Die Sache mit dem Sommer

Es fühlt sich einfach komisch an Mitte Juli in gefütterten Hosen und mit Winterpulli im Wohnzimmer zu sitzen, während der Beistellofen bollert. In Deutschland herrsche gerade Rekordwärme belehren uns die Nachrichten aus dem Internet. Alte Freunde und Bekannte aus dem alten Heimatland haben sogar uns Bilder von den Displays ihrer Wetterstationen geschickt, auf denen teilweise 40 Grad zu sehen waren.

Anders bei uns hier. Über eineinhalb Wochen hinweg hat sich das Thermometer nicht über die Marke von plus 10 Grad bewegt und es hat geschüttet. An einigen Tagen hatten wir das authentische Gefühl geschlossener Wasserdecke.

Raus gehen mit dem Hund? Nur mit Gummistiefeln und dem Friesennerz und nicht einmal der Hund hatte grosse Lust sich an der frisch-feuchten Luft zu bewegen. Überall hat es getrieft und getropst.

In den Zeiten des Klimawandels ist die Sache mit dem Sommer eben so eine Sache. In Lappland wird es seit Jahren kälter und klimatisch unbehaglicher; auch im Sommer. Eigentlich hatte man uns die Glaubenslehren aus dem Märchenbuch des Klimas anders erklärt: die Rede war von globaler Erwärmung. Wenn es sich an den Polen so wie hier am Polarkreis verhält müssen wir uns um das Polareis wirklich keine Sorgen machen; im Gegenteil.

Da warten wir mit dem Anpflanzen der Dattelpalmen mal sicherheitshalber noch ab.

Verregneter Kältesommer 2020 in Lappland - trister Blick durchs Fenster
Verregneter Kältesommer in Lappland - trister Blick durchs Fenster

Temperaturrekord in Lappland: Kälteste Julinacht seit 44 Jahren

Hach ja, der Klimawandel. Da isser wieder und kommt wie eine Grippe - plötzlich und unerwartet :-D

Das Wetter im Norden ändert sich bisweilen recht schnell.

Noch vor einer Woche litt Lappland unter einer Rekordhitze mit Tagestemperaturen um die plus 30 Grad, aber die gestrige Nacht brachte plötzlich die tiefsten Temperaturen mit sich, die seit 44 Jahren in einem Juli gemessen worden sind.

In Latnivaara (nord-westlich von Gällivare) wurden minus 3,3 Grad gemessen und in unserer Region wies das Thermometer plus 4 kurz nach Mitternacht. Dazu kübelte (und kübelt es noch immer) in Strömen.

Quelle dazu: SMHI


Lappland - „Schatz, hast Du irgendwo unser Haus gesehen? ;-D“


Weil es so schön passt, ein Bild aus dem vergangenen und sehr schneereichen Winter:
„Schatz, hast Du irgendwo unser Haus gesehen? ;-D“

Geteilter Spitzenplatz

Gerade hatten wir die Glanzleistungen der schwedischen PostNord hier im Blog.

Aber jetzt ist Zusammenrücken auf dem Siegertreppchen für die schlechteste Transportleistung in Schweden angesagt.

Und der geteilte Spitzenplatz geht an einen alten Bekannten: DHL, bundesdeutschen Lesern seit langem bekannt durch den Slogan „DHL - Als ob sie ihr Paket selber fallen lassen“.

DHL ist bekanntlich ein Unternehmen der Deutsche Post AG und ist - nach eigenen Angaben - mit 380.000 Mitarbeitern in 220 Ländern tätig.

So auch in Schweden.

Die jüngste Meisterleistung war ein kleines Paket (500 Gramm schwer) aus einer eiligen Bestellung, das von Göteborg zu uns nach Malå transportiert werden sollte.

Für die 1.120 Km von Göteborg nach Skellefteå benötigte DHL einen Tag.

Für die 123 Km von Skellefteå nach Malå benötigte DHL eine ganze Woche. In die Gänge kam die letzte Transportetappe auch erst aufgrund beharrlicher Nachfragen bei der DHL-Hotline (sonst würden wir wahrscheinlich heute noch warten).

Glückwünsche an DHL und einen grossen Applaus für den geteilten ersten Platz.

Die schwedische PostNord und Corona: Das Chaos hat einen Namen

Die schwedische Post (PostNord) hier wir ja schon öfters einmal hier im Blog.

In aller Kürze: PostNord ist eine Katastrophe.

Zum einen gehen massenhaft Sendungen verloren (bei Auslandssendungen insbesondere diejenigen, die nach Schweden transportiert werden) und auf dem Transport werden massenhaft Pakete geöffnet und ausgeraubt. Gerade die Sendungen aus dem Ausland sind bei den „Posträubern“ heiss beliebt. Wir hatten selbst schon viele Fälle verschwundener Sendungsinhalte (u.a. gestohlene Kameras und Objektivem Mobiltelefone und andere elektronische Geräte) zu beklagen.

Tipp: Pakete nach Schweden immer „wiedereintritsicher“ verpacken und rundherum (!) gut zutapen. Damit wird den - unter Zeitdruck stehenden - Räubern zumindest der schnelle Griff ins Paket unmöglich gemacht.

Zum anderen ist PostNord sehr gut darin, sich viel Zeit zu lassen mit der Zustellung. Die interne Transportlogistik muss ein ziemlicher Zustand sein. Sichtbar wird das, wenn man den Weg eines Paketes von A nach B über das Tracking verfolgt. Es ist nachvollziehbar, dass Pakete nicht den direkten Weg nehmen können, sondern über feste Routen und Paketzentren geschleust werden. Oft ist aber zu sehen, wie Pakete in mehreren Durchgängen auf und ab durch ganz Schweden geroutet werden. Irgendwann verliert sich dann die Spur und das Tracking liefert keine Ergebnisse mehr. Die Nerven von Absender und Empfänger liegen dann blank. Wenn man viel Glück hat, fällt einem Postmitarbeiter irgendwann durch Zufall ein verwaistes Paket auf und es kommt dann einige Wochen oder Monate später doch noch an. Leider ist das aber selten der Fall.

Man muss PostNord übrigens löblich zu Gute halten, dass sie zumindest medial scheinbar effektiv gegen die allgegenwärtigen Paketdiebstähle vorgeht. Auf dem YouTube Kanal von PostNord finden sich etliche Videos, in denen die heroische (aber leider erfolglose) Arbeit zur Aufklärung und Verhinderungen von Verbrechen gezeigt werden (z. B. Film 1, Film 2, Film 3).

Die Probleme mit PostNord sind nicht neu, sondern „alte Bekannte“.

Zum Hintergrund: Die heutige PostNord ist 2009 durch Zusammenschluss der schwedischen Posten mit der
dänischen Post Danmark zur Posten Norden, welche 2011 in Postnord (Eigenschreibweise PostNord) umbenannt wurde, entstanden.

Der schwedische Staat hält 60 % , der dänische Staat 40 Prozent der Anteile an der Aktiengesellschaft. Die Stimmrechte sind - zumindest theoretisch - im Verhältnis 50/50 zwischen den Eigentümern verteilt. In der Praxis hat die dänische Regierung aber immer wieder dezent darauf hingewiesen, dass sie die Mehrheitseigentümerin ist, insbesondere wenn es wieder einmal um Einsparungen und Rationalisierungen geht. Und mit der Privatisierung ist geschehen, was eben so im Rahmen von Privatisierungen ehemals staatseigener Dienste geschieht: Der Service wird schlechter, das Chaos grösser und die Preise steigen. Nichts Neues also, wenn da nicht die lästigen Kunden wären die erwarten würden, dass Briefe und Pakete unbeschadet und in der beworbenen Zeit ankommen. Bekannte und lästige Begleiterscheinungen von Privatisierungen eben und es ist ja nun leider nicht so, dass dieses Ergebnis ein völlig einmaliges und unerwartetes Phänomen wäre.

Was aber, wenn es in der Krise auf eine verlässliche Zustellung ankommt? Dann bekommt man die Quittung stehenden Fusses und genau so geschieht es gerade eben.

PostNord wird nämlich auch eingesetzt um Corona-Tests und Test-Kits zu transportieren und auszuliefern. In den Regionen Blekinge und Kronoberg sind 25% (!!!) der Corona-Testproben, die mit PostNord ins Labor geschickt worden sind, verspätet angekommen oder verschwunden. Nach Angaben der Regionen seien die Probleme „langwierig“ und man diskutiere „auf höchster Ebene“ mit PostNord um eine Lösung zu finden. PostNord bedauert die Verspätungen und weist den Vorwurf seit langer Zeit verspäteter Sendungen zurück (das haben Sie bei unseren diversen Beschwerden wegen verschwundener oder beschädigter und/oder gestohlener Sendungen auch immer formvollendet getan).

Schön jedenfalls, dass die Probleme von PostNord mit dem Kerngeschäft jetzt endlich mal in einer Krisensituation deutlich sichtbar zu Tage getreten sind. Ich bezweifle allerdings stark, dass sich etwas ändern wird, aber immerhin kann jetzt niemand mehr sagen, er hätte es nicht gewusst.

Geliefert wir bestellt.


Screenshot von der SVT-Meldung (Direktlink nicht möglich, weil Newsfeed):

postnord_katatsrophe_corona

Schweden und die WHO - Die Sache mit den doppelten Massstäben [2 Nachträge]

Schweden ist in Schockstarre und fährt die Stacheln aus. Die WHO, bekanntlich eine Koordinationsbehörde der Vereinten Nationen (UN), hat sich in einer Pressekonferenz (Pressemitteilung vom 25.06.2020) erdreistet, Schweden in den Kreis der elf Länder aufzunehmen, die erhebliche Probleme mit der Bewältigung der Corona-Pandemi haben. Der entsprechende Satz aus der Pressemitteilung lautet

„In elf dieser Länder hat eine beschleunigte Übertragung zu einem signifikanten Wiederanstieg geführt, der ohne entschlossene Gegenmaßnahmen die Gesundheitssysteme in der Europäischen Region erneut an ihre Belastungsgrenzen stoßen lassen wird.“

Welche Länder zu diesem „erlauchten“ Kreis gehören, ergibt sich aus der englischen Fassung der WHO Pressemitteilung.

Es handelt sich um: Armenia, Sweden, Republic of Moldova, North Macedonia, Azerbaijan, Kazakhstan, Albania, Bosnia and Herzegovina, Kyrgyzstan, Ukraine, Kosovo.

Und sofort ist ein faszinierendes Phänomen zu beobachten: Eigentlich stehen die Schweden voll und ganz auf internationale Organisationen, grenzübergreifende Zusammenarbeiten, usw. Der Tag der Vereinten Nationen (24. Oktober) wird z. B. an schwedischen Schulen mit grossem Trara gefeiert und begangen, und was an Verlautbarungen von der UN kommt, steht in Schweden hoch im Kurs.

Doch wehe, wenn sich eine der - ansonsten so hoch geschätzten Organisationen - mit einer Verlautbarung gegen Schweden wendet.

Umgehend wurde am heutigen Tage kommunikativ aufgerüstet und der Chef der schwedischen „Volksgesundheitsbehörde“ (Folkhälsomyndigheten), Anders Tegnell, hat zum Gegenschlag ausgeholt. Im der heutigen Sendung „Morgenstudio“ des schwedischen Staatsfernsehens schlug er verbal wie folgt zu:

Die WHO habe die schwedischen Daten völlig falsch interpretiert und daraus dann falsche Schlüsse gezogen. Und der eigentliche Fehler liege vermutlich darin, dass die WHO nicht zuerst in Schweden angerufen habe, um sich die Lage hier erklären zu lassen um seine Aussagen damit zu krönen und abzuschliessen, dass die Aussage der WHO in Anbetracht der angespannten Lage für den schwedischen Tourismus schliesslich sehr ungeschickt sei.

Pure Scheinheiligkeit, denn dass das schwedische Gesundheitssystem unter der Leitung der Volksgesundheitsbehörde die Lage nicht im Griff hat und viel zu spät und viel zu seicht reagiert hat, ist - in Schweden wie auch im Rest der Welt - weitgehend unstreitig.

Ich zitiere mal einen anderen Blogger: Es sind nicht die Massstäbe die mich ankotzen, es sind die doppelten Massstäbe.


Nachtrag 2020-06-26: Im Laufe des Tages ist die WHO nach den energischen Protesten aus Schweden verbal ein kleines Stück zurück gerudert, hat aber Schweden auf der Liste der elf Problemländer belassen.

Nachtrag 2020-06-27: Und schon ist auch Visita (der Branchenverband der im Tourismus tätigen Unternehmen) zur Stelle um sich darüber zu beklagen, dass Schweden derzeit täglich 316 Millionen SKR (umgerechnet ca. 33 Millionen Euro) an Einnahmen im Tourismus verliert. Die führenden Länder, aus denen Touristen nach Schweden kommen, würden nämlich weiterhin wegen der gerade in Schweden hohen Corona-Virulenz von Reisen nach Schweden abraten. „Das ist eine Katastrophe“ sagt Thomas Jakobsson, der Finanzchef von Visita (Quelle: Link zu SVT). Wieso eigentlich? Geliefert wie bestellt.

In Lappland rast der Bär

In Lappland rast der Bär

und hinterlässt seine Spuren...