Sommarlov

"Sommarlov" ist die Bezeichnung für die schwedischen Sommerferien.

Von kleineren regionalen Unterschieden abgesehen, gehen die Sommerferien von der Woche vor Midsommar bis Mitte August (10 Wochen).

Für uns heisst das: Mitte August geht es dann hier im Blog wieder weiter.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern eine schöne und erholsame Sommerzeit!

Und wenn Sie Urlaub in Schweden machen dann passen Sie bitte auf, dass Ihnen kein Elch und kein Rentier vor das Auto oder Womo laufen!

Arktischer Sommer 2015
Arktischer Sommer 2015

Das Jedermannsrecht ("Allemansrätten") - aber so bitte nicht!

"Das kann doch nicht wahr sein", so fuhr es mir durch den Sinn. Und meine Palette der Emotionen ging von ungläubigem Staunen über Fassungslosigkeit bis hin zu richtigem Ärger.

Was war geschehen? Es geht um das schwedische Jedermannsrecht , das sog. "Allemansrätten". Das Allemansrätten, eine alte Tradition in vielen nordischen Ländern, hat in Schweden seine Grundlage in der Regeringsformen (Link zum Gesetzestext der Regeringsformen), einem der schwedischen Grundgesetze.

Die geltende Regeringsformen, in der u. a. die staatsrechtliche Organisation des schwedischen Staates geregelt ist, ist am 1.1.1975 in Kraft getreten. Seit 1994 findet sich dort im zweiten Kapitel § 15 die Regelung

"Alle haben Zugang zur Natur nach Massgabe des Jedermannsrechtes".


Bereits von Alters her war das Allemansrätten aber bereits ein ungeschriebener schwedischer Rechtsgrundsatz, der durch die Neuregelung aus dem Jahre 1994 lediglich gesetzlich kodifiziert wurde.

Der genaue Umfang des Jedermannrechtes ergibt sich allerdings nicht aus der Regeringsformen, aber im schwedischen Umweltgesetzbuch, dem sog. "Miljöbalken" (Link zum Gesetzestext des Miljöbalken) finden sich einige detailliertere Regelungen, insbesondere in den Kapiteln zwei und sieben. Dort ist im siebten Kapitel § 1 die Regelung

"Jedermann, der das Jedermannsrecht in Anspruch nimmt oder sich sonst in der Natur aufhält, soll Rücksicht und Achtsamkeit im Umgang mit der Natur zeigen"



zu finden.

Die Detailauslegung des Jedermannsrechts wird vom schwedischen Amt für Naturschutz, dem sog. "Naturvårdsverket" vorgenommen. Der Obersatz lautet dabei

"Nicht stören und nicht zerstören".



Ausgangspunkt für die Auslegung des Inhalts sind zunächst alle in anderen Gesetzen ausdrücklich untersagten Tatbestände. Der dann verbleibende Freiraum wird vom Naturvårdsverket ausführlich beschrieben und ausgeformt.

Über den Umfang des Allemansrätten wird in den letzten 15 Jahren lebhaft diskutiert denn es gestattet viele Nutzungen, die von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sind. So z. B. das kommerzielle Beerenpflücken. Jedes Jahr arbeiten sich Heerscharen von kommerziellen Beerenpflückern, die i. d. R. unter völlig unakzeptablen Bedingungen arbeiten, durch die Wälder Norrlands auf der Suche nach Preiselbeeren, Blaubeeren, Moltebeeren und vielen anderen Leckereien.

Über die bemitleidenswerten Beerenpflücker, die mit einem zeitlich begrenzten Arbeitsvisum oft aus Thailand und sogar China nach Schweden kommen, wäre noch viel zu sagen. Aber darum soll es heute nicht gehen.

Also zurück zum Allemannsrätten. Dieses ist auch bei vielen Touristen sehr beliebt - ermöglicht es doch z. B. das wilde Campen in der Natur.

Das Natutvårdverket sagt dazu:

Für eine Nacht darf man in der freien Natur zelten, vorausgesetzt, dass man den Grundbesitzer nicht stört oder Schaden in der Natur anrichtet. ... Es ist wichtig, das Zelt nicht in Sichtweite eines Wohnhauses oder auf landwirtschaftlich genutzten Flächen aufzuschlagen. ... Das Jedermannsrecht erlaubt, für eine Nacht zwei bis drei Zelte aufzuschlagen. Da bei größeren Gruppen die Gefahr für Bodenschäden und sanitäre Probleme besteht, muss die Erlaubnis des Grundbesitzers eingeholt werden.



Für Nationalparks und Naturschutzgebiete gibt es Sondervorschriften.

Und wer würde es nicht lieben, in der freien Natur am Lagerfeuer zu sitzen?

Das Naturvårdsverket dazu:

Unter sicheren Bedingungen ist es erlaubt in freier Natur offene Feuer zu zünden. Doch so stimmungsvoll ein offenes Feuer auch ist, es birgt Risiken, denn jährlich werden große Waldbrände durch Fahrlässigkeit mit offenen Feuern verursacht. ... Es ist wichtig, einen geeigneten Platz für das Feuer zu wählen. Das Feuer darf sich weder ausbreiten noch Boden oder Pflanzen beschädigen. Kies oder Sandboden eignen sich gut als Bodengrundlage.Moos, Torfboden oder erdiger Waldboden eignen sich nicht so gut. Hier besteht nicht nur die Gefahr, dass sich das Feuer ausbreitet, es kann auch lange im Boden schwelen, um später aufzuflammen.Machen Sie auch nie Feuer auf oder direkt neben Felsen oder Klippen. Diese bersten durch die Hitze und es entstehen unwiderrufliche Schäden.Heruntergefallene Tannenzapfen und Zweige dürfen als Brennmaterial benutzt werden. Es ist nicht erlaubt, Bäume oder Büsche zu fällen oder Reisig, Zweige und Baumrinde von lebenden Bäumen zu schneiden. Auch die Wurzeln umgekippter Bäume (Sturmholz) dürfen nicht als Brennholz verwendet werden.



Für Nationalparks und Naturschutzgebiete gibt es auch hier wieder Sondervorschriften.

Zurück zum Ausgangspunkt meines Erlebnisses. Ort des Geschehens ist ein bezaubernder "wilder" Campingplatz, der bei vielen Norrlandurlaubern sehr beliebt ist. Einige übereifrige Touristen hatten für ein Lagerfeuer einen der wertvollen Bäume, die zur Uferbefestigung dienen, gefällt und zu Feuerholz verarbeitet. Und das war nicht der erste Baum, der an diesem Ort rücksichtslosen Touristen zum Opfer gefallen ist. Das zu sehen und zu verfolgen regt mich - ehrlich gesagt - unglaublich auf.

Deswegen liebe Urlauber:

Nicht stören und nicht zerstören. Und im Zweifel bitte den Ball bewusst flach halten! Denkt daran: Ihr seid auch Botschafter Eurer Kultur und Eures Heimatlandes. Und speziell alle Deutschen seien hier ermahnt, denn der Ruf von Deutschen leidet in unseren Breiten derzeit aus guten Gründen leider zunehmend.



Das Jedermannsrecht (
Ich traue meinen Augen nicht:
Hier wurden die Grenzen des Allemansrätten weit überschritten!