2017

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.


- Urheber umstritten

Deswegen belasse ich es vielleicht besser bei einem Rückblick auf das zurückliegende Jahr, als einen Ausblick auf das neue Jahr zu wagen.

Wie immer liegt der Fokus meines "Jahresendbeitrages" auf Schwedisch-Lappland um mich nicht in die Versuchung zu bringen, Gesellschaft und Politik im Allgemeinen zu kommentieren.

Nordschweden hat im alten Jahr unter deutlich grösserem Sparzwang gelitten, als in früheren Jahren. Spürbar wird was an mancherlei Stellen. Gespart wird z. B. am Unterhalt der öffentlichen Wege und der Schneeräumung. Auch die Wartezeiten im Gesundheitswesen sind weiter gestiegen. Von Angestellten im Gesundheitswesen und in der Altenpflege haben wir dieses Jahr katastrophale Berichte gehört. Ein Highlight in diesem Zusammenhang war die kollektive Eigenkündung fast aller Altenpflegerinnen in der Kommune Arjeplog. Genützt hat das freilich wenig, dort - wie auch in Skellefteå - stöhnen die Angestellten unter der Arbeitsbelastung. Neues Personal gibt es trotzdem nicht, denn in den öffentlichen Kassen ist Ebbe.


Zum Wetter: Der Winteranfang 2016 war völlig ungewöhnlich. Die vergangenen Wochen gab es immer wieder kürzere Perioden mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Resultat: Es liegt exrem wenig Schnee und fast alle Strassen sind mit einer soliden Eisdecke versehen, die durch den beständigen Wind (auch sehr ungewöhnlich) abgeschliffen und fein poliert wird. Das Autofahren ist zur echten Herausforderung geworden.


Zu den "lieben" Einwanderern: 2016 sind so viele Einwanderer aus europäischen Ländern (zumeist Deutsche) in der Region aufgeschlagen, wie schon lange nicht mehr. Dazu fällt mir spontan eine Anekdote aus Kindertagen ein:

Beim Betrachten des Verhaltens deutscher Mitbürger an italienischen Stränden meinte mein Vater oft trocken "Da hat die Exportkontrolle wieder versagt". Viel mehr habe ich zu diesem Thema auch nicht zu sagen.

Oder doch?

Ich hoffe und bete, dass die Neueinwanderer nicht noch viel mehr verbrannte Erde schaffen und zurücklassen, wie viele ihrer Vorgänger. Das Phänomen ist leider auch aus anderen Einwanderungsländern bekannt. In einem Forum habe ich kürzlich den Spruch gelesen:

"Hüte Dich vor Sturm und Wind, und Deutschen, die im Ausland sind!"  

Daher der Tipp: Von ehemaligen Landsleuten hält man hier am besten gebührenden Sicherheitsabstand. Traurig, aber wahr.


Der Tourismus: Die Zahlen steigen. Mässig, aber beständig. Sehr schade ist, welches Bild von Lappland - insbesondere bei den Paketreisen - vermittelt wird, denn Lappland ist mehr als nur ein angebliches Paradies für Schlittenhundetouren in der Winterzeit. In diesem Zusammenhang der Hinweis: Bei vielen (nicht allen) Anbietern von Schlittenhundetouren führen die Hunde ein jämmerliches und erbärmliches Dasein. Der Blick hinter die Kulissen sei dringend empfohlen.


Die schwedische Wirtschaft: Die politischen Pläne für die Grossregion Nord sind dieses Jahr (wieder einmal) gescheitert. Viele hatten sich davon eine Stärkung der Wirtschaft in Nordschweden erhofft. Nun wird es wohl wieder einige Jahre bis zum nächsten Anlauf dauern. Ich finde das Scheitern nicht so dramatisch, denn bei jeder Zentralisierung gehen Eigenständigkeit und Bürgernähe verloren. Die kürzlich angekündigte neue Schwerverkehrsabgabe wird dafür sorgen, dass die Wirtschaft im Norden leiden wird. Denn hier sind alle Wege geografisch bedingt weiter, als in Südschweden. Preissteigerungen werden die Folge sein.

A propos Preissteigerungen: Die Inflationsrate in Schweden hält sich unter zwei Prozent. Subjektiv wahrgenommen ist die kontinuierliche Preissteigerung bei Gütern des täglichen Bedarfs aber deutlich spürbar und liegt bei - im begrenzten Portfolio gemessenen Bereich - eher bei fünf Prozent. 


Bildung und Ausbildung:
Schweden klagt nach wie vor über die sich verschlechternden PISA-Resultate. Die Diskussionen darüber werden heiss geführt (und ich will mich in der Sache gar nicht dazu äussern), aber seriösen Einwanderern mit schulpflichtigen Kindern sei ausdrücklich geraten, sich im Vorfeld schlau zu machen, in welchen Kommunen die Bildung besser funktioniert. Was mir in diesem Zusammenhang besonders auffällt ist die zunehmende Zahl an Kindern und Jugendlichen in Schweden, die mit schwerem ADHD diagnostiziert werden.

Der in Schweden sehr populäre Genderismus hinterlässt übrigens auch im Schulwesen deutliche Spuren. Es ist mittlerweile ein Benachteiligungsmerkmal, wenn man das "falsche Geschlecht" hat: Die schulischen Leistungen von Jungen sind im Vergleich zu denen von Mädchen auf einem historischen Tiefstand (Tendenz: Weiter fallend).

Bei alledem kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir auf mittelfristige Sicht auf eine gesellschaftliche Katastrophe zusteuern. 

Nun sind wir gespannt, was uns 2017 bringen wird. Wir hoffen das Beste.

Allen Leserinnen und Lesern eine guten Start in das neue Jahr!

2017 - Ungewisse Zukunft
Ungewisse Zukunft

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