Dörfern und fast alle entlegenen Häuser haben eigene Brunnen. Heutzutage werden die Pumpen mit Strom betrieben. Ein Stromausfall führt dann unmittelbar dazu, dass es kein Wasser mehr gibt. Das ist nicht ohne. Die Faustformel sagt, ein Mensch kann drei Minuten ohne Luft, drei Tage ohne Wasser und drei Monate ohne Nahrung auskommen. Beim Wasser ist da natürlich nur an das Trinkwasser gedacht. Im Haushalt erfüllt Wasser nun aber noch viele zusätzliche Aufgaben, z. B. für die Persönliche Hygiene, die Toilettenspülung, den Abwasch, usw. Deswegen: Entweder zusätzlich ein mechanisches Pumpwerk installieren oder immer einige Kanister auf Vorrat haben. Und auch wer keinen eigenen Brunnen hat, sollte, falls der Stromausfall länger als drei Stunden andauert zur Sicherheit beginnen, einige Kanister und die Badewanne zu füllen.

Tipp Nummer 7: Nahrungsmittelvorräte, die auch kalt verzehrt werden können!

Tipp Nummer 8: Taschenlampen bevorraten (moderne LED Typen mit geringem Stromverbrauch). Batterievorrat (einmal pro Jahr verbrauchen und austauschen).

Tipp Nummer 9: Kommunikation – wie kann man Hilfe rufen, wenn es erforderlich werden sollte? Das gute alte Festnetz in Lappland funktioniert tatsächlich noch ohne Strom. Allerdings nur da, wo es überhaupt noch Festnetz gibt. In vielen Regionen wurde das alte Netz bereits abgebaut. Die Mobiltelefonsendemasten haben oft eine eigene Notstromversorgung. Also immer ein voll geladenes Mobiltelefon im Regal haben und dieses auch wirklich nur im Notfall verwenden. Ein batteriebetriebenes Radio sollte auch zur Hand sein.

Tipp Nummer 10: Wenn es wirklich bedrohlich wird: Ist kein alternatives Heizsystem vorhanden und sinkt die Temperatur im Haus unter plus fünf Grad, muss gehandelt werden. Sehr schnell besteht dann die Gefahr, dass Wasserleitungen und eine wasserbetriebene Heizung einfrieren. Geschieht das, hat das ganze Haus meistens nur noch Schrottwert. Und das bedeutet: Wasser aus den Leitungen und dem Heizungssystem ablassen. In Schweden bezeichnet man das als „kaltstellen“. Das ist hier ein ganz gewöhnlicher Vorgang, wenn Häuser den Winter über nicht genutzt werden. Das Verfahren dazu sollte natürlich in warmen Zeiten gut geübt worden sein. Nichts ist ärgerlicher, als entweder nicht zu wissen, wie man das macht, oder festzustellen, dass der entscheidende Absperrhahn zugerostet ist. Beim Ablassen aus den Wasserleitungen die Wasserhähne im Haus aufdrehen, damit auch wirklich alles Wasser aus den Leitungen fliessen kann.

Wer noch weitere Ideen oder Tipps hat: Gerne in den Kommentaren posten!

Umgefallener Baum nach Sturm
Ein Sturm fällt schnell auch grosse Bäume -
und wehe, wenn diese auf Stromleitungen fallen...


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Husmannskost: Echte schwedische Köttsoppa (mit Rezept)

Nebelschaden im Kochtopf: Die Köttsoppa gart
Nebelschwaden im Kochtopf: Die Köttsoppa gart

Im Kochtopf dampft es. Gerade waren liebe schwedische Freunde zu Besuch und haben einen grossen Topf mit einer regionalen Spezialität vorbei gebracht. Nun gart im Kochtopf eine „Köttsoppa“, eine echte schwedische "Fleischsuppe", und es liegen dichte Nebelschwaden über der Suppenoberfläche.

Eine Köttsoppa ist hier in Lappland ein fester Bestandteil der sog. „Husmannskost“ („Hausmannskost“). Wie auch in Deutschland zählen dazu traditionell schnell zubereitete Gerichte, die vor allem eines sind: nahrhaft.

Die Husmannskost in Schweden ist regional unterschiedlich, denn sie beruht auf dem jeweiligen lokalen Nahrungsangebot. Hier in Lappland ist die Köttsoppa mit Elchfleisch ein solcher Klassiker, besonders im Herbst.

Gegen Mitte September ist der erste Durchgang der Elchjagd in Lappland abgeschlossen und die Tiefkühltruhen vieler Jäger sind prall gefüllt. Da bietet es sich an, eine kräftige und herzhafte Köttsoppa mit Elchfleisch auf den Tisch zu bringen.

Und hier gibt es gleich das Originalrezept dazu:

Zutaten

- 500 gr. Elchfleisch (alternativ: alles, was "gulaschtauglich" ist)
- Drei Karotten
- Eine Pastinake
- Ein Stück Sellerie
- Zwei Zwiebeln
- Drei Kartoffeln
- Ein Würfel Fleischbrühe (Brühwürfel)
- Schwarzer Pfeffer
- Salz
- Ein Lorberblatt
- Etwas Thymian
- Petersilie

Zubereitung

Das Fleisch in gulaschgrosse Stücke schneiden und in den Topf geben. Wasser zugeben, sodass das Fleisch bedeckt ist. Salz zugeben und aufkochen. Dann die übrigen Gewürze und den Brühwürfel zugeben. Etwa 20 Minuten bei mittlerer Wärme kochen lassen. Dann das geschälte und klein geschnittene Gemüse zugeben. Gegebenenfalls noch etwas Wasser nachfüllen. Kochen lassen, bis sich die Fleischstücke leicht braun färben. Mit der Petersilie garniert servieren. Dazu schmeckt frisches Butterbrot.

Guten Appetit, oder: Smaklig måltid!

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