Tod am Strand - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Einer jener richtigen Hochsommertage in Lappland. Die Luft steht. Schon gegen 9 Uhr zeigt das Thermometer im verglasten Vorbau satte 45 Grad. Und im Freien sind es knappe 30.

Was tun? Ein Ausflug an den Strand! Kürzlich hatte ich einen sehr abgelegenen Uferstreifen entdeckt, dem ich nochmals einen Besuch abstatten wollte. Der Weg dorthin führt zwei Stunden durch den etwas kühleren Wald. Wunderbar.

Angekommen reibe ich mir verwundert die Augen. Dieser unberührte Strand ist anscheinend bei Rentieren sehr beliebt. Mehrere Totenschädel und Skelette liegen in der malerischen Landschaft. Ich lasse das Rätsel auf sich beruhen und wandere weiter. Lappland ist immer wieder für eine Überraschung gut.

Tod am Strand - Arktischer Sommer in Lappland 2013
„Tod am Strand“, ein Rentier-Friedhof in malerischer Landschaft

Tausche Olympus Pen-Mini (E-PM1) gegen Fuji X10 (oder X20)

Vergangenes Jahr im September hatte ich mir eine Olympus Pen-Mini (E-PM1) zugelegt. Das Pen-System mit Micro-4/3 liefert eine beeindruckende Bildqualität und ist zudem unglaublich handlich. Eines aber fehlt mir, um richtig warm zu werden: ein optischer Sucher. Schade, aber so ist es.

Deswegen lege ich die Kamera hiermit in den Ring:

Olympus E-PM1 (Pen-Mini), 14-42mm Objektiv, OVP, fast nie genutzt

im Tausch gegen

Fuji X10 oder X20.

Der Tag, an dem das Festnetz verschwand - Arktischer Sommer in Lappland 2013

"Ist Anja zuhause?" - "Kann ich bitte Markus sprechen?". Ja, so war es in der guten alten Zeit. Jeder Haushalt hatte sein Telefon, das von der ganzen Familie genutzt und untereinander geteilt wurde. Wer erinnert sich nicht noch an die Telefonbelagerung durch haushaltsangehörige Teenager. Und das Familientelefon stand immer an einem zentralen Platz. Heimliche Telefonate waren fast unmöglich.
 
Doch damit ist jetzt Schluss. In weiten Teilen von Väster- und Norrbotten jedenfalls. Dort werden gerade die oberirdischen Telefonleitungen des guten alten Festnetzes abgebaut. Auf lange Sicht soll in den nächsten Jahren ganz Schweden von der Abrüstung betroffen sein. Insgesamt eine Million Telefonleitungsmasten sollen in den nächsten acht Jahren in ganz Schweden werden abgebaut.
 
Der Hintergrund liegt in einer deutlichen Veränderung. Nach der Statistik des schwedischen Post- und Telestyrelsens haben heutzutage 97% aller Schweden ein Mobiltelefon. Nur noch 76% der Haushalte haben einen Festnetzanschluss (Tendenz stark sinkend). In Haushalten, in denen nur Personen unter 25 Jahren leben, sind es sogar nur noch 65 Prozent. Ausserdem haben Umfragen ergeben, dass 31 Prozent der Befragten sich ein Leben ohne festen Telefonanschluss vorstellen.
 
So werden in naher Zukunft in einem ersten Schritt 50.000 Haushalte in 200 Kommunen ihr Festnetz verlieren. Heute zog sich der Abrisstrupp auch durch unser kleines Dorf. Gemischte Gefühle bei den Zuschauern. Schliesslich funktionieren Mobiltelefone nur, wenn das Stromnetz funktioniert. Das alte Festnetz hat auch bei Stromausfällen - die im Winter hier durchaus häufiger vorkommen - noch funktioniert. Viele Menschen sorgen sich, dass Notrufe in Zukunft nicht mehr möglich sind. Nutzer des SOS-Alarmsystemes - meist ältere oder behinderte Menschen - stehen vor noch grösseren Fragezeichen.

 
Noch gen Himmel zeigend, liegt es nun am Boden:
Das Festnetz im Inland von Västerbotten


2013 ist ein Rekord-Beerenjahr in Lappland, und: Wenn sogar der Hund auf die Hjortron kommt

Die über Midsommar in Nordschweden (insbesondere in Lappland) gereiften Beeren geniessen weltweit einen hervorragenden Ruf und sind beliebt bei Feinschmeckern wie Sterneköchen. Viele Urlauber kommen eigens gezielt zur Beerensaison zu uns, um dann mit reichen Schätzen wieder nach Hause zu fahren.

Und sogar Gastarbeiter aus fernen Ländern werden eigens für die Ernte der begehrten Beeren eingeflogen: Dieses Jahr haben 6.061 Thailänder eine zeitlich befristete Arbeitserlaubnis für die Dauer der Beerensaison erhalten (im Vorjahr waren es 5.807).
 
Am begehrtesten ist die Hjortron (Moltebeere, Engl: Cloudberry), die den würdevollen Titel "Gold of Lapland" trägt. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Dieser liegt in der Saison bei um die 10 Euro pro Kilo Rohware. Aber auch viele andere Beerensorten halten, was sie versprechen.
 
Wie sieht es aus mit den Beeren dieses Jahr? Geradezu unglaublich. Eine Rekordernte wird erwartet und bereits jetzt - sehr zeitig im Jahresvergleich - schwärmen Einheimische und Besucher in die Wälder aus, um abends schwerbeladen wieder nach Hause zu kommen. Wer auf Beeren aus Lappland aus ist, sollte sich also am besten sofort ins Flugzeug oder Auto setzen. Nicht zuletzt deswegen, weil die Hjortron-Saison sehr kurz ist; sie dauert nur drei bis vier Wochen.
 
Erstaunliche Feststellung: Die Beeren sind dieses Jahr so gut, dass sogar unsere Hunde gerne Moltebeeren zupfen und verspeisen.

2013 ist ein Rekord-Beerenjahr in Lappland, und: Wenn sogar der Hund auf die Hjortron kommt
Hjortron - Das „Gold of Lapland“ - wird sogar von Hunden geliebt!

Portfolio Relaunch

In eigener Sache: Sommerputz und Grossaufräumen auf der Haupt-Homepage.

„Relaunch“, wie das so schön heisst (und das sogar ganz ohne Beta-Phase):

Meine Fotografen Portfolio-Site erscheint wieder in neuem Glanz.






PS: Herzlichen Dank an die Nerven und für die Mithilfe der besten Ehefrau der Welt!

Der 15. Lapland Ultra Marathon - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Ultra-Marathon ist eine spezielle Sache. Geht es doch um Distanzen, die länger als die "normalen" 42,195 Km sind. Der Veranstaltungen gibt es nicht so viele. Eine sticht heraus, und die ist - natürlich - in Lappland: Der Lapland Ultra Marathon in Adak.
 
Die Laufstrecke beträgt exakt 100 Km, mitten durch weitläufiges Gebiet unter der Mitternachtssonne. Dieses Jahr war es in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni wieder einmal soweit. Der Startschuss fällt traditionell um 22 Uhr. Ein kleines, aber sehr erlesenes Starterfeld mit Läufern aus Schweden, Norwegen, Deutschland, Japan und den USA war am Start. Ich hatte das Event für die Presse fotografiert und kann jetzt einige Bilder auch hier zeigen.

Die Organisation hinter einem solchen Lauf ist beeindruckend komplex und es ist erstaunlich, dass sich jedes Jahr so viele ehrenamtliche Helfer bereitwillig engagieren.
 
Dieses Jahr war zudem ein Jubiläum angesagt: der 15. Lapland Ultra Marathon!
Die Läufer haben einiges zu berichten. Manch einer hat sogar schon einen Bären vor sich über die Strasse springen sehen. Und von beharrlichen Mückenschwärmen wurden sie alle geplagt. Dennoch fasziniert die Freude der über die Ziellinie Laufenden immer wieder.
 
Sieger in der Königsklasse wurde dieses Jahr übrigens der Schwede Johan Steene. Mit am Start war auch der bekannte Henry Wehder (Deutschland), der wegen Fussproblemen allerdings nur als Dritter ins Ziel kam.

-> Zur Bildstrecke: Der 15. Lapland-Ultra-Marathon

Der 15. Lapland Ultra Marathon
Johan Steene - Sieger beim 15. Lapland Ultra Marathon in der 100 Km-Klasse

Stippvisite in Luleå III - E.T. und die Technik - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Stippvisite in Luleå III - E.T. und die Technik - Arktischer Sommer in Lappland 2013


Behind the scenes: E.T. habe ich bei der kürzlichen Stippvisite in Luleå auch getroffen. Und das ist eigentlich auch nur logisch. Luleå ist schliesslich eine High-Tech-Hochburg.

Die Luleå Tekniska Universitet (Technische Universität Luleå, Infos auf Deutsch hier) ist in etlichen Bereichen weltweit führend. Und in Kooperation mit dem Esrange Weltraumbahnhof in der Nähe von Kiruna kann man in Luleå sogar Raumfahrttechnik studieren. Nebenbei ist die LTU auch die nördlichste Technische Universität in den skandinavischen Ländern.
 
Neben der LTU ist das Cluster an Produktionsfirmen aus dem Bereich Video-, Film- und Fernsehproduktionen ein wichtiges technisches Standbein.
 
Ach ja, und dass Facebook kürzlich sein grosses Europa-Rechenzentrum in Luleå aufgebaut hat, dürfte sich mittlerweile auch herum gesprochen haben. Grund dafür war übrigens das Klima. Die Kälte hilft Kühlkosten sparen und das scheint sich ganz gut zu rechnen.

Malå in Lappland - einst ein Mekka für Naturliebhaber und Ornithologen - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Malå ist eine kleine, beschauliche Kommune in Västerbotten. Bei 3.203 Einwohnern auf 1.599 Quadratkilometern ist das auch kein Wunder. Ja und Malå hat auch beachtliche Vogelbestände  und ist ein Mekka für Ornithologen. Oh. Entschuldigung. War ein Mekka für Ornithologen. Oder noch genauer: Ist ein Mekka für Ornithologen gewesen.

Warum das? Vor drei Jahren kamen vermeintlich schlaue Köpfe auf die Idee, in Malå in grossem Umfang Windkraftwerke anzusiedeln. Völlig umweltfreundlich. Natürlich. Schneisen wurden in unberührte Wälder geschlagen. Felsen wurden gesprengt. Neue Hochspannungsleitungen gezogen. Und vieles mehr. Nun stehen jede Menge Windkraftwerke in dem, was einst unberührte Natur war. So hat es Malå auch auf die Top-20 Liste der Windkraftkommunen in Schweden geschafft.

Der lokalen Bevölkerung wurden die Wohltaten der Windkraft angepriesen. Die Nachteile wurden geflissentlich verschwiegen. Womit wir beim Thema wären. Dass Windkraftwerke systematisch Vögel schreddern ist nicht neu. In Malå war es anscheinend völlig unbekannt. Und das in einer Kommune, über deren ornithologische Artenvielfalt sogar ein eigenes Buch verfasst wurde: „Fåglar i Malå“ von Leif Bildström, Ingemar Olofsson, 2005, 273 Seiten, ISBN 91-631-7125-2.

Am vergangenen Wochenende haben Frau Lapplandblog und ich zu Studienzwecken einen Spaziergang in einem der Windparks unternommen. Und das Fundstück des Tages war alles andere als erfreulich (s.u.). Wer das Thema Windkraft in Lappland eingehend studieren möchte, dem sei die – mitunter schockierende - Serie von Frau Lapplandblog  ans Herz gelegt. Dort gibt es hier auch die weiteren Details zum traurigen Fund.
 
Nach Auskunft von Experten ist das übrigens erst der Anfang. Wenn die Zugsaison im Herbst beginnt, wird mich massenhaft getöteten Vögeln gerechnet…

Naturtouristen und insbesondere Ornithologen können jetzt also Malå getrost von der Liste streichen.

Von Windkraft geschredderter Vogel in Malå Lappland

Kitsch oder Klischee? Egal! Was fürs Herz! - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Kitsch oder Klischee? Egal! Was fürs Herz! - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Kitsch oder Klischee? Oder beides? Oder einfach nur was fürs Herz? Jedenfalls ein bezaubernder, völlig abgelegener und unberührter Strand irgendwo in Lappland...


Ein Klischee ist eine überkommene Vorstellung oder ein eingefahrenes Denkschema, eine abgedroschene Redensart oder vorgeprägte Ausdrucksweise, ein überbeanspruchtes Bild (Stilmittel), das sich auf eine entweder regelhaft wiedererkennbare oder äquivalent dazu häufig zugeschriebene gemeinsame Eigenschaft einer Menge von Personen, Objekten etc. (konkret einer Menge von Individualbegriffen) bezieht und auf welche das Klischee demnach angewendet werden kann. Das Klischee existiert als etwas geistig bzw. sprachlich Schablonenhaftes. Es ist dabei charakteristisch, dass die Eigenschaft, welche das Klischee bedeutet, nicht eine der Eigenschaften ist, welche die gleichartigen Einzelelemente zu einer benennbaren Klasse werden lässt, sondern vielmehr eine zusätzliche, davon unabhängige Eigenschaft ist. Quelle: Wikipedia „Klischee“

 

 

Kitsch steht zumeist abwertend gemeinsprachlich für einen aus Sicht des Betrachters minderwertigen, sehnsuchtartigen Gefühlsausdruck. In Gegensatz gebracht zu einer künstlerischen Bemühung um das Wahre oder das Schöne, werten Kritiker einen zu einfachen Weg, Gefühle auszudrücken, als sentimental, trivial oder kitschig. Quelle: Wikipedia „Kitsch“


 

Green - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Green - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Alles im grünen Bereich?

Sonntägliche Weite - Arktischer Sommer in Lappland 2013



Sonntägliche Weite in Älvsbyn - Arktischer Sommer in Lappland 2013


Behind the scenes: Sonntägliche Weite. Wunder der Schöpfung. Solche Momente machen mich sprachlos. In der Nähe von Älvsbyn, Norrbotten, Lappland.

Stippvisite in Luleå II - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Stippvisite in Luleå II - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes:  Teil zwei der Stippvisite in Luleå.

Seehäfen haben etwas bezauberndes. Das Flair der grossen weiten Welt. Weltenreisende. Alles verbunden mit dem Charme von Schrott und Unrat. Dazu robuste Technik. Im Hafen von Luleå gibt es ein Monument, das für mich all das auf den Punkt bringt: Den alten Hafenkran, mit dem das Hafenbecken regelmässig ausgebaggert wird. Wie bei einer regelmässigen Kur zur Erneuerung.

Stippvisite in Luleå - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Stippvisite in Luleå - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Gestern war ich auf geschäftlicher Stippvisite in Luleå, Regionhauptstadt von Norrbotten, des nördlichsten Bundeslandes Schwedens. Hier ein Ausblick auf den Hafen. Im Hintergrund die berühmte Eisbrecherflotte, die derzeit gerade ihren Sommerschlaf hält.
 
Luleå ist übrigens eine traumhaft schöne Stadt, die idyllisch am Meer gelegen ist, und über die eine stetige Brise weht. Der salzige Wind des Meeres verzaubert die Stadt im Sommer mit einem südländischen Flair. Allen Norrland-Urlaubern sei ein Abstecher sehr ans Herz gelegt. 

Schweden ist, wenn sogar der Wald Nationalfarben trägt - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Schweden ist, wenn sogar der Wald Nationalfarben trägt - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Behind the scenes: Zugegeben, der Titel ist etwas reisserisch. Lässt er doch vermuten, der schwedische Wald sei latent nationalistisch eingestellt. Ist er nicht.

Die Bändchen in den Nationalfarben deuten vielmehr das baldige Ende dieses Waldes an. Mit solchen Platiskbändern werden die Aussenkanten eines Abrodungsgebietes gekennzeichnet. Die Farben stehen für die Gesellschaft, welche die Abholzung betreibt. Um welche Dimensionen es sich dabei handelt und wie es nach dem Abholzen weitergeht, ist in unserer Serie über die Wald- und Holzwirtschaft in Lappland nachzulesen.