Was fürs Herz - Frühsommer in Lappland

Das Geräusch ist wahrscheinlich allen Leserinnen und Lesern bekannt, aber dennoch nur sehr schwer zu beschreiben. Ist es schmatzend, quartschend oder quietschend? Selbst das sich selbst gerne als allwissend postulierende Internet gibt mir dieses Mal keine wirklich verwertbare Antwort.


Worum geht es?

Der tauende Schnee ist an vielen Stellen in Lappland mittlerweile praktisch verschwunden. Das weckt das unbändige Verlangen endlich wieder raus in die Natur zu wandern und jetzt ist der richtige Zeitpunkt sich an abgelegene und landschaftlich reizvolle Plätze in der Nähe von Gewässern zu begeben, denn die an solchen Stellen demnächst allgegenwärtigen Stechmücken haben ihre Arbeit noch nicht aufgenommen.

Die praktischen Probleme liegen an anderer Stelle: Der Weg zu entlegenen Seen führt oft durch Sumpfgebiete und die Sümpfe sind durch die Schneeschmelze gut mit Wasser gefüllt. Das führt zu dem charakteristischen, eingangs beschriebenen Geräusch beim Laufen. Einige Meter vor dem Ufer wechseln sich dann Wasserlöcher mit festen Schollen ab. Der Mensch wird nun zum Hüpfenden - von Inselchen zu Inselchen. Waren die Schuhe noch nicht vom begehbaren Sumpf nass, so weichen sie spätestens jetzt völlig durch, insbesondere wenn ein Fehltritt oder Ausrutscher treffsicher in ein Wasserloch führen (Achtung: Unfallgefahr - die Löcher sind mitunter ziemlich tief - wer richtig Pech hat, kann stecken bleiben).

Kurze Reflexion an dieser Stelle: Nach langen Jahren in der Natur in Lappland muss ich leider konstatieren, dass es keine wirklich guten Schuhe mehr gibt. Egal wie edel und teuer - wasserdicht ist Fehlanzeige. Liebe Schuhhersteller: Falls ihr hier mitlesen solltet, entwickelt und produziert doch bitte mal einen richtig guten Outdoorschuh! Dürft ihr dann auch gerne gleich zum Testen schicken.

Am Ufer angelangt folgt sogleich die Entschädigung: Traumhafter Ausblick. Bitte aufpassen, denn Sumpfuferlinien sind rutschig und enden abrupt. Mancher Besucher hat da schon ein unfreiwilliges Bad genommen. Das versaut den ganzen Tag, denn bei Sumpfufern geht es meistens gleich richtig ins tiefe Gewässer. Und da alleine wieder raus zu kommen ist gar nicht so einfach (von einer einmal durchspülten Kameraausrüstung mal ganz zu schweigen).

Wer aber alles geschafft hat, wird in der Regel für die Strapazen durch bezaubernde Ausblicke fürstlich entschädigt!

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Eigentlich reiner Kitsch: „Was fürs Herz nach dem langen Winter“

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Wer es gerne etwas seriöser mag: Hier in schwarz/weiss

Ready for takeoff - arctic summer 2017

Lange Zeit war er völlig regungslos verharrt. Eine gefühlte Ewigkeit. Er stand unbeweglich auf einer kleinen Eisscholle. Ich fragte mich, was er wohl dachte oder beobachtete. Es wird sein Geheimnis bleiben. Nach einigen Minuten des gemeinsamen Ausharrens geschah es plötzlich und in Sekundenbruchteilen: Er plusterte sein Gefieder, breitete seine mächtigen Flügel aus und erhob sich mit ausladenden Flügelschlägen gen Himmel. Mir schoss es durch den Kopf: Ein Sinnbild für den Winter in Lappland. Danke, Kranich.



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Lappland im Mai: In den Flüssen treiben die Eisschollen und die etwas mehr abgelegen Buchten haben (Stand: 20. Mai) noch eine geschlossene Eisdecke. Die ist mitunter (Nicht ausprobieren - Lebensgefahr!) noch tragfähig.

Obwohl Eis und Schnee noch eindrucksvoll die Landschaft prägen, ist dieses Wochenende der Startschuss für den Sommer gefallen („Sommer - ready for takeoff“). Die Nachttemperaturen sind über dem Gefrierpunkt angelangt und die letzten beiden Tage hat das Thermometer einen Höhenflug hingelegt (in der direkten Abendsonne ist es auf 25 Grad geklettert). Für die kommenden Tage sind noch höhere Temperaturen angesagt.

Kurt und gut: Der Schalter ist wieder umgelegt und es wird - wie immer von heute auf morgen - Sommer. Sogar die ersten Insekten (lies: Mücken) schwirren bereits umher, und auf den Strassen mehren sich die Wohnmobile und Wohnanhänger. Die Anzahl der ausländischen Autokennzeichen hält sich noch in Grenzen, aber auch das wird sich in ein bis zwei Wochen ändern (der Sommerurlaub in Lappland ist bislang eher noch ein Insidertipp).

PS: Mit dem Start in den Sommer ist es auch an der Zeit für den obligatorischen Rückblick auf den arktischen Winter 2016/2017, der in den nächsten Tagen als Bilderstrecke veröffentlicht wird.

Photojournalismus - quo vadis? Die Masken fallen!

Sonntagsreflexionen: Es schmerzt mich in der Seele zu sehen (und macht mich gleichzeitig geradezu aggressiv), welche Auswüchse im Photojournalismus zur Zeit sichtbar werden. Ich schreibe bewusst „sichtbar werden“, denn gegeben hat es sie vermutlich chon viel länger.

Die Seriosität, Objektivität und Ernsthaftigkeit sind verloren gegangen. Jetzt wird nach den Methoden des Marktes gearbeitet. Schummeln und Betrügen gehören genauso dazu, wie der eigentliche Skandal des aktuellen Souvid Detta Falles. Warum es geht, dazu mehr im ersten verlinkten Artikel, um den - meiner Meinung nach - noch viel schlimmeren Skandal geht es im zweiten Artikel.

Link 1: F**k Photojournalism: It’s Time for the Industry to Change Before It Dies

Link 2: Two Scorpions Crossing a Stream

Aktuelle Reisewarnung für Lappland

Heute eine wichtige Mitteilung für alle hier eventuell mitlesenden Zugvögel:

Zur Zeit empfehlen wir allen Zugvögeln, die sich bereits auf dem Flug Richtung Lappland befinden oder einen Abflug in den nächsten Tagen planen dringend, Zwischenstopps in südlicheren und wärmeren Gefilden einzulegen, bzw. einzuplanen.

Warum das? Es ist im Moment für die Jahreszeit viel zu kalt. Plötzliche Schneestürme ziehen über das Land. Nachts sinkt das Thermometer auf minus 10 Grad. Der meteorologische Sommer lässt wohl noch länger auf sich warten, nachdem noch nicht einmal der meteorologische Frühling im ganzen Land angekommen ist.

Das SMHI hat vor einigen Tagen über die kältesten Mainächte seit mindestens 35 Jahren berichtet und sogar auf Öland ist Schneefall zu vermelden..

Die tagesaktuelle Jahreszeitenkarte des SMHI spricht eine deutliche Sprache: Frühling wird es, sobald die Tagesmitteltemperatur an mindestens sieben aufeinanderfolgenden Tagen über null Grad lag (dunkelgrün auf der verlinkten Karte). Grosse Teile von Väster- und Norrbotten befinden sich demnach noch immer im tiefen Winter (Stand: 09.05.2017) und vom Frühling (sowohl meteorologisch als auch rein praktisch) ist dieses Jahr bislang noch nichts zu spüren. Das wiegt umso schwerer, als das statistische Mittel des Sommeranfangs im Inland von Väster- und Norrbotten eigentlich um den 15. Juni herum liegt (Quelle).

Deswegen, liebe Zugvögel, fliegt bitte mit etwas beschaulicherem Tempo, um Euch das Frieren zu ersparen.

Eines der ersten Kranichpärchen im Mai 2017
„Infinity XIX“ - Eines der ersten Kranichpärchen im Mai 2017