Renmärkning - Erleben Sie einen Hauch von Wildwest in Lappland

Ende Juni erreicht uns gegen Mittag eine SMS. Heute abend sei der beste Zeitpunkt. Wir sollten uns ab ca. 19 Uhr bereit halten. Genauere Details würden folgen. Einige Minuten später dann eine weitere SMS, es geht um eine Reportage über das diesjährige Renmärkning. 

Auf der längeren Anfahrt zum Termin beschleicht mich - während Frau Lappland den Wagen im Tiefflug, aber dennoch sicher über ungeheuerlich-abenteuerliche Waldwege steuert, welche die Bezeichnung "Weg" eigentlich nicht mehr verdienen - ein Gefühl, das ich selten habe. Wenn wir hier irgendwo eine Panne haben, findet uns nie jemand. Schon allein deswegen, weil der aktuelle Standort beinahe unmöglich zu beschreiben wäre. Glücklicherweise sind wir im Konvoi unterwegs.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Renmärkning"? Wie der Name andeutet geht es um Rentiere. Viele Angehörige der Samen (der samischen Ursprungsbevölkerung in Lappland) gehen nach wie vor der traditionellen Rentierzucht nach. Die Rentiere leben den grössten Teil des Jahres in der freien Natur, gelten aber dennoch als zahme Tiere. 

Im späten Frühjahr werden die Kälbchen geboren. Da die Herden frei umherstreifen gibt es ein Problem: Die Zuordnung der Rentiere zu ihren Besitzern. Manche Rentiere tragen ein bestimmtes Halsband oder sind farblich markiert. Halsbänder können aber verloren gehen und die Farbe verschwindet aus dem Fell. Von Alters her gibt es deswegen eine spezielle Art der Markierung und wer zu schwache Nerven hat, sollte jetzt besser nicht weiterlesen. 

Die Tiere eines Besitzers werden jeweils mit einem speziellen Muster der sog. "Renmärke" gekennzeichnet. Das geschieht nach alter Weise durch ein "Schnittmuster" im Rand der Ohren. Die Kennzeichnung erstreckt sich auf beide Ohren und aus dem Gesamtmuster beider Ohren ergibt sich die Zuordnung zum Besitzer. Klingt kompliziert? Ist es für Aussenstehende auch. Der Aufbau der Markierungen folgt einer bestimmten Ordnung. Das jeweilige Sameby (entspricht der Verwaltungseinheit) und die Familienbezeichnung sind die Obermerkmale, die mit Untermerkmalen für den jeweiligen individuellen Besitzer ergänzt werden. Die samische Verwaltung ist modern und so gibt es eine Webseite (und auch eine Version für ältere Mobiltelefone mit einem SMS-Dienst), mit deren Hilfe die genauen Kennzeichnungen ermittelt werden können. 

Das Renmärkning ist ein grosses Ereignis, das üblicherweise um Midsommar herum stattfindet. Rentiere sind sehr schlau und haben einen guten Instinkt. Zu dieser Zeit sammeln sie sich von sich aus an bestimmten Plätzen. Der Herdenverband, der aus mehreren Hundert Rentieren bestehen kann, bietet einen grösseren Schutz gegen Raubtiere (z. B. Bären oder Wölfe). Nach aktuellen Schätzungen und Statistiken fallen ein Drittel der Rentiere jedes Jahr Raubtieren um Opfer, ein anderes Drittel kommt bei Verkehrsunfällen zu Tode. Die Rentierzucht ist ein hartes Gewerbe.

Der Schutzinstinkt der Rentiere hat eine weitere Folge: Die Sammelplätze sind meistens sehr abgelegen und nur schwer zu erreichen.

Ist die Zeit gekommen versammeln sich - meist mit extrem kurzer Ankündigungsfrist, denn die Rentiere bestimmen den Zeitplan - alle Familien, deren Rentiere vor Ort sind. Das Renmärkning beginnt. Wildwest-Romantik ist es für die Beteiligten allerdings nicht, sondern harte und vor allem sehr viel Arbeit. 

Frühmorgens werden die Tiere in einen oder mehrere Round-Pens mit einem Durchmesser von 100-300 Metern getrieben. Die Kälbchen folgen dicht ihren jeweiligen Müttern. Dann stellen sich mehrere Rentierhüter mit grossen Notizblöcken in die Herde und halten Ausschau nach ihnen bekannten Muttertieren. Ist ein Tier identifiziert eilt ein anderer Helfer mit einer Fangschlinge zur Stelle. Die Fallschlinge ist an einer grossen ausziehbaren Stange befestigt.

Sehr behutsam wird das Kälbchen nun eingefangen, was oft nicht beim ersten Versuch gelingt. Tritt das Kälbchen in die Schlinge, zieht der Helfer an der Stange und die Schlinge um einen der Hinterläufe zieht sich zu. Der Helfer zieht weiter und geht gleichzeitig auf das Kälbchen zu, das dann meist schon am Boden liegt. Beinahe liebevoll setzt sich der Helfer auf den Rücken des jungen Rentieres und fixiert dessen Hinterläufe mit seinen Beinen. Dann eilt der Besitzer herbei, zückt sein traditionelles Messer, und schneidet die Kennzeichnung in die Ohren. Der ganze Vorgang dauert nicht länger als zwei, drei Minuten und geht mit einer unbeschreiblichen Ruhe vonstatten, um das Tier keinen unnötigen Belastungen und keinem Stress auszusetzen. Bei mehreren Hunderten von Tieren dauert das ganze Märkning mitunter einen Tag, oder gar länger. Die Helfer aus den einzelnen Familien wechseln sich ab und wer gerade frei hat, grillt etwas oder macht ein Nickerchen. Damit wird das Renmärkning auch zum sozialen Ereignis und zur Kommunikationsplattform. 

Alle Beteiligten sind dankbar, wenn das Wetter mitspielt. Mitunter regnet es in Strömen, was die Arbeit nur noch härter und beschwerlicher macht. Wir hatten Glück: Mildes Wetter, kein Regen und vor allem keine Mückeninvasion.

"Das Renmärkning ist für uns das, was Erntedank für die Landwirte ist", erklärt der Vorsitzende des Samebys. "Hier dürfen wir die Früchte unserer Arbeit sehen".

Am Rande: Es ist äusserst unhöflich, ja geradezu unanständig, einen Rentierzüchter danach zu fragen, wieviele Rentiere er denn besitzt. Die Frage gleicht der Frage, wieviel Geld sich gerade auf dem Bankkonto befindet. Deswegen fragen Sie bitte erst gar nicht, und ersparen Sie sich Peinlichkeiten.

Eine Sache fällt uns auf. Das Alter der Anwesenden ist bunt gemischt, Jung und Alt helfen mit, essen gemeinsam und unterhalten sich. Die Teenager fallen aus dem Raster der Gleichaltrigen. Nur zwei konnten wir erspähen, die während der Arbeitspausen mit einem Smartphone hantierten. Wobei einer dieser Teens höchstwahrscheinlich über beide Ohren verliebt war und mit seiner Liebsten eine Reihe von SMS verschickte.

Die übrigen nehmen "völlig normal" und mit voller Aufmerksamkeit am sozialen Leben der Gruppe teil. Die Naturverbundenheit scheint gegen die technische Reizüberflutung zu helfen.

Rein fotografisch ist das Renmärkning beeindruckend. In freier Wildbahn haben Rentiere eine Fluchtdistanz von etwa 10 Metern. Beim Renmärkning ergibt sich aber die Chance auf Tuchfühlung (besser: Fellfühlung) zu gehen. Und inmitten hunderter Rentiere mit der Kamera auf dem Boden zu liegen ist ein neues Erlebnis, zudem eines das Material und Kleidung fordert.  

Zwei Stunden später verlassen wir den Sammelplatz der Rentiere und das Renmärkning wieder, wissend, dass die harte Arbeit dort noch mehrere Stunden weiter gehen wird. Die Bilder für die Reportage sind im Kasten. Der Heimweg - diesmal ohne Konvoi, aber dank Frau Lapplandblog ohne Zwischenfälle - führt uns gegen Mitternacht an traumhaften und bezaubernden Landschaften vorbei. 

Wir haben die Freigabe, einige Begleitbilder der Reportage hier in einer Bilderstrecke zu zeigen:

-> Zur Bilderstrecke: Renmärkning 2014

Renmärkning
Renmärkning

Work-Life-Balance in Lappland und: Internetzugang im Norden

Die Aussicht ist malerisch. Das Wasser rauscht leise und eine sanfte Brise streicht über den Strand. Ich sitze an meinem für heute gewählten Arbeitsplatz mit meinem Laptop auf dem Schoss und dem Telefon in der Tasche. Eine kleine Bucht an einem See, weitab von der Zivilisation.

Der "Digital Lifestyle" macht es möglich. Und das lockt auch viele digitale Nomaden als Auswanderer an den Polarkreis in Schweden. 

Der Breitbandausbau in der Region ist - gemessen an der Bevölkerungsdichte - sehr gut. In unserem kleinen und beschaulichen Dorf haben wir z. B. 100 Mbit/s Glasfaseranbindung. Wer ausserhalb des mit Breitband erschlossenen Gebietes wohnt, kann auf Internet via Funk ausweichen (3G Geschwindigkeit, bester Anbieter: net1) oder über das Mobilfunknetz gehen. Die beste Netzabdeckung im Norden hat klar Telia (der Nachfolger des ehemaligen staatlichen Televerkets). 3G gibt es in den ländlichen Gebieten ausserhalb grösserer Ortschaften nicht flächendeckend, aber 2G Datenverbindung (EDGE) funktioniert überall. 

Was bedeutet das? Solange ich nicht bei der Arbeit auf grosse Datenvolumina via Internet zugreifen muss, ist mobiles Arbeiten auch in der Natur problemlos möglich (vorausgesetzt, die Akkus sind voll geladen und ein Auto Ladeadapter ist zur Sicherheit mit dabei).  

Und so habe ich den Tag über an einem neuen Buchmanuskript gearbeitet, zwischendrin einige Fische auf dem Feuer gebraten und nebenbei die Aussicht bei Wind und Wetter genossen. Geheimtipp: Das beruhigende Naturambiente ist auch für wichtige Telefonate paradiesisch.

Lappland: Arbeitsplatz in der Natur
Die Aussicht von meinem heutigen Arbeitsplatz


Fototipp: Photo Ninja mit Unterstützung für Kameras von Fujifilm

Seit dem letzten Bericht über Photo Ninja - vor etwa einem Jahr - hat sich wieder viel getan. Die Versionsuhr steht mittlerweile auf 1.2.2 (mit einer 1.2.3 Beta, dazu sogleich mehr).

Was hat sich getan? 

- Eine Vielzahl neuer Kameras sind dazu gekommen. Darunter auch die aktuellen Modelle von Fujifilm. Und in der 1.2.3 Beta wird nun auch die Highlight Recovery für X-Trans Sensoren unterstützt. Da wir keine Fuji im Hause habe, können wir aus eigener Anschauung dazu nichts berichten. Das Feedback, das wir von Fuji-Anwendern bekommen, ist aber durchweg positiv. 

- "Unter der Haube" wurde viel optimiert, was vor allem auch der Geschwindigkeit zugute gekommen ist. Das Arbeiten geht - auf einem zeitgemässen Computer - jetzt richtig flüssig vonstatten. Probleme mit Abstürzen haben wir selbst nur einige Male auf dem PC (jedoch nicht auf dem Mac) erlebt. Hersteller Picturecode gibt jedenfalls an, das Programm sei noch stabiler geworden. Nachdem wir im Haus wieder auf eine reine Mac-Umgebung umgestiegen sind, haben wir aber keine Lust einen PC aus der Mottenkiste zu holen, um das zu testen. 

- Zahlreiche Detailverbesserungen.

Wer eine genaue Übersicht über die Evolution der Software haben möchte, sei auf das Change Log verwiesen.

Was ist unser Urteil nach eineinhalb Jahren Photo Ninja? 

Wir sind immer noch begeistert von der Bildqualität und dem "Look" (RAW-Converter sind ja immer auch eine Frage des persönlichen Geschmacks).

Wer einen RAW-Converter der Spitzenklasse sucht, dem sei Photo Ninja nochmals ausdrücklich ans Herz gelegt. 

Photo Ninja 1.2.2a

Halbzeit

Irreführender Titel? Vielleicht, denn um Fussball und die WM geht es hier nicht.

Nach Kalendertagen haben wir die Halbzeit des Jahres zwar noch nicht erreicht, aber in Schweden erfüllt Midsommar quasi diese Funktion.

Das Wetter in Nordschweden hat sich aber nicht an die Spielregeln gehalten. Der relativ warme und langwierige Winterausklang war ein Eckstoss, der die perfekte Vorlage für einen triumphalen Sommer hätte sein können. Irgendwie stand der Sommeranfang dann aber ganz übel im Abseits, obwohl der Abschlag im Mai gar nicht schlecht war. Er erreichte den gegnerischen Torraum aber leider nicht.

Nach einem kurzen Kick and Rush vor drei Wochen kam die Sommerwärme mit respektablen Tageshöchsttemperaturen von knapp 30 Grad über die Flanke, wurde dann aber von einem beharrlichen Tief mit einem Fallrückzieher übel gefoult.

Die Folge: Null Grad, Schneefall und Hagel an Midsommar. Das Publikum war alles andere als begeistert.

Trotz der dem Tief sofort erteilen gelben Karte hat der Sommer seine alte Hochform bislang nicht wieder erreicht. Der Spielstand gleicht noch eher einem Unentschieden.

Wie sind die Aussichten?  

Wenn sich die Sonne nicht bald ihrer Aufgabe als Spielmacher bewusst wird, könnte es zum Elfmeterschiessen kommen. Ausgang ungewiss.

Lappland 2014 - Sommer im Abseits
Rückblick: Kurzes Stelldichein des Sommers vor drei Wochen

Triohålning und Bürolocher - Klippen bei der Unternehmensgründung in Schweden überwinden

Einleitung

Heute soll es um eine der vielen, kleinen Klippen bei der Unternehmensgründung in Schweden gehen. Eine Klippe, die durchaus auch einigen Unterhaltungswert mit sich bringt (und satirische Züge trägt). 

In der europäischen Unternehmens- und Wirtschaftswelt sollte doch alles auf Standards und Normen beruhen. Die Standardisierung schreitet voran, fehlende Standards können zum Handelshemmnis werden und sich als ziemlich störend erweisen. Darum soll es heute gehen.

Aufmerksame Leserinnen und Leser erinnern sich bestimmt noch an den Artikel  "Warum gibt es noch keine EU-Norm für die Grösse von Eiskugeln?"

Ein ganz ähnliches Problem gibt es auch im Bereich der schwedischen Büroheftung und Aktenablage.


Geschichte

Für diejenigen unter uns, die dem papierlosen Büro der Zukunft (sic!) zum Trotz, immer noch mit Papierkram zu tun haben, sind Aktenordner und Locher Alltagsgeräte. Den Aktenlocher (kurz: Locher) hat Friedrich Soennecken erfunden und 1886 dafür auch vom damaligen Kaiserlichen Patentamt ein Patent erhalten. Der Aktenordner stammt von Leitz.

Das Duo "Locher und Leitz" trat seinen Siegeszug durch Büros und Haushalte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts an. Gelocht und geheftet wurde natürlich in der ganzen Welt. Und da ergab sich das Problem der Standardisierung. Die Lochung musste vereinheitlicht werden, um dem Archivierungschaos - insbesondere bei länderübergreifender Korrspondenz und Aktenablage - Herr zu werden.


Problem

Hier fingen die Probleme an. Es gibt verschiedene Standards für die Aktenlochung. Nun leben wir ja in Europa und man sollte meinen, dass es einen europaweiten, einheitlichen Standard geben müsste. Im Prinzip ja. Aber eben nur im Prinzip.

Genau genommen ist das Problem noch viel schlimmer, denn es gibt ja einen - sogar internationalen - Standard für die Papierlochung im Büro. Dieser Standard hört auf den Namen ISO 838 und stammt in der aktuellen Version aus dem Jahre 1974. Wir alle wissen wie die Standard-Lochung aussieht, denn sie begleitet uns ein Leben lang durch den Alltag. Wer es ganz wisenschaftlich haben möchte, kann hier die Beschreibung des Standards bei der  International Organization for Standardization (Internationale Organisation für Normung) kurz "ISO" herunterladen.

Aber nicht alle Länder folgen dem internationalen Standard.

Auf europäischer Ebene folgen (fast) alle Länder diesem Standard. Fast alle Länder? Ja fast, denn das Königreich Schweden hat seinen eigenen Standard für die Lochung und für Aktenordner.


"Triohålning" (Triolochung) heisst das Zauberwort.

Und zur Triolochung gehört der Trioordner. Und um die Verwirrung noch gröser zu machen, besteht die Triolochung nicht etwas nur aus drei, sondern aus vier Löchern. Erfunden wurde das System 1899 von Andreas Tengwall in Helsingborg. Genau genommen wurde zuerst der Ordner und dann der zu ihm passende Locher erfunden. 

Der Clou am Trioordner ist, dass er - im Gegensatz zu den im Rest Europas gebräuchlichen Ordnern - an einer beliebigen Stelle flach aufgeklappt werden kann (jedenfalls, soweit er nicht "überladen" ist). Im aufgeklappten Ordner können dann - wenn auch etwas hakelig - die Blätter vorwärts und rückwärts - umgeblättert werden.

Die bittere Pille ist die Inkompatibilität zwischen der ISO 838 und der schwedischen Trio-Lochung. Locht man Blätter nach beiden Standards (und vom nordamerikanischen Dreilochsystem wollen wir gar nicht erst anfangen), wird der linke Papierrand ziemlich "dünn" und wenig haltbar.

Wer also sein Unternehmen nach Schweden verlagern möchte, sollte sich auf den Systemwechsel vorbereiten und keine grossen Bestände an leeren zentraleuropäischen Aktenordnern mitbringen.


Rückblick

Beim Schreiben dieser Zeilen denke ich mit etwas Wehmut an die Zeit meines Referendariates beim Landgericht Heidelberg zurück. Heidelberg liegt bekanntlich in Baden. Und in Baden gab es seinerzeit auch noch einen eigenen Standard für die Aktenheftung. Dieser hörte folgerichtig auf den Namen "badische Aktenheftung" und basierte auf zwei kleinen Löchern am oberen linken Papierrand (in der Bürovitrine hüte ich heute noch einen original badischen Aktenlocher). Die Heftung der Akte erfolgte über eine kleine Schnur, die durch die Löcher gefädelt und dann auf der Rückseite der Akte verknotet wurde. Die Kunst, die "richtigen" Knoten zu erlernen, war seinerzeit integraler Bestandteil der Juristenausbildung. Mein bürotechnischer Weitblick in Sachen Aktenlochung war also von frühen Zeiten her bereits geweitet. Vielleicht fiel mir deshalb die Adaption der schwedischen Triolochung nicht besonders schwer...


Ausblick

Der digitale Hoffnungsschimmer glimmt am Horizont und hört auf den Namen "papierloses Büro". Allerings scheint mir die Zukunft nicht ganz so rosig zu sein. Seit 15 Jahren verfolgt mich der Begriff. Aber mit jeder neuen Runde der neuen, papierlosen Welt, ist es immer nur noch mehr Papier geworden. Schade um all die Bäume, die sinnlos gefällt werden.

Sollten wir es aber eines Tages schaffen auf rein-digital umzustellen, wäre zumindest das Locher- und Aktenordner Normierungs Problem vom Tisch. Dafür hätten wir dann mindestens 100 neue (lies: unterschiedliche und inkompatible) Dateistandards am Bein :-)

Triohålning - schwedischer Triolocher - Bürolocher
Schwedischer Triolocher - stanzt vier Löcher nach schwedischem Standard

Triopärm - schwedischer Trioordner - Aktenordner
Schwedischer Trioordner - inkompatibel zum Rest der Welt

"Smygstart" - Ist denn schon 2015?

"Smygstart" würde man auf Schwedisch sagen. "Langsam starten" ist die hier wohl beste Übersetzung.

Moment. Befinden wir uns nicht noch mitten in der angekündigten Auszeit? Irgendwie schon, aber es gab so viele Gelegenheiten die letzten Monate über die es sich zu schreiben gelohnt hätte, dass wir uns zum "Smygstart" entschlossen haben. Nicht mit voller Blogfrequenz, aber eben so, wie wir Lust und Laune haben. Das verbinden wir übrigens gerne wieder einmal mit der Aufforderung, uns Eure"Wunschthemen" mitzuteilen (gerne in den Kommentaren oder per Mail). Was wir in vielen Gesprächen in den vergangenen Monaten gehört haben ist, dass Auwandern und Unternehmensgründung in Schweden von grossem Interesse sind. Das nehmen wir uns gerne thematisch zu Herzen.

Redesign? Wir hatten uns überlegt, die Auszeit über ein grosses Redesign zu überdenken. Das stellen wir erst einmal zurück, denn Form folgt Funktion. Einige kleine Änderungen sind aber "unter der Haube" geschehen. U.a. gibt es jetzt auf Anregung verschiedener Leserinnen und Leser bei allen Bildern einen Pin-It Button, um Bilder direkt auf Pinterest posten zu können.


Feierstunde zum schwedischen Nationaltag 2014


Nationaldag 2014:
Und so hat Schweden gerade wieder seinen Nationaltag gefeiert. Erstaunlich spät, erst im Jahre 2005, wurde der 6. Juni zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Auf den 6. Juni fiel die Wahl, weil Gustav Wasa an eben diesem Tage 1523 zum König gewählt wurde. Ebenfalls am 6. Juni - dieses Mal 1809 - ist die alte schwedische Verfassung in Kraft getreten, die bis zum Jahre 1974 galt.

Kurzer Exkurs zur schwedischen Verfassung: In der ersten Verfassung aus dem Jahre 1809 hiess es noch "Alle Staatsgewalt geht vom König aus".

In der seit 1.1.1975 geltenden, neuen Verfassung heisst es nun in § 1: "All offentlig makt i Sverige utgår från folket.", d.h. alle öffentliche Gewalt geht vom Volk aus. Die Rechte des Monarchen wurden im gleichen Zuge auf verschiedene repräsentative und formelle Aufgaben beschnitten. Die neue Verfassung war übrigens nicht unumstritten und wurde in den ersten Jahren nach dem Inkrafttreten mehrfach geändert und ergänzt. Ende des Exkurses und zurück zum Nationalfeiertag.

Trotz der beiden denkwürdigen Ereignisse (Wahl von Gustav Wasa zum König 1523 und Inkrafttreten der ersten Verfassung 1809), die auf denselben Tag des Jahres (6. Juni) fielen, wurde der Gedenktag (der früher "Svenska Flaggans Dag" hiess) erst 1983 formell zum Nationaltag.

Interessant ist übrigens auch der volkswirtschaftliche Rahmen der Einführung des Nationaltages. Auf Druck der Wirtschaftsverbände (vor allem "Svensk Näringsliv") sollte im Zuge der Einführung des Nationaltages als allgemeiner gesetzlicher Feiertag ein anderer gesetzlicher Feiertag gestrichen werden, um die Wirtschaft nicht zu belasten. Die Wahl fiel schliesslich auf den Pfingstmontag, der seitdem in Schweden ein normaler Arbeitstag ist.

Ein interessantes Detail am Rande: Aus den Gesetzesmaterialien zur Einführung des Nationaltages geht ein weiterer wichtiger Grund für die Einführung des Feiertages hervor. Mehr und mehr Einwanderer hätten sich verwundert darüber gezeigt warum Schweden, im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern, keinen Nationalfeiertag habe.

Lasst Blumen sprechen - Sonnenblume zum Nationalfeiertag mit schwedischer Flagge im Hintergrund
Ein sonniger Nationalfeiertag dieses Jahr - noch ohne allzu viele Mücken in der Luft