Von Beruf: Erlkönig-Jäger - Die Paparazzis am Polarkreis sind vom Aussterben bedroht

„Paparazzi-Fotos verdanken sich Grenzüberschreitungen und Kontrollverlusten, Tabubrüchen und Persönlichkeitsverletzungen – und einem eigentlich geächteten Voyeurismus.“

Klingt dramatisch, aber hier am Polarkreis geht es nicht um Promis, sondern um Erlkönige. Die Paparazzis in Lappland sind eigentlich Erlkönig-Jäger.

„Ein Erlkönig ist ein getarnter Prototyp eines Autos.“

Warum gibt es so viele Erlkönige rund um den Polarkreis?

Dafür müssen wir jetzt etwas ausholen: In den hiesigen Breitengraden unterhalten viele europäische Autohersteller ihre Testzentren. Auf weit abgelegenen Teststrecken (meistens zugefrorene Seen, deren Oberfläche für die Tests präpariert wird), umgeben von hohen Stacheldrahtzäunen und geschützt durch den allgegenwärtigen Werksschutz sind die echten Raritäten zu finden.

Selbst innerhalb der Autohersteller hat die Region Lappland eine Aura des irrealen. Hier ist alles „Top Secret“. Bei Volkswagen, deren Testzentrum z. B. in Slagnäs beheimatet ist, wird konzernintern nur vom „Testgebiet Nord“ gesprochen, um die genaue geografische Lage bewusst im Unklaren zu lassen.

A propos Slagnäs: Im dortigen Hotel ist für alle Gäste die Mitnahme von Mobiltelefonen, Kameras und allen Arten von Aufnahmegeräten strikt verboten (damit die Ingenieure und Techniker nicht belauscht und/oder aufgezeichnet werden können).

Die Autotester sind seid ca. 40 Jahren in der Region aktiv. Um die Entstehung der Autotestindustrie am Polarkreis ranken sich verschiedene Legenden.

Die vermutlich der Wahrheit am nächsten liegende Geschichte lautet: Ein durchreisendes Team von Volkswagen hatte eine gebrochene Frontscheibe, die in einer Werkstatt in Arjeplog repariert wurde. Die Reparatur zog sich etwas hin und die VW-ler haben die Zeit genutzt, um sich in Arjeplog etwas umzusehen. In einer Gaststätte ergab sich ein Gespräch mit Einheimischen am Nachbartisch wobei die „Schnapsidee“ entstand, die in Fülle vorhandenen Seen im Winter als Teststrecken für Autotests zu nutzen. Und der Rest ist Geschichte (aus Kreisen von Mercedes ist eine ganz ähnliche Geschichte zu hören).

Stichwort Arjeplog: Arjeplog existiert rund um die Autotester. Das durchaus malerische Dorf hat im Sommer beschauliche 1.800 Einwohner, die sich zur Winterzeit mehr als verdoppeln. Um die winterlichen Menschenmassen unterbringen zu können wurden Hotels und Unterkünfte gebaut und viele Einwohner vermieten in der Wintersaison sogar ihre privaten Häuser and Ingenieure und Techniker.

Zu Beginn der Autotests kamen übrigens auch die Fahrer noch aus Mitteleuropa. Mittlerweile werden die Fahrer und viele andere Mitarbeiter ausserhalb des technischen Kerngeschäfts mit Einheimischen besetzt. Allerdings sind das zu 95% nur Saisonanstellungen über den Winter.

Im Winter strömen Woche für Woche Massen von qualifizierten Ingenieuren und Technikern der verschiedensten Nationalitäten nach Lappland. Es gibt sogar Fluggesellschaften, die sich ausschliesslich auf diese Geschäftsreisenden spezialisiert haben. Die Autotester sind eigentlich sogar der Grund, warum seinerzeit 1990 der Flughafen in Arvidsjaur gebaut wurde.

Zurück zu den Paparrazis. Den Winter über sind hier viele abgeklebte Autos mit merkwürdigen Lackierungen zu sehen. Denn Langzeittests sind eben nicht nur auf präparierten Eisbahnen zu machen. Immer nur im Kreis fahren reicht da nicht aus. Das Tagessoll für die Testfahrer liegt im Schnitt bei 500 Km pro Tag. Die Fahrstrecken sollen abwechslungsreich sein.

Und so kann es sein, dass einem auf einem abgelegenen Waldweg am späten Abend (sprich: im Schutz der Dunkelheit) plötzlich 5 röhrende Prototypen von Porsche begegnen.

Noch vor einigen Jahren sind die Autotester in der Regel unter Missachtung aller Vorschriften und ohne Rücksicht auf Verluste durch die Gegend gerast. Nachdem es aber einige Unfälle mit Beteiligung eigentlich Unbeteiligter gegeben hat - manche mit tödlichem Ausgang - gab es neue Stallordern. Die meisten der Testwägen fahren heute ganz zivilisiert und sie gehören zum normalen Strassenbild im Winter. Man hat sich hier an den Anblick gewöhnt und die heutzutage üblichen Dreierkolonnen mit den schon aus der Ferne leicht zu identifizierten Sonderscheinwerfern auf dem Dach erregen kein grosses Aufsehen mehr; jedenfalls wenn es nicht gerade einmal drei italienische Sportwägen sind.

Das Autotesterparadies am Polarkreis hat natürlich auch Motorsportjournalisten aus aller Welt angezogen. Noch vor ca. 10 Jahren gab es einem Pool an Journalisten und Fotografen, die allwinterlich zur Jagd auf neue Prototypen ausgeschwärmt sind. Schaurige Geschichten wie die von Schlägereien des Werkschutzes eines bekannten deutschen Autoherstellers mit einer Gruppe Fotografen haben die Runde gemacht.

Aber das ist eine vergangene Zeit. Heutzutage ist der Kreis der Paparrazis, also der Erlkönig-Jäger, verschwindend klein geworden. Genau genommen gibt es nur noch einen hauptberuflich tätigen „Autofotograf“ in Schweden. Sein Name ist Andreas Mau. Der 53 Jahre alte Andreas wohnt nicht weit entfernt in Boden und ist Inhaber und Geschäftsführer der Firma Carpix AB. Auf Instagram ist Andreas hier und auf Facebook hier zu finden.

Kürzlich hat er dem schwedischen Radio ein längeres, zweiteiliges Interview gegeben, in dem er den Zustand der Branche beschreibt. Seine Kernaussagen sind:

Die Bransche ist tot. Das beruht im Wesentlichen auf der langandauernden Krise der Printmedien. Er spricht von den Erlkönig-Jägern als einer vom Aussterben bedrohten Art, denn es gebe praktisch keine angemessen zahlenden Abnehmer mehr für die Bilder. Nach seiner Schätzung gibt es weltweit nur noch 7-8 hauptberufliche Autofotografen.

Wer des Schwedischen mächtig ist, findet die spannenden Storys beim schwedischen Radio SR hier und hier.

Und so sieht ein streng geheimer Erlkönig aus dem Hause Porsche aus
Und so sieht ein streng geheimer Erlkönig aus dem Hause Porsche aus.
Die Speziallackierung soll das Auge des Betrachters verwirren.


Die Sache ist zerbrochen

Aus prinzipiellen Gründen kommentieren wir (lies: wir Schweden aus Schweden) nicht die innenpolitischen Angelegenheiten fremder Staaten (lies: Deutschland).

Heute eine Ausnahme von diesem Grundsatz.

Als ich von dem Verbrechen in Hanau / Deutschland erfahren hatte, habe ich sehr aufmerksam die mediale Berichterstattung darüber verfolgt.

Beim Lesen, Zuhören und Zusehen der Nachrichten ist mir besonders die Art und Weise der Darstellung des Geschehens durch die Medien aufgefallen (kleiner Tipp: früher gab es mal Berichterstattung über Fakten und Beweise) und ich frage mich selbst:

Wie ist es nur dazu gekommen, dass die ganze Gesellschaft und die Medien mittlerweile „zerbrochen“ sind. Aus dem Geschichtsunterricht ist mir dieses Muster bekannt.

Aus diesem Gefühl heraus ist auch das Bild entstanden.

Damit beenden wir die Kommentierung innenpolitischer Angelegenheiten fremder Staaten und werden uns wieder unseren Stammthemen zuwenden:

Fotografie und Lappland.

Die Sache ist zerbrochen

Schneehöhennormalisierung in Lappland - Alles gut mit Wetter und Klima - Quo vadis Gesellschaft?

Das Wetter hier um den Polarkreis hatte uns diesen Winter über etwas Kopfzerbrechen bereitet.

Sehr unterschiedliche Winterverläufe haben wir in den Jahren in Lappland schon erlebt, aber dieser Winter war wirklich aussergewöhnlich. Ein sehr später Winteranfang und der Schnee liess lange auf sich warten. Die Temperaturen ungewöhnlich hoch mit einer ausgeprägten Wärmeperiode um Weihnachten, die uns beinahe zwei Wochen mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt (und ausserdem schlichtweg chaotische Verkehrsverhältnisse mit spiegelblanken Strassen) beschert hatte.

Auch der Januar war ungewöhnlich mild und schneearm.

Ein Gespräch mit einem Meteorologen im Januar hatte ergeben, dass wir noch nicht einmal bei der Hälfte der normalen Schneehöhe angekommen waren. Sehr unbehaglich im Hinblick darauf, dass die Schneeschmelze die Trinkwasserreservoirs in unseren Breitengraden speist.

Aber wie heisst es so schön: „Unverhofft kommt oft“.

Schneehöhennormalisierung in Lappland Januar 2020
“Unverhofft kommt oft“ - eine Woche Dauerschneefall

Und so hat sich die Schneehöhe binnen nur einer Woche wieder normalisiert. In der letzten Januarwoche hat es im Prinzip durch geschneit. Eine Woche am Stück hatten wir ein durchgängiges Schneegestöber und als kleines Extra waren drei Tage mit ausgeprägten Schneestürmen darunter.

Ein Härtetest für Menschen und die Technik. Aber herrlich!

schnee_lappland_januar_2020_4
Härtetest für Mensch und Maschine - Nach nur 5 Minuten draussen gefriert alles ein :-)


Mehrere Stunden täglich waren wir mit Schneefräsen und Schaufeln bewaffnet am schuften, um der Schneemassen Herr zu werden.

Nun ja, andere bezahlen hohe Jahresgebühren im Fitnesscenter, wir haben die Gymnastik kostenlos und sogar an der frischen Luft.

Der besagte Meteorologe hat berechnet, dass im Laufe dieser einen Woche ungefähr ein Meter Schnee gefallen ist. Die Ordnung wäre damit wieder hergestellt (wie man auf Schwedisch sagt) und die Schneehöhe ist wieder normalisiert.

Schneehöhennormalisierung in Lappland Januar 2020
Schneehöhennormalisierung - Das Resultat ist ein bildhübscher Minimalismus


Die Sorgen um Klimawandel und Wetterveränderung dürfen also getrost wieder eingemottet werden. Das passt übrigens gut zu einem Fundstück bei Sky News Australien (LINK).

In der Reportage geht es um die Klima- und Forschungsgläubigkeit. Es hat sich nämlich kürzlich heraus gestellt, dass viele wissenschaftliche Forschungsartikel, die den politischen Klimawandel stützen, schlicht völlig falsch sind.

Ein Wissenschaftler äussert dabei wörtlich

„Die Menschen realisieren nicht, dass ungefähr 50% der wissenschaftlichen Literatur fehlerhaft sind“.

Schon ein merkwürdiges Phänomen:

Die verzweifelt nach Sinn und Glauben suchenden Menschen, landen wegen der Abwesenheit von Spiritualität automatisch bei der Wissenschaftsgläubigkeit. Und diese Wissenschaftsgläubigkeit beruht auch noch zu 50% auf fehlerhaften Studien.

Und was auch sehr merkwürdig ist, ist dass solche kritischen Berichte in der deutschen oder schwedischen Medienwelt nicht vorkommen.

Eigentlich dachte ich immer, dass ausgewogene Berichterstattung in den Medien eine Voraussetzung für funktionierende Demokratien ist, weil nur informierte Staatsbürger Entscheidungen treffen können.

Schauen wir uns doch einmal kurz und ohne Wertung einige Schlagworte der letzten Monate in puncto Klima an und machen uns Gedanken über deren Aussagen:

• „Klimaleugner“

Was ist ein Leugner?
Es ist jemand, der etwas in Abrede stellt oder verneint.
Deswegen ist bereits das Wort eine Kontradiktion („Falschform“), denn es wird wohl niemand an und für sich leugnen, dass es überhaupt ein Klima gibt. Aber das genau bedeutet der Begriff.

Der Oberbegriff von Leugner ist Lügner.

Mit dem Wort "Leugner" bin ich aufgrund meiner Herkunft sozialisiert worden und zwar im Zusammenhang des Holocaust. Ein „Holocaustleugner“ wird nämlich strafrechtlich verfolgt.

Wie könnte die Zukunft eines angeblichen Klimaleugners aussehen?

Betrachten wir sodann den

• Politischen Klimawandel

Nun, was hat bitte schön das Klima, das bekanntlich zur Natur zählt, mit Politik zu tun?

Engagiert sich das Klima neuestens in der Politik? Will es sich zur nächsten Kanzlerwahl aufstellen lassen oder gar gleich ins EU-Parlament einziehen?

Interessant dabei sind beim Stichwort "politischer Klimawandel" die an den Börsen gehandelten Emissionszertifikate.

Lassen wir doch die Gedanken kreisen, nur so hin und her, her und hin:

Politik - Börse - Handel - Gewinne

Schauen wir zum besseren Verständnis mit der Lupe auf ein Beispiel:

Die Grenze der Emissionen werden von der Politik aufgrund des Wunsches der Wirtschaft auf 100 % begrenzt.

Land A produziert in einem Geschäftsjahr nur 70 % Emissionen (wie werden diese eigentlich gemessen und von wem?) und Land B kommt auf 130 % Emissionen.

Land B überschreitet also die 100% Grenze.

Nun kann Land A dem Land B 30 % Emissionen abkaufen und somit sind beide Länder auf der festgelegten 100% Zielmarke.

Kauf und Verkauf der Papiere werden an der Börse gehandelt.

Toll! Schon sind die Länder auf 0% Emissionsausstoss gekommen.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Schlagzeilen:

"Hurra, wir sind Klimaneutral".

Aber ist es dann wirklich so?

Wer es nicht „glaubt“,der möge sich einmal mehr als nur Knietief in die Materie einarbeiten. Ein guter Ausgangspunkt dafür wäre z. B. auf Wikipedia zu finden (LINK).

Nächstes Schlagwort:

• Gesellschaftliche Transformation

Was steckt in dieser Aussage drin?

Gesellschaft, ja, das versteht ja noch fast jeder. Gesellschaft, das bist du und du und du und ich. Wir bilden also die Gesellschaft.

Transformation bedeutet auf Deutsch übersetzt: Umformung.

Eine gesellschaftliche Transformation ist also die Umformung einer vorhandenen Gesellschaft. Du und du und du und ich sollen "umgeformt" werden.

Nur hat irgendjemand einmal genau das Ziel der Umformung beschrieben?

Welches Ziel hat die momentan in Angriff genommene Umformung der Gesellschaft?

Was geschieht mit denjenigen, die sich nicht umformen lassen wollen?

Die netteste Aussage, eigentlich eher eine Drohung, ein Angstargument, haben wir mit:

• Wir sterben alle morgen (also wegen des Klimas)

Mit Angst halte ich Menschen "klein", ich kann einen ängstlichen Menschen derart psychologisch manipulieren, dass er genau das macht, was ich will.

Auch diese Art der politischen Führung gegenüber den Einwohnern eines Landes ist hinreichend bekannt, sei es aus der vergangenen Geschichte oder aus dem Heute.

Auf solchen Schwachsinn, "wir sterben", weil wir daran Schuld sind, dass das Klima einen politischen Wandel vollzieht, reinzufallen und unreflektiert „den politischen Machthabern“ hinterher zu dackeln, die das verbreiten, ist extrem gefährlich.

Zumindest beantwortet mir die momentane Entwicklung auf dem politischen und wirtschaftsorientierten Parkett eine sehr wichtige Frage:

Wie kam es eigentlich dazu, dass so viele damals "dem" bereitwillig gefolgt und hinterher gerannt sind?

Druck, Manipulation, Vorgabe von Zielen, die nicht in Frage gestellt werden dürfen und noch vieles mehr sind die Antworten.

Das führt dann konsequent zur Denunzierung von Nachbarn oder von Familienmitgliedern bei der Obrigkeit. Allen eben, die der Angst-Druck-Kulisse keinen bedingungslosen Gehorsam leisten wollen.

Wenn das einmal richtig durchdacht würde, was momentan im Gesamten abläuft und wer das alles propagiert...

Für mich stellt sich auf alle Fälle die Frage des Todes mit nur einer einzigen Frage, in der das Klima keinen Platz haben wird und hat: Wie sterbe ich mit meinem HERRN?

Naturschauspiel im Rückspiegel - Wieder einmal bezaubernde Perlmuttwolken über Lappland

Liebe Leser: Legt Euch bitte sofort einen Schal um den Hals und vergesst nicht die Mütze aufzusetzen, denn angeblich sollen gute Nachrichten Gegenwind auslösen.

Daher unser Tip:
Schützt Euch vor Stürmen und seien diese auch nur virtuell!

Bereit? Los geht's!

Vor einigen Tagen hatten wir eine bezaubernde Aussicht im Rückspiegel zu verzeichnen: Perlmuttwolken von der schönsten Sorte. Bedingt durch die Wetterlage waren die Temperaturen in der Stratosphäre hinreichend kalt, um dieses phantastische Phänomen hervor zu rufen.

Perlmuttwolken in Lappland 2020


Hatten wir zwar schon hier im Blog (Link) hier (Link) und leider waren wir etwas in Eile, denn dieses Phänomen ist es wert, einfach nur in aller Ruhe bestaunt zu werden.

Was gibt es sonst noch so an Neuigkeiten in Lappland?

Januarwetter in Lappland 2020


Das Wetter ist immer einer Diskussion wert.

Während Donald Trump und die Heilige Greta in Davos die Klinge kreuzen (Link)

- fällt dieser Hinweis nun in die Kategorie „Fehlentwicklung in Politik und Gesellschaft“? Wenn dem Hinweis zugestimmt werden kann bedarf es zu diesem nicht jede Menge bejahender Kopfnicker vom Leser? Denn bei Berichten von Fehlentwicklungen erhalten die Menschen bekanntlich mehr Zustimmung; jedenfalls laut eines mit sich unzufriedenen Lesers. Wir bitten so denn um Standing Ovations! -

ist der diesjährige Winter in Lappland ziemlich warm. Auch der Tourismus und die Autotestbranche leiden in diesem Jahr sehr.

ABER wir können die werte Leserschaft beruhigen.

Der diesjährige Winter hat rein gar nichts mit einem CO2-bedingtem Klimawandel und nur ein wenig mit dem politischen Klimawandel zu tun.

Vor exakt einem Jahr zeigte das Thermometer noch minus 31 Grad - heute waren es plus sieben. Ist natürlich viel zu warm (und es liegt auch viel zu wenig Schnee) für den Januar, aber kurzzeitige Ausreisser hatte es immer wieder in Sachen Wetter gegeben.

Was ist gewesen? Das, was sein wird! Und was hat man gemacht? Das, was man machen wird! Und es gibt nichts Neues unter der Sonne.


Prediger Kap. 1 Vers 9

Ach übrigens noch etwas. Hätte ich fast vergessen! Link.

Lappland: Und jährlich grüsst die Windkraft - und das noch lange Zeit

Das Thema Windkraft hat sich hier im Blog im Laufe der Jahre leider zu einem Dauerbrenner entwickelt. Heute wollen wir das leidige Thema mal vom anderen Ende her aufrollen.

Die Lebensdauer der hier in Lappland verbauten Windanlagen liegt bei ca. 20 Jahren. In Anbetracht der witterungsbedingten Extrabelastung könnte sie auch etwas darunter liegen. Schon bald steht uns eine grosse „Verschrottungswelle“ bevor.

Pikantes Detail dabei am Rande: Die Windkraft-Betreibergesellschaften haben die Flächen für die Windparks von den Grundstückseigentümer mit langfristigen Verträgen gepachtet. Die Grundstückseigentümer verdienen dabei ganz gut. Und die Aussicht auf das grosse Geld hat manchen Grundstückseigentümern den Blick aufs Kleingedruckte getrübt. In manchen Verträgen der ersten Generation ist nämlich keine Rückbaupflicht enthalten. Auf gut Deutsch: Wenn die Anlagen stillgelegt werden, dann werden sie ausgeschlachtet und der Rest bleibt dann einfach stehen. Es wird dann nur eine Frage der Zeit sein, bis der verbliebene Schrott irgendwann zusammenfällt.

Aber wenden wir den Blick wieder auf die Anlagen, die demnächst hoffentlich fachgerecht zerlegt und entsorgt werden. Bei denen gibt es nämlich leider auch ein kleines Problemchen mit dem Namen „Rotorblätter“. Die sind nämlich aus faserverstärkten Kunststoffen. Ihr wisst schon, dass Zeugs aus dem auch die Boote sind, mit denen die „Heilige Greta“ „klimafreundlich“ (und mit Plastikklamotten am Leib) hin und zurück über den Atlantik geschippert ist.

Zur Erläuterung mal noch ein paar erhellende Zitate:

„GFK-Abfälle (Rotorblätter von Windkraftanlagen, GFK-Produktionsrückstände aus der Automobil-, Freizeit- und Elektroindustrie sowie Boote und Flugzeuge), können zu Ersatzbrennstoffen (EBS) aufbereitet werden, die als Substitut in der Zementindustrie eingesetzt werden und sowohl Energie als auch Primärrohstoffe (SiO2) ersetzen.“

- Quelle -

Auf Deutsch: Die werden als Sondermüll verbrannt und „energetisch“ wiederverwertet.

„Das Problem sind die Rotorblätter. Sie bestehen aus faserverstärkten Kunststoffen. Bisher gibt es in ganz Deutschland nur eine Anlage, die diese verwerten kann.“
- Quelle -

„Nach Aussage des Umweltbundesamtes (UBA) drohen Engpässe bei den Recyclingkapazitäten für die faserverstärkten Kunststoffe der Rotorblätter von Windkraftanlagen. Damit verbunden sein können Risiken für Mensch und Umwelt beim unsachgemäßen Rückbau. Bei allen anderen Bestandteilen aber seien Entsorgung und Recycling sicher. Dies zeigt eine gerade erstellte Studie im Auftrag des UBA.“
- Quelle -

In Schweden sieht es mit dem Recycling genau so düster aus.

Ein Blick über den grossen Teich schafft Perspektiven in diese wichtigen Frage. Schauen wir doch mal, welche Entsorgungsperspektive das „Hochtechnologieland“ USA für uns hat.

Die Wyoming News hatten kürzlich über eine einfache, billige, aber natürlich äusserst „dreckige“ und umweltschädliche Entsorgungsmethode berichtet („Casper Regional Landfill begins burying turbine blades“).

Es werden dort einfach grosse Gruben ausgehoben, und dann werden abgewrackte Rotorblätter darin gestapelt, und schliesslich wird alles wieder zugekippt. Dann sieht alles wieder optisch perfekt aus und wen kümmert es schon, dass es Jahrtausende dauern wird, bis sich der verbuddelte Sondermüll irgendwann vielleicht einmal zersetzt haben wird.

Also hier in Lappland gibt es viel stillgelegten Tagebau. Die Renaturierung der durch den schonungslosen Abbau geschaffenen Wüstenlandschaften erweist sich immer als langwierig und teuer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch hier jemand die kreative Idee aufgreifen wird.

Schlussfolgerung: Wer auch immer gedacht hat, es könnte nicht mehr schlimmer werden, hat sich getäuscht. Wir werden noch Dinge erleben, die wir uns nicht vorstellen können.


Windpark in Lappland: Abgewracktes Rotorblatt harrt seiner Entsorgung
Windpark in Lappland: Abgewracktes Rotorblatt harrt seiner Entsorgung


Weckruf aus der Vergangenheit: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und Veganismus als geschützte Weltanschauung

Ein Arbeitsgericht in England hat vor einigen Tagen einen interessanten Fall entschieden:

Ein 55-jähriger Mann war von seinem Arbeitgeber, einer Tierschutzorganisation, entlassen worden. Der entlassene Arbeitnehmer hatte Bedenken dagegen geäussert, dass der Rentenfonds der Organisation möglicherweise auch in Unternehmen investiert, die Tierversuche nutzen. Der gekündigte Arbeitnehmer war bekennender Veganer. Der Arbeitgeber warf ihm hingegen grobes Fehlverhalten vor.

Das englische Gericht sah den Veganismus des Gekündigten als eine geschützte Weltanschauung an, und eröffnete damit den Weg für die Anwendung des auf den europarechtlichen Gleichbehandlungsrichtlinien beruhenden Antidiskriminierungsgesetzes. Für das Gericht war es dabei entscheidend, dass sich der gegen die Kündigung klagende Arbeitnehmer nicht nur vegan ernährt, sondern auch beispielsweise bei seiner Bekleidung auf tierische Materialien verzichtet. Damit sah das Gericht eine vom Antidiskrminierungsgesetz geschützte Weltanschauung als gegeben.

Quelle: The Guardian vom 3.1.2020

Was hat das jetzt mit dem Lapplandblog zu tun?

Da müssen wir zeitlich etwas zurück gehen in das Jahr 2006. In diesem Jahr ist in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (die deutsche Umsetzung der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien) in Kraft getreten. Ein Thema, für das ich mich damals in meiner Tätigkeit als Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht brennend engagiert hatte. Und gesagt, getan, das Thema hatte mich so beschäftigt, dass ich das - soweit ich weiss - erste Fachbuch zu dem damals neuen Gesetz verfasst habe.

Das Werk „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“ war am 1. Juli 2006 im Rieder Verlag erschienen (und hat sich - nebenbei gesagt - zu einem echten Verkaufsschlager entwickelt) und ist sogar heute noch auf Amazon gelistet (Link).

§ 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) hat folgenden Wortlaut:

„Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“


Bei der Erstellung des Manuskriptes zum damals neuen Gesetz haben wir - mein geschätzter Freund Assessor Daniel Burchard und ich - lange Diskussionen geführt, was denn alles unter den Begriff "eine geschützte Weltanschauung" fallen könnte.

Ich darf mal aus der ersten Version des Manuskriptes aus dem Jahre 2006 zitieren:

„Unter „Weltanschauung“ wird überwiegend ein Gegenbegriff zum Glauben bzw. zur Religion verstanden, der durch seine a- oder antireligiöse Eigenschaft gekennzeichnet ist.Andere sehen darin einen Oberbegriff für religiöse wie nichtreligiöse Sinnsysteme (vergl. Dreier GG, 2. Aufl. 2004, Art. 4 Rz. 68). Wegen der Gleichbehandlung der beiden Begriffe in § 1 kommt es darauf aber letztlich nicht an.Wie Religionen sind auch Weltanschauungen sozial geteilte Sinnsysteme. So setzt auch eine Weltanschauung eine soziale Basis und ein Mindestmaß an Kommunikation über die gemeinsamen Überzeugungen voraus, ohne dass eine verfasste Organisation zur Pflege der gemeinsamen Überzeugung notwendig wäre. Schließlich ist auch eine gewisse Umfänglichkeit des Vorstellungskomplexes zu verlangen (Dreier a. a. O.).“


Juristisch gesehen waren das alles andere als einfache Fragen, denn der Staat darf sich ja eigentlich nicht das Recht herausnehmen zu definieren, was denn eine Religion oder Weltanschauung ausmacht. Um das Ganze anschaulich zu machen, haben wir damals haufenweise mehr oder weniger sinnvolle Beispielsfälle gebildet.

Für den Begriff der Religion war das Unterfangen einfach, denn fast alle können sich unter diesem Begriff auch ohne viele Beispiele und Erklärungen etwas vorstellen. Aber Weltanschauung war da bedeutend schwerer. Auch in der späteren Rechtspraxis gibt es so gut wie keine Urteile aus dem Bereich der Weltanschauung.

Und genau deswegen hat es mich so gefreut, von der aktuellen Entscheidung des englischen Arbeitsgerichtes zu lesen, die sich auf eine geschützte Weltanschauung berufen hat - und dazu noch ganz in dem von uns damals angedachten Sinne.

Zur Geschlossenheit der veganen Weltanschauung zitiert der Guardian:

„Ethical vegans, like dietary vegans, eat a plant-based diet, but ethical vegans also try to avoid contact with products derived from any form of animal exploitation. It includes not wearing clothing made of wool or leather and not using products tested on animals. … Judge Robin Postle ruled in a short summary judgment that ethical veganism satisfied the tests required for it to be a philosophical belief protected under the Equality Act 2010. For a belief to be protected, it must meet a series of tests including being worthy of respect in a democratic society, not being incompatible with human dignity, and not conflicting with the fundamental rights of others.“


Ausserdem sei es evident, dass diese Weltanschauung von einer grossen Anzahl Menschen weltweit geteilt werde.

Schön, dass sich juristisch richtige Auffassungen manchmal durchsetzen. Leider ist das bei weitem nicht immer der Fall. Genau genommen geschieht das sogar immer seltener, weil politische Interessen und Erwägungen zunehmend die Rechtsauslegung beeinflussen. Das aber sei nur am Rande erwähnt, und darum soll es hier nicht gehen (möge aber dem einen oder anderen Leser ein Hinweis darauf sein, warum ich damals die Juristerei hinter mir gelassen habe).

Wie ist es mit dem Diskriminierungsrecht weiter gegangen?

Wurde ein besserer Schutz gegen Diskriminierungen in der Arbeitswelt erreicht?

Auch hier fällt die Prognose leider ziemlich düster aus. Menschen mit Behinderungen zum Beispiel haben praktisch nicht nennenswert vom AGG profitiert. Genau so düster sieht es im Bereich der Altersdiskriminierung aus (einfacher Lackmustest: versuchen Sie einfach mal einen neuen Arbeitsplatz zu finden, wenn sie älter als 50 Jahre jung sind). Einige Randgruppen haben aus den gesetzlichen Vorschriften zwar Vorteile ziehen können, in der Breite gesehen ist das Gesetz aber leider geworden, was viele befürchtet hatten:

Ein Papiertiger.

Jetzt aber wieder zurück ins hier und heute nach Lappland.


Pastafari Nudelsieb
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