Konsumismus - Der Wahnsinn hat Methode

Heute ein ganz männliches Thema. Ein sehr männliches Thema. Nur ein männliches?
Schauen wir mal.

Es geht nämlich um Rasierapparate.

Also ich lege ja Wert auf langlebige Qualität. Gerne aus Deutschland (oder zumindest dort entwickelt und / oder konstruiert). Zumindest was die Technik betrifft.

In Sachen Rasierapparat bevorzuge ich einen aus dem Hause Braun.
Auf der Schachtel steht sogar eine deutsche Firmenadresse (wobei das Gerät natürlich „Made in China“ ist).

Unter der deutschen Firmenadresse steht dann noch der Firmenname: Procter&Gamble.

Aha.

Nun hat sich vor einigen Tagen das Scherblatt an meinem treuen Rasierapparat nach fünf Jahren mit der Folge eines blutigen Kratzers am Hals verabschiedet.

Dass Scherblätter nicht für die Ewigkeit gebaut sind (wobei selbst die Theologen mit dem Begriff der Ewigkeit ihre Schwierigkeiten zu haben scheinen), ist allgemein bekannt. Sollte aber kein Problem sein, denn da gibt es doch Ersatzteile (zumindest war das früher mal so)?

Heute im Elektro-Fachgeschäft kurz vorbei geschaut.

Und: Oh Wunder, die haben sogar das passende Ersatzteil!
Der angeblichen Globalisierung sei Dank!

Die Verkäuferin hat sich sichtlich gefreut, dass jemand bei ihr nach einem Ersatzteil gefragt hat (scheint eher in die Kategorie „Ladenhüter“ zu gehören). Während Sie im Regal nach dem richtigen Schächtelchen kruschelte erzählte sie mir noch nebenbei, dass sie demnächst kein Bargeld mehr akzeptieren werden und das es eine Entscheidung „von ganz oben“ sei. Erfreut schien sie über diese Tatsache nicht zu sein, denn hier in Schweden erhalten noch sehr viel Rentner ihre monatlichen Rentenauszahlungen in bar und ein knapp 100-Jähriger ist nun in Zukunft gezwungen einen Computerkurs zu belegen?

Hier wird eindeutig eine Randgruppe geschaffen. Diese Menschen können nicht mehr am Wirtschaftsleben teilnehmen.

Nun gut.

Nachdem sie das passende Tütchen gefunden hatte, betrachtete ich den Preis:

Umgerechnet stolze 50 Euro. Happig, aber gut.
Was soll ich machen?

Ich nahm das Tütchen und bewegte mich in Richtung Kasse. Mein Weg führte vorbei an dem Regal mit unterschiedlichen Angeboten von Rasierapparaten.

Kurzer Stopp, denn mein Auge fällt auf exakt den gleichen Rasierapparat, dessen Besitzer ich bereits bin.

Jetzt kommt der Hammer:
Der aktuelle Neupreis liegt bei umgerechnet 43 Euro.

Nachdem sich mein Blutdruck wieder normalisiert hat, bleibt mir nur ein Gedanke:

Gier führt in den Abgrund (erleben wir ja gerade im gesamten Wirtschaftssystem) und zusätzlich werden wir Verbraucher auch noch in die Wegwerfgesellschaft gezwungen.

Chinaware zum Wegwerfen. Der Apparat besteht im Wesentlichen aus Plastik.

Wir Endverbraucher essen schlussendlich diesen Plastikwahn noch, als Beispiel in Fischstäbchen oder im Krabbensalat.

Eigentlich sollte man den Apparat in den Mixer geben und den Firmenvorständen verfüttern.

Damit sie... ach lassen wir das!

Nachtrag:

Habe eben meinen neuen Rasierapparat eingeweiht.

Es ist eine Schande! Die Qualität des gesamten Materials hat immens nachgelassen!

Also noch miserabler geht es nicht. Ich bin mehr als verärgert.

Wenn das so weiter geht mit dem Qualitätsabbau von Produkten im Allgemeinen gehen wir einer düsteren Zukunft entgegen. Und für so etwas ziehen die Konzerne uns das Geld aus der Tasche.

Was meinte einmal mein bester Freund zu mir?

Wie viel kostet das Atmen?

Antikes Mobiltelefon

Da wir gerade bei der Freude über die „analoge“ Welt waren. Vor ein paar Tagen haben wir einen besonders schönen Klassiker erspäht. Ein schwedisches „Mobiltelefon“ auf den 60er und 70er Jahren. Ganz ohne Text Messaging und Apps konnte man damals auch noch keine installieren. Es war nicht auch so ganz einfach, das Teil in die Jackentasche zu stopfen :)

Aber eines konnte man damit: Telefonieren! Und für akute Notfälle gab es sogar schon eine „SOS-Taste“ (damit konnte man die Polizei anrufen ohne Kleingeld).

antikes schwedisches mobiltelefon
Antikes schwedisches Mobiltelefon

Schwedisches Schaukelpferd

Also ich freue mich ja immer über jedes Stückchen „analoger Wirklichkeit“, das ich im Alltag entdecke. Heute war die Freunde besonders gross, als ich in einer Spielecke für Kinder dieses schwedische Schaukelpferd erspäht habe. Ach ja, dass es so etwas heute noch gibt. Neben dem Pferd stand in der Ecke eine Kinderküche mit Mikrowelle und Induktionsherd. Na ja. Aber das Pferd hat mich begeistert und Erinnerungen aus früher Kindheit geweckt.

Lange habe ich es betrachtet. Aber irgend etwas stimmt mit dem Pferd nicht...

Schwedischer Schaukelelch
Schwedisches Schaukelpferd mit einem „Fehler“... - schwedisch eben :-)

Kulturelle Veränderungen 3

Ein Nachtrag zu Teil 2.

Vergangene Woche war ich auf einem gesellschaftlichen Event zu Gast. Da der Rahmen (so ein „Incentive“ auf Neudeutsch) ganz interessant war, konnte ich mir einige Bilder nicht verkneifen. Liegt mit halt im Blut. Bilder ohne grosse DSLR, sondern nur mit einer schlichten Kompaktkamera, die immer in der Jackentasche mitreist. Ich habe da also einige Portraits geschossen und anschliessend den jeweils Portraitierten per Mail zukommen lassen. Man ist ja ein netter Mensch ;)

Heute, d.h. eine Woche später, spricht mich einer der portraitierten Empfänger an. Er bedankte sich sehr und meinte, das sei seit langem das Bild mit der grössten Schärfe und Detailgetreue, das er gesehen haben.

Mal davon abgesehen, dass das in fotografischen Kreisen (zu denen mein Gegenüber aber nicht gehört) ein vernichtendes Urteil wäre (Stichwort: ein wirklich scharfes Bild), ist die Aussage sehr bezeichnend. Die Krönung war dann die Frage, mit was für einem Handy ich denn das Bild aufgenommen hätte.

Womit wir wieder bei der Bildwahrnehmung angekommen wären. Für Otto-Normalverbraucher werden Bilder nur noch mit Mobiltelefonen gemacht. Manchen fällt der Qualitätsunterschied zur richtigen Kamera immerhin noch auf.

Auf meinen Hinweis, dass das Bild mit einer „richtigen“ Kamera gemacht worden ist, in die der Portraitierte auch direkt hinein geschaut habe, habe ich nur einen verwunderten Gesichtsausdruck geerntet. Was mich zur Frage führt, wie genau Mitmenschen eigentlich Ihre Umwelt beobachten. Also mir fällt es normalerweise auf, wenn jemand eine Kamera in meine Richtung richtet.

Die Zeiten ändern sich.

Kulturelle Veränderungen 2

Waren wir doch am Wochenende wieder mal eine Sportveranstaltung fotografieren. Kommt nicht mehr so häufig vor wie früher, macht aber noch genau so viel Spass und Freude. Bloss die fotografische Landschaft hat sich deutlich verändert. Noch vor einigen Jahren waren da viele Leute mit „richtigen“ Kameras unterwegs. Privatpersonen, Offizielle, Reporter und Fotografen. Das Gedrängel an den interessanten Spots war gross und der Umstand, eine grosse DSLR um den Hals zu haben hat einem keinen Vorzug verschafft. Mitunter wurden da sogar die Ellenbogen eingesetzt.

Am zurück liegenden Wochenende kamen wir uns wie Wesen aus einer anderen Welt vor. Wir haben keine (!) andere Person mit einer „richtigen“ Kamera gesehen. Jedermann und jederfrau „knipst“ nur noch mit Mobiltelefonen. Mit den grossen DSLRs um den Hals wurde uns geradezu ehrfürchtig und anstandslos Platz gemacht. Ein ungewohntes Erlebnis.

Die Welt hat sich binnen nur einiger weniger Jahre grundlegend verändert. Zwar sind Mobiltelefone (nebst der eingebauten Kameras) omnipräsent, die allgemeine Bildqualität ist seitdem aber im freien Fall. Ist ja auch verständlich, wenn die Bilder nur noch auf sozialen Medien und dort in Briefmarkengrösse hochgeladen und betrachtet werden. All das ändert die Sehgewohnheiten und die Qualitätswahrnehmung der Menschen, was Bilder angeht. Kurz gesagt: Die Bilder - auch in einst hochwertigen Medien - sind entweder sinnfreie Stockfotos ohne Bezug zum publizierten Inhalt, oder grottenschlechte Mobilbilder. Aber was solls, den Lesern und Betrachtern fällt das mittlerweile in der Regel gar nicht mehr auf.

Kulturelle Veränderungen 1

Psalm 90 Vers 12: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Vergangene Woche haben wir aus traurigem Anlass eine Kondolenzkarte gebraucht. Als wir die letzte Trauerkarte vor ca. 10 Jahren hier gekauft haben, gab es da noch eine grosse Auswahl. Und diese Art von Karten gab es früher hier in jedem Supermarkt.

Die Suche vergangene Woche ist eine grössere Aktion geworden. Nach mehreren Tagen der Suche in Malå und Arvidsjaur haben wir die Suche aufgegeben. Geburtstagskarten, Glückwunschkarten zur Geburt und zu allen möglichen anderen Anlässen, die gibt es in Hülle und Fülle. Aber Karten, die an die Vergänglichkeit erinnern könnten? Fehlanzeige.

Sagt viel über die Veränderung der Kultur aus.

Ist das in Deutschland mittlerweile genau so?