Infinity II

Infinity II
„Infinity II“ - Der Blick ins Wasser klärt die Gedanken


Wer sich in der Stimmung wieder findet: Das Bild gibt es übrigens auch als Print. Bei Interesse bitte Mail.


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Dann eben mit Popcorn – Regisseur Lars Persson - Reportagerückblick auf den Sommer, Teil 2

Teil zwei vom Sagabiografens Filmfestival in Adak (Teil 1 gab es hier).

Hintergrund: Heute geht es um die beiden Ehrengäste, die das diesjährige Filmfestival eingeweiht haben. Da war zunächst der junge Regisseur Lars Persson (23) aus der Filmmetropole Luleå. Er wird unter Kennern der skandinavischen Filmszene als echter Geheimtipp gehandelt. Der Tipp ist so heiss, dass Lars derzeit noch nicht einmal in der schwedischen Wikipedia zu finden ist. Durch seinen Kurzfilm „Renoveringen“ (Die Renovierung) hat er die Basis seiner Karriere gelegt.

Im Film spielt übrigens auch die bekannte schwedische Serienschauspielerin Anki Larsson mit, die der zweite Einweihungsgast des Filmfestivals war.

Die Reportage: Die Redaktion hat uns selbstverständlich mitgegeben, Portraits von den Ehrengästen zu liefern. Authentisch sollten sie sein. Natürlich hätten wir auch ohne speziellen Auftrag Portraits für unser eigenes Bildarchiv gemacht. Soweit so gut.

Anki Larsson ist ein routinierter Profi und erwies sich als wahrer Publikumsmagnet. Sie ist erfahren und sehr geschmeidig im Umgang mit Medien und Presse. Alles völlig problemlos.

Lars Persson allerding ist ein „junger Wilder“. In einem langen, olivgrünen, legeren Regenmantel und mit einem Wollkäppi schlenderte er völlig entspannt durch die Menge. Etwas schlaksig wirkend, und niemals ernst ist er gerade dabei, sich ein eigenes Image aufzubauen.
 
Ihn an einen ruhigen Platz für ein Portrait mit „schönem“ Hintergrund zu bugsieren: unmöglich. Schliesslich konnten wir ihn am kalten Büffet unter einem grossen Partyzelt abpassen, während er am laufenden Meter eine Schüssel Popcorn leerte. Er genoss es sichtlich, seine „unernste“ Rolle auszuspielen. Und so fasste ich den Entschluss „Dann eben mit Popcorn“. Portraits von essenden Menschen sind immer eine sehr heikle Sache. Aber das gezeigte Bild ist „im Rahmen“ und überzeugte auch die Redaktion. Ich freue mich darauf, Lars einmal in einigen Jahren wieder vor der Linse zu haben. Dann vielleicht sogar ohne Popcorn ;)

 Regisseur Lars Persson Luleå
„Junger Wilder“: Der Nachwuchsregisseur Lars Persson

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Fundstück: Bibendum lebt

Fundstück des Tages: In die Jahre ist er schon gekommen und seltener ist er auch geworden. Aber vom Aussterben ist er noch weit entfernt und immer noch quietschfidel: Der (oder das?) gute alte Bibendum.
 

Fundstück: Bibendum lebt


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Zeitreise im Kino - Reportagerückblick auf den Sommer, Teil 1

Der Hintergrund: Eine Attraktion mit spannender Geschichte steht irgendwo in einem kleinen Wald in der Nähe von Adak. Ein beschaulicher und ruhiger Ort in Nordschweden mit noch 180 Einwohnern, zwischen Malå und Slagnäs belegen.

Im Jahre 1921 wurde bei Wegarbeiten in der Umgebung des Ortes ein merkwürdig glänzender Stein gefunden. Die Analysen ergaben einen hohen Gehalt an Kupfer und Zink. Bereits einige Jahre später wurde mit dem Tagebau begonnen, und 1942 nahmen insgesamt vier Gruben den Betrieb auf.

Ein eigener Ort mit Schule, Bibliothek, Geschäften und sogar einer eigenen Feuerwehr entstand rund um das Abbaugebiet im Wald. Er hiess „Adakgruvan“. Menschenmassen wurden von den Arbeitsplätzen angezogen und der Ort erlebte seine Blüte.

Ein schlauer Kopf auf der Durchreise entdeckte, was dem Ort noch fehlte: Ein Kino. Und so wurde 1943 zwischen dem heutigen Adak und dem damaligen Adakgruvan ein Kino erbaut. Es wurde auch für Hochzeiten und Feiern genutzt. 1965 schlug dann der Zahn der Zeit zu: Das Fernsehen hatte seine Verbreitung gefunden. Damit ging es für die Kinos immer schlechter. Und so schloss der Kinobesitzer sprichwörtlich die Tür hinter sich zu. Das Gebäude mit aller seiner Einrichtung verfiel in einen Dornröschenschlaf. Auch der um die Grube entstandene Ort verschwand nach einem tragischen Grossbrand im Jahre 1978. Der Abbau wurde eingestellt. Heute sind dort nur noch Wald und Wiesen zu sehen. Nur noch wenige Spuren deuten heute auf die Geschichte hin.

Das verlassene Kino im Wald jedoch erwachte wieder zu neuem Leben, als es Anfang der 90er Jahre wieder entdeckt wurde. Ein Förderverein wurde gebildet, der sich der Renovierung verschrieb und 1993 wurde das Kino im Originalzustand unter dem Namen „Sagabiografen“ wieder eröffnet.  Seitdem findet dort jährlich ein sommerliches Filmfestival statt, das unter Kennern sehr beliebt ist. Ein echter Geheimtipp.

Die Reportage: Für eine schwedische Tageszeitung war die Berichterstattung vom 31. Sagabiografen Filmfestival angesagt. Vieles wurde über das Festival schon geschrieben, viele Bilder schon gemacht. Hausaufgaben machen war also angesagt, um eine gute Story zu finden.

Einer mein Aufhänger für die Reportage war die im Winter erfolgte Installation moderner Digitaltechnik mit allen ihren Folgen. Im kleinen Vorführraum des Kinosaales – ungefähr so dunkel wie ein Kohlenkeller bei Nacht und nur durch mutiges Klettern über eine Aussentreppe aus Holz erreichbar – steht seit einem halben Jahr neben dem Originalprojektor aus dem Jahre 1934 eine digitale Vorführanlage.

Eine bizarre Zeitreise auf kleinstem Raum. Moderne Filme sind praktisch nur noch in digitalem Format vom Filmverleih zu beziehen. Deswegen war die technische Aufrüstung nur eine Frage der Zeit. Alte Filmrollen sind aber dennoch hin und wieder im Einsatz. Die Unterschiede sind beachtlich: Moderne Filme im Digitalformat haben ca. 200 GB und kommen auf portablen Festplatten daher. Im Gegensatz dazu bestehen klassische Kinofilme aus bis zu 8 grossen Filmrollen. Dass Filme bei der Vorführung reissen, kommt häufig vor.

Dann dürfen die Zuschauer eine ausserordentliche Pause geniessen, während der Vorführer im Technikraum den Film leimen darf. Keine leichte Aufgabe. Auch das nahtlose Wechseln zwischen den Rollen ist eine Kunst für sich. Es gibt in ganz Schweden nur noch eine Handvoll Spezialisten, die sich darauf verstehen. Gleich mehrere davon gibt es in Adak.

David Abramsson und die digitale Technik bei Sagabiografen in Adak
Der Aufmacher zur Story: David Abramsson und die technische Zeitreise


David Abramsson (20) ist einer der Vorführspezialisten, der in Adak im Ehrenamt das Festival mit ermöglicht. Er wirkt etwas menschenscheu und verlegen. Aber zwischen antikem Projektor und moderner Digitaltechnik blüht er sichtlich auf, und erzählt von den Höhen und Tiefen des Daseins in der „Dunkelkammer“ hinter dem Kino. Er ist angespannt vor der Premiere für die neue Technik. Filmvorführer sind spezielle Menschen.

Und dann gab es da noch die besonderen Einweihungsgäste. Aber das ist der Stoff für den nächsten Blogartikel.

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"Infinity" und ein Rückblick auf den Sommer in Lappland

Rückblick? Auf den Sommer? Ja. Wie im letzten Blogeintrag schon kurz erwähnt, hat der Herbst am Polarkreis Einzug gehalten. Blätterbüschel in schillernden Farben schmücken die Bäume und wirbeln durch die Luft. Der Wind hat sich vor einigen Tagen schlagartig verändert, ist jetzt durchdringend und kalt. Die Fleecejacke kommt wieder zum Einsatz. Diese abrupten Jahreszeitenwechsel sind ein Merkmal des polaren Klimas.  

Also Blick zurück auf den Sommer. Der Sommer ist regelmässig umtriebig und quirlig. Zum Sommeranfang erwachen binnen Tagen nicht nur die Pflanzen- und Tierwelt, sondern auch die Menschen um uns herum zu neuem Leben. Der „Sommermodus“ wird eingeschaltet. Denn Menschen, Tiere und Pflanzen wissen – bewusst oder unbewusst -, dass die Sommersaison nur kurz ist im Vergleich zum langen, kalten und dunklen polaren Winter.

Und so war auch unser Sommer mit verschiedenen Grossprojekten angefüllt. Auf der fotografischen Seite waren wir diesen Sommer fast ausschliesslich für die Presse unterwegs. Ungewöhnlich, aber bereichernd. Der Terminkalender war gut gefüllt, und Reportageeinsätze machen einfach unglaublich viel Spass. Sie haben nur eine systembedingte Nebenwirkung: den allgegenwärtigen Termindruck.

Ich nenne das scherzhaft den fotografischen „JPEG-Modus“. Für Kunden im Tourismusbereich wird mit weniger Zeitdruck gearbeitet. Das heisst dann Aufnahmen in RAW mit teilweise recht umfangreicher Nachbearbeitung. Ganz anders bei Aufträgen von Zeitungen. Die Deadline für die Einlieferung der Bilder liegt bei zwei bis drei Stunden. Lebenslanges Lernen und kontinuierliche Verbesserungen sind angesagt, und die vielen Reportageeinsätze haben unseren Workflow an einigen Punkten in Frage gestellt um dann zu Verbesserungen zu führen. Dazu demnächst ein eigener Blogartikel.

In den nächsten Tagen werde ich in einer kleinen Serie einige der Reportagebilder zeigen, die uns selbst am besten gefallen haben. Dazu gibt es jeweils Hintergrundinfos zum Event, bzw. der Veranstaltung.

Die in vieler Munde befindliche „Work-Life-Balance“ ist gerade in der stressigeren Sommersaison wichtig. Deswegen planen wir uns immer auch feste Zeiten für persönliche Projekte ein. Aus einem dieser Projekte stammt auch das Bild unter dem Titel „Infinity“.

Wer sich in der Stimmung wieder findet: Das Bild gibt es übrigens auch als Print. Bei Interesse bitte Mail.


Infinity - Die Seele baumeln lassen
Die Seele baumeln lassen - Infinity am Polarkreis


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Dinosaurier am Wegesrand? - Arktischer Sommer in Lappland 2013

Für Überraschungen ist der Alltag hier immer wieder gut: Aus dem Augenwinkel beschlich mich das Gefühl, beim Vorbeifahren beobachtet worden zu sein. Rückwärtsgang. Tatsächlich. Gruselig, gespenstisch starrte ein Schädel auf die Strasse. Ein Dinosaurier? Nicht wirklich. Das Skelett eins verendeten Rentieres, das anderen Teilen der Tierwelt als Nahrung gedient hatte, lehnte so an einem Baum, dass diese skurrile Szene zustande kam.

Das ist übrigens der letzte Beitrag zur Serie „Arktischer Sommer in Lappland 2013“, denn der Herbst hat nun begonnen. Das Wetter hat sich in den letzten Tagen verändert, und heute ist der erste richtige Herbsttag. Nicht mehr lange bis zum ersten Schneefall...

Dinosaurier am Wegesrand? - Arktischer Sommer in Lappland 2013
Dinosaurier am Wegesrand?

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Nicht nur Michael Kenna hat seinen Lieblingsbaum

Viele werden den Film "Hokkaido" über Michael Kennas Leidenschaft für einen bestimmten Baum in Japan gesehen haben.
 
Ich musste spontan an diesen Film denken, als ich vergangene Woche wieder einmal meinen eigenen, ganz persönlichen Lieblingsbaum in Lappland besucht habe.
 
Entdeckt hatte ich ihn vor etwa 6 Jahren, als ich auf der Suche nach ganz anderen Motiven war. Völlig spontan habe ich mich in ihn verliebt, wie er da so bezaubernd ausgerichtet im Wasser lag. Die Stelle ist abgelegen und schwer zugänglich. Lange Teile des Jahres ist er fast ganz vom Wasser bedeckt und damit unsichtbar. Im Winter ist er praktisch gänzlich unerreichbar (und liegt ohnehin unter ein bis zwei Meter Schnee).
 
Seit unserer ersten Begegnung habe ich ihn bestimmt schon ein dutzend mal besucht, und jedesmal habe ich eine neue interessante Perspektive gefunden. Die "Schokoladenperspektive" ist die hier gezeigte. Beim letzten Versuch habe ich mit verschiedenen Langzeitbelichtungen experimentiert. Nicht ganz einfach, denn um zu dem guten Stück zu gelangen durfte ich erst einmal einige Meter durchs Wasser waten, um mich dann am Wurzelwerk hochzuhangeln. Trotzdem ist es mit jedesmal den Besuch wert.


Mein Lieblingsbaum in Lappland

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