Arvidsjaur in Italien...

Eine beschauliche Szene aus dem hochsommerlichen Arvidsjaur aus der vergangenen Woche. Bei über 30 Grad arbeitet sich ein Maler ruhig und mehr oder weniger strukturiert durch die Fassade des bekannten Schuhgeschäfts. Nur unweit der Szene - in ca. 20 Metern Entfernung - befindet sich der Marktplatz ("Torget"), auf dem gerade etwa 20 Wohnmobile aus aller Europas Länder geparkt waren und ungefähr hundert Touristen.

Der einsame Maler hat das hektische Treiben hinter seinem Rücken in aller Gelassenheit ignoriert. Diese Szene hat mich fasziniert und ich stand dort beobachtend mehrere Minuten.

Mir kam eine Aussage in den Sinn, die ein ehemaliger Bekannter vor einigen Jahren getätigt hatte und deren Wahrheitsgehalt sich für mich im Laufe der Zeit bewahrheitet hat:

"Die Schweden sind die Italiener des Nordens"

Beschauliche Strassenszene in Arvidsjaur
Beschauliche Strassenszene aus dem Herzen des „italienischen Arvidsjaur“

Waldbrände: G und G - Aus aktuellem Anlass


Mein Freund der Baum, Alexandra, 1968


G und G

Es dauerte lange, bis die schwedische Situation mit den Waldbränden in den Weltmedien erschien.

Da war die Gesamtsituation schon in einem erheblich desolaten Zustand.

Tortengleich legte irgendwie irgendwer die Geschehnisse übereinander. Erst den Boden, danach ein Teil Füllung, wieder eine Tortenbodenschicht, darauf eine gute Sahnefüllung, die mit einem Tortendeckel versiegelt wurde.

Die meisterliche Hand dekorierte geduldig für den Augenschmaus.

In jedem Bericht erschien der Boden namens Klimawandel. Darauf setzte die Schicht "Glaube ich sofort" sich obenauf, das Ganze wurde von meist selbst ernannten Klimaexperten mit einem Argumentationsboden verschlossen, damit der Nächste, nämlich ein von den Bränden betroffener Einwohner, den die Regierung im Zuge der Brände zwangsevakuierte, die Sahneschicht darstellen konnte.

Klimawandel

Nein, diese Brände hier gehören nicht nur in die Schublade "lieber Erdenbürger, du bist schuld am Klimawandel", sondern es bedarf einer näheren Betrachtung.

Hier in Schweden ist im Wesentlichen eine der grössten und börsennotierte Firma für den Wald zuständig.

Im heutigen neuen Glauben "Kapitalismus" muss natürlich jede aus der Natur stammende Resource der Erde entrissen werden -
egal wie, egal wo und vor allem egal, was danach geschieht.

So ist es auch mit dem Wald.

Wo früher Mischwälder standen, versuchen heute kläglich wachsende Nadelbäume ihre kurze Lebensdauer zu überstehen.

Die Wälder sehen hier so aus, als ob jemand ein Bündel dünner Bleistifte in der Hand hält. Dürre Baumstämme, die mit irgendetwas Flauschigem an den Stämmen und Ästen verwuchert sind. Flechten nennt der Mensch diese Hängegebilde.

Dort, wo am Bleistift die Spitze sichtbar, hängen ein paar grüne Nadelzweige am Baum herab. Vor Jahren noch krabbelte und kroch, flatterte, surrte und brummte es noch zwischen grünen Blättern und satten Nadeln.

Heute?
Heute ist da nichts mehr.


Wer sich die Mühe macht in einem heutigen Waldstück nieder zu beugen um die oberste Schicht Boden weg zu kratzen, stellt fest, da krabbelt es nur noch, wenn überhaupt, spärlich. Summen und Brummen? Kriechen und hoppeln?

Fehlanzeige!

Der komplette Biorythmus und die mikrobiologische Welt im Waldboden ist weg!
Oder extrem stark dezimiert -

hervor gerufen durch Monokulturen. Dem Nadelgehölz!

Eine Jahrtausend alte und fein aufeinander abgestimmte Waldkultur, gleich einer zarten, zerbrechlichen Melodie, welche aus wohl ausgewählten Einzeltönen bestand, wurde durch das heftige Schlagzeuggewitter G und G aus dem Erdensaal hinaus geworfen.

G und G. Gier und Geld = Gewalt

Riesige Erntemaschinen brummen Jahr für Jahr durch das Orchester des Mischwaldes und hinterlassen leere Flächen. Auf diesen werden Billiglohnarbeiter gehetzt, damit sie im Eiltempo kleine Nadelpflänzchen aussetzen. Pflänzchen, die nicht höher als 30 Zentimeter messen, und die im Eilverfahren künstlich angezogen wurden. Schon mit braun-rötlichen Nadeln und dürren hohlen Stämmchen im Lebensgepäck ausgestattet, sollen sie schnell für harte Taler heran wachsen.

Es stellt sich die Frage, woher die Samen eigentlich stammen, denn an den Bleistiftspitzentannen sind keine Zapfen mehr sichtbar.

Weder im Frühjahr, noch im Herbst.

Vielleicht sind diverse Labors schon so weit, dass sie die nächsten Generationen im Reagenzglas heran züchten können.

Wissen wir es?

Dort, wo rein gar nichts mehr ist, wo der Mensch nicht mehr von Natur, sondern nur noch von Börsenkursen auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder sprechen, leben kann, da gibt es auch tief in der Erde keine gut gefüllten Grundwasserblasen mehr.

Degenerierte Bleistifte können nicht mehr einfach aus der Hand gelegt werden. Sie würden einfach auf dem harten Etwas aufprallen und ihre innere Miene, die uns das sichtbar machen von Buchstaben ermöglicht, brechen.

Das Eine kann nicht ohne das andere gesehen werden.
Es kommt auf das Gesamtpaket an.
Nur wer das weiss, schaut das, was nicht für das Auge gleich erkennbar.


Ein in der Grosstadt lebender Schlipsträger, der sekündlich auf den Bildschirm schauen muss, damit er die Börsenpreise seines Naturproduktes ja nicht verpasst, weiss nichts von dem allem.

Er will es nicht wissen, da er seine Prioritäten anders gelagert sehen will.

Kranke Bleistifte, die unsichtbar Hilfe schreiben,
geflüchtete und vernichtete Käfer und Würmer, Bakterien und Vögel sind in einer Jahresbilanz nicht zu berücksichtigen, da mit ihnen kein Umsatz erreicht werden kann.

Traurig steht er da. Der schwedische G und G - Wald.

Wenn es heute brennt, im Wald, ist das nicht nur aus Expertenmunde gepredigte der Klimawandel!

Es ist der freiwillige Suizid von Lebewesen, damit der Mensch an dem Ergebnis verzweifelt.
Ein Signal aus der Natur, damit Mensch endlich inne hält und erkennt, was es zu erkennen gilt!

Das ist das Bild des heutigen schwedischen Waldes!
Die letzte Wildnis Europas?!

Kannst du noch zu hören?

Karl der Käfer, Gänsehaut, 1983

Zuhören geht nicht? Nie gelernt?
Aber des Lesens sind wir doch schon noch mächtig, oder?

Oh, nein! Der Artikel hier ist noch nicht beendet!
Hier geht es weiter: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_K%C3%A4fer

Noch etwas zum Nachdenken:

Wie viel CO2 stösst nur ein Kampfjet oder nur ein einziger Panzer aus?
Wie viel Klimawandel verursacht eine Bombe, die auf unsere gemeinsame Erde abgeworfen wird und brennt?

Ach so, ja Entschuldigung. Alles nur eine Frage der Interessenlage.
Börsennotiert. Kapital. Wirtschaftswachstum. Und So.

Das alles am Sonntagmittag nur mal so angedacht.

Über die angeblich letzte Wildnis in Europa!

Ein Gastbeitrag von Frau Lapplandblog


Monokulturen - Kranker Wald in Schweden


Schule und Bildung: Es hat sich rein gar nichts geändert in den vergangenen 30 Jahren...

Da hörte ich vorhin auf der Autofahrt eine Sendung im schwedischen Radio, aus der Rubrik "Schulministerium".

Der Thementitel: "Wie geht es weiter mit dem Programmieren?"

Es wurde über eine neue Initiative des schwedischen Bildungsministeriums berichtet.
Beginnend mit der Grundschule soll nun das Programmieren auf dem Lehrplan stehen.

Zwar nicht als eigenes Fach, sondern als Bestandteil von Mathematik und Technik, aber immerhin. Eingeführt werden soll das Ganze ab dem kommenden Schuljahr 2019/2020. Lange Beratungen mit vielen Experten wurden durchgeführt und Pläne geschmiedet. Echt schwedisch eben.

Nachdem nun alles beschlossen worden ist, hat ein kleines aber nicht ganz unwesentlichen Detail die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Die Lehrerschaft besitzt - vornehm ausgedrückt - (noch) nicht die erforderlichen "Kompetenzen" um das neue Schulfach "Programmieren" lehren zu können.

Im Schnellverfahren werden nun Kurse und web-basierte Ausbildungen aufgelegt, um den LehrerInnen die Grundlagen des Programmierens beizubrigen. Angeblich in sehr praktischen Verfahren.

Eine der in der Sendung geschilderten Kurseinheiten hat mich besonders verzückt:

Um den unbedarften Lehrkräften die Funktionsweise eines Algorithmus näher zu bringen, bekommen sie einen "Marschplan" der sie durch ein überdimensionales Schachbrett-Labyrinth führen soll. Frei nach dem Motto "drei Schritte vor und zwei zurück“ und dann im 90-Grad-Winkel nach links abbiegen.

Und - oh Wunder - die Lehrkräfte im Interview haben sich ganz begeistert geäussert. Dem schwedischen Wirtschaftswunder durch die programmierende Jugend stünde nichts mehr im Wege.

Alles wird gut.

Nachdem das schwedische Bildungsministerium (Skolverket) zunächst an die grosse Glocke gehängt hat, das Schweden damit ein Vorreiter in der Europäischen Union sei, kam ans Tageslicht, dass die Briten den Lehrstoff schon seit 2014 in ihrem Schulsystem integriert hatten. Und aus dem Vereinigten Königreich liegen, wie sich inzwischen herausgestellt hat, auch schon die ersten Studien zur Einführung der neuen Unterrichtsgegenstände vor.

Kurz und gut:

Die Kinder und Jugendlichen von heute haben kein Interesse an dem Fach.

Zocken ja gerne, aber Programmieren?
Nein!!

Oder etwas mehr wissenschaftlich ausgedrückt:

Die Problemlösungskompetenz bei den SchülerInnen ist äusserst defizitär. Könnte aber auch daran liegen, dass der Unterricht im Wesentlichen daraus besteht, einige Zeilen Programmcode von der Tafel abschreiben zu müssen.

Darf ich die werten LeserInnen in die Zeitmaschine einladen?

Wir reisen zurück in das Jahr 1981. Damals war ich in der siebten Klasse und privat schon sehr begeistert von Computern.

Bei dem Event „Schüler experimentieren“ (das war der Ableger von "Jugend forscht" für die jüngeren Jahrgänge) waren wir gerade mit der "Simulation eines einfachen Nervensystemes mit Hilfe eines Mikrocomputers" an den Start gegangen.

Programmiert in der Sprache namens Pascal (weil das damals der einzige verfügbare und - vor allem - bezahlbare Compiler für den C64 war).

Zurück zur Schule.

Zu meiner Schulzeit war auch (schon) im Gespräch, „Informatik“ als Lehrfach einzuführen. Und auch damals schon wiesen die Lehrer (Lehrerinnen waren - zumindest an unserer Schule - am Fach Informatik nicht interessiert), gewisse "Kompetenzdefizite" auf.

Aus diesem Grund gab es für uns somit "nur" eine Informatik-AG (AG stand für Arbeitsgemeinschaft). Meine damalige Schule hatte richtig tief in die Tasche gegriffen und eigens dafür mehrere CBM 2001 ("PET 2001") bereit gestellt (über welchen Etat die Teile erworben worden waren, ist mir heute noch ein Rätsel).

Aufgrund meines Hintergrundwissens in Sachen Programmierung und der vorhandenen Defizite der Lehrerschaft kam es, dass ich zweimal die Woche - Dienstags und Donnerstags wenn ich mich recht entsinne - die - grösstenteils promovierten - Mathematik- und Physiklehrer in Informatik unterrichten durfte.

So war es eigentlich nicht gedacht!

Die teilnehmenden Schülerkollegen waren vom sehr langsamen Fortschritt in der AG gelangweilt und blieben einfach weg. Diese AG hatte natürlich einiges an Energie und Kraft gekostet. Deswegen durfte ich von den LehrerInnen in den mehr geisteswissenschaftlichen Fächern (beinahe alle ebenfalls promovierte und honorige Gestalten) üble Kritik einstecken.

Der geneigte Leser erahnt hoffentlich das nun aufgekommene Konfliktpotential.

Zum Ende des Schuljahres wurde das Projekt "Informatik" sang- und klaglos wieder beerdigt. In meinem damaligen Jahresendzeugnis fand sich übrigens immerhin der Satz "Hat eine Informatik AG geleitet" (ich stelle mir heute noch amüsiert vor mit welchem Widerwillen der Lateinlehrer diesen Satz ins Zeugnis geschrieben haben muss).

Ende der Zeitreise.

Schlussfolgerung:

In der Schulwelt hat sich leider rein gar nichts geändert. Obwohl wir schon lange Jahre im digitalen Zeitalter angekommen sind...