Lappland: Mache es wie der Bär

Unerwartete Bescherung von oben - Lappland m April
Unerwartete Bescherung von oben - Lappland m April


Da schreiben wir den 24. April und wir haben bereits seit mehreren Wochen eine „Auftauphase“ rund um den Polarkreis. Auf freien Flächen liegt noch ein guter Meter Schnee, aber wir hatten schon etliche traumhafte Tage mit strahlendem Sonnenschein und guten Plusgraden. Diese Jahreszeit bietet die herrlichsten Tage im gesamten Jahreskreis. Sie haben aber auch ihre mitunter unerwarteten Tücken.

Ich befinde mich auf einer langen Wanderung mit dem Vierbeiner und geniesse wieder einmal im Bewusstsein, dass sich im Umkreis von mehreren Kilometern keine anderen Menschen befinden.

Der Weg hierher war schon befahrbar, denn er wurde vor einem Monat bereits wegen Flächenabrodungsarbeiten geräumt. Zwar war der Weg noch eine einzige Schlammpiste, aber mit langjähriger Erfahrung ist es ganz gut gegangen. Und wie das Auto nachher aussieht, spielt in dieser Region dankenswerterweise keine so grosse Rolle. Irgendwann regnet es wieder und dann werden Schlamm und Matsch wieder vom Lack abgewaschen. Der Himmel ist bedeckt und irgendwie fröstelt es mich, denn plötzlich kommen Winde auf.

Das Thermometer im Auto hat plus 6 angezeigt. Egal.

Nach zwei Stunden Fussmarsch ändert sich das Wetter dramatisch und eine Wolkenfront zieht wie eine Dampfwalze auf uns zu.

Die Temperatur fällt schlagartig und der Wind nimmt dramatisch Fahrt auf. Keine fünf Minuten später habe ich den Eindruck, ich stehe im Wald: Es schneit plötzlich dicke Flocken. „Der April macht‘s wie er will“ - heisst es so schön in einem Sprichwort. Morgens hatte ich noch mit alten Geschäftskontakten in Deutschland gesprochen und mir war von plus 26 Grad berichtet worden...

Da denke ich an die hiesigen Braunbären. Die haben einen cleveren Mechanismus. Wenn der Winter mit Kälte und Schnee anfängt, dann suchen oder bauen sie sich ein kuscheliges Plätzchen und gehen in den Winterschlaf. Dabei senken sie ihre Körpertemperatur ab und fahren den Stoffwechsel herunter. Bei Störungen können sie den Stoffwechsel in kürzester Zeit wieder hochfahren um eventuellen Gefahrensituationen zu begegnen. Es ist daher gar keine gute Idee sich einer vermuteten Winterschlafstelle (auf schwedisch „Ide“) zu nähern. Denn auch wenn der Bär nicht schnell genug wach ist, um eine Gefahr für Leib und Leben zu bilden, kann er durch den erhöhten Energieverbrauch später verhungern.

Dennoch scheint mir die Sache mit dem Winterschlaf irgendwie verlockend. Wenn ich ein Bär wäre und jetzt aufwachen müsste, dann würde ich bei diesem Wetter ganz schnell wieder den Kopf einziehen, mich einrollen und einfach weiter schlummern. Diese Alternative habe ich aber leider nicht, weswegen ich mich wieder auf den Rückweg zum Auto mache. Ein Tag im lappländischen April eben.

Schneeflocken im Sturzflug - Lappland m April
Schneeflocken im Sturzflug - Lappland m April


Der April-Schnee verwandelt sich umgehend in eine feuchte „Pampe“
Der April-Schnee verwandelt sich umgehend in eine feuchte „Pampe“

Outdoor-Kaffee „Made in Schweden“: Kochkaffee

Den Schweden zieht es in die Natur. Je einsamer und abgelegener der Ort, desto besser. Die ideale Sommerstuga liegt an einem abgelegenen See und hat - natürlich - weder fliessendes Wasser, noch Elektrizität.

Hinter oder neben der Sommerhütte steht ein Plumpsklo. Die Mahlzeiten werd auf einem Holzofen, der in einer kleinen Küchennische steht, gekocht.

Das perfekte Idyll?
Nicht ganz!

Denn völlig ohne Technik geht es freilich nicht:

Ein Schneemobil neuesten Baujahres parkt vor der Hütte. Und gutes Mobilnetz (mindestens 3G) ist ebenfalls obligatorisch. Etwas Luxus muss schon sein. 

Die Preise für solche Freizeithäuser sind astronomisch und übersteigen den Preis von Stadthäusern um ein Vielfaches. Zurück zum Idyll. 

Was kann es schöneres geben, als bei strahlendem Sonnenschein am Lagerfeuer am Ufer eines noch zugefrorenen Sees zu sitzen. Am besten nach einer langen Tour mit dem Schneemobil. Wer schweigen mag, schweigt, wer sich ins Gespräch vertiefen will, hat auch dafür die besten Voraussetzungen.

Geheimtipp für Unternehmer und Berater: Diese Atmosphäre bietet sich vorzüglich für schwierige oder festgefahrene Vertragsverhandlungen an. 

Und was verleiht der harmonischen Runde am Lagerfeuer den Ritterschlag?

Richtig! Ein auf dem offenen Feuer zubereiteter Kochkaffee.

Eine kleine schwedische Kaffeekunde hatten wir 2012 hier schon einmal gebloggt.

Heute wollen wir uns einmal dem „echten“ Kochkaffee („Kokkaffe“) zuwenden. Zubereitet wird er in einem Kaffeekessel - meistens aus Aluminium - über dem offenen Feuer. 

Auf der Feuerstelle wird zunächst Holz gestapelt. Am besten so über Kreuz, dass der Kessel später direkt auf das Feuer gestellt werden kann.

Ist das Feuer entfacht, wird der Kochkaffee in den Kessel gegeben. Der Profi bemisst die Menge in der Masseinheit „Handvoll“. Mit der leicht gekrümmten Handinnenfläche wird der gemahlene Kaffee abgemessen. Für den auf dem Foto zu sehenden Kessel z. B. sind vier Handvoll erforderlich. Der Schwede trinkt gerne gehaltvollen (d.h. starken) Kaffee.   

Dann wird der Kessel zu zwei Dritteln mit Wasser gefüllt und auf das Feuer gestellt, bis es in seinem Innern leicht zu blubbern beginnt. Darauf hebt man ihn sogleich etwas hoch damit er nicht überkocht (siehe Bild) und lässt in so ein oder zwei Minuten ziehen. Der Trick mit dem dünnen Holzscheit verhindert dabei ernste Verbrennungen (bitte vorher einmal üben wegen der richtigen Balance).

Danach wird der Kessel auf einen Stein am Rand der Feuerstelle gestellt und durch den Ausguss wird etwas kaltes Wasser eingegossen. Dadurch setzt sich der Kaffee schneller ab und er erreicht etwas  schneller die richtige Trinktemperatur. 

Nun kann der schwedische Outdoor-Kaffee genossen werden.

Dazu wird er vorsichtig in Tassen oder Becher gefüllt (nicht mehr als eine Vierteltasse). 

Den frischen Kaffee - der stets immer noch etwas Kaffeesatz enthält - derart zu schlürfen ist ein Genuss für Seele und Gaumen. Ist der Kaffee dann leer, werden - ohne den Kessel zu reinigen -  einfach eine neue Ladung Kaffee und Wasser nachgefüllt und die Kochzeremonie kann erneut beginnen.

Outdoor-Kaffee „Made in Schweden“: Kochkaffee

VERORDNUNG (EU) 2017/2158 DER KOMMISSION

VERORDNUNG (EU) 2017/2158 DER KOMMISSION

Das war wirklich knapp.

Frech hat sie mich angeschaut von ihrem Platz auf meinem Teller aus.

Verführerisch und gaumenschmeichelnd.

Gebräunt und knusprig, schön anzusehen.

Aber leider seit einigen Tagen illegal.

Sorry, meine Beste.

Mit den besten Grüssen von der EU und vom Einschlitztoaster.

Heute: Finnisch für Anfänger

IMG_1220

Wahrnehmungs-Schutzfaktor „30“

Auf Fratzenbuch habe ich gerade eine Diskussion von überragendem Interesse für den Fortbestand der Welt gelesen.

Das muss erst einmal sacken!

Der Winter beginnt langsam dem Frühling zu weichen. Überall tropft und tropst es von den Dächern. Die Strassen sind grösstenteils eisfrei und auch nächtens balanciert das Thermometer um die null Grad. Was ist also wichtiger, als das sonnige Wetter in und um die Sommarstuga (bevorzugt im Fjäll) konsequent auszunutzen und sich zu sonnen?

Und die alles entscheidende Frage für die Gesundheit und den Fortbestand des Individuums und der Gesellschaft im Allgemeinen dreht sich dabei um die richtige Wahl des Sonnenschutzfaktors.

Der Sonnenschutzfaktor gibt bekanntlich an, wie viel mal länger man sich mit einem Sonnenschutzmittel der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, als dies mit der jeweils individuellen Eigenschutzzeit möglich wäre.

Sonst gibt es keine Probleme in der Welt?

Ist bisher schon einmal eine weltweite Sonnenantischutz-Seuche ausgebrochen oder gibt es schon Sonnenschutzmilch in Tarnfarben um sich vor seinen Feinden zu tarnen?

Warum also dieser Faktoren-Hype?

Statt sich mit überlebens-wichtigen Themen zu beschäftigen ist die Frage nach der Wahl des richtigen Sonnenschutzfaktors eindeutig wichtiger, oder?

Ich kann mich des Verdachtes nicht verwehren, dass da ein ganz anderer Schutzfaktor am Werke ist:

Der Wahrnehmungs-Schutzfaktor. Dieser gibt an, wie viel mal länger man sich mit seinem Gehirn den Nachrichten aussetzen kann, ohne das ein Nachdenken und sachliches Diskutieren beginnt, als dies mit dem jeweils eigenen Wahrnehmungsvermögen möglich wäre.


Ob der Schutzfaktor „30“ überhaupt ausreichend wäre?

Einen sonnigen Sonntag allen Leserinnen und Lesern.

Ein schöner und sonniger Tag - oops - was ist denn das?
Ein schöner und sonniger Tag - oops - was ist denn das?

Unser Osterei für Euch: Akimbo, Baby!

Langeweile über Ostern?

Dieses Gefühl, dass dein Gehirn wieder etwas zum Verarbeiten gebrauchen könnte?

Da haben wir heute ein besonderes Osterei für dich:

Er hat es wieder getan. Einen „Ruckus“ wie er selber immer so schön gesagt. Seth Godin (Autor eines der bestbesuchtesten Blogs im ganzen Internet) hat einen Podcast gestartet. Dieser ist von erster Güte und mit Themen, die das Gehirn aus dem Leerlauf auf höhere Drehzahlen beschleunigen. Er hört auf den Namen „Akimbo“ und ist eine vorbehaltlose Empfehlung.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!