2015 - Ausblick

Gute Vorsätze?

Einige philosophische Gedanken und Überlegungen zum Einstieg. Die Angst vor der Veränderung ist eine Grundeigenschaft aller menschlichen Wesen. Fragt sich nur warum? Ist sie nicht einfach nur die Angst vor dem Verlust von Kontrolle in einem anderem Gewand? Das Gewohnte meinen wir kontrollieren zu können; freilich mehr oder minder gut. Das jedenfalls scheint es zu sein, was uns unser Unterbewusstsein beständig einzuflüstern versucht. Unter anderem deswegen klappt es auch so selten mit den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel...


2014 -> 2015

Am 31. Dezember 2013 hatten wir angekündigt, dass wir 2014 ein Jahr der Auszeit vom privaten Bloggen nehmen. Ganz durchgehalten haben wir es nicht. Aber zusammen genommen sind es keine zwei Handvoll Blogeinträge im Laufe des Jahres 2014 geworden. Es hat gut getan die Kupplung etwas schleifen zu lassen.


Wie wird es nun 2015 aussehen?

Social Media Sabbatical

Wir werden eine einjährige Auszeit von sozialen Medien nehmen, damit wir uns auf unsere kreativen Projekte konzentrieren können. Neue Blogeinträge und wichtige Neuigkeiten werden wir zwar weiterhin über Facebook, Twitter und Google+ in Umlauf bringen, allerdings werden wir uns darüber hinaus nicht engagieren oder kommentieren. Eine Ausnahme wird es allerdings geben: Auf Instagram gibt es weiterhin den fotografischen "Beifang" aus Lappland.

Wer mit uns in Verbindung treten möchte, nutze bitte die gute alte Email oder rufe einfach an.

#IYL2015 - International Year of Light 2015


#IYL2015 - International Year of Light 2015

Was uns zum Projekt für 2015 führt, dem "International Year of Light".

Bei diesem geht es - unter Federführung der UNESCO - darum, einem breiten Publikum die Errungenschaften der Wissenschaft in Sachen Licht und deren Bedeutung für die Menschheit näher zu bringen (weitere Infos: Wikipedia).

Selbstverständlich gibt es im Rahmen des International Year of Light auch einen Bereich, der sich "Art & Culture", also der Kunst und der Kultur widmet. Und da sind wir mittendrin im Thema: Fotografie ist schliesslich die Ausdrucksform für alle durch das Licht geschaffenen Formen und Farbenspiele.

Wir werden daher hier im Blog einen Schwerpunkt mit Beiträgen aus der Perspektive des "#IYL2015" setzen. Es wird spannend werden. Gastautoren und Gastbeiträge zum Thema sind übrigens auch gerne willkommen.

Allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in das Jahr 2015!

Der Weihnachtsmann packt zusammen und tritt die Heimreise an
Der Weihnachtsmann packt für dieses Jahr zusammen
und tritt seine wohlverdiente Heimreise an

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Bitte: Brot statt Böller

Eine Bitte an alle, die sich gerade mit dem Gedanken beschäftigen, was sie denn zum Silvesterfeuerwerk einkaufen sollen:

Lasst es bitte ganz einfach sein und investiert statt dessen in etwas Sinnvolles.

Das aus zwei Gründen:

1. Feuerwerke sind extrem ungesund für Mensch und Tier. Wer Haustiere hat, kann das ohne weiteres selbst beurteilen. Tragische Unfälle gehen Jahr für Jahr durch die Medien. In Österreich erleiden z. B. rund 1000 Menschen Jahr für Jahr schwere Hörschäden durch Silvesterböller.

Neue Studien belegen ausserdem ganz erhebliche Partilkelemissionen bei Feuerwerken.


Kurz gesagt: Feuerwerke sind zwar in den Augen mancher Betrachter schön anzusehen, aber eine große Belastung für Gesundheit und die Umwelt. Die Nebenwirkungen in Form von Gesundheitsgefährdungen, Umweltbelastung und Sicherheitsgefährdungen sind erheblich.




2. Mit dem Silvesterfeuerwerk wird - im wahrsten Sinne des Wortes - jede Menge Geld völlig sinnlos "verpufft". Die letzte belastbare Zahl stammt aus dem Jahr 2011; sie dürfte aber seitdem nicht gesunken sein.

Nach Informationen des Verbandes der pyrotechnischen Industrie werden Silvester 2011 rund 113 Millionen Euro für Knallkörper und Raketen ausgegeben.


Dieses Geld kann viel sinnvoller verwendet werden, z. B. so.

Also, liebe Leserinnen und Leser: Tut Euch und anderen etwas Gutes und verzichtet auf das Feuerwerk. Tut statt dessen lieber etwas Gutes und Sinnvolles! Danke!

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Weihnachten und ein Rückblick auf das Jahr 2014

Das Jahr neigt sich wieder seinem Ende zu. Zeit für einen Rückblick.

Wetter

Der Winter hat sich von Oktober bis kurz vor Weihnachten recht lustlos dahin geschleppt. Bislang liegt - im Jahresvergleich - noch sehr wenig Schnee (so um die 40 cm) und die Temperaturen haben sich moderat gehalten. Pünktlich zu Weihnachten aber ist das Thermometer nach unten gestürzt und hat am Heiligen Abend die minus 30 touchiert. So soll es auch die kommenden Tage noch bleiben.
Im Gegensatz zu vielen mitteleuropäischen Wintersportgebieten darf Lappland aber dennoch bis auf weiteres als „schneesicher“ bezeichnet werden. Die amtliche Definition von „schneesicher“ lautet schliesslich:

„Standorte werden als schneesicher bezeichnet, wenn zwischen dem 16. Dezember und dem 15. April an mindestens 100 Tagen eine Schneedecke von mindestens 30 cm (Ski alpin) oder 15 cm (Ski nordisch) liegt.“

Das ist in unseren Regionen locker der Fall.


Weihnachten - Heiligabend

Wie üblich ist es zu Weihnachten sehr ruhig in Lappland. Ein Spaziergang durch die geradezu mystische Stille am Heiligabend ist Balsam für die Seele. Stundenlang war kein Auto auf den Strassen zu erspähen, bis gegen 20 Uhr kurzzeitig hektischer Verkehr einsetzte. „Familienwechsel“, oder besser gesagt „Wechsel der sozialen Wohngemeinschaft“ ist der Grund dafür. Bei den recht offenen Beziehungsverhältnissen in Schweden, bei denen mehrere „Särkullbarn“, d.h. Kinder, die nicht aus der aktuellen Lebensabschnittspartnerschaft entstammen die Regel sind, müssen eben viele Besuche gemacht werden, um alle Geschenke erfolgreich auszutauschen. Nicht gerade umweltfreundlich und offenbar sehr stressig, wie an der Durchschnittsgeschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer abzulesen war. Die hiesige Polizei hat für den Weihnachtsabend sogar eigens eine Warnung wegen der zur Zeit auf Wanderung in Richtung der wärmeren Küste befindlichen Elche heraus gegeben. Weihnachtsstress auf schwedisch. A propos: „Särkullbarn“ heisst übrigens - direkt übersetzt - „Kinder aus einem besonderen Wurf“. Man darf sich wundern.


Arktischer Winter und arktische Sonne

Habe ich eigentlich schon hinreichend über den arktischen Winter geschwärmt? Ich sage nur: Das Farbenspiel. Rot verwandelt sich in einen kühl-zarten Rosaton und das tiefe Himmelblau wird zu einem eisig-frostigen Stahlblau. Farbextreme, die im Auge des Betrachters äusserst gefällig sind. Und erst die Landschaft: Vom Wind kilometerlang glatt gezogene Schneeflächen, die von nur einigen Sträuchern und Bäumen unterbrochen sind. Ein wahrer Traum, ganz nach meinem Geschmack, und ein Paradies für Landschaftsfotografen. Für alle Nachahmer sei an dieser Stelle zur Sicherheit nochmals auf den einschlägigen Blogbeitrag „Im Griff der Kälte - Fünf Listen mit Tipps für Leben, Arbeit und Fotografie im Winter“ verwiesen.


Stichwort Auswandern

Der Boom ist ungebrochen. Nach wie vor wandern sehr viele Deutsche nach Nordschweden aus. Vielleicht denkt ja auch der ein oder andere Leser, oder die ein oder andere Leserin über die ruhigeren Tage am Jahresende darüber nach. Ein kleiner Hinweis sei daher an dieser Stelle erlaubt. Es gibt ein weises schwedisches Sprichwort das besagt: Jobs wachsen nicht auf den Bäumen. Als Grundregel gilt das umso mehr, je weiter nördlich man aufzuschlagen gedenkt. Leider haben wir im Laufe auch dieses Jahres wieder viel zu viele Auswanderergeschichten hören müssen, die letztlich an der Schaffung einer Einnahmequelle gescheitert sind. Also liebe potentielle Auswanderer: Plant und recherchiert gut (und lasst Euch am besten auch qualifiziert beraten), damit Euch eine Auswanderungskatastrophe erspart bleibt.

Soweit ein kleiner, weihnachtlicher Rückblick auf 2014. Den Ausblick auf das Jahr 2015 mit einem spannenden Langzeitprojekt gibt es in einigen Tagen.

Arktischer Winter in Lappland
Arktischer Winter - ein Traum für Fotografen
(Hinweis: Bild „out of cam“)

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Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose! [Update: 27/12/2014]

Heute wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie: Neulich in Europa.

Über die aus europäischer Sicht unabdingbare Normierung von Eiskugelportionierern hatte ich 2013 schon einmal geschrieben.

Aber die Entwicklung überholt die philosophischen Überlegungen zuweilen. So ist das eben. Nun scheint sich die Europäische Union den altbewährten Toaster für eine neue Normierungsorgie auserkoren zu haben.

Künftig soll also nur noch der "Einschlitztoaster" für den Verkauf innerhalb der EU zugelassen sein. Und die Begründung klingt ja eigentlich recht plausibel, denn wie so oft wird - insbesondere in den nach wie vor immer mehr zunehmenden Singlehaushalten - nur ein Schlitz des klassischen Doppelschlitztoasters befüllt. Die Hälfte der eingesetzten Energie verpufft also völlig sinnlos in der Umgebungsluft. Ein Skandal ist das.

Indes scheint es mir, dass es den europäischen Bürokraten einfach an der Chuzpe fehlt, die Übel wirklich an der Wurzel zu erfassen. Und daher springe ich an dieser Stelle natürlich gerne in die Bresche.

Die Wurzel allen Übels ist nämlich weder die immer noch fehlende Normierung für Eiskugelportionierer, noch die Problematik des klassischen Doppelschlitztoasters. Nein, die wahre Wurzel der unermesslichen Energieverschwendung in Europa hört auf einen anderen Namen, und dieser lautet "Mehrfachsteckdose".

Es liegt doch auf der Hand, dass dieses elektrische Gerät die Mutter aller Verschwendung ist. Wie vielen Energieverschwendern wird durch Mehrfachsteckdosen nicht überhaupt erst der Zugang zum Stromnetz ermöglicht? Da gibt es sogar Mehrfachsteckdosen mit bis zu zehn (!) Stromentnahmestellen im Handel. Unglaublich und skandalös ist das. Ein offenes Scheunentor für den Untergang Europas.

Stellen Sie sich demgegenüber einmal folgendes "best-case" Szenario vor: An jeder Wandsteckdose (deren zulässige Anzahl in Abhängigkeit von der Grundfläche eines Raumes natürlich auch geregelt werden müsste) hängt nur noch ein Verbraucher. Das zwingt den Verbraucher zu energiebewussten Entscheidungen:

Bürolampe oder Kopierer? Haarfön oder Stereoanlage? Tiefkühltruhe oder Küchenquirl?

Hunderttausende sinnlose Stromverbraucher wären der sofortigen "kalten Abschaltung" unterworfen.

Das Modell könnte zudem auch erhebliche beschäftigungsfördernde Begleitwirkungen haben. Denn leider ist es ja teilweise so, dass zuweilen auch verschiedene Endgeräte Strom aus derselben Wandsteckdose benötigen. Das wäre - nach Massgabe der zu treffenden neuen Regelungen - ausschliesslich nur noch über das manuelle Umstecken der jeweiligen betroffenen Endgerätestecker erlaubt.

Dämmerts Ihnen schon? Richtig! Das schafft Arbeitsplätze! Der Umsteckgehilfe ist der Zukunftsberuf des kommenden Jahrzehnts. Die Ausbildung ist kurz und erfordert - ganz im Einklang mit allen aktuellen Bildungsstudien - keine besonderen Vorkenntnisse oder gar eine Grundbildung. Nicht einmal die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben ist erforderlich. Der manuelle Kraftaufwand hält sich in Grenzen und im Regelfall kann die Tätigkeit - was den Berufswünschen gerade vieler junger Menschen entgegen kommt - in Innenräumen ausgeübt werden. Arbeitgeber - und das könnten auch Sie in Ihrem Privathaushalt sein - würden ausserdem einen Beschäftigungsförderungszuschuss von der EU erhalten.

Am Horizont sehe ich bereits den Lichtschein eines paradiesischen Zustandes: Die seit Jahrzehnten von Politik und Wirtschaft herbei gesehnte Vollbeschäftigung rückt endlich in greifbare Nähe.

Und schliesslich kommen auch die Gerätehersteller nicht zu kurz. Mit etwas wohlwollender und wohldosierter geplanter Obsoleszenz wird der Verschleiss an den nunmehr manuell zu betätigenden Steckkontakten nicht unerheblich sein. Will sagen, diese müssen oft und zudem fachmännisch ausgetauscht werden.

Und jetzt bitte alle im Chor: "Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!"

(Plakate und Fähnchen für die Protestkundgebungen können im Fanshop bestellt werden).


[Update: 27/12/2014]: Der Tatort vom 26.12. hat - der ARD sei grosser Dank dafür - eine weitere schwerwiegende Regelungslücke der europäischen Rechtsordnung ans Tageslicht gebracht. Künftig werden Lichterketten mit Sollbruchstellen versehen werden müssen (wie es bereits heute bei Schlüsselbändern der Fall ist), um sie künftig nicht mehr als Mordwaffen verwenden zu können.


Rettet Europa: Kampf der Mehrfachsteckdose!
Der Grund für die ökologische und wirtschaftliche Misere: Mehrfachsteckdosen

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Everyday Differences - Travel-Photography einmal anders. Ein Gastbeitrag von Friederike Lorenz

Vorwort: Das grosse WWW hat mich kürzlich zu einem faszinierenden Projekt geführt, das Travel und Fotografie verbindet: Everyday Differences. Deswegen kommt heute hier Friederike Lorenz, eine der Mitbegründerinnen des Projektes, zu Wort.

Everyday Differences

Design, Fotografie und Reisen, beziehungsweise der Aufenthalt in einem anderen Land, wie kann man das nicht lieben? Neues entdecken. Bekanntes wieder erkennen. Erinnerungen sammeln. Und diese mit anderen Menschen teilen. Ist das nicht immer wieder spannend?

Wenn man in einem fremden Land ankommt, zieht man automatisch Vergleiche mit der Heimat. "Oh, schau, die roten Holzhäuser - so was gibt es bei uns nicht" oder "die Taxi-Autos sehen hier ganz anders aus als Zuhause!" oder "Ich habe die Milch im Supermarkt erst gar nicht gefunden - die Verpackung ist ganz anders". Das sind Sätze, die man im Ausland vielleicht schon einmal gesagt hat. Bei interessierten Fotografen und Hobbyknipsern wird dann schnell die Kamera gezückt und der Unterschied im Alltäglichen eingefangen.

Für diese Fotos entsteht eine neue Plattform und Community: "Everyday Differences".

Hier kann jeder angemeldete User Fotos von Dingen seines Alltags hochladen, oder Dinge, die ihm auf seiner Reise aufgefallen sind. Wenn viele mitmachen können bald mit einem Klick zum Beispiel Polizeiautos, Briefkästen, Ampelmännchen, Straßenschilder weltweit miteinander gegenübergestellt werden, oder der visuelle Alltag eines Landes entdeckt werden.

Eine völlig neue Art zu entdecken, zu reisen und zu recherchieren oder seine Fotos der Welt zu zeigen. Wie sehen Straßenlaternen in China aus? Oder die Post auf den Malediven? Henning zeigt uns auf diesem Blog schon vieles aus dem Alltag aus Lappland. Es wird spannend sein, seine Alltagsgegenstände und Erlebnisse mit vielen anderen aus der ganzen Welt zu vergleichen.

Auf der Seite von Everyday Differences können die Bilder auf der Plattform nach Ländern sortiert werden, oder nach Kategorien (z.B. "Briefkästen"). Man kann sich auch eine Übersicht auf einer Karte anzeigen lassen. Es kann von der Community auf Feedback zu interessanten Bildern durch Kommentare und Favoriten ausgedrückt werden.

Die Plattform richtet sich an alle, die mit offenen Augen durch die Welt gehen. Die Spaß an Design und den visuellen Unterschieden haben. Die gerne Fotografieren und sich Fotos ansehen. Für die das Alltägliche nicht gleich langweilig sein muss. Die gerne reisen, entdecken und stöbern. Die sich über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kulturen freuen können.

Sind Sie so jemand? Finden Sie das Projekt so interessant wie wir? Dann helfen Sie uns, das Projekt zu realisieren. Hier geht's entlang! Lesen Sie noch mehr Informationen. Auch kleine Beiträge helfen. Ab 10,- € sind Sie dabei und für jeden Betrag gibt es eine tolle Revanche – wie das eben so ist beim Crowdfunding. 

Vielen Dank und viel Spaß beim Entdecken - Everyday Differences

Everyday Differences - Travel-Photography einmal anders
Z. B.: Alltagsgegenstand Briefkasten - eine grosse internationale Bandbreite

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Wahlmysterien in Schweden [Update: 27.12.2014]

Das Jahr 2014 war wieder ein "Superwahljahr" in Schweden. Am 14. September 2014 fanden die Wahlen zum Reichstag ("Riksdag"), den Landesparlamenten ("Landsting") und die Kommunalwahlen statt. Und vorab sei sogleich angemerkt: In diesem Artikel wird es nicht um politische Fragen gehen, sondern um die praktischen Besonderheiten des schwedischen Wahlsystems.

Wie nicht anders zu erwarten, sieht die „Regeringsformen“, eines der im Verfassungsrang stehenden vier schwedischen Grundgesetze in Kapitel 3, § 1 vor, dass die Reichstagswahl frei, geheim und direkt ist. Dennoch ist die praktische Durchführung für Wähler, die schon einmal an Wahlen in Deutschland teilgenommen haben, ungewohnt. Insbesondere die "geheime" Wahl wird in Schweden anders praktiziert, wie z. B. in Deutschland.

Das lässt sich am besten mit einem Gang zur Wahlurne erklären. Einige Zeit vor der Wahl kommt von der zentralen Wahlbehörde ein Brief an jeden Wahlberechtigten, der eine sog. "Röstkort" (Wahlkarte) enthält. Mit dieser Wahlkarte und einem gültigen Ausweisdokument kann man nun entweder vorab, oder am eigentlichen Wahltag abstimmen.

Vor der Wahl landet natürlich auch allerlei Wahlwerbung im Briefkasten. Das Besondere ist, dass sich bei den Werbeschriften der Parteien meistens auch schon Wahlzettel (einheitliche Farbe und im Format DIN A 6) mit im Kuvert befinden. Und das ist eine echte schwedische Besonderheit. Denn nach Kap 6, §§ 6ff des schwedischen Wahlgesetzes ("Vallagen") haben alle an der Wahl teilnehmenden Parteien einen Anspruch auf Bereitstellung von Wahlzetteln auf Kosten des Staates. Und diese Wahlzettel werden im Vorfeld der Wahlen grossflächig an potentielle Wähler verteilt. Soweit so gut.

Schwedische Wahlzettel unterscheiden sich grundlegend von den aus Deutschland bekannten. Ist man aus Deutschland einen grossen Zettel gewohnt auf dem man seine Kreuze setzen kann, so gibt es in Schweden für jede Partei einen eigenen Wahlzettel und es wird nur der Wahlzettel der favorisierten Partei ins Kuvert gesteckt.

Am Wahltag dürfen sowohl die im Vorhinein von den Parteien mit der Wahlwerbung gelieferten, wie auch die im Wahllokal bereit gehaltenen Wahlzettel verwendet werden. In der Wahlkabine wird also in das Wahlkuvert ein von zuhause mitgebrachter, oder im Wahllokal ausgewählter Wahlzettel eingelegt.

Und hier liegt der Knackpunkt. Wer den passenden Wahlzettel von zuhause mitgebracht hat, kann diesen verdeckt, z. B. in einer Innentasche oder zusammengefaltet mit sich tragen. Wer aber keinen Wahlzettel mitbringt, muss sich den Wahlzettel der gewünschten Partei aus einem grossen Ständer nehmen. Und dieses Display steht im Vorraum zum Wahllokal in aller Öffentlichkeit. Für die umstehenden Personen ist also ohne weiteres erkennbar, den Wahlzettel welcher Partei ein Wähler aussucht. Das unterscheidet sich deutlich von der bundesdeutschen Wahlpraxis, bei welcher der Wähler einen einheitlichen Wahlzettel zum Ankreuzen zusammen mit seinem Wahlkuvert erhält.

Schwedische Wahlzettel im Vorraum eines Wahllokales
Schwedische Wahlzettel im Vorraum eines Wahllokales


Noch ein anderer Umstand fällt auf: Die Wahllokale sind in öffentlichen Gebäuden, doch schon bei der Annäherung an das Wahllokal reibt sich der aus Deutschland geprägte Wähler die Augen. Wahlkampfhelfer, Stände und die Reklame von Parteien, begleiten einen bis an die Tür zum Wahllokal. Sperrbereichsvorschriften? Fehlanzeige.

Schweden ist übrigens gerade in einer Krise. Nach einer politischen Niederlage für die nach der Wahl im Jahre 2014 neu gebildeten Regierung wurde die Entscheidung für eine Neuwahl getroffen , die im - ansonsten sehr stabilen - Schweden den Namen "Extra Wahl" trägt und extrem selten vorkommt (das letzte Mal im Jahre 1958). Am 22. März 2015 wird also wieder ein Urnengang fällig. Auch dann wird wieder gelten: Wer auf eine "ganz geheime" Wahl Wert legt, sollte "seinen" Wahlzettel am besten schon gefaltet zur Wahl mitbringen.

[Update: 27.12.2014]: Mehr oder weniger überraschend haben sich nun Regierung und Opposition in Schweden auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt, um vorgezogene Parlamentswahlen abzuwenden. Die auf den Namen "Dezemberabkommen" getaufte Vereinbarung stellt sicher, dass künftig eine Minderheitskoalition in Schweden regieren kann.

Konstruktive Gespräche zwischen Rot-Grün und der Allianz aus vier bürgerlichen Parteien haben dies möglich gemacht. Die Minderheitsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen bleibt damit zunächst am Ruder und die Neuwahl am 22. März 2015 wird nicht stattfinden.

Nach der Vereinbarung soll künftig der Kandidat, der die meisten Stimmen im Parlament auf sich vereinen kann, Ministerpräsident werden. Dessen Haushaltsplan sollen dann auch den Reichstag dann passieren, indem sich das oppositionelle Lager bei der Abstimmung enthält.

Ausserdem haben sich Rot-Grün und die bürgerlichen Parteien – Konservative, Christdemokraten, Zentrumspartei und liberale Volkspartei - auf eine Zusammenarbeit in verschiedenen Politikbereichen, u. a. Verteidigung, Energie und Pensionsregelungen geeinigt.

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