The city never sleeps - ein persönliches Projekt

Heute ein Beitrag der sich nicht unmittelbar den arktischen Regionen Schwedens, sondern der bezaubernden Hauptstadt Stockholm widmet. Meine ganz persönliche Hommage an diese liebenswerte Stadt.

Stockholm, die Hauptstadt Schwedens, hat mich schon immer fasziniert. Einerseits eine pulsierende Weltstadt, andererseits ist da dieser besondere Charme, der Stockholm auszeichnet. Die schwedische "Lugn och ro" (lässt sich hier am besten mit "Ruhe und Beschaulichkeit" übersetzen) durchsäuern das ansonsten hektische Leben und geben der Stadt die besondere und liebenswerte Atmosphäre.

Über die vergangenen sechs Monate war ich immer wieder in Stockholm, um diese spezielle Stimmung der Stadt einzufangen. Und so ist im Rahmen dieses Projektes, das ich auf den Namen "The city never sleeps" getauft habe, eine Bilderserie in klassischem schwarz/weiss entstanden, die ich ich vor einigen Tagen veröffentlicht habe (Link).

Stockholm - “The city never sleeps“ - In the shadows
“The city never sleeps“ - In the shadows

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Mehr Bilder? Aber ja doch! Auf Instagram.

Verschiedene Leserinnen und Leser haben nach mehr Bildern nachgefragt. Kein Problem.

Auf Instagram gibt es mehr Bilder aus dem laufenden Alltag in Schweden und Lappland.

Auch viele Outtakes aus neuen Serien und Projekten sind dort zu sehen.
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Teflon Menschen - "en passant" in Stockholm

Hat der Mensch des dritten Jahrtausends eine eingebaute Antihaft-Beschichtung? Eine Hülle, an der alles abprallt, was eigentlich Gefühle der Empathie wecken sollte? Können Menschen im einundzwanzigsten Jahrhundert überhaupt noch innerlich berührt werden?

Ich bin mir nicht mehr sicher. 

Die Tage war ich in Stockholm und nahm eine kleine Promenade auf dem Kungsgatan. An der Ecke Kungsgatan / Drottninggatan ist mir eine Strassenszene begegnet, die mich erschüttert hat.

Teflon Menschen -
Eilende Menschen im Strassenbild verdecken die Dramatik der Szene


Schweden wird seit einiger Zeit gerade von einer bislang unbekannten Welle erfasst:

Auf den Strassen sind seit einigen Monaten sehr viele Bettler zu sehen. Meist aus südeuropäischen Ländern stammend, versuchen diese Menschen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Im schwedischen Strassenbild ist das ungewohnt und es fällt mir schwer, mir das Betteln bei eisigen Temperaturen vorzustellen. Das Strassenbild hat sich nicht nur in den grösseren Städten in Südschweden verändert. Mittlerweile sind die Bettler auch in kleinen Orten in Nordschweden angekommen. Betteln vor einem Supermarkt bei minus 20 Grad ist keine angenehme Tätigkeit. Und die zu Beginn grosszügige Mildtätigkeit der einheimischen Bevölkerung scheint - meinen Beobachtungen nach - mehr und mehr zurück zu gehen. Ich möchte bewusst keine Pro und Contra Diskussion zum Geschäftsmodell des Bettelns führen. Für mich geht es vielmehr um einen Indikator dafür, wie sich die emotionale Rezeptivität der Menschen im Allgemeinen verändert hat.

Eine Seite ist die veränderte Wahrnehmung. Ich würde sagen, dass ca. 80% der Menschen im Strassenbild in Stockholm ein modernes Mobiltelefon benutzen, während sie sich eilends fortbewegen. Das führt natürlich dazu, dass diese Menschen die bettelnden Menschen am Strassenrand überhaupt nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Diejenigen, die es dennoch tun (oder sich gerade einmal nicht mit ihrem Mobiltelefon beschäftigen) weisen eine zunehmende Gefühlskälte auf. Die Gebewilligkeit ist nur noch äusserst gering. Ob das ein Sieg des vermeintlich Rationalen oder der Abgebrühtheit ist? Ich vermute letzteres. Der "Homo technicus", bzw. "Homo digitalicus" ist ein "Teflon-Mensch" geworden, an dem alles einfach abperlt, was nicht in das Muster des zum eigenen Vorteil Gereichenden passt.

Kurz und prägnant: Der Gedanke der Humanisierung des Lebens duch den technischen Fortschritt führt sich fortwährend selbst ad absurdum und der in die virtuelle Welt transzendierende Mensch verliert jeglichen Bezug zum eigentlich Menschlichen. 

Anders ist mir das Verhalten der Passanten, die ich über einen langen Zeitraum hinweg beobachtet habe, einfach nicht zu erklären.

Es möge der Kelch, der sich mehr und mehr abzeichnet, an uns vorüber gehen. 

Teflon Menschen -
Die erschütternde Szene des stundenlang knienden Bettlers
wird von den Vorbeieilenden kaum wahrgenommen


PS: Als ergänzende und weiterführende Lektüre empfehle ich den kürzlich im Guardian erschienenen Artikel "Why the modern world is bad for your brain".

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