Berlin 1945: Robert Capas Fotografien zu Rosch Haschana

In einem Blog, das sich u.a. mit der Fotografie befasst, muss Robert Capa nicht vorgestellt werden (und wer ihn nicht kennt, schaut bitte hier). Von Robert Capa stammen einige der eindrücklichsten Bilder aus dem Kontext des Krieges.

Kurz nach dem Kriegsende war er im August 1945 in Berlin, und hat die damalige Stadt in Trümmern und die Menschen darin dokumentiert. Doch wenige wissen bislang, dass er dabei auch dass erste jüdische Neujahrsfest in Berlin nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes und der Schoah mit der Kamera einfing.

Dazu gibt es in der Neuen Synagoge in Berlin vom 10.09.2020 bis zum 09.05.2021 die Ausstellung „Robert Capa - Berlin Sommer 1945“.

In der Ausstellung werden 120 ausgewähle Bilder gezeigt.

Im Begleitband zur Ausstellung gibt es neben einer Auswahl von Bildern auch verschiedene Essays.

Etwas mehr Hintergrund zum Lesen und Nachhören gibt es hier beim Deutschlandradio Kultur. Beim ARD gibt es eine kleine Bildstrecke, die einen Vorgeschmack auf die Ausstellung gibt.

Den Film von der Eröffnung der Ausstellung Robert Capa - Berlin Sommer 1945 gibt es auf YouTube:



Blogsterben - Das Aussterben der Fotoblogs

In den zurückliegenden zwei Wochen wurden wieder zwei Fotoblogs von Weltklasse zu Grabe getragen:

Das Blog von Ming Thein (für immer) und das Blog von Kirk Tuck (bis auf weiteres).

Etwas Wehmut ergreift mich schon, wenn sich zwei weitere der fotografischen Schwergewichte abmelden.

Nichtssagende, beständig nachplappernde und nur am reinen Produktmarketing ausgerichtete Fotoblogs gibts es nach wie vor mehr als genug. Nur die Anzahl derer, die wirklich etwas von Gewicht mitzuteilen haben, wird immer kleiner und lässt sich mittlerweile schon an zwei Händen abzählen.

Vielleicht liegt es daran, dass das Format des Blogs sich in Zeiten der „Internet-Schnellimbisse“ (sprich: sozialer Medien) überholt hat. Wer ist noch willens (und in der Lage) längere Texte zu lesen, mitzudenken und Gelesenes ohne selbst errichtete Vorurteile auch zu durchdenken?

Kurz: Die „Instant-Kultur“ ist erfolgreich dabei, die Kultur als solche zu vernichten.

Einfach ablesbar ist das an den Zugriffszahlen eines Blogs. Mit wem man auch spricht, bei allen seriösen Bloggern alten Schlages sind die Zugriffszahlen im konstanten Sinkflug. Selbst haben wir Google-Analytics mit dem Inkrafttreten der DSGVO ganz von der Seite verbannt und es interessiert uns nicht mehr, wie viele Zugriffe wir haben. Andere Blogger, die auch Werbeeinnahmen zur Finanzierung ihres Aufwandes erzielen wollen, trifft ein Einbrechen der Besucherzahlen mitunter hart.

Nein, das soll kein Klagen sein, vielleicht aber eine Art Abgesang.

Was mir bei vielen Bloggern, die ihre Blogs schlafen legen (oder sterben lassen) auffällt, ist der Satz, dass es „nichts mehr zu Bloggen gebe“. Vieles von dem, was es noch zu bloggen gäbe, darf man nicht mehr bloggen, denn bloggt man über brisante Themen wird man in eine bestimmte politische Ecke gepeitscht, so dass die Leserschaft schon aus Angst an dem betroffenen Blog „vorbei liest“ und ihn nicht mehr aufruft.

Gerade in der Fotografie sind die Themen ausgelutscht, es sei der Streit von Tiefenschärfe versus Schärfentiefe, oder was es da noch so alles gab in der Vergangenheit.

Einfaches googeln liefert hunderte von Resultaten für alle gängigen Probleme und Streitfragen. Wir brauchen also nicht wirklich noch ein Tutorial zur BlaBlaBla-Frage.

Und wer trotzdem noch ein Tutorial veröffentlichen möchte, der tut das mittlerweile in einem leicht verdaulichen Format auf YouTube (und verliert damit auch gleich noch die Kontrolle über den eigenen Content). Die Kunst des Lesens scheint ja nicht mehr so verbreitet zu sein (Stichwort: Kulturabwicklung). Die Entwicklung erinnert etwas an die biblische „Schrift an der Wand“ (Die Bibel, Buch Daniel, Kapitel 5, wer es nachlesen möchte).

Ganz ehrlich gesagt, empfinde ich das auch mehr und mehr bezogen auf die Themen dieses Blogs. Deswegen hat sich die Häufigkeit von Postings hier auch verringert. Wir bloggen nur noch, wenn es wirklich etwas gibt, das uns am Herzen liegt (Qualität statt Quantität und ein Nischenblog für Kenner und Geniesser). Für die Standardthemen gibt es die Suchfunktion, denn alles, was wirklich wichtig ist, gibt es hier (oder anderswo) schon.

Wir sind auch nicht die unbezahlten Animateure für einsame Surfer, die sich im Netz Spass holen wollen und wir lassen uns, sofern wir kritische Artikel veröffentlichen, nicht in eine bestimmte politische Ecke schieben (Stichwort: Liebe zur Wahrheit).

Alte Wahrheit bewahrheitet sich auch hier wieder einmal: Alles hat seine Zeit.

Und nein, noch liegt das originale Lapplandblog nicht auf der Bahre.

Auch Vergänglichkeit kann
Auch Vergänglichkeit kann schön sein

RAW Power für Mac OS X und iOS

Über die Vorzüge von RAWs („digitale Negative“) gegenüber von JPGs direkt aus der Kamera („endgültiges Bilder“) ist - auch hier - schon hinreichend viel geschrieben worden, und ich will auch keinen (erneuten) Glaubenskrieg in dieser Frage entfachen. Jeder nach seiner façon.

Meine Philosophie ist bekannt: Wenn es um schnelle dokumentarische Schnappschüsse geht, bin ich mit JPGs vollauf zufrieden. Wenn es um Bilder geht, die über den schnellen Schnappschusss hinaus gehen, darf es RAW sein. Mittlerweile bieten ja bekanntlicherweise auch schon die RAWs aus neueren iPhones erhebliches Potential.

Für die Entwicklung und Bearbeitung von RAWs gibt es mittlerweile etliche kommerzielle und freie Anwendungen. Der bekannte Platzhirsch aus dem Hause Adobe ist sehr leistungshungrig und hat bereits vor einiger Zeit auf ein Abomodell umgestellt. Beides gefällt mir nicht.

Viele der freien Alternativen sind mittlerweile sehr ausgereift, erfordern aber einen hohen Einarbeitungsaufwand.

Die leuchtende Ausnahmeanwendung war Aperture aus dem Hause Apple, das aber 2014 beim Erscheinen von Mac OS X 10.10.2 und dem Versionsstand 3.6 eingestellt wurde.

Der offizielle Nachfolger Photos, der seitdem ein originärer Teil von Mac OS X ist, kann dem Vorgänger bei weitem nicht das Wasser reichen. Damit hat sich Apple selbst aus dem Rennen geschossen. Viele Fotografen haben Aperture bittere Tränen nachgeweint. Die Konkurrenz hatte schnell nachgelegt und eine kostenlose Migrationssoftware für Adobe Lightroom, bzw. Capture One bereit gestellt, damit Neukunden möglichst bequem eine Aperture-Bibliothek mit Fotos und Metadaten importieren konnten. Und so verschwand die seinerzeit führende RAW Software in den Annalen der Fotogeschichte.

Ganz Gallien? Nicht ganz, denn Nik Bhatt, einer der leitenden Entwickler, der bei Apple u.a. für die Entwicklung von von Aperture und iPhoto verantwortlich war, hat sich 2015 von Apple getrennt und 2016 eine eigene Softwareschmiede gegründet, die auf den charmanten Namen Gentlemen Coders hört und sich der Entwicklung einer Software zur Bearbeitung von RAWs in der Tradition von Aperture verschrieben hat. Und die hört auf den Namen „RAW Power“, womit wir beim Thema wären.

Schon der Name ist vielversprechend, steht „RAW Power“ doch für „Pure Kraft“.
RAW Power ist sowohl eine Standalone Anwendung, wie auch eine Erweiterung direkt in Photos. Neben der Desktop Anwendung gibt es denselben Funktionsumfang auch in einer gleichnamigen iOS App.

Wer früher mit Aperture gearbeitet hat, wird sich in RAW Power gleich heimisch fühlen. Im Mai dieses Jahres ist die Version 3.0 erschienen, die an Funktionalität alles bietet, was für die RAW Entwicklung vonnöten ist.

An dieser Stelle sei ein kleiner Exkurs erlaubt:

Der althergebrachte Begriff des „Post processing“ von Bildern, verschleiert als „matschiger Sammelbegriff“ nur die einzelnen Schritte der Entwicklung und Nachbearbeitung (was bei einem RAW besonders anschaulich wird).

Viel besser und von der Struktur her hilfreicher ist es, im von Mike Johnston entwickelten „C-E-R“ Modell zu denken und zu arbeiten.

Kurz zusammen gefasst:

C steht für „Correction“, also die Fortschreibung der beim Akt der Aufnahme getroffenen Wahlen (z. B. Weissabgleich, Belichtung, usw.) und die Korrektur von Standardfehlern (z. B. Wegstempeln von Sensordreck);

E steht für „Enhancement“, also die Anwendung visueller Effekte zur Verbesserung des aufgenommenen Bildes (z. B. Clarity, lokaler Kontrast, Vignettierung, usw.) und

R steht für „Reworking“, also alle Nachbearbeitungen, welche die Bildaussage als solche betreffen (z. B. Verändern von Bildelementen und Hintergrund, also das, was das klassische „Photoshopping“ beinhaltet).

Ende des Exkurses und zurück zu RAW Power:

In diesem C-E-R Prozess der Bildbearbeitung umfasst RAW Power die Stufen C („Correction) und E („Enhancement“) vollumfänglich. Die Stufe R („Reworking“) ist nach wie vor eine Domäne von Photoshop.

RAW Power enthält alle erforderlichen Werkzeuge und Tools für die RAW Entwicklung. Die Benutzeroberfläche ist robust und sehr strukturiert.

Auf iOS lässt sich im Querformat die Benutzeroberfläche individuell anpassen.

Zur iOS App ist anzumerken, dass sie (logischerweise) die gleiche Qualität wie die Desktop Anwendung liefert. Allerdings finde ich den Bildschirm von iPhone und iPad etwas suboptimal und er lässt sich auch nicht so einfach kalibrieren, wie auf dem Desktop. Unter iOS gibt es eine Integration in die weit verbreitete App Halide, mit der sich Bilder im RAW Format aufnehmen lassen (denn die Camera App in iOS kann das von Haus aus nicht).

Die Anzeige über- und unterbelichteter Bereiche ist in RAW Power sehr gelungen und die einzelnen Tools vermitteln ein feines Gefühl des „Hands-on“.

Die Tools umfassen: Histogramm, RAW Processing, White Balance, LUTs (dazu sogleich mehr), Tone, Enhance, Basic, Sharpen, Crop & Straighten, Black and White, Channel Mixer, Chromatic Aberration, Curves, Levels, Perspective und Vignette. Alle Bearbeitungen lassen sich als Preset speichern und natürlich auch kopieren und für andere Bilder individuell einsetzen.

Hinter „LUT“ verbigt sich die vornehmlich aus der Videobearbeitung bekannte Technik der Lookup-Tabellen (daher die Abkürzung LUT) bzw. Umsetzungstabellen. Eine Lookup-Tabelle ist - vereinfacht erklärt - eine Farbtabelle, welche die Farben eines Fotos als Ist-Wert mit einem Soll-Wert vergleicht. Dann ersetzt sie eine Nuance durch eine andere, sodass ein Foto eine besondere Anmutung bekommt. Damit lassen sich z. B. der „Look“ klassischer Filme oder bestimmte Stimmungen simulieren. Im Internet gibt es eine Fülle kostenloser und kommerzieller LUT-Pakete, die kaum Wünsche offen lassen.

Ich finde es sehr positiv, dass sich die Programmierer von RAW Power für eine solche, offene Lösung entschieden haben, statt eigene (generische und kostenpflichtige) Plugins anzubieten. Ab Werk wird bereits ein Bündel an LUTs mit geliefert, darunter auch eine Gruppe, die den von Fujifilm bekannten Filmsimulationen entspricht.

Sehr gut gefällt mir auch, dass entweder mit der Photo-Library oder mit individuell geöffneten Foldern im Finder gearbeitet werden kann. Persönlich verwalte und archiviere ich meine Bilder gerne selber und mit einer speziellen Anwendung. RAW Power zwingt mich - im Gegensatz zu anderen Programmen - nicht zum Import in eine (aus meiner Sicht: unnötige) Datenbank (die nur unnötigen Speicherplatz auffrisst).

Natürlich kann man Bilder bewerten und nach Bewertung sortieren.

Die Gentlemen Coders haben einen YouTube-Kanal mit zahlreichen guten und prägnanten Tutorials (sehr empfehlenswert).

Die Liste der unterstützten Kameras ist lang und entspricht der, die von Apple nativ in iOS und Mac OS X unterstützt werden. Die komplette Liste findet sich hier.

Für Handbuchleser gibt es hier das Handbuch für die iOS Version und hier für die Mac OS X Version.

Und wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte, den sei die - zeitlich unbefristete - Demoversion ans Herz gelegt (die lediglich beim Export ein Wasserzeichen einfügt).

Der Kauf (kein Abo o.ä.) schlägt derzeit mit einmalig 43,99 EUR für Mac OS X und 10,99 EUR für iOS zu Buche. Ein echtes Schnäppchen.

Zusammenfassende Bewertung:

RAW Power ist mittlerweile unser Standardprogramm für alle RAW Bilder geworden. Schnell, präzise und mit sehr guter Exportqualität. Von uns gibt es eine klare Empfehlung mit 5 von 5 Sternen.

Prädikat: wertvoll und empfehlenswert.

RAW Power für Mac OS X Screenshot

Lappland: Ausflugstipp für Individualreisende und Abenteurer: Die Viktoria-Kirche (Viktoriakyrkan) in Sorsele

Auch im Sommer kommen Reisende und Touristen in Lappland voll auf ihre Kosten. Lappland mit seinen weitgehend unberührten Weiten ist ein Eldorado für alle Outdoorbegeisterten: eines der Letzten im alten Europa.

Für alle, die eine Reise erst dann als gut empfinden, sobald es kein Mobilfunknetz mehr gibt, haben wir heute einen kleinen Geheimtipp anzubieten.

Im Gebiet der heutigen Gemeinde Sorsele (Sorsele kommun) steht eine sehr weit von der Zivilisation abgelegene Kirche, quasi „mitten im Nichts“.

Die Gemeinde Sorsele markiert den Beginn der lappländischen Wildnis, denn auf einer Fläche von 7958 Quadratkilometern leben nur 2473 Einwohner (davon allein 1134 im gleichnamigen Zentralort Sorsele), was eine rechnerische Bevölkerungsdichte von 0,3 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht und im Ergebnis dazu führt, dass es sich nach EU-Masstäben um unbesiedeltes Gebiet handelt. Das hat natürlich auch zur Folge, dass die Einkaufsmöglichkeiten und die öffentliche Daseinsvorsorge sehr begrenzt sind. Für Touristen, die das Abenteuer suchen ist Sorsele aber ein Paradies.

Das Wegenetz ist nicht sonderlich gut ausgebaut und bereits auf den „Durchgangsstrassen“ befinden sich Massen von Schlaglöchern, die bei Regen zu einem Paddelausflug mit dem Kanu einladen. Die gerade von inländischen Touristen gerne genutzte Strasse („länsväg“) 363, die von Sorsele bis ins Fjäll nach Ammarnäs führt, ist seit Jahrzehnten Gegenstand öffentlicher Debatten.

Während die Verkehrsteilnehmer sich im Prinzip ständig über den sich immer mehr verschlechternden und schlicht katastrophalen Strassenzustand beklagen, verweist das staatliche Trafikverket, dem der Unterhalt der Wege obliegt, beständig darauf, dass die Strasse so wenig befahren sei, dass sich eine Renovierung nicht lohne. Die KfZ-Werkstatt in Sorsele und der Reifenhändler freuen sich über diesen Beschluss.

Um unser heutiges Ziel zu erreichen, müssen wir auf eine noch abseitigere Strasse, nämlich die Verbindungsstrasse von Sorsele zur E45 in Richtung Slussfors. Eine unglaublich malerische Strasse, die sagenhafte Panoramen über die unberührte Natur zu bieten hat. Geteert war sie einmal, denn vom Strassenbelag ist an manchen Abschnitten nicht mehr viel übrig geblieben. Wellen und Schlaglöcher wechseln sich mehr oder weniger ab. Wir wundern uns immer wieder, dass viele einheimische Verkehrsteilnehmer dennoch mit 100 km/h über diese Piste rasen. Das ist nicht ohne, denn die unberührte Natur birgt das Risiko zahlreicher Wildwechsel. Hier kreuzen Elche, Rentiere, allerlei Kleinvieh und mit etwas Glück auch Bären die Strasse.

Etwa 50 Km hinter Sorsele überquert die Strasse den nördlichen Teil des Juktån Flusses (sog. „Övre Juktån“). Der insgesamt 177 Km lange Juktån mündet in der Nähe von Gunnarn (bei Storuman) in den Ume-Älv (Ume-Fluss). Eine schöne Übersichtskarte über den Verlauf des Juktån findet sich hier.

Der nördliche, obere Teil des Juktån ist nicht ausgebaut und an ihm dürfen auch keine Wasserkraftwerke errichtet werden. Damit hat er sich zu einem bei Anglern sehr beliebten Gewässer entwickelt (ausschliesslich Fliegenfischen). Die Regeln rund um das Angeln und welche Angelkarten für welchen Abschnitt erforderlich sind, sind nicht ganz einfach. Wer hier eintauchen will, kann sich in dieser Broschüre näher informieren.

Ums Angeln soll es aber heute nicht gehen.

Kurz nach der Brücke über den Juktån geht es rechts ab auf eine Schotterpiste, die sich entlang des Flusses in Richtung Norden schlängelt. Der Weg ist schmal, kurvig und bergig, bietet aber immer wieder einen traumhafte Ausblicke über das Flusstal. Einige Kilometer nach der Abzweigung endet auch die Mobilfunkabdeckung und ab dieser Stelle sollte die Fahrt nur mit einem verlässlichen fahrbaren Untersatz fortgesetzt werden.

Malerische Aussicht über den Juktån auf dem Weg zur Viktoriakyrkan
Malerische Aussicht über den Juktån auf dem Weg zur Viktoriakyrkan


Der Verkehr ist ziemlich dünn in dieser Region und eine Panne kann jetzt schnell zu einem echten Problem werden. Die faktische Höchstgeschwindigkeit auf der Schotterpiste liegt bei ca 50 Km/h; wer die Strecke durch die reizvolle Landschaft aber geniessen will, dem sei ein deutlich gemächlicheres Tempo ans Herz gelegt.

Nach ca. 25 Km endet die „offizielle Strasse“, d.h. der Weg wird zum Privatweg, für dessen Unterhalt Staat und Land nicht mehr verantwortlich sind. Praktisch bedeutet das, dass der Weg jetzt nur noch aus Schlaglöchern besteht und zudem deutlich schmäler ist.

Das dankenswerterweise nur äusserst selten notwendige Ausweichen bei entgegen kommenden Fahrzeugen wird zur echten Herausforderung und es scheint als ob der Weg kein Ende nehmen wolle.

Am Horizont zeichnet sich majestätisch das Fjäll ab und die Wälder entlang der Strecke haben sich in einen undurchdringlichen Urwald verwandelt.

Der bessere Teil der Schotterpiste / Sorsele
Der bessere Teil der Schotterpiste


Von der Abzweigung der Strasse von Sorsele nach Slussfors ab gerechnet, sind es insgesamt 42 Km abenteuerliche Schotterpiste bis zu unserem heutigen Ziel und es ist leicht, das Ziel schlicht zu verfehlen, denn das Hinweisschild ist schon stark verwittert und der recht kleine Parkplatz ist unauffällig.

„Viktoriakyrkan“ steht auf dem verblichenen Holzschild. Nur von einer Kirche ist erst einmal weit und breit nichts zu sehen. Jetzt geht es also auf den Trampelpfad durch den Urwald.

Bevor wir zur Kirche gelangen, wenden wir uns aber erst einmal der Geschichte zu.

Von 1907 bis 1930 war Victoria (andere gebräuchliche Schreibweise: Viktoria) von Baden Königin von Schweden. Sie war Tochter von Fredrik von Baden und Louise von Preussen und eine Kusine von Kaiser Wilhelm II von Deutschland.

Ihr Urgrossvater war Gustav IV. Adolf von Schweden, womit sie eine Nachfahrin von Gustav Wasa von Schweden war.

Geboren wurde sie am 7. August 1862 in Karlsruhe. Ihre arrangierte Ehe mit dem Kronprinzen Gustav von Schweden erfolgte aus politischen Gründen, um die Verbindung von Schweden und Deutschland zu stärken.

Ihre bewegte Lebensgeschichte bestand mehr aus Tiefen, denn aus Höhen. Wegen ihres angeschlagenen Gesundheitszustandes verbrachte sie nach der Geburt ihres dritten Kindes die meiste Zeit ausserhalb von Schweden, bevorzugt in Italien, wo sie am 4. April 1930 auch verstarb. Mehr Details: Link 1, Link 2.

Die derzeitige Kronprinzessin Victoria hat ihren Namen übrigens im Gedenken an die damalige Königin Victoria erhalten.

Zurück nach Sorsele.

Im Jahre 1935 wurde von Anwohnern im Juktåntal die Initiative ergriffen, dort eine Kirche zu erbauen. Sie konnten den damaligen Pfarrer von Ammarnäs, Göte Haglund, für ihren Plan begeistern, obwohl der nächstgelegene Weg damals 60 Km entfernt war. Nachdem sich eine kleine Gemeinde um die Initiative gebildet hatte wurde der Pfarrer beauftragt, mit der Sammlung von Geldmitteln für das Projekt zu beginnen.

Entscheidend für die Durchführung des Projektes war eine - nach damaligem Valutawert - unglaublich hohe anonyme Einzelspende von 12.000 schwedischen Kronen die mit der Auflage, das Andenken an die verstorbene Königin Victoria zu bewahren, zugewendet wurde.

Vom Domänverket, der damaligen staatlichen Waldverwaltung, wurden das Grundstück und das zum Bau erforderliche Holz geschenkt.

Die Bauarbeiten begannen in Januar 1936 nach Plänen des bekannten Stockholmer Architekten Karl Martin Westerberg.

Der Bau war wegen des unwegsamen Geländes beschwerlich und ein mobiles Sägewerk und alles übrige Baumaterial wurden im Winter mit Pferdeschlitten über den zugefrorenen Juktån und im Sommer mit Booten transportiert.

Die Fertigstellung erfolgte zu Midsommar 1938. Seit 1947 gehört die Kirche zur Kirchengemeinde in Sorsele. Neben der Kirche wurde noch ein kleines Gemeindehaus errichtet. Es gibt dort keinen Strom und in der Kirche gibt es nur ein Harmonium und ein Bollerofen heizt das kleine Gemeindehaus.

Das Geheimnis um die Identität des anonymen Spenders wurde später übrigens gelüftet:

Es handelte sich um den früheren Leibarzt der verstorbenen Königin Viktoria, Axel Munthe, den eine langjährige tiefe Freundschaft mit Victoria verbunden hatte und der das Andenken an sie bewahren wollte.

Gottesdienstlich wird die Kirche derzeit nur noch zwei- oder dreimal im Jahr und das während der Sommerzeit genutzt, denn im Winter wird die Schotterpiste nicht geräumt und die Kirche ist dann nur mit dem Schneemobil zu erreichen.

Wir kehren zurück auf den kleinen Trampelpfad, der vom Parkplatz an der Schotterpiste zur Kirche führt. Er ist durch Farbmarkierungen an den Bäumen ausgewiesen.

Die kleine Landzunge, auf der die Kirche steht, ist nur über eine schmale freischwingende Hängebrücke zu erreichen, die sich regelrecht hochschaukelt, wenn zwei Personen gleichzeitig über die Brücke gehen.

Der Trampelpfad zur Victoriakyrkan - Die Hängebrücke
Die Hängebrücke auf dem Trampelpfad


Nichts für schwache Nerven.

Viele Menschen verirren sich nicht hierher und das macht den bezaubernden Charme und Reiz der Stelle aus. Vor Reisegruppen ist man sicher; allenfalls abenteuerlustige oder an Kultur interessierte Individualtouristen finden den Weg hierher.

Nach ca. 500 Metern gibt der Wald den Blick auf einen Kirchturm frei und es ist ein ungewohntes Bild, wenn sich ein derart imposantes Gebäude mitten im Urwald erhebt. Das Bauwerk entspricht von seiner Grösse her dem einer normalem Dorfkirche.

Der Kirchturm der Victoriakyrkan erhebt sich aus dem Wald
Der Kirchturm der Victoriakyrkan erhebt sich aus dem Wald


Es ist es eine der schönsten Aussichten, die sich einem Kirchenbesucher bieten kann. Das Verlassen der Kirche gibt den Blick auf den unberührten Juktån und das Fjäll im Hintergrund frei. Beinahe weckt die Szenerie den Wunsch, in diese ruhigen Idylle einmal einen ganzen Winter verbringen zu wollen.

Victoriakyrkan in voller Pracht
Die Victoriakyrkan in voller Pracht

Lasst Köpfe rollen! - Jetzt sind alte, weisse Fotografen im Visier...

Wie Ringe auf dem Wasser verteilen sich die Schockwellen der aktuellen Entwicklungen, erdbebenartig in alle Bereiche des Daseins. Und nun sind diese Wellen auch in der Fotografie angekommen.

In bester Propagandamanier werden unüberlegt und ohne zu Recherchieren die Parolen nachtrompetet, die irgendwelche selbsternannten „Propheten der Gleichheit“ in die Welt hinaus posaunen. Dabei werden „en passant“ (quasi als zwingende Nebenfolge) Karrieren und Existenzen vernichtet, und auf den einzelne von ihnen auserkorene Betroffene wird in menschenverachtender Art und Weise keine Rücksicht genommen, wenn es um die Durchsetzung des erwünschten gesellschaftlichen Umbaus geht.

Konkret geht es heute um zwei Fälle aus der Welt der Fotografie, die sich in den vergangenen Wochen ereignet haben. Diesen beiden Fällen sollen sich diese genaueren Durchleuchtungen und Untersuchungen unter Ausschöpfung der zugänglichen Quellenlage widmen.


1. Die Causa Gian Butturini und Martin Parr


Um diesen Fall zu verstehen, muss ich etwas weiter ausholen.

Gian Butturini war ein italienischer Fotograf (geb. 1935, gest. 2006). Er begann seine Karriere als Grafikdesigner und seine Arbeiten wurden vielfach international ausgezeichnet.

In den späten 60er Jahren verschlug es ihn nach London, wo er, vornehmlich mit langen Brennweiten, was seinen Bildern einen „voyeuristischen Look“ verleiht, ein fotografisches Kaleidoskop des Lebens in der Grossstadt dokumentierte. Bei dieser Arbeit hat er bewusst nicht nur dokumentiert, sondern die vordergründige Welt des Sichtbaren durch seine Fotografien mit einem guten Schuss Sarkasmus und Schmerz zerlegt und für den Betrachter analysiert.

Nach seinen eigenen Worten hat Butturini das Stadtleben „wahr und nackt“ dokumentiert und die Darsteller „nie darum gebeten, für seine Kamera zu posieren“.

Heute würde man sein Werk schlicht als „gesellschaftskritisch“ bezeichnen, ihn folgerichtig dafür feiern und mit Lob überhäufen.

Wenn…

ja, wenn da nicht der gesellschaftliche Umbau zu Gunsten ausgewählter Gruppen im Gange wäre.

Aus Butturini´s Fotografien entstand das 1969 im Eigenverlag heraus gegebene 108-seitige Buch „LONDON“. Ein einst bei Kunstkennern und Fotografieliebhabern heiss begehrtes Werk, das nur zu absoluten Mondpreisen auf dem antiquarischen Markt zu finden war.

Kurz: Seine Bilder sind eindrückliche Zeitzeugnisse, die in tiefgründiger Art und Weise das Leben - vornehmlich der Arbeiterklasse - in der schwelenden und modernden Grosstadt London in den 60er Jahren zeigen.

Spätere fotografische Abenteuer führten Butturini u.a. nach Cuba, Brasilien, Peru, Chile, Nordirland, die DDR, usw. Er hatte im Laufe seiner Karriere noch weitere Bücher publiziert.

Zurück zu seinem Werk „London“.

Im Jahre 2017 wurde eine Faksimileausgabe des Werkes herausgegeben mit einem einleitenden Text des britischen Fotografen Martin Parr.

Und hier entzündete sich der „Volkssturm“.

In dem Werk finden sich nämlich auf zwei gegenüberliegenden Seiten (Doppelseite) zwei Bilder, die vermeintlich rassistisch sein sollen.

Hier ein Bild der besagten und inkriminierten Doppelseite:

London by Gian Butturini, copyright 1969, facsimile 2017
- London by Gian Butturini, copyright 1969, facsimile 2017 -



Auf der linken Seite ist eine sitzende schwarze Frau in einem Plexiglasverschlag zu sehen und auf der rechten Seite ein Gorilla in einem Stahlkäfig.

Eine Erklärung dazu findet sich in der Einleitung zum Buch, die der Fotograf Gian Butturini damals zu dem Arrangement noch selbst verfasst hatte.


Zitat:

“Of course, I have not photographed the Queen’s Guardsmen, stiff and starchy as plaster statues. I did photograph a black woman, locked in a transparent cage; she was selling tickets for the underground: just a listless prisoner, an immobile island outside of time in the midst of the waves of humanity flowing by and mixing and then spilling aside around her prison of ice and solitude.

I did not photograph the keepers of the Tower or the City bankers with umbrella and bowler hat. I did photograph the Regent’s Park gorilla, which with imperial dignity receives the witticisms and peel thrown at it by its nephews in ties.”


Um was geht es da also? Um eine Fahrkartenverkäuferin in der U-Bahn, die einsam in einer Plexiglaskabine sitzt und Fahrscheine verkauft. Sie sitzt dort - „eingesperrt“ im Rahmen ihrer Arbeit - quasi als eine „Gefangene des Systems“, denn sie darf ihre Kabine erst nach getaner Arbeit verlassen. Isoliert betrachtet eine fotojournalistische Systemkritik auf höchstem Niveau.

Auf der gegenüberliegenden Seite, der Fahrkartenverkäuferin also gegenüber gestellt, das Bild eines Gorillas in einem Käfig.

Der Käfig wirkt übermächtig und symbolisiert das unnatürliche Gefängnis, in dem sich das normalerweise frei in der Natur lebende Tier befindet. Zu bedenken gilt hier auch, dass ein Gorilla nicht in London heimisch ist, sondern am andere Ende dieser Welt mit seinen Familienmitgliedern im Verband lebt.

Er ist also ebenfalls eingesperrt und wird den betrachteten Massen zur Belustigung zur Schau gestellt. Allerdings ist er permanent eingesperrt und er muss in „seiner Freizeit“ als Objekt des Spottes und der Belustigung für die Menschen herhalten. Aus dem Text im Vorwort des Buches ergibt sich, dass ihm die Zoobesucher im Vorbeigehen abfällige Witze und Bananenschalen zuwerfen.

Butturini vereint also zwei „Gefangene des Systems“ auf einer Doppelseite.

Kann eine gesellschaftskritische Aussage schöner und eleganter dargestellt werden, als gerade so?
Und nochmals: Die Fahrkartenverkäuferin hat - im Gegensatz zum Gorilla - die Möglichkeit, ihr Gefängnis wenigstens bei Arbeitsende zu verlassen.

Und diese Doppelseite wurde jetzt dem vorhin erwähnten Martin Parr zum Verhängnis, denn Butturini, der Fotograf, war schliesslich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Neuauflage 2017 bereits verstorben und konnte damit nicht mehr als tauglicher Gegner der gierigen Masse für den angeblichen Rassismus herhalten (und Tote können sich naturgemäss nicht mehr verteidigen).

Martin Parr (geb. 1952) ist (bislang) eine lebende britische Fotolegende, der durch einen sehr provozierenden fotografischen Stil das Leben in der britischen Gesellschaft pointiert und dokumentiert.

Sein Stil ist am besten wie folgt zu beschreiben:

Er fotografiert gekonnt das Hässliche im alltäglichen Leben.

Sein Ziel ist es dabei, den Betrachter gleichzeitig „zum Lachen und zum Weinen“ zu bringen. Neben der Fotografie hatte er auch verschiedene Lehraufträge und war von 2013 bis 2017 Präsident der renommierten Fotoagentur Magnum. Seine Vita zieren immerhin 80 Ausstellungen und mehr als 50 Bücher.

2017 begleitete er die besagte Neuauflage des Werkes von Gian Butturini als Kurator und schrieb das entsprechende Vorwort, das heute von besagter Gruppierung kritisiert wird.

Vorgeworfen wird dem guten Mann von besagter politisch überaus korrekter und gleichmachender Seite aus, die oben im Text geschilderte Doppelseite des Buches mit der Gegenüberstellung der schwarzen Frau im Plexiglaskäfig und dem Gorilla hinter Gittern nicht „thematisiert“ zu haben.

Wie kam es dazu?

Ein Jahr nach der Veröffentlichung des Werkes wurde gegen Martin Parr von der 20jährigen Studentin Mercedes Baptiste Halliday, einer in London lebenden Studentin eine Kampagne ins Leben gerufen, weil das Buch „entsetzlich rassistisch“ sei. Martin Parr sei durch sein Vorwort zum Werk zur „Charleston Statue der Fotografie“ geworden, denn er repräsentiere eine Generation von weissen Männern mittleren Alters“, die nun nieder gerissen werden müssten.

Diese Aussagen sind nur schwer an Dummheit und mangelndem Verständnis der zeitgeschichtlichen Fotografie zu überbieten (wobei ich mir da - ehrlich gesagt - nicht ganz sicher bin; warten wir einmal ab, was da in Zukunft noch so auf uns zukommt).

Denn vermutlich ist es einfach schlicht zu viel verlangt, von einer offensichtlich ideologisch verblendeten 20-Jährigen zu verlangen, den tieferen Sinn in Gian Butturinis Werk zu verstehen. Zerstören und Niederreissen passt zu solch schlichtem Gemüt leider viel besser (am Rande: immerhin nett von ihr übrigens, den 68-jährigen Martin Parr als im „Mittelalter“ stehend zu bezeichnen).

Nun sind das Lebenswerk und der gute Name von Martin Parr demoliert und seine weitere Demontage hat begonnen.

Denn um dem öffentlichen Druck, dem Parr ausgeliefert ist, zu begegnen und das Schlimmste abzuwenden, hat sich Martin Parr für seinen (vermeintlichen) Fauxpas sogar formell entschuldigt.

Meiner Meinung nach hat er damit einen Bumerang geworfen, der ihn selbst schmerzlich treffen wird. In seiner offiziellen Entschuldigung spricht er davon, die fragliche Doppelseite „sei seiner Aufmerksamkeit“ entgangen.

Was für ein Licht wirft das auf die Arbeit von Martin Parr als Kurator?

Die Antwort ist klar: durch seine eigenen Zeilen, erklärt er seine eigene Arbeit als wertlos. Denn von einem Kurator wird erwartet, dass er ein Werk eingehend sichtet, bevor er es ordnet. Den Inhalt der fraglichen Doppelseite bezeichnet er nun selbst als „beleidigend und erniedrigend“.

Was sagt uns das?

Es bedeutet, dass er selbst das gesellschaftskritische Werk von Gian Butturini, für dessen Wiederauflage er kuratierend tätig war und das Vorwort verfasst hatte, nicht verstanden hat.

Ich habe es schwer mich zu entscheiden, welche der beiden Feststellungen die Schlimmere ist.

Die Neuauflage des Buches wurde übrigens aus dem Handel zurück gezogen und soll vernichtet worden sein.

Wir erinnern uns:

in einer äusserst unguten Zeit der Geschichte wurden Werke „entarteter Kunst“ schon einmal Opfer von Verbrennungen und somit unwiderruflicher Vernichtung.

Weitere Quellen zum Thema:

https://www.monopol-magazin.de/martin-parr-tritt-nach-vorwuerfen-als-festival-direktor-zurueck
https://singularimages.net/2020/07/24/editorial-martin-parr-and-gian-butturinis-london/
https://www.yatesweb.com/looking-is-necessary/
https://www.achtung.photography/gian-butturini-london-by-gian-butturini-1969/
https://www.cafelehmitz-photobooks.com/butturini-gian-london.html


Nicht genug?
Nein?
Da gibt es nämlich noch etwas!

Bitte schön:


2. Die Causa David Alan Harvey


Wenden wir uns dem nächsten „alten, weissen Fotografen“ zu, der kürzlich ins Visier der selbst ernannten politisch Korrekten geraten ist. Oberflächlich betrachtet sieht die Geschichte anders gelagert aus, aber auch in diesem Fall geht es um die Demontage eines nicht unbekannten (ups… darf man ja nicht mehr so ausdrücken, es muss heissen: „alten, weissen“) Fotografen.

Konkret geht es um David Alan Harvey (weiss, männlich, 73 Jahre alt und eine Legende).

Auch David Alan Harvey ist Mitglied bei der Fotoagentur Magnum. Magnum ist (mittlerweile wahrscheinlich: war), wie bereits erwähnt, bislang die erste Adresse für die fotografische Crème de la Crème.

Und Magnum hat jetzt etwas getan, was es noch nie in deren Geschichte gegeben hat:

Magnum hat den Fotografen David Alan Harvey wegen der angeblichen (!!!) „Belästigung einer Kollegin“ suspendiert.

Der Originalwortlaut des Statements von Magnum lautet:

„A specific allegation has been made in confidence over the past few days relating to the personal conduct of David Alan Harvey. Such behaviour would represent a breach of the code of conduct. A formal investigation is being carried out and David Alan Harvey’s membership has been suspended whilst this process takes place.“

In einschlägigen Medien wird wie folgt über die Sache berichtet:

"...“a confidential complaint” that claims Harvey harassed a female colleague.“ .. "Details about the complaint have not been made public…“

Das hört sich ganz nach der bekannten „#metoo“ Masche an!

Einfach mit Anschuldigungen um sich werfen, denn etwas Dreck bleibt immer hängen. Treffer, versenkt, Existenz erfolgreich vernichtet.

Wir erinnern uns:

In den bekannten Aufmacherfällen von #metoo, mit denen die Bewegung ins Rollen gekommen war, ist von den Vorwürfen in den allermeisten Fällen fast nichts übrig geblieben (bis auf eine Spur der Verwüstung im Leben der Verdächtigten).

Kurz: Man muss nur irgendeinen Müll erzählen, dann machen eine Unmenge von Frauen blindwütig mit.

Auch dieses Denunzieren und die Zerstörung von Menschenleben hatten wir in der Geschichte schon einmal. Gut, damals gab es noch kein Internet und man beschränkte sich auf die Vernichtung der Existenz des eigenen Vaters, des Sohnes, der Tochter, der eigenen Mutter, Tante, des Onkels, des Nachbarn oder der Arbeitskollegen, usw.

Eigentlich sollten wir aus - gerade der deutschen - Geschichte gelernt haben, wohin das führt. Die Methode ist damals wie heute leider dieselbe und an den beiden aktuellen Beispielen von Butturini und möglicherweise auch Harvey sofort erkennbar.

Sofern man ein klein wenig Ahnung von der Geschichte hätte und noch selbstständig denken könnte, ...

Aber naja...

Wie werden auf alle Fälle die Causa David Alan Harvey unter Beobachtung halten und darauf zurück kommen, sobald mehr Fakten dazu bekannt werden (dürfen).

Quellen:

https://www.theguardian.com/artanddesign/2020/aug/20/magnum-suspends-photographer-david-alan-harvey-over-harassment-claim
https://petapixel.com/2020/08/20/magnum-suspends-david-alan-harvey-over-harassment-allegations/

Anarchie oder Rassismus im Campingleben?

Lesern dieses Blogs dürfte der bezaubernde Campingplatz am Skellefteälven, der sich unweit unseres kleinen und beschaulichen Dorfes in dem wir hier leben, bekannt sein. Ein Kleinod und ein Geheimtipp unter Campingurlaubern und Wohnmobilisten aus aller Welt, wenn es sie hier in die Gegend verschlägt.

Der bislang bezaubernde Campingplatz am Skellefteälven


Aber auch das Campingdasein wird von den aktuellen weltpolitischen Ereignissen in Form der anarchistisch-terroristischen Welle, die gerade über uns alle hinweg rollt, nicht verschont.

Die LA-Times hat uns gerade in einem Artikel vom 10. August darüber belehrt und informiert, dass mehr Diversität beim Camping erforderlich sein muss. Der Artikel berichtet von dem psychischen Innenleben und den „Erkenntnissen“ einer gewissen Mo Jackson, der in früher Morgenstunde beim Campen einige grundlegende Einsichten über den Lauf der Welt im allgemeinen und des Campings im Besonderen zugefallen sind.

Sie „glaubt" nämlich erkannt zu haben, dass die Geschichte des Campings und der Nationalparks sehr kompliziert sei im Hinblick auf Rassengleichheit und gleichen Zugang für alle Menschen und dass die Nationalparks eine Geschichte der Segregation mit sich führen würde.

Zitat: „But camping and national parks have a complicated past when it comes to racial equality and equal access for all. National parks have a history of segregation...“

Sie beruft sich auf eine Studie, der zur Folge nur 1,2% der Besucher von Nationalparks „Schwarze“ und nur 5,7% „Latinos“ seien; der Rest von 94,6% seien „Weisse“.

Zitat: A 2018 study by the Society of American Foresters found that between 2010 and 2014, 94.6% of visitors to national forests identified as white. People who identified as Latino made up 5.7%, and those who identified as Black made up 1.2%.

Zusammenfassend sagt sie, dass sich die Nationalparks durch die langen Jahre der Segregation zu einem Platz der "weissen Vorherrschaft" entwickelt hätten.

Zitat: The years of segregation, racism and displacement continue to define national parks and other public lands as predominantly white spaces.

Ihr Statement gipfelt schliesslich in der Aussage: […] „ich denke, dass es da im Moment eine grosse Schuld der Weissen gibt“[…].

Zitat: “I think there is a lot of white guilt right now,...“

Wer meint, dass sie es dabei bewenden lassen würde, den muss ich jetzt leider enttäuschen, denn sie legt nochmals kräftig nach.

Sie schwenkt nämlich zu den „heilenden Kräften der Natur“, um fest zu stellen, dass „Schwarze“ und „Ureinwohner“ schliesslich den grössten Bedarf hätten die „heilenden Natur“ zu geniessen und dass ihnen das leider nicht möglich sei. Das sei zutiefst ungerecht.

Zitat: “Being in nature is healing,” she said. “People who need that healing most are Black and Indigenous people, and the idea that it’s inaccessible … it’s just not right.”

Um ihren Gedanken für das in Zukunft angestrebte marxistisch-antikapitalistische politisch weltweite System Nachdruck zu verleihen versäumt sie es nicht darauf hin zu weisen, dass ein wichtiger Grund der Segregation und des Rassismus beim Camping auf den hohen Kosten der erforderlichen Campingausrüstung beruhe.

Zitat: “Tents are hundreds of dollars, sleeping bags are super expensive, and if you’re really going camping, you can’t scrimp on gear. You could end up freezing at night,”

Ihr eigenes Schlusswort ist ebenso theatralisch wie dümmlich, weswegen der geneigte Leser den englischen Originaltext selbst lesen möge:

Zitat “Black and Indigenous people have historically had connections to nature and the land that have been stripped from us,” ... “My bigger picture is full solidarity; it’s going to take all of us coming together to topple these racist systems so we can find our sacred places again, and find peace again, together.”

Camping ist also Teil eines rassistischen Systems und „weisse" Menschen sollten PoC (People of Color) am besten schnell den Platz räumen.

Sonst, ja sonst...

Und da wären wir nun wieder am Anfang der Geschichte angelangt. Zurück zum - bislang idyllischen - Campingplatz in unserem beschaulichen Dorf.

Hier sind nämlich am vergangenen Wochenende vermutlich entsprechende Zerstörungstrupps am Werk gewesen, um es den „weissen Privilegierten (lies: den durchschnittlichen Campern) mal so richtig zu zeigen“. In einer regelrechten Zerstörungsorgie wurden einige der sehr robust gebauten Sitzbänke brutal zerlegt und anschliessend wurde noch versucht, die Einzelteile zu verheizen.

Bild der Verwüstung auf dem Campingplatz


Nicht nur, dass es keinen Mangel an hochwertigem Feuerholz geben würde, denn dieses liegt in den Grillhütten für jeden Besucher bereit, nein auch der Versuch kesseldruckimprägniertes Holz an einem Lagerfeuer verbrennen zu wollen, zeugt nicht unbedingt von technischen Vorkenntnissen oder gesteigerter Intelligenz im Allgemeinen.

Ausreichende Holzvorräte auf dem Campingplatz


Was soll man sagen?

Viel fällt mir dazu nicht ein, bis auf den frommen Wunsch vielleicht, dass es hoffentlich doch nur einige angetrunkene Halbstarke waren und dass die gewaltsame und terroristische Durchsetzung der sog. „Gleichheit für alle“ in unseren Regionen noch nicht angekommen ist. Strafanzeige gegen Unbekannt wurde übrigens erstattet.

Doch das wird auf lange Sicht nichts nützen, denn wer schon das Fach „Mathematik“ in der Schule abschaffen will, weil es rassistisch ist und Camping anprangert wegen fehlender Diversität und im gleichen Atemzug „weisse Menschen“ als minderwertige Rasse degradiert, wird zukünftig noch weitere Absurditäten in der Gesellschaft durch setzen können. Und nein, das alles beschränkt sich leider nicht nur auf die Vereinigten Staaten von Amerika, denn diverse europäische Länder sind sehr eifrig beim Nachahmen mit dabei und das Internet gibt noch viel mehr von solchen Informationen her.

Für das und noch vieles mehr steht die viel gepriesene Organisation Black Lives Matter mit Mo Jackson.

Gehabt Euch wohl!