Umweltschutz in Lappland - Note: Ungenügend!

Ein leidiges Thema, das uns seit Jahren mehr oder minder beschäftigt: Die Sache mit dem Umwelt- und Naturschutz in Lappland. Wobei beides, Umwelt - und Naturschutz, mittlerweile europaweit im Laufe der letzten Jahre in einen Topf geworfen wurden und es für die breite Masse kaum noch erkennbare Unterschiede zwischen beiden Disziplinen gibt.

Um es nun politisch korrekt auszudrücken (denn der nationale Bezug bei den Einwohnerinnen und Einwohnern darf ja nicht mehr erwähnt werden):

Die ethnisch-native Bevölkerung (damit sind kurz und knapp „die Schweden“ gemeint) nimmt zum (aller-) grössten Teil schlichtweg keine Rücksicht auf ihre Natur und damit auch nicht auf die Umwelt.

Das können wir im Winter wie im Sommer beobachten. In beiden Jahreszeiten werden die Autos mit laufenden Motoren vor den Einkaufsläden geparkt, die Motoren der Quads wie die der Schneemobile werden bis auf den Anschlag hoch gejagt und dann ohne Rücksicht auf irgendetwas oder irgendwen ausgiebig gefahren.

Das ist aber nur die Spitze des Eisberges!

Das alles geschieht in Schweden, dem Land, dessen weltweiter Exportschlager derzeit die ”Heilige Greta Thunberg” mit ihrem Einsatz für „das Klima“ ist. Mal davon abgesehen, dass Greta immer wieder mit relativ vielen Kleidungsstücken aus Plastik (= Umweltkiller) zu sehen ist, scheint es da gewisse ”globale Verständnisprobleme” zu geben.

Greta, am Beginn ihrer „Karriere“ Vertreterin einer schwedischen Umweltorganisation, zieht – zugegebenermassen – eine sehr gute und mittlerweile dem Vernehmen nach auch sehr „einträgliche Show“ ab.

Hut ab.

Nur das mit den multikausalen Zusammenhängen zwischen der Natur, der Umwelt, dem Wetter und dem Klima und insbesondere den Unterschied zwischen Wetter und Klima hat sie nicht drauf. Na ja, sie ist halt auch gerade mal 16 Jahre jung und die Forschung ist sich da mittlerweile ziemlich einig, dass ein Gehirn eben erst mit gegen 30 Jahren voll entwickelt ist.

Kurz und gut: Macht alles nichts, denn auch Heilige dürfen ihre Defizite haben. Dumm halt nur, wenn die jeweiligen „Nachfolger und Jünger“ (sprich: Das zumeist auch unter 30 Jahre junge „Klickvieh“) – insbesondere die besonders stark Fanatisierten – das nicht merken (oder wegen des mittlerweile unterirdischen Bildungsstandes gar nicht mehr merken können?).

Warum eigentlich? Warum fokussiert man sich praktisch nur auf einen Punkt (eMobilität), während andere wichtige Umweltthemen, die in diesem Zusammenhang stehen, völlig ignoriert werden?

Aber was reg ich mich auf.

Gerade einem ethnisch Deutschen, der in Geschichte gut bewandert ist, sind solche Phänomene nicht neu. Hatten wir alles schon einmal. Es gibt nichts Neues unter der Sonne - alles wiederholt sich. Alles.

Eigentlich sollte es hier im Beitrag um ein aktuelles Beispiel zum Naturschutz in Lappland gehen. An der Landstrasse 95 liegt nämlich zwischen Arvidsjaur und Abborrträsk ein geschütztes Naturbiotop. Da steht seit Jahren sogar ein auffälliges Hinweisschild der zuständigen Behörde (Skogsstyrelsen) in dem darauf hingewiesen wird, das das, was dort wächst, krabbelt, fliegt, kreucht und fleucht schützenswert ist.

Warum sonst auch stellt eine staatliche Behörde ein Schild, das der Steuerzahler finanziert hat, auf?

Aus Spass? Aus Langeweile? Wegen der Touristenströme?
Nein, die Touristen klauen doch lieber Elch- und Rentierschilder.

Die Details zum Biotopschutz können hier nachgelesen werden.

Das immer noch dort befindliche Schild am fraglichen Ort sieht so aus:

lappland_hinweisschild_biotop


Soweit so gut.

Auch bei diesem Biotop scheint nun es gewisse „Verständnisprobleme“ gegeben zu haben. Das Biotop wurde nämlich vor Kurzem schlicht und ergreifend komplett abgeholzt. Äusserst schädlich für die geschützte Natur (denn die ist jetzt vollständig zerstört) und im „Gretasprech“ auch schädlich fürs Klima.

Denn Bäume und Grünzeug binden ja das „böse CO2“.

Da steht also ein deutliches Hinweisschild (und es gibt (besser: gab) Markierungen, die den geschützten Bereich abgegrenzt haben) - aber hey, wen kratzt schon ein amtliches Hinweisschild, wenn der Holzpreis gerade gut ist?

lappland_abgeholztes_biotop


Oder beruht das Verständigungsproblem darauf, dass es mit der Bildung... Nein. Das möchte ich mir jetzt gar nicht vorstellen.

Entscheidend ist in der Praxis nur noch, wo am meisten (Geld-) Wert extrahiert werden kann.

Umwelt und Natur? Sch...... wir drauf.

Die Bäume stehen nun bestimmt gelangweilt an der Börse und warten auf einen Zuschlag. So läuft das. Einfach!

PS 1:

Weil es gerade so schön passt. Und dann sind sie so dämlich und können keine richtige Müllentsorgunsanlage bauen, sondern wundern sich, dass ihnen ihre offene Müllhalde in Skellefteå Feuer gefangen hat.

Das auch noch im Hochsommer, der jedes Jahr Plusgrade vorbei schickt.

Ui, böse Welt.

Wieviel CO2 (und welche anderen hochgiftigen Gase zusätzlich - die Bevölkerung wurde aufgefordert, sich in geschlossene Räume zu begeben und alle Fenster und Türen zu schliessen (bei 35 Grad)) sind da wohl freigesetzt worden?

Gerade meldet die Zeitung, dass die Feuerwehr mit den Löscharbeiten überfordert sei, und es da noch einige Tage weiter brennen würde.

Und etliche Geschäfte und Restaurants in der Gegend sind übrigens geschlossen, um das Personal und die Gäste keinen schädlichen Auswirkungen auszusetzen.

Naja...

PS 2:

Was mich an der CO2 Debatte etwas verwundert:

Es wird ja in Europa gerade kräftig aufgerüstet. Hier in Nordschweden gibt es mittlerweile mehrere internationale Grossmanöver mit vollem Set der Waffengattungen in jedem Winter. Über die CO2-Bilanz der bei Politikern (und Industrie) sehr beliebten Kriegsspiele herrscht strenges Stillschweigen.

Dann frage ich einmal:

Wie viel CO2 stösst ein einzelner Kampfjet aus?
Wie viel Tonnen CO2 stösst ein einziger Panzer aus?
Und bei Manövern und im Krieg sind da einige mehr im Einsatz - da geht es um richtig viele Emissionen...

Denkt mal drüber nach, warum Sie Euch ein eAuto verkaufen wollen und nicht so konsequent sind, auch bei sich vor der eigenen Haustüre zu fegen.

[Update] Die Hitzewelle hat Lappland erreicht: Lasst mich bloss in Ruhe - Nachtrag 2019-07-26

Normalerweise sind wir hier oben in den nördlichen Gefilden Lapplands ganz froh, wenn es etwas wärmer ist, als in der Wettervorhersage prognostiziert. Meldet die Vorhersage z. B. minus 30 und es sind dann nur minus 25 ist das ein Grund zur Freude.

Nicht aber im Sommer. Meldet die Vorhersage plus 25 und es werden dann plus 30, dann sind wir – auf Neudeutsch – ”angefressen”. Die plus 30er-Marke ist eine Art magischer Grenze, ab deren Erreichen der das Leben deutlich an Qualität einbüsst. Wir sind hier oben schlicht nicht eingerichtet für diese Temperaturen. Unsere Häuser sind sehr gut isoliert. Sie heizen sich nur langsam auf, halten die einmal aufgenommene Wärme aber sehr, sehr lange. Im Winter macht das viel Sinn, im Sommer leider gar keinen.

Und so warten wir gespannt ab, denn der schwedische Wetterdienst SMHI prophezeit für diesen Freitag den wärmsten Tag in Schweden seit der Einführung der Temperaturmessungen. Mit der üblichen Plusabweichung könnten es dann tatsächlich plus 35 werden. Rekordwärme. Ja, ja, das Wetter ändert sich.

Unsere besonderes Mitleid gilt der Tierwelt. Die letzten Tage haben wir viele apathisch liegende Rentiere gesehen und auch Hasen und Auerhähne bleiben einfach erschöpft sitzen, wenn man sich ihnen nähert.

Hitzewelle in Lappland: Apathisches Rentier
Es ist heiss - Lasst mich bloss in Ruhe

Update / Nachtrag 2019-07-26:

Und da haben heute wir um 16.26 tatsächlich die Marke von plus 35 Grad „geknackt“. Die Sonne brennt erbarmungslos und die Hitze ist schlicht unerträglich. Das Wetter (nein, nicht das Klima - wer es nicht weiss, soll sich bitte sachkundig machen) - hat sich verändert.

Um 16.26 war es soweit: plus 35 Grad in Lappland
Um 16.26 war es soweit: plus 35 Grad in Lappland

Ja, ich weiss: Das Armaturenbrett sollte wieder mal geputzt werden. Mach ich aber i.d.R. immer erst dann, wenn ein Auto verkauft wird ;)


Die Sonne war den ganzen Tag über erbarmungslos
Wie im Toaster - Die Sonne war den ganzen Tag über erbarmungslos

Lappland: Déjà-vu in Arvidsjaur

Über so manche Deutsche (insbesondere die dauerhaft sesshaft Werdenden) wird hier in Lappland bisweilen der bekannte Spruch: „Behüte uns vor Sturm und Wind, und…“ geäussert. Darum soll es hier und heute aber primär nicht gehen.

Anders verhält es sich in der Regel mit den „touristisch-wohnmobilistischen“ Urlaubern. Diese sind meist durch „eindeutige Identifikationsmerkmale“ ganz unabhängig von Nationalitätenkennzeichen oder KfZ-Kennzeichen deutlich als Deutsche erkennbar.

Ein Beispiel anhand eines Déjà-vu in Arvidsjaur.

Arvidsjaur ist aufgrund seiner zentralen und verkehrslogistischen Lage eine Art „Umschlagplatz“ für Urlauber, die mit Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs sind.

Diese Woche bin ich auf der Suche nach interessanten Fotomotiven so um die Mittagszeit durch Arvidsjaur geschlendert und dabei auf ein „typisch deutsches“ Wohnmobil gestossen, das ziemlich exakt vor genau einem Jahr an genau derselben Stelle geparkt hatte. Ich hatte meinen Fund damals auf Instagram gepostet mit dem Text:

„How to spot german tourists around the #arcticcircle in #swedishlapland“.

Manchmal ist das Leben voller Überraschungen.

Ach ja, ich habe es dann nochmals abgelichtet, damit die beiden Identifikationsmerkmale deutlich erkennbar sind:

Ein Elch-Aufkleber und ein Rentier-Warnschild.

Elch-Aufkleber und Rentier-Warnschild - Eindeutige Identifikationsmerkmale deutscher Touristen in Lappland
“Eindeutige Identifikationsmerkmale deutscher Touristen in Lappland“


Wobei ich mir immer die wieder Frage stelle, wo die ganzen Schilder herkommen. Tausende von Warnschildern „Elch“ und „Rentier“ werden jedes Jahr - höchstwahrscheinlich von Touristen - wieder einmal abgeschraubt und einfach mitgenommen.

Diese Plage ist mittlerweile so ernst, dass sogar schon vorgeschlagen wurde, die Schilder mit den „niedlichen Tierchen“ durch schlichtere Schilder ohne Symbolbild und stattdessen nur mit dem Text „ELCH“ („ÄLG“) oder „REN“ zu ersetzen.

Beschlossen ist noch nichts, aber die Schilder erfreuen sich nach wie vor grösster Beliebtheit.

Nota bene: Die Schilder könnten auch legal erworben werden. Ein Blick auf die Rückseite des Schildes verrät die Herkunft. Bei legal erworbenen Schildern findet sich ein Aufkleber mit einem Zertifikat über den Erwerb auf der Schilderrückseite. Bei gestohlenem Gut ein Aufdruck der Strassenbehörde und ab und zu gibt es auch gar nichts zu lesen. Wir leben nämlich im digitalen Zeitalter und auch so manch andere Konsumware ist mit einem beinahe unsichtbaren RFID Chip versehen.

Und wer sich mit einem gestohlenen Schild am Auto erwischen lässt, darf sich auf ein Strafverfahren freuen.

Dürften in Deutschland auch Verkehrsschilder gestohlen werden? Auch mit dem Wissen, dass diese unter anderem Warnhinweise enthalten deren Entfernung anderen Verkehrsteilnehmern das Leben kosten könnte?

Denn so schlappe 380 bis 700 Kilogramm Lebendgewicht von einem Elch auf der Motorhaube erhöhen nicht gerade die Lebenserwartung!

Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung

Zeitgeschichte live: Heute vor 50 Jahren setzte die zur Apollo 11 Mission gehörende Landefähre „Eagle“ auf dem Mond auf und Neil Armstrong und Buzz Aldrin schreiben ein Stück Menschheitsgeschichte, als sie den Mond betreten: Die ersten Menschen auf dem Mond.

Legendär der berühmte Ausspruch von Neil Armstrong, als er auf den Erdtrabanten hüpfte: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“.

Also erinnern kann ich mich daran nicht mehr, da war ich noch etwas zu jung. Aber am vergangenen Wochenende habe ich mich auf die Suche im Archiv begeben und bin fündig geworden. Der komplette Jahrgang 1969 von National Geographic lag da ordentlich archiviert in einer Kiste. Inklusive der grossen Mondkarte und einer Schallplatte mit den Aufnahmen vom Ausstieg der Astronauten auf der Mondoberfläche.

War eine sehr schöne und aufwühlende Abendlektüre die vergangenen Tage. Überhaupt sind ja alte Jahrgänge von National Geographic immer wieder ein wahrer Augenschmaus.

Übrigens: Echte Raumfahrt- und Mondlandungsfans die Interesse an dem Jahrgangspaket National Geographic 1969 Interesse haben dürfen sich gerne mit einem Gebot melden.

Originaljahrgang 1969 von National Geographic - Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung
Jubiläum - Apollo 11: 50 Jahre Mondlandung
Hier der Originaljahrgang 1969 von National Geographic dazu

Chill-out-Zone Lappland

Heute eine Gratwanderung zwischen Jugendkultur und Tourismus. Lappland ist das geborene Paradies für alle, die in Ruhe und Frieden einfach nur chillen wollen.

Warum das? Man muss ja mit der Zeit gehen. Nein, eigentlich nicht. Aber zumindest der Versuch des Verstehens, was sich hinter allerlei modernen Trends und Phänomen verbirgt, sollte ständig geübt werden.

Da hätten wir seit geraumer Zeit den neudeutschen Begriff des „Chillens“. Nein, da geht es nicht um den gleichnamigen Argentinischen Kampffuchs (Lycalopex griseus, auch Patagonischer Fuchs genannt) und auch nicht um den gleichnamigen Ort in Gambia.

Vielmehr geht es um eine Art der „Lebenskunst“.

Die Kunst des Chillens besteht nämlich darin, sich auszuruhen von etwas, das man nicht getan hat. Die pure Unproduktivität in Reinform sozusagen.


Das Wort Chillen ist dem amerikanischen Slang entlehnt und bedeutet soviel wie sich beruhi-
gen, sich entspannen, rumhängen, abhängen.

Wie ich die vergangenen Monate lernen durfte, stehen der Begriff (den es gleichlautend auch auf Schwedisch gibt) und die damit verbundene Nicht-Tätigkeit insbesondere bei Jugendlichen hoch im Trend. Aber auch die älteren Semester versuchen sich immer öfter an dieser Kunst im Alltag.

O tempora, o mores - viel mehr fällt mir dazu nicht ein. Zu unserer Zeit hätte man stattdessen „Rumlungern“ oder „Faulenzen“ gesagt. Aber diese Begriffe enthalten wahrscheinlich eine zu starke negative Wertung und wirken nicht hinreichend positiv verstärkend.

Nun aber Schluss mit der Häme.

Wer chillen mag, darf das natürlich tun - also jedenfalls zeitlich befristet. Und Lappland ist für einen Chill-out-Urlaub der perfekte Platz. Im Einmannzelt in der freien Natur mit gigantischem Ausblick die Ruhe geniessen. Was kann es Schöneres für einen Hardcore-Chiller geben?

Schade nur, dass die Mücken vom Chillen nicht so viel halten. Aber das lernen die bestimmt noch. Wenn nicht, dann rotten wir sie eben aus.

Abendstimmung Sonnenuntergang Lappland
“Chill-out-Zone“ in Lappland

Lappland: Slalom gibt es nicht nur im Winter

Eigentlich ist Lappland berühmt für den Winter mit seinen Wintersportmöglichkeiten. Slalom fahren kann (besser: muss) man aber auch bisweilen im Sommer. Wie das?

Zu dieser Jahreszeit sammeln sich die nach dem Winter meist verstreut und in kleinen Gruppen lebenden Rentiere wieder zu grösseren Herden. Mir ihren 2-3 Monate alten Jungtieren bietet ihnen der Herdenverband besseren Schutz vor Raubtieren und auch gegen die Bremsen. Sie können einem wirklich leid tun wenn man sieht, wie ganze Geschwader von Bremsen über die Tiere herfallen (die dabei fast wahnsinnig werden).

Die Herden halten sich - wenn sie nicht gerade mit Fressen im Wald beschäftigt sind - gerne auf Strassen auf. Auf der freien Strassenfläche gibt es weniger Fluggetier. Und bevorzugt stehen diese Herden (mitunter bis zu 150 Tiere) hinter Kurven oder an anderen unübersichtlichen Stellen. Womit wir beim Slalom wären. Manchmal bleibt einem dann nichts anderes übrig, als einen schnellen Slalomkurs zu fahren. Schweden sind dabei relativ rücksichtslos (insbesondere LKW Fahrer): sehr oft sieht man angefahrene und tote Rentiere im Graben liegen. Wenn es zu einem Wildunfall kommt unbedingt die 112 anrufen (schwedische Notrufnummer) und den Unfall melden. Sonst macht man sich strafbar. Die Unfallstelle muss ausserdem mit einem deutlich sichtbaren Zeichen abgesichert werden. Deswegen gibt es so viele Stellen mit angebundenen Plastiktüten an Stecken und bäumen: sie kennzeichen Wildunfallstellen.

Rentiere haben keine natürliche Angst vor Autos. Sie bleiben beharrlich auf der Strasse stehen und entscheiden selbst, wenn sie die Strasse wieder verlassen wollen (das gilt übrigens auch für Elche). Der Schwede hupt dann wie wild, aber die Rentiere lassen sich davon nur wenig beeindrucken. Anders sieht es aus, wenn man die Tür öffnet und aussteigt. Die Fluchtdistanz zum Menschen liegt bei ca. 15-20 Metern. Will sagen, die Rentiere machen sich dann gleich aus dem Staub. Eine gute Idee ist das i.d.R. aber dennoch nicht. Denn sofort fallen Schwärme von Bremsen über den Menschen her. Also am besten immer Pufferzeit einplanen, Fenster schliessen und abwarten. Das Naturschauspiel ist es wert.

Deswegen liebe Urlauber und Besucher: Bitte erhöhte Aufmerksamkeit auf Lapplands Strassen im Sommer! Am besten ist es doch, erst gar keinen „Sommerslalom“ fahren zu müssen. Gerade mit einem schweren Wohnmobil oder Wohnanhänger kann eine Vollbremsung bei überhöhter Geschwindigkeit mit Ausweichmanöver kopfüber im Strassengraben enden. Für Motorradfahrer enden solche Situationen oft gar tödlich. Das muss nicht sein.

Lappland - Rentierherde auf Strasse
“Sommerslalom“ - Rentierherde auf der Strasse

Der Wahnsinn hat Methode - Blutsaugendes Stechgetier am Polarkreis in Lappland

Über das Wetter habe ich dieses Jahr nicht viel geschrieben. Es ist feucht-warm. Hier in Lappland wird oft über den Sommer gescherzt. Ein beliebter Witz lautet z. B. (frei übersetzt): Oh, auch dieses Jahr ist es wieder Sommer. Er ist am Mittwoch. Das soll zum Ausdruck bringen, dass der Sommer seinem Namen bisweilen keine Ehre macht. Es gab schon Jahre, in denen wir praktisch das ganze Jahr über mit Heizung gelebt haben um keine Frostbeulen im Sommer zu bekommen.

Dieses Jahr ist das wieder einmal ganz anders. Natürlich ist der Sommer hier nicht mit einem „Hochtemperatursommer“ in Deutschland zu vergleichen. Temperaturen jenseits der plus 25 sind ungewöhnlich und sehr selten. Aber nach einem langen und harten Winter sind 20-25 Plusgrade schon ein „richtiger“ Sommer. Diese Art von Wärme hat dieses Jahr - gepaart mit Regen - um Midsommar herum angefangen. Streckenweise hat sich der Sommer subtropisch angefühlt. Das wäre ja an und für sich nicht schlimm, wenn, ja wenn da nicht die blutsaugenden Fluginsekten wären. Fecht-warmes Wetter führt zu deren explosionsartiger Vermehrung und macht es an manchen Tagen praktisch unmöglich in die Natur zu gehen. Die besonders exponierten Stellen sind gerade eben die Plätze, an denen man sich im Sommer gerne aufhält: Dichterer Wald und feuchte Strandgebiete (bzw. Gebiete in Wassernähe).

Eine „Wolke“ an Stechmücken um sich zu haben, verdirbt einem schlichtweg die gute Laune und 100 Mückenstiche machen auch alles andere als Spass.
Die klassischen Mückenmittel (über die wir hier schon einmal berichtet hatten) kommen da an ihre Grenzen, zumal sie für alle Plastikteile (Kameraausrüstung!) ziemlich schädlich sind. Sie greifen nämlich Plastik an und lösen es auf.

Also haben wir mal die Alternativen systematisch durchprobiert.

Lagerfeuer am Seeufer in Lappland


An erster Stelle wäre da ein möglich heftig qualmendes Lagerfeuer. Aus irgendwelchen Gründen mögen die Stechmücken keinen Rauch. Also ein Lagerfeuer entfachen und dann grüne Gräser und Zweige (mit Blättern oder Nadeln) draufgeben, sodass es gut qualmt. Bitte die einschlägigen Brandschutzvorschriften beachten und die Feuerstelle beim Verlassen richtig (!) und gründlich (!) löschen. Das Problem ist, dass der Rauch in Richtung des Windes zieht. Man muss sich also immer wieder mal neu positionieren. Ausserdem brennt der Rauch in den Augen und die Kleider stinken dann auch entsprechend. Aber es nützt etwas.

Mückenspirale m Einsatz


Eine weitere Alternative sind Mückenspiralen, die - einmal angezündet - vor sich hin glimmen und ihren Duft verbreiten. Im ungeschützten Freien verpufft die Wirkung aber recht leicht. Getestet haben wir die von US622. Die enthaltenen Wirkstoffe sind aber extrem schädlich für Gewässer (und alles, was darin lebt). Vorsicht ist also angesagt. Uns haben die Mückenschutzspiralen nicht überzeugt.

Kreativer Verdampferofen zum Mückenschutz


Eine kreative Lösung haben wir durch Zufall entdeckt. Vielleicht kennen Sie die Mückenschutzstecker, in die kleine Plättchen gesteckt werden. Die Stecker sind eigentlich für 220 Volt gebaut, die es in der freien Natur in der Regel nicht hat. Aber die Plättchen werden durch den Stecker nur erhitzt, wobei der Wirkstoff freigesetzt wird. Mit einem Multitool, einem Teelicht und einer leeren Getränkedose lässt sich in ein paar Minuten ein einfacher „Verdampferofen“ bauen, der mit den Plättchen aus dem Mückenstecker zum gewünschten Ergebnis führt. Wie auch für die Mückenspiralen gilt, dass es nicht zu windig sein sollte (sonst verpufft die Wirkung). Das Mittel in den Plättchen ist vermutlich nicht sonderlich gesundheitsfördernd, aber es wirkt. Auch hier gilt: Beim Verlassen des Ortes bitte den verbleibenden Müll wieder mitnehmen.

Fazit: Das qualmende Lagerfeuer hat den grössten Charme, der kreative Verdampferofen die grösste Effektivität.

Alle Jahre wieder: Die wilden Orchideen blühen in Lappland

Sie waren schon verschiedentlich Thema hier im Blog (z. B. hier) und sie sind immer wieder eine Quelle der Freude. Die wilden Orchideen blühen wieder in Lappland. Dieses Jahr sind es wegen des feucht-warmen Wetters besonders viele.

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Wilde Orchideen in Lappland

„Urban Jungle“ - ein Teil der Lösung des Klimaproblems

Die klimafreundliche Elektrifizierung schreitet in allen Lebensbereichen voran und ich zerbreche mir gerade den Kopf, wie wirklich alle entscheidenden Bereiche des Lebens auf Elektroantrieb umgestellt werden können. Der Schwede liebt zum Beispiel sein Schneemobil („Snöskoter“) im Winter und den Rasenmäher („Gräsklippare“, bzw. „Åkgräsklippare“ (Aufsitzrasenmäher)) im Sommer. Die Elektrolösung für Schneemobile dürfte derzeit noch im Bereich des technisch Unmöglichen liegen. Aber der in der Regel im wärmeren Sommer betriebene Rasenmäher scheint ein realistisches Opfer zu sein. Vor meinem geistigen Auge sehe ich - wie in einem Wachtraum - die Nachbarn auf ihren fahrbaren Rasenmähern mit schweren, batteriebeladenen Anhängern über die Rasenflächen kurven. Beinahe lautlos (jedenfalls so lange, bis sie das Stromaggregat zum Nachladen der Batterien anwerfen - so wie bei den Linienbussen in Oslo - aber das ist eine andere Geschichte).Traumhafte Stille.

Doch der Traum scheint durch eine neue Studie der ETH Zürich wie eine Seifenblase zu zerplatzen.

Die neue Studie besagt, kurz zusammengefasst:

„Die weltweite Aufforstung von Wäldern wäre auf einer Fläche von 0,9 Milliarden Hektar möglich und könnte so zwei Drittel der vom Menschen verursachten CO2 -Emissionen aufnehmen. Dies wäre die effektivste Massnahme gegen den Klimawandel.“



Mehr Grünzeug und nicht weniger wäre also das Problem der derzeitigen weltweiten Krise. Die bestechende Schlichtheit des Lösungsansatzes mutet geradezu komisch an in Anbetracht der globalen Ratlosigkeit in der Politik. CO2-Abgaben als „Steuerungsanreize“ waren und sind in aller Politiker Munde. Bewährte Lösung: Neue Steuern und Abgaben einführen. Geld im Staatssäckel wird schliesslich immer gebraucht.

Aber die Lösung könnte ja so einfach sein. Und wer sich vielleicht noch an den Erdkundeunterricht in der ca. siebten Klasse zurückerinnert (Stichwort: Regenwald), hätte sogar selber draufkommen können. Jedenfalls gebührt dem Forscherteam der ETH Zürich jetzt alle Ehre, das die Lösung jetzt wissenschaftlich untermauert hat: Mehr Grünzeug muss her. Denn durch die gute alte Photosynthese wird CO2 im Grünzeug gebunden. Laut Wikipedia wurde sie übrigens 1796 erstmals wissenschaftlich experimentell beschrieben. Manchmal dauert es halt etwas länger, bis sich eine Erkenntnis wirklich durchsetzt. Aber zurück zum Thema.

Kurz und gut: Auf die kleinen Schritte kommt es an. Weg mit all den „englischen Rasenflächen“. Der wahre „Urban Jungle“ ist ein Schritt zur Lösung des Klimaproblems.

Grünzeug - Einzelkämpfer fürs Klima
Ein kleiner Einzelkämpfer fürs Klima