Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung

Zeitgeschichte live: Heute vor 50 Jahren setzte die zur Apollo 11 Mission gehörende Landefähre „Eagle“ auf dem Mond auf und Neil Armstrong und Buzz Aldrin schreiben ein Stück Menschheitsgeschichte, als sie den Mond betreten: Die ersten Menschen auf dem Mond.

Legendär der berühmte Ausspruch von Neil Armstrong, als er auf den Erdtrabanten hüpfte: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“.

Also erinnern kann ich mich daran nicht mehr, da war ich noch etwas zu jung. Aber am vergangenen Wochenende habe ich mich auf die Suche im Archiv begeben und bin fündig geworden. Der komplette Jahrgang 1969 von National Geographic lag da ordentlich archiviert in einer Kiste. Inklusive der grossen Mondkarte und einer Schallplatte mit den Aufnahmen vom Ausstieg der Astronauten auf der Mondoberfläche.

War eine sehr schöne und aufwühlende Abendlektüre die vergangenen Tage. Überhaupt sind ja alte Jahrgänge von National Geographic immer wieder ein wahrer Augenschmaus.

Übrigens: Echte Raumfahrt- und Mondlandungsfans die Interesse an dem Jahrgangspaket National Geographic 1969 Interesse haben dürfen sich gerne mit einem Gebot melden.

Originaljahrgang 1969 von National Geographic - Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung
Jubiläum - Apollo 11: 50 Jahre Mondlandung
Hier der Originaljahrgang 1969 von National Geographic dazu

Chill-out-Zone Lappland

Heute eine Gratwanderung zwischen Jugendkultur und Tourismus. Lappland ist das geborene Paradies für alle, die in Ruhe und Frieden einfach nur chillen wollen.

Warum das? Man muss ja mit der Zeit gehen. Nein, eigentlich nicht. Aber zumindest der Versuch des Verstehens, was sich hinter allerlei modernen Trends und Phänomen verbirgt, sollte ständig geübt werden.

Da hätten wir seit geraumer Zeit den neudeutschen Begriff des „Chillens“. Nein, da geht es nicht um den gleichnamigen Argentinischen Kampffuchs (Lycalopex griseus, auch Patagonischer Fuchs genannt) und auch nicht um den gleichnamigen Ort in Gambia.

Vielmehr geht es um eine Art der „Lebenskunst“.

Die Kunst des Chillens besteht nämlich darin, sich auszuruhen von etwas, das man nicht getan hat. Die pure Unproduktivität in Reinform sozusagen.


Das Wort Chillen ist dem amerikanischen Slang entlehnt und bedeutet soviel wie sich beruhi-
gen, sich entspannen, rumhängen, abhängen.

Wie ich die vergangenen Monate lernen durfte, stehen der Begriff (den es gleichlautend auch auf Schwedisch gibt) und die damit verbundene Nicht-Tätigkeit insbesondere bei Jugendlichen hoch im Trend. Aber auch die älteren Semester versuchen sich immer öfter an dieser Kunst im Alltag.

O tempora, o mores - viel mehr fällt mir dazu nicht ein. Zu unserer Zeit hätte man stattdessen „Rumlungern“ oder „Faulenzen“ gesagt. Aber diese Begriffe enthalten wahrscheinlich eine zu starke negative Wertung und wirken nicht hinreichend positiv verstärkend.

Nun aber Schluss mit der Häme.

Wer chillen mag, darf das natürlich tun - also jedenfalls zeitlich befristet. Und Lappland ist für einen Chill-out-Urlaub der perfekte Platz. Im Einmannzelt in der freien Natur mit gigantischem Ausblick die Ruhe geniessen. Was kann es Schöneres für einen Hardcore-Chiller geben?

Schade nur, dass die Mücken vom Chillen nicht so viel halten. Aber das lernen die bestimmt noch. Wenn nicht, dann rotten wir sie eben aus.

Abendstimmung Sonnenuntergang Lappland
“Chill-out-Zone“ in Lappland

Lappland: Slalom gibt es nicht nur im Winter

Eigentlich ist Lappland berühmt für den Winter mit seinen Wintersportmöglichkeiten. Slalom fahren kann (besser: muss) man aber auch bisweilen im Sommer. Wie das?

Zu dieser Jahreszeit sammeln sich die nach dem Winter meist verstreut und in kleinen Gruppen lebenden Rentiere wieder zu grösseren Herden. Mir ihren 2-3 Monate alten Jungtieren bietet ihnen der Herdenverband besseren Schutz vor Raubtieren und auch gegen die Bremsen. Sie können einem wirklich leid tun wenn man sieht, wie ganze Geschwader von Bremsen über die Tiere herfallen (die dabei fast wahnsinnig werden).

Die Herden halten sich - wenn sie nicht gerade mit Fressen im Wald beschäftigt sind - gerne auf Strassen auf. Auf der freien Strassenfläche gibt es weniger Fluggetier. Und bevorzugt stehen diese Herden (mitunter bis zu 150 Tiere) hinter Kurven oder an anderen unübersichtlichen Stellen. Womit wir beim Slalom wären. Manchmal bleibt einem dann nichts anderes übrig, als einen schnellen Slalomkurs zu fahren. Schweden sind dabei relativ rücksichtslos (insbesondere LKW Fahrer): sehr oft sieht man angefahrene und tote Rentiere im Graben liegen. Wenn es zu einem Wildunfall kommt unbedingt die 112 anrufen (schwedische Notrufnummer) und den Unfall melden. Sonst macht man sich strafbar. Die Unfallstelle muss ausserdem mit einem deutlich sichtbaren Zeichen abgesichert werden. Deswegen gibt es so viele Stellen mit angebundenen Plastiktüten an Stecken und bäumen: sie kennzeichen Wildunfallstellen.

Rentiere haben keine natürliche Angst vor Autos. Sie bleiben beharrlich auf der Strasse stehen und entscheiden selbst, wenn sie die Strasse wieder verlassen wollen (das gilt übrigens auch für Elche). Der Schwede hupt dann wie wild, aber die Rentiere lassen sich davon nur wenig beeindrucken. Anders sieht es aus, wenn man die Tür öffnet und aussteigt. Die Fluchtdistanz zum Menschen liegt bei ca. 15-20 Metern. Will sagen, die Rentiere machen sich dann gleich aus dem Staub. Eine gute Idee ist das i.d.R. aber dennoch nicht. Denn sofort fallen Schwärme von Bremsen über den Menschen her. Also am besten immer Pufferzeit einplanen, Fenster schliessen und abwarten. Das Naturschauspiel ist es wert.

Deswegen liebe Urlauber und Besucher: Bitte erhöhte Aufmerksamkeit auf Lapplands Strassen im Sommer! Am besten ist es doch, erst gar keinen „Sommerslalom“ fahren zu müssen. Gerade mit einem schweren Wohnmobil oder Wohnanhänger kann eine Vollbremsung bei überhöhter Geschwindigkeit mit Ausweichmanöver kopfüber im Strassengraben enden. Für Motorradfahrer enden solche Situationen oft gar tödlich. Das muss nicht sein.

Lappland - Rentierherde auf Strasse
“Sommerslalom“ - Rentierherde auf der Strasse

Der Wahnsinn hat Methode - Blutsaugendes Stechgetier am Polarkreis in Lappland

Über das Wetter habe ich dieses Jahr nicht viel geschrieben. Es ist feucht-warm. Hier in Lappland wird oft über den Sommer gescherzt. Ein beliebter Witz lautet z. B. (frei übersetzt): Oh, auch dieses Jahr ist es wieder Sommer. Er ist am Mittwoch. Das soll zum Ausdruck bringen, dass der Sommer seinem Namen bisweilen keine Ehre macht. Es gab schon Jahre, in denen wir praktisch das ganze Jahr über mit Heizung gelebt haben um keine Frostbeulen im Sommer zu bekommen.

Dieses Jahr ist das wieder einmal ganz anders. Natürlich ist der Sommer hier nicht mit einem „Hochtemperatursommer“ in Deutschland zu vergleichen. Temperaturen jenseits der plus 25 sind ungewöhnlich und sehr selten. Aber nach einem langen und harten Winter sind 20-25 Plusgrade schon ein „richtiger“ Sommer. Diese Art von Wärme hat dieses Jahr - gepaart mit Regen - um Midsommar herum angefangen. Streckenweise hat sich der Sommer subtropisch angefühlt. Das wäre ja an und für sich nicht schlimm, wenn, ja wenn da nicht die blutsaugenden Fluginsekten wären. Fecht-warmes Wetter führt zu deren explosionsartiger Vermehrung und macht es an manchen Tagen praktisch unmöglich in die Natur zu gehen. Die besonders exponierten Stellen sind gerade eben die Plätze, an denen man sich im Sommer gerne aufhält: Dichterer Wald und feuchte Strandgebiete (bzw. Gebiete in Wassernähe).

Eine „Wolke“ an Stechmücken um sich zu haben, verdirbt einem schlichtweg die gute Laune und 100 Mückenstiche machen auch alles andere als Spass.
Die klassischen Mückenmittel (über die wir hier schon einmal berichtet hatten) kommen da an ihre Grenzen, zumal sie für alle Plastikteile (Kameraausrüstung!) ziemlich schädlich sind. Sie greifen nämlich Plastik an und lösen es auf.

Also haben wir mal die Alternativen systematisch durchprobiert.

Lagerfeuer am Seeufer in Lappland


An erster Stelle wäre da ein möglich heftig qualmendes Lagerfeuer. Aus irgendwelchen Gründen mögen die Stechmücken keinen Rauch. Also ein Lagerfeuer entfachen und dann grüne Gräser und Zweige (mit Blättern oder Nadeln) draufgeben, sodass es gut qualmt. Bitte die einschlägigen Brandschutzvorschriften beachten und die Feuerstelle beim Verlassen richtig (!) und gründlich (!) löschen. Das Problem ist, dass der Rauch in Richtung des Windes zieht. Man muss sich also immer wieder mal neu positionieren. Ausserdem brennt der Rauch in den Augen und die Kleider stinken dann auch entsprechend. Aber es nützt etwas.

Mückenspirale m Einsatz


Eine weitere Alternative sind Mückenspiralen, die - einmal angezündet - vor sich hin glimmen und ihren Duft verbreiten. Im ungeschützten Freien verpufft die Wirkung aber recht leicht. Getestet haben wir die von US622. Die enthaltenen Wirkstoffe sind aber extrem schädlich für Gewässer (und alles, was darin lebt). Vorsicht ist also angesagt. Uns haben die Mückenschutzspiralen nicht überzeugt.

Kreativer Verdampferofen zum Mückenschutz


Eine kreative Lösung haben wir durch Zufall entdeckt. Vielleicht kennen Sie die Mückenschutzstecker, in die kleine Plättchen gesteckt werden. Die Stecker sind eigentlich für 220 Volt gebaut, die es in der freien Natur in der Regel nicht hat. Aber die Plättchen werden durch den Stecker nur erhitzt, wobei der Wirkstoff freigesetzt wird. Mit einem Multitool, einem Teelicht und einer leeren Getränkedose lässt sich in ein paar Minuten ein einfacher „Verdampferofen“ bauen, der mit den Plättchen aus dem Mückenstecker zum gewünschten Ergebnis führt. Wie auch für die Mückenspiralen gilt, dass es nicht zu windig sein sollte (sonst verpufft die Wirkung). Das Mittel in den Plättchen ist vermutlich nicht sonderlich gesundheitsfördernd, aber es wirkt. Auch hier gilt: Beim Verlassen des Ortes bitte den verbleibenden Müll wieder mitnehmen.

Fazit: Das qualmende Lagerfeuer hat den grössten Charme, der kreative Verdampferofen die grösste Effektivität.

Alle Jahre wieder: Die wilden Orchideen blühen in Lappland

Sie waren schon verschiedentlich Thema hier im Blog (z. B. hier) und sie sind immer wieder eine Quelle der Freude. Die wilden Orchideen blühen wieder in Lappland. Dieses Jahr sind es wegen des feucht-warmen Wetters besonders viele.

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Wilde Orchideen in Lappland

„Urban Jungle“ - ein Teil der Lösung des Klimaproblems

Die klimafreundliche Elektrifizierung schreitet in allen Lebensbereichen voran und ich zerbreche mir gerade den Kopf, wie wirklich alle entscheidenden Bereiche des Lebens auf Elektroantrieb umgestellt werden können. Der Schwede liebt zum Beispiel sein Schneemobil („Snöskoter“) im Winter und den Rasenmäher („Gräsklippare“, bzw. „Åkgräsklippare“ (Aufsitzrasenmäher)) im Sommer. Die Elektrolösung für Schneemobile dürfte derzeit noch im Bereich des technisch Unmöglichen liegen. Aber der in der Regel im wärmeren Sommer betriebene Rasenmäher scheint ein realistisches Opfer zu sein. Vor meinem geistigen Auge sehe ich - wie in einem Wachtraum - die Nachbarn auf ihren fahrbaren Rasenmähern mit schweren, batteriebeladenen Anhängern über die Rasenflächen kurven. Beinahe lautlos (jedenfalls so lange, bis sie das Stromaggregat zum Nachladen der Batterien anwerfen - so wie bei den Linienbussen in Oslo - aber das ist eine andere Geschichte).Traumhafte Stille.

Doch der Traum scheint durch eine neue Studie der ETH Zürich wie eine Seifenblase zu zerplatzen.

Die neue Studie besagt, kurz zusammengefasst:

„Die weltweite Aufforstung von Wäldern wäre auf einer Fläche von 0,9 Milliarden Hektar möglich und könnte so zwei Drittel der vom Menschen verursachten CO2 -Emissionen aufnehmen. Dies wäre die effektivste Massnahme gegen den Klimawandel.“



Mehr Grünzeug und nicht weniger wäre also das Problem der derzeitigen weltweiten Krise. Die bestechende Schlichtheit des Lösungsansatzes mutet geradezu komisch an in Anbetracht der globalen Ratlosigkeit in der Politik. CO2-Abgaben als „Steuerungsanreize“ waren und sind in aller Politiker Munde. Bewährte Lösung: Neue Steuern und Abgaben einführen. Geld im Staatssäckel wird schliesslich immer gebraucht.

Aber die Lösung könnte ja so einfach sein. Und wer sich vielleicht noch an den Erdkundeunterricht in der ca. siebten Klasse zurückerinnert (Stichwort: Regenwald), hätte sogar selber draufkommen können. Jedenfalls gebührt dem Forscherteam der ETH Zürich jetzt alle Ehre, das die Lösung jetzt wissenschaftlich untermauert hat: Mehr Grünzeug muss her. Denn durch die gute alte Photosynthese wird CO2 im Grünzeug gebunden. Laut Wikipedia wurde sie übrigens 1796 erstmals wissenschaftlich experimentell beschrieben. Manchmal dauert es halt etwas länger, bis sich eine Erkenntnis wirklich durchsetzt. Aber zurück zum Thema.

Kurz und gut: Auf die kleinen Schritte kommt es an. Weg mit all den „englischen Rasenflächen“. Der wahre „Urban Jungle“ ist ein Schritt zur Lösung des Klimaproblems.

Grünzeug - Einzelkämpfer fürs Klima
Ein kleiner Einzelkämpfer fürs Klima