Naturschauspiel im Rückspiegel - Wieder einmal bezaubernde Perlmuttwolken über Lappland

Liebe Leser: Legt Euch bitte sofort einen Schal um den Hals und vergesst nicht die Mütze aufzusetzen, denn angeblich sollen gute Nachrichten Gegenwind auslösen.

Daher unser Tip:
Schützt Euch vor Stürmen und seien diese auch nur virtuell!

Bereit? Los geht's!

Vor einigen Tagen hatten wir eine bezaubernde Aussicht im Rückspiegel zu verzeichnen: Perlmuttwolken von der schönsten Sorte. Bedingt durch die Wetterlage waren die Temperaturen in der Stratosphäre hinreichend kalt, um dieses phantastische Phänomen hervor zu rufen.

Perlmuttwolken in Lappland 2020


Hatten wir zwar schon hier im Blog (Link) hier (Link) und leider waren wir etwas in Eile, denn dieses Phänomen ist es wert, einfach nur in aller Ruhe bestaunt zu werden.

Was gibt es sonst noch so an Neuigkeiten in Lappland?

Januarwetter in Lappland 2020


Das Wetter ist immer einer Diskussion wert.

Während Donald Trump und die Heilige Greta in Davos die Klinge kreuzen (Link)

- fällt dieser Hinweis nun in die Kategorie „Fehlentwicklung in Politik und Gesellschaft“? Wenn dem Hinweis zugestimmt werden kann bedarf es zu diesem nicht jede Menge bejahender Kopfnicker vom Leser? Denn bei Berichten von Fehlentwicklungen erhalten die Menschen bekanntlich mehr Zustimmung; jedenfalls laut eines mit sich unzufriedenen Lesers. Wir bitten so denn um Standing Ovations! -

ist der diesjährige Winter in Lappland ziemlich warm. Auch der Tourismus und die Autotestbranche leiden in diesem Jahr sehr.

ABER wir können die werte Leserschaft beruhigen.

Der diesjährige Winter hat rein gar nichts mit einem CO2-bedingtem Klimawandel und nur ein wenig mit dem politischen Klimawandel zu tun.

Vor exakt einem Jahr zeigte das Thermometer noch minus 31 Grad - heute waren es plus sieben. Ist natürlich viel zu warm (und es liegt auch viel zu wenig Schnee) für den Januar, aber kurzzeitige Ausreisser hatte es immer wieder in Sachen Wetter gegeben.

Was ist gewesen? Das, was sein wird! Und was hat man gemacht? Das, was man machen wird! Und es gibt nichts Neues unter der Sonne.


Prediger Kap. 1 Vers 9

Ach übrigens noch etwas. Hätte ich fast vergessen! Link.

Lappland: Und jährlich grüsst die Windkraft - und das noch lange Zeit

Das Thema Windkraft hat sich hier im Blog im Laufe der Jahre leider zu einem Dauerbrenner entwickelt. Heute wollen wir das leidige Thema mal vom anderen Ende her aufrollen.

Die Lebensdauer der hier in Lappland verbauten Windanlagen liegt bei ca. 20 Jahren. In Anbetracht der witterungsbedingten Extrabelastung könnte sie auch etwas darunter liegen. Schon bald steht uns eine grosse „Verschrottungswelle“ bevor.

Pikantes Detail dabei am Rande: Die Windkraft-Betreibergesellschaften haben die Flächen für die Windparks von den Grundstückseigentümer mit langfristigen Verträgen gepachtet. Die Grundstückseigentümer verdienen dabei ganz gut. Und die Aussicht auf das grosse Geld hat manchen Grundstückseigentümern den Blick aufs Kleingedruckte getrübt. In manchen Verträgen der ersten Generation ist nämlich keine Rückbaupflicht enthalten. Auf gut Deutsch: Wenn die Anlagen stillgelegt werden, dann werden sie ausgeschlachtet und der Rest bleibt dann einfach stehen. Es wird dann nur eine Frage der Zeit sein, bis der verbliebene Schrott irgendwann zusammenfällt.

Aber wenden wir den Blick wieder auf die Anlagen, die demnächst hoffentlich fachgerecht zerlegt und entsorgt werden. Bei denen gibt es nämlich leider auch ein kleines Problemchen mit dem Namen „Rotorblätter“. Die sind nämlich aus faserverstärkten Kunststoffen. Ihr wisst schon, dass Zeugs aus dem auch die Boote sind, mit denen die „Heilige Greta“ „klimafreundlich“ (und mit Plastikklamotten am Leib) hin und zurück über den Atlantik geschippert ist.

Zur Erläuterung mal noch ein paar erhellende Zitate:

„GFK-Abfälle (Rotorblätter von Windkraftanlagen, GFK-Produktionsrückstände aus der Automobil-, Freizeit- und Elektroindustrie sowie Boote und Flugzeuge), können zu Ersatzbrennstoffen (EBS) aufbereitet werden, die als Substitut in der Zementindustrie eingesetzt werden und sowohl Energie als auch Primärrohstoffe (SiO2) ersetzen.“

- Quelle -

Auf Deutsch: Die werden als Sondermüll verbrannt und „energetisch“ wiederverwertet.

„Das Problem sind die Rotorblätter. Sie bestehen aus faserverstärkten Kunststoffen. Bisher gibt es in ganz Deutschland nur eine Anlage, die diese verwerten kann.“
- Quelle -

„Nach Aussage des Umweltbundesamtes (UBA) drohen Engpässe bei den Recyclingkapazitäten für die faserverstärkten Kunststoffe der Rotorblätter von Windkraftanlagen. Damit verbunden sein können Risiken für Mensch und Umwelt beim unsachgemäßen Rückbau. Bei allen anderen Bestandteilen aber seien Entsorgung und Recycling sicher. Dies zeigt eine gerade erstellte Studie im Auftrag des UBA.“
- Quelle -

In Schweden sieht es mit dem Recycling genau so düster aus.

Ein Blick über den grossen Teich schafft Perspektiven in diese wichtigen Frage. Schauen wir doch mal, welche Entsorgungsperspektive das „Hochtechnologieland“ USA für uns hat.

Die Wyoming News hatten kürzlich über eine einfache, billige, aber natürlich äusserst „dreckige“ und umweltschädliche Entsorgungsmethode berichtet („Casper Regional Landfill begins burying turbine blades“).

Es werden dort einfach grosse Gruben ausgehoben, und dann werden abgewrackte Rotorblätter darin gestapelt, und schliesslich wird alles wieder zugekippt. Dann sieht alles wieder optisch perfekt aus und wen kümmert es schon, dass es Jahrtausende dauern wird, bis sich der verbuddelte Sondermüll irgendwann vielleicht einmal zersetzt haben wird.

Also hier in Lappland gibt es viel stillgelegten Tagebau. Die Renaturierung der durch den schonungslosen Abbau geschaffenen Wüstenlandschaften erweist sich immer als langwierig und teuer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch hier jemand die kreative Idee aufgreifen wird.

Schlussfolgerung: Wer auch immer gedacht hat, es könnte nicht mehr schlimmer werden, hat sich getäuscht. Wir werden noch Dinge erleben, die wir uns nicht vorstellen können.


Windpark in Lappland: Abgewracktes Rotorblatt harrt seiner Entsorgung
Windpark in Lappland: Abgewracktes Rotorblatt harrt seiner Entsorgung


Weckruf aus der Vergangenheit: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und Veganismus als geschützte Weltanschauung

Ein Arbeitsgericht in England hat vor einigen Tagen einen interessanten Fall entschieden:

Ein 55-jähriger Mann war von seinem Arbeitgeber, einer Tierschutzorganisation, entlassen worden. Der entlassene Arbeitnehmer hatte Bedenken dagegen geäussert, dass der Rentenfonds der Organisation möglicherweise auch in Unternehmen investiert, die Tierversuche nutzen. Der gekündigte Arbeitnehmer war bekennender Veganer. Der Arbeitgeber warf ihm hingegen grobes Fehlverhalten vor.

Das englische Gericht sah den Veganismus des Gekündigten als eine geschützte Weltanschauung an, und eröffnete damit den Weg für die Anwendung des auf den europarechtlichen Gleichbehandlungsrichtlinien beruhenden Antidiskriminierungsgesetzes. Für das Gericht war es dabei entscheidend, dass sich der gegen die Kündigung klagende Arbeitnehmer nicht nur vegan ernährt, sondern auch beispielsweise bei seiner Bekleidung auf tierische Materialien verzichtet. Damit sah das Gericht eine vom Antidiskrminierungsgesetz geschützte Weltanschauung als gegeben.

Quelle: The Guardian vom 3.1.2020

Was hat das jetzt mit dem Lapplandblog zu tun?

Da müssen wir zeitlich etwas zurück gehen in das Jahr 2006. In diesem Jahr ist in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (die deutsche Umsetzung der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien) in Kraft getreten. Ein Thema, für das ich mich damals in meiner Tätigkeit als Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht brennend engagiert hatte. Und gesagt, getan, das Thema hatte mich so beschäftigt, dass ich das - soweit ich weiss - erste Fachbuch zu dem damals neuen Gesetz verfasst habe.

Das Werk „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“ war am 1. Juli 2006 im Rieder Verlag erschienen (und hat sich - nebenbei gesagt - zu einem echten Verkaufsschlager entwickelt) und ist sogar heute noch auf Amazon gelistet (Link).

§ 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) hat folgenden Wortlaut:

„Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“


Bei der Erstellung des Manuskriptes zum damals neuen Gesetz haben wir - mein geschätzter Freund Assessor Daniel Burchard und ich - lange Diskussionen geführt, was denn alles unter den Begriff "eine geschützte Weltanschauung" fallen könnte.

Ich darf mal aus der ersten Version des Manuskriptes aus dem Jahre 2006 zitieren:

„Unter „Weltanschauung“ wird überwiegend ein Gegenbegriff zum Glauben bzw. zur Religion verstanden, der durch seine a- oder antireligiöse Eigenschaft gekennzeichnet ist.Andere sehen darin einen Oberbegriff für religiöse wie nichtreligiöse Sinnsysteme (vergl. Dreier GG, 2. Aufl. 2004, Art. 4 Rz. 68). Wegen der Gleichbehandlung der beiden Begriffe in § 1 kommt es darauf aber letztlich nicht an.Wie Religionen sind auch Weltanschauungen sozial geteilte Sinnsysteme. So setzt auch eine Weltanschauung eine soziale Basis und ein Mindestmaß an Kommunikation über die gemeinsamen Überzeugungen voraus, ohne dass eine verfasste Organisation zur Pflege der gemeinsamen Überzeugung notwendig wäre. Schließlich ist auch eine gewisse Umfänglichkeit des Vorstellungskomplexes zu verlangen (Dreier a. a. O.).“


Juristisch gesehen waren das alles andere als einfache Fragen, denn der Staat darf sich ja eigentlich nicht das Recht herausnehmen zu definieren, was denn eine Religion oder Weltanschauung ausmacht. Um das Ganze anschaulich zu machen, haben wir damals haufenweise mehr oder weniger sinnvolle Beispielsfälle gebildet.

Für den Begriff der Religion war das Unterfangen einfach, denn fast alle können sich unter diesem Begriff auch ohne viele Beispiele und Erklärungen etwas vorstellen. Aber Weltanschauung war da bedeutend schwerer. Auch in der späteren Rechtspraxis gibt es so gut wie keine Urteile aus dem Bereich der Weltanschauung.

Und genau deswegen hat es mich so gefreut, von der aktuellen Entscheidung des englischen Arbeitsgerichtes zu lesen, die sich auf eine geschützte Weltanschauung berufen hat - und dazu noch ganz in dem von uns damals angedachten Sinne.

Zur Geschlossenheit der veganen Weltanschauung zitiert der Guardian:

„Ethical vegans, like dietary vegans, eat a plant-based diet, but ethical vegans also try to avoid contact with products derived from any form of animal exploitation. It includes not wearing clothing made of wool or leather and not using products tested on animals. … Judge Robin Postle ruled in a short summary judgment that ethical veganism satisfied the tests required for it to be a philosophical belief protected under the Equality Act 2010. For a belief to be protected, it must meet a series of tests including being worthy of respect in a democratic society, not being incompatible with human dignity, and not conflicting with the fundamental rights of others.“


Ausserdem sei es evident, dass diese Weltanschauung von einer grossen Anzahl Menschen weltweit geteilt werde.

Schön, dass sich juristisch richtige Auffassungen manchmal durchsetzen. Leider ist das bei weitem nicht immer der Fall. Genau genommen geschieht das sogar immer seltener, weil politische Interessen und Erwägungen zunehmend die Rechtsauslegung beeinflussen. Das aber sei nur am Rande erwähnt, und darum soll es hier nicht gehen (möge aber dem einen oder anderen Leser ein Hinweis darauf sein, warum ich damals die Juristerei hinter mir gelassen habe).

Wie ist es mit dem Diskriminierungsrecht weiter gegangen?

Wurde ein besserer Schutz gegen Diskriminierungen in der Arbeitswelt erreicht?

Auch hier fällt die Prognose leider ziemlich düster aus. Menschen mit Behinderungen zum Beispiel haben praktisch nicht nennenswert vom AGG profitiert. Genau so düster sieht es im Bereich der Altersdiskriminierung aus (einfacher Lackmustest: versuchen Sie einfach mal einen neuen Arbeitsplatz zu finden, wenn sie älter als 50 Jahre jung sind). Einige Randgruppen haben aus den gesetzlichen Vorschriften zwar Vorteile ziehen können, in der Breite gesehen ist das Gesetz aber leider geworden, was viele befürchtet hatten:

Ein Papiertiger.

Jetzt aber wieder zurück ins hier und heute nach Lappland.


Pastafari Nudelsieb
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Jahresrückblick und Ausblick aus Lappland - Willkommen in der Zukunft

In unserer Jugend haben wir Filme wie Mad Max, Die Klapperschlange und Terminator geschaut. Allesamt in den 80ern gedreht und mit einem Ausblick auf eine düstere Zukunft irgendwann um die Jahrtausendwende.

Die Klassiker "Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley und „1984“ von George Orwell durften wir sogar schon in der Schulzeit studieren.

Tja, und im zurückliegenden Jahr hat sich die Erkenntnis verfestigt, dass sich die grössten Anteile dieser düsteren Zukunftsvisionen aus dem vorigen Jahrtausend mittlerweile verwirklicht haben. Nicht die plakativen Szenen, sondern die Schilderung von Chaos, Anarchie und verkommenen, maroden und abgewirtschafteten Systemen.

Lappland ist ja ein bisschen wie Ostfriesland. Vielleicht erinnern sich Teile der Leserschaft noch an den alten Witz:

„Was würden Sie tun, wenn plötzlich die Welt untergehen würde?
Schnell nach Ostfriesland umziehen, denn da geschieht alles immer erst 50 Jahre später.“


Auch hier unterm Polarkreis haben wir manchmal diesen Eindruck. Die Kleidermode z. B. befindet sich gerade im Umbruch von den 70ern zu den 80ern Jahren. Gleiches gilt für die Technikgläubigkeit (im Sinne einer Abwendung vom Glauben), die Umweltzerstörung und die angewendeten Management-Methoden.

Hat ja auch seine gute Seiten, denn oft denken wir einfach nur „Aha“ und erinnern uns, wie wir das aus früheren Zeiten schon so kennen. Andererseits ist das gleichzeitig auch ziemlich bedrückend, denn wir wissen ja, wo es mit grösster Wahrscheinlichkeit hinführen wird. Ein anderer Auswanderer hat die Region Lappland neulich als ein „grosses lebendes Museum“ bezeichnet.

Aber die globalen Trends (siehe Einleitung) erstrecken sich auch bis nach Nordschweden. Durch den Abstand zur pulsierenden Gesellschaft in den südlicher gelegenen Ballungszentren, nehmen wir sie - wie systemfremde Beobachter - vielleicht einfach nur viel deutlicher wahr. In diesem Sinne ist der Rückblick auf das vergangene Jahr sehr von dem Eindruck „Willkommen in der - bereits bekannten - Zukunft geprägt“.

In der näheren Umwelt erleben wir Mittelkürzungen allerorten. Die Finanzierung der öffentlichen Hand ist nicht mehr ausreichend vorhanden und das was noch da ist, wird für die falschen Sachen ausgegeben. Die Kommunen legen einen Bereich nach dem anderen still. Das Gesundheitssystem befindet sich in einer Dauerkrise, die Zustände in Alten- und Pflegeheimen sind katastrophal. Und in diesem Jahr hat das „grosse Sparen“ auch bei den Schulen angefangen. Die Verwaltungen werden „durchdigitalisiert“, was a) nicht funktioniert und b) zur weiteren völligen zwischenmenschlichen Erkaltung führt.

Bodenschätze und Rohstoffe werden weiter und in zunehmendem Umfang weiter rücksichtslos ausgebeutet.

Für „Otto-Normalverbraucher“ wird es immer schwerer, einen - wenn auch kleinen - Raum der „Normalität“ zu bewahren, denn die Tentakel einer gefühlten und erlebten Krake dringen bereits in fast alle Lebensbereiche vor.

Kurz: Nach altbewährtem - und uns bekanntem (siehe oben) Schema - wird bei denen gespart, die sich nur am schwersten wehren können oder die bei der nächsten Wahl noch nicht oder nicht mehr werden mitwählen können. Die Solidarisierung in der Bevölkerung und der Gesellschaft werden verhindert, wie und wo es nur geht.

Tipp: Wer immer sich mit dem Gedanken ans Auswandern nach Nordschweden (oder irgendwo anders hin) trägt, möge bitte die rosarote Brille abnehmen und der Realität ins Auge sehen.

Beispiel gefällig?

Wenn du einen Hund oder Katze deinen Mitbewohner nennst und das Tier erkrankt, so konsultierst du einen Veterinär. Dieser "heilt" dein Tier und du weisst, schon beim Kauf des Tieres, dass solch eine Situation auf dich zukommen kann. Du hälst somit die finanziellen Mittel bereit. Zumindest teilweise.

Hier in Schweden wird der Tierarzt aufgesucht, wenn du kein Geld für die Therapie hast. Der Arzt ist nicht mehr der Helfer gegen die Krankheit des Tieres, damit Mensch und Tier noch weiterhin gemeinsam den Lebensweg beschreiten können, sondern wird zum "Erlöser" - für den Geldbeutel des Menschen.

Denn zu 99% ist eine Behandlung zwar machbar, aber der Tierbesitzer nicht einsichtig genug. Für ihn muss ein Tier gesund sein („funktionieren“). Erfüllt es diese Forderung nicht, wird es eingeschläfert. Für diesen Akt hat der Halter das Geld - für ein paar Tabletten oder Spritzen, die dem Tier wieder ins Leben helfen, nicht.

Funktionalität auf allen Ebenen ist gefordert! Na! Immer noch rosarot blickend?

Möglicherweise ist das alles aber nicht nur eine Zustandsbeschreibung Nordschwedens, sondern eine Zustandsbeschreibung der gesamten zivilisierten Welt.

Auf der persönlichen Seite gab es im abgelaufenen Jahr bei uns durchaus auch einige schöne und auferbauende Geschehnisse. Unsere Freunde wissen, wovon ich schreibe, und ich muss das hier gar nicht weiter ausbreiten.

Zusammenfassend war das Jahr 2019 eigentlich „wie zu erwarten“, wenngleich zum Jahresbeginn die Hoffnung bestanden hatte, die negativen Entwicklungen könnten teilweise sich wenden, oder sich zumindest verlangsamen.

Aber - wie heisst es so schön - die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, also hoffen und wünschen wir uns für 2020, dass sich die Entwicklungen teilweise wenden, oder zumindest verlangsamen.

Kommt alle gut in das neue Jahr!

Digitales Feuerwerk in Lappland zum Jahreswechsel 2019-2020
Bitte, bitte: Ein rein digitales Feuerwerk reicht völlig!
Lasst den Quatsch mit Raketen und Böllern: Denkt an die Tiere!
(Und wenn Euch das egal ist, dann denkt insoweit meinetwegen ans Klima...)
Aber lasst das Feuerwerk bleiben!

Familie Pinguin auf Reisen, oder: wie pädagogisch wertvoll sind heute Spielsachen?

Da ist uns über Weihnachten ein Übi-Ei (neudeutsch: Ü-Ei, sehr altdeutsch: Kinder Überraschungs Ei) in der Grösse XL ins Haus geflattert.

Die Schokolade, die ein aus Plastik bestehendes Spielsache umhüllt, ist vermutlich nicht ganz so gesund, doch sie würde nach Frau Lapplandblogs Aussage, wie früher schmecken.

Der Inhalt des Überraschungseis aber brachte uns ziemlich zum Staunen.

Die Rückseite des „Beipackzettels“ aus dem Übi-Ei
Die Rückseite des „Beipackzettels“ aus dem Übi-Ei


Der Eisbär aus Plastik auf der Vorderseite des „Beipackzettels“
Der Eisbär aus Plastik auf der Vorderseite des „Beipackzettels“ aus dem Übi-Ei


Eine kleine Geschichte dazu:

Herr und Frau Pinguin aus den äquatornahen Galápagos-Inseln gönnen sich eine Reise welche sich Frau Pinguin zu Ihrem Geburtstag gewünscht hatte.

Der Gattins Wunschziel war der Nordpol, um die dort lebenden Eisbären besuchen zu können.

Ihr Gatte buchte so denn eine Last-Minute-Reise über Zwitscher mit Schwalben-Airline, und am nächsten Morgen landeten die beiden in der Arktis.

Das Igluhotel indem das Ehepaar untergebracht war, machte mächtig Eindruck auf Frau Pinguin, und nachdem sie das Zimmer für gut befand, watschelten die beiden Richtung Bärensee.

Die Sonne gab ihr Bestes, damit die Reisenden einen unvergesslichen Tag verbringen konnten. Daher mussten sich die kleinen Pinguinischen Sonnenhütchen stramm gegen die Strahlen von Frau Sonne entgegen stemmen.

Über Eisschollen, Kräuter, Moose und Flechten spazierten sie zum Bärensee. Herr Pinguin klärte seine Frau darüber auf, dass etwa fünf Prozent der Bodenfläche in der Polarwüste bewachsen sind und dass es in dieser Gegend Kältesteppen und wegen der Erdkrümmung nur wenig Sonneneinstrahlung gäbe. Interessiert hörte Frau Pinguin ihm zu.

Endlich am See angelangt bot sich ihnen ein wunderbarer Anblick!

Frau Eisbär spielte mit ihrem Sohn, der auf einem kleinen Igludach herum tollte. Vater Eisbär rutsche bäuchlings den Gletscher herunter und Opa gönnte sich im Liegestuhl einen Lachanfall. Er las nämlich soeben das aktuelle Feuilleton in dem "Blatt der kalten Wüste", das von dem neuen Jungautor Frido Frier bedient wird.

Oma Eisbär räkelte sich wie jeden Dienstag in der Wanne auf der Scholle und genoss die Sonne bei ihrem Bad.

Ende der Geschichte. Schwenk zur heutigen Realität.

Leider ist diese an die Zielgruppe Kinder gerichtete Szenerie in den aktuellen Überraschungseiern gänzlich aus Plastik gebaut.

Die Gebrauchsanleitung und Warnhinweise sind auf Hochglanzpapier gedruckt.

Plastikspielzeug verniedlicht eine wegen eben desselben aussterbende Spezies und einen im Verschwinden begriffenen Kontinent.


Wie pervers ist das eigentlich?

Die Verantwortlichkeit für die Umweltschädlichkeit dieses Plastikspielzeuges liegt bei der Industrie, die solchen Schrott herstellt. Die Industrie wäre gut beraten, ihren Kunden umweltfreundliche Alternativen anzubieten! Denn wenn es die Kunden und Verbraucher schnallen, was da eigentlich vor sich geht, werden sie sich dem Kauf entziehen.

Scheint ein richtiges „Gretanisches Übi-Ei“ (oder ein trojanisches?) zu sein, dass sich da als kleine Aufmerksamkeit zu uns verirrt hat.

Das wird den Herstellern nicht gefallen, denn das oberste Ziel des marktwirtschaftlichen Strebens ist doch ewiges Wachstum (was immer das heissen mag, denn sogar die Theologie hat so ihre Probleme mit der Begriffsklärung, was denn eine Ewigkeit eigentlich ist).

Sollte dieser Beitrag von einem Verantwortlichen aus dem Kreise der Hersteller gelesen werden, so sei dieser gebeten eine Mail mit der Erklärung von "Ewigkeit" (aus dem Motto der Industrie "ewiges Wachstum“) zu verfassen.

Dann würden wir auch gerne wissen, was denn die Industrie zu tun gedenkt, um den Widerspruch zwischen Plastikspielzeug, deren Bildergeschichten und der politischen Wirklichkeit des Klimawandels aufzulösen.

Scharen von Kindern und Jugendlichen glauben schliesslich an den politischen Klimawandel und die Aussage „Wir sterben alle am Klimawandel“. Der Inhalt des Übi-Eis kann also Kindern und Jugendlichen schwere psychologische Schäden zufügen.

Denn so manches Kind sitzt sogar beim Therapeuten, wenn es die Lüge der Erwachsenen aufdeckt, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Wie schlimm wird es dann erst werden, wenn sie wegen des Klimawandels beim Therapeuten sitzen (denn nicht jeder kann gleich Greta werden)?

Die Therapien wegen des Wahnvorstellung eines Sterbens aufgrund des politischen Klimawandels ist Utopie?

Naja.

Weil es so schön zum Thema passt: „Wir müssen anfangen Babies zu essen" - Klimakonferenz gerät ausser Kontrolle (englisch mit deutschen Untertitel).

Das Ding mit den Weihnachtskarten

Zum Advent und zu Weihnachten noch eine Nachlese für alle, die sich mit dem Gedanken ans Auswandern beschäftigen (oder ihre alte Heimat erst vor kurzem verlassen haben).

Eine Binsenweisheit: Auswandern bedeutet weggehen und woanders ankommen. Der Kontakt zur Familie, zu alten Freunden und Bekannten dünnt sich im Laufe der Zeit aus. Das ist an und für sich ein ganz natürlicher Vorgang und gar nichts besonders Merkwürdiges.

Kurz nach einer Auswanderung wollen Dich noch viele Menschen (vornehmlich „lose“ Bekannte und „entfernte“ Verwandtschaft) besuchen, um sich einen netten Urlaub mit Vollversorgung zu erschleichen und ihre Neugierde zu befriedigen.

Deine Entscheidung, ob Du Dich darauf einlässt. Bedenke, was Du tust.

Der Flurschaden, den die Scharen von Besuchern oft hinterlassen, kann beträchtlich sein. Am besten ist es, wenn Du von vornherein klar stellt, dass es Taxis für die Abholung vom Flugplatz und ein nettes Hotel in angemessener Nähe gibt.

Natürlich gibt es auch die Handvoll Menschen, auf die man sich, bzw. auf deren Besuch man sich wirklich freut. Investiere in diese Beziehungen, damit Sie unter dem räumlichen Abstand nicht leiden.

Dann gibt es da so Dinge wie Geburtstags-, Weihnachts- und Neujahrswünsche. Und da möchten wir heute mal aus dem Nähkästchen plaudern.

Vorab: Die folgende Schilderung ist völlig ohne Wertung und ohne Emotionen. Es geht schlicht um Fakten.

Über die mittlerweile fast 15 Jahre hinweg waren wir immer fleissige Weihnachtskartenschreiber. Allen Portoerhöhungen und dem nicht unerheblichen Zeitaufwand zum Trotz, haben wir über all die Jahre jährlich ca. 40-50 private Weihnachtskarten in alle Welt versendet. Vornehmlich nach Deutschland.

Doch die Zahl der Rückläufer hat sich von Jahr zu Jahr verringert. Deswegen haben wir dieses Jahr den Entschluss gefasst, dass es keine Weihnachtskarten mehr gibt. Ganze zwei Weihnachtskarte sind bei uns dieses Jahr aufgeschlagen, eine von befreundeten Schweden und eine von einer anderen Auswandererfamilie. Dazu kommen noch zwei Emails und natürlich etliche Grüsse via Facebook (die aber wegen des nicht vorhandenen Zeit- und Energieeinsatzes hier nicht zählen).

Eingehende Weihnachts- und Neujahrswünsche? Also weitgehend Fehlanzeige.

Stattdessen erreichen uns und gerade zur Adventszeit viele Mails mit Hinweisen auf diverse Schlechtigkeiten in dieser Welt.

Ist es die Hilflosigkeit der Absender, weil sie nicht selbst aktiv werden wollen? Warum werden wir so gerne als psychischer Mülleimer benutzt?

Auf der einen Seite heisst es in den Medien, die Nutzung des Internets schade dem Klima, weil durch den immensen Energieverbrauch zu viel CO2 ausgestossen würde. Die fleissigen Mailschreiber scheint das aber nicht zu interessieren.

Andererseits schreibt anscheinend niemand mehr Postgrusskarten und verschickt sie, wahrscheinlich weil deren Transport angeblich auch das Klima schädigen würde.

Vielleicht ist dem Nicht-Absender der Kartenempfänger es nicht mehr "wert" weil das Schreiben einer Grusskarte dem Absender Arbeit und Mühe bereitet.

Postversand und Internetnutzung sollen Klimaschädlich sein.

Netter Widerspruch, schon einmal darüber nachgedacht?

Oh - eine andere Sache kommt auch noch hinzu. Sehr viele Grusskarten werden - wie auch viele andere Dinge des täglichen Gebrauchs - in China hergestellt.

Vor einigen Tagen ging es gerade durch die Medien (Link):

Weihnachtskarten der britischen Supermarktkette Tesco werden anscheinend von ausländischen Häftlingen in einem chinesischen Gefängnis hergestellt und verarbeitet: Ein sechsjähriges Mädchen hatte beim Schreiben einer Karte einen Hilferuf erhalten.

Die Briten zwingt das zum Blick hinter die Kulisse der Weihnachtsidylle.

Uns vielleicht auch?

Das Ding mit den Weihnachtskarten