Der Tag nach dem Wintereinbruch, fragmentarische Wahrnehmung und ein Blick auf den Wintertourismus in Lappland in den Zeiten von Corona

Fragmentarische Wahrnehmung in Lappland
Gestern (Freitag, 2020-11-20) - Sonnenaufgang: 8.42 - Sonnenuntergang: 14.16


Die fragmentarische Wahrnehmung der Wirklichkeit kann bisweilen helfen. Ganz ohne das Entstehen einer Filterblase (davon ist ja derzeit wieder viel in den deutschsprachigen Medien zu lesen).

Die fragmentarische Wahrnehmung kann dazu dienen, den Überblick auf das grosse Ganze und die wirklich wichtigen Dinge nicht zu verlieren.

So auch am Tag nach dem wirklichen Wintereinbruch hier in Schwedisch-Lappland. Die 15 cm Neuschnee - und die damit verbundene Arbeit - geraten aus dem Fokus, durch den die Seele berührenden Sonnenaufgang. Ein Zeichen der Hoffnung.

Und Hoffnung brauchen wir in dieser Zeit. In den zurückliegenden Tagen haben wir mit einigen Unternehmern im Tourismus gesprochen. Und das Bild ist - sehr zurückhaltend ausgedrückt - alles andere als rosig. Oder im Klartext: Die Lage ist derzeit eine einzige Katastrophe und etliche Unternehmen werden die Wintersaison wohl wirtschaftlich nicht überleben.

Manche Stimmen betonen den Effekt der „Marktbereinigung“. Es gibt Unternehmen - auch in unserer Region - bei denen wir uns dieser Ansicht anschliessen würden. Ja, es gibt zu viele unseriöse Anbieter und insbesondere zu viele Anbieter von „Hundeschlittenabenteuern“, bei denen die Einhaltung der gesetzlichen Mindeststandards nicht gewährleistet ist.

Täglich erreichen uns derzeit per Mail Spendenaufrufe, mit denen das Überleben grosser Schlittenhundebestände von Auswanderern, die hier in Schweden aufgeschlagen sind, gesichert werden soll. Es ist ein Elend.

Viele selbsternannte Abenteurer, die blauäugig und ohne die nötige nüchterne, realistische Planung und ohne die erforderliche Kapitalunterlage ihren „Traum verwirklicht“ haben, sitzen jetzt ohne finanzielle Mittel und ohne jede Perspektive auf dem Trockenen.

Daher erneut die dringende Bitte an alle Leser, sich vor einer Buchung gründlich zu informieren (Google!) und sich ggf. eine Kopie der Registrierung für einen Schlittenhundebetrieb bei der zuständigen Behörde („Länsstyrelsen“) vorab zusenden zu lassen.

Viele scheinbare Unternehmen sind auch gar keine solchen, sondern werden von Privatpersonen mehr oder weniger „schwarz“ betrieben. Mehr Schein als Sein, oder - wiederum ganz direkt gesagt - Steuerhinterziehung und mehr. Lassen sie sich daher im Zweifelsfall auch einen Nachweis, dass es sich um ein registriertes Unternehmen handelt, zusenden.

Werfen sie bitte auch einen ausführlichen Blick auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Prüfen sie bitte, ob das Unternehmen, bei und mit dem Sie ihren Urlaub verbringen wollen, wirksame AGB für Reiseunternehmen nach den europarechtlichen Vorgaben vorweisen kann. Und denken sie auch daran, dass die von manchen Unternehmen angebotenen Transfers von Flughäfen zu dem Reisedomizil einer Taxilizenz unterliegen.

Gegebenenfalls lassen sie das Angebot vorab von einer Verbraucherzentrale oder einem Anwalt prüfen, denn das ist für Sie günstiger, als später einen üblen Reinfall mit grossen Enttäuschungen und einen Rechtsstreit zu erleben.

Zurück zu den Gesprächen der letzten Tage.

Dennoch, bei den weitaus meisten Unternehmen mit denen wir Kontakt haben, können wir uns mit dem Gedanken der Marktbereinigung nicht anfreunden. Zu viele „gute“ Betriebe und zu viele Schicksale „guter“ Menschen sind mit der äusserst angespannten Lage verbunden.

In diesen Zeiten von Corona werden dringend neue, kreative und - soweit möglich - ansteckungsfreie Konzepte und Modelle benötigt. Und erste Zeichen der Hoffnung haben wir bereits gehört. Wir werden berichten, sobald es hier Spruchreifes zu berichten gibt.

Am Tag vor dem richtigen Wintereinbruch

Heute (2020-11-19) - Sonnenaufgang: 8.39 - Sonnenuntergang: 14.19

Eisblumen - Ein Wunder der Schöpfers
Eisblumen - Ein Wunder des Schöpfers


#things_in_life - november 2020

Wir schauen uns um in dieser Zeit der Isolation, Angst und Dunkelheit und gewinnen eine Einsicht: Die Dinge werden immer merkwürdiger. Die Welt fällt auseinander, jedenfalls die äusserliche Welt. Und manchmal scheint es so zu sein, als sei alles im Nirgendwo stecken geblieben.

Das Jahr 2020 geniesst offensichtlich die Ehre, den Titel „Ende der Illusionen“ zu tragen.

Wir beginnen zu erkennen, dass die Dinge nicht nur so zu sein scheinen, wie wir immer gedacht haben.

Grundlegende Veränderungen in und um uns geschehen. Aber da ist immer noch unsere „kleine heile Welt“, auch wenn sie weit davon entfernt ist, eine perfekte zu sein. Das Chaos um uns herum mit unserer inneren Welt vergleichend scheint es gerechtfertigt sein zu sagen „Es ist leicht, aus sicherer Entfernung mutig zu sein“.

Da sind wir also im Jahr 2020, unabhängig davon, was in der sichtbaren und in der unsichtbaren Welt geschieht.

Kurz gesagt: es gibt immer noch „things in life“.

-> Zur Serie: #things_in_life - novermber 2020

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In der Zwischenzeit in Lappland - Winterbeginn 2020

Während sich das Wetter noch am vergangenen Freitag mit satten Farben noch von der besten herbstlichen Seite gezeigt hat, ist bereits einen Tag später eine „Schneewalze“ über uns hinweg gerollt. Und in Verbindung mit dem ersten Wintersturm hat der Winter nun seinen Einzug gehalten.

In der Zwischenzeit in Lappland - Winterbeginn 2020


Einerseits boten sich schon die ersten wirklich reizvollen Wintermotive, andererseits ist die Lage durch den zeitigen Schnee für die Rentiere nun schon viel zu früh beschwerlich geworden, denn sie müssen jetzt nach den begehrten und zur Energiezufuhr unverzichtbaren Bodenflechten im Schnee graben. Das kostet sie sehr viel Energie, die dann nicht als notwendiger Winterspeck angelegt werden kann. Von samischen Bekannten haben wir bereits sorgenvolle Stimmen vernommen.

Rentiere in Lappland zum Winterbeginn 2020

News vom Lappland-Rasenmäher zum Winterbeginn 2020


News vom Lappland-Rasenmäher zum Winterbeginn 2020


Aufmerksamen Bloglesern dürfte das Motiv bekannt sein, denn im Winter 2017 hatten wir den aktuellen Stand der Schneehöhe zum Winterbeginn über einen längeren Zeitraum hinweg mit Hilfe eines verlassenen (besser: „wild entsorgten“) Rasenmähers dokumentiert.

Nachdem es seit einigen Tagen hier schneit und uns einige Anfragen erreicht haben, wie viel Schnee es denn schon bei uns gäbe, haben wir uns auf den Weg zum altbekannten Rasenmäher gemacht.

Stand gestern waren es so 10-15 cm Neuschnee, nachdem es eineinhalb Tage in leichter Stärke durchgeschneit hat. In Schneeverwehungen sind es bereits 35-40 cm. Die Spekulationen gehen noch auseinander, ob die weisse Pracht liegen bleibt oder und eventuell nochmals kurzzeitig verlässt.

In der Nachbarschaft werden jedenfalls schon die Langlaufskier abgezogen und poliert und der Klang von Schneemobilmotoren im Probelauf liegt in der Luft (nicht nur der Klang, auch der Gestank der Zweitaktmotoren).

Faktencheck: Der Deutschlandfunk auf Irrwegen in der nordischen Geografie

Es ist löblich, dass der Deutschlandfunk jeden Freitagabend nach den 19 Uhr Nachrichten das Format „Nachrichtenleicht, einen Wochenrückblick in einfacher Sprache aus der Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion“ anbietet. Zwar enthält auch dieser noch jede Menge Fremdworte, die dem Anspruch, Nachrichten in einfacher Sprache zu präsentieren diametral entgegen steht, aber der gute Wille ist erkennbar.

Was stecht hinter dem Deutschlandfunk?

Der Deutschlandfunk ist bekanntlich eines der nationalen Hörfunkprogramme des Deutschlandradios.

Als öffentlich-rechtlicher und werbefreier Rundfunksender wurde er 1.1.1962 in Köln gegründet. Im Gegensatz zu den Landesrundfunkanstalten der ARD deckte er die gesamte Bundesrepublik ab und wurde wegen seiner hohe Informations- und Nachrichtendichte geschätzt. Der gesetzgeberische Auftrag an den Deutschlandfunk war einst „ein umfassendes Bild Deutschlands zu vermitteln“. Faktisch richtete sich der Deutschlandfunk aber vorwiegend an DDR-Bürger, denen mit dem Programm eine Alternative zum Rundfunk der DDR gegeben werden sollte. Eine per Bundesgesetz errichtete Rundfunkanstalt zur Versorgung der bundesrepublikanischen Bevölkerung wäre aufgrund der Kulturhoheit der Länder nicht zulässig gewesen. Nach der Wiedervereinigung einigten sich die jetzt 16 Bundesländer mit Wirkung zum 1. Januar 1994 darauf, die Körperschaft des öffentlichen Rechts Deutschlandradio per Staatsvertrag unter einem gemeinsamen Dach von ARD und ZDF zu errichten und der Deutschlandfunk wurde in dieses Dach eingegliedert. Heutzutage ist er, wie im Prinzip alle sog. „öffentlich-rechtlichen“ Medien inhaltlich deutlich linkslastig ausgeprägt.

Aber zurück zu den „Nachrichtenleicht“ vom 9. Oktober 2020.

Hier war nämlich gleich zu Beginn der Sendung (von Sekunde 7 bis 20) folgendes zu hören (eigenes Transkript, da die Sendungen ausschliesslich als Audio-Dateien angeboten werden):

„Das Welternährungsprogramm von der UNO bekommt den Friedensnobelpreis. Das ist einer der wichtigsten Preise auf der Welt. Die Leute vom Nobelpreiskomitee haben die Entscheidung in der Hauptstadt Oslo in Finnland bekannt gegeben. …“

Tja, lieber Deutschlandfunk, da haben wir euch aber eiskalt bei haarsträubenden Fake-News erwischt. Es ist gut nachzuvollziehen, dass der Stand der Geografiekenntnisse in Anbetracht der mittlerweile miserablen schulischen Bildung generell mangelhaft ist. Deswegen leisten wir hier - aus nordischer Perspektive - gerne etwas Nachhilfe:

Die Hauptstadt von Dänemark heisst Kopenhagen.
Die Hauptstadt von Island heisst Reykjavík.
Die Hauptstadt von Schweden heisst Stockholm.
Die Hauptstadt von Finnland heisst Helsinki.
Und Oslo ist die Hauptstadt von Norwegen und ebendort hat das vom norwegischen Parlament bestimmte fünfköpfiges Komitee seinen Sitz, das den Preisträger des Friedensnobelpreises bestimmt. Und deswegen wird er auch in Oslo verliehen. (Kleiner Bonus: Für alle anderen Nobelpreise ist die Nobelstiftung in Stockholm zuständig und sie werden in Stockholm vergeben. Details dazu hier und hier und hier).

Also lieber Deutschlandfunk: Wenn schon „Nachrichtenleicht“, dann doch bitte wenigstens inhaltlich zutreffend; und bitte keine Fake-News verbreiten.