Foto-Futter: Ragnar Axelsson

Heute im Foto-Futter wieder ein besonderer fotografischer Leckerbissen: Es geht um den isländischen Fotografen Ragnar Axelsson ("RAX"). 

Als ich ihn und sein Portfolio entdeckt habe, hat es mir schlicht den Atem verschlagen. Und das kommt nicht so häufig vor.

Ragnar arbeitet seit 1976 hauptberuflich als Fotograf bei der grössten isländischen Tageszeitung "Morgunbladid" ("Morgenblatt"). Als Reporter hat er beinahe alles fotografiert, was sich in den letzten 30 Jahren in Island abgespielt hat. 

Noch viel spannender aber sind seine persönlichen Projekte, die auf seiner eigenen Homepage zu finden sind. 

Seine grosse Leidenschaft gilt den arktischen Regionen. Über Jahre hinweg hat er die aussterbende Kultur der Inuit auf Grönland, Baffin Island und in Canada dokumentiert (meist übrigens analog und schwarz/weiss). Die Reportagen sind atemberaubend und berührend. So trägt Ragnars jüngstes Projekt auch den Titel "Last Days of the Arctic" ("Die letzten Tage der Arktis"). Aus dem Projekt sind ein Buch und ein Film entstanden. Der dokumentarische Film war 2011 auf Arte zu sehen, ist dort aber nicht mehr in der Mediathek enthalten.

Daher ein besonderes Schmankerl an dieser Stelle: Im schwedischen Fernsehen lief der Film vor einigen Tagen (Englische Version mit schwedischen Untertiteln). Wer sich an den schwedischen Untertiteln nicht stört, kann die Doku "Last Days of the Artic" bis zum 13. Mai hier bei SVT online ansehen.

Eine kürzere Fassung die nur aus Bildern besteht, ist hier auf YouTube zu sehen. 

Grosse mediale Aufmerksamkeit hatte auch sein Projekt "Faces of the North" ("Gesichter des Nordens") mit dem gleichnamigen Buch, das 2004 erschienen ist.

Die Liste von Ragnars Veröffentlichungen, Awards und Ausstellungen ist lang. Und sie sind allesamt hochverdient.

Nettes Detail am Rande: Ragnar ist übrigens "nebenbei" auch ausgebildeter Privatpilot, was ihm in seiner Arbeit sehr zustatten kommt.

Foto-Futter: Der isländische Fotograf Ragnar Axelsson
„Blick auf die Homepage von Ragnar Axelsson“

Aktuelles zu Wind und Wetter in Lappland

Wegen zahlreicher Nachfragen ein schnelles Wetter Update aus Lappland - auch mit fotografischen Implikationen.



- Der Winter schwindet. Aber
nach wie vor relativ langsam dieses Jahr. Es liegt noch übermässig viel Schnee. An schattigen Stellen sind es noch um die 50 cm. Obwohl die Wetterprognose täglich höhere Temperaturen verspricht hält sich beharrlich die Vermutung, dass das Wetter die Prognose nicht liest. Und sich folglich auch nicht daran hält. Die älteren Nachbarn und Bekannten sprechen bereits davon, dass es gefühlsmässig ein kaltes Jahr werden wird. 


- Im Schwesterblog gibt es bei Frau Lapplandblog jetzt in der linken Seitenleiste einen Wetterticker, der einmal täglich aktualisiert wird und von ihr auf ihre Art und Weise pfiffig geschrieben wird.


- Und wer das Wetter live sehen möchte: Unsere Lappland-Webcam sendet wieder! Nachdem der Webcam-Computer im vergangenen Jahr seinen Geist aufgegeben hatte, haben wir kürzlich wieder einen EDV-Oldtimer an Land ziehen können, der nun als Webcam-Server fungiert.


- Auch fotografisch kann das derzeitige Wetter sehr herausfordernd sein: Bei Landschafts- und Naturaufnahmen ist immer "irgendwo" Schnee im Bild (siehe unten). Und wenn dann die Sonne durch die Wolken schaut, sind gnadenlos ausgebrannte Stellen im Bild :) Auch bei Reportagen besteht das Problem, wobei dort ausgebrannte Stellen im Hintergrund i.d.R. nicht so problematisch sind.


Lappland - Immer ist der Schnee im Bild
„Tücke der Jahreszeit - Immer ist der Schnee im Bild“

Der Fotograf und die Kunst des Wartens: Kairos - der "Decisive Moment" in der Zeit

Der Fotograf und die Kunst des Wartens: Kairos - der "Decisive Moment" in der Zeit

Ein Plädoyer

Alles kommt zu dem, der warten kann...

- Chilenisches Sprichwort -

Mit zunehmendem Alter stellt sich Geduld ein. Wie habe ich es in jungen Jahren gehasst, diesen Satz  zu hören. Mittlerweile hat mich ein Stück der Weisheit wohl selbst erwischt: Vergangene Woche habe ich ein Bild aufgenommen, auf das ich geschlagene vier Jahre gewartet habe. Ein guter Anlass, einige Gedanken über die Kunst des Wartens in der Fotografie aufzuschreiben.


Lange genug warten können, ist das Geheimnis jeden Erfolges...
Nicht zu lange warten, das andere...

- Rainer Haak -

Ich höre innerlich schon das "Ja, aber...". Und um es zu Beginn schon klar und deutlich zu sagen: Das Warten ist - zumindest in der Fotografie -  nicht immer eine Tugend. Manchmal zählen Schnelligkeit und Intuition. Etwa bei Reportagen über Unglücksfälle. In der überwiegenden Zahl der Fälle aber, zahlt sich das Warten aus.

Führen wir also keine Scheindiskussionen um den heissen Brei, sondern kommen wir zur Sache. Das eigentlich schockierende in Sachen Warten liegt für mich darin, dass es in Diskussionen und Workshops häufig gar nicht vorkommt. Fotografen sind bekanntlich viel lieber technikverliebt und lesen gerne Rezensionen über die neuesten technischen Errungenschaften. Der mehr "philosophische" Teil des Handwerks und der Kunst ist viel weniger beliebt.


Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.

- Leo N. Tolstoi -

Dann gibt es da auch noch die gelegentlich geäusserte Ansicht, man solle vorsorglich immer mal auf den Auslöser drücken (habe ich sinngemäss so kürzlich beim allseits bekannten und hass-geliebten Ken gelesen). Aus Sorge um das gute Motiv. Denn schliesslich sei es ja durchaus möglich, dass das perfekte Motiv verschwindet oder sich unwiederbringlich verändert, bevor das Licht und die Umstände stimmig und passend sind.

So eine Phase habe ich auch durchlaufen, und die hausinterne Bildbank mit allerlei unterdurchschnittlichen Bildern gefüttert. Beim Scouting, der Suche nach guten Motiven, hat das seine Berechtigung. Woanders indes nicht. Vom Motiv des bereits erwähnten "4-Jahres-Bildes" hatte ich so etwa 50 verschiedenen Variationen aus 4 Jahren auf der Festplatte. Das hat mir geholfen, die innere Visualisierung der idealen Bedingungen zu verfeinern. Nachdem aber die endgültige Version im Kasten war, ist der Ordner mit den Scouting-Bildern in den Papierkorb und ins Daten-Nirvana gewandert.

Ich höre den Einwand: Was wäre geschehen, wenn die bezaubernde kleine Scheune in der Zwischenzeit abgebrannt wäre? Klare Ansage: Pech gehabt. In diesem Falle wären die Scouting-Bilder ebenfalls in den Papierkorb gewandert. Hätte mich das frustriert? Ganz gewiss, aber das ist ein Teil des Lebens. Was uns zum wichtigsten Punkt führt.


Alles Warten ist Warten auf den Tod.
- Franz Werfel -

Worin liegt eigentlich die Kraft des Wartens? Ich denke, Franz Werfel bringt es in seinem Zitat auf den Punkt. Im Lichte des Wartens, enthüllt sich die Bedeutung des zum Bild werdenden Motives. Denn erst in der existenzialistischen Spannung auf ein Ende oder das Ende hin, beginnen Menschen und Dinge ihr wahres Sein zu offenbaren.


Am Schluss ist das Leben nur eine Summe aus wenigen Stunden, auf die man zulebte. Sie sind; alles andere ist nur ein langes Warten gewesen.
- Erhart Kästner -

Im Altgriechischen gibt es zwei Begriffe für die Zeit: "Chronos" und "Kairos". "Chronos" ist der Begriff für die permanent vergehende Zeit (daher der Begriff der Chronologie). "Kairos" hingegen meint den "richtigen Zeitpunkt".

Die Frucht des Wartens liegt demnach im Kairos, dem Zeitpunkt, in dem alles "perfekt zusammen läuft".

Fotografisch gesprochen: Der Kairos ist  der "Decisive Moment" der Zeit, die Gunst der Stunde, der besondere, entscheidende und kritische Augenblick.

Und danach streben wir, oder?  Auch wenn es dauert.

Der Fotograf und die Kunst des Wartens: Kairos - der
„Fenster mit Aussicht - Die Kunst des Wartens“

"One-Hour Photographer" von Rosh Sillars



Die fotoliterarische Woche neigt sich dem Ende zu und heute gibt es noch einen besonderen Leckerbissen: "One-Hour Photographer" von Rosh Sillars.

Das Ebook ist auf seine ganz eigene Art sehr speziell. Warum das? Langatmige und (zu) ausführliche Bücher zu schreiben ist einfach. So kompakt wie möglich "auf den Punkt zu kommen" ist indes eine Kunst. Dieser Kunst hat sich Rosh gewidmet.

Er hat sich das Ziel gesetzt, alle grundlegenden Informationen, die ein angehender Profifotograf haben sollte, zusammen zu fassen. Aber nicht nur irgendwie, sondern in einem Buch, das in einer Stunde gelesen werden kann.

Um spontanen Protesten sogleich entgegen zu wirken: Selbstredend geht es um einen Überblick und viele Denkanstösse für die To-Do-Liste. Auf 42 Seiten (A4, in der PDF-Version) ist die Detailtiefe aus der Natur der Sache heraus begrenzt. Den Ansatz finde ich aber sehr charmant. Ermöglicht er doch, sich schnell über Möglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen zu informieren.

Übrigens: Wer Rosh noch nicht kennt - Er ist als People-Fotograf in Detroit beheimatet und ist nebenbei noch ein "Social-Media-Guru" im Bereich kreativer Berufe.

In seinem neuesten Buch führt Rosh den Leser in 14 Kapiteln durch die wichtigsten Eckpunkte. Der Clou dabei: Er deckt dabei sowohl den fotografischen Teil (Kapitel 1 - 7), wie auch den geschäftlichen Teil (Kapitel 8 - 14) ab. Diesen Ansatz halte ich für sehr effektiv, denn leider wird bei der Überlegung in das Profilager einzusteigen, allzu oft nur an einen der beiden Teile (meistens den ersten) gedacht. Da Rosh ein Marketing-Spezialist ist, geht es im Business-Teil natürlich schwerpunktmässig um diesen Bereich (ohne allerdings den Rest zu vergessen).

Kurz gesagt: Wer sich als Fotograf in der modernen Welt selbstständig machen möchte, ist mit einem Blick in "One-Hour Photographer" als Einstieg sehr gut beraten. Das Buch hilft, eine realistische Einschätzung in Bezug auf die gewünschte Berufswahl treffen zu können. 

-> Auf der speziellen Homepage zum Buch gibt es einen Auszug als Download und den Link zu Amazon, wo das Buch für den Kindle für USD 7,85 erhältlich ist. Meiner Meinung nach eine lohnenswerte Investition, wenn der (vermeintliche) Traumberuf "Fotograf" ins Visier geraten ist.

Die Orangenhaut und der Zahn des Frühlings

Im Vorbeifahren
Sie: "Schau mal"
Er: "Was?"
Sie: "Der Schnee"
Er: "Was ist mit dem Schnee?"
Sie: "Sieht aus wie Orangenhaut!"

Nachlese 
Er nagt. Der Zahn. Der Zahn der Zeit.
Nicht nur an uns.
Nein auch am Schnee.

Mehr zum "Vårvinter" - der wunderbaren fünften Jahreszeit in Lappland gibt es hier und hier nachzulesen.


Strukturen im Schnee - Die Orangenhaut und der Zahn des Frühlings
„Strukturen im Schnee - Die Orangenhaut und der Zahn des Frühlings“

"Der Hochzeitsfotograf" von Steffen Stilpirat Böttcher



Und weiter geht es mit der fotoliterarischen Woche im Lapplandblog. Heute steht ein Buch zur Besprechung, dem man die Leidenschaft mit der es geschrieben wurde, deutlich anmerkt: "Der Hochzeitsfotograf" von Steffen Böttcher.

Steffen Böttcher, alias Stilpirat, ist Hochzeitsfotograf. Nicht irgendeiner, sondern einer der "Top 10" in Deutschland. Vergangenes Jahr hat er unter dem Titel "Der Hochzeitsfotograf" ein Ebook heraus gegeben, in dem er seine Essenz dieses Genres auf den Punkt bringt. 

Hochzeitsfotografie ist ein eher unübliches Thema hier im Blog. Da ich aber in den letzten Monaten von Workshopteilnehmern häufiger auf das Thema angesprochen worden bin, möchte ich diese hochwertige Buchempfehlung nicht schuldig bleiben.

Das Buch richtet sich an alle ambitionierten Fotografen, die sich ernsthaft mit der Hochzeitsfotografie befassen wollen. Es ist teilweise sehr subjektiv geschrieben, aber das ist gut so. Steffen lässt seine Leser an vielen persönlichen Erlebnissen teilhaben und gewährt so Einblicke, die über rein theoretische Abhandlungen nur viel schlechter vermittelbar wären. Und er schildert auch "Beinahe Katastrophen" aus seiner Arbeit, was ihn sehr sympathisch macht. 

In den ersten Abschnitten seines Buches widmet sich Steffen dem Equipment und seinem Business-Konzept. Nicht ohne allerdings zuerst einige ernste Worte zu der Frage "Traumberuf Hochzeitsfotograf?" gesagt zu haben. Sein klares Statement zu Qualität in der Spitzengruppe gefällt mir gut, nicht nur aus künstlerischen, sondern gerade auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das "Abschreckungspotential" der Hochzeitsfotografie bei allen Lesern ankommt. Immerhin ist dieser Job mit sehr hoher Verantwortung beladen, denn Pannen lassen sich im Nachhinein in aller Regel nicht mehr ausbügeln.

Relativ ausführlich schreibt Steffen über das von ihm eingesetzte Equipment und er hält nicht hinter dem Berg, das aus seiner Sicht das Beste gerade gut genug ist. Sein Objektivpark mag nicht unbedingt erforderlich sein. Ein Gehäuse mit zeitgemässen High-ISO-Fähigkeiten ist jedenfalls wichtig und seine mehrfach wiederholte Mahnung zum (mehrfachen) Backup für alle (!) eingesetzten Equipmentteile (bis hin zum GPS für die Anfahrt) kommt einer Lebensversicherung gleich.

Den Hauptteil des Buches bilden die drei Säulen von Steffens Tätigkeit, Vorbeitung, Durchführung und Nachbearbeitung. Was auf den ersten Blick banal klingen mag, stellt sich im Detail als Sammlung wichtiger Einsichten und Tipps dar. Viele davon sind in anderen Büchern zum Thema nicht in der vorliegenden Vollständigkeit und Ehrlichkeit zu finden. Bei der Lektüre spüre ich Steffens Leidenschaft zwischen den Zeilen und freue mich darüber. Bei aller Leidenschaft kommt aber auch der professionell nüchtern-geschäftliche Teil nicht zu kurz. Etwa bei den angesprochenen Rechtsfragen (wobei ich als Jurist allerdings erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit einer Gerichtsstandsvereinbarung gegenüber dem Brautpaar habe), oder bei den Marketingfragen. 

Im Abschnitt über die Durchführung (zweite Säule) finden sich jede Menge Praxistipps, die für sich genommen den Preis des Buches um ein Vielfaches aufwiegen. Und im - kürzeren - Abschnitt über die Nachbearbeitung findet sich der Vorschlag für eine sehr charmante Art der Präsentation der entstandenen Bilder (mehr verrate ich nicht, der Leser soll ja auch noch einige Aha-Erlebnisse haben). 

Und bevor ich es vergesse zu erwähnen: Das Buch ist durchgängig sehr ansprechend bebildert. Die Bilder aus Steffens Repertoire dienen einerseits als gute Beispiele und verdeutlichen andererseits die Wichtigkeit eines eigenen Stiles.

Sehr positiv sind schliesslich auch die zahlreichen im Buch enthaltenen Checklisten zu vielen verschiedenen Bereichen.

Fazit: Wer sich mit dem Gedanken trägt in die Hochzeitsfotografie einzusteigen, sollte sich Steffens Buch zu Gemüte führen. Auch wenn einige Aussagen sehr subjektiv sind gelingt es Steffen gekonnt, alle wichtigen Aspekte rund um die Hochzeitsfotografie abzudecken und dem Leser viele "goldene Perlen" zu servieren.

Von meiner Seite aus eine klare Empfehlung und der Preis ist rekordverdächtig knapp kalkuliert: Das Ebook mit 74 Seiten ist als PDF für 9 Euro zu haben.

-> Mehr Infos, das Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe zum Download gibt es hier direkt bei Steffen.

Minus 53 Grad - Der schwedische Kälterekord

Während sich Deutschland über verregnetes Osterwetter beklagt, schmilzt in Lappland der Schnee. Dieses Jahr allerdings langsamer, als uns lieb ist. Und über Ostern waren es in den Nächten noch durchweg minus 15 Grad. Anlass genug für eine Temperatur-Nachlese.

Vor einigen Tagen fuhren wir durch das kleine Dorf Malgovik, das in Vilhemina-kommun liegt. In Malgovik wurde einst der schwedische Kälterekord gemessen. 

Am 13.12.1941 sank das - vom staatlichen schwedischen Wetteramt überprüfte - Thermometer dort auf satte minus 53 Grad. Klapperkalt im wahrsten Sinne des Wortes.

Heute erinnert ein Strassenschild an den Platz, an dem der Rekord gemessen wurde.
  

Minus 53 Grad in Malgovik - Der schwedische Kälterekord
„Malgovik in Lappland - hier sank das Thermometer 1941 auf minus 53 Grad“

David DuChemin "Forget Mugshots" - 10 Steps To Better Portraits

- Ein Kurs in Buchform: In zehn Schritten zu besseren Potraits -

David DuChemin



In dieser Woche werde ich einige neue Bücher aus dem Gebiet der Fotografie vorstellen.

Allesamt persönliche Empfehlungen und bei allen geht es um Kompetenzerweiterung, will sagen: Es gibt etwas dazu zu lernen.

Den Anfang macht das kürzlich bei Craft & Vision erschienene "Forget Mugshots" von David Du Chemin. David hat - als World- und Humanitarian-Photographer - profunde Erfahrung mit der Portraitfotografie. Sein Portfolio spiegelt das auch beeindruckend wieder. Damit ist er prädestiniert, sein Wissen und seine Erfahrung dazu in Buchform zu teilen.

Er führt den Leser in 10 Schritten zu besseren Portraitaufnahmen und beginnt mit dem - meiner Meinung nach - wichtigsten Punkt: Eine Beziehung aufzubauen. Sicherlich gibt es viele spannende und wichtige Fragen rund um die Objektivwahl und das richtige Licht (denen sich David in späteren Kapiteln auch widmet). Aber in erster Linie geht es doch um den Menschen, der vor der Kamera steht. Ein gutes Portrait ist ein Blick in die Seele, ein Psychogramm.

Bei unserem spontanen und improvisierten Portrait-Shooting mit dem Künstler Jan Sundström im Künstlerparadies Ricklundgården in der vergangenen Woche musste sehr sehr an "Forget Mugshots" denken (das ich gerade einen Tag zuvor gelesen hatte).

Unsere Bedingungen waren denkbar schlecht:

- Technisch eingeengt (ungeplanter "Zufall", ich hatte nur eine Kamera um den Hals, kein Kunstlicht, Ausrüstung im Auto);

- Zeitlich eingeengt (Zeitvorgabe ca. drei Minuten).

Die einzige Chance war es also, in der Kürze der Zeit eine Beziehung zu Jan aufzubauen, um sein "wahres Ich" als Künstler empfinden und fotografieren zu können.

Zurück zum Buch: David liegt meiner Meinung nach völlig richtig, wenn er den Beziehungsaufbau in der Portraitfotografie an die erste Stelle stellt.

Neben dem Aufbau einer Beziehung sind Geduld und Zeit wünschenswert (wenn es auch in der Praxis oft leider sehr schnell gehen muss). Und selbstverständlich sind die Augen und das im Zusammenhang mit den Augen stehende "richtige" Lächeln ("Duchenne-Lächeln") von grosser Bedeutung. David deckt alle diese Bereiche (und viele mehr) in seinem neuen Ebook ab.

Alle Kapitel werden mit "creative excercises" abgerundet, also kreativen Aufgaben und Übungen denen sich der Leser stellen sollte, um das Gelesene in der Praxis zu vertiefen.

Kurz und bündig: Wer sich ernsthafter mit der Portraitfotografie beschäftigen möchte, sollte auf jeden Fall einen Blick in Davids neuestes Buch werfen.

Das Ebook gibt es - wie bei Craft & Vision üblich - als PDF und als iPad-App. Meine Empfehlung ist die ausdruckbare PDF-Version.

"Forget Mugshots" hat 35 Seiten (A4) und kostet - wie bei Craft & Vision üblich - USD 5 (ca. EUR 3,80).

-> Hier geht es zu Craft & Vision. Dort ist die Neuerscheinung exklusiv erhältlich.

Glad Påsk! Frohe Ostern! Happy Easter!

Das Påskris ist ein klassischer schwedischer Osterbrauch: Eine Birke - oder Birkenzweige -  wird mit bunten “Federbüscheln” und Ostereiern geschmückt.

Wer mehr über Ostern in Schweden lesen möchte: Vor einem Jahr zu dieser Zeit hatte ich einen dreiteiligen Artikel über Osterbräuche in Schweden geschrieben. Link zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Osterreisig auf dem Rennmarkstorget in Umeå
„Påskris auf dem Rennmarkstorget in Umeå“